Künstliche Intelligenz
Freitag: Hondas Kurswechsel bei Elektroautos, Google Maps bald mit Gemini-KI
Honda gibt die Einstellung der Produktion von drei E-Auto-Modellen bekannt und begründet dies mit dem tiefgreifenden Wandel der Automobilindustrie, vor allem in den USA. Dort ist die Nachfrage nach Elektroautos deutlich zurückgegangen, nachdem die Trump-Regierung die staatliche Förderung von Elektrofahrzeugen gestrichen hat. Dagegen hat Google seinen Kartendienst deutlich aufgebohrt, denn künftig beantwortet Gemini komplexe Suchanfragen und erweitert die visuelle Navigation in Google Maps. Das ist laut Google das größte Update in mehr als einem Jahrzehnt. Zunächst kommt das in den USA, aber soll bald auf weitere Regionen ausgedehnt werden. Der Einsatz von KI in Unternehmen hat zumeist negative Folgen für die Mitarbeiter. Zwar sagt der Atlassian-Chef, dass KI bei dem Softwarehersteller keine Menschen ersetzen soll. Aber man müsse trotzdem 1600 Leute entlassen, um Geld für KI-Investitionen zu haben. Bei Atlassian betrifft dies vorwiegend Entwickler und andere Jobs im Softwarebereich – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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Der japanische Automobilhersteller Honda wird die Entwicklung und Markteinführung von drei für Nordamerika geplanten Elektrofahrzeugmodellen einstellen. Die Produktion der drei Modelle sollte dieses Jahr im Werk im US-Bundesstaat Ohio anlaufen. Von der Entscheidung betroffen sind der Honda Zero SUV, die Honda Zero Limousine und der Acura RSX. Honda erklärt, „dass die Aufnahme der Produktion und des Verkaufs dieser drei Modelle im aktuellen Marktumfeld mit deutlich rückläufiger Nachfrage nach Elektrofahrzeugen langfristig zu weiteren Verlusten führen würde.“ Zugleich kündigte das Unternehmen an, dass die vollständige Umstrukturierung seiner Elektrofahrzeugsparte den Konzern bis zu 13,6 Milliarden Euro kosten könnte: Wegen Umstrukturierung stellt Honda die Produktion von drei Elektrofahrzeugen ein.
Umstellungen gibt es auch bei Google Maps, denn Google hat die Integration seines KI-Modells Gemini in den eigenen Kartendienst angekündigt. Künftig wird Gemini komplexe Suchanfragen in Google Maps wie bei einer normalen Unterhaltung beantworten können. Dabei wird der Chatbot nicht nur Orte, sondern auch lokale Merkmale berücksichtigen, die er aus Berichten von Maps-Nutzern lernt, etwa beliebte Restaurants. Gleichzeitig nutzt Google Gemini auch für die Erweiterung der Navigationsfunktionen von Maps. Das KI-Modell erstellt eine aktuelle 3D-Ansicht für die sogenannte „Immersive Navigation“ zur besseren Veranschaulichung der Route. Das soll den Nutzern helfen, sich besser zurechtzufinden: Google Maps bekommt Gemini-KI für komplexe Suche und „Immersive Navigation“.
Die Schattenseite von KI wird deutlich bei Atlassian. Denn der Softwarehersteller entlässt rund 10 Prozent seiner Belegschaft, um mehr Mittel für KI-Investitionen zu haben. „Wir tun dies, um weitere Investitionen in KI und Vertrieb selbst zu finanzieren und gleichzeitig unser Finanzprofil zu stärken“, erklärte CEO Mike Cannon-Brookes. Insgesamt verlieren damit rund 1600 Leute ihren Arbeitsplatz. Cannon-Brookes betonte zwar, dass Atlassian nicht der Philosophie folgt, Menschen durch KI zu ersetzen. Zugleich führte er aber auch aus: „Es wäre unaufrichtig, so zu tun, als würde KI nichts an der Zusammensetzung der benötigten Fähigkeiten oder der Anzahl der erforderlichen Stellen in bestimmten Bereichen ändern“. Das tut sie, so der Atlassian-Chef: KI ersetzt bei uns keine Menschen, aber wir feuern sie trotzdem.
