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Trick 17: Günstigen Balkonkraftwerksakku mit großer Solaranlage kombinieren
Die meisten Hausakkukäufer optimieren auf Autarkieraten. Hohe Autarkieraten aus dem Akku führen allerdings zu niedrigerer Rentabilität. Wenn wir stattdessen auf Gesamtkosten optimieren, werden die idealen Akkugrößen wesentlich kleiner, als sie vom Solarteur empfohlen werden. Bei unserer 7-kW-Anlage mit viel Tagesverbrauch liegt das wirtschaftliche Optimum beispielsweise bei rund 2 kWh Speicher. Das sind Größen, wie sie bei Balkonkraftwerktechnik üblich sind. Daher die Idee: Warum nicht gleich so ein Gerät nehmen?
Der Hintergrund im Testhaus: Der Huawei-Hybridwechselrichter hängt in der Garage. Dort wird es im Winter so kalt, dass die Akkuheizung über relevante Zeiträume Strom verschwenden müsste. Dazu kommt, dass Huaweis Mindestakkugröße bei 5 kWh liegt. Der wichtigste Grund für den kleinen Balkonkraftwerkakku ist jedoch sein unschlagbarer Preis aus den hohen Stückzahlen: Manche dieser Geräte kosten pro kWh nur ein Drittel des Huawei-Akkus, obwohl die AC-gekoppelten Akkus ja noch einen Wechselrichter mitbringen müssen.
- Die meisten großen Hausakkus sind auf Autarkie optimiert statt auf Wirtschaftlichkeit.
- Deshalb sind sie zu groß und zu teuer für minimale Stromkosten.
- Eine mögliche Lösung lautet: AC-gekoppelter Balkonkraftwerkakku.
- Sie ist konkurrenzlos günstig und Baby-einfach zu installieren.
Der Artikel beleuchtet die minimale, sinnvolle Lösung eines AC-gekoppelten Akkus in Form eines günstigen Balkonkraftwerkakkus. Er beleuchtet die einfachstmögliche Regelung, die zum Einsatz kommen kann. Dazu ordnet der Artikel die zu erwartenden Verluste ein und zeigt ein Setup mit einem Ecoflow Stream AC mit 1,92 kWh, der anhand eines Everhome Ecotracker am Stromzähler regelt. Für diese Lösung braucht es keinen Elektriker und insgesamt nur minimale Aufwände an Geld, Wissen und Arbeit. Tüftler können sich noch die Bastleralternative von Kollege Dirk Knop anschauen.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Trick 17: Günstigen Balkonkraftwerksakku mit großer Solaranlage kombinieren“.
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Carpodgo Mini im Test: Winziges Display für Carplay und Android Auto
Perfekt für den Kleinwagen? Der Carpodgo Mini im Smartphone-Format rüstet Carplay und Android Auto in älteren Autos nach. Wo der Haken liegt, zeigt der Test.
Die meisten Nachrüst-Displays für Carplay und Android Auto sehen aus wie eine Mischung aus altem Navigationsgerät und Tablet. Neben den Modellen im Ultrabreitbildformat mit 9 bis 11 Zoll gibt es auch kleinere Varianten mit 7 Zoll – allerdings meistens im 16:9- oder 4:3-Format. Bei großen Fahrzeugen wie SUVs oder Transportern lassen sich diese gut auf dem Armaturenbrett befestigen. In einem Kleinwagen sind die Bildschirme jedoch oft zu sperrig oder zu hoch und könnten die Sicht behindern.
Eine interessante Lösung für Kleinwagen bietet Carpodgo mit dem neuen Mini an. Der kompakte Bildschirm sieht auf den ersten Blick aus wie ein großes Smartphone – dank kleiner, magnetischer Halterung zum Aufkleben könnte er eine gute Lösung für unseren Opel Adam sein. Ob das zutrifft, zeigt dieser Testbericht.
Display & Verarbeitung
Von der Größe her erinnert das Display mit einer Diagonale von 6,99 Zoll eher an ein großes Smartphone. Der Bildschirm misst 164 × 81 × 13 mm und wiegt nur 131 g. Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff, wirkt aber sehr sauber verarbeitet.
Auf der Rückseite befindet sich ein Magnet, mit dem der Bildschirm an der Halterung haftet. Hinten sitzen zudem ein USB-C-Eingang für die Stromversorgung, ein Slot für eine microSD-Karte sowie ein Videoeingang für eine externe, kabelgebundene Rückfahrkamera.
