Künstliche Intelligenz
Missing Link: Letzte Schule Berlins hat Glasfaseranschluss – und nun?
Die älteren unter den Lesern erinnern sich noch gut: 1996 waren es Telekom-Chef Ron Sommer und der „Zukunftsminister“ Jürgen Rüttgers, welche die Parole „Schulen ans Netz“ ausriefen – zu einer Zeit, als das im besten Fall für Schulen noch ISDN meinte. Die Schulen wollten oft, aber bis es soweit war, vergingen teils viele Jahre. Aus ISDN wurde DSL, dann VDSL und manchmal Kabelinternet. Dabei ist spätestens mit dem Coronakrisenjahr 2020 auch den letzten klar: Glasfaser wäre auch für die meisten Schulen dringend nötig. 30 Jahre nach dem Start von „Schulen ans Netz“, der gleichnamige Verein ist längst abgewickelt, hat sich das Problem weiterentwickelt – und vieles bleibt weiterhin ungelöst. Doch das scheint weniger eine Frage der Technik.
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An der Grenze (des Machbaren)
Hellersdorf gilt nicht oft als Vorzeigegegend Berlins. Aber nur wenige Meter vor der Berliner Stadtgrenze zu Ahrensfelde in Brandenburg, die vor allem durch ein riesiges Einkaufszentrum im Nachbarbundesland sichtbar ist, steht eine Schule, in der die Digitalisierung ziemlich angekommen ist. Ob Großmembranmikro, Greenbox, Schnittcomputer und Sprecherkabine für die Medienproduktion, Lego-Robotik oder mehrere 3D-Drucker und eine bunte Auswahl an Filamenten: an der Ernst-Haeckel-Schule ist einiges möglich. Und zumindest einige Schüler sind stark begeistert von dem, welche Möglichkeiten sich ihnen hier bieten. Nur eine Kleinigkeit, die fehlte bislang – und das war eher schmerzhaft.
Denn der Schule fehlte eines: eine schnelle Glasfaseranbindung. Und das sei heutzutage definitiv kein „nice to have“, bekräftigt Kai Baumeister, der die Schule mit ihren fast 1.000 Schülern leitet, sondern ein zwingendes Muss. „Wir leben in einer digitalen Gesellschaft, Schülerinnen und Schüler wachsen ganz selbstverständlich mit Smartphones, Plattformen und digitalen Werkzeugen auf. Und Schule darf das nicht ignorieren, sondern muss das mitgestalten.“ Und dafür brauche sie eben auch selbst wirklich schnelles und verlässliches Internet.

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.
An diesem Freitagmorgen sitzt Baumeister neben Vertretern des Landes und des Bezirks als eigentlich für die Schulinfrastruktur zuständiger Verwaltungseinheit und einer Vorständin des IT-Dienstleistungszentrums Berlin. Denn seine Schule war die letzte, die nun in Berlin per Glasfaser versorgt wurde. Denn sie liegt auf schwierigem Terrain, in wahrstem Sinne des Wortes – Fernwärmerohre, Straßenbahngleise, ein Naturschutzgebiet, all das umgibt die Schule.
Verwaltung schafft sich einen Workaround um sich selbst
Für die Berliner Landespolitik ist das, was viele IT-affine Menschen als selbstverständlich erachten würden, ein großer Erfolg. Denn eine der größten Schwierigkeiten wurde dabei geknackt. „Wenn wir das als Bezirk selber hätten machen müssen, in allen 50 Schulen Breitbandinternet selber legen zu müssen, hätten wir heute hier nicht gesessen, befürchte ich“, sagt der Bezirks-Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf Stefan Bley. Berlin hat in gewisser Weise einen Workaround für seine Verwaltungszuständigkeiten erarbeitet: Das Land hat den eigenen Dienstleister beauftragt, das IT-Dienstleistungszentrum. Das hat den Bezirken, die in Berlin zwar keine echten Kommunen wie in anderen Bundesländern, aber ähnlich wie diese als Träger für die Schulen verantwortlich sind, ein unwiderstehliches Angebot gemacht: Wir bringen Eure Schulen ans Netz und kümmern uns anschließend darum – schließen einen Rahmenvertrag. Wer sollte da nein sagen? Die Berliner Bezirke und ihre Schulen jedenfalls nicht.
