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Goodbye, Sora App: Ende nach Monaten


Die KI-Video-App Sora galt noch vor Kurzem als nächster großer Wurf im digitalen Content-Bereich – jetzt wird sie überraschend eingestellt. Konkurrenzdruck und eine neue Geschäftsausrichtung wurden der App zum Verhängnis.

Es ist ein abruptes Ende für eines der meistdiskutierten KI-Projekte der letzten Jahre: OpenAI zieht bei seiner Video-App Sora den Stecker. Noch vor wenigen Monaten galt das Tool als nächste große Revolution im Content-Game – jetzt ist Schluss. Und als wäre das nicht genug, zerplatzt mit dem Aus auch ein spektakulärer Deal mit Disney, bei dem rund eine Milliarde Dollar im Raum standen.

Sora fast so groß wie ChatGPT – zumindest kurzzeitig

Als Sora Ende 2024 erstmals vorgestellt wurde, war die Aufregung enorm. Die Software konnte aus einfachen Texteingaben realistisch wirkende Videos generieren, inklusive detailreicher Szenen und täuschend echter Figuren. Der eigentliche Durchbruch kam dann mit der eigenständigen App, die etwa ein halbes Jahr vor dem Aus an den Start ging. Besonders auffällig: das sogenannte Cameo Feature, mit dem Nutzer:innen sich selbst in KI-generierte Clips einbauen konnten. Das machte Sora nicht nur zu einem Kreativ-Tool, sondern auch zu einer Art Social-Media-Plattform.

Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Direkt nach dem Launch schoss die App im US App Store auf Platz eins und knackte in der ersten Woche rund 627.000 Downloads und damit sogar leicht mehr als ChatGPT bei seinem Start mit etwa 606.000 Downloads. Für eine Invite-only-App ein ziemlich beeindruckender Wert.

Laut Appfigures erreichte Sora in der ersten Woche über 627.000 iOS Downloads. © Appfigures
Laut Appfigures erreichte Sora in der ersten Woche über 627.000 iOS Downloads (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Appfigures

Zeitweise fühlte sich der Hype um Sora tatsächlich wie ein zweiter „ChatGPT-Moment“ an. Während ChatGPT inzwischen über 900 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen zählt, konnte Sora zumindest beim Starttempo mithalten. Der Roll-out auf Android in mehreren Ländern – darunter die USA, Japan und Kanada – verstärkte diesen Eindruck zusätzlich.

Parallel dazu arbeitete OpenAI bereits an der nächsten Entwicklungsstufe: Sora sollte tiefer in ChatGPT integriert werden, um die Nutzung weiter anzukurbeln und sich gegen die Konkurrenz zu behaupten:


OpenAIs neuer Plan:

Sora in ChatGPT

OpenAIs neuer Plan: Sora in ChatGPT
© OpenAI via Canva

Doch genau hier lag eines der Probleme: Der Wettbewerb wurde schnell intensiver. Große Tech-Konzerne brachten eigene KI-Video-Tools an den Start, oft direkt eingebettet in bestehende Plattformen. Der Vorteil: Nutzer:innen mussten keine separate App installieren, ein klarer Nachteil für Sora.

Gleichzeitig geriet das Tool zunehmend in die Kritik. Deepfake-Videos verbreiteten sich rasant, darunter täuschend echte Clips mit historischen Persönlichkeiten wie zum Beispiel Martin Luther King Jr. oder Prominenten. Auch urheberrechtliche Fragen sorgten für Ärger, etwa bei Figuren wie bekannten Zeichentrickcharakteren oder Gaming-Ikonen. OpenAI reagierte zwar mit strengeren Regeln und einem Opt-in-System für Rechteinhaber:innen, doch die Debatten rissen nicht ab. Der schmale Grat zwischen Innovation und Missbrauch wurde immer sichtbarer.

Warum Sora jetzt genau eingestellt wird, lässt OpenAI offiziell offen. DIE ZEIT schrieb in einem Artikel, dass vieles darauf hindeute, dass sich das Unternehmen neu fokussieren will. Statt weiter an einer Social-Video-App zu basteln, soll der Schwerpunkt stärker auf lukrative Geschäftskunden gelegt werden. Schon im Vorfeld hatte das Management angedeutet, dass Unternehmen Phasen durchlaufen, in denen sie experimentieren, und solche, in denen sie sich klar ausrichten. Sora fällt offenbar der zweiten Phase zum Opfer.