Die Auflösung beträgt 1600 × 720 Pixel – also HD. Das ist zwar weniger scharf als bei den meisten Smartphones, reicht für die Darstellung von Carplay oder Android Auto aber mehr als aus. Als Panel kommt IPS zum Einsatz, was eine hohe Blickwinkelstabilität und insgesamt eine gute Bildqualität bietet – gerade im Vergleich zu vielen Mitbewerbern.
Allerdings ist das Display tatsächlich recht klein im Vergleich zu den bisherigen Breitbildmonitoren, die wir getestet haben. Details auf Karten oder Texte in Playlists bei Spotify sind nicht ganz so leicht zu erkennen – im Prinzip könnte man auch ein Smartphone per Halterung als Navi nutzen.
Die Anzeige soll laut Hersteller bis zu 1000 Nits erreichen, womit das Display tagsüber gut ablesbar bleibt, auch an sonnigen Tagen. Zudem passt es die Helligkeit automatisch an – sehr hilfreich. Allerdings spiegelt es stark.
Montage & Lieferumfang
Zur Befestigung im Cockpit liegt eine Metallhalterung bei, die per 3M-Klebepad auf das zuvor gereinigte und getrocknete Armaturenbrett kommt. Der Halt ist solide, zwei Schraubgewinde erlauben das passgenaue Ausrichten von Halterung und Display. Der Bildschirm haftet magnetisch und lässt sich nach der Fahrt schnell abnehmen und im Handschuhfach verstauen. Wer bereits eine MagSafe-Halterung etwa für die Lüftungsschlitze nutzt, kann das Display auch dort montieren.
Zum Lieferumfang gehört lediglich ein USB-C-Kabel sowie ein abgewinkelter USB-C-Adapter. Wer den Monitor am Zigarettenanzünder betreiben will, benötigt zusätzlich einen passenden Netzadapter. Wir raten zu einer USB-C-Lösung, da bei vielen Fahrzeugen die Stromversorgung am USB-A-Eingang nach dem Abstellen nicht getrennt wird.
Optional bietet der Hersteller einen 12-V-Adapter mit einem USB-C- und zwei USB-A-Anschlüssen samt integriertem FM- und Bluetooth-Transmitter an. Den USB-C-Stecker des Displays verbindet man mit dem Adapter, anschließend wählt man per Drehregler eine freie UKW-Frequenz aus und stellt diese am Autoradio ebenfalls ein – darüber läuft dann die Tonübertragung.
Erhältlich ist zudem ein Bluetooth-Adapter mit 3,5-mm-Klinke auf der einen und USB-A-Stecker auf der anderen Seite. Die Klinke kommt in den AUX-Eingang des Radios, der USB-Stecker dient der Stromversorgung über das Fahrzeug oder einen 12-V-Adapter. Anschließend koppelt man das Smartphone per Bluetooth mit dem Adapter. Beides Zubehör hat uns der Hersteller für den Test mitgeliefert.
Carpodgo Mini: Bilder
Einrichtung & Funktionen
Die Bedienoberfläche des Homescreens ist minimalistisch, aber schick gestaltet und erinnert optisch an die Darstellung eines Always-On-Displays. Der Nachteil: Auf den ersten Blick erschließt sich nicht immer, wofür die einzelnen Icons stehen. Zur Auswahl stehen zwei Designs für den Startscreen – ganz in Schwarz, mit weißer Schrift oder mit einem bunten Blumenmotiv samt Himmel.
Für die Nutzung von Carplay oder Android Auto koppelt man das Display per Bluetooth mit dem Smartphone. Anschließend baut es eine lokale WLAN-Verbindung zum Gerät auf. Tippt man auf das jeweilige Icon, zeigt der Monitor die entsprechende Oberfläche an. In knapp zehn Sekunden ist der Homescreen startbereit, etwa die gleiche Zeit benötigen anschließend Android Auto oder Carplay – das ist flott.
Generell übernimmt der kleine Monitor selbst keine Audioübertragung – diese läuft immer über das Smartphone, bei Bedarf mithilfe entsprechender Adapter. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu manchen Mitbewerbern.
