Entwicklung & Code
Twenty 2.0: Das Open-Source-CRM legt nach
Mit Version 2.0.0 erhält das Open-Source-CRM Twenty ein umfangreiches Update. Das Release setzt Schwerpunkte auf KI-Integration, Performance-Optimierungen und Infrastruktur für Self-Hosting und Cloud-Deployments. Zudem bündelt es Verbesserungen am SDK, erweitert die Mechanismen für Authentifizierung und Integration und bringt zahlreiche Optimierungen an Oberfläche und Stabilität.
Weiterlesen nach der Anzeige
Twenty ist eine Open-Source-Software fürs Customer-Relationship-Management und versteht sich als entwicklerfreundliche Alternative zu etablierten CRM-Systemen wie Salesforce. Im Zentrum stehen ein modularer Aufbau, ein eigenes SDK sowie Self-Hosting und die Anbindung externer Dienste.
KI-Integration über MCP
Einen Schwerpunkt des Releases bildet der Ausbau der KI-Funktionen und ihre Integration in externe Systeme. Intern wird Agent zu Ai umbenannt, ergänzt um neue Fehlercodes für typische Zustände wie fehlende Threads oder Nachrichten. Zudem verbessert Twenty die Anbindung externer KI-Clients über OAuth und das Model Context Protocol. MCP verbindet KI-Modelle standardisiert mit Anwendungen – etwa über OAuth-gesicherte Schnittstellen. In der Praxis kann damit etwa ein LLM-Client wie Claude direkt auf CRM-Daten zugreifen, abgesichert über etablierte Authentifizierungsmechanismen.
Schlankeres SDK und neue Deployment-Optionen
Für Entwickler bringt Version 2.0 vor allem tiefgreifende Änderungen am SDK. Dieses ist nun in Subpaths aufgeteilt, sodass Anwendungen gezielt nur die benötigten Module laden. Die Bundle-Größe für Logic Functions schrumpft dadurch drastisch – laut Entwicklerangaben um den Faktor 700. Vor allem in Serverless-Umgebungen profitieren Nutzer: Kleinere Bundles verkürzen Cold Starts und verbessern die Performance. Hinzu kommen neue Funktionen für App-Manifeste, etwa zur Definition von Sortierlogiken.
Auch bei der Infrastruktur legt Twenty nach. Neue Docker-Targets und -Konfigurationen erleichtern Deployments, insbesondere im Zusammenspiel mit AWS EKS. Auch beim Self-Hosting baut Twenty die kommerziellen Funktionen aus: Das Release ergänzt Abläufe für Lizenzierung und Abrechnung, darunter Checkout, Aktivierung, Statusabfrage und Sitzplatzverwaltung.
Weiterlesen nach der Anzeige
Härtung von Authentifizierung und Performance
Bei der Sicherheit und Authentifizierung gibt es mehrere Änderungen, die vor allem für den produktiven Einsatz relevant sind. Public Clients sichern OAuth nun zwingend mit PKCE (Proof Key for Code Exchange) ab. Das erschwert Angriffe auf Authorization Codes. Zudem folgen die Implementierungen nun den Spezifikationen RFC 9728 und MCP. Für browserbasierte Clients korrigiert Twenty den WWW-Authenticate-Header. Zudem schließt das Release konkrete Schwachstellen, etwa rund um Prototype Pollution und unbegrenzt wachsende Attachments in socket.io.
Verbesserungen bei der Performance betreffen vor allem den Backend- und Serverless-Betrieb. Twenty nutzt nun einen Cache für ESM-Module über mehrere Lambda-Aufrufe hinweg und senkt so die Kosten wiederholter Initialisierung. Weitere Optimierungen beheben ineffiziente Datenbankabfragen, die zuvor durch unbeabsichtigte kartesische Produkte zu Timeouts führen konnten.
