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Entwicklung & Code

Warum das Healthtech-Unternehmen Heidi auf den deutschen Markt setzt


Administrative Aufgaben gehören weiterhin zu den größten Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Heidi zeigt, dass eine große Mehrheit der Gesundheitsfachkräfte Verwaltungsarbeit als Belastung für die Patientenversorgung empfindet. Rund ein Drittel der Befragten gibt zudem an, mehr als 40 Prozent ihrer Arbeitszeit für Dokumentation und andere administrative Tätigkeiten aufzuwenden.

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Gleichzeitig ist die Haltung gegenüber künstlicher Intelligenz (KI) weiterhin gespalten. Der Umfrage zufolge sehen Gesundheitsfachkräfte KI im Patientenkontakt nahezu gleich häufig als Chance, als Risiko oder als beides zugleich. Viele Befragte nannten jedoch Dokumentation, Verwaltungsaufgaben und die Strukturierung medizinischer Informationen als Bereiche, in denen KI sinnvolle Unterstützung leisten könnte.

Vor diesem Hintergrund baut das australische Healthtech-Unternehmen Heidi seine Präsenz in Europa aus. Das Unternehmen entwickelt KI-basierte Software für Gesundheitsfachkräfte, darunter ein Dokumentationssystem, das aus klinischen Gesprächen automatisch medizinische Notizen erstellt. Nach Angaben von Heidi unterstützt die Plattform mehr als 110 Sprachen und ist in mehreren Ländern im Einsatz.


Simon Kos

Simon Kos

Dr. Simon Kos ist Chief Medical Officer bei Heidi.

(Bild: Heidi)

Dr. Simon Kos, Global Chief Medical Officer von Heidi, war zuvor Global Chief Medical Officer bei Microsoft und in Führungspositionen bei Cerner und Next Practice beschäftigt. In diesem redaktionell bearbeiteten Interview spricht er über die Rolle Deutschlands bei der internationalen Expansion von Heidi, regulatorische Anforderungen und die Zukunft KI-gestützter Arbeitsabläufe im Gesundheitswesen.

Warum hat Heidi beschlossen, ein spezielles Angebot für Deutschland zu entwickeln? Was macht den deutschen Markt so wichtig?

Simon Kos: Bei Heidi entwickeln wir uns derzeit von unseren Wurzeln als Anbieter von Dokumentationslösungen hin zu einem echten „AI Care Partner“. Der deutsche Markt ist für uns sehr wichtig. Wir sind heute in 190 Ländern aktiv und damit in sehr vielen Märkten vertreten. Deutschland betrachten wir jedoch als einen der reifsten Märkte, wenn es um regulatorische Anforderungen und Compliance geht. Wir sind überzeugt: Wenn wir es in Deutschland richtig machen, können wir es überall auf der Welt richtig machen.

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Heidi erstellt strukturierte klinische Notizen und zeigt Folgeaufgaben an. (Bild:

Heidi

)

Es gibt zwei Arten von KI-Anwendungen im Gesundheitswesen: solche, die bereit sind, sich regulierten Märkten zu stellen, und solche, die das nicht sind. Wir sind weltweit aktiv und können daher frühzeitig auch in weniger regulierten Märkten ausrollen. Gleichzeitig orientieren wir uns stets an den höchsten Qualitätsanforderungen. Deutschland und die britische Arzneimittel- und Medizinproduktebehörde (MHRA) setzen aus unserer Sicht die höchsten Maßstäbe.

Was meinen Sie damit?

Im Vereinigten Königreich hat die MHRA medizinische Dokumentationsassistenten („Scribes“) als Medizinprodukte der Klasse I eingestuft. Für unsere Produkte gilt wahrscheinlich mindestens die Klasse IIa, vermutlich sogar Klasse IIb. Unabhängig davon, in welchem Land wir tätig sind, müssen wir uns an diesen Maßstäben messen lassen.