Viele Entwicklerboards für Field Programmable Gate Arrays (FPGAs) sind teuer und lassen sich nur mit proprietärer, kostenpflichtiger Design-Software programmieren. Das ist anders bei den GateMate-FPGAs des deutschen Herstellers Cologne Chip, die Globalfoundries in Dresden mit 28-Nanometer-Technik fertigt. Um die Kosten für Bastler weiter zu senken, hat Cologne Chip das Modul ULX5M-GS entwickelt, das beispielsweise auf das rund 25 Euro günstige Raspberry Pi Compute Module 5 IO Board für das CM5 passt. Einen Anbieter und einen genauen Preis für das ULX5M-GS nennt Cologne Chip bisher nicht. Das Modul soll jedoch in etwa 50 Euro kosten, sagte ein Vertreter von Cologne Chip auf Nachfrage bei der der Fachmesse embedded world 2026 in Nürnberg: Günstiges FPGA-Modul mit deutschem Chip und Open-Source-Toolchain.
Eigentlich soll die europäische digitale Brieftasche ein Musterbeispiel für Datensparsamkeit werden: Wer etwa beim Weinkauf nur sein Alter nachweisen muss, gibt auch nur das Alter preis – so zumindest der Plan. Doch die EU-Kommission untergräbt in ihren aktuellen Durchführungsrechtsakten zur eIDAS-Verordnung genau dieses Prinzip. Nichtregierungsorganisationen warnen nun, dass Unternehmen weit mehr Daten abfragen könnten als nötig. Zudem wird kritisiert, dass die Kommission neben Namen, Geburtsdatum, Geburtsort und Staatsangehörigkeit auch biometrische Gesichtsdaten verpflichtend in den bewusst minimal gehaltenen Mindestdatensatz zur Personenidentifizierung aufnehmen will. Dabei fallen biometrische Daten unter DSGVO-Schutz: EU-Kommission höhlt Datenschutz der digitalen Brieftasche aus.
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Auch noch wichtig:
- E-Autos müssen bei VW künftig eine größere Rolle spielen. Dafür schiebt der Konzern zahlreiche Neuerungen an, die unter anderem aus dem ID.3 den ID.3 Neo macht. Jetzt gibt es erste Details zum VW ID.3 Neo: Vieles wird besser – die Ladeleistung nicht.
- Der Passwortmanager Passbolt ist Open Source und wird in Luxemburg entwickelt. Wir zeigen, wie man ihn auf eigener Hardware aus dem Heimnetz betreibt: Den europäischen Open-Source-Passwortmanager Passbolt selbst hosten.
- Vor einigen Jahren war Moskau westlichen Metropolen bei der Internetgeschwindigkeit weit voraus. Doch nun drehen die Aufsichtsbehörden das Netz immer weiter ab. Das führt zu Internetproblemen in Russland: Moskau wird zum Funkloch.
- Nach dem Wegfall verschiedener HDR-Formate bei Disney+ raten Verbraucherschützer dazu, Abo-Geld zurückzufordern. Es liege ein rechtlicher Mangel vor, bei keinem HDR bei Disney+: Verbraucherschützer raten, Geld zurückzufordern.
- Supergalaxienhaufen gehören zu den größten Strukturen im Universum. Nun wurde ein besonders großer vermessen, der sich hinter der Milchstraße versteckt: Supercluster Vela deutlich größer als gedacht.
- Apple hat in der Nacht zum Donnerstag wichtige Aktualisierungen für Nutzer von iOS und iPadOS 15 und 16 veröffentlicht. Sie sollten schnell eingespielt werden, denn ältere Versionen sind angreifbar: Wichtige Updates für iOS und iPadOS.
- Der Cyber Resilience Act (CRA) verlangt Änderungen an Industriecomputern, Medizinelektronik, Robotern und sonstigen Embedded Systems – mit Nebenwirkungen: EU-Vorschrift für Cybersicherheit zwingt Embedded-Systems-Branche zu Änderungen.
- Forscher der Universität Stanford haben ein Nasenspray entwickelt, das im Laborversuch monatelangen Schutz gegen Covid-19 und Krankenhauskeime bietet: Meilenstein in Stanford erreicht für Universal-Nasenspray gegen Atemwegsinfekte.
- Zum letzten Mal legt Oliver Zipse als BMW-Chef Jahreszahlen vor. Der Gewinnrückgang ist erheblich weniger dramatisch als bei der Konkurrenz: BMW-CEO Zipse verabschiedet sich mit robusten Zahlen.
- In alten Messdaten haben zwei US-Forscher einen Stern gefunden, der „völlig verrückt“ wirkte. Offenbar gab es in seinem Orbit eine katastrophale Kollision. Das führte zu einer „verrückten“ Lichtkurve: Wohl Kollision zweier Exoplaneten in Echtzeit beobachtet.
