Digital Business & Startups
Warum Community der unterschätzteste Erfolgsfaktor im HealthTech ist
Das klassische Narrativ im Venture Capital ist klar: Ein starkes Gründungsteam, das richtige Timing und Zugang zu Risikokapital entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Doch gerade im HealthTech-Bereich greift diese Logik zu kurz. Wer hier investiert oder gründet, braucht noch etwas anderes, um erfolgreich zu sein. Hier bewegt man sich nicht in einem homogenen Markt, sondern in einem hoch fragmentierten System aus Regulatorik, Versorgungspraxis, Forschung, Technologie und Erstattungssystemen. In dieser Komplexität zeigt sich ein Faktor, der oft unterschätzt wird: Community. Nicht als Buzzword, sondern als struktureller Wettbewerbsvorteil und Zugang zu „Insiderwissen“.
Fragmentierung als strukturelle Herausforderung
HealthTech ist kein klassischer Softwaremarkt. Innovation entsteht selten linear, sondern im Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure: Ärzt:innen, Kliniken, Versicherungen, Regulatoren, Patient:innen und Technologieanbieter. Manche Gründer:innen waren in ihrem früheren Berufsleben schon Teil dieser Community, aber viele kommen aus anderen Industrien in den HealthTech-Sektor. Gerade für HealthTech-Startups ist jedenfalls eines augenscheinlich: Selbst die beste Lösung scheitert, wenn sie nicht in bestehende Strukturen eingebettet werden kann. Gleichzeitig fehlt vielen Teams zu Beginn der Zugang zu genau diesem „Insiderwissen“. Die Folge sind teure Fehlentscheidungen aufgrund von mangelndem Austausch mit der Community, also den entscheidenden Playern und Sparringspartner:innen.
Warum klassische VC-Logiken hier an Grenzen stoßen
Viele traditionelle Fonds arbeiten weiterhin stark transaktional mit dem Fokus auf Dealflow, Due Diligence und Boardarbeit. Manche versuchen, diese Arbeit so weit wie möglich mit Hilfe der KI zu automatisieren. Das funktioniert in klar strukturierten Märkten gut. Im HealthTech hingegen reicht das unserer Meinung nach nicht aus. Denn die entscheidenden Themen in unserer Branche lassen sich selten allein durch Datenräume oder Pitchdecks lösen. Hier sind andere Fragen entscheidend: Wie funktioniert der Vertrieb in Klinikstrukturen wirklich? Welche regulatorischen Hürden werden regelmäßig unterschätzt oder können wie überwunden werden? Wo entstehen aktuell neue Versorgungsmodelle? Die Antworten auf diese Fragen werden selten in Boardrooms gefunden, sondern meist im Austausch mit den richtigen Menschen, den Insidern.
