Entwicklung & Code
software-architektur.tv: Agile Doku mit Liam Bergh
Dokumentation hat bei vielen keinen guten Ruf: zu aufwendig, zu trocken, zu weit weg vom eigentlichen Entwickeln. Häufig entsteht sie losgelöst vom Entwicklungsprozess, wird einmal geschrieben und danach kaum noch gelesen oder gepflegt. Statt ein lebendiger Teil des Produkts zu sein, veraltet sie stillschweigend.
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Im agilen Manifest heißt es: „Working software over comprehensive documentation“, also „Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation.“ Diese Aussage wird oft als Aufruf verstanden, Dokumentation zu vernachlässigen oder ganz wegzulassen. Doch war das wirklich die Intention? Oder geht es vielmehr um eine neue Art von Dokumentation – zur richtigen Zeit, mit dem richtigen Fokus?
In diesem Stream mit Ralf D. Müller und Liam Bergh geht es darum, wie Dokumentation im agilen Umfeld sinnvoll funktionieren kann: leichtgewichtig statt schwerfällig, integriert statt nachgelagert, hilfreich statt Pflichtübung. Es geht um Praxis, Haltung und konkrete Ansätze, um Teams durch Doku zu unterstützen, statt sie auszubremsen.
Livestream am 30. Januar
Die Ausstrahlung findet am Freitag, 30. Januar 2026, live ab 13 Uhr statt. Die Folge steht im Anschluss als Aufzeichnung bereit. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite einbringen.
software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, Blogger sowie Podcaster auf iX und bekannter Softwarearchitekt, der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Zum Team gehören außerdem Lisa Maria Schäfer (Socreatory) und Ralf D. Müller (DB Systel). Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff, Schäfer oder Müller solo. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren bindet iX (heise Developer) die über YouTube gestreamten Episoden im Online-Channel ein, sodass Zuschauer dem Videocast aus den Heise Medien heraus folgen können.
Weitere Informationen zu den Folgen finden sich auf der Videocast-Seite.
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(mdo)
Entwicklung & Code
Xfwl4: Xfce soll eigenen Wayland-Compositor bekommen
Der schlanke Xfce-Desktop hat bereits zaghaft die Fühler Richtung Wayland ausgestreckt, allerdings bislang nur experimentell und eingeschränkt. Jetzt soll Xfce jedoch mit Anlauf zügig bessere Wayland-Unterstützung durch einen eigenen Compositor – xfwl4 – bekommen.
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Das hat das Xfce-Team jetzt in einem Blog-Beitrag angekündigt. Offenbar konnte das Projekt nennenswerte Spenden aus der Community einsammeln und hat sich entschieden, daraus den bereits seit langer Zeit als Xfce-Kernentwickler aktiven Brian Tarricone zu finanzieren. Tarricone soll xfwl4 erstellen, „einen brandneuen Wayland-Compositor für Xfce“. Dafür werde ein signifikanter Teil der Projektspenden draufgehen, jedoch glaubt das Xfce-Team, dass das eine wichtige Investition in die Zukunft der Xfce-Desktop-Umgebung ist.
Xfce: Ziele für Wayland-Compositor
Xfwl4 soll dieselben Funktionen und Verhaltensweise wie xfwm4 liefern – so weit wie möglich, in Anbetracht der Unterschiede von X11 und Wayland. Als Ziel setzen sich die Entwickler, dass sich das Benutzen von xfwl4 genauso anfühlt wie xfwm4 unter X11. „Wir planen sogar, bestehende xfwm4-Konfigurationsdialoge und xfconf-Einstellungen wiederzuverwenden, um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten“, schreiben die Entwickler. Xfwl4 soll nicht auf bestehendem xfwm4-Code aufsetzen, sondern von Grund auf neu in Rust programmiert werden. Die Entwickler haben sich entschieden, den Compositor auf Basis der Bausteine von smithay zu programmieren.
Der erste Versuch, einen Wayland-Compositor für Xfce durch Anpassungen im vorhandenen xfwm4-Code umzusetzen, was in gleichzeitiger Unterstützung für X11 und Wayland münden würde, erwies sich als der falsche Weg. Der Aufbau von xfwm4 mache es schwierig, Window-Management-Verhalten in generische Schnittstellen zu gießen, die keine X11-Spezifikationen enthalten. Die Refaktorierung des Codes sei riskant, da dadurch neue Fehler in X11 einschleichen können – mit zwei parallelen Code-Basen zu arbeiten, erlaube schnellere Entwicklung und Experimentieren mit dem Wayland-Compositor, ohne Risiko, dabei xfwm4 kaputtzumachen. Außerdem würde die bestehende Codebasis die Entwickler dazu nötigen, C und wlroots zu nutzen, wo es doch bessere Alternativen gibt.
