Künstliche Intelligenz
Souveräne KI aus Deutschland | heise online
STACKIT, der Cloud-Anbieter der Schwarz Gruppe, und das Kölner KI-Unternehmen neuland.ai wollen gemeinsam eine durchgängig in Deutschland betriebene KI-Architektur etablieren. Dazu kombinieren sie die Cloud-Infrastruktur von STACKIT mit dem neuland.ai HUB, einer KI-Management- und Orchestrierungsplattform. Kunden können darüber verschiedene KI-Modelle über einheitliche Schnittstellen ansprechen, darunter Llama, Mistral, Qwen und große Open-Source-Modelle mit bis zu 120 Milliarden Parametern.
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Die KI-Modelle laufen dabei wahlweise „on prem“ auf der Hardware des Nutzers, in der souveränen Cloud von STACKIT auf Rechenzentren in Deutschland oder – falls gewünscht – auch bei US-Hyperscalern, ohne dass das auf Anwendungsseite einen Unterschied macht. neuland.ai verspricht, dass Kundendaten Ende-zu-Ende-verschlüsselt gespeichert sind und das Unternehmen keinen Zugriff darauf hat, sodass sie nicht für Modelltraining verwendet werden können. Der neuland.ai HUB soll zudem im STACKIT Marketplace verfügbar werden.
Das gemeinsame Angebot richtet sich an Unternehmen, die ihre Daten nicht an US-amerikanische Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic schicken wollen oder dürfen. Unter dem US Cloud Act können US-amerikanische Behörden auf bei US-Unternehmen gespeicherte Daten zugreifen, selbst wenn diese Daten in Rechenzentren in Europa liegen. Mit dem KI-Angebot von neuland.ai und STACKIT sollen deutsche Unternehmen die regulatorischen Anforderungen aus NIS2, DORA und dem EU AI Act erfüllen können.
(odi)
Künstliche Intelligenz
iX-Workshop: Der schnelle Weg zum iSAQB-zertifizierten Softwarearchitekten
Moderne Softwarearchitekturen müssen heute skalierbar, wartbar und langfristig tragfähig sein. Genau hier setzt der viertägige iX-Workshop Softwarearchitektur: iSAQB CPSA Foundation Level mit iSAQB-Zertifizierung an.
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Der Workshop bietet eine strukturierte Einführung in die Grundlagen der Softwarearchitektur nach dem Curriculum des International Software Architecture Qualification Board (iSAQB). Sie lernen zentrale Methoden, Techniken und Werkzeuge kennen, um tragfähige Architekturen zu entwerfen und systematisch weiterzuentwickeln.
Im Fokus stehen dabei grundlegende Architekturkonzepte, strukturierte Vorgehensweisen im Entwurf sowie typische Entscheidungsprozesse in der Softwarearchitektur. Die Inhalte werden durch praktische Übungen ergänzt, in denen Sie das Gelernte direkt anwenden.
iSAQB-Zertifizierung
Der Workshop dient als offizielle Vorbereitung auf die Prüfung zum „Certified Professional for Software Architecture – Foundation Level (CPSA-F)”, die im Anschluss abgelegt werden kann.
Von Erfahrungen aus der Praxis lernen
Sie profitieren von der direkten Anleitung durch Ihren Trainer Josef Pischel, einen erfahrenen Softwareentwickler und -architekten. Er verfügt über umfangreiche Praxiserfahrung in der Java-Entwicklung, mit Docker und Kubernetes sowie in der Leitung von Entwicklungsteams. In seinen Projekten unterstützt er Unternehmen bei der strategischen Weiterentwicklung ihrer Softwarearchitekturen und verbindet dabei fachliche Tiefe mit praxisnaher Umsetzung.
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Für wen ist dieser Workshop geeignet?
Der Workshop richtet sich an Softwareentwickler und -architekten, die eine fundierte Einführung in die Softwarearchitektur suchen und sich auf die iSAQB CPSA-F Zertifizierung vorbereiten möchten.

(ilk)
Künstliche Intelligenz
Energiewende in Zahlen: Wo wir stehen und wo wir hinwollen
Bis 2030 will Deutschland 80 Prozent des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien decken. Bis 2045 soll es sogar 100 Prozent sein. Bei diesen ambitionierten Zielen stellt sich die Frage, wie das klappen soll.
Die größte Herausforderung ist, dass mehr Anlagen und ausgebaute Leistung nicht automatisch mehr zur Verfügung stehenden Strom bedeuten. Das Stromnetz muss die produzierte Menge aufnehmen, transportieren und notfalls speichern können. Erfüllt es diese Anforderungen nicht, hat man nur die Hälfte des Problems gelöst. Stünde all der Strom zur Verfügung, den man in der Theorie bereits produzieren kann, wäre Deutschland mit der Energiewende schon einen großen Schritt weiter.
