Künstliche Intelligenz
G7-Gipfel in Paris: Gemeinsame Front für den Jugendschutz im Internet
Die Digitalminister der G7-Staaten haben sich bei ihrem Treffen in Paris am Freitag auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, um Kinder und Jugendliche im digitalen Raum besser zu schützen. Die Vereinbarung umfasst sieben Kernprinzipien. Es ist das erste Mal, dass sich die G7-Gruppe auf einen derart konkreten, kollektiven Ansatz für die Online-Sicherheit von Minderjährigen geeinigt hat. Ziel ist es, Betreiber von Online-Plattformen und digitalen Diensten weltweit stärker in die Pflicht zu nehmen und den Jugendschutz direkt in die Technik sowie die Dienste einzubauen.
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Lösungen zur Altersüberprüfung
Im Zentrum der Pariser Vereinbarung steht die Abkehr von der Praxis, die Verantwortung für die Sicherheit im Netz Eltern und Lehrkräften zu überlassen. Stattdessen fordern die Minister einen „Safety by Design“-Ansatz. Digitale Angebote müssen demnach von vornherein so konzipiert sein, dass sie die Privatsphäre und die psychische Gesundheit von Minderjährigen wahren.
Das soll auch robuste und datenschutzfreundliche Lösungen zur Altersüberprüfung einschließen, um den Zugriff auf jugendgefährdende Inhalte effektiv zu unterbinden. Die Industriestaaten müssten hier aber einen ziemlichen Spagat bewältigen: Laut einer Studie für das EU-Parlament ist Altersverifikation im Internet zwar nötig, in Demokratien aber gar nicht machbar.
Zudem sollen Empfehlungsalgorithmen so angepasst werden, dass sie eine übermäßige und potenziell süchtig machende Nutzung der Plattformen minimieren. Ein weiterer Fokus liegt auf der Bekämpfung von KI-generiertem sexuellem Missbrauchsmaterial und der unbefugten Verbreitung intimer Bilder.
EU-Regeln als globales Vorbild
Die EU-Kommission sieht mit der Übereinkunft ihren Kurs bestätigt. Die G7-Prinzipien spiegeln ihr zufolge in weiten Teilen bestehende europäische Regelwerke wie den Digital Services Act (DSA) und die KI-Verordnung wider. Um den Jugendschutz auch international konsequent durchzusetzen, arbeitet die EU bereits an einer App und kooperiert mit außereuropäischen Aufsichtsbehörden wie der britischen Ofcom und dem australischen E-Safety-Beauftragten.
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Trotz der Einigkeit beim Jugendschutz offenbarten die Verhandlungen Differenzen. Keine gemeinsame Linie fanden die G7-Staaten beim immensen Energie- und Ressourcenverbrauch durch KI. Die Minister räumten in ihrer Abschlusserklärung zwar ein, dass der Boom von KI-Anwendungen und der damit verknüpfte Ausbau von Rechenzentren die Stromnetze massiv belasteten. Gegenmaßnahmen scheiterten indes vor allem an der Haltung der USA, wo die größten KI-Konzerne ansässig sind.
Kritik von der Uno
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk mahnte anlässlich des G7-Treffens, dass pauschale Social-Media-Verbote oder reine Altersbarrieren zu kurz griffen. Sie seien technisch leicht zu umgehen. Er forderte stattdessen ein striktes Verbot von kommerziellem Microtargeting, das auf den Datenprofilen von Kindern basiert. Die Minister verständigten sich in Paris ferner auf eine Initiative zur Unterstützung kleinerer Unternehmen beim Einführen von KI-Systemen. Sie wollen zudem die Erkennbarkeit von KI-generierten Falschinformationen im Netz verbessern.
(vbr)
Künstliche Intelligenz
Anthropic reicht vertraulich Antrag auf Börsengang in den USA ein
Claude-Entwickler Anthropic hat bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) vertraulich einen Antrag auf einen Börsengang in den Vereinigten Staaten gestellt. Das teilte das US-amerikanische KI-Unternehmen am Montag mit.