Community als Wettbewerbsvorteil
Genau hier setzt das Konzept „Community First“ an. Für Calm/Storm bedeutet das: Wir verstehen uns nicht primär als Kapitalgeber, sondern als Zugangssystem zur HealthTech-Community mit all ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihren unterschiedlichen Perspektiven. Formate wie kuratierte Events, thematische Panels oder Co-Investments sind dabei keine „Add-ons“, sondern zentrale Infrastruktur. Sie bringen Menschen zusammen, die sich sonst selten begegnen und schaffen einen Raum, in dem offen über Herausforderungen gesprochen wird. Das Entscheidende ist dabei nicht die Anzahl der Kontakte, sondern die Qualität des Austauschs. Wenn Gründer:innen ihre größten Fehler teilen, Investoren über gescheiterte Deals sprechen oder Operator ihre Erfahrungen aus dem Klinikalltag einbringen, entsteht ein Bild, das kein Boardmeeting liefern kann. Eine Gründerin aus unserem Netzwerk hat es treffend formuliert: „Ich kann hier offen sprechen, weil ich weiß, dass alle durch ähnliche Situationen gehen. Egal was ich brauche, jemand aus der Calm/Storm-Community teilt immer seine Erfahrung mit mir. Während Insider-Deals an der Börse verboten sind, profitieren wir hier in der Community von diesem immensen Vorteil.“
Community als Indikator für Trends
Wer kontinuierlich mit Gründungsteams, Corporates aus dem Gesundheitsbereich, Ärzt:innen, Manager:innen von Versicherungen und anderen HealthTech-Investoren im Austausch ist, erkennt Entwicklungen rechtzeitig und kann die eigene Community als Indikator für Trends nutzen. Veränderungen im Marktumfeld werden nicht erst sichtbar, wenn sie bereits in irgendwelchen Reports stehen, sondern sobald sie sich im Alltag der Beteiligten abzeichnen. Ob neue Geschäftsmodelle im Consumer Health, Fortschritte im Bereich Regulatorik oder Veränderungen in der Krankenhauslandschaft: Die relevanten Signale für Trends und entscheidende Strömungen finden sich meist zuerst in Gesprächen zwischen Insidern und erst wesentlich später möglicherweise in Datenbanken, die von KI durchsucht werden können. Ein Großteil der relevanten HealthTech-Entwicklungen in Europa wird innerhalb der Community sichtbar, lange bevor sie am Markt auftauchen. Das macht den regelmäßigen offenen Austausch nicht nur für uns als Fonds, sondern in erster Linie auch für unsere Gründungsteams zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Mehrwert für alle Beteiligten
Der eigentliche Hebel liegt jedoch darin, dass diese Community nicht nur Investoren und Startups hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Sie schafft Mehrwerte für das gesamte Ökosystem:
- Für Gründer:innen entsteht ein Raum, in dem sie nicht nur Feedback bekommen, sondern echte Erfahrungswerte aus erster Hand. Gerade in kritischen Phasen – etwa bei Fundraising oder Go-to-Market – ist dieser Austausch oft entscheidend.
- Für Investoren verbessert sich die Qualität der Einschätzungen. Co-Investments werden fundierter, weil sie auf einem breiteren Verständnis basieren.
- Für Corporates und Gesundheitsunternehmen bietet die Community Zugang zu Innovationen, Trends und neuen Kontakten über ein strukturiertes Netzwerk.
Dabei zeigt sich immer wieder: Die wertvollsten Insights kommen nicht aus perfekten Erfolgsstories, sondern aus den Momenten, in denen Dinge nicht funktionieren. Dort entstehen Learnings, von denen alle Beteiligten profitieren können, wenn sie offen und ehrlich geteilt werden. Dazu braucht es viel Vertrauen, das Calm/Storm als Initiator maßgeblich schafft.
Vom Netzwerk zur Infrastruktur
Community wird häufig als „weicher Faktor“ betrachtet. In Wirklichkeit ist sie harte Infrastruktur, vergleichbar mit Daten oder Kapital. Gerade im HealthTech, wo Entscheidungen langfristige Auswirkungen auf Versorgungssysteme und Patient:innen haben, ist dieser Zugang entscheidend. Die besten Gründer:innen suchen heute nicht nur Kapital. Sie suchen Orientierung, Sparring und ein Umfeld, in dem sie schneller lernen können. Und genau deshalb verschiebt sich auch die Rolle von Investoren: weg vom klassischen Kapitalgeber hin zum Knotenpunkt eines funktionierenden Ökosystems.
Fazit: Wettbewerbsvorteil durch Vernetzung
HealthTech wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, nicht zuletzt durch demografische Entwicklungen und steigenden Innovationsdruck im Gesundheitssystem. Wer in diesem Umfeld erfolgreich sein will, braucht mehr als Kapital und Technologie. Entscheidend ist der Zugang zu den richtigen Menschen, zum richtigen Zeitpunkt, mit der richtigen Perspektive. Community ist kein Nice-to-have, sondern eine wichtige Basis und oft der entscheidende Erfolgsfaktor. Oder anders gesagt: Die Zukunft des HealthTech entsteht nicht dort, wo Entscheidungen isoliert getroffen werden oder schnell viel Kapital investiert wird, sondern dort, wo das Vertrauen untereinander so hoch ist, dass Erfahrungen und Insiderwissen geteilt werden.