- Die Ziele der Energiewende für 2030 und 2045 stellen eine enorme Herausforderung dar.
- Im EU-Vergleich liegt Deutschland über dem Schnitt, aber weit hinter Spitzenreitern wie Norwegen.
- Der Netzausbau ist eine wirksame Bremse gegen teure Redispatch-Kosten.
- Batteriespeicher spielen eine tragende Rolle für eine bessere Netzintegration der Erneuerbaren.
- Produktionskosten für Strom aus erneuerbaren Energien sinken perspektivisch.
Wir zeigen anhand von Daten und Grafiken, wo Deutschland in Bezug auf die Ziele aktuell steht, wie der Weg zur Klimaneutralität aussehen kann und welche Faktoren uns ausbremsen.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Energiewende in Zahlen: Wo wir stehen und wo wir hinwollen „.
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Künstliche Intelligenz
Hinterland of Things: „Wir müssen vom Erkenntnismodus in den Aktionsmodus“
Trotz ambitionierter Ziele im Koalitionsvertrag sei der Staat „meilenweit davon entfernt“, Start-ups ausreichend zu fördern, sagte Dominik Gross, Mitgründer und Geschäftsführer der Founders Foundation, auf der Konferenz „Hinterland of Things, die in dieser Woche in Bielefeld stattfand. Als Beispiel für die stockende Reformen nannte er die geplante 24-Stunden-Unternehmensgründung, deren bundesweiter Start auf 2029 verschoben worden sei.
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Statt auf den Bund zu warten, stellte Gross den „Bielefelder Shortcut“ vor. Gemeinsam mit dem Start-up Paket der Stadt Bielefeld, der Oberbürgermeisterin Christiane Bauer, der Volksbank Ostwestfalen, dem Teuto Seed Club, The Trailblazers und weiteren Partnern soll in Bielefeld eine Gründung inklusive operativer Gesellschaft, Konto, Steuernummer, Holding-Struktur und einer Förderzusage von bis zu 64.000 Euro innerhalb von 24 Stunden möglich werden. Etwas Ähnliches gibt es in Schleswig-Holstein mit www.startuphafen.sh, andere Bundesländer planen die Initiative „Gründen in 24 Stunden“.
Zudem zeigte Gross Schritte für das neue „Wirtschaftswunder“ aus Europa. Beim Bereich KI plädierte Gross für Spezialisierung – nicht die großen Sprachmodelle, sondern spezifische Modelle machten Europa stärker. Als Robotik-Beispiel nannte er Neura Robotics, dessen Finanzierungsrunde zeige, dass Deutschland noch eine Chance habe; ein Teil der Mittel fließe in sogenannte „Robotic Gyms“, also Trainingsumgebungen für Roboter. Beim Thema Energie forderte er eine Infrastruktur, die sowohl KI als auch Wind und Solar trägt, und verwies auf Start-ups wie Proxima Fusion und TerraLayer.

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.
Deutschland in vielen Bereichen führend
„Im Defense-Tech-Bereich sind wir in Deutschland tatsächlich sogar über den Standort München weltweit führend“, sagte Gross. Das habe damit zu tun, „dass im Defense Dech Bereich oder auf einem Defense Bereich viel von Hardware Richtung Software geht“. Künftig werde es Themen geben wie „Military AI zum Beispiel, Cloud-Systeme, also das heißt, so ein europäisches Palantir ist natürlich ein Wunsch“. Er verwies unter anderem auf Weltraumprojekte und auch auf ERC System, das Notfallmedikamente mit einer Drohne liefert.
„Gründer aus dem Mittelstand sind gleichzeitig auch die Start-ups für den Mittelstand,“ so Gross. Dabei machte er auch auf die Finanzierungslücke gegenüber den USA aufmerksam, wo Firmen wie OpenAI hohe Investitionen erhalten, ohne bereits profitabel zu sein. Gross verwies auf das KI-Unternehmen Anthropic, das im ersten Halbjahr in zwei Runden mehr eingesammelt habe als ganz Europa in einem Jahr an Risikokapital investiere. Anthropic hat eine Finanzierungsrunde von über 65 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Die Bewertung kletterte dadurch in den Bereich von rund einer Billion Dollar. Daraus leitete Gross ab, dass Risikokapital „nicht nur eine Frage der Finanzen, sondern auch eine Frage der wirtschaftlichen und der technologischen Souveränität“ sei.
