Digital Business & Startups
Von Freundin trennen, um mehr arbeiten zu können
Unter den eher unerwarteten Folgen des KI-Wettlaufs ist eine neue Trennungsfloskel aufgetaucht: Es liegt nicht an dir, sondern an meinem Startup.
Lee Beckman, 30, Gründer eines Edtech-Startups, führte etwa fünf Monate lang eine Fernbeziehung mit seiner Freundin, als ihm klar wurde, dass ihn der Aufbau seines Unternehmens so sehr auslaugte, dass ihm kaum noch Energie für die Beziehung blieb. Wenn er sie abends anrief, sei sein Kopf „so voll mit Informationen und dem Versuch, so viele Dinge gleichzeitig zu erledigen“, dass „kein Platz mehr im Gehirn übrig war“.
„Ich habe gemerkt, dass ich mich für meine mentale Gesundheit auf sie verlassen habe – und das fand ich nicht fair“, sagt Beckman.
Die panische Angst vor der dauerhaften Unterschicht
Auch Archish Arun, 21, war rund sechs Monate mit seiner Freundin zusammen, als er beschloss, Stanford abzubrechen und Vollzeit an seinem von Y Combinator geförderten Video-Produktions-Startup zu arbeiten. Er geriet so stark in das rasante Tempo eines Frühphasen-Startups, dass er ungeduldig wurde, wenn sie Zeit brauchte, um einen Streit zu verarbeiten – er wollte eine Lösung so schnell wie einen Bugfix. Das Leben im Startup-Takt habe „viele unserer Probleme viel schneller an die Oberfläche gebracht“, sagt er.
Das ist auch mir passiert. Wie viele junge Gründer ist mein Ex-Freund überzeugt, dass in den kommenden Jahren die Gewinne des KI-Booms an diejenigen gehen werden, die jetzt darauf aufspringen – während der Rest von uns in einer dauerhaften Unterschicht feststeckt. Wir waren neun Monate zusammen, als er mir sagte, dass er nach San Francisco ziehen werde, um Fellow bei Andreessen Horowitz zu werden und sein Medien-Startup zu skalieren – und dass er dafür unsere Beziehung in New York beenden müsse.
Der ständige KI-Druck, etwas aufzubauen
„Ich habe das Gefühl, ich schulde es mir selbst, diesem Traum nachzugehen, den ich seit meiner Kindheit habe“, sagte er. „Und wenn wir zusammenbleiben, werde ich jede freie Minute damit verbringen, zu versuchen, nach New York zurückzukommen, um dich zu sehen.“
Autsch. Mich traf vor allem das Gefühl völliger Kontrolllosigkeit. Ich entwickelte eine einseitige, fast parasoziale Abneigung gegen Marc Andreessen, von dem ich das Gefühl hatte, er habe mir meinen Freund gestohlen, ohne es überhaupt zu versuchen. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich damit nicht allein bin.
Dating, ohnehin schon chaotisch für karriereorientierte Menschen in ihren Zwanzigern, ist aus den Fugen geraten. Die Diagnosen sind vielfältig: Swipe-Kultur, Ghosting, eine wachsende Einsamkeitskrise, die zunehmende politische Kluft zwischen Männern und Frauen, wirtschaftliche Unsicherheit, die Menschen dazu bringt, Heirat hinauszuzögern. Und für eine bestimmte Gruppe kommt heute ein weiterer, besonders heikler Faktor hinzu: der Druck, etwas aufzubauen.
Lieber aufs Startup konzentrieren, statt auf die Beziehung
Angelockt von den Versprechen der Künstlichen Intelligenz schotten sich viele junge Gründer zunehmend von ihrem sozialen Leben ab. Im vergangenen Jahr sagte ein General Partner von Y Combinator der New York Times, das Durchschnittsalter der Teilnehmer liege inzwischen bei 24 Jahren – nach 30 im Jahr 2022. Die Gründer, mit denen ich für diese Geschichte gesprochen habe, betonten, dass sie gute Partner sein wollen. Doch zwischen den ohnehin schon enormen Anforderungen eines Frühphasen-Startups und dem „Jetzt-oder-nie“-Druck des KI-Booms haben viele ihre bestehenden Beziehungen aufgegeben, um sich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren. Ihre Ex-Partner wollten sich dazu nicht äußern.
