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Entwicklung & Code

Wie Gödel und Turing die Grenzen von KI vorgezeichnet haben


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Im Studium begegnen einem Namen wie Kurt Gödel und Alan Turing meist mit derselben Mischung aus Respekt und leichter Resignation. Man liest, was sie bewiesen haben, akzeptiert es als beeindruckend und legt das Wissen anschließend in jenes mentale Archiv, das man irgendwo zwischen „interessant“ und „werde ich nie wieder brauchen“ verortet. Dass die Unvollständigkeit der Arithmetik oder die Unentscheidbarkeit des Halteproblems eines Tages mit der Frage zusammenfallen könnten, warum mir ein Chatbot gerade einen Buchtitel halluziniert hat, hätte ich vor einigen Jahren niemandem geglaubt.

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Genau das ist aber passiert. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten der letzten drei Jahre zeigen, dass die Halluzinationen von Sprachmodellen kein Implementierungsfehler sind, den man mit mehr Daten oder besserer Architektur wegtrainieren könnte. Sie folgen aus denselben theoretischen Grenzen, an denen einmal das ehrgeizigste Projekt der modernen Mathematik zerbrochen ist. Wer diese Verbindung einmal gesehen hat, liest die aktuelle Debatte um die Zukunft der KI mit deutlich nüchternerem Blick.


the next big thing – Golo Roden

the next big thing – Golo Roden

Golo Roden ist Gründer und CTO von the native web GmbH. Er beschäftigt sich mit der Konzeption und Entwicklung von Web- und Cloud-Anwendungen sowie -APIs, mit einem Schwerpunkt auf Event-getriebenen und Service-basierten verteilten Architekturen. Sein Leitsatz lautet, dass Softwareentwicklung kein Selbstzweck ist, sondern immer einer zugrundeliegenden Fachlichkeit folgen muss.

Um zu verstehen, warum die Forschungslandschaft der KI heute so ist, wie sie ist, lohnt sich ein Umweg über den Internationalen Mathematikerkongress in Bologna im Jahr 1928. Dort formulierte David Hilbert, einer der einflussreichsten Mathematiker seiner Zeit, gemeinsam mit Wilhelm Ackermann ein Forschungsprogramm, das die gesamte Mathematik auf eine vollkommen neue Grundlage stellen sollte. Drei Eigenschaften sollten dieses Fundament tragen:

  1. Konsistenz, also die Gewissheit, dass aus den Axiomen keine widersprüchlichen Aussagen abgeleitet werden können.
  2. Vollständigkeit, also die Garantie, dass jede wahre Aussage innerhalb des Systems auch bewiesen werden kann.
  3. Und Entscheidbarkeit, also die Existenz eines Verfahrens, mit dem sich für jede beliebige Aussage in endlich vielen Schritten entscheiden lässt, ob sie aus den Axiomen folgt.

Die dritte Forderung ist als Entscheidungsproblem in die Geschichte eingegangen. Hinter ihr stand eine konkrete Vision. Mathematik sollte mechanisierbar werden. Eine Maschine, die endlich viele Regeln auf endlich vielen Zeichen anwendet, müsste jede mathematische Frage prinzipiell beantworten können. Wer in dieser Vision den Schatten dessen erkennt, was wir heute Computer nennen, liegt nicht falsch. Hilbert dachte den Computer mit, lange bevor es ihn gab.

Sein Optimismus war ungebrochen. Im September 1930 hielt er in Königsberg eine berühmt gewordene Radioansprache, die er mit dem Satz beendete: „Wir müssen wissen, wir werden wissen.“ Es war die letzte große Verkündigung einer Mathematik, die sich selbst noch alles zutraute. Wenige Tage zuvor hatte am selben Ort, auf einer parallel laufenden erkenntnistheoretischen Tagung, ein junger Mann namens Kurt Gödel in einer beiläufigen Bemerkung erstmals jene Ergebnisse skizziert, die Hilberts Programm in den Grundfesten erschüttern sollten. Dass die beiden Ereignisse so dicht beieinander lagen, ist eine historische Pointe, der man nicht zu viel symbolisches Gewicht aufladen sollte. Aber interessant ist sie allemal.

