Digital Business & Startups
Viel Pizza, wenig Schlaf – und die Hoffnung auf die eine Idee
Minus fünf Grad draußen. Beschlagene Scheiben drinnen. Im Eingangsbereich des Delta Campus in Berlin-Neukölln drängen sich junge Menschen mit Laptops unter dem Arm. Niemand wartet freiwillig in der Kälte. Drinnen geht es um etwas anderes: 36 Stunden Zeit, kaum Schlaf – und die Hoffnung, dass aus einer Idee mehr wird als nur Code.
Noch ist keine Zeile programmiert – aber die Gespräche im Raum verraten: Der AI-Hackathon im Delta Campus Berlin hat begonnen. Stimmen überlagern sich, Namen und Linkedin-Profile werden ausgetauscht.
Die Menge verteilt sich schließlich auf der Fläche: Runde Tische, lange Gruppentafeln, Sofa-Ecken mit tiefen Kissen – die Location für die nächsten 36 Stunden.
Laptops klappen auf, Kabel werden gesucht, Jacken über Stuhllehnen gehängt. In der offenen Küche ist ein Frühstücksbuffet aufgebaut: Croissants türmen sich in Körben. Weitere Gespräche entstehen zwischen zwei Schlucken Kaffee: Wer kann was? Immer wieder wandern Blicke durch den Raum, auf der Suche nach möglichen Mitstreitern. Kleine Grüppchen bilden sich, lösen sich auf und finden sich neu.
600 Bewerbungen für ursprünglich 90 Plätze haben die Veranstalter erreicht. Unter denen, die es geschafft haben, sind Ingenieure, Programmierer, Studenten, Startup-Gründer und die, die es werden wollen. Sie kommen nicht nur aus ganz Deutschland an diesem Wochenende nach Berlin, sondern teils aus London, Brasilien oder sind Teilnehmer von Erasmus-Programmen. Deshalb wird wie so üblich Englisch gesprochen.
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Von den 105 Teilnehmenden sind nur knapp zehn Frauen dabei – ein Ungleichgewicht, das auffällt, ohne ausgesprochen zu werden. Aber typisch für die Tech-Szene in Berlin, wie Organisator Bela Wiertz von Tech Europe sagt.
Viele der Teilnehmenden kennen sich bereits – sind Freunde, Kommilitonen, Co-Gründer oder haben sich auf anderen Hackathons kennengelernt.
Klare Spielregeln
Um 10.30 Uhr startet dann die Agenda: Die Sponsoren stellen sich vor und Organisator Bela Wiertz erklärt die Spielregeln des AI-Hackathons:
- Es dürfen bis zu fünf Menschen ein Team bilden, aber auch Einzelkämpfer sind erlaubt.
- Es muss ein neues Projekt gestartet werden. Das Arbeiten an bestehenden Projekten ist nicht erlaubt!
- Drei Tools/Technologien der Sponsoren müssen genutzt werden.
Die Challenge ist bewusst offengehalten: Etwas Neues erschaffen, Thema frei, kein vorgegebenes Problem. Der Haken – oder der Reiz – liegt in den Tools: Da drei von vier Technologien genutzt werden sollen, gibt es nicht viel Auswahl und Spielraum. Zur Auswahl stehen Chatarmin, eine AI-Lösung für Customer Service und Marketing im E-Commerce, die Frontier-Modelle von OpenAI, das No-Code-Tool Lovable zur Erstellung von Apps und Websites per Chat sowie Tower, das AI-Agenten mit verlässlichen Daten versorgt. Was daraus entsteht, liegt in den Händen der Teams.
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Nicht alle im Raum haben mit diesen Programmen schon gearbeitet. Deshalb gibt es kompakte Einführungen, praktische Anleitungen und Ansprechpartner mit tiefem Technikverständnis. Experten gehen von Tisch zu Tisch oder sind per Discord erreichbar, beantworten Fragen.
„Wir suchen noch…“
Wer noch ohne Team ist, sammelt sich zum Matchmaking. Man stellt sich vor. Einige bringen bereits sehr konkrete Ideen mit, andere erst eine grobe Richtung. „Das könnte passen“ – so finden sich weitere Gruppen. Denn: Niemand will allein bleiben.
