Digital Business & Startups
Investoren reißen sich um Anthropic – Bewertung kratzt an 800 Milliarden Dollar
Anthropic sorgt mit Rekordbewertungen und starkem Wachstum für neue KI-Euphorie.
Michael M. Santiago/Getty Images
Anthropic hat in den vergangenen Wochen gleich mehrere Angebote von VCs auf dem Tisch gehabt, die das Unternehmen hinter Claude mit bis zu 800 Milliarden Dollar bewerten, also mehr als doppelt so viel wie aktuell. Das sagen mehrere Leute, die nah am Unternehmen dran sind.
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Gefragte Startups bekommen oft schon früh Angebote von Investoren auf den Tisch, die sie dann aber trotzdem häufig ablehnen.
IPO-Fantasie befeuert den Hype
Trotzdem zeigen die Bewertungen, die VCs ins Spiel bringen, wie groß die Nachfrage im Silicon Valley nach einer Beteiligung an Anthropic gerade ist – vor allem, während sich das Unternehmen auf einen möglichen Börsengang noch in diesem Jahr vorbereitet.
Ein Sprecher von Anthropic lehnte eine Stellungnahme ab.
Bewertung: Achterbahn nach oben
Anthropic schloss im Februar eine Finanzierungsrunde unter der Führung von GIC und Coatue ab, bei der das Unternehmen mit 380 Milliarden Dollar bewertet wurde. Das ist weniger als die Hälfte der Bewertung von 852 Milliarden Dollar, die OpenAI in der Finanzierungsrunde erreichte, die es letzten Monat abschloss.
Auf der Sekundärbörse Caplight, wo Investoren Anteile an nicht börsennotierten Unternehmen handeln können, wird Anthropic aktuell mit 688 Milliarden US-Dollar bewertet. Das entspricht einem Anstieg von 75 % in nur drei Monaten.
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Claude Code als heimlicher Star
Investoren und Gründer sind ziemlich begeistert vom schnellen Wachstum von Anthropic, und vor allem von der Dynamik rund um den KI-Programmierassistenten Claude Code.
„Sie sind einfach unschlagbar“, sagte Jared Quincy Davis, Gründer und CEO von Mithril, einer KI-Cloud-Plattform, letzte Woche auf der KI-Konferenz HumanX über Anthropic.
Zahlen, die VCs nervös machen
Anthropics Run-Rate-Umsatz – also der Umsatz, den ein Unternehmen über ein Jahr hinweg zu erzielen erwartet – ist auf 30 Milliarden US-Dollar gestiegen, gegenüber 9 Milliarden US-Dollar zum Ende des letzten Jahres, wie das Unternehmen letzte Woche bekannt gab. Das Unternehmen sagte außerdem, dass inzwischen über 1.000 Geschäftskunden jeweils mehr als 1 Million US-Dollar pro Jahr ausgeben – eine Zahl, die sich in weniger als zwei Monaten verdoppelt hat.
Mythos: zu gefährlich für die Öffentlichkeit?
Letzte Woche stellte Anthropic sein neuestes Modell „Mythos“ vor, das nach eigenen Angaben so leistungsstark ist, dass es aufgrund des Risikos von Cyberangriffen noch nicht für die breite Öffentlichkeit freigegeben werden kann.
„Das Mythos-Modell ist eine riesige Sache“, sagte Tomasz Tunguz, Gründer und General Partner von Theory Ventures, letzte Woche auf der HumanX. „Die Begeisterung ist enorm.“
Digital Business & Startups
Lidl-Konzern investiert 57 Millionen in deutsches Startup – warum?
Quantencomputer sollen Probleme lösen, an denen selbst heutige Computer scheitern. Und genau hier könnte Deutschland zeigen, dass es bei einer der wichtigsten Zukunftstechnologien vorne mitspielt. Eine große Hoffnung: Eleqtron aus Siegen. Das Startup hat gerade 57 Millionen Euro von der Schwarz-Gruppe eingesammelt – dem Konzern hinter Lidl und Kaufland. Wie überzeugt man einen der mächtigsten Konzerne Europas, Millionen in ein Quantenstartup zu stecken? Das haben wir Eleqtron-Gründer Jan Henrik Leisse gefragt.
Digital Business & Startups
Dieser Chef erhöht jedes Jahr automatisch die Gehälter seiner Mitarbeiter
Während viele Tech-Konzerne Benefits streichen und Stellen abbauen, geht das KI-Startup Lovable einen anderen Weg
Das Vibe-Coding-Startup Lovable will allen Vollzeitangestellten jedes Jahr zum Arbeitsjubiläum automatisch zehn Prozent mehr Gehalt zahlen – um Talente anzuziehen und langfristig zu halten.
„Wir betrachten Mitarbeiterbindung nicht als selbstverständlich. Sie wird als wachsender Wert gesehen, der aktiv anerkannt und belohnt wird“, schrieb Elena Varna, Growth Operator bei Lovable, am Donnerstag in einem Linkedin-Post.
Lovable setzt auf langfristige Mitarbeiterbindung
Lovable ermöglicht es Nutzern, mithilfe von KI-Prompts Apps, Websites und digitale Produkte zu bauen. Das Startup wurde erst 2023 gegründet und bereits im Dezember mit 6,6 Milliarden Dollar bewertet.
„Menschen werden wertvoller, je länger sie bleiben – und sie sollten sich keine Sorgen machen müssen, ob sie eine Gehaltserhöhung bekommen oder nicht“, schrieb Anton Osika in einem X-Post, in dem er einen Screenshot von Varnas Beitrag teilte.
