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Künstliche Intelligenz

Der rote Punkt auf dem Preisschild – Die Fotonews der Woche 4/2026


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Halten Sie sich fest, denn die Nachricht hat es in sich: Die Leica Camera AG, der heilige Gral der deutschen Ingenieurskunst und für viele der Inbegriff der Fotografie, könnte bald einen neuen Mehrheitseigner haben. Der Finanzinvestor Blackstone, der derzeit 45 Prozent der Anteile hält, prüft Berichten zufolge einen Verkauf seines Pakets. Der geschätzte Wert für diese Anteile? Schlappe 1,2 Milliarden US-Dollar.

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Das Titelbild der Ausgabe 01 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

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Bevor jetzt aber alle Leica-Jünger in kollektive Ohnmacht fallen: Das ist kein Notverkauf. Im Gegenteil. Leica geht es blendend, die Umsätze sind auf Rekordniveau. Blackstone ist ein Investor, und Investoren tun, was Investoren eben tun: kaufen, den Wert steigern und dann mit Gewinn wieder verkaufen. Das ist ungefähr so überraschend wie die Tatsache, dass Wasser nass ist. Blackstone stieg 2011 ein, und nach über einem Jahrzehnt ist es aus reiner Finanzsicht einfach an der Zeit, Kasse zu machen.

Viel wichtiger für die Seele der Marke: Die Familie Kaufmann, Nachfahren des Gründers, die einen wesentlichen Anteil an Leica hält, bleibt an Bord. Das ist die eigentliche Beruhigungspille für alle, die fürchten, Leica könnte plötzlich anfangen, günstige Plastikkameras mit Einhorn-Aufklebern zu produzieren. Die Hüter des Erbes bleiben also am Ruder, was für Kontinuität und die Wahrung der Markenidentität spricht.

Jetzt schießen die Spekulationen natürlich ins Kraut, und das ist der unterhaltsame Teil. Wer legt über eine Milliarde Dollar für einen Kamerahersteller auf den Tisch, dessen Produkte für Normalsterbliche oft so erreichbar sind wie ein Wochenendhaus auf dem Mars?

  • Ein Luxuskonzern? Man stelle sich vor, LVMH oder Kering schnappen zu. Bald gäbe es dann vielleicht die „Louis Vuitton Monogram M12“ oder eine „Gucci Edition“ mit dem typischen grün-roten Streifen am Kameragurt. Klingt absurd? Vielleicht. Aber Leica ist längst mehr als nur eine Kamera, es ist ein Luxus-Accessoire, ein Statement.
  • Ein Tech-Gigant? Die Vorstellung, dass Apple sich Leica einverleibt, um das iPhone-Kameramodul endlich mit „Designed by Leica in Wetzlar“ labeln zu können, hat einen gewissen Reiz, ist aber wohl eher Stoff für feuchte Tech-Träume.
  • Ein anderer Kamerahersteller? Extrem unwahrscheinlich. Canon, Sony oder Nikon werden sich hüten, eine derart eigenständige und hochpreisige Marke zu kannibalisieren. Das wäre, als würde Ferrari versuchen, Rolls-Royce zu schlucken – zwei völlig unterschiedliche Philosophien.

Am wahrscheinlichsten ist, dass ein anderer, langfristig orientierter Investor oder ein sogenannter „Family Office“ Fonds einsteigt, der den Wert der Marke versteht und ihn pflegen will. Für uns Fotografen wird sich kurzfristig also vermutlich wenig ändern. Die Preise werden nicht plötzlich purzeln und eine „Volks-Leica“ für 500 Euro wird ein Traum bleiben. Aber die Diskussion allein zeigt, welche enorme Strahlkraft dieser kleine rote Punkt auch im Jahr 2026 noch besitzt.

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Ein Künstler erklärt die Wahrheit in der Fotografie für beendet, und die alten Hasen des Journalismus laden ihre Argumente durch. Die KI zwingt uns, über das Wesen der Fotografie und unserer Bilder neu nachzudenken.