Wenn ein junger Gründer „eine Beziehung führen will, muss er sie mit derselben Zielstrebigkeit behandeln wie sein Unternehmen – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er dazu nicht in der Lage ist“, sagt Amy Andersen, Dating-Coach aus dem Silicon Valley. Unter ihren Gründer-Klienten seien diejenigen, die bereit für eine ernsthafte Beziehung sind, meist Mitte bis Ende 30. „Mitte 20 eher nicht“, sagt sie.
Ich frage Andersen, was sie einem 26-jährigen Gründer raten würde, der darüber nachdenkt, eine gesunde Beziehung zu beenden, um sich auf den Aufbau seines Startups zu konzentrieren. Ich erwähne nicht, dass dieses hypothetische Szenario meine eigene Realität war.
„Ich halte das für eine gute Idee, weil er auf sich selbst hört und sehr ehrlich einschätzt, was er leisten kann“, sagt Andersen. „Wenn er sich für die Beziehung entscheiden würde, hätte er am Ende wahrscheinlich Reuegefühle. Und irgendwann würden die Frustration und die Realität, dass es schwer ist, beides unter einen Hut zu bekommen, an die Oberfläche kommen.“ Hart.
Ein Grund, warum es so schwierig ist, mit einem jungen Gründer zusammen zu sein, liegt darin, wie eng ihr Startup mit ihrer Identität verknüpft ist, sagt Yariv Ganor, ein Startup-Psychologe, der häufig mit Gründern in Beziehungen arbeitet. „Der Partner muss in gewisser Weise akzeptieren, dass das Startup Priorität hat. Das Startup ist oft eine Erweiterung der Gründerperson – viele sehen es als eine Art Verkörperung ihrer selbst“, sagt Ganor.
Für viele junge Gründer rückt Dating hinter den Aufbau ihres Startups zurück – weil es sich für sie schlicht unverantwortlich anfühlt, finanziell und emotional in etwas anderes zu investieren als in ihr Unternehmen.
„Ich investiere so viel und verbrenne jeden Monat so viel Geld mit meinem Business. Da wirkt es einfach nicht wirtschaftlich sinnvoll, zusätzlich ins Dating zu investieren“, sagt Beckman. Seit der Trennung von seiner Freundin im Jahr 2024 sei er auf gerade einmal zwei Dates gewesen. Mein Ex hat mir etwas Ähnliches gesagt: Er wolle in San Francisco erst einmal ein fast mönchisches, enthaltsames Leben führen.
Der „Hackathon-Ansatz“ beim Dating
Einige Gründer, die daten, haben gleichzeitig unrealistisch hohe Erwartungen daran, wie leicht sich der perfekte Partner finden lässt. Max Marchione, 25, Gründer des Longevity-Startups und Peptid-Anbieters Superpower, sagte mir, er würde einer Frau eine einwöchige „Probezeit“ geben – und in dieser Zeit prüfen, ob er sich ein Leben für immer mit ihr vorstellen kann.
„Es gab eine Phase, in der ich strikt gesagt habe: ‚Ich gehe gar keine Beziehung ein.‘ Jetzt ist es eher so: Wenn ich denke, dass ich jemanden vielleicht heiraten könnte, teste ich das eine Woche lang – und treffe danach eine Entscheidung“, sagt Marchione.
Andersen sagt, sie habe diesen „Hackathon-Ansatz“ beim Dating schon bei mehreren Gründern beobachtet. „Sie sind es gewohnt, voll reinzugehen, mit maximalem Einsatz zu testen, ob etwas funktioniert“, sagt sie. „Genau diese Mentalität hat ihnen wahrscheinlich auch zum Erfolg im Job verholfen.“ Sie hält sieben Tage allerdings für zu kurz, um jemanden wirklich kennenzulernen – hat aber auch mit Gründern gearbeitet, die innerhalb von zwei bis vier Wochen die Liebe gefunden haben.
Gründern fehle oft die emotionale Intelligenz, die Frauen suchen, die grundsätzlich offen dafür sind, sie zu daten, sagt Andersen. „Sie suchen jemanden, der die Balance zwischen IQ und EQ mitbringt. Und genau dieser EQ ist im Silicon Valley etwas schwerer zu finden“, sagt sie. Für viele Gründer sei „Kommunikation wahrscheinlich die am meisten unterschätzte Fähigkeit“.
