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Künstliche Intelligenz

KI-Ära: Werden Dating-Apps nun unmenschlich?


Partnersuche als Naturwissenschaft? Ausgerechnet Chemie („Chemistry“) nennt Tinder eine neue KI-gestützte Funktion in einigen Ländern gegen sogenannte Dating-Fatigue. Nutzende bekommen täglich „eine kuratierte Empfehlung“, statt sich „endlos durch Profile zu liken“, so das Unternehmen. „Wir nutzen KI, um relevantere Verbindungen herzustellen“, sagt Spencer Rascoff, CEO der Match Group, zu der Tinder gehört.

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Auch in der schwulen App Grindr, die einst das GPS-basierte Dating erfand, gibt es mehr Künstliche Intelligenz – aber auch Probleme, die manchem die Partnersuche verleiden. Bei Tinder werden dank KI-Sprachmodellen Messages erkannt, die eine Grenze überschreiten. Neu ist eine Auto-Blur-Funktion, die potenziell respektlose Inhalte automatisch verschwimmen lässt. Die meist jungen Nutzenden können so entscheiden, ob sie eine Nachricht überhaupt sehen wollen. „Are You Sure?“ (Bist du sicher?) erinnert Sendende daran, respektvoll zu bleiben.

Eine repräsentative Bitkom-Umfrage bei Internet-Usern ab 16 ergab, dass 77 Prozent der befragten Frauen und 69 Prozent der Männer es „problematisch“ finden, „wenn KI zu sehr in den Bereich von Liebesbeziehungen vordringt“.

„Dating-Apps, den Raum der Intimität, darf man als gesellschaftliches Feld nicht unterschätzen“, sagt der Soziologe Thorsten Peetz über Tinder, Bumble und Co. „Online-Dating machen sehr viele Menschen, auch wenn sie vielleicht nicht darüber reden. Sie erleben dabei Anerkennung und die Erfüllung von Wünschen. Es ist für die Identität vieler Menschen sehr wichtig.“ KI spiele auch in Dating-Apps zunehmend eine Rolle, sagt Peetz, ein Experte für Bewertungsprozesse.

„Leute nutzen sie, um Profiltexte zu generieren und um ihre Fotos zu bearbeiten. Außerdem treten neue Formen des Scamming auf. Leute nutzen KI in Form von Bots, besser gesagt: Agents, um sich Vertrauen zu erschleichen, womöglich eine Liebesbeziehung vorzutäuschen. Es geht dann meist darum, die Leute zu überreden, Geld irgendwohin zu überweisen.“ Es sei schwer zu sagen, wie weit das verbreitet sei. „Ich gehe aber davon aus, dass sich viele mit Bots konfrontiert sehen. So liest man auf Tinder bei Frauen öfter mal Sätze wie ‚Bitte keine Krypto-Bros‘.“

Das sei wohl ein Zeichen, dass sie mit echten Männern schreiben wollten und nicht mit Bots, die es darauf anlegen, die Kommunikation auf andere Plattformen umzulenken. „Die abtörnenden Probleme langweiliger ‚Was suchst du?‘-Fragen oder Dickpics ohne Vorwarnung gibt es ja außerdem noch“, sagt eine Tinder-Nutzerin Anfang vierzig in Hamburg.

Frust erleben nicht nur Frauen, sondern auch Schwule mit der Vorreiter-App Grindr. Sie ist Teil der Popkultur – fast so wie Tinder mit dem Swipen (Wischen). Beim Eurovision Song Contest löste sie einst Lacher aus. Als 2024 Moderatorin Petra Mede das Handy eines Manns in der Halle nahm, um damit die Eurovision-App angeblich zu erklären, hagelte es den markanten Benachrichtigungssound von Grindr. „Scheint, du hast eine wundervolle Woche hier in Malmö.“

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Die Hauptprobleme von Grindr seien heute Display Advertising und Bots, sagt ein Grindr-Nutzer Mitte dreißig in Köln, der im Zusammenhang mit Promiskuität keinen Klarnamen zitiert sehen mag. Werbung unterbreche einen bei fast jeder Interaktion. Für einen Dienst, der einst antrat, Nutzer schnell miteinander zu verbinden, gibt es gefühlt arg viele Störfaktoren. „Nervige Spiele, in denen man eine Prinzessin oder einen Welpen aus Lava retten soll oder so was.“ Dazu noch die Bots – gefälschte Profile, die Spam schicken, auf Websites Dritter verlinken.