Über den Autor
Lucanus Polagnoli ist Gründer und Managing Partner von Calm/Storm Ventures, Europas aktivstem Frühphasen-Investor im Bereich digitale Gesundheit. Mit fast 90 super-early-stage Investments zählt er zu den profiliertesten HealthTech-Investoren Europas. Zuvor war er Partner bei Speedinvest und engagiert sich heute insbesondere für impactgetriebene Gründungsteams und digitale Lösungen rund um Gesundheit, Wohlbefinden und Nachhaltigkeit.
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Warum Nvidias Startup-Chef Deutschland vor einem KI-Boom sieht

Mit seinem Startup-Programm Inception unterstützt NVIDIA weltweit mehr als 22.000 junge Unternehmen, in Deutschland sind rund 1000 Startups dabei.
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Verdane investiert in Eterno – Cohere übernimmt Reliant AI – Mistral AI kauft Emmi AI
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Verdane investiert Millionen in Eterno +++ Getquin erhält 12 Millionen +++ LawX sammelt 7,5 Millionen ein +++ Cohere übernimmt Reliant AI +++ Mistral AI kauft Emmi AI +++ Finanzspritze für HappySupport +++

Im #DealMonitor für den 19. Mai werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
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INVESTMENTS
Eterno
+++ Der norwegische Investor Verdane investiert wohl mehr als 100 Millionen US-Dollar in Eterno – siehe auch Handelsblatt. Die Bewertung des Unternehmens soll dabei auf einen „mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ steigen. Eterno, 2020 von Maximilian Waldmann, Frederic Haitz, Timo Rodi und Rohit Dantas gegründet, betreibt „eigene, voll digitalisierte Praxisstandorte in Hamburg, Frankfurt und Berlin, die als moderne Primärversorgungszentren konzipiert sind“. In den vergangenen Jahren flossen bereits rund 40 Millionen in das Unternehmen – insbesondere von „Versicherungen und Krankenkassen, Family-Offices und Privatinvestoren wie Fußball-Weltmeister Mario Götze“. Das frische Kapital soll nun die Skalierung „der KI-nativen Plattform für die ambulante Versorgung beschleunigen“. Derzeit wirkten über 100 Mitarbeitende für Eterno, das mit seiner Software vor allem Compugroup und Medatixx herausfordert. Mehr über Eterno
Getquin
+++ Der kanadische FinTech-Investor Portage, State Street Investment Management aus Boston, Horizons Ventures, Trade-Republic-Investor Sino, Heartfelt und Co. investieren 12 Millionen Euro in Getquin. Die Investment-App, die 2020 von Raphael Steil und Christian Rokitta gegründet wurde, richtet sich insbesondere an Millennials. „Getquin ist eine Software für Anleger, die ihr Portfolio selber verwalten möchten oder bereits Wertpapiere gekauft haben, die sie optimieren möchten“, teilt das junge Berliner Unternehmen zum Konzept mit. Mit dem frischen Kapital möchte sich Getquin „vom Portfolio-Tracker zu einer digitalen Wealth-Management-Plattform weiterentwickeln, die KI-gestützte Portfolio-Analysen mit persönlicher Finanzplanung für Privatanleger in Europa verbindet“. Clark-Investor Portage und Horizons Ventures, auch bei N26 investiert, investierten zuletzt 15 Millionen US-Dollar in Getquin. Portage hält derzeit 17,3 % an Getquin. State Street Investment Management ist nun mit rund 6,1 % an Bord. Mehr über Getquin
LawX