Wie verläuft der Markteintritt bislang? Gibt es bestimmte Regionen, die für Heidi besonders wichtig geworden sind?

Da Heidi ein Freemium-Modell verfolgt, wurde die Plattform weltweit übernommen. Ehrlicherweise haben wir nicht für jeden einzelnen Anwendungsfall in jedem Land vollständige Transparenz. Wir sehen jedoch sehr genau, wo sich eine kritische Masse an Nutzern bildet.

Obwohl wir in Australien gestartet sind, bleiben Australien und Neuseeland wichtige Märkte. Nordamerika, insbesondere die USA und Kanada, bildet einen weiteren Schwerpunkt. Europa entwickelt sich ebenfalls zu einem solchen Zentrum. Inzwischen haben wir drei oder vier Kernregionen weltweit.

Stehen Ärztinnen, Ärzte und andere Gesundheitsfachkräfte weltweit vor ähnlichen Herausforderungen?

Es gibt definitiv gemeinsame Muster. Weltweit hat die Digitalisierung dazu geführt, dass Gesundheitsfachkräfte weniger Zeit mit Patientinnen und Patienten und mehr Zeit mit Computern verbringen. Zu viel Arbeitszeit fließt in die Administration und Dokumentation.

Unser gemeinsames Ziel besteht darin, mithilfe von Technologie diese Tätigkeiten mit geringem Mehrwert zu reduzieren und Zeit sowie Aufmerksamkeit wieder der Patientenversorgung zu widmen. Gleichzeitig ist jede Region anders. Wir unterstützen 110 Sprachen, und dabei geht es nicht nur um Übersetzung. Im Deutschen müssen wir beispielsweise geschlechtersensible Sprache berücksichtigen. In Europa spielen zudem Akzente eine wichtige Rolle. Hinzu kommen Situationen, in denen während einer Konsultation mehrere Sprachen gesprochen werden.

Ferner unterscheiden sich die Gesundheitssysteme selbst erheblich. Jedes Land organisiert seine Versorgung anders. Deshalb wird die Integration in lokale Praxisverwaltungssysteme und elektronische Patientenakten so wichtig.

Australien gehörte zu den ersten Märkten, die Ambient AI eingeführt haben. Welche Erfahrungen haben Sie dort gesammelt?

Ambient Scribing hat im Jahr 2024 wirklich Fahrt aufgenommen. Schon heute sehen wir, dass diese Technologie zunehmend als selbstverständlicher Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung betrachtet wird. Wir sind überzeugt, dass dies die Zukunft des Gesundheitswesens ist.

Ob in der Primärversorgung oder im Krankenhaus: Das Erfassen gesprochener Gespräche – zwischen medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten oder auch zwischen Fachkräften untereinander – wird zunehmend zur Standardmethode der Dokumentation werden.

Interessant ist dabei, dass diese Technologie nicht von einer vollständig digitalisierten Infrastruktur abhängt. Selbst in Umgebungen ohne umfassende elektronische Patientenakten nutzen Menschen die automatisch erzeugten Notizen, drucken sie aus und versenden sie teilweise sogar per Fax. Die Einführung erfolgt unabhängig vom Reifegrad der zugrunde liegenden Systeme.

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen den Ländern?

Die Regulierung ist wahrscheinlich der wichtigste Faktor. Deutschland befindet sich hinsichtlich Governance- und Compliance-Anforderungen am oberen Ende der Skala. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern existieren solche Rahmenbedingungen dagegen noch nicht. Die USA sind vergleichsweise liberal, Australien liegt irgendwo dazwischen.

Der zweite Faktor ist die Kultur und die Bereitschaft, neue Technologien anzunehmen. Besonders hohe Akzeptanz beobachten wir in den USA, weil dort erhebliche Dokumentationsanforderungen mit der Abrechnung medizinischer Leistungen verbunden sind. Auch in öffentlich finanzierten Gesundheitssystemen gibt es Verwaltungsaufwand, aber häufig in geringerem Ausmaß.