Überarbeitete Oberfläche und weitere Neuerungen
Auch die Oberfläche hat das Twenty-Team überarbeitet. Sie präsentiert sich unter dem Schlagwort „Hero 2.0“ in neuem Design. Hinzu kommen funktionale Verbesserungen wie Reset-Optionen für Layouts, ein Icon-Picker für Tabs und konsistentere UI-Komponenten. Das Admin-Panel läuft jetzt über einen eigenen GraphQL-Endpunkt, was die Verantwortlichkeiten klarer trennt.
Zudem führt Twenty einen SVG-Export ein und verbessert die Steuerung von Metadaten und Events. Letztere sind nun stärker an einzelne Nutzer gebunden, sodass sich Benachrichtigungen und Datenströme gezielter isolieren lassen.
Flankiert wird das Release von umfangreichen i18n-Updates für Oberfläche und Dokumentation sowie einer überarbeiteten Website samt Sitemap und robots.txt. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Bugfixes, Refactorings und Stabilitätsverbesserungen. Die vollständige Liste der Änderungen findet sich in den Release Notes auf GitHub.
(fo)
Entwicklung & Code
Google: Neues KI-Modell läuft auch auf Laptops mit nur 16GB RAM
Google DeepMind hat mit Gemma 4 12B ein neues offenes KI-Modell vorgestellt, das multimodale Agenten direkt auf handelsüblichen Notebooks ermöglichen soll. Das Modell mit 12 Milliarden Parametern verarbeitet Text, Bilder und als erstes Modell dieser Größe auch Audio nativ – und benötigt dafür lediglich 16 GByte Arbeits- oder Grafikspeicher. Veröffentlicht unter der Apache-2.0-Lizenz steht es Entwicklern und Unternehmen frei zur Verfügung.
Weiterlesen nach der Anzeige
Damit senkt Google die Einstiegshürde für seine lokale KI-Agenten. Während Googles eigene On-Device-KI Gemini Intelligence auf Android-Smartphones hohe Hardwareanforderungen stellt zielt Gemma 4 12B bewusst auf die breite Masse.
Architektur ohne separate Encoder
Eine zweite Stärke des Modells liegt in seiner vereinheitlichten Architektur. Wie Google in seinem Blog erläutert, verzichtet Gemma 4 12B vollständig auf separate Vision- und Audio-Encoder. Herkömmliche multimodale Modelle von Google nutzen typischerweise eigene Encoder-Module, die Bilder und Audiodaten erst übersetzen, bevor das Sprachmodell sie verarbeitet. Gemma 4 12B geht einen anderen Weg: Hier soll der Input direkt vom LLM-Backbone verarbeitet werden.
Leistung nahe am doppelt so großen Modell
Innerhalb der Gemma-4-Familie positioniert Google das 12B-Modell zwischen den Edge-Varianten E4B, die für Smartphones und IoT-Geräte wie Raspberry Pi konzipiert sind, und dem größeren 26B-Mixture-of-Experts-Modell (MoE). In Benchmarks soll es laut Google jedoch nur knapp hinter dem stärkeren Modell zurückliegen. Ohne dedizierte GPU verlängern sich die Inferenzzeiten aber wahrscheinlich.
Wie das neue Modell im Vergleich zu 16GB-Varianten von anderen Anbietern abschneidet, ist noch nicht abzusehen.
Weiterlesen nach der Anzeige
(rie)
Entwicklung & Code
Kommentar: Microsofts Open-Source-Liebe hat einen Preis
Wie sich die Zeiten doch ändern: Ausgerechnet Microsoft liefert heute Open Source frei Haus. Richtig praktische und wirklich offene Werkzeuge für Entwickler reihte der Konzern auf der Build 2026 auf – ein quelloffenes KI-Terminal, hilfreiche Dev Configs, dazu WSL-Container und mehr als 75 Unix-Werkzeuge der Coreutils. Doch wer darin nur Entwicklerfreundlichkeit sieht, verpasst den eigentlichen Coup. Open Source ist inzwischen das perfekte Business für den Konzern.
Weiterlesen nach der Anzeige

Moritz Förster schreibt seit 2012 für die iX und heise online. Er betreut neben dem iX-Channel den Bereich Arbeitsplatz.