Um Musik über das Autoradio zu hören oder Telefonate zu führen, gibt es standardmäßig nur eine Option: Das Smartphone wird per Bluetooth direkt mit dem Autoradio verbunden. Der Bildschirm zeigt dann lediglich die Oberfläche von Carplay oder Android Auto an – die Tonübertragung erfolgt rein zwischen Handy und Radio.
Verfügt das Fahrzeug nicht über Bluetooth, muss man sich mit einem Adapter behelfen, denn der Bildschirm selbst hat keinen AUX-Ausgang. Sowohl der Hersteller als auch viele andere Anbieter haben entsprechende Lösungen im Sortiment.
Ein FM-Transmitter fehlt von Haus aus ebenfalls. Hier bieten Carpodgo sowie zahlreiche andere Hersteller passende Adapter für den Zigarettenanzünder (12 V) an, in die ein FM-Transmitter integriert ist. Dieser überträgt das Audiosignal per Radiowelle über kurze Distanz an das Autoradio – dazu stellt man am Adapter und am Radio einfach dieselbe freie UKW-Frequenz ein.
Für Firmware-Updates stehen zwei Wege offen. Klassisch lädt man die Datei am Rechner herunter und überspielt sie via microSD-Karte – diese muss zwingend FAT32-formatiert sein. Beim zweiten Weg hängen sich Display und Smartphone im selben WLAN ein: Man lädt das Update aufs Handy, scannt den auf dem Monitor angezeigten QR-Code und überträgt die Datei über den so geöffneten Link direkt an den Bildschirm.
Der Einsatz mehrerer Nutzer gestaltet sich erfahrungsgemäß etwas herausfordernd. Fahren beide separat, ist das in der Regel kein Problem – betreten jedoch beide Personen mit ihren Handys zeitgleich das Fahrzeug, muss einer der beiden die Bluetooth-Kopplung beenden.
Preis
Regulär kostet das Carpodgo Mini beim Hersteller rund 104 Euro. Mit dem Code HEISE sinkt der Preis auf 87 Euro. Wer ein Autoradio ohne Bluetooth oder Audi-Eingang hat, kann das im Warenkorb angeben und erhält wahlweise einen Bluetooth-Adapter oder ein Netzteil mit FM-Transmitter dazu – der Preis für das jeweilige Bundle liegt mit dem Code dann bei knapp 98 Euro.
Fazit
Der Carpodgo Mini ist der mit Abstand kleinste Monitor zum Nachrüsten von Carplay oder Android Auto in unserem Testfeld. Das macht ihn besonders interessant für Kleinwagen, in denen viele andere Bildschirme schlicht überdimensioniert wirken. Bildqualität und automatische Helligkeitsanpassung gehören zudem zu den besten am Markt.
Für ältere Fahrzeuge ist der Mini allerdings weniger ideal. Ein 12-V-Adapter fehlt – die Stromversorgung erfolgt ausschließlich per USB-C, ein passender Adapter ist also Pflicht, sofern das Fahrzeug keinen USB-C-Anschluss bietet. Auch ein Autoradio ohne Bluetooth wird zum Problem, da die Audioübertragung grundsätzlich über das Smartphone läuft, denn der Bildschirm ist lediglich per WLAN mit dem Handy gekoppelt und dient rein als Anzeige. Wer den Ton per AUX oder FM-Transmitter überträgt, braucht entsprechendes Zubehör – dieses gibt es günstig im Bundle beim Hersteller oder von Drittanbietern.
Wer bereits ein Autoradio mit Bluetooth nutzt und wenig Platz im Cockpit hat, bekommt mit dem Carpodgo Mini eine gelungene und unauffällige Lösung, um Carplay und Android Auto im Kleinwagen komfortabel nachzurüsten.
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Kommentar: Die beste Werbung für alternative KI-Hersteller
Die US-Regierung verbietet ausländischen Staatsangehörigen den Zugriff auf Anthropics KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5, das Unternehmen musste beide weltweit abschalten. Während die Trump-Administration weiter internationales Vertrauen verspielt, indem sie wieder einmal ihre autoritären Züge zur Schau trägt, dürfte der Schaden auf der Seite der Nutzenden überschaubar sein. Denn schon vorher hat Anthropic die Anwendung von Fable 5 auf intransparente Weise massiv eingeschränkt.
