Künstliche Intelligenz
EUDI-Wallet: Der regulatorische Fahrplan zur digitalen Identität
Die ursprüngliche eIDAS-Verordnung von 2014 schuf zwar einheitliche Regeln für elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste im Binnenmarkt, verpflichtete die Mitgliedsstaaten aber nicht, eigene digitale Identitätssysteme bereitzustellen. Nach einem Jahrzehnt hatten daher nur wenige Staaten brauchbare nationale eID-Lösungen entwickelt, Interoperabilität war technisch fehleranfällig und fand kaum Akzeptanz. Letztlich blieb der private Sektor weitgehend außen vor.
Die Novelle – in Kraft seit 20. Mai 2024 und kurz eIDAS 2.0 genannt – korrigiert das grundsätzlich. Kernstück ist Artikel 5 a, dem zufolge alle 27 Mitgliedsstaaten mindestens eine EUDI-Wallet (European Digital Identity Wallet) bereitstellen müssen, und zwar innerhalb von 24 Monaten nach Inkrafttreten der ersten technischen Durchführungsrechtsakte (das erste Paket trat im November 2024 in Kraft, das zweite im Mai 2025). Danach haben die Mitgliedsstaaten jeweils 24 Monate Zeit, mindestens eine EUDI-Wallet bereitzustellen. Der von Deutschland kommunizierte Starttermin 2. Januar 2027 orientiert sich daran, dass die Verpflichtung zur Bereitstellung mindestens einer EUDI-Wallet ab spätestens 31. Dezember 2026 besteht und ab dem 1. Januar 2027 die verpflichtende Akzeptanz durch öffentliche Stellen beginnt.

Tobias Haar ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt IT-Recht bei Vogel & Partner in Karlsruhe. Er hat zudem Rechtsinformatik studiert und hält einen MBA.
Was macht die EUDI-Wallet gegenüber der bisherigen eID neu? Sie kombiniert erstmals drei Funktionsbereiche in einer App: die elektronische Identifizierung auf Sicherheitsniveau „hoch“, qualifizierte elektronische Signaturen (QES) und Siegel sowie Electronic Attestations of Attributes (EAA), also verifizierte Nachweise wie Führerschein, Hochschulzeugnis oder Versicherungsausweis. Der Nutzer entscheidet dabei selektiv, welche Attribute er an wen weitergibt. Das Need-to-know-Prinzip als technischer Designanspruch – also nur so viele Daten werden geteilt, wie für den jeweiligen Zweck benötigt werden – steht jedoch auf EU-Ebene durch aktuelle regulatorische Vorschläge unter Druck.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „EUDI-Wallet: Der regulatorische Fahrplan zur digitalen Identität“.
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Künstliche Intelligenz
Freitag: Microsoft droht Sicherheitsforscher, Phishing-Affäre auch in Australien
Microsoft hadert mit veröffentlichten Beweisen ungepatchter Sicherheitslücken. Der Konzern droht jetzt mit rechtlichen Schritten, denn er sei entgegen üblicher Vorgehensweise nicht vorab informiert worden. Der Entdecker der Schwachstellen sieht sich dagegen ignoriert und diffamiert. Technische Schwachstellen waren nicht nötig, dass ein australischer Parlamentsabgeordneter und drei Mitarbeiter Opfer offenbar ausländischer Angreifer wurden. Die Masche ähnelt der Signal-Affäre in Deutschland, in Australien ist es WhatsApp. Auch hier sind die Opfer einer Phishing-Kampagne auf den Leim gegangen. In Europa will die EU-Kommission Behörden nahelegen, vor Ort einzukaufen, konkret bei Prozessoren europäischer Start-ups. Das soll Teil des zweiten Chips-Gesetzes werden, um das Ziel der Verdopplung des Weltmarktanteils bei der Halbleiterproduktion bis 2030 doch noch zu erreichen – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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Nachweise von Sicherheitslücken in Microsoft Windows sind zuletzt mehrfach veröffentlicht worden, ohne dass es dafür ein Sicherheitsupdate gegeben hat. Solche Lücken wurden dann auch ausgenutzt. Das missfällt Microsoft. Der Konzern droht mit Klagen und der Polizei. Es gehört grundsätzlich zum guten Ton in der IT-Sicherheitsbranche, dass Entdecker einer Sicherheitslücke die Zuständigen informieren und diesen beschränkte Zeit geben, Updates herauszugeben, um den Fehler zu beheben. Deshalb ärgert sich Microsoft, nicht vorab über die Sicherheitslücken informiert worden zu sein. Der Entdecker der Windows-Lücken sieht sich diffamiert, denn der Konzern habe sein Konto, über das er Schwachstellen unentgeltlich gemeldet habe, gesperrt: Microsoft reagiert mit Drohung auf Offenlegung von Sechs Zero-Days in sechs Wochen.