Microsoft ging gegen offene Standards lange strategisch vor – und die Strategie trug in den 90ern ein berüchtigtes Kürzel: „EEE – Embrace, Extend, and Extinguish“. Das US-Justizministerium dokumentierte, wie der Konzern dabei vorging. Erst drang Microsoft in Märkte mit offenen Standards ein, dann erweiterte es diese Standards um proprietäre Funktionen, und schließlich nutzte es die so entstandenen Unterschiede, um die Konkurrenz auszuschalten.
Sofort wurde das zu Microsofts Geschäftspraxis: Zum Beispiel setzt Microsoft im Browserkrieg den Internet Explorer nicht nur offensiv gegen Netscape ein; interne Memos zeigen darüber hinaus, dass der Konzern Office und HTML-Funktionen so verzahnen wollte, dass sie als Hebel ausschließlich das eigene Ökosystem stärken.
Diesmal fehlt das dritte E
Doch die Ankündigungen der Build 2026 sind nicht einfach nur EEE 2.0 mit besserem Marketing. Das Umarmen war immer nur Mittel zum Zweck, und der Zweck hieß ersticken. Heute fehlt diese dritte Stufe.
Microsoft gibt bei den Werkzeugen, die Entwickler täglich nutzen, keinen Zentimeter Boden auf. Niemand muss migrieren oder sich umgewöhnen. Und niemand lockt den offenen Standard in eine proprietäre Sackgasse. Was hier an Reibung verschwindet, kostet Microsoft nur Entwicklungsaufwand – aber keinesfalls Marktmacht.
Nehmen wir als Beispiel die Datenbanken: Statt einer hauseigenen, geschlossenen Datenbank setzt Microsoft mit Azure HorizonDB auf das offene PostgreSQL. Die Botschaft: Bleibt bei Postgres, wir bauen die KI-Bausteine drumherum. Ausgerechnet der Konzern, der mit proprietären Datenbanken groß wurde, setzt jetzt auf die Open-Source-Alternative.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Motivation ist betriebswirtschaftlich, Satya Nadella hat das nie verheimlicht. Seit 2014 verschiebt Microsoft sein Kerngeschäft von der Lizenzsoftware zu den Plattformdiensten, und Nadella sagt offen, dass sich mit geschlossenen Lizenzen auf Dauer kein Staat mehr machen lässt. Warum eine Lizenz einmal verkaufen, wenn man dieselbe Leistung monatlich vermieten kann? Dass heute über die Hälfte der Azure-Workloads unter Linux laufen, gehört inzwischen zum Geschäftsmodell.
Microsoft kassiert trotzdem ab
Der Coup steckt im Business-Schlachtfeld selbst. Der Kampf heißt nicht mehr Windows gegen Open Source. Er heißt Cloud gegen Cloud. Die Maut kassiert Microsoft nicht mehr an der Systemgrenze, sondern beim Cloud-Dienst: bei Azure, bei GitHub, beim Copilot-Abo. Der Konzern stellt das Kassenhäuschen einfach woanders auf.
Selbst Steve Ballmer hat das inzwischen eingeräumt. Seine frühere Haltung sei für ihre Zeit richtig gewesen, doch die Linux-Bedrohung liege heute „im Rückspiegel“. Und die harte Linie habe dem Konzern damals mehr Umsatz gebracht, als ein frühes Umarmen es getan hätte. Erst kämpfen, dann kassieren, schließlich umarmen – aus Sicht der Bilanz hat sich jede Phase gelohnt.
Bleibt die Frage nach dem dritten E
Man sollte die Wende trotzdem nicht zu gutgläubig feiern. Viele Entwickler misstrauen dem freundlichen Microsoft bis heute aus gutem Grund. Als der Konzern 2021 eine Hot-Reload-Funktion aus dem quelloffenen .NET herauslösen wollte und sie erst nach lautem Protest zurückholte, blitzten die alten Reflexe wieder auf. Auch die heute „umarmten“ Werkzeuge wie GitHub, Copilot und Codespaces tragen proprietäre Schichten in sich. Jede Nutzung zentralisiert die Branche ein Stück weiter auf einen einzigen Anbieter.