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Was Gödel 1930 vorgestellt und 1931 ausführlich publiziert hat, lässt sich erstaunlich gut ohne mathematische Notation erklären. Sein Trick beruht auf einem Verfahren, das jeder verständlich findet, der einmal eine sich selbst aufrufende Funktion gesehen hat: Selbstreferenz. Stellen Sie sich ein hinreichend mächtiges formales System vor, in dem sich arithmetische Aussagen formulieren lassen. Gödel hat gezeigt, wie sich innerhalb eines solchen Systems eine Aussage konstruieren lässt, die in etwa besagt: „Diese Aussage ist im vorliegenden System nicht beweisbar.“

An diesem Punkt sollte man kurz innehalten, weil die Konsequenz unausweichlich ist. Ist die Aussage wahr, dann gibt es eine wahre arithmetische Aussage, die das System nicht beweisen kann. Damit ist das System unvollständig. Ist die Aussage falsch, dann beweist das System eine Aussage, die behauptet, nicht beweisbar zu sein, obwohl sie es offenbar doch ist. Damit ist das System inkonsistent. Es gibt keinen dritten Weg.

Wer den Lügner aus der antiken Philosophie kennt, der sich selbst der Lüge bezichtigt, erkennt das Muster wieder. Was Gödel jedoch geleistet hat, war keine philosophische Spielerei, sondern ein streng formaler Beweis innerhalb der Arithmetik selbst. Er zeigte, dass die Selbstreferenz nicht auf gemeinsprachliche Aussagen beschränkt bleibt, sondern in jedem hinreichend ausdrucksstarken formalen System auftaucht.

Gödel hat damit nicht gezeigt, dass die Mathematik kaputt ist. Er hat gezeigt, dass es prinzipielle Grenzen gibt, an denen jede ausreichend mächtige Theorie auf sich selbst zurückgeworfen wird. Hilberts Vision einer mechanisierbaren, in sich abgeschlossenen Mathematik bekam damit einen Riss, den niemand mehr kitten konnte. Die Konsequenz wurde später so formuliert: Jedes System, das genug Ausdrucksstärke hat, um über sich selbst zu sprechen, hat blinde Flecken, die sich nicht wegoptimieren lassen.

Besonders bemerkenswert an Gödels Ergebnis ist, dass es nicht von einer bestimmten Theorie abhängt. Es gilt für die Arithmetik, für die Mengenlehre, für jede formale Theorie, die ausreichend Ausdrucksstärke besitzt, um die natürlichen Zahlen mitsamt Addition und Multiplikation zu beschreiben. Wer das System tauscht, tauscht nur das Gewand der Grenze, nicht die Grenze selbst. In den Jahrzehnten nach Gödel wurden zahlreiche weitere Sätze bewiesen, die zeigen, dass die Selbstreferenz an erstaunlich (oder erschreckend) vielen Stellen ihren Tribut fordert. Das Halteproblem ist nur das bekannteste Beispiel dafür.

Sechs Jahre nach Gödels Beweis erschien in den Proceedings of the London Mathematical Society eine Arbeit, die heute zu den Gründungsdokumenten der Informatik zählt: Alan Turings Aufsatz „On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem“. Turing hatte sich gefragt, was es eigentlich heißt, dass ein Verfahren mechanisch ausführbar ist. Er entwarf dafür ein gedankliches Konstrukt, das wir heute Turing-Maschine nennen, und nutzte es, um Hilberts dritter Forderung den Garaus zu machen. Im selben Jahr und unabhängig von Turing kam Alonzo Church zu einem entsprechenden Ergebnis auf dem Weg über den Lambda-Kalkül.

Turings Resultat ist als Halteproblem bekannt. Es lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Es gibt kein allgemeines Verfahren, das für ein beliebiges Programm und eine beliebige Eingabe entscheiden kann, ob das Programm jemals zum Ende kommt. Diese Aussage klingt zunächst harmlos, ist aber von erheblicher Tragweite. Sie sagt nicht, dass wir bisher kein solches Verfahren gefunden haben. Sie sagt, dass es ein solches Verfahren niemals geben kann.