Der Hackathon versteht sich nicht allein als Wettbewerb um das beste Ergebnis, sondern als Lernraum: Wie formt sich ein Team unter Zeitdruck? Wie verständigt man sich auf eine gemeinsame Idee? Wie denkt man zusammen über eine Lösung nach – und nicht nur nebeneinanderher?
Post-its, Flipcharts und Co.
Zum Lunch stehen die Teams längst fest: An den Gruppentischen wird gearbeitet – Köpfe beugen sich zusammen, Vorgehensweisen werden diskutiert, Aufgaben verteilt. Post-its wandern über Tischplatten, auf Flipcharts entstehen erste Entwürfe.
Die Burritos an der Essensausgabe werden zügig abgeholt: ein Griff, ein Nicken, zurück an den Platz. Das Essen läuft nebenbei – das Projekt nicht. Der Fokus liegt klar auf dem, was in den nächsten Stunden entstehen soll.
Die Gruppen sind bunt gemischt: Unterschiedliche Erfahrungslevel und Generationen arbeiten miteinander. Das Alter der Teilnehmenden liegt zwischen 18 bis Ü40, alle eint der Antrieb, den AI-Hackathon für sich zu entscheiden.
Die Gruppe um Ridvan Sibic hat einen festen Plan: eine Idee finden, die für den Sponsor Arbio Sinn ergibt. Also das Gespräch suchen, Rückfragen stellen, verstehen, worauf es ankommt – in diesem Fall im Kontext von Reiseunterkünften.
Schritt zwei ist technisch: Welche der vergebenen Tools macht Sinn? Dann die Leitfragen: Was macht Spaß? Was würde man selbst nutzen? Was nervt im Alltag? Wo entsteht ein Wow-Effekt? Der Anspruch ist nicht maximale Komplexität, sondern Freude am Produkt. Es darf leicht sein, solange es funktioniert.
Anschließend geht es an den Bau: aus der Idee wird ein Agent. Ridvan übernimmt dabei die Rolle des Erfahrensten, lenkt, priorisiert, bremst auch mal. Erwartungen werden bewusst heruntergeschraubt, Ziele realistisch gesetzt, erklärt er. „Hier muss nicht das nächste Microsoft entstehen.“
Inzwischen ist es Abend geworden, 21 Uhr. Die Sonne ist längst untergegangen, der Delta Campus noch hell erleuchtet. Leere Pizzakartons stapeln sich in den Ecken, es riecht noch nach Tomatensoße. Die ersten Teilnehmer haben sich auf den Weg nach Hause oder ins Hostel gemacht. Zum Schlafen, um an Tag zwei wieder fit zu sein. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Delta Campus nicht.
Rund 40 Menschen sind am späten Samstagabend noch da und arbeiten: Codes laufen über die Bildschirme, man hört leises Tippen auf Tastaturen. Es ist ruhiger geworden, die lebhaften Gespräche vom Mittag sind verstummt. Manche Gruppen haben sich in Glaskästen zurückgezogen, um ungestört zu arbeiten. Wer hier noch sitzt, arbeitet, denkt, tüftelt, versucht, die verbleibenden Stunden optimal zu nutzen.
Auf den Tischen stapeln sich Cola- und Mate-Flaschen, leere Energy-Dosen und Kaffeebecher – Koffein bringt die Verbleibenden durch die Nacht.
Durchgemacht für die Deadline
Am frühen Sonntagmorgen füllt sich der Raum im Erdgeschoss des Delta Campus. Aber nicht alle sind wieder gekommen.
Während die meisten Teilnehmer einigermaßen ausgeruht wirken, haben rund 20 von ihnen die Nacht durchgearbeitet und nur ein paar Stunden auf der Couch geschlafen – mehr nicht. Der ein oder andere legt den Kopf auf die Tischplatte, fällt über der Tastatur in einen Sekundenschlaf.
Bis 14 Uhr müssen alle Projekte fertig sein. Der Sonntag ist Endspurt-Zeit: Videos werden nun aufgenommen, in denen die Teams ihre Ideen und Lösungen präsentieren. Maximal zwei Minuten darf jedes Video dauern – also präzise, auf den Punkt und ohne Ausschweifungen. Danach liegt alles in den Händen der Jury, die sich aus den Sponsoren des Hackathons zusammensetzt.