Seine Ex-Freundin habe nicht zu ihm gepasst, weil sie „zwei bis drei Stunden Aufmerksamkeit pro Tag“ braucht
Um mit einem Early-Stage-Gründer eine Beziehung zu führen, braucht es einen bestimmten Typ Mensch. Dmitri Mirakyan, 31, sagt, seine Ex-Freundin habe nicht zu ihm gepasst, weil sie „zwei bis drei Stunden Aufmerksamkeit pro Tag“ gebraucht habe. Das sei „extrem schwer gewesen“, da er einen 9-to-5-Job hatte und parallel sein Startup Creed aufbaute, das sich selbst als „erste KI mit christlichen Werten“ bezeichnet.
Ganor sagt, am besten kämen Gründer mit Menschen zurecht, die „geben – also in Beziehungen viel einbringen, ohne ständig etwas im Gegenzug zu erwarten“.
Mirakyans aktuelle Freundin scheint genau so jemand zu sein. Sie spürt, was er braucht. Er erzählt, dass er vor einigen Monaten während der Hochzeitszeremonie eines Freundes in Indien in Panik geriet, weil es ein Problem mit seiner App gab.
Warum ich keine Gründer mehr date
„Eine völlig nachvollziehbare Reaktion wäre gewesen: ‚Du bist auf der Hochzeit meiner Freunde, du blamierst mich – was machst du da?‘ Das ist schon die zweite Hochzeit dieses Jahr, bei der ich meinen Laptop rausholen musste“, sagt Mirakyan. „Ich war sichtbar gestresst und am Handy – und statt genervt zu sein, hat sie mir das WLAN organisiert, einen Platz zum Sitzen gesucht und mir Snacks gebracht.“
„Für mich war es kein großes Problem, dass er einen Arbeitsnotfall hatte“, sagt seine Freundin. „Für mich war eher entscheidend: Es stresst ihn, und es stresst mich, ihn so zu sehen. Also wollte ich einfach helfen.“
Ich bin mir nicht sicher, ob ich so viel Geduld gehabt hätte. Mich hat es schon genervt, wenn mein Ex vergessen hat, ein Restaurant zu reservieren und wir dann irgendwo anstehen mussten – oder wenn er Pläne abgesagt hat, um nicht mit zu den Partys meiner Freunde zu kommen, sondern stattdessen die Nacht durchzucoden.
Ich date inzwischen keine Early-Stage-Gründer mehr. Mein neuer Freund ist verlässlich, entspannt und macht um 18 Uhr Feierabend. Er ist Engineer bei einem Big-Tech-Konzern. Vielleicht wird er eines Tages von KI ersetzt und landet in der permanenten Unterschicht – aber wenigstens haben wir Zeit füreinander.
Digital Business & Startups
Quantum Systems erhält 1,2 Milliarden
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ DefenseTech Quantum Systems erhält 1,2 Milliarden +++ Sophora Unternehmerkapital investiert in Squer +++ Livekindly Collective übernimmt Veggie-Startup Greenforce +++

Im #DealMonitor für den 02. Juli werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Quantum Systems
+++ Blackstone, Noteus, Airbus, Advent, BOND, Fidelity Management & Research Company, Wellington Management, A.P. Moller Holding, Elephant Lake Ventures Balderton und HV Capital investieren 1,2 Milliarden US-Dollar in Quantum Systems. Die Bewertung des Defensetechs steigt auf rund 8 Milliarden US-Dollar (zuletzt rund 3 Milliarden Euro). „Die Mittel aus der Finanzierungsrunde sollen in den Ausbau von Produktionskapazitäten, die Absicherung der Lieferketten, die Skalierung der Lieferinfrastruktur in verbündeten Märkten sowie die Weiterentwicklung in Software und KI fließen.“, heißt es in einer Presseaussendung. Der englische Investor Balderton Capital und Co. investierten im Rahmen einer Series-C-Erweiterungsrunde zuletzt 180 Millionen Euro in das Unternehmen. Quantum-Systems, 2015 von Florian Seibel, Michael Kriegel, Tobias Kloss und Armin Busse gegründet, setzt auf unbemannte Flugdrohnen für militärische und zivile Zwecke – samt Softwareplattform. Mehr über Quantum-Systems
Squer