Besonders bitter: Mit dem Aus von Sora wird auch ein ambitioniertes Projekt mit Disney hinfällig. Noch im Dezember war geplant, dass der Unterhaltungskonzern rund eine Milliarde Dollar investiert. Ziel war es, ikonische Figuren in die KI-Videos zu integrieren, von klassischen Cartoon Stars bis hin zu modernen Superheld:innen. Dieses Vorhaben ist nun Geschichte, bevor es überhaupt richtig starten konnte.


Mickey, Elsa und Co. bei Sora:

Disneys OpenAI Deal verhandelt Kreativität und Rechte neu

Mickey, Elsa und Co. bei Sora: Disneys OpenAI Deal verhandelt Kreativität und Rechte neu
© OpenAI / The Walt Disney Company





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Meta möchte Content-Moderation der KI überlassen


Der Konzern setzt bei der Moderation von organischen Inhalten und Ads schon seit langer Zeit auf eine Mischung aus Automatisierungen und menschlicher Übersicht. Bis dato hat Meta laut Financial Times bereits 50 Prozent der Review- oder Prüfanfragen, die zu beanstandeten Inhalten oder Anzeigen eingegangen sind, an KI-Systeme ausgelagert. Bis Ende des Jahres sollen 90 Prozent dieser Prüfanfragen von der KI bearbeitet werden. Auch 90 Prozent der Risikobewertungen für Plattform-Features sollen über kurz oder lang von der KI kommen. Von entsprechenden Plänen berichtete NPR bereits im Vorjahr, nachdem der Publisher interne Dokumente Metas gesichtet hatte.

Die großteilige Auslagerung der Content-Moderation an die KI ist von Meta zwar nicht offiziell bestätigt worden, folgt aber einem klaren Muster. Der Konzern möchte die menschliche Prüfung minimieren. Eine solche Entwicklung begann schon Anfang 2025. CEO Mark Zuckerberg kündigte seinerzeit an, unabhängige Faktenchecks auf den eigenen Plattformen durch Community Notes zu ersetzen, neue Richtlinien einzuführen und eine Lockerung der Durchsetzungsmaßnahmen zu erwirken. Dass die Trust and Safety und Content Moderation Teams von Florida nach Texas umgesiedelt wurden, klingt im Grunde irrelevant, doch die Erklärung nicht. Es geschehe, so Zuckerberg im vorigen Jahr, weil in Texas weniger Bedenken bezüglich der Voreingenommenheit der Teams bestünden als in Kalifornien.

Zudem sollen nur noch illegale Handlungen und hochgradige Verstöße gegen die Richtlinien von Metas eigenen Filtern verfolgt werden. Kleinere Verstöße aber nicht, dabei verlässt sich der Konzern dann darauf, dass Dritte solche im Zweifelsfall melden. Das heißt aber auch, dass kleinere Verstöße oft ungeahndet bleiben. Und dazu dürften Fake News, Beleidigungen, rassistische oder misogyne Äußerungen zählen. Schließlich möchte der Konzern auch die Hürden für eine Content-Entfernung erhöhen. Das war eine Reaktion auf die eigene Erkenntnis, dass man zu viele Inhalte fälschlicherweise gesperrt hat.

This is a trade-off. It means that we’re going to chat less bad stuff, but we’ll also reduce the number of innocent people’s posts and accounts that we accidentally take down.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch fast unweigerlich einen Zuwachs problematischer Inhalte auf Facebook und Instagram, die nicht geahndet werden und die Plattformkultur sowie den digitalgesellschaftlichen Umgang beeinträchtigen. Dass nunmehr noch weniger menschliche Überprüfung als Gegengewicht eingeplant ist, mag das Problem nur verstärken. Zwar kann auch Metas hochintelligente KI Probleme identifizieren – und das sicher schneller als Menschen – und Maßnahmen prüfen oder einsetzen. Doch die KI basiert auf Metas Daten und Trainingsmaterial, an ihrer unparteiischen oder gar differenzierten Einschätzung von Einzelfällen kann es zumindest Zweifel geben.