Hinzu kommen Datenverarbeitung und Datensouveränität. Wir bei Heidi sind der Ansicht, dass Informationen lokal gespeichert und lokal verarbeitet werden sollten. Nicht alle Anbieter verfolgen diesen Ansatz.

Der Markt für Ambient AI ist inzwischen stark umkämpft. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Wettbewerbs?

Ich habe vor meinem Wechsel zu Heidi 15 Jahre bei Microsoft gearbeitet und kenne diese Welt daher sehr gut. In verschiedenen Märkten treten unterschiedliche Wettbewerber auf, aber es gibt nur wenige wirklich globale Anbieter. Microsofts Dragon Copilot gehört sicherlich dazu. Auch Corti leistet interessante Arbeit.

Was Heidi etwas unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir nicht nur ein KI-Dokumentationsassistent sind. Unser Evidence-Produkt ist ebenfalls in Deutschland verfügbar, und unser Hardware-Angebot wird bald folgen.

In manchen Bereichen konkurrieren wir direkt mit anderen Anbietern, in anderen lösen wir andere Probleme. Es ist ein extrem dynamischer Markt. Allein in den vergangenen zwei Jahren hat sich enorm viel verändert. In Australien gibt es beispielsweise inzwischen mehr als ein Dutzend Anbieter von KI-gestützten Dokumentationslösungen.

Wir beobachten häufig dasselbe Muster: Zunächst versuchen Gesundheitssysteme, eigene Lösungen zu entwickeln. In Neuseeland gab es etwa ein Produkt namens TUI, weil die Unterstützung der Māori-Sprache wichtig war. Singapur entwickelte eine eigene Lösung aufgrund der Vielzahl lokaler Dialekte.

Langfristig wenden sich Organisationen jedoch meist von Eigenentwicklungen ab und greifen auf kommerzielle Anbieter zurück. Lokale Nischenanbieter bleiben bestehen, gleichzeitig entstehen zunehmend globale Plattformen.

Datenschutz und Datensouveränität sind in Europa zentrale Themen. Wie geht Heidi damit um?

Wir orientieren uns an den höchsten Standards beim Schutz personenbezogener Daten. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Europa und insbesondere in Deutschland setzt sehr hohe regulatorische Maßstäbe.

Wir entwickeln unsere Lösungen mit Blick auf diese Anforderungen und stellen dieselben Funktionen anschließend weltweit bereit – auch in Märkten, in denen lokale Vorschriften weniger streng sind. Datensouveränität ist für uns wichtig. In Australien war das nicht nur eine ideologische Frage, sondern auch eine praktische. Aufgrund unserer geografischen Lage wollten wir Daten möglichst nahe am Nutzungsort hosten. Außerdem wollten wir nicht von benachbarten Rechtsräumen abhängig sein.

Deshalb wurde Heidi von Anfang an nach dem Prinzip der Datensouveränität entwickelt. Wo immer wir tätig sind, stellen wir sicher, dass Daten in räumlicher Nähe zu ihrem Einsatzort gespeichert werden.

Was bedeutet das konkret für Deutschland?

Deutschland hat traditionell eine starke Präferenz für die Speicherung von Daten im eigenen Land. Unsere Rechenzentren für Deutschland befinden sich in Frankfurt. Daten werden lokal erfasst, lokal gespeichert, lokal verarbeitet und verlassen diesen Bereich nicht.

Das ist für Deutschland besonders wichtig. Andere Länder legen weniger Wert darauf, solange die Dienste zuverlässig funktionieren und hohe Sicherheitsstandards gewährleistet sind. Deutschland misst der Datensouveränität jedoch seit jeher eine besondere Bedeutung bei.

Viele europäische Organisationen sorgen sich wegen US-Gesetzen wie dem CLOUD Act. Spielt das für Ihre Positionierung eine Rolle?