Brian Tarricone hat wlroots und smithay evaluiert und sich für letzteres als Basis für xfwl4 entschieden, da es den Großteil der offiziellen Wayland-Protokollerweiterungen sowie das wlroots- und einige KDE-Protokolle unterstützt. Außerdem bevorzugt Tarricone Rust vor C, das vereinfacht zudem, speicherbasierte Fehler zu vermeiden und damit die Wahrscheinlichkeit etwa für Abstürze zu verringern.
Weitere Aufgaben fällig
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Es fallen einige Aufgaben an. Zunächst muss xfwl4 erst einmal funktional zu xfwm4 aufrücken. Dazu sind größere Änderungen am Session-Start-up nötig, da der Wayland-Compositor die Wurzel einer Session ist, anstatt xfce4-Session. Auch soll Unterstützung für das xdg-Session-Management kommen, zudem steht auch Support für XWayland auf der Roadmap. Ferner muss das Build-System dafür angepasst und aktualisiert werden. Tarricone hat bereits mit dem Projekt losgelegt. Erste Entwicklungs-Releases könnten bereits in der Jahresmitte erscheinen, hofft das Xfce-Team.
(dmk)
Entwicklung & Code
Drupal CMS 2.0: KI-Funktionen, visueller Page Builder und Templates
Die Drupal Association hat mit Drupal CMS 2.0 eine umfassende Aktualisierung des Content-Management-Systems veröffentlicht. Nach Angaben der Entwickler handelt es sich um eine der größten Evolutionen in der 25-jährigen Geschichte des Projekts. Das Release soll die Arbeit mit Drupal deutlich vereinfachen und das System auch für Nutzer ohne tiefe Programmierkenntnisse zugänglich machen.
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Kernstück von Drupal CMS 2.0 ist der neue visuelle Page Builder Drupal Canvas, der als Standard-Editor dient. Mit der Drag-and-Drop-Oberfläche können Anwender Webseiten mit Live-Preview zusammenstellen, ohne Code schreiben zu müssen. Canvas nutzt die Mercury-Komponentenbibliothek, die vorgefertigte Elemente wie Cards, Testimonials, Heroes, Menüs und Accordions bereitstellt. Das React-basierte Frontend integriert sich in die Core-API von Drupal und tritt in direkte Konkurrenz zu Editoren wie Gutenberg oder Elementor.
Die neue Version basiert auf Drupal Core 11.3, das die laut Entwicklern größte Performance-Verbesserung seit einem Jahrzehnt mitbringt. Durch optimiertes Caching und den Einsatz von PHP 8.1 Fibers lassen sich mit identischer Hardware 26 bis 33 Prozent mehr Anfragen verarbeiten. Bei Datenbankabfragen verzeichnet die neue Version eine Reduzierung von 31 Prozent bei kalten Caches und 47 Prozent bei teilweise aufgewärmten Caches. Unabhängige Tests der Firma MD Systems auf komplexen Websites ergaben noch deutlichere Verbesserungen.
Fertige Templates für schnellen Start
Mit CMS 2.0 führt Drupal erstmals Site Templates ein, die vollständige Webseitenstrukturen in unter drei Minuten installieren. Das erste verfügbare Template „Byte“ richtet sich an SaaS-Unternehmen und liefert eine komplette Marketing-Website mit Blog, Newsletter-Anmeldung, Pricing-Seiten, Kontaktformular und dunklem Design. Als Alternative steht das Template „Starter“ bereit, das weniger vorgefertigte Inhalte mitbringt und stattdessen die Canvas-Integration in den Vordergrund stellt.
Ein zentraler Unterschied zwischen Drupal CMS 2.0 und Drupal Core 11.3 liegt im Funktionsumfang: Während Core ein minimalistisches Framework mit Nutzer-Management, Content‑Erstellung und Taxonomie darstellt, liefert CMS eine vorkonfigurierte Distribution mit Canvas, Templates, KI-Funktionen und SEO-Tools. CMS eignet sich für das schnelle Erstellen von Webseiten, Core hingegen für tiefgehende Anpassungen.
KI-Funktionen mit Datenschutzoptionen
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Drupal CMS 2.0 integriert optional KI-Assistenten, die Nutzer über ein Add-on aktivieren können. Die Funktionen umfassen die Generierung vollständiger Webseiten aus Text-Prompts unter Verwendung von Canvas-Komponenten, einen Admin-Chatbot zur Unterstützung beim Site-Building sowie KI-gestützte Alt-Text-Generierung für Bilder. Alle KI-generierten Inhalte durchlaufen einen Human-in-the-Loop-Prozess: Änderungen werden zur Prüfung in eine Warteschlange gestellt und nicht direkt in Produktion übernommen.
Als KI-Provider unterstützt Drupal zum Start OpenAI, Anthropic und amazee.ai. Letzteres bietet Private-AI-Optionen mit Servern in Deutschland, Großbritannien, der Schweiz, den USA und Australien. Der Dienst erfüllt nach Angaben des Anbieters die DSGVO-Anforderungen und verfügt über ISO-27001- und SOC-2-Zertifizierungen.