Sicherheitslücken gab es lediglich auf menschlicher Seite, als die WhatsApp-Konten eines Mitglieds des australischen Parlaments und dreier Mitarbeiter von vermeintlich staatlichen Angreifern aus dem Ausland übernommen wurden. Sie wurden Opfer einer Phishing-Kampagne, die in der Vorgehensweise der kürzlichen Signal-Affäre Deutschlands ähnelt, wo ebenfalls Spionageverdacht besteht. Auch in Australien haben die Angreifer vermeintlich vertrauenswürdige Konten verwendet, um die Opfer zur Herausgabe von Prüfcodes zu verleiten, mit denen die WhatsApp-Konten übernommen werden konnten. Nach Angaben des zuständigen IT-Leiters gebe es „Beweise für einen ausländischen staatlichen Akteur“, er führte dies aber nicht weiter aus: Auch in Australien fallen Parlamentarier einer Phishing-Kampagne zum Opfer.
In Europa sollen Behörden ihre Prozessoren künftig vorrangig bei EU-Start-ups bestellen. Außerdem sollen die umweltrechtlichen Genehmigungen für Chipfabriken flotter ausgestellt werden. Mit diesen Maßnahmen möchte die EU-Kommission die Halbleiterproduktion in der Union unterstützen, heißt es jetzt. Denn bislang hat die als „Chips-Gesetz“ bekannte EU-Verordnung 2021/694, mit der die EU ihren Weltmarktanteil an der Halbleiterproduktion bis 2030 von zehn auf 20 Prozent verdoppeln möchte, die in ihr gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Die Verordnung hat aber auch noch nicht viel Zeit gehabt, zu wirken. Weil diese drängt, ist nun ein zweites Chips-Gesetz in Vorbereitung, mit dem Chip-Start-ups durch Binnennachfrage unterstützt werden sollen: Behörden sollen durch Chips Act 2.0 mehr europäische Chips kaufen.
Was für Microsoft der Patch Tuesday, ist für Anthropic der Release Thursday: Claude Opus 4.8 ist ab sofort verfügbar – zum gleichen Preis wie Vorgänger Opus 4.7. Wenig überraschend soll sich das neue Modell in Benchmarks für Coding, agentische Fähigkeiten, Reasoning und Wissensarbeit weiter verbessert haben, ist allerdings nicht in jeder Diziplin Benchmarksieger. Begleitend zum Modell-Update stellt das Unternehmen mehrere neue Funktionen bereit, die primär auf autonomes, großskaliges Arbeiten abzielen. Laut Anthropic macht Opus 4.8 Unsicherheiten häufiger kenntlich und stellt seltener ungestützte Behauptungen auf als sein Vorgänger. Parallel zur Veröffentlichung von Opus 4.8 kündigt Anthropic an, Modelle der Mythos-Klasse in den nächsten Wochen für alle Kunden verfügbar zu machen: Anthropic bringt „ehrlicheres“ Claude Opus 4.8 – und kündigt Mythos an.
Im heutigen c’t-Datenschutz-Podcast widmen wir uns gleich mehreren Themen der jüngsten Vergangenheit. Den Auftakt macht ein bemerkenswertes Bußgeld der niederländischen Datenschutzaufsicht: 100 Millionen Euro muss die MLU B.V. zahlen, Betreiberin der europäischen Version der Yandex-Taxi-App Yango, denn sensible Daten wurden nach Russland übermittelt. Zudem diskutieren wir die Pläne der neuen grün-schwarzen Landesregierung Baden-Württembergs, 40 Prozent der Stellen beim Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit zu streichen. Den Schwerpunkt der Episode bildet das Russmedia-Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das Plattformbetreiber unter Umständen zu einer anlasslosen Vorabprüfung von Inhalten verpflichtet. Das sind die Themen der Auslegungssache 160: Kippt der Datenschutz das Haftungsprivileg?