Hand aufs Herz, liebe Leserinnen und Leser, wann haben Sie das letzte Mal ein Bild gesehen und ohne den geringsten Zweifel gedacht: „Ja, genau so war das“? Wenn es nach dem Konzeptkünstler Phillip Toledano geht, sollten wir uns von diesem Gedanken am besten ganz verabschieden. In einem viel beachteten Meinungsbeitrag für die Washington Post proklamiert er kurzerhand das Ende der „Fotografie als Wahrheit“. Nach 150 Jahren, in denen die Kamera als eine Art Realitäts-Zertifikat galt, sei diese Ära nun vorbei. Wir lebten jetzt im Zeitalter des „historischen Surrealismus“. Eine philosophische Befreiung, meint er.

Als erfahrener Technik- und Fotografie-Journalist zuckt man da erst mal mit den Schultern. Bildmanipulation? Gab es schon, als man noch mit Chemikalien in Dunkelkammern panschte, die heute als Sondermüll gelten würden. Aber Toledanos Argumentation, befeuert durch die schier unendlichen Möglichkeiten generativer KI, hat eine neue, beunruhigende Qualität. Er schlägt vor, dass wir uns einfach damit abfinden. Die Wahrheit sei eben nicht mehr universell, sondern lokal und verhandelbar. Eine interessante Provokation für die Kunstwelt, aber für jeden, der Wert auf visuelle und foto-journalistische Beweise legt, klingt das wie eine Kapitulationserklärung.

Wenig überraschend ließ der Widerspruch nicht lange auf sich warten. Mickey H. Osterreicher, seines Zeichens Justiziar der National Press Photographers Association (NPPA), feuerte in einem Leserbrief an die gleiche Zeitung zurück. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Von wegen „philosophische Befreiung“! Die Glaubwürdigkeit von Fotos basiere auf professionellen Normen, Transparenz und Konsequenzen. Sie seien Beweismittel vor Gericht, in Redaktionen und im öffentlichen Diskurs. Osterreicher warnt davor, dieses Fundament einfach aufzugeben. Für den Journalismus, so schließt er scharf, sei „Bedeutung ohne Glaubwürdigkeit nicht Befreiung. Es ist Kapitulation.“ Bumm. Das hat gesessen.

Noch deutlicher wird der preisgekrönte Fotojournalist Brian Palmer, der mehr Konflikte und Krisenherde durch seine Linse gesehen hat, als den meisten von uns lieb ist. Er nennt Toledanos Geschichtsdeutung schlicht „armselig“. Wahrheit, die durch Untersuchung und Beweise gefunden wird, habe Gesellschaften gedient. „Wahrheit“, die durch die Leugnung der Realität erzwungen wird, zerstöre sie. Sein entscheidender Punkt: Wir Fotojournalisten sind für unsere Arbeit verantwortlich. Wir sind vor Ort. Eine generative KI ist es nicht. Sie ist eine „undurchsichtige, digitale Black Box“, die aus Befehlen und Daten hyperreale Fiktionen bastelt.

Und hier, liebe Leserinnen und Leser, liegt der Kern des Problems. Es ist verlockend, im Angesicht der KI-Bilderflut die Flinte ins Korn zu werfen. Aber was wäre die Konsequenz? Wenn wir nicht mehr glauben, was wir sehen, wer profitiert davon? Sicher nicht die Öffentlichkeit, die auf verlässliche Informationen angewiesen ist. Es profitieren diejenigen, die schon immer ein Interesse daran hatten, die Realität zu verbiegen, Fakten zu leugnen und ihre eigene „Wahrheit“ durchzusetzen.

Die Antwort kann also nicht sein, die Fotografie als Wahrheitsmedium abzuschreiben. Im Gegenteil: Wir müssen unsere Gehirnzellen für kritisches Denken trainieren. Wir brauchen dringend Standards für die Kennzeichnung von Bildern, für die Nachverfolgung ihrer Herkunft und eine noch größere Rechenschaftspflicht für diejenigen, die sie erstellen und verbreiten. Die KI macht die Fotografie nicht machtlos, sie zwingt uns lediglich, genauer hinzusehen, zu hinterfragen und zu verifizieren. Alles aufzugeben, wäre nicht nur verantwortungslos, es wäre ein Geschenk an die Falschen.