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Im Weißen Haus hatte es Bedenken über einen möglichen Jailbreak gegeben – also einen Trick, der hilft, die gefährlichen Kräfte von Fable 5 zu entfesseln, indem er die eingebauten Schutzmechanismen umgeht. Nach der Darstellung von Anthropic sei aber kein Weg bekannt, das Modell zu etwas zu bringen, das nicht auch mit anderen Modellen machbar sei, etwa ChatGPT 5.5. Bei der aktuellen Flut von KI-generierten Cybersicherheitslücken für manche Sicherheitsverantwortliche vielleicht eher ein kleiner Trost. Zwar gibt es bei Fable 5 eine Vorgeschichte: Das Modell ist eine Variante des Anthropic-Modells Mythos, das in kürzester Zeit in nahezu jeder Software gefährliche Sicherheitslücken erkennt. Diese neue Qualität hatte weltweit für Schreckenszenarien gesorgt. Fable 5 weigert sich, Prompts aus den Bereichen Biologie, Chemie, Cybersicherheit und Wissensdestillation zu beantworten.
Doch mit der jetzigen Argumentation der US-Regierung ließe sich nahezu jedes KI-Modell der Welt verbieten. Denn für jedes Modell lassen sich theoretisch Wege finden, dessen Safeguards zu umgehen, auch bei Heise haben wir das schon erfolgreich getestet. Natürlich kommt es stark auf das Modell an, ob am Ende eine schlecht gemachte Malware oder gar die Herstellungsanleitung für chemische Kampfstoffe steht. Auch wenn letzteres ohnehin niemals in Umlauf gebracht werden sollte, auch nicht als „jailbreakbarer“ Inhalt eines LLMs, wirkt die Argumentation der US-Regierung willkürlich. Sie ist als weitere Episode in ihrem schon länger währenden Streit mit Anthropic zu betrachten. Der KI-Hersteller verbietet die Nutzung seiner Modelle für autonome Waffensysteme des US-Militärs, dafür gab es Sanktionen.
„Fable 5 pur“ hätte es ohnehin nicht gegeben
Durch den jetzigen dreisten Zug der US-Regierung ist weniger verloren, als es scheinen mag. Fable 5 war vor wenigen Tagen im Pro-Tarif von Anthropic verfügbar geworden, jedoch mit zwei großen Einschränkungen. Zum einen sollte Fable 5 nur bis zum 22. Juni in dem Abo enthalten sein, bevor das Modell nur noch per API und mit tokengebundener Abrechnung – und damit deutlich teurer – verfügbar sein sollte. Als Grund nennt Anthropic fehlende Kapazität, die erst durch neue Rechenzentren aufgebaut werden müsse. Für den Consumer-Bereich war ein schnelles Ende also ohnehin absehbar, auch wenn Anthropic versprach, Fable 5 irgendwann ins Abo zurückzubringen.
Zum anderen hat Anthropic die Fable 5-Nutzung durch die Hintertür massiv gedrosselt: Fable 5 schaltete sich regelmäßig im Hintergrund auf das nächst schwächere Anthropic-Modell Claude Opus 4.8 um. Ohne, dass dies für Anwender erkennbar war. Als Begründung nennt Anthropic eine Schutzmaßnahme gegen Wissensdestillation, also das Training eines KI-Modells mit einem anderen. Fable 5 soll eigenständig erkennen, wann es für solches Training eingesetzt wird und dann zu Opus 4.8 wechseln. Und das soll wohl recht häufig passieren, wie die Kollegen des Heise-Videomagazins c’t 3003 vernommen haben. Anthropic hat zwar jüngst noch angekündigt, hier transparent zu werden, aber für Kunden heißt es trotzdem: Sie bezahlen zwar für Fable 5, kaufen am Ende aber einen unkontrollierbaren Modell-Mix. Diese Tatsache betrifft vor allem die professionellen Anwender im Coding-Bereich. In Anthropics Benchmark-Vergleich ist Fable 5 deutlich stärker als etwa Opus 4.8 oder ChatGPT 5.5.
