Künstliche Intelligenz
Lego Smart Play: Fünf weitere Star-Wars-Sets angekündigt
Lego hat fünf weitere Star-Wars-Sets angekündigt, die mit den elektronischen Bausteinen der Smart-Play-Reihe ausgestattet sind. Die fünf zusätzlichen Sets ergänzen die drei auf der CES 2026 angekündigten Smart-Play-Pakete mit Star-Wars-Lizenz. Alle werden zum 1. März veröffentlicht.
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Laut Lego ist das Smart-Play-System die „größte Innovation“ seit der Einführung der Minifiguren im Jahr 1978. Zehn Jahre Entwicklungszeit und 25 Patente sollen in der Technik stecken: Ein 2×4-Stein mit integrierter Elektronik erkennt Bewegungen, generiert Sounds, steuert LEDs und kommuniziert drahtlos mit anderen Legosteinen – ohne App-Zwang, Bildschirme oder externe Controller. Für die Benutzer sieht das alles aus wie ein normaler Legostein.
Neu wurden folgende Star-Wars-Sets mit Lego Smart Play angekündigt:
Sie ergänzen die bereits zur CES 2026 vorgestellten Star-Wars-Sets:
Neue Modelle ohne Smart Brick
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Das Smart-Play-System besteht aus drei Komponenten: Der Smart Brick (2×4-Stein) bildet das zentrale elektronische Element mit Sensorik, ASIC, Funk, Audio und LEDs. Dazu kommen Smart Tags (2×2-Fliesen, also ohne Noppen) als passive ID-Träger, die vom Smart Brick ausgelesen werden, sowie smarte Minifiguren, die äußerlich normalen Minifiguren entsprechen, aber einen internen Chip zur Identifikation tragen.
Im Gegensatz zu den zur CES 2026 vorgestellten Sets haben die fünf neuen Modelle keinen Smart Brick an Bord, sind also eigenständig nicht in vollem Funktionsumfang nutzbar. Sie sind als Ergänzung zu anderen Sets gedacht, die mit Smart Brick ausgeliefert werden. Einzeln kann man einen Smart Brick derzeit nicht bestellen.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Palantir-Chef Karp: „Wir unterstützen Kriegsführung und wir sind stolz darauf“
Wer tötet effizienter, wer heilt effizienter? Palantir will für alles die Antwort sein, das machte das Datenanalyseunternehmen auf seiner Artificial Intelligence Platform Conference (AIPCon) deutlich. In Tolkien-Ästhetik, mit ineinander verschlungenen Ringen und mit dem rot leuchtenden Schriftzug „There are no secrets“ – ein Versprechen, das bei Konkurrenten, Gegnern oder Kritikern als Drohung aufgefasst werden kann. CEO Alex Karp verteidigte dabei offen die Rolle seines Unternehmens in tödlichen Militäreinsätzen – auf derselben Bühne, auf der Krankenhäuser ihre KI-gestützte Patientensteuerung vorstellten und ein Rodeo-Veranstalter seine Bullenreiter-Analytik. Berührungsängste waren nicht zu erkennen, unabhängig überprüfbare Belege für die vorgestellten Erfolgszahlen ebenso wenig. Kunden aus Militär, Industrie und Gesundheitswesen lobten auf der Bühne die eigenen Palantir-Projekte.
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„Sie werden keinen einzigen Fall finden, bei dem eine Operation erfolgreich war, tödlich war, der Gegner zerschlagen wurde und möglichst wenige unschuldige Menschen ums Leben kamen, bei dem keine Software eine Rolle gespielt hat“, sagte Karp, und: „Wir sind in jedem einzelnen dieser Kämpfe.“ Palantir dokumentiert Partnerschaften und Einsätze in der Ukraine, im US-Militär und in Israel; in einer schriftlichen Antwort an die UN-Sonderberichterstatterin (PDF) gibt das Unternehmen jedoch an, Israel zwar zu unterstützen, jedoch nicht an den Systemen „Gospel“ oder „Lavender“ beteiligt zu sein. „Wir sind sehr, sehr stolz darauf, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass amerikanische Männer und Frauen sicher, glücklich und stolz auf das, was sie tun, nach Hause zurückkehren. Manchmal bedeutet das jedoch auch, dass Menschen auf der anderen Seite nicht nach Hause zurückkehren.“ Mitarbeiter könnten in dieser Frage unterschiedlicher Meinung sein, aber sobald ein Krieg begonnen habe, wolle Palantir nicht darüber debattieren, wie es Soldaten im Einsatz unterstütze.