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Anthropic gab weder das Volumen noch die Bedingungen des geplanten Börsengangs bekannt. „Dies [der Antrag, Anm.] gibt uns die Option, nach Abschluss der Prüfung durch die SEC an die Börse zu gehen. Der geplante Börsengang hängt von den Marktbedingungen und anderen Faktoren ab“, hieß es lediglich in der Mitteilung. „Die Anzahl der angebotenen Aktien und der Preis stehen noch nicht fest.“
Vertrauliche Anträge ermöglichen es Unternehmen, die Vorbereitungen für den Börsengang voranzutreiben und gleichzeitig sensible Finanzdaten vor Konkurrenten und der Öffentlichkeit zu schützen. US-amerikanischen Medien zufolge könnte der Börsengang von Anthropic bereits im Herbst erfolgen.
Börsengänge von SpaceX und OpenAI
Anthropics Ankündigung, an die Börse zu gehen, erfolgt kurz vor dem geplanten Rekord-Börsengang von SpaceX. Elon Musks Weltraumfirma will diesen am 12. Juni durchführen. Dabei will SpaceX bis zu 80 Milliarden US-Dollar bei Investoren einsammeln. Die hohen Kosten für die Entwicklung der Starship-Rakete bescherten dem Raumfahrtunternehmen zuletzt Milliardenverluste. Und auch ChatGPT-Entwickler OpenAI strebt an die Börse. Es wird erwartet, dass das Unternehmen schon bald den entsprechenden Antrag stellt.
Anthropic ist OpenAI nun überraschend zuvorgekommen. Analysten zufolge könnte sich Anthropic damit einen strategischen Vorteil gegenüber OpenAI verschaffen wollen. Beide Unternehmen konkurrieren um KI-Rechenleistung und -Talente, aber auch um das nötige Kleingeld, sprich Investorenkapital, für die KI-Entwicklung.
„OpenAI und Anthropic befinden sich in einem Wettlauf um den Börsengang, bevor ihnen das Kapital ausgeht“, so Gil Luria, Analyst bei dem Investmentunternehmen D.A. Davidson gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, – und bevor womöglich der KI-Boom etwas abkühlt.
Anthropic höher bewertet als OpenAI
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Laut der US-Tageszeitung New York Times hat Anthropic mit einer neuen Finanzierung in Höhe von 65 Milliarden US-Dollar OpenAI als weltweit erfolgreichstes KI-Start-up überholt. So hat Amazon zugesagt, 25 Milliarden US-Dollar in Anthropic zu investieren; Google wird bis zu 40 Milliarden US-Dollar in Anthropic stecken. Anthropic kommt demnach auf eine Bewertung von knapp 900 Milliarden US-Dollar; OpenAI wurde zuletzt mit 730 Milliarden US-Dollar bewertet.
In die Schlagzeilen geriet Anthropic Anfang des Jahres, als das US-Kriegsministerium einen unbegrenzten Zugang zu Anthropics KI-Modell Claude verlangte und dem Unternehmen nach dessen Weigerung ein Ultimatum stellte. Die KI-Firma will es der US-Regierung nicht gestatten, die eigene KI-Technik für die Massenüberwachung der US-Bevölkerung zu nutzen oder Waffen zu entwickeln, die ohne menschliche Beteiligung feuern. Nach dem Bruch mit Anthropic schloss das Pentagon offenbar einen KI-Deal mit OpenAI.
Im April stellte Anthropic dann sein neues leistungsstarkes KI-Modell Mythos vor, das Sicherheitslücken in Softwaresystemen identifizieren und beheben kann. Dieses sei aber zu leistungsfähig und damit zu gefährlich für die Öffentlichkeit, beschied Anthropic. Stattdessen soll Claude Mythos Preview zunächst ausschließlich einer Reihe von Firmen zur Verfügung gestellt werden, die an IT-Sicherheit arbeiten. Daraufhin nahmen auch Anthropic und US-Regierung wieder Gespräche über eine Zusammenarbeit auf.
(akn)
Künstliche Intelligenz
Glasfaser: Gutachter lässt kein gutes Haar an EU-Plan für Kupfer-Abschaltung
Die EU-Kommission will mit ihrem Entwurf für einen Digital Networks Act (DNA) Tempo machen beim Glasfaserausbau: Bis 2035 sollen die traditionellen Kupfernetze in der Gemeinschaft schrittweise und vollständig abgeschaltet werden. Was die Kommission als notwendigen Schritt zur Harmonisierung des zersplitterten Binnenmarkts und zur Förderung digitaler Infrastrukturen einstuft, stößt in Teilen der Telekommunikationsbranche auf Widerstand.