Kurz vor der Deadline liegt spürbare Anspannung in der Luft. Tastaturen klappern, Mauszeiger fliegen über Bildschirme, Gruppen diskutieren noch letzte Details. Viele arbeiten bis zur allerletzten Minute, reichen ihre Projekte erst kurz vor knapp ein.
„Hast du submittet?“
Und dann: Erleichterung. Schulterklopfen, High-Fives. Stolz mischt sich mit Erschöpfung. Aber: Nicht alle sind pünktlich fertig geworden. Nicht alle haben ihr Projekt eingereicht.
Eine Stunde gilt es nun zu überbrücken bis zur Bekanntgabe der Finalisten. Die Jury zieht sich zurück – insgesamt 27 Projekte gilt es zu bewerten. Bewertet werden Kreativität und technische Komplexität. Bonuspunkte gibt es für den effektiven Einsatz von Partnertechnologien.
Manche nutzen die Stunde Freizeit, um frische Luft zu schnappen und machen einen kurzen Abstecher zur Dönerbude an der nächsten Straßenecke. Andere wiederum suchen Ablenkung im Ping-Pong-Turnier.
Das Finale
Gegen 15.30 Uhr startet schließlich die Finalistenrunde: Drei Teams werden aufgerufen und haben jeweils fünf Minuten Zeit, ihre Hackathon-Projekte auf der Bühne vor allen zu präsentieren. Es wird laut geklatscht und anerkennend genickt.
Das Rennen um den Hauptpreis macht schließlich Team „MedAccura“ unter der Leitung von Tim Schwarz, einem Arzt, der den Alltag in Kliniken bestens kennt. Es ist sein zweiter Hackathon.
Seine Idee: einen AI-Agenten für Health-Tech entwickeln. Das Problem: Ärzte begegnen täglich einer Vielzahl an Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern und Vorerkrankungen, sagt er. Gleichzeitig müssen sie ständig auf dem neuesten Stand der medizinischen Leitlinien sein – PDFs, die mehrere hundert Seiten umfassen, erklärt Schwarz. Eine kaum zu bewältigende Herausforderung im stressigen Klinikalltag.
Die Lösung von MedAccura: ein System, in das alle Leitlinien-PDFs eingespeist werden, sodass Ärzte per Schnellsuche und mithilfe von OpenAI/ChatGPT gezielt auf relevante Passagen zugreifen können.
Die Jury lobt: „Dieses Projekt zeichnet sich durch eine große technische Tiefe aus und wurde in kürzester Zeit realisiert. Es hat wirklich großartige Ergebnisse erzielt, die die Welt zu einem besseren Ort machen können, insbesondere Krankenhäuser.“ Das Team will das Projekt weiter verfolgen und sich auch nach dem Event wiedersehen, um zu prüfen, ob ihre Lösung in der Praxis funktionieren könnte.
Mit diesen Worten wird der Hackathon offiziell beendet. Die Jury ergänzt zum Abschluss: „Wir sind von euch allen sehr beeindruckt.“
Digital Business & Startups
Sparkli erhält 5 Millionen – Michael Mittermeier investiert in Spiritory – Multiverse übernimmt StackFuel
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ EdTech Sparkli erhält 5 Millionen +++ Sipfront bekommt 1,8 Millionen +++ Finanzspritze für Arctis AI +++ Comedian Michael Mittermeier investiert in Spiritory +++ Multiverse übernimmt StackFuel +++ Futury Capital verkündet Final Closing +++

Im #DealMonitor für den 27. Januar werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere zweite STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: STARTUPLAND 2026 findet bereits am 18. März statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Sparkli
+++ Der Schweizer Geldgeber Founderful, Arc Investors und Innosuisse investieren 5 Millionen US-Dollar in Sparkli – siehe Forbes. Das EdTech aus Zürich, 2025 von Lax Poojary, Lucie Marchand und Mynseok Kang gegründet, positioniert sich als KI-basierte Lernplattform für Kinder (5 bis 12 Jahre). „Sparkli empowers kids to create their own expeditions based on their questions. Volcanoes, fashion, sea robots? Sparkli turns curiosity into an engaging learning experience“, heißt es zur Idee. Mehr über Sparkli
Sipfront