Im CNBC-Interview am Rande der AIPCon bezeichnete Karp KI als gefährlich. Er sagte, KI werde die ökonomischen und damit auch die politischen Machtverhältnisse in westlichen Gesellschaften erheblich verschieben. Besonders betroffen seien aus seiner Sicht oft hochgebildete Wählerinnen, die überwiegend die Demokraten unterstützten. Zugleich werde die Technologie die wirtschaftliche Macht von Menschen in Ausbildungsberufen und aus der Arbeiterklasse stärken. Diese Umwälzung werde jeden Bereich der Gesellschaft erfassen, sagte Karp. Wer glaube, eine solche Verschiebung ökonomischer und politischer Macht werde folgenlos bleiben, verkenne die Lage. Zugleich stellte er die Frage, wie sich diese Entwicklung jenen vermitteln lasse, die aus ihrer Sicht künftig schlechtere und weniger interessante Jobs haben würden. Wie KI die Machtverhältnisse beeinflusst, zeigte auf der Konferenz vor allem „Project Maven“.
Maven für Targeting Workflow im Militär
Maven ist ein zentrales Beispiel für Palantirs militärischen Einsatz. Das Pentagon stellte das Projekt 2017 als „Algorithmic Warfare Cross-Functional Team“ auf. Begonnen wurde mit Computer-Vision-Modellen, die Aufklärungs- und Drohnenbilder automatisch auswerten sollten, um Fahrzeuge und Personen zu erkennen. Cameron Stanley beschrieb auf der Konferenz den Weg von diesen frühen Bilderkennungsmodellen zum heutigen Maven Smart System. Statt acht oder neun verschiedener Systeme, zwischen denen Analysten Informationen manuell hin- und herschoben, gebe es nun eine einzige Oberfläche. Offiziell beschreibt Palantir das System als Plattform, die Daten, Sensorfeeds, Software und Algorithmen verbindet und so für schnellere Lagebilder, Logistik, Feuerleitung und Zielprozesse sorgen soll. Der Anspruch ist derselbe, den Stanley auf der Bühne demonstrierte: Erkennung, Bewertung und Aktion in einer Umgebung zusammenzuführen.
KI für den militärischen Schiffbau
Auch in der militärischen Lieferkette kommt zunehmend Software zum Einsatz. Die US-Marine arbeitet mit Palantir an einem KI-gestützten Betriebssystem für den Schiffsbau namens ShipOS, das Produktionsprozesse, Lieferketten und Wartung koordinieren soll. Vizeadmiralin Seiko Okano stellte das System auf der Konferenz vor. „Wir sind fertig damit, auf speziell entwickelte Regierungslösungen zu warten, wenn die beste Technologie der Welt bereits erprobt in diesem Raum steht“, sagte sie. Damit wird auch hier der Grundgedanke sichtbar, den Karp zuvor formuliert hatte: dieselbe Logik, mit der Palantir militärische Operationen beschleunigen will, soll auch Schiffbau und Beschaffung steuern. Ähnlich gelagert ist die Zusammenarbeit mit Airbus: Laut der Nachrichtenagentur AFP haben Palantir und Airbus ihre strategische Partnerschaft über einen mehrjährigen Vertrag verlängert. Airbus setzt Palantir demnach weiter für „Skywise“ ein, eine offene Datenplattform für die zivile Luftfahrt, die Planung, Lieferkettenmanagement, Flugbetrieb und Flugzeugproduktion unterstützen soll
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Prozess- und Patienten-Tracking im Gesundheitswesen
Neben den Anwendungen für den Militär- und Polizeieinsatz stellten Krankenhäuser und Gesundheitsorganisationen auf der AIPCon Anwendungen – teils in eingeblendeten Videosequenzen – vor, die mit derselben Plattform Patienten koordinieren und Krankenhausabläufe beschleunigen sollen. Dazu gehören unter anderem das Tampa General Hospital in Florida und TeleTracking. Das Tampa General Hospital arbeitet seit 2021 mit Palantir an einer vernetzten Versorgungssteuerung. TeleTracking und Palantir treiben zudem gemeinsam KI-gestützte Krankenhaussteuerung voran. Der „Care Progression Navigator“ soll vor klinischen Besprechungen helfen, den Status aller Patienten des Krankenhauses zu erfassen. Bisher hätten diese Vorbereitung einer Vertreterin zufolge pro Schicht bis zu anderthalb Stunden gedauert. Mit dem neuen System seien alle relevanten Informationen in zwei Sekunden verfügbar. Die Plattform unterstütze beim Patientenfluss, Bettenmanagement und operativen Entscheidungen.