(tho)



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Menschliche Blähungen: Forscher messen deutlich mehr „Ereignisse“ als gedacht


Heiße Luft wird bekanntlich vielerorts produziert. Forscher der Universität Maryland haben jetzt aber buchstäblich Wind davon bekommen, dass dies deutlich häufiger der Fall ist als bislang angenommen. Im Schnitt gehen pro Tag 32 Blähungsereignisse vom Menschen aus. Bislang wurde angenommen, dass es 14-mal täglich Rückenwind gibt. Ermöglicht hat diese Erkenntnis ein Sensor, den die Forscher entwickelt haben. Dieser wird an der Unterwäsche befestigt und misst die Darmgase.

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WTF

WTF

Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Der Sensor detektiert hierzu Wasserstoffgas. Während manche beim Thema Blähungen zuerst an Methan denken, sind es in Wirklichkeit die Wasserstoffemissionen, die die Blähung verraten – egal ob als stille Post oder als lautes Darmgewitter. Wasserstoff entsteht, wenn Darmbakterien Kohlenhydrate fermentieren. Bisherige Studien stützten sich auf Patiententagebücher, Labortests oder kurze klinische Beobachtungen, wie die Originalstudie zeigt. Der Sensor zeigte hingegen auch an, ob nachts und in anderen Alltagssituationen die Luft rein ist.

Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsprojekts namens „Human Flatus Atlas“. Es geht dabei darum, die normale Gasproduktion über verschiedene Personen, Ernährungsweisen und Mikrobiome hinweg zu kartieren.

Die Spanne der Auslassungen lag den Forschern zufolge zwischen vier und 59 „Ereignissen“ pro Tag. Die Probanden selbst waren keine verlässlichen Ansprechpartner – ihre Selbstauskünfte hätten sich im Vergleich zum Gassensor als hochgradig unzuverlässig erwiesen. Was die Forscher auch feststellten: Einige Menschen seien „Wasserstoff-Hyper-Produzenten“, andere produzieren hingegen trotz ballaststoffreicher Ernährung überraschend wenig Gas.

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Doch allen Späßchen zum Trotz dienen Sensor und Forschung einem guten Zweck: Ziel ist es, ein besseres Verständnis von Magen-Darm-Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom und Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu gewinnen. Bei diesen ist übermäßige Gasproduktion ein Symptom. Diese war bislang aber schwer messbar.


(mki)



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GeForce: Nvidias aktuelle Sicht auf Gamer


Die Eröffnungsrede vom Nvidia-Chef Jensen Huang zur Hausmesse GTC 2026 verdeutlicht, wie weit sich die Firma inzwischen von ihrem einstigen Kerngeschäft Gaming distanziert hat. Huang sagte zu Beginn der Präsentation (nach der Wartemusik ab Minute 46:00):

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„Ich weiß, wie viele von euch mit GeForce aufgewachsen sind. GeForce ist Nvidias größte Marketingkampagne. Wir gewinnen zukünftige Kunden schon lange, bevor ihr es euch selbst leisten könnt. Eure Eltern haben dafür bezahlt, dass ihr Nvidia-Kunden werdet. Und jedes einzelne Jahr haben sie weiter dafür bezahlt. Jahr für Jahr für Jahr, bis ihr eines Tages zu hervorragenden Informatikern geworden seid und zu richtigen Kunden, zu richtigen Entwicklern. Das ist das Haus, das GeForce geschaffen hat.“

Nur jemand, der sich selbst eine Grafikkarte leisten kann, ist demnach ein „richtiger Kunde“. Der Fokus liegt offensichtlich auf Kunden, die mit einer Nvidia-GPU nicht spielen, sondern damit entwickeln.