+++ Der New Yorker Investor Motive Partners, Wenvest Capital aus München, xdeck aus Köln und SIVentures aus Leipzig sowie Business Angels wie Christoph Cordes und Ralph Müller investieren 7,5 Millionen Euro in LawX. Das Berliner LegalTech, 2024 von Norman Koschmieder, Sara Brinkmann und Torben Rabe gegründet, entwickelt ein KI-gestütztes Betriebssystem für juristische Arbeit. „LawX adressiert damit eine strukturelle Krise im Rechtsmarkt: steigende Nachfrage trifft auf Fachkräftemangel und veraltete Softwarestrukturen“, teilt das Team mit. Derzeit kommt das Unternehmen auf 1 Millionen Annual Recurring Revenue (ARR). Mehr über LawX
HappySupport
+++ sevDesk-Gründer Fabian Silberer, Flip-Gründer Benedikt Brand und L-Bank Baden-Württemberg investieren 200.000 Euro in HappySupport. Das Startup aus Heilbronn, 2025 von Niklas Gysinn und Henrik Roth in Stuttgart gegründet, möchte sich als „selbstaktualisierende Help-Center-Plattform für B2B- und B2C-SaaS-Unternehmen“ etablieren. Mehr über HappySupport
MERGERS & ACQUISITIONS
Cohere – Reliant AI
+++ Das kanadische KI-Startup Cohere, das sich kürzlich mit Aleph Alpha zusammengeschlossen hat, übernimmt das Berliner KI-Startup Reliant AI. Mit der Übernahme möchte das Unternehmen seine „Präsenz im weltweiten Gesundheits- und Life-Sciences-Sektor deutlich ausbauen“. Das Startup mit Sitz in Berlin und Montreal (Kanada), 2023 von Karl Moritz Hermann und Marc Bellemare gegründet, entwickelt eine KI-Workbench, die die Datenverarbeitung in der Biopharma-Industrie beschleunigen soll. Tola Capital, Inovia Capital und Mike Volpi investierten zuletzt 11,3 Millionen US-Dollar in Reliant AI. Gründer Hermann wird künftig als VP of AI Verticalizations in Berlin für Cohere. Mitstreiter Bellemare wird VP of Modeling in Montreal. Mehr über Reliant AI
Mistral AI – Emmi AI
+++ Der französische KI-Gigant Mistral AI (Paris) übernimmt das österreichische Startup Emmi AI (Linz). „Laut Branchen-Insidern dürfte der Deal aber zu den größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte zählen – und über jener Übernahme von Runtastic durch Adidas im Jahr 2015 für 220 Millionen Euro liegen“, heißt es bei Brutkasten. Das Startup aus Linz, 2024 vom Knip-Gründer Dennis Just, Johannes Brandstetter und Miks Mikelsons gegründet, setzt auf „Real-Time AI-Driven Industrial Simulation“. Konkret entwickelt das Unternehmen KI-Systeme für Simulationen in der Auto-, Energie- und Halbleiterbranche. Der Wiener Geldgeber 3VC (Jodel, Simpleclub, Avi Medical), der Wiener Early-Stage-Investor Speedinvest, der französische Geldgeber Serena und Push Ventures aus Wien investierten zuletzt 15 Millionen Euro in die Jungfirma. Im Zuge der Übernahme soll die Marke Emmi AI verschwinden. Mehr über Emmi AI
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Erst im März gegründet: Münchner KI-Startup sammelt 1,7 Millionen ein
Während viele noch über KI für Texte oder Präsentationen reden, arbeitet das Münchner Climate-Tech-Startup Invertix an KI-Agenten für Solarparks und Windanlagen. Jetzt verlässt das Unternehmen den Stealth-Modus und sammelt 1,7 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital ein. Angeführt wird die Runde von Vireo Ventures, beteiligt ist außerdem der Italian Founders Fund.
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