Daten-Router des Gesundheitswesens
Die Joint Commission, eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent der US-Krankenhäuser akkreditiert, nutzt ebenfalls die Dienste von Palantir. 2025 hatte sie eine strategische Partnerschaft mit dem Unternehmen angekündigt. William Walders, der seit wenigen Monaten IT-Chef der Organisation ist, beschrieb auf der Bühne die aufwendige Einsatzplanung der Gutachter: Hunderte Ärzte, Kliniker und Spezialisten würden jede Woche in Krankenhäuser geschickt. Manche prüften Versorgungsqualität auf Neonatologie-Stationen, andere inspizierten die Gebäudesicherheit bis in Lüftungsanlagen hinein.
„Unser Planungsteam saß wochenlang zusammen, mit Wissen in den Köpfen und Daten in Tabellenkalkulationen“, sagte Walders. Das neue System heißt „Reforge“ – auch das eine Herr-der-Ringe-Anspielung, angelehnt an das neu geschmiedete Schwert. Mit dem System dauere die Planung für Hunderte Gutachter nun drei Minuten. Eine Handvoll Palantir-Mitarbeiter habe „Reforge“ vor Ort aufgebaut, darunter eine Praktikantin namens Haley. „Haley, falls du zuschaust – das Jobangebot steht noch“, sagte Walders. Die Anekdote wirft zugleich eine Frage auf, die für viele Palantir-Kunden relevant sein dürfte: Was passiert mit solchen Systemen, wenn diese spezialisierten Teams wieder abgezogen werden? Die langfristige Vision sei noch ambitionierter: Die Joint Commission wolle zum „Daten-Router des Gesundheitswesens“ werden und Krankenhäusern eine Echtzeit-Bewertung ihres Akkreditierungsstatus ermöglichen.
Ein weiteres Beispiel ist die Patientensteuerung. TeleTracking und die Carilion Clinic zeigten gemeinsam mit Palantir ein System, das den Weg der Patienten zwischen Einrichtungen sichtbar machen soll. Die Wirkung wurde mit der „Einführung einer Flugsicherung an einem Flughafen, der bisher keine hatte“ verglichen. Offiziell beschreiben TeleTracking und Palantir ihre Partnerschaft als Versuch, operative Daten in Gesundheitssystemen zusammenzuführen, um Kapazitäten, Patientenfluss und Entscheidungen in Echtzeit zu steuern.
Zahlreiche weitere Beispiele
Das Herr-der-Ringe-Motiv zog sich dabei nicht nur durch „Reforge“. SAP-COO Sebastian Steinhäuser verglich die Aussicht auf eine ERP-Migration auf der Bühne mit Frodos Weg nach Mordor; in vielen Fällen koste eine solche Migration das Zehnfache der Softwarelizenz. Auch Centrus Energy, das anlässlich der AIPCon eine Kooperation angekündigt hat, gehörte zu diesen weiteren Beispielen. World View zeigte eine Ballonplattform, die mithilfe von Palantir-Software über Wochen autonom über Zielgebieten navigieren soll. Nvidia und Dell stellten in einem weiteren Einspieler auf der Konferenz eine in Zusammenarbeit mit Armada.ai entwickelte Referenzarchitektur für mobile, containerbasierte KI-Rechenzentren vor, mit denen sich Palantirs Foundry auch in abgelegenen Umgebungen wie auf Ölplattformen, in Bergwerken oder in Alaska betreiben lassen soll.
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(mack)
Künstliche Intelligenz
Interne Chats: Live-Nation-Mitarbeiter finden Kunden „so dumm“
Anfang März begann in Manhattan der seit Jahren vorbereitete Prozess um die beiden Veranstaltungsriesen Live Nation und Ticketmaster, die seit 2005 ein Unternehmen bilden. Kurz nach der Eröffnung gab es eine auch für den Richter überraschende vorläufige Einigung mit dem US-Justizministerium, der sich über 20 der klagenden Bundesstaaten aber nicht anschließen wollen. Noch läuft das Verfahren weiter – die Anklage will neue Beweise zulassen.