Meta trainiert(e) die KI mit dem Input der Mitarbeiter:innen

Die Entwicklung, dass Meta mehr und mehr Aufgaben im Konzern von der KI übernehmen lassen möchte, ist nicht neu. Zuletzt fiel der Konzern damit auf, dass Mitarbeiter:innen quasi zur Datenquelle wurden. Meta ließ ihre Arbeit überwachen, um KI-Systeme zu trainieren, die genau solche Tätigkeiten künftig eigenständig übernehmen können. Anders gesagt: Die tägliche Arbeit der Mitarbeiter:innen dient als Blaupause für automatisierte Prozesse. Laut der Financial Times arbeitet Meta sogar an einer Art digitalem Avatar des Gründers Mark Zuckerberg. Dieser soll mit Mitarbeiter:innen interagieren, seine Stimme und Mimik imitieren und sogar typische Argumentationsmuster übernehmen. Dass Meta zuletzt auch tausende Mitarbeiter:innen entließ, um effizienter zu werden, schürt die Angst, dass zukünftig noch deutlich mehr Arbeitsstellen durch KI-Prozesse ersetzt werden.

Die Software zum Tracking der Mitarbeiter:innen ist unterdessen pausiert worden, weil es einen etwaigen internen Daten-Leak gab. Einige Trainingsdaten könnten für manche Mitglieder des Konzerns einsehbar gewesen sein, schreibt etwa die BBC. Ob sie bald wieder eingesetzt wird, ist unklar. Die Belegschaft jedenfalls zeigte sich frustriert über die Methode, muss womöglich aber in den kommenden Monaten und Jahren mit weiteren Maßnahmen rechnen, die die KI-Kontrolle über Prozesse vorantreiben sollen.

Die Content- und Ads-Moderation steht dabei 2026 im Fokus. Gerade dieser Bereich steht unter besonderer Beobachtung. Immerhin wächst die Zahl der Inhalte auf Metas Plattformen enorm – und immer mehr KI-generierter Content kommt dazu, mehr und mehr nebenbei aufgenommene Videos oder Fotos könnten mit Wearables wie den neuen Smart Glasses folgen. Die Moderation all dessen ist schlicht und einfach Aufgabe von Meta. Der Konzern legt den Großteil der Kontrolle in die Technologie der KI. Doch die Kontrolle könnte auch entgleiten, wenn die Modelle dem menschlichen Anspruch an Einordnung nicht gerecht werden können. Ob Meta das schert, steht auf einem anderen Blatt.


Das sind die neuen Meta Glasses von Meta mit Kylie Jenner, Muse Spark und 26 Styles

Meta setzt zum Launch der neuen Meta Glasses auf die Reichweite von Kylie Jenner. Die Unternehmerin und Social-Media-Ikone steht im Mittelpunkt einer groß angelegten Kampagne für die gemeinsam entwickelte Starfire Edition.
© Meta via Canva

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„Als Marketer willst du immer mehr für deine Kundschaft tun“


Passend dazu hat LinkedIn kürzlich das Feature Connected Apps veröffentlicht. Damit können User in ihrem Profil Apps verknüpfen, die sie bei ihrer Arbeit verwenden, und aufzeigen, wie sie damit an unterschiedlichen Prozessen arbeiten. Auch Adobe Apps wie Adobe Express und Adobe Firefly werden bald integriert.


Neue Connected Apps auf LinkedIn:

Zeige deine Tool-Expertise direkt im Profil

Person (Silhouette) dunkel vor blauem Kreis im Hintergrund
© Ben Sweet – Unsplash

Da die AI Essentials for Marketers als Social-first-Lösung gelauncht wurden, können Marketer auf verschiedenen Ebenen davon profitieren. Zum einen haben sie die Chance, über die digitalen Touchpoints, an denen sie ohnehin tagtäglich arbeiten, die Kurse auszuwählen. Das spart Zeit, die im Arbeitsalltag oft knapp ist, weshalb viele Menschen auch keine umfassenden KI-Kurse besuchen. Zum anderen bietet LinkedIn als Plattform für die Darstellung eigener Entwicklungen und der Marketing-Prozesse im eigenen Unternehmen eine zeitgemäße Umgebung, um auch über AI Learnings zu sprechen. Und so erklärte Rachel Thornton:

Ich denke, dass soziale Medien für Marketer zu einer so wichtigen Plattform und einem wichtigen Kanal geworden sind, um Kund:innen zu erreichen, mit ihnen zu interagieren und Feedback einzuholen. Ich glaube daher, dass wir bei der Schulung von Fachleuten darauf Rücksicht nehmen sollten, wie sie selbst mit Kund:innen in Kontakt treten und mit ihnen interagieren.