Ein Weckruf mit gutem Timing
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Bessere Werbung hätte die US-Regierung für europäische KI-Anbieter gar nicht machen können. Sie demonstriert, wie schnell das Produkt eines Herstellers, von dem sich weltweit Unternehmen abhängig machen, einfach so abgeschaltet werden kann. Wenn man so will, dann sogar mit gutem Timing. Viele deutsche IT-Entscheider stehen gerade am Anfang von Projekten, die KI-Agenten und entsprechende Infrastruktur in die Organisation bringen sollen. Sie können ihre Lehren aus der Fable 5-Affäre ziehen. Eine sollte sein: Wir sollten an unserer Unabhängigkeit von Big-Tech-KI arbeiten, so gut es geht und wir können das auch.
Unter der Haube einer agentischen KI-Anwendung, insbesondere wenn sie ganz oder in Teilen selbst gebaut wird, steckt oft eine Vielzahl von Modellen. Denn jedes Modell bringt individuelle Stärken für bestimmte Arbeitsschritte mit. Klar, Modellfamilien wie Mistral können mit den Produkten von OpenAI oder Anthropic aktuell nicht mithalten. Aber: Für einzelne Schritte in einem Workflow könnten sie durchaus eine Alternative sein. Wer darauf setzt, kann seine Abhängigkeit natürlich nicht ganz auflösen, aber zumindest eindämmen. Und er hilft alternativen KI-Anbietern, bessere Produkte zu schaffen. Über die Zeit könnten so mehr und mehr Anwendungsfälle für KI-Modelle entstehen, die nicht den Launen eines Staatsoberhaupts unterliegen.
(nen)
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Drei freie Office-Suiten gegen Microsoft 365 – und ihre Technik im Vergleich
Wer über Euro-Office, Collabora Online und die neuen LibreOffice-Pläne der Document Foundation spricht, vergleicht nicht einfach drei Bedienoberflächen. Der eigentliche Unterschied liegt tiefer – denn wo soll eine Web-Office-Suite überhaupt laufen? Alle Antworten sind legitim: im Browser, auf einem zentralen Server oder als weitgehend unveränderte Desktop-Anwendung, die per WebAssembly in den Browser wandert.
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Diese Architekturfrage ist mehr als ein Implementierungsdetail. Sie entscheidet darüber, wie viel Serverleistung eine Organisation braucht und wie gut sich eine Lösung skalieren lässt – und zieht nach sich, welche Dateiformate im Zentrum stehen. Sie bestimmt auch, wie sich die Anwendung bei schlechter Verbindung anfühlt und wie viel Nähe zur klassischen Desktop-Office-Welt erhalten bleibt. Für Behörden, Schulen und Unternehmen, die jetzt Alternativen zu Microsoft 365 oder Google Workspace suchen, können diese Unterschiede entscheidend für ihre Wahl sein.
Die drei Kandidaten stehen für drei technische Linien. Euro-Office ist ein Fork von OnlyOffice und damit ein von Grund auf fürs Web entwickelter Editor mit Document Server, JavaScript-Oberfläche und Rendering über das Canvas-Element von HTML5. Collabora Online baut auf der Technik von LibreOffice beziehungsweise Collabora Office auf, lässt die eigentliche Office-Engine aber auf dem Server laufen und überträgt nur die fertig gerenderten Dokumentbereiche in den Browser. Die Document Foundation wiederum skizziert für LibreOffice einen dritten Weg: Die bestehende Codebasis soll mit Qt 6 und WebAssembly direkt im Browser und später auf Mobilgeräten laufen. Möglichst viel Rechenarbeit soll dabei auf dem Endgerät stattfinden statt im Rechenzentrum.
Euro-Office: web-natives Office aus der OnlyOffice-Welt
Euro-Office entsteht aktuell im Umfeld europäischer Anbieter wie Nextcloud, Ionos und Proton und soll eine souveräne Office-Komponente für Plattformen wie Nextcloud, Proton, XWiki oder OpenProject liefern. Eine vollständige Cloud- oder Groupware-Plattform ist es allerdings nicht. Euro-Office selbst bringt weder eigenen Dateispeicher noch Benutzerverwaltung oder ein Freigabesystem mit. Es ist eine eingebettete Editor-Komponente. Navigation, Rechte, Dateiablage, Versionierung und Freigaben übernimmt die Plattform drumherum.