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Überraschung: Im Bildungsbereich kann auch etwas Hand in Hand gelingen – trotz verschiedenster Zuständigkeiten und Finanzierungstöpfe. Die Beteiligten zeigten sich bei der Pressekonferenz gutgelaunt.
(Bild: ITDZ Berlin/ Stadt I Land I Mensch – FOTOGRAFIE)
Denn damit werden gleich drei Dauerprobleme adressiert: Schulleitungen sind meist keine guten IT-Administratoren, Kommunen haben in vielen Fällen weder die Expertise noch die Erfahrung, um IT für Schulen auszurollen und zu betreiben. Und das dritte gelöste Problem: die Finanzierungsseite. Denn der Großteil der Kosten wurde nun erst einmal aus Mitteln des Digitalpakts Schule finanziert, dessen Nachfolger nach wie vor nicht zwischen Bund und Ländern in allen seinen Feinheiten ausverhandelt ist. Was nun liegt, verursacht nur noch Wartungs- und Instandhaltungskosten. Auch nicht zu vernachlässigen: Im Rahmen des Ausbaus hat das landeseigene ITDZ hier eine zentrale Aufsichtsrolle – und einen entsprechenden Wartungsvertrag abgeschlossen.
Fünf Jahre nachdem der Berliner Senat den Plan gefasst hatte, ist die Ernst-Haeckel-Schule als letzte von 700 öffentlichen Schulen nun mit einem symmetrischen 1-Gigabit-Glasfaserzugang angeschlossen. Zwei beleuchtete Fasern seien es derzeit in einem an der Schule ankommenden 12-Faser-Bündel, es wäre also auch noch etwas Reserve da, erläutern die Verantwortlichen in Berlin. „Wir monitoren die Netze und aktuell ist das ausreichend. Wir haben jetzt noch keine Peaks, wo wir irgendwelche Engpässe sehen würden“, erklärt ITDZ-Vorständin Maria Borelli, deren Haus für alle Schulen nun die Anbindung im Blick hat.
Die Beteiligten freuen sich ernsthaft, denn anders als bei Flughäfen, Bahnhöfen oder Bahnstrecken ist die Meldung dieses Mal: Über 700 Schulstandorte seien vorfristig und sogar etwas unterhalb des vorgesehenen Budgets angebunden und das Projekt abgeschlossen worden, so Torsten Kühne, der als Staatssekretär bei der Bildungssenatorin für das Land Berlin zuständig ist. Und bei vielen der Schulen wurden auch gleich die Verkabelungen und WLAN-Installationen neugestaltet.
Schülervertreter sehen trotzdem Probleme
„Aus unserer Sicht ist das alles nicht so perfekt“, sagt Lilo Kranich vom Landesschülerausschuss Berlin im Gespräch mit heise online. „Das Hauptproblem: Wir haben in Berlin krass sanierungsbedürftige Gebäude oder Altbauten, wo das WLAN nicht durch Wände kommt.“ Berlins Schulen sind ein Dauerproblemfall – und die Bautätigkeiten sind berüchtigt. Ein Problem, das zumindest der Modulbau in Hellersdorf, der das eigentliche Schulgebäude ergänzt, so aber nicht hat: Das WLAN funktioniere, berichten die Schüler vor Ort. Aber die Scheiben schirmen stattdessen den Mobilfunkempfang ab.
In einer Zeit, in der Smartphones aus den Schulräumen weitgehend verbannt werden und Social-Media-Verbote für Minderjährige gerade politisch sehr beliebt sind, wirkt eine solche Vollzugsmeldung wie die Gigabitanbindung der Schulen in Berlin irritierend. Denn der nächste und auch mit guter technischer Planung schwer zu lösende Problemfaktor liegt woanders: bei der Lehre. 1 Gigabit symmetrisch, aber wofür?