Thomas in Wien beschwert sich über die hohen Preise, um die Unterbrechungen abzustellen und den eigentlichen Zweck der App genießen zu können (sprich: jemanden rasch für Casual Sex finden, wie er es ausdrückt). Als er vor rund 15 Jahren Grindr zu nutzen anfing, habe er um die 3 Euro bezahlt, um einen Monat lang die werbefreie Version zu nutzen. Sie habe die Zahl der ansehbaren Männer im Profilraster verdoppelt. Heute kostet das Abo „Unlimited“ rund 24 Euro – pro Woche. Es schaltet alle Profile frei und ermöglicht etwa, Fotos zu versenden, die nach dem Öffnen verschwinden.

Geld, das in App-Abos geht, fehlt womöglich queeren Clubs und Bars. Manche Aktivistinnen und Aktivisten sehen deshalb die Politik in der Pflicht. Die Partei Die Linke fordert eine Digitalsteuer für große Tech-Konzerne. „Wer Grindr ohne Abo nutzt, wird von Werbung überrollt und kann kaum vernünftig kommunizieren. Man wird faktisch gezwungen, Geld auszugeben, während gleichzeitig Infrastruktur wegbricht“, sagte Maik Brückner kürzlich dem Berliner Magazin „Siegessäule“. Er ist Sprecher für Queerpolitik der Linksfraktion.

Als Grindr 2009 startete, machte die App das Kennenlernen unter Männern, die Sex mit Männern haben, enorm einfacher. Die schwule Dating-Kultur, die als lockerer gilt, kam seitdem immer mehr im Mainstream an. Heteros leben heute mitunter genauso sexpositiv, wie es viele Queers dem Klischee zufolge tun. Manche Schwule sehen angesichts der gesellschaftlichen Akzeptanz und folglich größeren Offenheit kaum noch einen Grund, Grindr zu nutzen, oder ähnliche Apps wie Scruff, Hornet und Growlr.

Der Produktchef von Grindr, Austin Balance, sagt, das Kerngeschäft sei nicht mehr das Kennenlernen. Treffen und Cruising seien nur ein Teilbereich. Doch braucht man wirklich Grindr statt einer gewöhnlichen Social-Media-App, um etwa auf Reisen nach Tipps für Bars, gute Restaurants und Partys zu fragen? Wer mehr Kink mag, weicht inzwischen ohnehin oft auf speziellere Portale aus, die webbasiert sind und den App Store oder Play Store umgehen. Für andere läuft es auch gut im Mainstream: „Gerade in Großstädten sind ja viele geoutet“, sagt ein Mittzwanziger in Berlin. „Ich seh‘ im Instagram-Profil eines attraktiven Typen eine Regenbogenflagge in der Bio und denke ‚Den kann ich mal kontaktieren und ganz easy anschreiben‘.“

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DuckDuckGo-Browser blockiert jetzt YouTube-Werbung | heise online


Werbeunterbrechungen in Youtube-Videos nerven ihre Zuschauer jeden Tag aufs neue – mit dem DuckDuckGo-Browser sollen sie jetzt der Vergangenheit angehören. Wie die Entwickler mitteilen, gibt es in der neuen Version ein Feature, das die Werbungen zum ganz großen Teil herausfiltern soll.

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Die Funktion ist demnach bereits standardmäßig in der neuen Version für iPhone, Windows und macOS aktiviert, teilt DuckDuckGo mit. In Android muss sie noch manuell angeschaltet werden, bald soll sie aber auch hier voreingestellt sein. Bis dahin geht das in den Einstellungen unter dem Menüpunkt „Ad Blocking“. Die Option lässt sich beliebig an- und ausschalten. Laut DuckDuckGo können sich durch den neuen Blocker die Buffering-Zeiten vor dem Abspielen eines Videos geringfügig verlängern, dafür soll jedoch der größte Teil der Werbeunterbrechungen vor und während eines Videos entfallen.

Die Funktion ist nicht Teil des browserintegrierten Duck Players, der darauf ausgelegt ist, Ablenkungen durch andere Apps beim Ansehen eines Videos zu minimieren. Es handelt sich laut DuckDuckGo um ein eigenständiges Feature, welches aber gemeinsam mit dem Duck Player verwendet werden kann.