Der CLOUD Act ist definitiv Teil der Diskussion. Wenn ein Dienstleister ein US-Unternehmen ist, kann er entsprechenden Anforderungen unterliegen. Wir selbst sind aber kein US-Unternehmen.

Trotzdem bleibt Sicherheit ein zentrales Thema. Wir nutzen die Infrastruktur großer Cloud-Anbieter wie AWS, Microsoft Azure und Google Cloud. Diesen Anbietern vertrauen wir, weil sie enorme Investitionen in Sicherheit tätigen und sehr hohe Standards einhalten.

Interoperabilität bleibt eine große Herausforderung im Gesundheitswesen. Viele Softwareanbieter zögern weiterhin, ihre Systeme zu öffnen. Wie sehen Sie dieses Problem?

Das ist weltweit ein verbreitetes Problem. Das Interessante daran ist, dass es in der Regel kein technisches Problem ist. Es geht um Geschäftsmodelle, wirtschaftliche Interessen und teilweise auch um Ängste. Historisch gesehen kontrollierten diejenigen Organisationen, die die Patientenakte verwalteten, auch die Benutzererfahrung. Heute gewinnen KI-Unternehmen zunehmend die Aufmerksamkeit und Arbeitszeit der Gesundheitsfachkräfte, und dadurch verändern sich die Kräfteverhältnisse.

Viele Anbieter elektronischer Patientenakten entwickeln inzwischen eigene KI-Produkte – Dokumentationsassistenten, Evidenzsysteme, Abrechnungswerkzeuge oder Lösungen zur Workflow-Orchestrierung. Entsprechend besteht häufig der Wunsch, Nutzerinnen und Nutzer im eigenen Ökosystem zu halten, statt fremde Lösungen zu integrieren.

Ist Heidi bereit, sich umfassend zu integrieren?

Absolut. Das ist für uns sehr wichtig. Heidi ist nicht als langfristiges Primärsystem für medizinische Daten konzipiert. Wir begleiten die Konsultation, hören zu, erstellen Transkripte und erzeugen Dokumentationsartefakte wie klinische Notizen, Facharztbriefe oder Patienteninformationen.

Wir möchten diese Informationen jedoch nicht dauerhaft speichern. Sie gehören in die elektronische Patientenakte oder das jeweilige Praxisverwaltungssystem.

Deshalb wollen wir eng mit Anbietern von Praxisverwaltungssystemen und elektronischen Patientenakten zusammenarbeiten. Sie sind für die langfristige Führung der Patientenakte verantwortlich.

Heidi bietet neben kostenpflichtigen Abonnements auch eine kostenlose Version an. Welche Überlegung steckt hinter diesem Modell?

Wir sind überzeugt, dass diejenigen, die dafür bezahlen können, dies auch tun sollten. Gleichzeitig wollen wir die globale Versorgungskapazität im Gesundheitswesen verdoppeln.

Die kostenlose Version bietet einen grundlegenden Funktionsumfang. Dafür setzen wir kostengünstigere Modelle ein, bieten weniger Anpassungsmöglichkeiten und einen eingeschränkten Support.

Die kostenpflichtige Version liefert ein deutlich umfangreicheres Nutzungserlebnis. viele Fachärztinnen und Fachärzte möchten beispielsweise, dass Berichte ihren persönlichen Stil und ihre eigene Ausdrucksweise widerspiegeln. Mit den kostenpflichtigen Angeboten lassen sich Vorlagen und Arbeitsabläufe wesentlich stärker individualisieren.

Monetarisieren Sie die Daten in irgendeiner Form?

Derzeit monetarisieren wir keine Daten. Wir trainieren unsere Modelle nicht mit Patientendaten. Diese Daten gehören der jeweiligen Gesundheitseinrichtung oder der behandelnden Fachkraft. Unser Geschäftsmodell basiert auf Abonnements – sowohl für einzelne Nutzerinnen und Nutzer als auch für Unternehmenskunden.