Rachel Thornton im Portrait, © Adobe

Auch Adobe teilt über Mitglieder des Adobe Champion Programs und mithilfe von Expert:innen immer wieder eigene Best Practices in sozialen Medien. Gerade die Zusammenkunft von Marketern mit unterschiedlichen Perspektiven, Zielen, Fähigkeiten und Ansätzen hilft dabei, sich auf die KI-Zukunft vorzubereiten, so Thornton weiter mit Blick auf Adobes Austauschprogramme:

Wir versuchen, eine Mischung aus Skills und Schulungen anzubieten, aber auch die Möglichkeit für Marketer, von anderen Fachleuten zu erfahren, was sie gelernt haben und was sie tun. Ich halte das für sehr wirkungsvoll, denn wenn Marketer zusammenkommen und voneinander lernen, hilft dir das einfach dabei, dich wirklich in die Denkweise hineinzuversetzen: Hey, was machen die anderen so? Was kann ich daraus lernen? Wie kann ich das auf meine eigenen Ziele anwenden?

KI in der Anwendung: Personalisieren, kreieren, skalieren – und davon immer mehr

Wenn es darum geht, wie die erlernten und schon vorhandenen Fähigkeiten im Umgang mit KI den Marketern und auch anderen Mitarbeiter:innen konkret weiterhelfen, hat Rachel Thornton klare Antworten. Nach ihrer Ansicht nehmen die wichtigsten Skills in diesem Kontext Bezug auf die Brand-Sichtbarkeit gerade in KI-Diensten wie ChatGPT, Gemini, Perplexity und Co., auf die Kampagnenerstellung, die Verwaltung der CX und die Personalisierung im großen Stil.

Wenn du darüber nachdenkst, wie man eine Customer Journey personalisieren und Assets auf bestimmte Kund:innen zuschneiden kann, wird KI meiner Meinung nach von entscheidender Bedeutung sein – insbesondere im Zusammenspiel zwischen Kund:innendaten und der KI.

Auf dieser Grundlage lassen sich die Customer Journeys optimieren, wenn die passenden Kund:innendaten gefiltert und mit jenen aus Interaktionen mit der Marke angereichert werden. Die KI hilft bei der Skalierung solcher Prozesse, weil große Unternehmen und KMU dank spezifischer Tools und Agents nicht allein die Verwaltung und Analyse von Daten beschleunigen und vereinheitlichen können, sondern auch die Erstellung von Assets und Kampagnen. Wenn Adobe beispielsweise 30.000 bis 40.000 Assets parallel kreiert, hilft eine KI unweigerlich dabei, Ressourcen zu sparen. Das lässt sich auch im B2B-Segment anwenden, welches gerade auf LinkedIn im Fokus steht, wie Thornton betonte, die selbst schon für B2B-Unternehmen wie AWS, Salesforce, Microsoft und Cisco Systems arbeitete:

Ich glaube, dass B2B Marketer definitiv von dem profitieren, was KI bieten kann – nämlich schneller zu agieren, besser zu personalisieren und die richtigen Inhalte sowie die richtigen Kampagnenabläufe für diese B2B-Kund:innen zu entwickeln.

Das seien manchmal weniger Kund:innen als im B2C-Bereich, aber diese seien zentral für den Erfolg der Unternehmen. Ganz konkret kann die Optimierung der Markenkonformität mit Tools wie Adobe Brand Intelligence gelingen, die agent-basiert on brand Inhalte zu erstellen vermag. Dabei werden Designsysteme, Briefings und validierte Assets als Grundlage genutzt.