+++ Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Sophora Unternehmerkapital investiert eine „mittlere achtstellige“ Summe in Squer – siehe Brutkasten. Das Wiener Unternehmen, 2019 von Manuel Klein, Matthias Kreuzriegler, David Leitner und Lukasz Juszczyk gegründet, positioniert sich als „Partner für Software-Modernisierung und digitale Transformation“. Mehr als 100 Mitarbeitende arbeiten derzeit für Squer. 2023 expandierte das Wiener Unternehmen nach München. Zuletzt übernahm Squer das Münchner KI-Startups Unit 214. Mehr über Squer
MERGERS & ACQUISITIONS
Livekindly Collective – Greenforce
+++ Das New Yorker Veggie-Unternehmen Livekindly Collective übernimmt das 2020 gegründete Münchner Fleischersatz-Startup Greenforce – siehe Lebensmittel Zeitung. Das Münchner Food-Unternehmen, von Thomas Isermann gegründet, sammelte in den vergangenen Jahren eine zweistellige Millionensumme in die Jungfirma. Zu den Geldgebern gehörte auch Fußball-Weltmeister Thomas Müller, Moderator Joko Winterscheidt und Feinkost-Macher Michael Käfer. Zuletzt war die Finanzierungslage bei Greenforce angespannt. Ein Zusammenschluss mit dem Wettbewerber Livekindly war schon vor Monaten ein Thema, kam dann aber ins Stocken. Mehr über Greenforce
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
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17 Arbeitsplätze geschaffen – trotzdem kein dauerhaftes Bleiberecht für Gründer
2015 floh Fahim Noori aus Afghanistan. Heute beschäftigt er 17 Menschen – trotzdem bekommt er keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.
In Celle betreibt Fahim Noori einen Pflegedienst mit 17 Mitarbeitenden. Er spricht perfektes Deutsch, zahlt Steuern und erwirtschaftet nach eigenen Angaben rund 80.000 Euro Gewinn im Jahr. Trotzdem bekommt er bis heute keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Wie kann das sein?
Für Noori hat das ganz konkrete Folgen: Banken tun sich bei Krediten schwer, Leasinggesellschaften ebenso. Dabei würde der 34-Jährige seinen Pflegedienst gerne weiter ausbauen. Die Nachfrage ist da. Neue Mitarbeitende würde er sofort einstellen. Doch ausgerechnet die Bürokratie bremst ihn aus.
Unternehmer – und trotzdem kein dauerhaftes Bleiberecht
Eigentlich würde Noori gerne deutscher Staatsbürger werden. Doch in Celle dauern Einbürgerungsverfahren derzeit rund zwei Jahre. Das räumt eine Sprecherin auf unsere Anfrage ein. Die Ausländerbehörde gilt als chronisch unterbesetzt.
Noori versucht es deshalb erstmal gar nicht mit der Einbürgerung. So viel Zeit hat er als Unternehmer nicht. Deshalb beantragt er zunächst eine Niederlassungserlaubnis. Doch auch darauf wartet er seit Monaten.
Im Kern geht es um eine Frage: Kann Noori seinen Lebensunterhalt dauerhaft sichern? Er kann anhand seiner Buchhaltung einen Gewinn von rund 80.000 Euro im vergangenen Jahr nachweisen. Doch das reicht der Behörde offenbar nicht.
Besonders bitter: Beim Amt will man jetzt auch die Unterlagen für 2026 sehen. Weil Noori im aktuellen Jahr viel investiert hat, sind die Zahlen viel schlechter, erzählt er uns. Ausgerechnet seine Investitionen in weiteres Wachstum könnten nun gegen ihn ausgelegt werden.
Gerade Gründer haben es besonders schwer
Als Unternehmer kann Noori sein Einkommen nicht so einfach nachweisen wie ein Angestellter mit Gehaltsabrechnungen. Seine wirtschaftliche Situation muss umfassender bewertet werden und genau das erschwert das Verfahren.
Dabei war Fahim Noori nach seiner Ausbildung selbst als Pflegekraft mal angestellt, erzählt er. „Es gab eine große Nachfrage für Pflegedienste, also wollte ich mir selbst etwas aufbauen.“ Offenbar mit Erfolg. Unter einem Artikel der Celleschen Zeitung auf Facebook finden sich Anhaltspunkte für Nooris guten Ruf.