Wer heute in der Softwareentwicklung arbeitet, lebt mit den Konsequenzen dieses Beweises, ohne sich dessen jeden Tag bewusst zu sein. Statische Codeanalyse stößt bei substanziellen Fragen über das Programmverhalten auf prinzipielle Grenzen. Compiler-Optimierer müssen Heuristiken einsetzen, weil eine vollständige Analyse mancher Codepfade unentscheidbar bleibt. Formale Verifikation funktioniert nur dort wirklich gut, wo man das untersuchte Problem auf entscheidbare Fragmente einschränkt. Wir haben uns daran gewöhnt, mit den Folgen einer mathematischen Grenze umzugehen, ohne sie noch jedes Mal benennen zu müssen.

Verschärft wird die Lage durch ein Ergebnis, das Henry Gordon Rice 1953 bewiesen hat. Sein Satz besagt, dass jede nicht-triviale semantische Eigenschaft eines Programms unentscheidbar ist. Damit ist nicht nur die Frage nach dem Terminieren prinzipiell offen, sondern praktisch jede interessante Frage über das Verhalten von Programmen. Ob ein bestimmter Codepfad jemals durchlaufen wird, ob zwei Programme funktional äquivalent sind, ob ein Programm eine bestimmte Ausgabe niemals produziert: Für all das gibt es kein allgemeines Entscheidungsverfahren. Was dem Berufsalltag in der Softwareentwicklung als zähe Heuristik begegnet, ist im Kern dieselbe Grenze, an die Hilbert 1928 gehofft hatte, nicht zu stoßen.

Mit Turings Arbeit war Hilberts Programm in seiner ursprünglichen Form endgültig erledigt. Konsistenz und Vollständigkeit hatte Gödel zerlegt, die Entscheidbarkeit nahmen Turing und Church mit nach Hause. Das ehrgeizigste mathematische Forschungsprogramm des frühen 20. Jahrhunderts war an seinen eigenen Voraussetzungen gescheitert. Was übrig blieb, war die nüchterne Einsicht, dass auch die Mathematik mit Grenzen leben muss, die sie nicht selbst aufgehoben hat, sondern an denen sie sich vorfindet.

Damit kehre ich zu der Frage zurück, die diesen Text ausgelöst hat. Was hat das alles mit Sprachmodellen zu tun?

Im Januar 2024 reichten Ziwei Xu, Sanjay Jain und Mohan Kankanhalli von der National University of Singapore eine Arbeit mit dem Titel „Hallucination is Inevitable: An Innate Limitation of Large Language Models“ ein. Sie formalisieren das Problem in einer formalen Welt, in der Halluzination als Inkonsistenz zwischen einem berechenbaren Sprachmodell und einer berechenbaren Wahrheitsfunktion definiert ist. Ihr zentrales Ergebnis stützt sich auf die Lerntheorie und auf ein Argument, das in seiner Struktur direkt mit den Diagonalisierungsverfahren Cantors und Turings verwandt ist: Sprachmodelle können nicht alle berechenbaren Funktionen lernen. Sobald sie ein breites Spektrum an Problemen lösen sollen, werden sie zwangsläufig halluzinieren. Es gibt keine Trainingsmethode, keine Architekturvariante und keinen Datenumfang, der diese Grenze verschiebt.

Wenige Monate später, im September 2024, legten Sourav Banerjee, Ayushi Agarwal und Saloni Singla mit „LLMs Will Always Hallucinate, and We Need to Live With This“ eine zweite, unabhängige Argumentationslinie vor. Sie gehen direkter zur Sache und stützen sich ausdrücklich auf Gödels ersten Unvollständigkeitssatz sowie auf die Unentscheidbarkeit von Halteproblem, Emptiness-Problem und Acceptance-Problem. Ihre Schlussfolgerung ist noch entschiedener formuliert: Halluzinationen lassen sich nicht durch architektonische Verbesserungen, Datenanreicherung oder Fact-Checking eliminieren, weil sie aus der fundamentalen mathematischen und logischen Struktur dieser Modelle folgen. Sie führen dafür den Begriff der Structural Hallucination ein, der das Phänomen nicht als Fehler, sondern als strukturelle Eigenschaft beschreibt.