+++ Airbridge Equity Partners aus Amsterdam, tecnet equity und Business Angels wie Gernot Singer, Jan Trionow und Markus Buchner investieren 1,8 Millionen Euro in Sipfront – siehe Trending Topics. tecnet equity und Co. investierten zuletzt 1,3 Millionen Euro in die Jungfirma. Das Startup aus Wien, von den Sipwise-Gründern Andreas Granig und Daniel Tiefnig sowie Markus Seidl gegründet, setzt auf die „Überwachung und Qualitätssicherung von Telekommunikationsnetzen“. Insgesamt flossen nun bereits 4,8 Millionen in Sipfront. Mehr über Sipfront
Arctis AI
+++ Der Berliner Investor PT1, EWOR, Superangels sowie Business Angels wie Alexander Schwörer, Sebastian Johnston, Christian Vollmann, Daniel Bronk und Christian Marquart investieren eine siebenstellige Summe in Arctis AI. Das Startup aus München, von Dila Ekrem, Duc-Trung Nguyen und Leon Stawowiak in Regensburg gegründet, möchte sich als „AI Platform for Construction Contract Management“ etablieren. „Arctis AI provides the digital infrastructure to manage the administrative complexity of large-scale construction and infrastructure projects“, heißt es zur Idee. Mehr über Arctis AI
Spiritory
+++ Whisky-Liebhaber und Comedian Michael Mittermeier investiert gemeinsam mit „einer Gruppe neuer und bestehender Investoren“ in Spiritory. Das Münchner Startup, 2022 von Janis Wilzcura und Clemens Bennier gegründet, positioniert sich als „börsenbasierter Live-Marktplatz für Liebhaber und Sammler von Spirituosen“. Ludwig Fresenius Pioneer Ventures und Business Angels investierten zuletzt eine sechsstellige Summe in das Unternehmen. Ludwig Fresenius Pioneer Ventures hielt zuletzt 2,6 % am Unternehmen. Mehr über Spiritory
MERGERS & ACQUISITIONS
Multiverse – StackFuel
+++ Die Londoner Upskilling-Plattform Multiverse übernimmt das Berliner Unternehmen StackFuel, das sich um „Weiterbildung für Daten- und KI-Skills“ kümmert. „Wir haben viele Gespräche geführt und uns am Ende ganz bewusst für Multiverse entschieden. Euan Blair hat die Firma erschaffen, die ich immer bauen wollte. Unterstützt durch einige der bekanntesten Investoren der Welt, gesteuert von Weltklasse Leadern und einer Firmenkultur, die auf großer Ambition, Leistung und Ehrlichkeit beruht. Heute stehen sie für attraktive KI-Trainings, auf einer starken Tech-Plattform, mit mehr als 30.000 Lernenden aus über 1.500 Unternehmen“, schreibt StackFuel-Gründer Leo Marose auf LinkedIn. StackFuel, 2026 von Stefan Berntheisel und Leo Marose gegründet, sammelte in den vergangenen Jahren rund 3,5 Millionen Euro ein – unter anderem von Business Angels wie Felix Brosius, Sylvius Bardt, Frank Mies, Matthias Helfrich, Christian Bredlow und Niels Hencke. Die Gründer hielten zuletzt zusammen noch rund 70 % an StackFuel. Mehr über StackFuel
VENTURE CAPITAL
Futury Capital
+++ Der Frankfurter Investor Futury Capital verkündet das Final Closing des dritten Futury Fonds (47 Millionen Euro). Geplant waren 40 Millionen. „Mit der Beteiligung der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, KfW Capital sowie mehr als 45 privaten Investoren ist es gelungen, ein in Deutschland bislang einzigartiges länderübergreifendes Förder- und Investmentbündnis zu etablieren“, verkündet der Geldgeber aus Frankfurt am Main. Futury Capital „investiert europaweit in technologieorientierte Start-ups mit skalierbaren Geschäftsmodellen“. Wobei der Investor aber einen besonderen Fokus auf Startups aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hat. Geplant sind rund 25 Investments. Mehr über Futury Capital
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
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Europa hat alles für KI – aber kein System, um daraus Gewinner zu machen
Europa hat Talente, Daten, Ideen – aber baut KI auf fremden Stacks. Ohne eigene Rechenzentren, Data-Pipelines und Clouds kommen Startups nicht weiter, sagt KI-Experte Fabian Westerheide.