Auch noch wichtig:
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(fds)
Künstliche Intelligenz
AMD bringt die Gaming-CPU Ryzen 7 5800X3D zurück
AMD füllt wieder eine Lücke bei Mainboards mit der CPU-Fassung AM4: Nachdem der Chiphersteller AMD vor rund einem Jahr den Ryzen 7 5700X3D aus dem Programm genommen hatte, gab es hierzulande für die 2016 vorgestellte AM4-Plattform keine Desktop-CPUs mit Stapelcache mehr zu kaufen. Das ändert sich, denn der Ryzen 7 5800X3D feiert als 10th Anniversary Edition sein Comeback. Daran dürfte nicht nur das Jubiläum, sondern auch die hohen RAM-Preise Anteil haben.
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Durch die hohe Nachfrage bei KI-Hyperscalern haben sich die Speicherpreise für DDR5-RAM im Vergleich zum September 2025 vervierfacht, was vor allem die Kauflaune bei PC-Bastlern in den Keller gehen ließ. Mit dem Ryzen 7 5800X3D haben Gamer eine preiswerte Option, ihr vorhandenes AM4-System aufzurüsten, statt einen Desktop-PC mit teurem DDR5-RAM neu kaufen zu müssen. Vor allem 3D-Spiele profitieren von dem 96 MByte großen Level-3-Cache, der Zugriffe auf den vergleichsweise langsamen Arbeitsspeicher spart.

Vor allem für Ryzen-Prozessoren der ersten Generationen ist der Ryzen 7 5800X3D ein attraktives Upgrade.
(Bild: AMD)
An den technischen Daten gibt es keine Änderungen. Die acht CPU-Kerne mit Zen-3-Architektur takten mit bis zu 4,5 GHz (nominal 3,4 GHz) und verheizen bis zu 142 Watt (Thermal Design Power: 105 Watt). AMD verspricht im Vergleich zum Zen-2-Chip Ryzen 7 3700X ein Performanceplus von durchschnittlich 47 Prozent bei Spielen, zum Ryzen 7 5800X sollen es 16 Prozent sein. Der Ryzen 7 5800X3D ist ab dem 25. Juni für rund 360 Euro erhältlich. Zudem liefert AMD ein Wärmeleitpad Carbice Ice Pad mit Kohlenstoffnanoröhren mit, das die Wärmeleitpaste ersetzt.
Günstiger X3D-Chip für AM5-Mainboards
Auch die aktuelle AM5-Plattform ergänzt der Chiphersteller um einen weiteren Achtkerner mit Stapelcache. Der Ryzen 7 7700X3D mit 120 Watt TDP (162 Watt PPT) kostet rund 300 Euro und sortiert sich damit zwischen dem Sechskerner Ryzen 5 7500X3D für 210 und dem Achtkerner Ryzen 7 7800X3D für 335 Euro ein. Im Vergleich zu letzterem taktet die neue Gaming-CPU im Turbo mit 4,5 GHz ein halbes Gigahertz langsamer. Der Basistakt des Ryzen 7 7700X3D liegt mit 4,0 GHz um 200 MHz tiefer.

Die aktuellen Desktop-CPU-Plattform AM5 will AMD mindestens bis 2029 mit neuen Prozessoren versorgen.
(Bild: AMD)
AMD kündigt zudem an, die Lebensdauer der seit 2022 erhältlichen AM5-Plattform um zwei weitere Jahre zu verlängern. Bislang sollte es mindestens bis einschließlich 2027 neue Prozessoren dafür geben, nun gilt das Versprechen bis Ende 2029. Für den bei AM5 verwendeten Speichertyp DDR5-RAM erweitert AMD das Speicherprofil EXPO für Overclocking-Module. DIMMs mit EXPO Ultra Low Latency unterstützen eine automatische Übertaktungsfunktion, was bei 3D-Spielen etwa vier Prozent bessere Bildraten bringen soll. Module mit EXPO ULL sollen ab Juni von mehreren Speicherherstellern erhältlich sein.