An dieser Stelle ist Vorsicht geboten, denn beide Arbeiten verwenden den Begriff der Halluzination in einer formal definierten Weise, die sich nicht vollständig mit dem alltagssprachlichen Gebrauch deckt. Die Aussagen bedeuten nicht, dass jeder zweite Satz eines Sprachmodells falsch sein muss. Sie bedeuten, dass eine perfekte Wahrheitsmaschine, die in beliebigen Domänen zuverlässig korrekte Antworten liefert, mathematisch unmöglich ist. Was die alltägliche Halluzinationsrate angeht, ist mit weiteren Verbesserungen zu rechnen. Was die prinzipielle Eliminierbarkeit angeht, ist mit nichts dergleichen zu rechnen.

Konkret heißt das Folgendes: Selbst wenn ein Sprachmodell auf einer perfekten Datenbasis trainiert würde und über beliebig viele Parameter verfügte, gäbe es immer Fragen, auf die es plausibel klingende, aber falsche Antworten liefern würde. Banerjee, Agarwal und Singla zeigen darüber hinaus, dass jede Stufe des Verarbeitungsprozesses, von der Zusammenstellung der Trainingsdaten über die Faktenwiederherstellung bis zur eigentlichen Textgenerierung, eine von Null verschiedene Fehlerwahrscheinlichkeit aufweist. Diese Fehler summieren sich auf, lassen sich aber an keiner Stelle vollständig vermeiden. Das ist keine empirische Beobachtung, die sich durch bessere Verfahren widerlegen ließe. Es ist ein Ergebnis derselben Art wie die Unmöglichkeit, einen allgemeinen Halteprüfer zu bauen.

Bemerkenswert ist, dass beide Arbeiten unabhängig voneinander zu demselben Schluss gelangen, allerdings über unterschiedliche Wege. Xu, Jain und Kankanhalli argumentieren über die Lerntheorie. Banerjee, Agarwal und Singla argumentieren über die klassische Berechenbarkeitstheorie. Es ist dieselbe Mauer, an die beide Gruppen laufen. Wer mit den Ergebnissen Gödels und Turings vertraut ist, erkennt sie sofort wieder.

Damit gewinnt auch die populäre Forderung, das Problem der Halluzinationen einfach durch mehr Trainingsdaten oder größere Modelle zu lösen, einen anderen Beiklang. Sie ist nicht falsch in dem Sinne, dass größere Modelle nicht besser werden würden. Sie übersieht nur, dass eine Skalierung an dieser Stelle nicht das Problem berührt, das die zitierten Arbeiten beschreiben. Eine Funktion, die nicht lernbar ist, wird nicht durch mehr Parameter lernbar. Eine Frage, die unentscheidbar ist, wird nicht durch mehr Daten entscheidbar. Die Grenze ist keine Frage des Maßstabs, sondern eine Frage der Natur des Verfahrens.

Hilbert hat sein Programm bis zum Lebensende nicht völlig aufgegeben. Auch nachdem Gödel und Turing seine Voraussetzungen widerlegt hatten, hielt er an dem Glauben fest, dass der wissenschaftliche Geist letztlich jede Frage werde beantworten können. Heute klingt diese Haltung beinahe rührend, gewiss aber als historische Anekdote. Man kann sich darin gefallen, sie etwas belustigt zu betrachten und nachsichtig zu schmunzeln über einen großen Geist, der eine bewiesene Grenze nicht akzeptieren wollte.

Bei aller Belustigung sollte man sich dabei aber fragen, was die Forschungslandschaft der nächsten Jahre über uns selbst erzählen wird. Wir bauen mit erheblichem Aufwand Systeme, die immer mehr Sprache aus der Welt aufsaugen und auf immer mehr Parameter verteilen, in der erkennbaren Hoffnung, dass irgendwann die Halluzinationen verschwinden, wenn man nur lange genug skaliert. Die Mathematik der letzten 90 Jahre legt nahe, dass dieser Weg an genau jene Wand stoßen wird, an die Hilbert gestoßen ist. Nicht weil die Modelle zu klein wären, sondern weil das, was wir uns von ihnen erhoffen, in der gewählten Form nicht zu haben ist.