Um YouTube-Werbung zu erkennen und zu blockieren, setzt der Browser auf Filterlisten, die von der uBlock-Origin-Community stammen. uBlock Origin ist eine Open-Source-Browsererweiterung, die ebenfalls zum Blockieren von Werbung dient. Diese Listen werden laufend gepflegt und regelmäßig aktualisiert, um mit den Änderungen bei der Auslieferung von Werbung Schritt zu halten. DuckDuckGo will eventuell aber auch eigene Regeln anwenden, um die Kompatibilität zu verbessern und Fehlfunktionen zu reduzieren.

Die Schattenseite solcher Funktionen betrifft die Creator auf Youtube, die an den Werbeeinnahmen ihrer Youtube-Videos beteiligt werden. Ihnen entgeht damit Geld, das besonders für kleine Kanäle wichtig ist.

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„Digital Fairness Act“ soll auch Spielehersteller und kleine Händler treffen


Mit dem geplanten „Digital Fairness Act“ (DFA) will die Europäische Union nicht nur den Zugang zu Social Media für Kinder und Jugendliche regeln. Die neue Verordnung soll auch Lücken schließen, die sich bei der bisherigen Anwendung von „Digital Markets Act“ (DMA) und „Digital Services Act“ (DSA) ergaben. Diese beiden betreffen vor allem besonders große Anbieter wie Google, Shein und Temu.

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Gegen kleinere Unternehmen, etwa Onlinehändler, gab es aber bisher keine formellen Untersuchungen oder gar Strafen nach DMA oder DSA. Das soll sich mit dem Fairness Act ändern, wie Justiz- und Verbraucherschutzkommissar Michael McGrath laut einem Bericht der Financial Times in dieser Woche in Brüssel sagte.

Auch Spielehersteller sollen von der neuen Verordnung erfasst sein. Dies zeichnete sich bereits ab, als die Initiative „Stop Killing Games“ Mitte Juni bei der Kommission abblitzte. Das Gremium sah sich auf Basis der bisherigen Regeln rechtlich nicht in der Lage, Spielehersteller etwa zu einem langfristigen Betreiben von Servern oder der Offenlegung von Quellcode zu verpflichten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Fairness Acts soll sein, dass Verbraucher vor Manipulation auf Webseiten und in Apps besser geschützt werden. Abofallen und „dark patterns“, die zu vielleicht nicht wirklich erwünschten Käufen führen, sollen bekämpft werden. Dabei, so Kommissar McGrath, gebe es aber „kein Allheilmittel, das alle Probleme löst, ich denke, wir werden ein Bündel von Maßnahmen benötigen, die ineinandergreifen.“ Schon früher gab es Kritik, dass eine neue Verordnung sich zu sehr mit DSA und DMA überschneiden könnte.

McGrath sieht aber „Lücken beim Online-Verbraucherschutz“. Diese soll der DFA schließen, vor allem mit Blick auf minderjährige Nutzer. Auch die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hatte sich schon für neue Regeln ausgesprochen, ebenso der Verbraucherzentrale Bundesverband. Die schon Ende 2024 angekündigte Verordnung soll nun Ende des Jahres 2026 in einer ersten Fassung vorgestellt werden.

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Xiaomi Smart Band 10 Pro im Test: Einer der besten Fitness-Tracker


Xiaomi hat das Smart Band 10 Pro mit GPS, verbessertem Display und einer praktischen Neuerung ausgestattet – wir haben den Tracker getestet

Wenn Xiaomi einen Fitness-Tracker neu auflegt, sind die Neuerungen gegenüber dem Vorgänger meist überschaubar. Beim Smart Band 10 Pro hat der Hersteller aber doch ein paar Anpassungen vorgenommen, die den Kauf auch für Besitzer der Vorgängerversion interessant machen können. Das Smart Band 10 Pro bietet ein gewohnt schlichtes Design, ein helleres Display, integriertes GPS und die Möglichkeit, den Tracker zeitgleich mit zwei Smartphones zu verbinden. Wie gut sich das Gerät in der Praxis schlägt, zeigt unser Test.