- Apples Einsteiger-Notebook ist seit Mittwoch auf dem Markt. Die zweite Generation soll mit Defiziten aufräumen, meint ein Analyst. Ein Feature dürfte fehlen beim MacBook Neo 2: Zweite Generation in Planung.
(fds)
Künstliche Intelligenz
Kawasaki Z650 S im Test: Der Evergreen wird aggressiver
Die Z 650 ist so etwas wie der Evergreen von Kawasaki: Seit zehn Jahren ist das Mittelklasse-Naked-Bike im Programm und beständig unter den Top Ten der Neuzulassungen in Deutschland. Schon ihre Vorgängerin ER-6n war ebenso erfolgreich. Für 2026 hat Kawasaki sie in Z 650 S umbenannt und überarbeitet. Wir konnten das neue Modell bereits testen.
- Bestseller in leicht überarbeiteter Form
- Sitzposition etwas sportlicher als bisher
- Antrieb mit 68 PS unverändert sparsam, aber nicht besonders durchzugsstark
- faires Preis-Leistungsverhältnis
Mehr Kante
Das Design der Z 650 S wirkt aggressiver, zeigt mehr Kanten, aber auch geschwungene Linien. Die Seitenverkleidungen sind vom Tank weiter nach vorn gezogen worden, um sie bulliger wirken zu lassen. Markanter als bisher erscheint die neue Lampenverkleidung, die mit den beiden schmaleren LED-Scheinwerfern noch „böser guckt“. Das Heck verläuft weiterhin leicht schräg nach oben, wie es der Streetfighter-Stil gewissermaßen vorschreibt. Auch die Sitzbank ist neugestaltet, bietet etwas mehr Fläche hinten, dafür ist sie vorn knapper geschnitten – zum einen für einen besseren Knieschluss, zum anderen für eine verkürzte Schrittbogenlänge.
(Bild: Sebastian Bauer )
Bleibt niedrig
Das hält Kawasaki für nötig, weil die Sitzhöhe um 15 auf 805 mm wächst, was aber immer noch für Personen ab ca. 1,65 m passt. Die Z 650 S erfreut sich schließlich auch in der Damenwelt großer Beliebtheit. Der Lenker wuchs nicht nur in der Breite, sondern wanderte auch etwas weiter nach vorn, sodass meine Sitzhaltung nun leicht sportlicher ist als auf der Vorgängerin. Das 4,3 Zoll große TFT-Display zeigt wahlweise zwei neue Layouts und ist vollgepackt mit Informationen, was jedoch die Übersichtlichkeit leiden lässt. Immerhin werden die Geschwindigkeit und der eingelegte Gang groß angezeigt. Bei allen anderen Informationen muss ich schon sehr genau hinsehen.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Kawasaki Z650 S im Test: Der Evergreen wird aggressiver“.
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Freitag: Google-TPUs von TSMC und Samsung, US-Spionage ohne US-Spionagegesetz
Die für 2028 geplante 10. TPU-Generation Googles könnte zum Teil von TSMC und von Samsung kommen. Für Samsung wäre dies ein großer Erfolg als Auftragsfertiger, nachdem der südkoreanische Elektronikkonzern jahrelang mit Verlusten im Chipgeschäft gekämpft hat und jetzt erst langsam aufholt. In den USA tritt ein berüchtigtes US-Gesetz für digitale Spionage am Freitag außer Kraft, nachdem das Abgeordnetenhaus der bislang obligatorischen Verlängerung nicht zugestimmt hat. An der Praxis soll sich dennoch nichts ändern, meinen führende Republikaner, denn US-Präsident Trump könnte die Spionage per Erlass anordnen. Derweil führt Alphabet-Tochter Waymo ein Treueprogramm namens „Waymo Premier“ ein, das regelmäßigen Nutzern seiner Robotaxis verschiedene Vorteile bietet. Mitglieder können damit Wartezeiten verkürzen, den Fahrpreis durch Cashback um 10 Prozent reduzieren und mehrfach kostenlos stornieren – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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Google-Konzern Alphabet verhandelt derzeit offenbar mit Samsung Electronics über die teilweise Fertigung einer kommenden Generation von KI-Chips des Datenkonzerns. Diese lässt Google üblicherweise von TSMC in Taiwan produzieren, die auch den Großteil der für 2028 geplanten 10. TPU-Generation herstellen sollen. Der südkoreanische Elektronikkonzern könnte aber einige Teile der Produktion übernehmen, was für Samsung ein bedeutender Schritt als Auftragsfertiger von Halbleitern darstellen würde. Samsung hatte jahrelang Probleme mit Verlusten im Chipgeschäft. Zuletzt konnte sich der Konzern allerdings Aufträge von Tesla und Nvidia für die Chipproduktion sichern. Ein Google-Auftrag würde Samsungs Position in der Branche untermauern: Google könnte zur Fertigung neuer TPU-Generation neben TSMC auch Samsung nutzen.