Vielleicht stellt sich in einigen Jahren heraus, dass der heutige Ansatz für KI nicht der richtige war. Vielleicht auch nicht. Aber dass es sich lohnt, die Frage zu stellen, ob wir gerade ein zweites Mal dabei sind, eine bewiesene Grenze zu ignorieren, kann ich nur empfehlen. Die alten Studieninhalte sind vielleicht doch nicht so trocken, wie sie damals schienen.


(mro)



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US-Regierung erzwingt Abschaltung von Anthropics KI Fable 5 und Mythos 5


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Anthropic muss seine KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 für alle Kunden weltweit abschalten. Auslöser ist nach Darstellung des Unternehmens eine Exportkontrolldirektive der US-Regierung, die am 12. Juni 2026 eingegangen sei und ausländischen Staatsangehörigen den Zugriff auf beide Modelle untersagt – auch ausländischen Anthropic-Mitarbeitern innerhalb der USA. Alle übrigen Claude-Modelle seien von der Anordnung nicht betroffen. Die Maßnahme reiht sich in eine bereits zuvor eskalierte Auseinandersetzung zwischen Anthropic und Teilen der US-Sicherheitsbürokratie ein.

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Wie Anthropic in einer Stellungnahme erklärt, habe die Behörde keine konkreten technischen Details zu den angeführten nationalen Sicherheitsbedenken genannt. Nach dem Verständnis des Unternehmens geht die Regierung davon aus, dass eine Methode existiere, um Fable 5 zu „jailbreaken“, also dessen Schutzmechanismen zu umgehen. Anthropic bezeichnet die Maßnahme als „Missverständnis“ und arbeitet an der Wiederherstellung des Zugangs.


Screenshot der Startseite von Claude.

Screenshot der Startseite von Claude.

Beim Start von Claude verweist Anthropic auf die Erklärung, warum Fable 5 derzeit für alle Kunden deaktiviert ist.

Die beanstandete Technik beschreibt Anthropic als verbal überlieferten, potenziell nicht-universellen Jailbreak. Im Kern bestehe er darin, das Modell anzuweisen, eine bestimmte Codebasis zu lesen und Softwarefehler zu beheben. Eine Demonstration dieser Technik habe man geprüft und dabei lediglich eine kleine Zahl bereits bekannter, geringfügiger Schwachstellen gefunden, die auch andere öffentlich verfügbare Modelle aufspüren könnten – das Unternehmen nennt in diesem Zusammenhang ausdrücklich OpenAIs GPT-5.5.

Aus Sicht von Anthropic handelt es sich dabei um eine alltägliche Fähigkeit, wie sie Sicherheitsfachleute täglich bei legitimen Code-Reviews und beim Bugfixing nutzen. Der entscheidende Unterschied liege nicht in der Funktion selbst, sondern im Kontext: Derselbe Vorgang könne in einem Sicherheitsreview erwünscht sein, in einem anderen Szenario aber als potenzieller Missbrauch gewertet werden. Einen universellen Jailbreak, der die Schutzmechanismen von Fable 5 grundsätzlich aushebelt, habe man bislang nicht gefunden.

Anthropic verweist auf eine sogenannte „Defense-in-Depth-Strategie“: Jailbreaks sollen entweder eng begrenzt oder sehr aufwendig sein und werden durch Monitoring ergänzt, das erfolgreiche Angriffe schnell erkennen soll. Für Fable 5 gelte zudem eine 30-tägige Datenspeicherungspflicht, um Umgehungsversuche analysieren und eindämmen zu können. Unser Test von Fable 5 bestätigt, dass Anthropic Classifier vor das eigentliche Modell schaltet und bei heiklen Eingaben teils auf das Vorgängermodell Opus 4.8 zurückfällt.

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Die zuvor kommunizierten Schutzmaßnahmen seien in einer Vorabprüfung über Tausende Stunden Red-Teaming getestet worden – gemeinsam mit der US-Regierung, dem britischen AI Safety Institute (UK AISI), privaten Organisationen und internen Teams. Die Ergebnisse hätten deutlich über denen früherer Modelle gelegen. Eine vollständig unabhängige Auditierung, etwa durch europäische Forschungseinrichtungen, ist nach derzeitigem Stand allerdings nicht belegt: Eine komplette Offenlegung der Schutzlogik oder der internen Classifier-Architektur gab es nicht. Während Fable 5 mit zusätzlichen Schutzmechanismen für die öffentliche Nutzung versehen wurde, gilt Mythos als restriktivere Variante.