Design & Tragekomfort

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das neue Smart Band 10 Pro nicht vom Vorgängermodell, dem Smart Band 9 Pro. Xiaomi setzt wieder auf das gewohnte rechteckige Design, das eine dezente Eleganz versprüht. Das Gehäuse des Trackers besteht aus Aluminium, während für das Armband thermoplastisches Polyurethan (TPU) zum Einsatz kommt. Xiaomi verkauft das Smart Band 10 Pro in den Farben Schwarz, Pink und Silber. Außerdem gibt es eine besondere Variante mit weißem Keramikgehäuse und einem Armband aus Fluorkautschuk, für die ein Aufpreis von 20 Euro gegenüber der Standardversion anfällt.

Xiaomi gibt für das Smart Band 10 Pro eine Wasserdichtigkeit von 5 bar an, wodurch der Tracker dem Druck in einer Wassersäule von bis zu 50 m standhält. Wie das Vorgängermodell können wir das Smart Band 10 Pro also zum Schwimmen in flachem Wasser verwenden und unter der Dusche tragen.

Beim Tragekomfort hat Xiaomi wieder ganze Arbeit geleistet: Mit einem Gewicht von 21,6 g ohne Armband (oder 28,7 g in der Keramikvariante) ist das Smart Band 10 Pro sogar noch einmal leichter als der Vorgänger mit 24,5 g. Dadurch spüren wir den Tracker am Handgelenk praktisch gar nicht. Auch beim Armband hat Xiaomi zumindest etwas nachgebessert: Die Druckknopfschließe ist zwar immer noch vorhanden, aber immerhin gibt es jetzt eine verschiebbare Schlaufe, durch die wir das Armband schieben können. Der Schließmechanismus ist dadurch weniger fummelig als zuvor.

Display

Das AMOLED-Display ist beim Smart Band 10 Pro mit 1,74 Zoll und einer Auflösung von 480 × 336 Pixeln mit dem des Vorgängermodells identisch. Allerdings hat Xiaomi an der Helligkeit gedreht: Schaffte das Smart Band 9 Pro noch maximal 1200 Nits, liegt dieser Wert beim Smart Band 10 Pro jetzt bei 2000 Nits. Das sorgt für eine noch bessere Lesbarkeit der Anzeige, die im Test keinerlei Probleme mit direkter Sonneneinstrahlung bekommt. Für die Helligkeit gibt es eine automatische Anpassung sowie einen speziellen Sonnenlichtmodus, wobei letzterer allerdings zulasten der Akkulaufzeit geht. Alternativ können wir die Helligkeit aber auch stufenlos manuell verstellen. Eine Always-on-Funktion steht ebenfalls zur Verfügung.

Einrichtung & Bedienung

Wie beim Vorgängermodell installieren wir auch für das Smart Band 10 Pro die Mi-Fitness-App und koppeln den Tracker via Bluetooth mit unserem Smartphone. Dabei gilt: Ein Nutzerkonto ist nicht erforderlich, hilft aber dabei, bereits vorhandene Daten auf andere Geräte zu übertragen. Die Einrichtung selbst dauert nur wenige Minuten. Anschließend bekommen wir mit einer kurzen Anleitung die Bedienung des Trackers nähergebracht.

Ebenso wie beim Smart Band 9 Pro verzichtet Xiaomi auch beim Smart Band 10 Pro auf eine Bedientaste am Gehäuse. Die Steuerung erfolgt ausschließlich über das Touch-Display mithilfe von Wischgesten. Im Test funktioniert das größtenteils einwandfrei. Der Bildschirm reagiert zügig und zuverlässig auf unsere Eingaben. Ruckler oder Verzögerungen konnten wir nicht feststellen. Lediglich mit leicht verschmutzten Fingern hat das Display kurzzeitig Probleme.

Training & Fitness

Wie schon beim Smart Band 9 Pro schöpft Xiaomi bei der Auswahl der Trainingsprofile auch beim Smart Band 10 Pro wieder aus dem Vollen. Der Tracker bietet eine Auswahl von mehr als 150 verschiedenen Sportprofilen, unterteilt in verschiedene Kategorien wie Outdoor-Aktivitäten, Ballsport, Wassersport oder Trainieren. Positiv: Die einzelnen Profile bieten teilweise nützliche Zusatzfunktionen: Beim Beckenschwimmen können wir die Bahnlänge einstellen, um die geschwommene Distanz aufzuzeichnen, während beim Seilspringen die absolvierten Sprünge gezählt werden. Nützlich ist auch die Funktion, bei verschiedenen Sportarten einzelne Runden oder Sätze festzulegen. Ein Aufwärmprogramm steht vor jedem Training ebenfalls zur Verfügung und wird uns auf dem Display angezeigt.