Welche KI-Modelle kommen bei Heidi zum Einsatz?

Wir verwenden einen Mix verschiedener Modelle. Wir haben mit kommerziellen Modellen begonnen und mehrere davon nutzen wir weiterhin. Gleichzeitig trainieren und verfeinern wir auch eigene Modelle.

Das ist ein bewegliches Ziel, weil sich die Technologie so schnell weiterentwickelt. Wir evaluieren kontinuierlich, welche Modelle sich für bestimmte Anwendungsfälle am besten eignen.

Warum setzen Sie nicht vollständig auf Open Source?

Open-Source-Modelle kommen durchaus zum Einsatz, insbesondere jene, die wir selbst trainiert und angepasst haben. Letztlich hängt die Entscheidung immer von Leistung, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit ab. Unterschiedliche Produkte erfordern unterschiedliche Fähigkeiten. Deshalb wählen wir jeweils das Modell, das für die konkrete Aufgabe am besten geeignet ist.

Wie stellen Sie klinische Qualität und Sicherheit sicher?

Genau dafür haben wir unser Team für medizinisches Wissen, klinische Sicherheit und Inhalte. Viele Mitglieder dieses Teams sind Ärztinnen, Ärzte oder verfügen über einen klinischen Hintergrund.

Sie entwickeln die Leitplanken für die Modelle. Unabhängig davon, ob wir eigene oder kommerzielle Modelle einsetzen, verfügen wir über mehrere Prüf- und Validierungsebenen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse sicher und klinisch angemessen sind.

Abschließend: Was ist Ihre übergeordnete Vision für Heidi?

Unsere Mission besteht darin, die weltweite Versorgungskapazität im Gesundheitswesen zu verdoppeln. Wir sehen im Gesundheitswesen eine enorme Menge unsichtbarer Arbeit, die Zeit und Energie bindet, ohne unmittelbar zur Patientenversorgung beizutragen. Überall dort, wo wir kognitive Belastungen oder administrativen Aufwand erkennen, prüfen wir, ob Technologie helfen kann.

Letztlich ist das Ziel einfach: Zeit und Aufmerksamkeit wieder der Versorgung von Patientinnen und Patienten zu widmen. Daran orientiert sich jedes Produkt, das wir entwickeln.

Das Interview wurde ursprünglich auf Englisch geführt.


(mack)



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Software Testing: Was KI mit Vertrauen und Teamgefüge wirklich anrichtet


Wie wirkt sich KI auf Teams aus? Mit Jasmine Simons-Zahno spricht Richard Seidl darüber, wie der zunehmende KI-Einsatz unser soziales Miteinander verändert: Kommunikation wird sachlicher, Vertrauen erodiert langsam, und das soziale Lernen, das gerade junge Menschen am Anfang ihrer Karriere brauchen, findet schlicht nicht mehr statt.

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Jasmine Simons-Zahno erklärt, warum Reibung im Team kein Fehler ist, sondern eine Voraussetzung für Innovation, und warum der Allwissende in der Tasche uns gegenüber anderen glatter, aber nicht vertrauenswürdiger macht. Ihr Vorschlag klingt einfach, braucht aber echte Entscheidung: KI wie ein neues Teammitglied integrieren, also mit klaren Rollen, expliziten Vereinbarungen und dem Bewusstsein, dass dieser Aufwand kein Nice-to-have ist.


Richard Seidl

Richard Seidl

Richard Seidl ist Berater, Speaker und Podcast-Host. Für ihn ist klar: Wer heute exzellente Software kreieren möchte, denkt den Entwicklungsprozess ganzheitlich: Menschen, Kontext, Methoden und Tools. Er hat seine Erfahrungen in acht Fachbüchern veröffentlicht, betreibt erfolgreich zwei Community-Podcasts und ist Beirat der heise-Konferenz betterCode() Testing.