„Jede Schule ist komplett unterschiedlich digital ausgestattet und nutzt die Möglichkeiten – oder auch nicht“, erläutert Kranich. „Teils ist das je nach Klasse, Stufe oder Schule verschieden.“ Einige Schulen, die etwa zur Coronazeit mit der verstärkten Remote-Schul-Praxis gut aufgestellt waren, würden immer noch sehr aktiv digitale Möglichkeiten nutzen, und andere eben nicht. Die Schülervertreter fordern ein Gesamtkonzept zur digitalen Schule, das die verantwortlichen Politiker bis heute aber nicht vorgelegt haben.
KI als Herausforderung im Klassenzimmer
Auch für den Hellersdorfer Lehrer Kai Baumeister ist es zentral, nicht bei der Anbindung aufzuhören. „Für uns als Schule ist es eine Aufgabe, zumindest hier eine digitale Umgebung zu schaffen, die für alle Schüler gleich ist und damit Chancengerechtigkeit für unsere sehr heterogene Schülerschaft besteht“, schildert er eine Herausforderung. Bei Social Media hätten alle Akteure gesehen, wie man es nicht machen solle. „Bei KI können wir alle zusammen das nur besser machen“, sagt Baumeister – und will mit seinen Lehrerinnen und Lehrern, aber auch den Schülerinnen und Schülern einen smarteren Umgang damit erreichen. „Wir als Schule sind diejenigen, die sie dahin begleiten werden“, sagt Baumeister. „Die Schüler sollen den Umgang mit KI nicht nur technisch lernen, sondern vor allen Dingen auch ethisch und kritisch reflektiert.“ Die Nutzung von KI in der Schule durch Lehrkräfte etwa sei auch erst noch am Anfang – etwa wenn Lehrkräfte selbstgeschriebene Geschichten ihrer Schüler per KI-Tool illustrieren ließen. Dafür allerdings bräuchte es dann eben auch wieder Rechner, mit denen solche Tools genutzt werden könnten.
Pragmatisch wolle der politisch verantwortliche Senat das KI-Thema angehen, schildert Staatssekretär Torsten Kühne, auf eine Goldrandlösung zu warten, sei keine Option. Weshalb man nach den ersten Handlungsempfehlungen für KI-Anwendungen im Unterricht auch darüber hinaus eine Integration in den schulischen Alltag anstrebe, wo sinnvoll. „Die Technologie ist weiter als der Rechtsrahmen“, sagt Kühne, etwa mit Blick auf Copilot, was Berlins Lehrer unter Berücksichtigung der Vorschriften nutzen dürfen. Telli, ein KI-Chatbot der unterschiedliche Modelle datenschutzkonform nutzbar machen soll und auf den Schulkontext angepasst ist, steht im Stadtstaat Berlin – anders als in anderen Bundesländern – derzeit noch nicht zur Verfügung.
An der Schamgrenze
Doch dass die KI-Ideen so wie alle anderen Digitalideen vorher im Unterricht ankommen, hängt vor allem von etwas anderem ab: Lehrerinnen und Lehrer. Ein wesentlicher Teil von ihnen ist im Kreidezeitalter, an Polylux-Overhead und Medienwagen ausgebildet worden. Tatsächlich geht es dabei nach Schilderungen vieler Beteiligter, von Schülern über Lehrer bis zu zuständigen Politikern, auch um eine Art Schamgrenze bei den Lehrkräften. Vor Schülerinnen und Schülern die eigene Unsicherheit im Umgang mit neuen Technologien offenzulegen und hier von diesen zu lernen, das ist für viele mindestens gewöhnungsbedürftig – wenn überhaupt mit der Rolle vereinbar.
Es gehe derzeit darum, moderne pädagogische Konzepte in Zeiten von KI und adaptiver intelligenter Systeme zur Anwendung zu bringen, sagt der Berliner Staatssekretär Torsten Kühne. Das solle vor allem über Fortbildungsmöglichkeiten geschehen. Fast alle Bundesländer bieten ihren Lehrerinnen und Lehrern eine Vielzahl an Fortbildungen an, mit denen sie bei digitalen Kompetenzen aufholen könnten. In Berlin würden diese gut angenommen, berichtet der Bildungsstaatssekretär.