Ausdauersportler wie Läufer und Radfahrer profitieren zusätzlich von spezifischen Datensätzen wie Tempo, Bodenkontaktzeit, Schrittfrequenz und Höhendifferenz. Die Auswahl der gemessenen Werte geht dabei in Ordnung, allerdings hätten wir uns gerade beim Radfahren noch ein paar zusätzliche Daten gewünscht (etwa Anstiege oder Höhenmeter). Aber passionierte Radsportler nutzen in der Regel ohnehin eher einen dedizierten Radcomputer als einen Fitness-Tracker für das Training, insofern ist dieser Mangel zu verschmerzen.

Das Herzstück des Xiaomi Smart Band 10 Pro ist selbstverständlich der optische Pulssensor. Der Hersteller wirbt hier explizit mit einem neuen PPG-Modul, das gegenüber dem Vorgängermodell eine höhere Genauigkeit bieten soll. Bei beiden Trackern hat Xiaomi jeweils zwei LEDs und zwei PD-Sensoren verbaut, allerdings unterscheiden sich die Module im Aufbau. Beim Smart Band 9 Pro befinden sich die Sensoren im Kreis angeordnet gegenüber den LEDs, während sie beim Smart Band 10 Pro jeweils diagonal angeordnet sind.

Ob die Anpassung des Sensors wirklich eine Verbesserung der Genauigkeit mit sich bringt, lässt sich schwer nachvollziehen. Denn wir konnten bereits dem Smart Band 9 Pro eine hohe Genauigkeit bei der Pulsmessung bescheinigen. Auch das Nachfolgemodell macht dementsprechend einen hervorragenden Job. Die Messung der Herzfrequenz funktioniert exzellent und produziert gegenüber einem Brustgurt nur minimale Ungenauigkeiten bei stark schwankendem Puls. Bei einem HIIT-Training lagen die Abweichungen im Bereich von bis zu drei Schlägen pro Minute.

Eine höhere Genauigkeit verspricht Xiaomi auch für das GPS-Tracking gelaufener Routen. Dabei werden wie beim Vorgänger neben GPS auch GLONASS, Galileo, Beidou und QZSS unterstützt. Um zu prüfen, wie genau das Smart Band 10 Pro wirklich arbeitet, haben wir es beim Laufen parallel mit einer Garmin Fenix 7 ausprobiert. Das Ergebnis: Die Genauigkeit fällt minimal geringer aus als bei der Garmin, allerdings sind die Abweichungen vernachlässigbar und beschränken sich auf wenige Meter im zweistelligen Bereich auf 20 km.

Ein Navigationsfeature mit Abbiegehinweisen hat das Smart Band 10 Pro übrigens nicht zu bieten, allerdings kann man ein solches Feature von einem Fitness-Tracker auch nicht erwarten.

Schlaf & Gesundheit

Die Fitness-Tracker von Xiaomi gehören seit jeher zu den Geräten, die eine recht ausführliche Schlafanalyse bieten. Das Smart Band 10 Pro bildet da keine Ausnahme und setzt auf Xiaomis hauseigenen Schlafalgorithmus. Der Tracker misst dabei Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt, Schlafdauer, Schlafphasen, Blutsauerstoffsättigung und Atmung. Nach jeder Nacht bewertet der Algorithmus unseren Schlaf, wobei wir in der App eine ausführliche Interpretation der Daten nachlesen können. Außerdem schlägt uns die Software vor, wie wir unseren Schlaf verbessern können.