Aktionsmodus für ein Wirtschaftswunder
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Anlässlich der Konferenz haben wir im Vorfeld mit Gross über den geforderten „Aktionsmodus“ und die Lage von Deutschland für Start-ups gesprochen.
Sie sagen, die Erkenntnisse sind eigentlich alle da. Was meinen Sie damit genau?
Wir haben ja eigentlich alle schon ein Gefühl gehabt, was passiert, wenn Trump Präsident wird. Man hat keine Glaskugel – er ändert seine Meinung täglich –, aber was klar war: Europa muss eigenständiger und unabhängiger werden. Wir müssen in eigene Sicherheitspolitik investieren, es gibt geopolitisch große Herausforderungen. Und das wird auch im Post-Trump-Zeitalter weitergehen.
Es ist nicht zu erwarten, dass man plötzlich sagt, er ist weg und alles ist wieder gewissermaßen wie vorher. Die Zeit bleibt nicht stehen, wir bewegen uns stetig nach vorne und dürfen auch den Blick nicht ausschließlich nach Westen richten, denn die Veränderungen passieren global. Das heißt, dass man in Europa mehr auf sich angewiesen ist, ist eine klare Erkenntnis, die es auch vorher schon gab.
Genauso ist es mit Technologien, natürlich allen voran Künstliche Intelligenz: Dass KI alles oder vieles verändern wird, fällt nicht erst jetzt vom Himmel. Dass wir einen demografischen Wandel haben, ist auch nichts Neues. Wenn wir nicht plötzlich aus dem Land heraus ein riesiges Bevölkerungswachstum haben und die nächste Boomerwelle kommt, ist das relativ klar. Also: Wir kennen die Dynamiken, Veränderungen und Herausforderungen – geopolitisch, technologisch, gesellschaftlich und ökonomisch. Das Einzige, was nicht passiert, ist, dass wir in den Aktionsmodus umgeschwenkt sind. Dass wir gesagt haben: Jetzt haben wir die Erkenntnisse, jetzt setzen wir um.
Woran liegt das? Warum passiert dieser Schritt nicht?
Das ist die eigentliche Kernfrage. Wir haben zum Beispiel seit Jahren die Herausforderung, dass wir an Universitäten und in der Grundlagenforschung zwar stark sind, aber den Transfer in Produkte und Unternehmen nicht gut genug schaffen. Das weiß eigentlich jeder. Das Geld wird ja auch schon bereitgestellt – auch durch die neuen Milliardenpakete. Das ist vielleicht nicht mal das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist eher, dass der Staat das Geld nicht immer intelligent einsetzt – aber das ist noch mal eine andere Geschichte. Die Grundfrage lautet: Was machen wir jetzt eigentlich? Womit fangen wir an? Und wie kriegen wir das hin, dass wir dort auch im Sinne eines neuen Wirtschaftswunders die neuen Modelle aufbauen?
Wenn Sie von einem Wirtschaftswunder sprechen, ist das nicht ein bisschen optimistisch angesichts der aktuellen Lage?
Ich plädiere dafür, weniger auf die Misserfolge zu schauen und mehr auf die Erfolge. Wenn man ständig nur um Misserfolge kreist, incentiviert man ja niemanden. Was sind unsere Stärken? Worauf sollten wir setzen? Was sichert uns in der Zukunft den Wohlstand? Dadrauf sollten wir viel mehr Energie verwenden, als Sachen aus der Vergangenheit nochmal wieder aufleben zu lassen.
Ein gutes Beispiel ist das sogenannte Klemmen-Valley. Das gibt es hier in der Region Ostwestfalen-Lippe. Das sind diese ganzen Steckverbindungen. Die stecken in jedem Kraftwerk, in jedem Transformationskasten, in jeder Maschine weltweit. Unternehmen wie Phoenix Contact oder Wago – das sind Hidden Champions, die kaum jemand kennt, die aber enorme wirtschaftliche Wertschöpfung betreiben. Genau das ist die Logik: Wir müssen in bestimmten Bereichen – auch wenn es manchmal Nischen sind – Weltmarktführer sein. Das ist das Gewicht, das wir in die Waagschale werfen können. Und übrigens ein Thema, dass insbesondere in Zeiten von KI eigentlich im Zentrum unserer Diskussionen stehen müsste. Denn Zahlen zeigen: Die großen LLMs werden zwar in Amerika entwickelt, aber in der konkreten Anwendung, da sind wir in Europa und vor allem die Gründerinnen und Gründer voraus. Wir bauen Geschäftsmodelle für konkrete, teilweise nischige, aber reale Anwendungsfälle.