Anthropic räumt ein, dass perfekte Jailbreak-Resistenz für kein Modell erreichbar sei. Zugleich widerspricht das Unternehmen der Auffassung, dass ein einzelner „unwahrscheinlicher Jailbreak den Widerruf eines kommerziellen Modells mit Hunderten Millionen Nutzern rechtfertige“. Würde man diesen Maßstab branchenweit anlegen, käme das einem Stopp neuer Frontier-Modelle gleich.

Die jetzige Anordnung trifft auf ein bereits angespanntes Verhältnis. Anfang März 2026 hatte das US-Verteidigungsministerium Anthropic als „supply chain risk“ eingestuft. In einem aktuellen Blogbeitrag erklärte CEO Dario Amodei, man halte die Einstufung als „supply chain risk“ für rechtlich nicht tragfähig und wolle sie vor Gericht anfechten. Der zugrunde liegende US‑Statut 10 U.S.C. § 3252 sei eng auf spezifische Lieferkettenrisiken bei nationalen Sicherheitssystemen zugeschnitten und verlange, dass das Ministerium darlegt, warum weniger eingriffsintensive Maßnahmen („less intrusive measures“) nicht vernünftigerweise zur Verfügung stehen.

Der Konflikt drehte sich nach Anthropics Darstellung um die Weigerung, Claude uneingeschränkt für massenhafte inländische Überwachung und vollautonome Waffensysteme freizugeben. Ob die aktuelle Exportdirektive primär eine Sicherheitsmaßnahme oder politischer Druck auf einen renitenten Anbieter ist, lässt sich aus den veröffentlichten Quellen nicht beweisen. Plausibel erscheint jedoch, dass der vorangegangene Streit das Verhältnis erheblich verschlechtert und die Eskalation begünstigt hat.

Für hiesige Anbieter ist ein direkt vergleichbarer, einzelmodellbezogener Eingriff in der EU nicht ersichtlich. Während das US-Exportkontrollrecht auf außenwirtschaftliche Zugriffssperren zielt, verfolgt der EU AI Act einen risikobasierten Ansatz mit Marktaufsicht, Transparenz- und Dokumentationspflichten. In Deutschland soll die Bundesnetzagentur die zentrale Marktüberwachungsbehörde werden; den entsprechenden Gesetzentwurf (KI-MIG) hat der Bundestag am 11. Juni 2026 beschlossen, die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus. Eine globale Abschaltung eines einzelnen Modells als Maßnahme der Exportkontrolle ist in dieser Logik so nicht vorgesehen.

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(vza)



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App Store: Entwickler dürfen Nutzer künftig beim Kündigen ansprechen


Abseits der viel beachteten Neuerungen rund um KI, Siri und die Betriebssysteme hat Apple im Zuge der Entwicklerkonferenz WWDC auch eine ganze Reihe von Neuheiten und Änderungen für App Store-Entwickler angekündigt. Künftig können erstmals Gruppenkäufe für Abonnenten und entwicklerübergreifende Bundles angeboten werden. Im Mac App Store entfällt die Intel-Pflicht und Entwickler bekommen die Möglichkeit, Nutzer zur Fortsetzung eines Abos zu bewegen. Zudem gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten für den Auftritt im App Store und neue Auskunftspflichten. Das aus Nutzersicht umstrittenste neue Feature dürfte das sogenannte Retention Messaging werden. Apple bietet neue Werkzeuge in App Store Connect an, um Abonnenten mit Kündigungsabsicht über Apples Abo-Plattform ansprechen zu können. Bereits im März hatte Apple den Analytics-Bereich in App Store Connect massiv erweitert und Entwicklern dabei über 100 neue Metriken für Abonnements und In-App-Käufe an die Hand gegeben. Laut Ankündigung sollen personalisierte Nachrichten und Sonderangebote möglich sein.