Schon in einem kurzen Video zum 25. Jubiläum der GeForce 3 resümierte Huang: „Ohne GeForce gäbe es kein CUDA, ohne CUDA gäbe es keine KI, ohne KI gäbe es kein Heute.“ CUDA ist Nvidias Verbund aus GPU-Architektur und Programmierschnittstelle, auf den das eigene KI-Ökosystem ausgelegt ist. Token sieht Huang als umfassende Währung für Unternehmen, die Wachstum ermögliche.

Die stiefmütterliche Behandlung von Spielern zeichnete sich schon bei der Vorstellung der RTX-5000-Serie ab. Bis auf die GeForce RTX 5090 sind die Neulinge nur moderat schneller als die 4000er-Vorgängerinnen. Nvidia differenziert die verschiedenen Generationen zusätzlich über KI-Funktionen, etwa die RTX-5000-exklusive mehrfache Multi-Frame-Generation (MFG), also künstliche Bilder zwischen normal gerenderten.

Auf der GTC 2026 stellte Nvidia DLSS 5 mit Neural Rendering vor, das künstliche Intelligenz tiefer in ein Spiel verankert. Die gezeigten Spielszenen werden aber auch als KI-Slop kritisiert, weil Figuren einen KI-Look erhalten.

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Aus wirtschaftlicher Sicht ist Nvidias Fokus auf KI derweil nachvollziehbar. Im letzten Quartal machte die Firma mit KI-Beschleunigern und Server-Hardware mehr als 62 Milliarden US-Dollar Umsatz. GeForce-Grafikkarten kamen nur auf sechs Prozent davon: 3,7 Milliarden US-Dollar. Die Schere dürfte dieses Jahr noch weiter auseinandergehen.

Mit dem neuen ARM-Prozessor Vera will Nvidia auch verstärkt reine CPU-Systeme für Rechenzentren verkaufen. Huang glaubt, dass CPUs zu einem Milliardengeschäft für Nvidia heranwachsen könnten. Auch sie würden dann potenziell GeForce-Grafikkarten überholen.


(mma)



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Zahlen, bitte! Stimmt so: Das Drei-Millionen-Dollar-Trinkgeld


Wer sich mit dem Thema Trinkgeld beschäftigt, kennt die Geschichte von dem Lottoschein, den der Polizist Robert Cunningham und die Kellnerin Phyllis Penzo im März 1984 gemeinsam ausfüllten. Cunnigham versprach ihr die Hälfte des möglichen Gewinns als Trinkgeld — und hielt Wort, als er sechs Millionen US-Dollar in der Lotterie gewann.

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Penzo arbeitete in Yonkers (New York) in einer Pizzeria, die gern von Polizeibeamten besucht wurde und war mit Cunningham befreundet. Sie hatte die Lottoschein-Vereinbarung längst vergessen, als Cunningham sie später kontaktierte und sagte, dass der gemeinsam ausgefüllte Lottoschein einen Gewinn von sechs Millionen Dollar einbrachte, und ihr somit ein Trinkgeld von drei Millionen Dollar zustand. Die drei Millionen, die Penzo bekam, schrumpften in dem von dem Fall inspirierten Spielfilm zu „2 Millionen Dollar Trinkgeld“. Er war ohnehin nicht realistisch. Denn anders als im Film lebten Penzo und Cunningham nach dem Gewinn einfach weiter mit ihren jeweiligen Partnern zusammen.


Bitte Zahlen

Bitte Zahlen

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

Die wahre Begebenheit wiederholte sich nach dieser Aufstellung im Jahre 1995 in Kanada, als ein Gast und seine Kellnerin jeweils umgerechnet 92.350 Dollar gewannen. In die Liste der wundersamen Verteilung von Trinkgeldern gehören auch die 10.000 Dollar Trinkgeld für ein einziges Glas Wasser, die der YouTuber Mr. Beast anlässlich einer Kampagne für sauberes Trinkwasser weltweit einer studentischen Aushilfe hinterließ. Sie teilte das Geld unter den mehr als 80 Angestellten des Schnellrestaurants auf.