Aber wenn man auf die Solarindustrie schaut – Deutschland war mal führend, und die Wertschöpfung ist trotzdem nach China abgewandert. Warum sollte es diesmal anders laufen?
Das ist de facto so, das stimmt. Zurückblickend ist klar, dass Deutschland dort mitführend war und dass diese Wertschöpfung nach China abgewandert ist. Und es gibt heute ähnliche Analysen zum Beispiel beim Quantencomputing: Deutschland ist gerade noch vorne mit dabei, aber es tut sich schwer, in Dinge zu investieren, die sich nicht sofort kapitalisieren lassen.
Aber ich glaube, wir müssen aufhören, immer nur in den Rückspiegel zu schauen. Niemand hier am Tisch kann sagen, er hat die Glaskugel und sieht, was in der Zukunft funktioniert. Die Frage ist, was wir jetzt tun. Und da gibt es durchaus Bereiche, wo wir noch die Chance haben, wirklich vorne zu sein. Im Bereich KI-Infrastruktur sind wir tatsächlich eines der Länder weltweit, die gerade am meisten investieren, um Rechenzentren aufzubauen.
Trotzdem werden viele der vielversprechenden deutschen Start-ups am Ende ins Ausland verkauft…
Ja, die Abwanderung dieser Wertschöpfung ist definitiv ein Problem. Denn das heißt, dass wir von den Innovationen, die entstehen, nachhaltig nicht mehr so viel haben – außer vielleicht dem Exitgeld, das im best Case wieder ins System gespült würde. Im Sinne eines nachhaltigen Kreislaufes, den wir uns wünschen, ist das ein Kernproblem.
Ich kenne das Modell aus Israel. Israel hat einen richtigen Start-up-Durchlauf, aber keinen Mittelstand. Die werden alle ins Ausland verkauft, und dann machen die Gründer wieder etwas Neues, weil sie diesen unbändigen Hunger haben. Per se also ein Modell, das auch funktionieren kann. In Deutschland brauchen wir beides: den etablierten Mittelstand als Rückgrat unserer Wirtschaft und hungrige Start-ups.
Wie lässt sich das lösen?
Wir können uns ja nicht darüber beschweren, dass andere Länder unsere Start-ups so gut finden. Das wäre das falsche Signal. Was wir brauchen, ist erstens eine höhere Bereitschaft der etablierten Unternehmen hierzulande, in Start-ups zu investieren, mit ihnen zusammenzuarbeiten und auch gemeinsame Projekte und Entwicklungen umzusetzen. Und ja, zur Wahrheit gehört auch, dass wir mehr Kapital in Deutschland aktivieren müssen. Gleichzeitig müssen wir uns auch trauen, und von dem Gedanken, dass es immer der klassische Exit oder ein IPO (Initial Public Offering, Börsengang) sein muss. Das ist mit Blick auf die Summe von Unternehmensgründungen, immer noch der seltenste Fall.
Und zweitens brauchen wir meiner Meinung nach in Europa eine Weiterentwicklung des Kapitalmarktes. Wir haben ein sehr fragmentiertes Börsensystem und in Europa konkurrieren diese Börsen miteinander. Wenn wir den European Market wieder aufbauen wollen, müssten wir eigentlich dahin kommen, gemeinsame Handelsplattformen und harmonisierende Regulierungen zu entwickeln, damit überhaupt auch mal Vergleichbares zustande kommt wie beim Nasdaq. Wenn Mistral als europäisches KI-Unternehmen wirklich groß werden will und den europäischen Markt als Heimatmarkt anstrebt, braucht es dafür auch das entsprechende Kapital. OpenAI wird angeblich hunderte Milliarden Dollar verbrennen, bevor sie Break-even erreichen. Das bekommt man auf dem europäischen Kontinent schlicht nicht zusammen.
Kann Europa da überhaupt noch mithalten? Die US-Tech-Giganten dominieren alles.
Ich halte es ehrlich gesagt nicht für wahrscheinlich, dass das nächste Google oder das nächste Microsoft aus Europa kommt. Das kann ich mir von den Strukturen her nicht vorstellen – in den Größenordnungen von Google, Amazon und Microsoft. Aber wie gesagt, darum darf und muss es uns ja gar nicht einzig und alleine gehen: Eine nächste Generation erfolgreichen, technologischen Mittelstands, Applied AI – das sind die Themen, über die wir uns unterhalten sollten!
Wäre das vielleicht sogar ein Problem der EU-Kommission, die ja schon in Richtung mehr Regulierung geht?