Das ist aus OnlyOffice vertraut. Im Kern arbeitet ein Document Server, der zwischen Browser und Speicherplattform vermittelt. Bindet man Euro-Office in Nextcloud ein, muss dieser Server sowohl für Nextcloud selbst als auch für die Endgeräte erreichbar sein. Der Browser lädt die Editor-Oberfläche vom Document Server. Der Document Server holt das Dokument von Nextcloud, verwaltet die Bearbeitungssitzung und meldet später Statusänderungen und Speichervorgänge zurück. Die Anbindung arbeitet mit konfigurierten internen und externen Serveradressen, Callback-URLs und JWT zur Absicherung.
Im Browser setzt Euro-Office auf eine native Web-Oberfläche mit JavaScript und einem HTML5-Canvas. Der Editor stellt Dokumente also nicht als gewöhnliche HTML-Seite mit editierbaren Absätzen dar, sondern zeichnet sie kontrolliert. Bei Office-Dokumenten zahlt sich das aus, denn Seitenumbrüche, Tabellen, Kopf- und Fußzeilen, frei platzierte Objekte und Folienlayouts reagieren empfindlich auf kleinste Darstellungsunterschiede. Ein Canvas-basierter Editor steuert Layout, Text und Objekte selbst, statt sich auf das Layout des Browsers zu verlassen.
Der Document Server bleibt trotzdem zentral. Er kümmert sich um Sitzungen, Konvertierung, Speicherung und die gemeinsame Bearbeitung. Öffnen mehrere Nutzer dasselbe Dokument mit demselben Dokument-Schlüssel, landen sie in derselben Sitzung. Der Editor schickt Änderungen an den Bearbeitungsdienst, der sie an die übrigen Teilnehmer verteilt. Kommentare, Änderungsverfolgung, Chat und verschiedene Modi für das gemeinsame Bearbeiten sind bereits Teil dieses Modells.
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Der praktische Vorteil von Euro-Office liegt damit auf der Hand: Es ist für moderne Web-Office-Szenarien gebaut. Es eignet sich vor allem für Organisationen, die schon eine Plattform wie Nextcloud betreiben und eine browserbasierte Office-Komponente mit gemeinsamer Bearbeitung benötigen. Hinzu kommt die starke Ausrichtung auf die Microsoft-Office-Formate, die bereits OnlyOffice mitbringt. In der Praxis ist das für viele Unternehmen ein Pluspunkt, denn ihr Alltag besteht oft aus DOCX-, XLSX- und PPTX-Dateien.
Genau hier liegt aber auch der Streitpunkt. OnlyOffice arbeitet traditionell OOXML-zentriert und konvertiert andere Formate zum Bearbeiten häufig in die Microsoft-Pendants. Euro-Office kündigt zwar eine Unterstützung offener Standards an, und Nextcloud nennt die vollständige ODF-Unterstützung als wichtiges Ziel für die weitere Entwicklung. Im Ausgangspunkt spielt Euro-Office seine Stärken aber bei Microsoft-Formaten aus. Wer ODT, ODS und ODP verbindlich als Primärformate durchsetzen will, sollte genau prüfen, ab wann er eine vollständige Kompatibilität benötigt.
Collabora Online: LibreOffice als Serverdienst
Collabora Online kommt aus einer anderen Richtung. Collabora nutzt die Technik von LibreOffice und Collabora Office und überführt sie in eine Serverarchitektur. Die eigentliche Office-Engine läuft nicht im Browser, sondern auf dem Collabora-Server. Der Browser dient als interaktive Oberfläche. Außerdem ist die Software etabliert und wird bereits von vielen Organisationen produktiv eingesetzt.
Unter der Haube besteht Collabora Online unter anderem aus einem Web Services Daemon, der externe Verbindungen annimmt, aus isolierten Prozessen, die Dokumente laden und rendern, und aus der JavaScript-Oberfläche im Browser. Die Kommunikation läuft über WebSockets. Der Client schickt Tastatur-, Maus-, Scroll-, Zoom- und UNO-Kommandos an den Server. Der Server berechnet den Dokumentzustand und liefert die gerenderten Bereiche zurück.
Diese Bereiche heißen in der Collabora-Dokumentation Tiles, also Kacheln. Der Client fordert die sichtbaren Bereiche an, der Server liefert Bildkacheln oder nur die Differenz zu bereits übertragenen Kacheln. Ändert sich ein Teil des Dokuments, markiert der Server die betroffenen Bereiche als ungültig und sendet neue Inhalte. Architektonisch ist Collabora Online damit eher ein interaktives, ferngesteuertes LibreOffice als eine Office-Anwendung, die komplett im Browser läuft.