Beispiel für den Einsatz von Adobes Brand Intelligence, © Adobe
Beispiel für den Einsatz von Adobes Brand Intelligence, © Adobe

Auch der Firefly AI Assistant kann helfen, aus Ideen und Vorgaben mit Tools wie Photoshop und Co. schnell einsatzbereite Assets für dein Marketing zu erstellen. Solche Tools sind für Thornton die Grundlage einer Neuentdeckung des Marketing-Berufs mit seinen Potentialen. Denn jetzt können Marketer endlich noch mehr für ihre Kundschaft tun:

Man möchte immer noch mehr für seine Kund:innen tun, oder? […] Ich glaube, KI ermöglicht es Marketern, effektiv zu skalieren und agiler zu sein. In unserem Team, in meinem und bei Adobe, setzen wir jetzt Agents ein, um unseren Marketern dabei zu helfen, neue Zielgruppen zu finden, neue Kund:innensignale zu verstehen, Kampagnen schneller zu konzipieren und zu erstellen, aber vor allem zu experimentieren, um sicherzustellen, dass wir den Kund:innen die richtige Botschaft und das richtige Asset präsentieren. Es ist also fast so, als ob dein Marketing Team jetzt all die Aufgaben bewältigen kann, die verlangt werden, und zugleich Zeit hat, herauszufinden, welche neuen und spannenden Dinge wir noch umgesetzt werden könnten. Ich denke, Marketer sollten begeistert sein: „Hey, jetzt kann ich all diese tollen Kampagnen und Ideen umsetzen, über die ich nachgedacht habe. Und mit der Unterstützung von KI als Kolleg:in kann ich jetzt sogar noch mehr davon umsetzen.“


Adobes neuer Firefly AI Assistant setzt deine Ideen in Photoshop und Co. automatisch um

Oberfläche des Firefly AI Assistant zeigt die Erstellung von Produkt-Mockups für Becher, T-Shirt und Tasche per Texteingabe in einer zentralen Chat-Oberfläche.
© Adobe

Keine FOBO: Der Mensch und die Integrität müssen das Zentrum des Marketing bleiben

Angst vor der Zukunft, in der die KI-Technologie neben Aufgaben auch Arbeitsplätze übernehmen könnte, möchte Rachel Thornton nicht schüren. Ihr geht es angesichts der Möglichkeiten heutzutage eher darum, kreativer zu werden, besser Produkte und Kampagnen bauen zu können, das Guesswork zu reduzieren und in ungeahntem Maßstab zu skalieren. Die sogenannte FOBO (Fear of becoming obsolete) wird gerade in der Marketing-Branche indes genauso zum Alltag gehören wie der Einsatz von KI-Technologie. Bei diesem müsse jedoch immer der menschliche Faktor einen zentralen Einflussbereich behalten, so Thornton.

Ich glaube, menschliches Urteilsvermögen wird immer gebraucht. Du möchtest ja sicherstellen, dass in Situationen, in denen es auf das Urteilsvermögen besonders ankommt, die Integrität der Marke gewahrt bleibt. Das muss auf verantwortungsvolle Weise geschehen. Dabei stehen die Menschen absolut im Mittelpunkt.

Die Menschen bleiben das Herzstück der Kampagnenentwicklung, glaubt die Adobe CMO und betont, dass jede Marke mit ihrer eigenen Brand-Identität ermitteln muss, wie und wo sie überhaupt KI einsetzen möchte – und zu welchem Zweck. Es gibt auch konkrete Beispiele dafür, wo bewusst auf KI verzichtet wird. L’Oréal etwa lehnt KI-erstellte Ads ab.

L’Oréal ist zum Beispiel unser:e Kund:in, aber das Unternehmen nutzt keine KI, um den Hautton oder die Haarfarbe zu verändern. Das ist ein Beispiel dafür, dass sie diese Entscheidung getroffen haben; und jede Marke wird ähnlich vorgehen. Jede Marke wird sich überlegen, was für sie wichtig und markengerecht ist – und wo sie KI einsetzt und wo nicht.