Eine ältere Dame schreibt: „Ich habe Fahim kennengelernt, als ich Hilfe brauchte. Ich kenne seine Geschichte und es ist unglaublich, wie er sich durchgekämpft hat. Ich bin stolz, ihn zu kennen und wünsche ihm von Herzen, dass der Amtsschimmel seinen Hintern bewegt und ganz schnell das Nötige erledigt.“ Ein anderer kommentiert: „Für mich ist er ein Paradebeispiel gelungener Integration und gelebten Unternehmergeistes.“
Von der Flucht in die Selbstständigkeit
Dieser Unternehmergeist ist Noori eigen. Aber er ist nicht ohne Momente des Zweifelns. Die Fluchtbiographie hat ihre Spuren hinterlassen. Noori kam 2015 aus Afghanistan. Die aktuellen Probleme kommen ihm „wie gar nichts vor“, wenn er sie mit seinen früheren vergleicht: Zunächst wurde sein Antrag auf Asyl abgelehnt. Die Folge: Noori litt an Depressionen. Mit einer Psychotherapie kämpfte er sich zurück. Er durfte seine Ausbildung abschließen und erhielt später doch noch Asyl.
„Ich sehe jedes Problem als Chance“, sagt er. „Es geht um den Willen, um das Dranbleiben.“ Sein aktueller Aufenthaltstitel läuft Mitte August aus. Abschieben wird Deutschland ihn voraussichtlich nicht. Stattdessen dürfte er erneut eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten. Wieder für drei Jahre.
Die Bürokratie bremst das Wachstum
Aber die Befristung steht seinem Unternehmertum im Weg. Er braucht einen Kredit von der Bank, damit der Pflegedienst weiter wachsen kann. Anfragen potenzieller Kunden sind da, Noori würde am liebsten noch mehr Leute einstellen. Aber er braucht auch Autos für die Angestellten. Und die kann er als Mann mit befristetem Aufenthalt ebenso schlecht leasen.
Der Fall von Fahim Noori ist besonders hart. Aber er steht beispielhaft für die Überforderung der deutschen Verwaltung. Die wird in Politik und Startup-Szene seit langem kritisiert.
Talenten „den Teppich ausrollen“
„Wer sich hier eine Existenz aufbaut, Menschen einstellt und Steuern zahlt, darf dabei nicht an überlasteten Behörden scheitern“, sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katharina Beck zu Gründerszene. Die amtierende Regierung habe zwar viel versprochen: „eine Unternehmensgründung innerhalb von 24 Stunden, einen One-Stop-Shop für alle Behördengänge, und für die bessere Gründungseinwanderung besonders wichtig: eine digitale Work-and-Stay-Agentur für Fachkräfte. Doch passiert ist davon bislang sage und schreibe nichts.“
Der Chef des Startup-Verbands, Christoph Stresing, sagt zu Gründerszene: „Auch wenn es mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2020 und dessen Weiterentwicklung im Jahr 2023 bereits zu signifikanten Verbesserungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen gekommen ist, tut sich die Verwaltung bei uns noch zu oft zu schwer mit der Anwendung. Mehr als 500 Ausländerbehörden erschweren dabei einheitliche Genehmigungsverfahren.“
Christian Miele, VC-Partner bei Headline-Partner, ergänzt gegenüber Gründerszene: „Gerade jenen Menschen die hier auch wichtige Aufgaben ausfüllen und Arbeit verrichten, wo wir selbst nicht ausreichend Arbeitskräfte haben, sollte man unbedingt den Teppich ausrollen.“
Zwei Stunden Hotline für Schicksalsfragen
Davon kann in Celle leider keine Rede sein. Die Lokalzeitung berichtet regelmäßig über die Lähmung der Celler Ausländerbehörde, von Hilferufen an die Politik. Verbesserungen bleiben aus. Es geht um die Schicksale von Familien wie der von Noori. Und beim Amt macht man dicht. Die Telefon-Hotline ist nur montags erreichbar, von 14 bis 16 Uhr. Zwei Stunden in einer ganzen Woche.
Digital Business & Startups
Die Firma muss unabhängig von uns Gründern funktionieren
#Interview
„Wir haben heute über 300 Kunden – von Scale Ups, Mittelständlern bis hin zu Konzernen. In den nächsten zwölf Monaten wollen wir diese Zahl mehr als verdoppeln und gleichzeitig den Umsatz pro Kunde steigern“, sagt Jonathan Kurth, Gründer von calltime.