Fabian Westerheide ist Gründungspartner des KI-fokussierten Venture-Capital-Investors AI.FUND und investiert seit 2014 privat über Asgard Capital in KI-Unternehmen. Westerheide berät öffentliche und private Institutionen strategisch im Bereich KI und lädt jährlich zur KI-Konferenz Rise of AI nach Berlin ein. In diesem Artikel fasst er zusammen, inwiefern KI die ganze Logik, wie man Startups bisher aufgebaut hat auf den Kopf stellt.
Die Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) in Europa kreist oft um die gleichen Fragen: Haben wir genug Daten? Haben wir genug Talente? Fördern wir Innovation? Die ehrliche Antwort: Ja. Europa hat exzellente Forscherinnen und Forscher, starke Universitäten, wettbewerbsfähige KI-Startups und ein wachsendes Ökosystem. Was fehlt, ist etwas anderes – und weit Grundlegendes: die Infrastruktur, um all das zu skalieren.
Europas zentrales KI-Problem ist ein strukturelles Skalierungsproblem
Und genau das trifft Startups zuerst – und am härtesten. Denn sie konkurrieren mit US-Plattformen um Kapital, Talent und Distribution, aber ohne deren strukturelle Vorteile: keine eigenen Cloud-Plattformen, keine High-End-Rechenzentren in europäischer Hand, keine KI-Basismodelle auf Open-Source-Niveau, keine Plattformen mit globaler Reichweite.
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Diese Asymmetrie zeigt sich auf drei Ebenen:
- Compute
Rechenleistung ist das neue Öl der KI. Und Europa sitzt nicht auf den Feldern. Die Infrastruktur für das Training großer Modelle – GPU-Farmen, Foundation-Modelle, Edge-Netzwerke – ist entweder nicht vorhanden oder in ausländischer Hand. Startups mieten Infrastruktur, statt sie zu besitzen. Wer keine Kontrolle über seine Basistechnologie hat, kann auch keine Plattform aufbauen. - Kapitaltiefe
Die wirklich großen Finanzierungsrunden – also jene Summen, mit denen man eigene Technologie aufbauen und international skalieren kann – finden vor allem in den USA statt. Dort sind Investor:innen eher bereit, auch große und riskante Plattformideen zu finanzieren. In Europa dagegen dominieren Vorsicht und kleinteilige Förderung. Oft wird nur so viel investiert, dass erste Prototypen entstehen, aber nicht genug, um daraus echte Marktführer zu bauen. Oder anders gesagt: Wer nur den ersten kleinen Schritt finanziert, darf sich nicht wundern, wenn am Ende auch nur kleine Lösungen entstehen. - Distribution
Der Zugang zu Kunden läuft über Gatekeeper: Apple, Google, Microsoft, Amazon, OpenAI und SAPy. Wer KI verkauft, tut das über APIs, App Stores oder Cloud Marketplaces – selten direkt. Die Folge: Margendruck, eingeschränkte Kontrolle über das Produkt und strukturelle Abhängigkeit.
Das Ergebnis ist ein folgenschweres Muster: Startups in Europa entwickeln KI – aber auf fremden Stacks.
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Sie werden zu Integratoren, nicht zu Eigentümern. Sie schaffen Nutzen, aber keine strategische Tiefe. Die Wertschöpfung wandert ab, die Anpassungskosten bleiben hier: steigende API-Preise, regulatorischer Druck, Fachkräftemangel. Damit entsteht ein gefährliches Ungleichgewicht: Innovation ohne Infrastruktur.
Startups in der Sackgasse
Für die europäische Souveränität ist das ein Alarmzeichen. Für Startups eine strategische Sackgasse. Denn unternehmerische Gestaltungsmacht entsteht nicht in der App – sondern im Stack darunter: im Modell, in der Dateninfrastruktur, in der Plattformlogik. Wer nur auf fremde APIs zugreift, baut keine Plattform – er nutzt sie. Und bleibt ersetzbar.
Was jetzt zählt, ist kein „mehr von allem“ – sondern gezielte Skalierungsmacht.