Gleichzeitig arbeitet die Beauty-Marke jetzt mit OpenAI zusammen, um virtuelle Try-on Features zu ChatGPT zu bringen und in dem KI-Dienst prominenter aufzutauchen. Das Beispiel untermauert, wie differenziert der Einsatz von KI sein kann und welches Gewicht die Entscheidungen der Markenverantwortlichen haben. Adobe ist einer der Tech-Konzerne, die Marketer und Marken weltweit dabei unterstützen, herauszufinden, wie sie „kreative Konzepte entwickeln, Kampagnen aufsetzen und ihr Marketing gestalten“ können. Dabei kann Adobe nicht zuletzt auf die eigenen Marketing-Erfahrungen zurückgreifen, etwa für neue KI-Produkte. Dabei ist die erste Feedback-Schleife für gutes Marketing schon intern verankert.

Wir haben intern großes Glück, denn wir sind bei allen Produkten der Kunde Null.

Wenn du noch mehr über eines der neuesten Produkte, die AI Essentials for Marketers, erfahren möchtest, kannst du dir die Lernpfade auf der dedizierten Website zu Gemüte führen.

Das Interview mit Rachel Thornton wurde während des Vivatech Events in Paris digital aufgezeichnet. Wir haben die Inhalte aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Wir bedanken uns recht herzlich bei Rachel Thornton für ihre Zeit und Insights.


Der FOBO-Trend 2026:

Wie KI die Angst vor beruflicher Überflüssigkeit verstärkt

Eine Frau sitzt frustriert vor ihrem Laptop auf einem Sofa
© Darina Belonogova – Pexels

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Memes für die Ewigkeit mit Hall of Fame für Videokultur


Die Sammlung umfasst virale YouTube-Klassiker, frühe Livestreams, Flash-Animationen und Internet-Memes. Bei aller Lustigkeit vieler Clips steckt dahinter eine wichtige Frage: Welche digitalen Inhalte erzählen in Zukunft, wie Menschen heute leben, kommunizieren und Kultur erleben?


Forbes Top Creators 2026:
So krass stiegen die Einnahmen der Top 50 in nur 4 Jahren


Vom Viralhit zum Kulturerbe

Für das BFI sind Online-Videos längst mehr als Unterhaltung. Das Institut spricht vom „dritten Zeitalter des Bewegtbilds“ – nach Kino und Fernsehen. Denn sie prägen inzwischen, wie Menschen kommunizieren, lernen, lachen und Kultur erleben. Jedoch drohen viele dieser digitalen Zeitdokumente verloren zu gehen. Plattformen wie etwa Vine existieren nicht mehr und auch viele Flash-Inhalte lassen sich heute nicht mehr aufrufen. Will Swinburne, Kurator des Instituts, erklärte gegenüber der New York Times:

The videos have this almost scary ability to document so much of modern life. If you imagine losing that, you would lose access to what life was like at this time and how people were expressing themselves.

Mit dem Archiv will das Institut genau das verhindern und ein Stück Internetgeschichte für kommende Generationen bewahren. Die Sammlung umfasst ausschließlich britische Online-Kultur. Das Archiv erzählt die Geschichte eines Mediums, das in 30 Jahren vom Nischenphänomen zum wichtigsten Schauplatz für Unterhaltung, Information und Popkultur geworden ist. Welche Videos das BFI dabei für besonders prägend hält, zeigt ein Blick in die Sammlung.

Diese Videos erzählen 30 Jahre Internetgeschichte

Insgesamt hat das British Film Institute hunderte Online-Videos aus 30 Jahren Internetgeschichte in das Archiv aufgenommen. Über die Plattform BFI Replay sind derzeit jedoch nur 60 kuratierte Highlights der Sammlung öffentlich zugänglich. Alle öffentlich zugänglichen Videos der Sammlung stellt das British Film Institute kostenlos über BFI Replay bereit.

Das Video „Charlie Bit My Finger“ aus dem Jahr 2007 zählt zu den ersten globalen Viralhits des Internets und durfte deshalb auch im Archiv des BFI nicht fehlen. Der Clip zeigt einen Säugling, der seinem älteren Bruder in den Finger beißt. Was ursprünglich als privates Familienvideo gedacht war, entwickelte sich zu einem der bekanntesten viralen Videos der Internetgeschichte und erreichte fast 900 Millionen Aufrufe auf YouTube. 2021 verkaufte die Familie das Video zudem als NFT für 760.999 US-Dollar.