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Verstoß gegen EU-Recht
Der Verband Connect Europe, dem Schwergewichte wie die Deutsche Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone angehören, zerpflückt die Pläne mit einem am Montag veröffentlichten Gutachten. Der Europarechtler und Ex-Richter Roberto Mastroianni kommt darin zum Schluss, dass Kernbestimmungen des Verordnungsentwurfs gegen EU-Recht verstießen. Sie dürften demnach vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) scheitern.
Im Zentrum der juristischen Demontage steht der Vorwurf der Kompetenzüberschreitung. Die EU-Kommission stützt ihren Vorschlag auf Artikel 114 des EU-Vertrags. Er erlaubt es den Brüsseler Institutionen zwar, nationale Gesetze aneinander anzugleichen, sofern dies für das reibungslose Funktionieren des Binnenmarkts zwingend erforderlich ist.
Laut der Analyse missbraucht die Kommission diese Binnenmarktkompetenz hier aber: Die Existenz unterschiedlicher Netzinfrastrukturen oder verschiedene Geschwindigkeiten beim Glasfaserausbau in den Mitgliedstaaten stellten nach ständiger EuGH-Rechtsprechung kein unzulässiges Handelshemmnis dar.
Tatsächlich verfolgt Brüssel dem Juristen zufolge mit der Abschaltverpflichtung gar keine Harmonisierung, sondern Industriepolitik. Für eine solche stünden der EU nur unterstützende Kompetenzen ohne Harmonisierungsbefugnis zur Verfügung. Das harte Mandat, funktionierende, private Infrastrukturen stillzulegen, erweise sich so als unzulässiger Übergriff auf Kompetenzen der Mitgliedstaaten.
Handwerkliche Mängel
Auch handwerklich offenbart der Entwurf dem Gutachten zufolge erhebliche Mängel, die eine Klage wegen Verletzung der Begründungspflicht nach sich ziehen könnten. Der Text schweige sich weitgehend dazu aus, warum eine Zwangsabschaltung für den Binnenmarkt notwendig sein sollte. Selbst der Ausschuss für Regulierungskontrolle der Kommission habe das Vorhaben im Vorfeld gerügt und eine mangelhafte Evidenz sowie unzuverlässige Prognosen beklagt. Die Kommission ignoriere, dass der Telekommunikationskodex nationalen Regulierern bereits ausreichende Instrumente an die Hand gebe, um den Übergang marktgerecht zu moderieren.
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Die Kupfernetze sowie die darauf basierenden Infrastrukturen für Glasfaser bis zum Verteilerkasten (FTTC) befänden sich im Privateigentum der Netzbetreiber, hebt Mastroianni ferner hervor. Sie stellten einen erheblichen wirtschaftlichen Vermögenswert dar und würden teils noch aktiv genutzt. Das verordnete Aus für diese Netze greife tief in die EU-Grundrechtecharta ein, die die unternehmerische Freiheit und Eigentum schütze. Da die Kommission keinen Entschädigungsmechanismus vorsehe, komme das Abschaltmandat einer indirekten Enteignung gleich.
Zweifel an der Wirksamkeit
Zudem bezweifelt der Gutachter die Eignung der Maßnahme. Ein erzwungenes Abschalten von Kupferleitungen führe nicht automatisch dazu, dass Kunden auf die teurere Glasfaser umstiegen. Verbraucher könnten ebenso auf Kabelnetze, Mobilfunk oder Satellitenverbindungen ausweichen. In Gebieten, in denen bis 2035 noch keine Glasfaser liege, drohe der Ansatz, die digitale Versorgung sogar zu verschlechtern.