Wie denn die Integration in den normalen Schulunterricht bei solchen Möglichkeiten wie etwa 3D-Druck aussehe, wird noch bei dem Pressetermin gefragt. Ein Möbiusband etwa für den Mathekurs, das sei hier gedruckt worden, erklärt ein Schüler, sichtlich stolz. An den Schülerinnen und Schülern liegt es offenkundig nicht, wenn nach dem „Schulen ans Netz“ auch nach 30 Jahren nicht direkt eine pädagogisch sinnvolle Nutzung möglich ist.
(kbe)
Künstliche Intelligenz
heise-Konferenz zu modernen Konzepten für die Softwarearchitektur
Die Online-Konferenz betterCode() Modern Architecture von iX und dpunkt.verlag am 25. März 2026 stellt aktuelle Konzepte der Softwarearchitektur vor wie Clean Architecture, Hexagonale Architektur oder Microservices. Design mit LLMs ist ebenso ein Thema wie Architektur für eine digitale Souveränität. Die Konferenz richtet sich an Softwarearchitekten, Softwareentwicklerinnen und IT-Projektleiter, die sich neue Trends aneignen und Erfahrungen mit Kollegen austauschen wollen.
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Microservices oder Modulith? – Arnold Franke wägt in seinem Vortrag ab.
Ein ganztägiger Workshop zu flexibler Anwendungsarchitektur am 18. März 2026 dient dem gemeinsamen, praktischen Einüben.
Highlights aus dem Programm
Die sechs 45-minütigen Vorträge geben einen Überblick über grundlegende Architekturkonzepte und vertiefen Aspekte, wie den Einsatz von künstlicher Intelligenz oder Softwareentwicklung im Team. Das Programm enthält folgende Vorträge:
- Hexagonale Architektur: Schnittstellen statt Schichten
- Der Microservice Trade-Off
- Von Post-its zu Spezifikationen – LLMs in API-Design-Workshops effektiv einsetzen
- Softwareentwicklung im Flow mit Team Topologies & Co. – was hat das mit Euch zu tun?
- Digitale Souveränität: Architektur für eine ungewisse Zukunft
- Panel-Diskussion zum KI-unterstützten Architekturdesign

Der zusätzliche Workshop von Matthias Eschhold bietet konkrete Beispiele und Übungen in Java.
Der Workshop am 18. März 2026 „Flexible Anwendungsarchitektur mit der Clean und der Hexagonal Architecture“ von Matthias Eschhold vertieft die Theorie mit Code-Beispielen und Übungen in Java. Zudem führt er in die Evolutionäre Architektur ein und diskutiert technische Lösungsstrategien.
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Tickets mit Frühbucherrabatt
Ein Ticket für die Online-Konferenz kostet noch bis zum 9. März 2026 249 Euro, dann 299 Euro (alle zzgl. MwSt.). Die Gebühr für den eintägigen Workshop beträgt 549 Euro. Teams bekommen im Ticketshop automatisch Mengenrabatt und auch Schülerinnen, Schüler, Studierende sowie Hochschulangehörige erhalten auf Anfrage einen Nachlass.
Wer sich über die Konferenz auf dem Laufenden halten möchte, meldet sich auf der Konferenz-Webseite zum Newsletter an.
(who)
Künstliche Intelligenz
Ende der Netflix-Dominanz auf dem Streaming-Markt
Der Jahresbericht des US-Marktforschungsinstituts Luminate zu TV-Streaming für 2025 zeichnet das Bild einer Branche, die sich nach Jahren des ungebremsten Wachstums in einer zunehmend von Kostenfragen geprägten Realität einfindet. Das Jahr markiert dabei eine Zäsur: Erstmals seit Beginn der Datenerfassung stammt die meistgesehene Original-Streaming-Serie in den USA nicht von Netflix. Stattdessen sicherte sich die Reality-Show „Love Island USA“ auf dem Dienst Peacock den Spitzenplatz. Mit einem Zuwachs von 150 Prozent im Vergleich zu 2024 unterstreicht dieser Erfolg, dass Formate ohne Skript durch geschickte Plattformwechsel und mit Social-Media-Unterstützung neue Rekorde aufstellen können.