Microsofts Open-Source-Zuneigung mag heute echt sein – aber sie entspringt eben nicht einem Altruismus, sondern dem nüchternen Kalkül, nicht wie einst IBM zu erstarren. Doch in fünf Jahren kann schon wieder eine andere Business-Logik gelten.
(fo)
Entwicklung & Code
Visual Studio Code 1.123 synchronisiert Agenten-Sessions über Geräte hinweg
Microsoft bringt in Version 1.123 von Visual Studio Code weitere neue Features für den Umgang mit großen Sprachmodellen. Dazu gehören synchronisierte Chat-Sessions über mehrere Geräte hinweg, ein vergrößertes Kontextfenster für spezielle Modelle und die Möglichkeit, multiple Agenten-Fenster parallel zu öffnen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Synchronisierte (Agenten-)Chats
Als neue Standardfunktion synchronisiert Visual Studio Code nun Chat-Sessions zum GitHub-Account seiner Nutzerinnen und Nutzer, inklusive aller lokalen Agenten-Sessions. Wie Microsoft betont, seien die synchronisierten Chats privat, außer wenn Nutzer sie explizit teilen. Auf github.com erscheinen die Chats im Agents-Tab eines Repositories und lassen sich durchsuchen.
Wer die Synchronisierung nicht nutzen will, setzt die auf Organisationsebene bestehende Einstellung chat.sessionSync.enabled auf false.
Agentenvergleich auf einen Blick
Das Preview-Feature Agents Window hat eine neue Funktion erhalten: Neben einer geöffneten Agenten-Session lässt sich nun eine zusätzliche in „Side by Side“-Ansicht öffnen. Um eine weitere Session zu öffnen, wählen Entwicklerinnen und Entwickler im Kontextmenü einer Session innerhalb der Session-Liste Open to the Side aus, ziehen die gewünschte Session per Drag & Drop in den Sessions-Ansichtsbereich oder wählen sie bei gedrückter Alt-Taste aus.
Dabei ist zu beachten, dass jeweils nur eine der sichtbaren Sessions aktiv ist. Eine neue ausgewählte Session wird automatisch zur aktiven Session View, außer wenn die vorherige Session angepinnt wurde. Das Anpinnen erfolgt über die Pin-Aktion in der oberen rechten Ecke der View.
Weiterlesen nach der Anzeige

VS Code 1.123: Zwei Agenten-Sessions – hier eine Claude-Opus-4.8- und eine Claude-Sonnet-4.6-Session – lassen sich nebeneinander betrachten.
(Bild: Microsoft)
Ein weiteres Update betrifft das Kontextfenster unterstützter Anthropic- und OpenAI-Modelle: Es kann nun eine Million Token umfassen. Diese Erweiterung soll es Usern ermöglichen, mit deutlich größeren Codebasen zu arbeiten sowie längere Konversationen zu führen, ohne wichtigen Kontext einzubüßen.
Weitere Details zu den Neuerungen in Visual Studio Code 1.123 lassen sich der Ankündigung entnehmen.
Dabei handelt es sich nicht um die einzigen Updates im Bereich KI von Microsoft: Im Rahmen der in dieser Woche stattgefundenen Hauskonferenz Microsoft Build wurde unter anderem eine eigenständige Desktopanwendung für GitHub Copilot vorgestellt.
(mai)
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenBlade‑Battery 2.0 und Flash-Charger: BYD beschleunigt Laden weiter
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMähroboter ohne Begrenzungsdraht für Gärten mit bis zu 300 m²
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniPhone Fold Leak: Apple spart sich wohl iPad‑Multitasking
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
JBL Bar 1300MK2 im Test: Soundbar mit Dolby Atmos, starkem Bass und Akku‑Rears
-
Social Mediavor 3 MonatenVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniX-Workshop KRITIS: Zusätzliche Prüfverfahrenskompetenz für § 8a BSIG
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenOscars 2026: Was die heise‑Leser anders entschieden hätten