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Dazu zählen auch Chatprotokolle aus der Groupware Slack, über welche Associated Press (AP) berichtet. Die Nachrichtenagentur zititert dabei aus Gerichtsunterlagen, in denen Mitarbeiter von Live Nation ihre Kunden verspottet haben, weil diese extrem hohe Preise für Tickets bezahlen. „Diese Leute sind so dumm“, heißt es, und die Preise seien eigentlich „empörend“. Man fühle sich „fast schlecht dabei, sie so auszunutzen“. Die Anwälte von Live Nation entgegneten, es handle sich um „spontane Frotzeleien“ unter Freunden, die aber nicht direkt zusammenarbeiten. Dies, so Anwälte weiter, spiegle nicht die Haltung des Unternehmens wider.
Um welche Beträge es sich handelt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Die Äußerungen sollen jedoch für VIP-Pakete für eine Veranstaltung gefallen sein, die bei Live-Nation-Events schnell einige hundert oder tausende US-Dollar kosten können. Darin sind in der Regel beschleunigte Zugänge, besonders gute Sitzplätze, Fan-Pakete, oder auch Meet-and-Greets mit Künstlern oder Sportlern enthalten. Die VIP-Pakete sind oft gestaffelt und enthalten eine oder mehrere dieser Leistungen.
Kläger: „Wettbewerb wird erstickt“
Live Nation und Ticketmaster wird vorgeworfen, so laut AP ein Anwalt der Kläger, „den Wettbewerb zu ersticken“, weil die Unternehmen mit ihren Tochterfirmen an allen Aspekten des Live-Geschäfts beteiligt sind. Der Konzern besitzt inzwischen zahlreiche eigene Veranstaltungsorte, das Ticketing über Ticketmaster, eine Merchandise-Abteilung, und auch Promotion- und Management-Abteilungen für Künstler und Sportler. In der Branche sind die so genannten „360-Grad-Verträge“ von Live Nation berüchtigt, bei denen sich etwa eine Band von der Aufnahme der Musik über Konzerte bis hin zum Verkauf von Fanartikeln um nichts mehr kümmern muss – und Live Nation überall mitverdient.
Für kleinere Anbieter, wie etwa Merchandise-Händler, oder die Booking-Agenturen, bleibt dann kaum etwas übrig, vor allem, weil Live Nation die Kontrolle über Veranstaltungsorte besitzt. Welchen Bedingungen sich andere Dienstleister dabei unterwerfen müssen, hat unter anderem der seit vielen Jahren auch im Livegeschäft tätige YouTuber „Tank the Tech“ mehrfach beschrieben. Tank zufolge verlangen Live-Nation-Locations unter anderem regelmäßig unter anderem hohe fixe Gebühren oder Beteiligungen für den Verkauf von Fanartikeln, auch wenn diesen eine Band und deren Dienstleister vollständig selbst abwickelt. Teil des Einigungsvorschlages des US-Justizministeriums ist auch, dass Live Nation einige seiner Veranstaltungsorte wieder abgeben muss.
Da so viele Bundesstaaten dem Deal nicht zustimmen wollen, geht ein Anwalt der Kläger laut AP inzwischen davon aus, dass der Prozess weitergeht. Am vergangenen Donnerstag ist dem Bericht zufolge ein Schreiben beim zuständigen Gericht eingegangen, das die fraglichen Slack-Chats als Beweis zulassen soll. Die entsprechenden Mitarbeiter von Live Nation könnten dann als Zeugen vernommen werden.
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(nie)
Künstliche Intelligenz
Transrapid 2.0: Bundesverkehrsministerium plant Comeback für den ÖPNV
Deutschland und die Magnetschwebebahn: Das ist eine Geschichte, die irgendwo zwischen technologischer Euphorie, politischem Slapstick und tragischem Scheitern schwankt. Wer an das Schweben auf dem Magnetfeld denkt, hat die Bilder des Transrapids im Kopf, der mit 500 km/h durchs Emsland raste. Doch während der Transrapid als Fernverkehrshoffnung längst im Museum und in China gelandet ist, bereitet Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nun hinter den Kulissen eine Rückkehr der Technologie vor – allerdings mit neuem Fokus.
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Unvergessen bleibt der rhetorische Höhepunkt der deutschen Magnetbahn-Historie: Edmund Stoibers legendäre Rede aus dem Jahr 2002. In einem verzweifelten Versuch, die Vorzüge einer Anbindung des Münchner Flughafens an den Hauptbahnhof zu preisen, verstieg sich der damalige bayerische CSU-Ministerpräsident in Sätze wie: „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug.“ Die Vision, dass der Verkehrsknotenpunkt im Zentrum quasi zum Gate wird, scheiterte am Ende ebenso wie das Projekt selbst.