Die großen Netzbetreiber sehen so ihre Strategie bestätigt. Die Mitglieder von Connect Europe, die mehr als die Hälfte der europäischen Gesamtinvestitionen in den Glasfaserausbau stemmen, plädieren für eine marktgetriebene Transformation. Ein verordneter Technologiestopp erreiche das Gegenteil des Beabsichtigten: Er verschlechtere das ohnehin sensible Investitionsklima für den europäischen Telekommunikationssektor. Sollte die Kommission an dem Entwurf unverändert festhalten, dürfte der Gang vor die EU-Gerichte unvermeidlich sein.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
Testsieger: Die beste Funk-Rückfahrkamera mit Akku – kabellos nachrüsten
Lescars Solar-Funk-Rückfahrkamera PA-755
Die Solar-Funk-Rückfahrkamera PA-755 rüstet nicht nur eine Rückfahrkamera samt Einparkhilfe nach, sondern bringt auch Android Auto und Carplay ins Auto.
- Kamera und Sensoren in Kennzeichenhalterung
- rüstet Schnittstelle für Carplay & Android Auto nach
- Display startet relativ flott
- einfache Montage
- einfache Verarbeitung
- Display-Halterung nur zum Ankleben
- Parksensoren wenig vertrauenswürdig
- Tonübertragung nur per AUX
Lescars Solar-Funk-Rückfahrkamera PA-755 im Test: Einparkhilfe mit Carplay
Die Solar-Funk-Rückfahrkamera PA-755 rüstet nicht nur eine Rückfahrkamera samt Einparkhilfe nach, sondern bringt auch Android Auto und Carplay ins Auto.
Wer eine kabellose Rückfahrkamera nachrüsten will, findet in der Lescars Solar-Funk-Rückfahrkamera PA-755 eine clevere Lösung. Das Modell bringt im Display zugleich Schnittstellen für Carplay und Android Auto mit. Damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Einparkhilfe und moderne Smartphone-Anbindung in einem Gerät. Gerade für ältere Fahrzeuge ist das eine günstige Nachrüstoption. Wie sich die Kamera in der Praxis schlägt, zeigt unser Testbericht.
Design & Verarbeitung
Aus einfachem Kunststoff gefertigt, wirkt der Nummernschildhalter zwar nicht hochwertig, präsentiert sich aber ausreichend robust. Er ist für einzeilige EU-Kennzeichen mit 520 × 110 mm ausgelegt und nach Schutzklasse IP67 vollständig staubdicht sowie gegen zeitweiliges Untertauchen in Wasser geschützt. Regen, Schmutz oder eine Fahrt durch die Waschanlage stellen damit kein Problem dar.
Die Kamera ist dezent in den Halter eingelassen und stört das Erscheinungsbild kaum. Da sie nur gemeinsam mit der Nummernschildhalterung angebracht werden kann, entfällt eine separate Kamera-Montage. Der Neigewinkel ist auf 60° anpassbar, der USB-C-Slot zum Laden ist mit einer Gummikappe verschlossen. Zusätzlich verbaut Lescars links und rechts am Halter Ultraschallsensoren, die Abstände zu anderen Fahrzeugen oder Personen messen. Auch sie kommen ohne eigene Montage aus – einmal den Nummernschildhalter angebracht, ist alles betriebsbereit.
Das 7-Zoll-Display löst mit 1024 × 600 Pixeln auf und zeigt neben dem Kamerabild und den Einpark-Hilfslinien auch die Ansicht für Carplay und Android Auto. Über Bluetooth lassen sich zudem Anrufe steuern und Musik vom Smartphone wiedergeben. Das Smartphone bindet sich per Bluetooth 5.0 und WLAN (IEEE 802.11b/g/n, 2,4 GHz) an.
Befestigt wird es ausschließlich per Klebehalterung auf dem Armaturenbrett. Das kann gerade in Kleinwagen zum Problem werden, denn der Monitor ist groß und kann die Sicht behindern. Wer bereits eine Klebehalterung für ein Carplay-Display oder einen anderen Monitor verbaut hat, kann diese weiternutzen – die Schlitze auf der Rückseite sind identisch.
Links hinten am Display sitzen die Anschlüsse: ein AUX-Ausgang, ein USB-C-Eingang für das Netzteil zum 12-Volt-Anschluss sowie ein Slot für eine microSD-Karte. Rechts hinten finden sich vier Tasten: hoch, Menü/OK, runter sowie der Power-Knopf. Das Gelenk lässt sich in Neigung und Rotation verstellen.