Zusätzlich zu den KI-Funktionen bietet CMS 2.0 Recipe-basierte Integrationen für Dienste wie Mailchimp, Google Analytics und Google Tag Manager. Die Mailchimp-Integration ruft automatisch Zielgruppen (Audiences) ab und erstellt Anmeldeformularblöcke. Für die KI-Features sind keine speziellen Hardware-Anforderungen nötig, da die Funktionen API-basiert arbeiten und sich in bestehende Drupal-Hosting-Umgebungen integrieren lassen.
Migration und Marktpositionierung
Bestehende Drupal-Installationen können Canvas und einzelne Recipes nachträglich installieren, benötigen dafür allerdings ein komponentenbasiertes Theme wie Mercury. Automatische Migrationspfade von Layout Builder oder Paragraphs sind noch nicht verfügbar, aber geplant. Die Migration erlaubt eine schrittweise Umstellung.
Für 2026 kündigte die Drupal Association einen Template Marketplace an, der kuratierte Open-Source- und kommerzielle Templates bereitstellen soll. Geplant ist ein MVP, der auch den Export eigener Sites als Templates ermöglicht. Langfristig plant Drupal die Erweiterung der KI-Agenten auf über 30 Funktionen sowie den Ausbau zu einem AI-first-CMS.
(fo)
Entwicklung & Code
Sicheres Linux: Amutable bringt „kryptografisch verifizierbare Integrität“
Ein Team von namhaften Linux-Entwicklern hat sich zum Ziel gesetzt, Linux sicherer zu machen und die Integrität von Linux-Systemen kryptografisch zu verifizieren. Das Projekt sattelt unter anderem auf „immutable Linux“ auf, also schreibgeschützten, unveränderlichen Kernsystemen. Der Name: Amutable. Die Firma hat ihren Sitz in Berlin.
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Große Namen sind als Gründer involviert. Etwa Lennart Poettering, der systemd entwickelt und pflegt, oder Christian Brauner, der das VFS-Subsystem in Linux betreut, sowie Christ Kühl, ehemals Gründer von Kinvolk – die Flatcar Container Linux, ein immutable-Linux-System, entwickelt haben und von Microsoft eingekauft wurden.
Überprüfbare Systemintegrität
Details liefert Amutable bislang nicht, deutet aber die Ziele an. Die Integrität des Systems soll kryptografisch prüfbar sein, das „System startet in einem verifizierten Status und bleibt im Zeitverlauf vertrauenswürdig“. Als Stichworte nennt die „Über“-Seite von Amutable die Integrität des Build-Prozesses, des Boot-Vorgangs und zur Laufzeit. Lennart Poettering hat bereits heiße Eisen mit „Measured Boot“ im Feuer. Ein Fingerzeig ist auch der geplante Vortrag „Remote Attestation of Imutable Operating Systems built on systemd“, den er am 12. März auf der Open Confidential Computing Conference in Berlin halten will.
Beim „Measured Boot“ prüft das System ausgehend von einer „Root of Trust“ im Trusted Platform Module (TPM) die Integrität von Firm- und Software beim Systemstart anhand von digitalen Fingerabdrücken, sogenannten Hash-Werten. Die Vergleichshashes liegen ebenfalls im TPM, dort in sogenannten Platform Configuration Registers (PCRs). Der Prozess ähnelt Secure Boot. Allerdings bricht Secure Boot bei abweichenden Hashes den Startvorgang ab, während Measured Boot die Hashes der Komponenten und ihrer Konfiguration protokolliert und sie verschlüsselt zur Überprüfung an andere Systeme senden kann (Remote Attestation, ausführliche Erläuterung von Infineon). Ein Vortrag auf der „All Systems Go“ im vergangenen Jahr zeigt zudem, was Poettering sich für Gedanken um die Sicherheitsarchitektur in Linux macht.
Derzeit besteht das Team von Amutable aus den Gründern Chris Kühl (CEO), Christian Brauner (CTO) und Lennart Poettering (Chief Engineer); Chief Product Officer ist David Strauss. Das Programmier-Team besteht aus Rodrigo Campos Catelin, Zbyszek Jędrzejewski-Szmek, Kai Lüke, Daan De Meyer, Joaquim Rocha, Aleksa Sarai und Michael Vogt. Die Beteiligten bringen Erfahrungen etwa für den Bau traditioneller Distributionen wie Debian, Fedora/CentOS, SUSE und Ubuntu mit, aber auch für unveränderliche, Image-basierte Distributionen wie Flatcar Container Linux, ParticleOS und Ubuntu Core, erklärt die Projekt-Ankündigung.
Kompetenzen für die genannten Ziele sind also reichlich vorhanden. Was genau Amutable aber bauen will, ist derzeit noch unklar. Eine diesbezügliche Anfrage wurde nicht umgehend beantwortet. Gegebenenfalls aktualisieren wir die Meldung damit.
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(dmk)
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