Noch weiter zurück reicht die Geschichte der sogenannten Trojan Room Coffee Pot Camera. Das Projekt entstand 1991 an der Universität Cambridge. Forschende installierten eine Kamera vor einer Kaffeemaschine, um aus der Ferne prüfen zu können, ob noch Kaffee verfügbar war. Das System gilt als eine der ersten Webcams der Welt und wird häufig als Vorläufer moderner Livestreams bezeichnet.

Ebenfalls Teil der Sammlung ist die Flash-Animation „Badgers“. Die Endlosschleife mit tanzenden Dachsen wurde Anfang der 2000er-Jahre millionenfach verbreitet – lange bevor Plattformen wie YouTube oder TikTok existierten.

Zu den archivierten Werken gehören auch das interaktive Web-Projekt „Online Caroline“ aus dem Jahr 2000, frühe Creator-Formate, Musikprojekte, Web-Serien und politische Satire.

Besonders kurios ist der Livestream „Will Liz Truss Outlast This Lettuce?“. Die britische Boulevardzeitung Daily Star stellte 2022 einen Salatkopf ins Netz und verfolgte live, ob dieser länger haltbar sein würde als die Amtszeit der damaligen Premierministerin Liz Truss. Der Salat gewann.

Welche deutschen Internetklassiker würden in ein Archiv gehören?

Welche deutschen Internetklassiker hätten einen Platz in einem solchen Archiv verdient? Neben dem weltbekannten Meme Technoviking und dem Viralhit Angry German Kid dürfte vor allem Coldmirrors Coldmirrors „Harry Potter und ein Stein“ nicht fehlen – ein Stück YouTube-Geschichte, das eine ganze Generation deutschsprachiger Internetnutzer:innen unterhalten hat.

Das Internet vergisst nie. Oder?

Viele prägende Momente der Internetgeschichte sind heute bereits verschwunden oder nur noch über Umwege auffindbar. Mit dem Ende von Flash wurden zahlreiche frühe Web-Inhalte unzugänglich, Plattformen wie Vine verschwanden komplett und mit ihnen zahllose Videos, Memes und digitale Kulturzeugnisse. Für Will Swinburne ist das ein grundlegendes Problem der Plattformökonomie:

None of these websites and platforms serve an archival purpose. They make no promise to preserve and save the work.

Anders als Bibliotheken, Museen oder Filmarchive verfolgen Plattformen primär wirtschaftliche Interessen. Inhalte bleiben verfügbar, solange Unternehmen darin einen Nutzen sehen. Eine langfristige Bewahrung digitaler Kultur gehört dagegen meist nicht zum Geschäftsmodell.

Doch wenn niemand diese Inhalte bewahrt, könnte ein Teil unserer digitalen Gegenwart verloren gehen. Während frühere Generationen ihre Zeit über Bücher, Filme und Fernsehsendungen dokumentierten, erzählen heute oft digitale Inhalte davon, wie Menschen leben, kommunizieren und Kultur erleben. Das macht die Archivierung digitaler Kultur umso wichtiger. Denn anders als im Fernsehzeitalter, als Millionen Menschen dieselben Sendungen sahen, erlebt heute jedoch kaum noch jemand exakt dieselbe Interneterfahrung. Inhalte, die fast jede:r kennt, gibt es zwar weiterhin. Die schiere Vielfalt des Internets sorgt jedoch dafür, dass kaum zwei Menschen dieselben digitalen Erinnerungen teilen, so das BFI.

Das Projekt gewinnt im Zeitalter generativer KI zusätzlich an Relevanz. Während immer mehr KI-generierte Videos das Netz fluten, dienen große Archive menschlich produzierter Online-Inhalte als wichtige Trainings- und Referenzgrundlage für moderne KI-Systeme. Die Frage, welche Inhalte bewahrt werden, entscheidet damit nicht nur darüber, wie wir uns an das Internet erinnern – sondern auch darüber, womit künftige KI-Modelle lernen.

Das BFI ist nicht die einzige Institution, die digitale Inhalte für die Nachwelt bewahren möchte. Zu den bekanntesten Projekten gehört das 1996 gegründete Internet Archive, das Milliarden Webseiten, Bücher, Software-Programme, Audioaufnahmen und Videos archiviert. Über die Wayback Machine lassen sich dort sogar frühere Versionen vieler Websites aufrufen.


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