Montage & Einrichtung
Die Rückfahrkamera ist schnell montiert: Zuerst das Nummernschild abschrauben, dann die Halterung mit integrierter Kamera anbringen und das Schild wieder einsetzen. Wichtig: Vor der ersten Inbetriebnahme sollte der Akku einmal vollständig geladen werden. Dafür liegt zwar ein Ladekabel (USB-C auf USB-A) bei, ein Netzteil jedoch nicht. Sollte es mit einem reinen USB-C-auf-USB-C-Kabel zu Ladeproblemen kommen, hilft oft der Wechsel auf ein klassisches Netzteil mit USB-A-Anschluss und ein USB-A-auf-USB-C-Kabel. Im Test funktionierte das Laden mit beiden Varianten problemlos.
Den Monitor klebt man samt Halterung auf das Armaturenbrett. Alternativ lässt sich die Halterung mit vier Schrauben fest verankern – das hinterlässt allerdings deutlich sichtbare Spuren. Vor dem Ankleben sollte die Stelle auf dem Armaturenbrett gründlich gereinigt und getrocknet werden.
Die Ausrichtung lässt sich nachträglich anpassen: An der Unterseite löst man eine Schraube und dreht den Bildschirm in die gewünschte Position. Eine zusätzliche Kunststoffschraube an der Seite ermöglicht es, die Neigung leicht zu justieren. Wie bereits erwähnt, schränkt der große Bildschirm in unserem Testfahrzeug, einem Opel Adam, das Sichtfeld etwas ein – insbesondere wegen der Bauhöhe und der zusätzlichen Antenne.
Anschließend wird das Display per 12-V-Adapter mit dem Bordnetz verbunden. Das System fährt hoch und stellt die Verbindung zur Kamera automatisch per Funk her. Beim ersten Mal vergehen dabei einige Sekunden, bis Monitor und Kamera gekoppelt sind. Wer Carplay oder Android Auto nutzen möchte, koppelt sein Smartphone zunächst per Bluetooth mit dem Display. Anschließend baut der Monitor automatisch eine lokale WLAN-Verbindung zum Smartphone auf.
Insgesamt fährt das Display recht flott hoch, die Benutzerführung ist allerdings etwas verwirrend. Beim Start erscheint zunächst immer das Bild der Rückfahrkamera – sinnvoll, schließlich möchte man in der Regel zuerst ausparken. Wie man aber wieder aus der Kameraansicht herauskommt, stellt anfangs ein Rätsel dar. Die Lösung: Der oberste Knopf auf der Rückseite führt zum Startmenü. Dort finden sich die Icons für Carplay, Android Auto, die Bluetooth-Verbindung zur Telefonie und Musikwiedergabe sowie die Rückfahrkamera selbst.
Lescars Solar-Funk-Rückfahrkamera PA-755 – Bilder aus dem Test
Ausstattung & Funktionen
Im Nummernschildhalter steckt ein 5000-mAh-Akku, der über eine integrierte Solarzelle nachgeladen werden soll. In der Praxis reicht das nicht. Vor dem ersten Einsatz muss der Akku per USB-C vollgeladen werden, im Alltag ist regelmäßiges Nachladen Pflicht. Steht das Auto in der Garage, bringt die Solarzelle ohnehin nichts. Sie verzögert die Entladung allenfalls – als echte Ladealternative ist die Fläche zu klein.
Die Kamera nimmt mit 1280 × 720 Pixeln auf und deckt einen Bildwinkel von 170° ab. Die Ultraschallsensoren erfassen Distanzen zwischen 30 und 228 cm bei je 70° Erfassungswinkel. Akustische Abstandswarnungen gibt der Touchscreen aus. Die Verbindung zur Kamera läuft kabellos über 2,4-GHz-Funk mit laut Hersteller bis zu 200 m Reichweite.
Das 7-Zoll-Display (17,8 cm Diagonale) löst mit 1024 × 600 Pixeln auf und zeigt neben dem Kamerabild auch die Oberfläche für Carplay und Android Auto. Über Bluetooth lassen sich zudem Anrufe steuern und Musik vom Smartphone wiedergeben. Das Smartphone bindet sich per Bluetooth 5.0 und WLAN (IEEE 802.11b/g/n, 2,4 GHz) an.