Klingt umständlich, hat aber große Vorteile. Weil der LibreOffice-Kern auf dem Server arbeitet, greift Collabora auf die über Jahre gewachsene Dokumentlogik, die Importfilter und die Layout-Engine zurück. Für ODF-Dokumente ist das besonders wichtig. Collabora ist derzeit der produktiv verfügbare Kandidat, wenn eine Organisation Office im Browser einsetzen, aber nahe an LibreOffice und am Open Document Format bleiben will. Auch komplexe Dokumente aus LibreOffice lassen sich so zuverlässig korrekt darstellen.
Der Preis ist die Serverlast. Collabora Online ist ein zustandsbehafteter Dienst. Bei der gemeinsamen Bearbeitung müssen alle Verbindungen zu einem Dokument auf demselben Server oder Pod landen. Das erschwert die horizontale Skalierung im Vergleich zu statischen Webanwendungen. In größeren Installationen müssen WebSockets, Reverse Proxy, TLS, WOPI-Anbindung, Lastverteilung und Ressourcengrenzen sauber zusammenspielen, und der Datenverkehr eines Dokuments muss zuverlässig beim richtigen Prozess ankommen.
Für Administratoren bedeutet Collabora deshalb mehr klassische Serverarbeit als Euro-Office oder der geplante Ansatz der Document Foundation. Der Collabora-Server ist eine zentrale und sensible Komponente. Er lädt Dokumente, verarbeitet und rendert sie und speichert Änderungen über die angebundene Plattform zurück. Er braucht CPU, Arbeitsspeicher und eine stabile Verbindung zu Speicherplattform und Browsern. Bei vielen gleichzeitigen Nutzern oder sehr großen Dokumenten wird das spürbar.
Für Anwender kann sich Collabora sehr nah an LibreOffice anfühlen. Das ist praktisch für Desktop-Umsteiger, bei schwacher Serverausstattung oder hoher Latenz kann die Bedienung – also Scrollen, Zoomen und die Reaktion auf Eingaben – aber träge wirken.
LibreOffice Web und Mobile: die Local-First-Wette der TDF
Die Pläne der Document Foundation für LibreOffice im Web und auf dem Smartphone setzen genau an diesem Punkt an. Die TDF beschreibt ihre Strategie ausdrücklich als Planungs- und Entwicklungsvorhaben, nicht als fertige technische Spezifikation oder Produktankündigung. Es gibt einen funktionierenden, aber noch rohen Prototyp auf Basis von Qt 6 und WebAssembly. Daraus soll langfristig eine webfähige LibreOffice-Version entstehen, die möglichst viel der bestehenden Codebasis weiterverwendet.
Der Unterschied zu Collabora ist grundlegend. Collabora bringt LibreOffice-Technik auf den Server und macht sie über den Browser bedienbar. Die TDF will LibreOffice selbst in den Browser bringen. WebAssembly dient dabei als Laufzeitformat für Code, der ursprünglich nicht in JavaScript geschrieben wurde. Eine große C++- und Qt-Anwendung wie LibreOffice lässt sich so in ein Browser-Binärformat übersetzen. Der Browser wird dann zur Laufzeitumgebung für eine weitgehend native Anwendung.
Das Ziel ist eine Local-First-Architektur, bei der die Hauptarbeit auf dem Endgerät liegt. Die TDF verweist auf steigende Hosting- und Energiekosten und argumentiert, viele kleine Cloud-Betreiber sollten nicht unnötig viel Rechenarbeit im Rechenzentrum leisten. Laufen Layout, Dokumentlogik und der Großteil der Bearbeitung lokal, kann der Server schlank bleiben. Er müsste dann primär den Anwendungscode ausliefern, Dateien bereitstellen, Rechte verwalten und die gemeinsame Bearbeitung koordinieren.
Das klingt attraktiv, schafft aber neue technische Probleme. Eine Office-Suite wie LibreOffice ist groß. Wandert sie per WebAssembly in den Browser, müssen Code, Laufzeit und Ressourcen geladen, kompiliert und initialisiert werden. Der erste Start kann länger dauern als bei einer eigens fürs Web gebauten App. Außerdem verschieben sich die Anforderungen vom Server auf den Client. Prozessor, Arbeitsspeicher, Browserfunktionen und Akkulaufzeit werden wichtiger. Auf aktuellen Firmen-Notebooks funktioniert das natürlich problemlos, doch auf älteren Thin Clients, Schulgeräten oder Smartphones könnte es schwieriger werden.