„Es gibt eine hohe Korrelation zwischen Vulnerabilität und Likeability.“ – Jasmine Simons-Zahno

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.

Jasmine Simons-Zahno brennt für die menschliche Seite der Produktentwicklung. Sie coacht mit Leichtigkeit, Leidenschaft und Anspruch in Führungskontexten beliebiger Flughöhen in Unternehmen verschiedenster Größen. Ihre Stärke ist es, authentischer Spiegel für Menschen zu sein, die sich entwickeln dürfen, aber dem Ruf dazu gerade noch allzu gerne ausweichen möchten. Als Mitgründerin der Agile Growth, dreifache Mutter und ambitionierte Hobby-Köchin lässt sie nichts anbrennen.

Dieses Format fokussiert sich auf Softwarequalität: Ob Testautomatisierung, Qualität in agilen Projekten, Testdaten oder Testteams – Richard Seidl und seine Gäste betrachten die Dinge, die die Qualität in der Softwareentwicklung steigern.

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Die aktuelle Episode ist auch auf Richard Seidls Blog verfügbar.


(mai)



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Rust startet kommerzielles Netzwerk | heise online


Die gemeinnützige Rust Foundation hat als Trägerorganisation für die Programmiersprache Rust das Rust Commercial Network (RNC) gestartet. In diesem organisieren sich industrielle und kommerzielle Anwender. Ziel ist es, den Austausch unter ihnen zu fördern, Interessen zu bündeln, mit dem Rust-Projekt zu kommunizieren und finanzielle Quellen zu erschließen.

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Die Rust Foundation begründet den Schritt mit der steigenden Bedeutung von Rust. Die Sprache hat sich „von einer vielversprechenden zu einer Last tragenden Sprache“ gewandelt. Sie arbeitet im Kern von Betriebssystemen, Cloud-Plattformen, Automotive-Systemen und der öffentlichen Infrastruktur. Organisationen, die sich auf Rust verlassen, sollen „ihre realen Erfahrungen in eine konstruktive Kraft für die Sprache und ihre Maintainer wandeln“.

Die kostenlose Mitgliedschaft steht offen für professionelle Anwender, Firmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen. Aber kommerzielle Mitglieder sollen durchaus „sinnvolle Möglichkeiten finden, das Rust-Projekt finanziell zu unterstützen“.

Zu den Gründungsteilnehmern gehören Amazon, ARM, Canonical, Google, JetBrains, Microsoft und OpenAI. Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig, bilden Arbeitsgruppen, veröffentlichen Dokumente und Empfehlungen. Mit dabei sind auch immer Mitglieder der Foundation und des Projekts. Neben Treffen in Persona gibt es einen Zulip-Chat.

Das Rust Team erhofft sich strukturierte Informationen über Anwenderbedürfnisse im produktiven Einsatz, während die RCN-Mitglieder in engem Kontakt zum Team ihren Einfluss geordnet und koordiniert ausüben. Interessenten können sich über die GitHub-Seite des RCN bewerben.

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(who)



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Cloudflare: Eigene OAuth-Apps jetzt für alle Entwickler


Cloudflare öffnet sein OAuth-Ökosystem für alle Kunden, unter dem Namen Self-managed OAuth. Unternehmen und Entwickler können nun eigene OAuth-Anwendungen anlegen, die auf ihr Cloudflare-Konto zugreifen dürfen, und damit Integrationen auf Basis der Cloudflare-API bauen. Bislang stand Third-Party-OAuth nur für wenige, manuell zugelassene Partner zur Verfügung. Wer eigene Anbindungen entwickeln wollte, musste meist auf API-Tokens ausweichen, die für delegierte Zugriffe oft weniger geeignet sind und sich schlechter verwalten lassen.