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Die Entwicklung ist symptomatisch für das, was die Luminate-Analysten als „The Great Leveling“ bezeichnen: Eine Nivellierung des Marktes, in der die Konkurrenz zu Netflix aufgeschlossen hat. Rein nach Abonnenten gemessen ist Netflix nach wie vor mit weitem Vorsprung die Nummer Eins. Laut Zahlen des Wall Street Journals kommt das Unternehmen auf 325 Millionen Abonennten, mehr als doppelt so viele wie Disney+ auf dem zweiten Platz bei 133 Millionen. Selbst die geplante Übernahme von Warner durch Paramount schafft keinen neuen Giganten: Die Dienste dieser Unternehmen kommen zusammen nur auf 210,5 Millionen Abonnenten.
Zwar bleibt das „rote N“ mit sechs Titeln in den Top 10 eine große Nummer. Doch sein Anteil an der Sehdauer von Eigenproduktionen sank in den USA erstmals unter die psychologisch wichtige Marke von 60 Prozent. Wettbewerber wie Disney+, Peacock und Amazon Prime Video haben ihre Angebote erfolgreich skaliert und agieren nun auf Augenhöhe. Der Kampf um die Gunst der Zuschauer wird nicht mehr allein über die schiere Menge an Inhalten geführt, sondern via Qualität und Nutzerbindung.
Suche nach Effizienz
Parallel zur Verschiebung der Marktanteile vollzieht sich ein Wandel in der Produktion. Die Branche erlebt einen regelrechten Exodus aus den traditionellen Zentren. In Los Angeles und der Traumfabrik Hollywood ist das Erstellen von Live-Action-Inhalten eingebrochen. Auf der Suche nach Steueranreizen und geringeren Gesamtkosten ziehen Studios verstärkt ins Ausland, insbesondere nach Kanada oder Großbritannien.
Dieser geografische Wandel geht einher mit einer Konsolidierung des Portfolios: Das Zeitalter des „Prestige-Dramas“ – teure, limitierte Serien für Preisverleihungen – weicht zunehmend kosteneffizienteren Formaten. Solche bieten eine breitere Anziehungskraft und fördern die langfristige Abonnentenbindung durch regelmäßige Sehgewohnheiten.
Ein weiterer Trend des Jahres ist das Entstehen transmedialer Ökosysteme. Der Erfolg eines Titels wird nicht mehr nur in gestreamten Minuten gemessen, sondern in seiner Präsenz über verschiedene Medien hinweg. Ein Paradebeispiel ist „KPop Demon Hunters“. Der Netflix-Film war nicht nur ein Streaming-Ereignis, sondern dominierte mit seinem Soundtrack über Wochen die Musikcharts. Diese Wechselwirkung zwischen Film und Musik hält Titel deutlich länger im Gespräch, als es ein isolierter Release könnte. Auch Kinohits wie „Wicked“ oder „Moana 2“ belegen, dass der Erfolg auf der großen Leinwand nach wie vor der stärkste Motor für spätere Abrufzahlen im Streaming ist.
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KI und Zukunft der Fankultur
Inmitten der Umbrüche setzt sich die Branche auch intensiv mit der Rolle generativer KI auseinander. Die Daten von Luminate verweisen hier auf ein gespaltenes Bild: Viele Konsumenten äußern Unbehagen gegenüber KI-geschriebenen Inhalten. Ein Viertel der Befragten scheint dagegen neugierig. Die Akzeptanz von KI-Inhalten korrelierte demnach oft mit der Leidenschaft der Fans: Wer tief in einer Filmwelt verwurzelt ist, akzeptiere KI-gestützte Inhalte eher. Voraussetzung ist, dass diese die Welt seiner Lieblingscharaktere sinnvoll erweitern.
Die Herausforderung für die Studios besteht nun darin, technologische Innovationen mit dem Schutz menschlicher Kreativität in Einklang zu bringen. Insgesamt machen die Forscher deutlich: Die Industrie navigiert aktuell durch eine Ära, in der Daten und echtes Fan-Engagement zu einträglichen Währungen geworden sind.
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