Hinzu kommen die Grenzen der Browser-Sandbox. Eine Desktop-Anwendung greift selbstverständlich auf das lokale Dateisystem, die Zwischenablage, das Drucksystem und Betriebssystemfunktionen zu. Im Browser ist all das eingeschränkt oder anders gelöst. Dateien liegen in virtuellen Dateisystemen oder lassen sich nur über Browser-Schnittstellen öffnen. Der Zugriff auf die Zwischenablage unterliegt Sicherheitsregeln. Für Multithreading und SharedArrayBuffer sind unter Umständen spezielle HTTP-Header nötig. Ein LibreOffice in WebAssembly ist deshalb kein einfach neu kompiliertes Desktop-LibreOffice, sondern muss an das Sicherheitsmodell des Webs angepasst werden.
Auch die Bedienung ist eine Herausforderung. LibreOffice auf dem Desktop ist mächtig, mit Menüs, Dialogen, Symbolleisten, Kontextmenüs und vielen Spezialfunktionen. Im Browser und erst recht auf dem Smartphone braucht es eine responsive Oberfläche und kürzere Bedienwege. Die TDF nennt deshalb auch Arbeiten an der Oberfläche und an mobilen Builds als eigene Ziele. Für Android und iOS sollen zunächst lauffähige Builds auf Emulatoren entstehen. Das ist ein wichtiger Schritt, aber weit entfernt von ausgereiften mobilen Apps.
Bei der Kollaboration steht LibreOffice Web ebenfalls am Anfang. Die TDF plant zunächst eine Client-Server-Architektur mit einer maßgeblichen zentralen Instanz für den Dokumentzustand. Für die Entwicklung sollen direkte TCP/IP-Verbindungen zwischen LibreOffice-Instanzen dienen, später soll ein Document Server die Zusammenarbeit koordinieren. Eine Peer-to-Peer-Lösung gilt als langfristig interessant, ist aber eher Forschungsthema als eine konkrete Produktfunktion. Damit unterscheiden sich die Pläne klar von Euro-Office und Collabora, die das gemeinsame Bearbeiten heute schon produktiv beherrschen.
Drei Einsatzprofile für Unternehmen
Ihre Organisation will weg von Microsoft 365 und staunt nun über das freie Office-Chaos? Nicht so wild, denn aus Unternehmenssicht gibt es am Ende drei sehr unterschiedliche Ansätze, die Ihre Entscheidung deutlich vereinfachen sollten.
Euro-Office ist der pragmatische Ansatz für Organisationen, die eine moderne Web-Office-Komponente in Nextcloud oder vergleichbaren Plattformen brauchen und viel mit Microsoft-Office-Dateien arbeiten. Die Architektur ist auf den Browser und die gemeinsame Bearbeitung ausgelegt, der Betrieb verlangt einen Document Server. Die erste allgemein verfügbare Version macht den Umstieg jetzt praktisch möglich.
Collabora Online ist der reife Kandidat für alle, die heute produktiv ein LibreOffice-nahes Office im Browser einsetzen wollen. Es passt besonders gut zu ODF-Strategien, zu Behörden und zu Plattformen wie Nextcloud oder ownCloud. Der größte Vorteil ist die Nähe zur Dokumentlogik von LibreOffice. Der größte Nachteil bleibt die hohe Serverlast. Für große Installationen sind Lasttests mit echten Dokumenten und realistischen Nutzerzahlen Pflicht.
LibreOffice Web und Mobile ist dagegen keine kurzfristige Option, sondern eine Wette auf die Architektur. Geht sie auf, liefert sie womöglich die eleganteste Antwort auf mehrere Probleme zugleich: eine gemeinsame freie Codebasis für Desktop, Browser und Mobilgeräte, ODF als natürliches Hauptformat und geringere Serverkosten durch lokale Verarbeitung. Diese Vorteile müssen aber erst technisch eingelöst werden. Tempo, Paketgröße, Speicherbedarf, Browser-Integration, mobile Bedienung und gemeinsame Bearbeitung sind offene Baustellen.
(fo)
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