Eine automatische Helligkeitsanpassung gibt es leider nicht. Die Display-Helligkeit muss man je nach Umgebungslicht stets manuell nachregeln – am besten vor der Losfahrt im Stand. Immerhin ist das passende Icon über die Menüs schnell erreichbar.
Die im Display verbauten Lautsprecher klingen sehr schwach und sind während der Fahrt kaum hörbar. Sobald die Kopplung steht, lässt sich der Bildschirm immerhin als Freisprecheinrichtung fürs Smartphone nutzen. Die Tonqualität reicht für ein kurzes Gespräch, mehr aber nicht.
Für die Medienwiedergabe bleibt damit praktisch nur der AUX-Ausgang, sofern das Autoradio einen entsprechenden Eingang besitzt. Eine Tonübertragung per Bluetooth oder einen FM-Transmitter gibt es nicht. Wie üblich kam es bei der AUX-Verbindung zu Knackgeräuschen, die wir eher dem Auto zuschreiben. Ein Entstörfilter für wenige Euro behebt das Problem zuverlässig. Anschließend klingt der Sound erstaunlich gut und klar.
Ein Mediaplayer mit Equalizer spielt Audio-, Video- und Bilddateien von einer microSD-Karte mit bis zu 64 GB ab – die liegt nicht bei. Das Menü beherrscht 14 Sprachen, darunter Deutsch, Englisch und Französisch.
Die beiden Parksensoren sitzen links und rechts vom Nummernschildhalter und decken damit nur den hinteren Bereich des Fahrzeugs rudimentär ab. Auffällig: Sie reagieren spürbar unempfindlicher als das werkseitig verbaute Park Distance Control (PDC) des Opels. Einerseits nervt das im Alltag weniger, andererseits hatten wir nicht das Gefühl, wirklich gut gewarnt zu werden. Erst als wir mit dem Heck fast direkt an der Wand in der Tiefgarage standen, piepte der Sensor etwas aufdringlicher. Das ist besser als gar nichts, ein echtes PDC ersetzt das System aber nur bedingt.
Bildqualität
Die Auflösung von 1280 × 720 Pixeln fällt nicht übermäßig hoch aus, für den Einsatzzweck reicht das jedoch aus. Allerdings löst das Display nur mit 1024 × 600 Pixeln auf. Details und Gegenstände sind gut zu erkennen, auch bei schlechteren Lichtverhältnissen – wobei das Bildrauschen dann deutlich zunimmt. Klassische Hilfslinien gibt es nicht. Stattdessen zeigen zwei Pfeile nach rechts und links über die Parksensoren an, wie viel Platz noch verbleibt.
Preis
Die Funk-Rückfahrkamera mit akustischer Einparkhilfe und Schnittstelle für Carplay sowie Android Auto wird von Pearl vertrieben – bei Amazon kostet sie derzeit 203 Euro.
Fazit
Die Lescars PA-755 ist im Testfeld ein Unikat: Sie rüstet nicht nur eine vollständig kabellose Rückfahrkamera mit Akku nach, sondern bringt auch noch Carplay, Android Auto und zwei Parksensoren mit. Drei Nachrüstlösungen in einem Gerät – das spart Geld und Kabelsalat.
So clever das Konzept, so durchwachsen die Umsetzung. Die Verarbeitung wirkt billig, die Display-Halterung lässt sich nur aufkleben oder festschrauben. Im Kleinwagen wie unserem Opel Adam thront der 7-Zoll-Monitor samt Antenne so wuchtig auf dem Armaturenbrett, dass er das Sichtfeld spürbar einschränkt. Auch den Parksensoren misstrauen wir: Sie piepen so dezent, dass das werkseitige PDC längst Alarm schlägt, bevor sich die Lescars überhaupt meldet. Als grobe Orientierung samt Entfernungsanzeige auf dem Display reicht es – als echter Ersatz für ein PDC taugen sie nicht.
Zusammengefasst bleibt es eine günstige, schnell installierte Allroundlösung für alle, die ihren älteren Wagen ohne großen Aufwand modernisieren möchten. In keiner Disziplin glänzt die PA-755, ihren Job macht sie aber überall solide.
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