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Neue Speichermodule mit EXPO Ultra Low Latency sollen noch höhere Bildraten liefern.
(Bild: AMD)
(chh)
Künstliche Intelligenz
Dell kontert MacBook Neo mit günstigem XPS 13
Dell stellt sein bislang günstigstes XPS-Notebook vor, das preislich mit Apples MacBook Neo konkurriert. Bislang waren Dells XPS-Notebooks typische Vertreter der Edelklasse: schicke Vollmetallgehäuse, flotte Technik, viele Komfortfunktionen – aber auch sehr teuer. Das neue XPS 13 (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Urahn, der inzwischen auf 14 Zoll samt damit verbundener Bezeichnungsänderung angewachsen ist) soll anders sein. Die Preise beginnen bei 699 US-Dollar beziehungsweise (zeitlich zum Start des neuen Schuljahres begrenzt) bei 599 US-Dollar für Schüler und Studenten – und damit exakt auf dem Niveau der größeren MacBook-Neo-Variante mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 512-GByte-SSD. Womit dann auch gleich die Speicherausstattung eben jener Basisausstattung des XPS 13 genannt wäre …
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Mehr noch: Dell setzt sowohl beim Bildschirm als auch bei der Tastatur einen drauf. Das 13,4-Zoll-Display ist ein hochauflösender (2560 × 1600 Pixel) Touchscreen, der den DCI-P3-Farbraum vollständig abdeckt und mit bis zu 120 Hertz läuft. Das MacBook Neo schafft „nur“ sRGB und 60 Hertz. Die Tastatur bringt wiederum eine Beleuchtung mit – deren Fehler ist ein großer Knackpunkt des Neo. Beim XPS 13 übertragen beide USB-C-Buchsen bis zu 10 Gbit/s (USB 3.2 Gen 2), beim MacBook Neo nur eine. Einen Audioausgang baut Dell anders als Apple nicht ein.
Bei der Präsentation verglich Dells Chief Operating Officer Jeff Clarke das XPS 13 zwar fleißig mit dem MacBook Neo, gab aber im gleichen Atemzug an, dass die Entwicklung schon früher begonnen habe. Apples Vorstellung des Neos soll keinerlei Hardwareänderungen am XPS 13 hervorgerufen haben. Was er nicht sagte, war, ob Dell an den Preisen schrauben musste, um das Neo zu kontern: Ein in immerhin zwei Farben (Silber oder Grau) gefertigtes Vollmetallgehäuse, ein besserer Bildschirm und die Windows-Lizenz plus die anhaltende Speicherkrise dürften nicht allzu viel Marge übrig lassen.
Neo-Überlappung
Ein Blick ins Datenblatt offenbart, dass Dell das XPS 13 nicht wirklich als echten MacBook-Neo-Konter entworfen hat. Stattdessen überlappen sich beide nur bei der einen 699-US-Dollar-Konfiguration. Das Neo gibt es ansonsten nur schwächer bestückt, das XPS 13 hingegen auch noch deutlich besser – etwa mit 16 GByte Arbeitspeicher und noch größeren SSDs.

Das XPS 13 kommt serientypisch im Metallgehäuse.
(Bild: Dell)
Im Inneren werkeln Intels neue Einsteigerprozessoren Wildcat Lake alias Core 300, doch es wird auch teurere Ausstattungen mit Panther Lake alias Core Ultra 300 mit mehr CPU-Kernen und stärkerer GPU geben. Solche Varianten haben dann zwei USB-C-Buchsen mit Thunderbolt 4, bis zu 32 GByte Arbeitsspeicher – und ziemlich sicher vierstellige Preisschilder. Der oben erwähnte Bildschirm ist auch dann immer an Bord – was die Vermutung nährt, dass Dell gar keine Alternative anbieten kann, sondern auf Skaleneffekte hofft: Je mehr XPS 13 die Firma fertigen und verkaufen kann, desto besser amortisiert sich das teure Gehäuse. Bildschirm und Tastaturbeleuchtung sind als (teure) Nebeneffekte dann eben auch bei der allergünstigsten Ausstattungsvariante dabei.
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Deutsche Europreise oder Informationen zur hiesigen Verfügbarkeit lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Ebenso ist unklar, ob es auch hierzulande einen Bildungsrabatt geben wird.
(mue)
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