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OAuth ist ein Standard, mit dem eine Anwendung im Namen eines Nutzers auf begrenzte Ressourcen zugreift, ohne dessen Passwort zu erhalten. Das Verfahren nutzt Zustimmungsdialoge, begrenzt Berechtigungen (Scopes) und ermöglicht es Anwendern, erteilte Zugriffe zentral zu widerrufen.

Cloudflare begründet in seinem Blog die Öffnung mit dem gewachsenen Bedarf der Entwicklerplattform. Da immer mehr Kunden Integrationen, Automatisierungen und agentische Werkzeuge nutzen, ist ein delegierter Zugriff für SaaS-Anbindungen und interne Entwicklerplattformen wichtiger geworden.

Parallel zur Öffnung hat Cloudflare die Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen ausgebaut. Dazu gehören ein präziserer Zustimmungsdialog, eine bessere Sichtbarkeit der App-Inhaberschaft zur Abwehr von Phishing sowie eine zentrale Widerrufsfunktion im Dashboard.

Die Freigabe erforderte tiefgreifende Änderungen an der OAuth-Infrastruktur. Cloudflare setzt weiterhin auf die Open-Source-Engine Hydra, musste jedoch auf eine neuere Version migrieren. Der Anbieter teilte den Umbau in zwei Schritte auf: erst ein Upgrade auf die aktuelle 1.x-Reihe, danach der Wechsel auf 2.x.

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Das erste Upgrade brachte technische Hürden mit sich. Die Datenbankmigrationen hätten Tabellen zeitweise exklusiv gesperrt und damit laufende OAuth-Operationen blockiert. Cloudflare passte deshalb die SQL-Migrationen an, nutzte CREATE INDEX CONCURRENTLY und änderte die Abfragen der Hydra-SDKs, um deserialisierungsanfällige SELECT *-Operationen zu vermeiden.

Für den größeren Sprung auf 2.x wählte Cloudflare ein Blue-Green-Verfahren. Dabei lief die neue Version auf einer Kopie der Produktionsdatenbank parallel. Erst nach Abschluss der Migration schaltete der Betreiber um. Um Datenverlust während der Übergangsphase zu verhindern, fing Cloudflare Widerrufe über eine Queue ab und spielte diese nach dem Umschalten in die neue Umgebung zurück.

Nach dem Wechsel auf 1.x registrierte Cloudflare vermehrt Fehler bei Refresh Tokens. Die Ursache lag in einem strengeren Verhalten der neuen Version: Wurde ein Refresh Token erneut verwendet, invalidierte Hydra die gesamte Kette aus Zugriffs- und Refresh-Token. Dies betraf insbesondere Clients mit hoher Anfragefrequenz wie Wrangler und MCP-Clients. Cloudflare fing dies vorübergehend in einem Worker ab, der den OAuth-Verkehr weiterleitet: Doppelte Refresh-Versuche werden dort kurz gepuffert und nicht an Hydra durchgereicht.

Auch der Wechsel auf 2.x verlief nicht völlig reibungslos. Ein Bereinigungsjob im Autorisierungsdienst löschte OAuth-Policy-Daten zu aggressiv. Ursache davon war eine fehlerhafte Hydra-Migration, die den Zustand gültiger Sitzungen beschädigte. Dies führte zu abweichenden Bewertungen zwischen Hydra und dem Autorisierungsdienst, was sich in gehäuften 403-Fehlern äußerte. Cloudflare spielte daraufhin Daten zurück und optimierte das Autorisierungsverhalten.

Mit dem Abschluss der Migration läuft der OAuth-Verkehr nach Angaben des Unternehmens stabiler und performanter. Das Live-System basiert nun auf derselben Grundlage wie die neueren OAuth-APIs, die Cloudflare bereits zuvor in der Staging-Umgebung validiert hatte. Kunden können jetzt ohne Sonderfreigabe eigene OAuth-Apps anlegen und Integrationen auf dieser Basis entwickeln.

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(fo)



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