Ursprünglich war das Trinkgeld eine kleine Summe, um einen Trunk zum Wohle des Geldgebers zu bezahlen. Diese Sitte gab es in vielen Ländern, wie es Benennungen wie Pourboire im Französischen oder Drikkepenge im Dänischen belegen. Heute ist es umgedreht und zeigt die Wertschätzung für den Empfänger, für eine Dienstleistung wie bei einem guten Service in einem Restaurant. Obwohl die Deutschen im internationalen Vergleich recht geberfreundlich sind und meistens 10 Prozent auf eine Rechnung als Trinkgeld aufaddieren, ist dieses „Schwarzgeld“ nun angeblich in Gefahr.



Das Trinkgeld zählen wie diese New-Yorker-Barista-Barkraft konnte Frau Phyllis Penzo nicht: Erst verschwand der Kunde mit einem gemeinsam ausgefüllten Los, dann kam er später wieder mit einer Summe, die man händisch kaum zählen kann.

(Bild: CC BY-SA 3.0, Tennekis)

Eine neue Umfrage spricht von einer Trinkgeld-Erosion. Sie macht dafür die Trinkgeldtaste bei der Kartenzahlung verantwortlich, weil sie häufig mehr als die besagten 10 Prozent vorschlägt und das Geben oder eben Nicht-Geben von Trinkgeld kompliziert. Nach der Umfrage (PDF-Datei) der Hochschule Fresenius erodieren klassische Trinkgeld-Normen.

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Einen Beitrag zur Erosion liefert die Trinkgeldtaste, wenn etwa das Drücken der Auswahl „Kein Trinkgeld geben“ für Anwesende der Transaktion sichtbar wird. Auch das Angebot von größeren Trinkgeldbeträgen wie 20 oder 25 Prozent gehört dazu. Da immerhin 82 Prozent der 750 Befragten noch zustimmen, dass es üblich ist, in einem Restaurant Trinkgeld zu geben, kann man schwer von einer aussterbenden Praxis sprechen.

In der Vergangenheit hat es etliche Versuche gegeben, das Trinkgeld abzuschaffen. In Deutschland sind sie mit der Schrift „Das Trinkgeld“ des Juristen Rudolf von Jhering verbunden. Jhering störte sich in seinem Text unter anderem daran, dass es Gaststätten gab, in denen Kellner ohne Entlohnung arbeiteten und dass diejenigen, die in einem Restaurant „hinter den Coulissen bleiben“, nichts von dem Trinkgeld haben. Außerdem beklagte er den sozialen Zwang, Trinkgeld zu geben. Sein Versuch, das Trinkgeld abzuschaffen, verlief im Sande.

Erfolgreicher war da die 1904 gegründete „Anti-Tipping Society in America“, die ihre Mitglieder dazu verpflichtete, 12 Monate lang kein Trinkgeld zu geben. Ihre Aktionen führten dazu, dass das Tipping in einigen US-Bundesstaaten zeitweilig verboten wurde. Das Ganze muss allerdings vor dem Hintergrund gesehen werden, dass in den USA das Geben von Trinkgeld zunächst als aristokratische Praxis gesehen wurde, die aus Europa kam.



Nicht ganz unumstritten sind die Tip-Funktionen moderner Bargeldlos-Zahlsysteme, die einen gewissen sozialen Druck auslösen können, ein Trinkgeld zu zahlen.

(Bild: CC BY-SA 4.0, Canadian2006)

Vorbild war das „vail“, ein Briefumschlag mit Trinkgeld, den britische Adelige als Gäste den Bediensteten eines Hauses hinterließen. Bis zum amerikanischen Bürgerkrieg wurde selten ein Tipp gegeben, danach war das Trinkgeld häufig die einzige Einnahmequelle für die befreiten Sklaven wie die Kofferträger von Pullman. In seiner 1916 erschienenen Kampfschrift „The Itching Palm“ machte William Rufus Scott auf die unamerikanischen Wurzeln des Trinkgeldes aufmerksam, das fundamental gegen die Prinzipien von Gleichheit und Demokratie verstößt, auf der die Vereinigten Staaten gegründet wurden. Er starb 1951. Die Tipflation erlebte er nicht mehr.


(mawi)



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