Einen Rückschlag müssen die US-Regierung und dessen Geheimdienste hinnehmen. Denn weil US-Präsident Donald Trump Abgeordnete seiner eigenen Partei verärgert hat, läuft am Freitag die als Section 702 bekannte Rechtsgrundlage für wesentliche Teile der digitalen US-Spionage aus. Diese Teile des Auslandsüberwachungsgesetzes FISA werden seit fast zwei Jahrzehnten mit beschränkter Laufzeit beschlossen und dann stets verlängert. Doch diesmal ist die Verlängerung gescheitert. Trotzdem ist unwahrscheinlich, dass sich US-Dienste der durch Abschnitt 702 gestatteten Spionage enthalten. Denn Trump könnte einen Erlass unterschreiben, der NSA & Co befiehlt, weiterzumachen. Rechtmäßig ist das nicht, in der Praxis funktioniert es aber: Rechtsgrundlage für US-Spionage läuft aus, Spionage läuft weiter.
Für Amerikaner gibt es auch positive Nachrichten, denn das US-amerikanische Robotertaxi-Unternehmen Waymo führt ein Treueprogramm mit Cashback und kostenlosen Stornierungen ein. Regelmäßige Nutzer des autonomen Taxi-Dienstes können für eine monatliche Gebühr von 29,99 US-Dollar „Waymo Premier“ buchen und erhalten dafür verschiedene Vorteile. Premier-Kunden können laut Waymo dank priorisierter Vermittlung die virtuelle Warteschlange umgehen und erhalten für jede Fahrt eine zehnprozentige Rückvergütung (Cashback) – in stark nachgefragten Zeiten sogar noch mehr. Zudem stehen ihnen monatlich fünf kostenlose Stornierungen zur Verfügung. Das wird zunächst in drei US-Großstädten angeboten, weitere sollen folgen: Waymo startet Treueprogramm für Robotertaxis.
Nach der Installation des Updates von Samsungs Galaxy-Geräten auf One UI 8.5 und dem Juni-Sicherheitspatch soll sich Nutzerberichten zufolge die Akkulaufzeit bisweilen drastisch verkürzen. So erklärt ein betroffener Nutzer, dass die Akkulaufzeit seines Galaxy S24 nach dem Update auf One UI 8.5 „eine absolute Katastrophe“ sei. Bei einem Galaxy S24 aus der Redaktion sieht es nicht anders aus: Das Gerät werde öfter heiß und es habe nach kurzer Zeit mehr Kapazität verloren als üblich. Gegen Abend müsse es zum Zwischenladen ans Netzteil. Der betroffene Kollege geht dabei davon aus, dass nicht das Update auf One UI 8.5 den Bug eingeschleust hat, sondern der letzte Sicherheitspatch vom 1. Juni mit Patchlevel vom 5. Mai. Eine Reaktion Samsungs steht noch aus: Samsung Galaxy mit Akku-Problemen nach Software-Updates.
Das Recht auf Löschung ist das zentrale Betroffenenrecht in der DSGVO. Im c’t-Datenschutz-Podcast diskutieren wir über den Interessenkonflikt zwischen Löschaufforderungen und der Pflicht, bestimmte Daten aufzuheben. Das Thema führt tief in den Maschinenraum der Datenschutzpraxis: Ein Betroffener verlangt die Löschung seiner Daten. Diese Daten befinden sich aber in einem Sicherheitsprotokoll, das nach IT-Standards nicht nur unveränderbar sein soll, sondern auch über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden muss. Eine Norm verlangt also Löschung, die andere schützt gerade die unmodifizierte Erhaltung. Das betrifft auch Webserver-Logs, Backups, Compliance- und KI-Systeme sowie behördliche Fachverfahren. Dies ist das Thema der Auslegungssache 161: Löschpflicht trifft Speicherzwang.