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Ganz neue Vermarktungsmöglichkeiten für Apps ergeben sich durch entwicklerübergreifende App-Bundles. Bislang konnte nur ein einzelner Entwickler, der mehrere Apps anbietet, ein vergünstigtes Paket mit mehreren Apps schnüren. Künftig ist das auch für mehrere Entwickler möglich, sodass sich diese bei den Apps zusammentun können. Apple führt zudem ab Winter 2026 Gruppenkäufe für Abonnements ein. Ein einzelner Abonnent kann damit Lizenzen für mehrere Personen in einem einzigen Kauf erwerben.

Apples Abkehr von der Intel-Plattform im neuen macOS Golden Gate schlägt sich auch im Mac App Store nieder: Künftig ist es für App-Entwickler keine Pflicht mehr, Intel-Unterstützung vorzuhalten. Dies dürfte in einigen Fällen dazu beitragen, dass Besitzer eines Intel-Macs eher in die Situation geraten, den Umstieg auf einen Apple-Silicon-Mac erwägen zu müssen – etwa wenn häufig genutzte Apps künftig nicht mehr den Intel-Mac unterstützen. Wann genau Intel-Apps unter Apple Silicon nicht mehr laufen werden und was das Ende von Rosetta 2 für Nutzer bedeutet, erklärt unser Überblick zum Zeitplan des Intel-Supports.

Vereinfachungen und Erweiterungen gibt es beim App-Marketing. Die neuen Betriebssysteme, darunter iOS 27 und macOS 27, stehen Entwicklern bereits als Beta zur Verfügung. In einer neuen Asset Library können Grafiken, Vorschauvideos und Screenshots zentral verwaltet werden. Diese Assets können nun auch unabhängig von einem App-Update zur Prüfung eingereicht werden – und Apple öffnet die Produktseiten-Header für eigenes Bild- und Videomaterial. Neue „Personalized Collections“ sollen maßgeschneiderte App-Empfehlungen für Nutzer ermöglichen. Diese Funktion startet zunächst auf Englisch in den USA.

Und Apples angekündigte erweiterte Jugendschutzfunktionen wirken sich auch auf die Entwickler aus. Diese müssen Social-Feed-Funktionen in ihren Apps künftig angeben. Zudem werden Apps in die neuen Nutzungszeit-Kategorien (Soziale Netzwerke, Unterhaltung, Spiele, Andere) eingruppiert. Der Altersfreigabe-Fragebogen soll hierfür ab Juli aktualisiert werden.

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(mki)



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Homebrew 6.0 sichert Paketquellen ab


Das Homebrew-Team hat Version 6.0.0 des Paketmanagers veröffentlicht. Das Release legt den Schwerpunkt auf Sicherheit, Tempo und Plattformunterstützung. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen ein Vertrauensmodell für externe Paketquellen, eine schnellere interne API als neuer Standard und eine Sandbox unter Linux. Hinzu kommen zahlreiche Verbesserungen beim Werkzeug brew bundle sowie eine erste Unterstützung für macOS 27 „Golden Gate“.

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Homebrew ist ein quelloffener Paketmanager für macOS und Linux. Entwickler installieren und aktualisieren damit Kommandozeilenwerkzeuge, Bibliotheken und Anwendungen. Neben den offiziellen Paketquellen lassen sich auch externe Repositories einbinden, sogenannte „Taps“. Über das Windows Subsystem for Linux (WSL) lässt sich Homebrew zudem mit Windows nutzen.

Die wichtigste Neuerung von Homebrew 6.0 ist das Sicherheitskonzept „Tap Trust“. Externe Taps können beliebigen Ruby-Code enthalten, der auf dem lokalen System läuft. Bislang ließen sich solche Paketquellen vergleichsweise unkompliziert einbinden. Künftig müssen Nutzer Taps von Drittanbietern ausdrücklich als vertrauenswürdig markieren, bevor Homebrew deren Code ausführt. Die offiziellen Homebrew-Repositories bleiben standardmäßig freigeschaltet.

Mit dem neuen Modell reagiert das Projekt auf Risiken in der Software-Lieferkette. Übernehmen Angreifer etwa ein Community-Repository, soll die zusätzliche Prüfung verhindern, dass dessen Code unbemerkt auf den Systemen der Nutzer landet. Homebrew liefert dafür neue Befehle zur Verwaltung vertrauenswürdiger Quellen und eine eigene Dokumentationsseite.