Neue Technik für den urbanen Pendlerwahnsinn
Die Vision von Schnieder zielt nun nicht mehr auf die Langstrecke zwischen Metropolen oder die Stoibersche Flughafen-Anbindung ab, sondern auf den täglichen Pendlerwahnsinn in den Städten. Die Magnetschwebebahn soll künftig im Personennahverkehr (ÖPNV) als ernsthafte Konkurrenz zu klassischen U-Bahnen und Straßenbahnen etabliert werden. Das Fundament für diese Pläne bildet eine Machbarkeitsstudie, die bereits Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) 2020 in Auftrag gegeben hatte.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung, die das Verkehrsressort weiter als valide Grundlage erachtet, sind eindeutig: Die moderne Magnettechnologie werde als „verfügbare und konkurrenzfähige Alternative zu klassischen spurgeführten Verkehrssystemen“ eingestuft, erklärte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber der Rheinischen Post. Es gehe dabei nicht um eine bloße Wiederbelebung des alten Transrapid-Konzepts, sondern um eine neue Generation von Zügen, die technisch weitaus flexibler und effizienter agieren könnten als ihre Ahnen aus den Neunzigerjahren.
Der Sprecher hob insbesondere die Vorteile unter schwierigen topografischen Bedingungen hervor, bei denen das System herkömmlichen Bahnen überlegen sei.
Flexibilität auf Stelzen statt teurer Tunnelbauten
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Ein entscheidender Vorteil der neuen Schwebebahnen liegt in ihrer baulichen Flexibilität. Da die Züge auf Stelzen, also „geständert“, geführt werden, lassen sie sich nach Einschätzung des Verkehrsressorts deutlich schneller realisieren als bodengebundene Schienensysteme, die oft langwierige Tunnelbauten oder massive Eingriffe in die bestehende Infrastruktur erfordern. Wo die klassische Straßenbahn an ihre Grenzen stößt und der U-Bahn-Bau Milliarden verschlingt, könnte der Transrapid 2.0 eine Lücke schließen, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch attraktiv ist.
Damit aus der technologischen Machbarkeit auch reale Infrastruktur wird, plant das Ministerium laut dem Bericht derzeit den entscheidenden Hebel auf politischer Ebene: die Öffnung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG). Bisher waren die Fördertöpfe primär für konventionelle Schienenprojekte reserviert. Durch eine Gesetzesnovelle sollen künftig auch innovative Ansätze wie Magnetschwebebahnen förderfähig werden. Das GVFG ermöglicht eine Finanzierung von bis zu 90 Prozent der Kosten durch Bundesfinanzhilfen. Bei einem aktuellen Budget von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr wäre das ein handfester Investitionsschub für mutige Kommunen.
Berlin als Schaufenster?
Ein prominentes Beispiel für diesen alt-neuen Ansatz findet sich in der Hauptstadt. In Berlin werden seit Kurzem wieder Pläne für eine Magnetschwebebahn-Teststrecke vorangetrieben. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) lässt aktuell eine Verbindung prüfen, die das Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel – die heutige „Urban Tech Republic“ – mit dem Bahnhof Spandau verknüpft. Diese etwa fünf bis sieben Kilometer lange Strecke könnte eine bislang geplante Straßenbahn ersetzen und als Pilotprojekt für ganz Deutschland dienen.
Kritiker etwa von den Grünen sprechen von „unverantwortlicher“ Politik. Sie warnen vor einem „teuren Spielzeug“ sowie „Luftschlössern“ und erinnern an das Scheitern der Berliner M-Bahn am Potsdamer Platz. Doch Befürworter in Berlin wittern die Chance, technologische Pionierarbeit zu leisten. Die Strecke im Nordwesten der Metropole könnte ihnen zufolge zum Schaufenster für das werden, was Schnieder bundesweit forcieren will: Ein leises, emissionsarmes und platzsparendes Verkehrsmittel, das den ÖPNV ins 21. Jahrhundert katapultiert. Wenn die rechtlichen Hürden im GVFG erst einmal gefallen sind, könnte das Schweben über dem Asphalt – ganz ohne Stoibersche Sprachnot – doch noch zum gewohnten Anblick in deutschen Citys werden.
(nen)
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