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(fds)
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US-Spionage: Rechtsgrundlage läuft aus, Spionage läuft weiter
Weil US-Präsident Donald Trump Abgeordnete seiner eigenen Partei verärgert hat, läuft am Freitag die als Section 702 bekannte Rechtsgrundlage für wesentliche Teile der digitalen US-Spionage aus. Diese Teile des Auslandsüberwachungsgesetzes FISA (Foreign Intelligence Surveillance Act) werden seit fast zwei Jahrzehnten mit beschränkter Laufzeit beschlossen und dann stets verlängert. Doch diesmal ist die Verlängerung gescheitert. Trotzdem ist unwahrscheinlich, dass sich US-Dienste der durch Abschnitt 702 gestatteten Spionage enthalten.
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Führende Republikaner haben öffentlich ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Trump einen Erlass unterschreibt, der NSA & Co befiehlt, weiterzumachen. Rechtmäßig ist das nicht, in der Praxis funktioniert es aber. Mit so einem Erlass hat die Sache auch begonnen: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ordnete der damalige US-Präsident George W. Bush heimlich neue Überwachungsmethoden an. Das wurde 2005 ruchbar; 2007 schaffte das US-Parlament übergangsweise eine Rechtsgrundlage, die dann ebenfalls kurzzeitig auslief, bevor sie 2008 durch Abschnitt 702 ersetzt wurde.
Grundsätzlich soll er den Geheimdiensten erlauben, wahrscheinlich im Ausland befindliche Nicht-US-Personen nach Belieben auszuhorchen. Unter anderem greift die NSA (National Security Agency) dazu an den Backbones den gesamten Internetverkehr ab („Upstream“), zudem holt sie sich von den großen Diensteanbietern direkt Daten („Prism“). Die Informationen landen in einer Datenbank, die dann verschiedenen Teilen der US-Geheimdienste zur Verfügung steht. Seit 2017 können, nach chinesischem Vorbild, auch Dritte dazu gezwungen werden, die Spionage zu unterstützen.
Abschnitt 702 gilt theoretisch nicht als Rechtsgrundlage für die Bespitzelung von US-Personen, also US-Staatsbürgern, Ausländern mit Daueraufenthaltsrecht (Green Card) und in den USA registrierte Unternehmen. Dennoch wurden auch sie mit den selben Methoden in großem Maßstab bespitzelt. Nach einer Gesetzesnovelle 2023 soll die Zahl der nicht erlaubten Datenbankabfragen zwecks Inländerüberwachung um 87 Prozent auf gut 20 Fälle täglich gesunken sein.
Ärger über neuen Geheimdienstchef
Nun tritt der Gesetzesabschnitt überhaupt außer Kraft. Anlass ist, dass Trump Immobilienmillionär Bill Pulte als neuen Geheimdienstechef (Direktor of National Intelligence, DNI) eingesetzt hat. Pulte ist Trump-Fan ohne jede Erfahrung im Spionagewesen. Solche Postenbesetzungen müssen zwar vom Parlament bestätigt werden, doch übernimmt die Person sofort mit Nominierung die Amtsgeschäfte.
Nicht nur die oppositionellen Demokraten, sondern auch mehrere Republikaner halten Pulte für eine Fehlbesetzung. Damit ist vergangene Woche eine Verlängerung des Abschnitts 702 im Senat knapp gescheitert. Dennoch sollte wenigstens das Abgeordnetenhaus am Donnerstag zustimmen. Weil es sich um ein Eilverfahren handelte, wäre eine Zweidrittelmehrheit erforderlich gewesen. Geworden ist es nicht einmal eine einfache Mehrheit, obwohl die Präsidentenpartei in beiden Kammern über die Mehrheit verfügt.
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Trump nominiert anderen Neuling
Inzwischen hat Trump den bisherigen Staatsanwalt Jay Clayton für den Posten des Geheimdienstechefs nominiert. Zu spät: Das Plenum des Unterhauses macht bis 22. Juni Pause. Danach wird die Verlängerung des Abschnitts 702 neu verhandelt werden.
Clayton hat ebenfalls keine Geheimdiensterfahrung. Er ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Erstens dafür, während Trumps erster Amtszeit als US-Präsident Vorsitzender der Kapitalmarkt-Aufsichtsbehörde SEC (Securities Exchange Commission) gewesen zu sein. Und zweitens für seine politische Anklage gegen den Demokraten-Politiker Brad Lander wegen „Angriffs auf eine Strafverfolgungsbehörde“ vor rund einem Jahr. Landers angebliche Straftat: Er war Arm in Arm mit einem Einwanderer zu dessen Gerichtstermin gekommen. Am Donnerstag ist Lander freigesprochen worden; Ankläger Clayton dürfte die Karriereleiter hinauffallen.
(ds)
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