Beim Kölner Startup calltime, 2024 von Jonathan Kurth und Malte Hendricks gegründet, dreht sich alles um die Optimierung von Vertriebsanrufen. „Wir sagen Mitarbeitenden, ob die Informationen noch aktuell sind und wann sie am besten anrufen um den Kunden zu erreichen – dadurch machen wir ihre Arbeit deutlich entspannter und erfolgreicher“, sagt Gründer Kurth.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt er calltime, bisher komplett gebootstrappt einmal ganz ausführlich vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter calltime erklären?
Stell dir vor, du willst jemanden anrufen und der geht nie ran, weil du immer im falschen Moment dran bist oder noch eine alte Nummer von vor 10 Jahren hast, die nicht mehr aktuell ist. Genau das passiert jeden Tag tausendfach wenn Mitarbeitende von Unternehmen ihre Bestandskunden oder potentielle Neukunden anrufen. Wir sagen den Mitarbeitenden, ob die Informationen noch aktuell sind und wann sie am besten anrufen um den Kunden zu erreichen – dadurch machen wir ihre Arbeit deutlich entspannter und erfolgreicher.
Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
calltime ist größtenteils ein klassisches SaaS und wird pro Nutzer abgerechnet.
Wie ist die Idee zu calltime entstanden?
Ich habe nie gedacht, dass ich irgendwann einmal Vertrieb oder sogar Software für den Vertrieb entwickeln werde. Bei meinen vorherigen Gründungen kamen die Kunden aber natürlich nicht von allein – also musste ich Vertrieb lernen. Mein heutiger Mitgründer Malte war gerade im Verkaufsprozess seines vorherigen Startups, als er mir eine Technologie zeigte, mit der sich Anrufe und andere Aufgaben deutlich besser priorisieren lassen: Für uns war klar – da steckt was drin. Wir haben einen MVP gebaut und ihn bei Finn Hollander, damals Head of Sales bei Gertrud Digital (heute boardwise.io), in einem Piloten getestet. Das Ergebnis: mehr als doppelt so viele Touch Points mit Entscheidern mit gleicher Anzahl Aktivitäten. Finn wurde direkt unser erster zahlender Kunde. Wir hatten uns vorgenommen, die GmbH erst zu gründen, wenn der Umsatz die Gründungskosten übersteigt – das war nach zwei Monaten erreicht.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Der Wechsel von Founder-Led-Sales zu Team-Led-Sales. Am Anfang fehlte uns schlicht das Verständnis dafür, wie lange es dauert, einen strukturierten Vertrieb aufzubauen – und wie die Prozesse aussehen müssen, damit das Ganze profitabel skaliert. Ganz aus dem Vertrieb rausgehen werden wir wahrscheinlich nie, aber die Firma muss unabhängig von uns Gründern funktionieren. Daran arbeiten wir jeden Tag.
Wo steht calltime in einem Jahr?
Wir haben heute über 300 Kunden – von Scale Ups, Mittelständlern bis hin zu Konzernen. In den nächsten 12 Monaten wollen wir diese Zahl mehr als verdoppeln und gleichzeitig den Umsatz pro Kunde steigern. calltime wird zu einer Suite an Lösungen, die alle ein Ziel haben: Die Frustration aus der Arbeit mit Kunden und Neukunden zu nehmen – für Vertriebler, Account Manager und Customer Success Teams.
Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness
In unserem Themenschwerpunkt Köln beleuchten wir das dynamische Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind die Bedingungen für Gründer:innen, welche Investitionen fließen in innovative Ideen und welche Startups setzen neue Impulse? Rund 800 Startups haben Köln bereits als ihren Standort gewählt – unterstützt von einer lebendigen Gründerszene, einer starken Investor:innen-Landschaft sowie zahlreichen Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents. Als zentrale Anlaufstelle für die Startup- und Innovationsszene stärkt die KölnBusiness Wirtschaftsförderung die Rahmenbedingungen für Gründer:innen, vernetzt sie mit Investor:innen und bietet gezielte Unterstützung. Diese Rubrik wird unterstützt von KölnBusiness. #Koelnbusiness auf LinkedIn, Facebook und Instagram.

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Foto (oben): calltime
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