Standardmäßig aktiv ist nun auch die interne JSON-API von Homebrew. Sie fasst die Metadaten zu Paketen in einem einzigen Download zusammen und senkt so die Zahl der Netzwerkanfragen. Für Anwender wirkt sich das vor allem durch schnellere Updates und eine geringere Netzwerklast aus. Die Funktion stand seit Homebrew 5.0 optional bereit und wird jetzt zur Voreinstellung.

Auf Linux-Systemen führt Homebrew zudem eine Sandbox auf Basis von Bubblewrap ein. Unter macOS laufen Build-, Test- und Postinstallationsschritte bereits abgeschottet, nun zieht Linux nach. Bubblewrap ist ein schlankes Werkzeug, das Prozesse und Dateizugriffe isoliert. Die Maßnahme soll verhindern, dass Installations- und Build-Prozesse unnötig auf sensible Bereiche des Systems zugreifen.

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Auch bei den Voreinstellungen hat das Projekt nachgebessert und sich dabei auf eine Nutzerumfrage gestützt. Entwickler sehen vor Installationen und Upgrades nun standardmäßig eine Übersicht der geplanten Änderungen und Abhängigkeiten. Erst nach einer Bestätigung führt Homebrew die Aktionen aus.

Darüber hinaus arbeitet Homebrew an vielen Stellen schneller: Es gibt Optimierungen beim Programmstart, eine parallele Verarbeitung einzelner Upgrade-Schritte und einen geringeren Ruby-Overhead. Das Kommando brew leaves, das eigenständig installierte Pakete ohne abhängige weitere Pakete auflistet, soll rund 30 Prozent schneller arbeiten.

Deutlich ausgebaut hat das Projekt brew bundle, mit dem sich komplette Entwicklungsumgebungen über eine Brewfile beschreiben lassen. Pakete installiert das Werkzeug nun standardmäßig parallel. Außerdem unterstützt es zusätzliche Ökosysteme wie npm und den kubectl-Plugin-Manager Krew. Unter Windows arbeitet brew bundle jetzt auch mit dem Microsoft-Paketmanager Winget zusammen. Hinzu kommen erweiterte Funktionen zum Aufräumen installierter Pakete.

Im Sicherheitsbereich verweist das Projekt auf drei behobene Schwachstellen. Darunter fallen ein Problem bei Download-Weiterleitungen sowie Lücken im macOS-Installer, die unter bestimmten Umständen eine lokale Rechteausweitung erlaubten. Darüber hinaus filtert Homebrew sensible Umgebungsvariablen nun strenger. Eine neue Dokumentationsseite beschreibt zudem die Maßnahmen gegen Risiken in der Software-Lieferkette.

Für Entwickler kommen mehrere Werkzeuge hinzu. Das neue Kommando brew exec erinnert an npx aus der Node.js-Welt und führt Programme in der Umgebung eines Homebrew-Pakets aus. Ebenfalls neu ist brew vulns, das installierte Pakete auf bekannte Sicherheitslücken prüft. Es liegt vorerst als separates Homebrew-Tap vor.

Technisch interessant ist außerdem das neue „Install Steps Framework“. Paketbetreuer können bestimmte Installationsschritte künftig als reine Daten beschreiben, statt sie als ausführbaren Ruby-Code zu hinterlegen. Für einfache Aufgaben wie das Anlegen von Verzeichnissen, das Verschieben von Dateien oder das Erzeugen symbolischer Links muss Homebrew dadurch weniger Code herunterladen und ausführen. Das verspricht Vorteile bei Sicherheit, Wartbarkeit und Tempo.

Mit Homebrew 6.0 unterstützt der Paketmanager erstmals macOS 27 „Golden Gate“ in Grundzügen. Gleichzeitig kündigt das Team das schrittweise Aus für Intel-Macs an, da Apple mit macOS 27 keine Intel-Systeme mehr unterstützt. Ab September 2026 will Homebrew keine neuen vorkompilierten Pakete mehr für macOS auf Intel-Prozessoren bereitstellen. Ein Jahr später soll die Unterstützung vollständig wegfallen.

Detaillierte Informationen zum neuen Release finden sich auf der Webseite des Projekts.


(fo)



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