„Je länger jemand bei Lovable bleibt, desto besser versteht die Person das Unternehmen, trägt zur Dynamik bei und prägt die Kultur“, sagte Maryanne Caughey zu uns. Die Regelung gilt laut Caughey für alle Vollzeitangestellten, die die Leistungserwartungen erfüllen.
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Warum ein deutsches KI-Startup jetzt verklagt wird
„KI-Steuerberater“ klingt nach Zukunft. Die Berliner Steuerberaterkammer sieht darin ein rechtliches Problem – und verklagt jetzt das Startup Accountable.
Stell dir vor, du baust ein Startup auf, alles läuft rund, und dann klopft nicht der VC an, sondern direkt die Berliner Steuerberaterkammer mit einer Klage an die Tür. Genau das ist jetzt bei Accountable passiert.
Das Steuer-Startup hat ein KI-Produkt namens „KI-Steuerberater“. Das soll Selbstständigen alles rund um Steuern leichter machen: Fragen beantworten, Belege sortieren, Steuererklärungen vorbereiten. Die Kammer sieht das kritisch. Grund: Schon der Begriff „KI-Steuerberater“ sei problematisch, weil er gegen Wettbewerbsregeln verstoßen und den geschützten Titel „Steuerberater“ berühren könnte. Auch das Produkt selbst steht in der Kritik, weil es aus Sicht der Kammer zu nah an klassischer Steuerberatung sei, ohne dass das Unternehmen dafür entsprechend zugelassen ist.
Mitgründer Tino Keller zeigt sich überrascht und sagt zu Gründerszene: Der Begriff „KI-Steuerberater“ erwecke seiner Meinung nach nicht den Eindruck eines echten Steuerberaters. „Wir sagen ja gar nicht, dass wir Steuerberater sind. Wir sagen, dass es sich um eine KI handelt“, argumentiert er.
Zwischen Gesetz und Software-Realität
Juristisch stützt sich die Kammer unter anderem auf das sogenannte Vorbehaltsrecht von Steuerberatern. Heißt: Bestimmte Aufgaben wie echte, individuelle Steuerberatung dürfen nur von entsprechend ausgebildeten und zugelassenen Profis gemacht werden.
Das Startup kontert: Diese Grenzen werden eingehalten. Man arbeite zwar mit Steuerberatern zusammen, bleibe aber bewusst aus deren Kerngeschäft raus. Die eigenen Mitarbeiter dürften keine Steuererklärungen oder klassischen Vorbehaltsaufgaben machen, solche Fälle würden direkt an Steuerberater gehen.
Gleichzeitig räumt er ein, dass sein Produkt bei komplizierteren Fällen, etwa mit Immobilien, GmbH-Anteilen oder Krypto an seine Grenzen stößt. Dann werde ein Export erstellt und an Steuerberaterpartner übergeben, die die Steuererklärung übernehmen, erklärt er. „Unser Anspruch ist, dass wir uns ans Gesetz halten. Wir haben nur eine andere Interpretation als die Steuerberaterkammer“, so Keller.
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Dass die Kammer jetzt juristisch vorgeht, sorgt beim Startup eher für Stirnrunzeln als für Panik, vor allem weil die Software längst von tausenden Selbstständigen genutzt wird, wie Keller erzählt.
KI trifft Regulierung: Ein struktureller Konflikt
Accountable sieht die Sache nicht nur als reinen Streit um das eigene Produkt. Für Keller geht es grundsätzlich darum, wie KI in streng regulierten Bereichen überhaupt eingesetzt werden darf. „Innovation sollte man nicht verbieten. Die Frage ist vielmehr, ob sie in Deutschland vorangetrieben wird oder woanders“, sagte er uns.
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Auch die Klage selbst könnte aus seiner Sicht ein Signal über den Einzelfall hinaus setzen. „Ich glaube auch, die Angst vor solchen Klagen bremst Innovation.“ Gleichzeitig gehe es darum, den Streit zu klären und Regeln für KI zu entwickeln: „Wir fechten das jetzt aus und danach gibt es hoffentlich eine gesellschaftliche Diskussion und Entscheidungen dazu.“
Wie sehen das andere Steuerexperten? Wir haben dafür mit Fabian Walter, besser bekannt als „Steuerfabi“ gesprochen. Auf Tiktok und Instagram folgen mehr als 1,3 Millionen Menschen seinen Beiträgen über die komplexe Welt der Steuern. „Im Kern geht es aus meiner Sicht um den Schutz des Berufsstands“, sagt Walter zu Gründerszene. Ganz falsch sei das aus seiner Sicht nicht, weil der Titel „Steuerberater“ für Qualität und Verantwortung stehe. Gleichzeitig kritisiert er aber: „Die Kammer greift ein Symptom an, nicht die Ursache. Viele Selbstständige finden keinen Steuerberater oder können sich keinen leisten.“
Dennoch mein Walter: „Die Bezeichnung KI-Steuerberater halte ich für problematisch“. Der Begriff suggeriere eine Art Berufsausübung, die eine Software nicht leisten könne. „Eine KI haftet nicht und kann dich auch nicht vor dem Finanzamt vertreten“, so seine Kritik. Besser seien Begriffe wie Steuer-KI oder KI-Steuerassistenz. Aber er denkt auch: Hätten Berufsstand und Kammer stärker an solchen KI-Lösungen mitgearbeitet, wäre der Konflikt womöglich entspannter verlaufen.
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