Wer mindestens sieben Tage den eigenen Schlaf mit dem Smart Band 10 Pro aufzeichnet, bekommt ein Schlaftier zugewiesen. Daraus ergeben sich dann Rückschlüsse über die eigenen Schlafgewohnheiten: Koalabären bleiben beispielsweise lange wach, schlafen aber sehr fest, sobald sie eingeschlafen sind. Haie hingegen schlafen nur wenig und gehen erst spät ins Bett. Wer möchte, kann zudem in der Mi-Fitness-App einen Plan zur Schlafverbesserung starten, der dann konkrete Tipps wie sportliches Training oder rechtzeitiges Zubettgehen beinhaltet. Die meisten dieser Tipps umfassen keine neuartigen Erkenntnisse, können aber dabei helfen, eine gesunde Schlafroutine zu etablieren.

Weitere Gesundheitsfunktionen umfassen neben der Pulsmessung die Aufzeichnung von Blutsauerstoffsättigung, Hauttemperatur, Stresslevel und Blutdruck. Das funktioniert im Test alles problemlos und der Tracker liefert durchgehend glaubwürdige Ergebnisse. Frauen können schließlich noch auf ein Zyklustracking zurückgreifen, das die Vorhersage des nächsten Periodenbeginns sowie fruchtbarer Tage und des Eisprungs erlaubt. Leider beschränkt sich diese Funktion auf einen bloßen Kalender. Es gibt keine Möglichkeit, die eigene Körpertemperatur, zusätzliche Symptome oder den Zustand des Zervixschleims zu notieren. Allerdings bekommt jede Käuferin eines Xiaomi Smart Band 10 Pro einen kostenlosen Dreimonatszugang zur Zyklustracking-App Clue Plus.

Weitere Features

Die Auswahl zusätzlicher Features ist beim Xiaomi Smart Band 10 Pro nicht sehr umfangreich, hat aber trotzdem ein Highlight zu bieten. Denn der Tracker unterstützt die zeitgleiche Synchronisierung von Nachrichten auf zwei Smartphones. Dieses Feature ist besonders nützlich für Personen, die ein privates und ein geschäftliches Mobiltelefon nutzen. Allerdings hat die Sache einen wichtigen Haken: Die parallele Synchronisierung funktioniert nur mit Xiaomi-Smartphones inklusive Xiaomi Hyper OS 3 oder höher sowie iPhones mit iOS 14 oder höher. Geräte anderer Hersteller bleiben außen vor. Auf Funktionen wie kontaktloses Bezahlen via NFC oder einen integrierten Musikspeicher müssen wir beim Smart Band 10 Pro übrigens komplett verzichten.

Akku

Laut Xiaomi hält der Akku des Smart Band 10 Pro bis zu 21 Tage durch – eine Angabe, die sich auf dem Niveau des Vorgängers bewegt, der dieselbe Laufzeit verspricht. Im Test mit automatischer Helligkeitsregelung, deaktiviertem Always-on-Display, aktiven Benachrichtigungen und drei eineinhalbstündigen Workouts pro Woche hielten wir knapp 17 Tage durch – ein ausgezeichneter Wert für einen Fitness-Tracker.

Preis

Die unverbindliche Preisempfehlung von Xiaomi für das Smart Band 10 Pro beträgt in der Standardversion 80 Euro, für das Keramikmodell werden 100 Euro fällig. Der Straßenpreis bewegt sich für das normale Modell im Bereich um 72 Euro, die Keramikvariante kostet 89 Euro. Preislich lässt sich das Smart Band 10 Pro also mit dem Huawei Band 11 Pro vergleichen, das teilweise aber schon für rund 50 Euro zu haben ist.

Fazit

Das Xiaomi Smart Band 10 Pro bietet gegenüber dem Vorgängermodell ein paar Neuerungen, aber unserer Meinung nach nicht genug, um einen Kauf zu rechtfertigen. Das Smart Band 9 Pro konnte bei Displayhelligkeit und Genauigkeit der Pulsmessung bereits so sehr überzeugen, dass diesbezügliche Verbesserungen beim Smart Band 10 Pro nicht wirklich spürbar ins Gewicht fallen.

Die eine wirklich nennenswerte Neuerung, nämlich die Möglichkeit, zwei Smartphones zeitgleich mit dem Tracker zu verknüpfen, krankt an der begrenzten Einsatzfähigkeit. Ansonsten ist das Smart Band 10 Pro zwar kein schlechter Fitness-Tracker, muss sich aber mit einer starken Konkurrenz messen. Insbesondere das Huawei Band 11 Pro ist in Hinblick auf Preis und Features derzeit die bessere Wahl.



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