Wir brauchen:
- Eigene Compute-Infrastruktur, die Startups Zugang zu leistungsfähiger KI-Rechenpower gibt – unter europäischer Kontrolle.
- Finanzierungsmodelle, die nicht nur Software-as-a-Service, sondern Deeptech, Modelle und Infrastruktur denken.
- Plattformstrategien, die den direkten Zugang zu Kunden und Daten sichern – statt ihn an Dritte zu delegieren.
Denn wenn wir Europas Startups dauerhaft auf fremden Infrastrukturen bauen lassen, verlieren wir nicht nur Märkte – sondern die Fähigkeit, digitale Zukunft selbst zu gestalten.
Souveränität bedeutet: Wir entscheiden, auf welchen Stacks wir bauen – und wem sie gehören.
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5 neue Startups: MindElevate, ImmuniFriend, Bloom Future, Dienstrad Finder, DataWil Tech
#Brandneu
Die Startup-Welt schläft nie! Zeit, einen Blick auf einige brandneue Unternehmen zu werfen, die man unbedingt auf dem Radar haben sollte. Diese Jungfirmen stellen wir euch heute vor: MindElevate, ImmuniFriend, Bloom Future, Dienstrad Finder und DataWil Tech.

Bei deutsche-startups.de ist wieder Startup-Zeit! Wir zeigen euch heute junge Unternehmen, die in den letzten Wochen und Monaten gegründet wurden – und solche, die sich gerade erst aus dem Stealth-Mode herausgewagt haben. Noch mehr spannende Neugründungen warten in unserem Newsletter Startup-Radar auf euch.
MindElevate
Bei MindElevate aus Hückeswagen dreht sich alles um mentale Gesundheit. Die App fungiert als „Fitnessstudio für die Psyche“. „Wir unterstützen Einzelpersonen und Unternehmen dabei, Stress zu bewältigen, sich selbst besser zu verstehen und Ihre mentale Stärke zu entfalten“, heißt es vom Team um Gründer Philipp Nelte.
ImmuniFriend
ImmuniFriend aus Berlin, von Olivia Rimek, Philipp Möhringer und Elsa Fernanda ins Leben gerufen, offeriert eine App für die emotionale Unterstützung für Autoimmunpatienten. „We want to change the way emotional health is treated in autoimmune care. By bridging the gap between physical treatment and emotional support, we are creating a holistic approach to wellbeing“, heißt es.
Bloom Future
Mit Bloom Future aus Heilbronn „finden Unternehmen reflektierte und motivierte Nachwuchstalente aus ihrer Region“. „Unsere App macht Berufsorientierung zeitgemäß – speziell für die Gen Z“, so das von Carlo Mailänder, Kevin Costa und Darcy Maguire gegründete Startup. Und weiter: „Wir zeigen jungen Menschen, was in ihnen steckt – und Unternehmen, wer wirklich passt.“
Dienstrad Finder
Das Startup Dienstrad Finder aus Dresden, von Florian Rütz und Jacob Krau an den Start gebracht, „macht Schluss mit Intransparenz im Dienstrad-Leasing“. „Leasinganbieter und individuelle Steuerinfos eingeben, Angebote führender Fahrradhändler vergleichen, prognostizierten Nettoaufwand berechnen und das beste Angebot finden“, erläutert das Team.
DataWil Tech
Die noch junge Firma DataWil Tech aus Frankfurt am Main, von Wilfried Talimeta auf die Beine gestellt, betreibt „die erste digitale psychologische Plattform für die Diagnose und Therapie von ADHS, Autismus, Traumata, und Depressionen“. Eine „KI-basierte Digitale Praxis zur Entlastung psychologischer Gesundheitsversorgung“, beschreibt es das Unternehmen selbst.
Tipp: In unserem Newsletter Startup-Radar berichten wir einmal in der Woche über neue Startups. Alle Startups stellen wir in unserem kostenpflichtigen Newsletter kurz und knapp vor und bringen sie so auf den Radar der Startup-Szene. Jetzt unseren Newsletter Startup-Radar sofort abonnieren!
WELCOME TO STARTUPLAND

SAVE THE DATE: Bereits am 18. März findet unsere dritte STARTUPLAND statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über Startupland
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
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