Selbst dann haben Sie natürlich Markt und Infrastruktur. Überlegen Sie mal, Sie würden Microsoft in Europa verbieten. Theoretisch klingt das konsequent, aber Sie würden die deutsche Wirtschaft erst mal brachlegen. Jeder, der irgendwie seinen SharePoint hat, Microsoft 365 und so weiter und es gibt schlicht nichst, um das sofort zu ersetzen. Ich glaube auch nicht, dass das die zielführende Diskussion ist. Wir wollen ja keine abgeschlossenen Wirtschaftsräume schaffen.
Amerika wird als abgeschlossener Wirtschaftsraum nicht funktionieren, Europa auch nicht, China auch nicht, auch wenn es da gewisse Bestrebungen gibt. Es geht eher darum, was wir unter diesen Rahmenbedingungen aufbauen. Wir werden trotzdem Weltmarktführer entwickeln können – vielleicht nicht die alles dominierenden Plattformen, aber in ausreichend vielen Bereichen und Nischen.
Aber ist da nicht die Gefahr, dass am Ende wieder fragwürdige Investoren die vielversprechenden Unternehmen aufkaufen?
Das ist eine berechtigte Frage. Im Defense-Tech-Bereich hilft es, dass die Politik hier Kontinuität schaffen kann. Man weiß, dass in den nächsten zehn Jahren drei- bis vierhundert Milliarden Euro mehr in diesen Sektor fließen werden, weil alle das NATO-Ziel erreichen wollen. Das heißt, es wird nicht nur in amerikanische Systeme investiert, sondern aus der eigenen Wirtschaftslogik heraus entstehen Lösungen in Frankreich, Deutschland, Schweden, den Niederlanden. Die Bundeswehr hat sich ja gerade bewusst dagegen entschieden, Palantir einzusetzen und setzt stattdessen auf eine eigene Lösung. Und ich finde, wir müssen dahin kommen: Wie wettbewerbsfähig kriegen wir eine eigene Lösung hin?
Wenn man auf den Defense-Tech-Bereich schaut, sieht man, dass da schon etwas entsteht: Helsing, Quantum Systems, Stark aus Berlin, Istro – überall entstehen diese Unternehmen. Die Frage ist, wie wir wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, damit die hier bleiben können.
Und was ist mit Chips und Halbleitern und der instabilen geopolitischen Lage?
Im Bereich der Halbleiterindustrie ist die Welt abhängig von Taiwan. Und ich würde noch nicht mal so weit gehen zu sagen, Krieg ja oder nein. Ähnliche Szenarien könnten wir uns im Sinne einer Eskalierung vorstellen, ohne dass ein Schuss fällt: dass die wichtigen Chips weltweit nicht mehr in die westlichen Märkte verteilt werden.
Was wäre dann die Antwort darauf?
Nachher kommt es darauf an, was wir eigentlich in die Waagschale werfen können, um nicht von Lieferketten abgeschnitten zu werden. Uns würde ja nur jemand nicht mehr was liefern, wenn unsere Verhandlungspositionen schwach wären, oder wenn wir in der Folge nicht sagen könnten: Dann liefern wir euch die Sachen auch nicht, und eure Probleme werden viel größer. Es gibt ja durchaus schon in der Wirtschaftsstruktur solche Hebel. Das Klemmen-Valley ist so ein Beispiel.
Die Logik muss sein: Wir bauen uns eine wirtschaftliche Power auf, wo wir in bestimmten Bereichen so gut sind – auch manchmal in Nischen –, dass wir Weltmarktführer sind, das kann in den Bereichen wie der Industrie, Robotik und Energie der Fall sein. Das ist das Gewicht, das wir dann auch in solchen Verhandlungen einbringen können. Und das kommt aus dem Hinterland – ob aus dieser Region, aus Heilbronn, aus Nürnberg, aus Oldenburg oder wo auch immer. Das sind genau diese Unternehmen hier, und das werden auch die neuen Start-ups sein, die dafür sorgen, dass wir dieses Gewicht reinbringen können.
Wir müssen einfach anfangen, die Sachen zu machen. Es lohnt sich nicht, weiter zu philosophieren. Die Erkenntnisse haben wir alle. Jetzt geht es darum, was wir eigentlich tun und womit wir anfangen. Die Kombination aus allem, was neu kommt, und den bestehenden Dingen, die wir erhalten können – das ist die Kraft und das Gewicht, das wir einbringen können. Und das ist auch das, was wir mit der Konferenz versuchen widerzuspiegeln: Beispiele auf die Bühne zu stellen, die das verkörpern. Die zeigen, dass es geht. Hier, jetzt, in Deutschland und Europa.
(mack)
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