Künstliche Intelligenz
Nach 30 Jahren Entwicklungszeit: GNU gettext 1.0 ist fertig
Das Internationalisierungs-Framework GNU gettext hat mit Version 1.0 einen Meilenstein erreicht. Das Release folgt auf Version 0.26 vom Juli 2025 und markiert damit nach über drei Jahrzehnten Entwicklungsarbeit einen Wendepunkt für das weitverbreitete Lokalisierungs-Tool.
Weiterlesen nach der Anzeige
Sun Microsystems hatte Anfang der 1990er-Jahre mit der Entwicklung von gettext begonnen. 1995 entwickelte Ulrich Drepper für das GNU-Projekt eine eigenständige Implementierung auf Basis von Suns Konzept. Seitdem hat sich das Framework zum Standard für die mehrsprachige Integration in Open-Source-Software etabliert. Projekte wie KDE, LibreOffice, Godot Engine oder Weblate verwalten mit gettext ihre Übersetzungen.
Neue Tools für maschinelle Übersetzung
Die wichtigste Neuerung in Version 1.0 ist die Integration von Large Language Models (LLMs) für maschinelle Vorabübersetzungen. Mit den beiden neuen Programmen msgpre und spit können Entwickler lokale LLMs nutzen, um PO-Dateien automatisch zu übersetzen. Während msgpre komplette PO-Dateien verarbeitet, wendet spit die maschinelle Übersetzung auf einzelne Nachrichten an.
Die Maintainer Bruno Haible und Daiki Ueno weisen in der Dokumentation allerdings ausdrücklich darauf hin, dass Anwender die Lizenzierung der verwendeten LLMs prüfen müssen. Die Modelle sollten GPL-kompatibel und im Sinne freier Software nutzbar sein. Durch die lokale Installation bleibt die Kontrolle über die zu übersetzenden Texte beziehungsweise die Daten beim Nutzer.
Verbesserte Workflows für Maintainer
Neben der LLM-Integration bringt gettext 1.0 Verbesserungen beim Handling von PO-Dateien. Das neue Programm po-fetch lädt übersetzte PO-Dateien automatisch von Übersetzungsprojekt-Websites herunter. Das vereinfacht den Synchronisations-Workflow, da Maintainer nicht mehr manuell nach aktualisierten Übersetzungen suchen müssen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Parser für PO-Dateien wurden robuster und behandeln jetzt Sonderfälle wie Zeilenumbrüche in msgstr, Plural-Forms und Header-Einträge zuverlässiger. Für die Programmiersprachen Rust und OCaml gibt es eine erweiterte Unterstützung. Details finden sich in der Ankündigung der Version 1.0.
30 Jahre konservative Entwicklung
Dass gettext so lange im 0.x-Status verblieb, liegt an der konservativen Entwicklungsphilosophie des GNU-Projekts. Das Framework basiert auf dem Uniforum-Standard von 1988, GNU wählte dabei einen message-as-key-Ansatz aufgrund der größeren Einfachheit. Über die Jahre stand die Stabilität der API im Vordergrund, wie es bei kritischer Infrastruktur-Software typisch ist.
Die neuen Features in Version 1.0 sind optional und beeinträchtigen die Rückwärtskompatibilität nicht. Bestehende Workflows mit xgettext, msgmerge und msgfmt funktionieren unverändert weiter. Für Maintainer wichtig: PO-Dateien bleiben nun unverändert wie von Übersetzern eingereicht, statt automatisch mit dem POT-File synchronisiert zu werden – das vermeidet Merge-Konflikte und reduziert die Commits. Linux-Distributionen können problemlos auf die neue Version aktualisieren, da die Kernfunktionalität stabil bleibt.
Der Quellcode von gettext 1.0 steht auf den GNU-FTP-Servern zum Download bereit. Die LLM-Tools erfordern eine lokale Installation eines kompatiblen Sprachmodells.
(fo)
Künstliche Intelligenz
MacBook Neo: Gute Reparierbarkeit, Tastatur einzeln ersetzbar
Apples neues MacBook Neo ist nicht nur das günstigste Notebook, das der Konzern jemals hergestellt hat, sondern auch eines der am einfachsten zu reparierenden – und erinnert damit an ältere Generationen. Das zeigt ein erster Teardown, den ein Reparaturdienstleister durchgeführt hat, sowie Apples hauseigenes Reparaturhandbuch für das Modell, das bereits vorliegt. Demnach benötigt man zum Auseinanderbauen nur Torx-Schraubendreher. Die Verwendung eines Heißluftgeräts zum Entfernen von Verklebungen oder das Ziehen sogenannter Pull-Tabs (Klebestreifen), die man nachher mühsam ersetzen muss, fallen weg.
Weiterlesen nach der Anzeige
Viele Komponenten leicht entnehmbar
Der gesamte Prozess der Zerlegung soll deutlich unter zehn Minuten gedauert haben, meldet die Firma TECH RE-NU aus Maidstone bei Melbourne. Komponenten wie die extrem kleine Hauptplatine, das Trackpad, die beiden Lautsprecher oder die beiden USB-C-Anschlüsse lassen sich einzeln abschrauben und tauschen. Auch der Akku lässt sich nach Lösen von 18 Schrauben entfernen. Beim ganzen Teardown gab es nur ein einziges minimal verklebtes Flexkabel. Der Bildschirm wurde in dem Video als Gesamtkomponente entnommen.
Beim australischen Teardown nicht entnommen wurde die Tastatur aus dem Topcase. Diese lässt sich aber, im Gegensatz zu allen MacBooks aus den vergangenen Jahren, einzeln austauschen – und nicht nur zusammen mit dem Topcase aus Alu. Alle drei Komponenten, die Apple in diesem Bereich verbaut, also reguläre Tastatur, Tastatur mit Touch-ID-Fingerabdrucksensor (beim teureren MacBook Neo) und Topcase, wird es offenbar als Ersatzteile geben. Im Self-Service-Repair-Laden des Herstellers sind sie derzeit aber noch nicht gelistet. Das Neo taucht dort derzeit noch nicht auf.
Positive Entwicklung bei Apple
Es wird spannend, welchen „Repairability Score“ (Reparierbarkeitswertung von 0 bis 10) vom renommierten Reparaturdienstleister iFixIt das MacBook Neo erhalten wird. Das Gerät dürfte auf den vorderen Plätzen landen. Die wie erwähnt extrem kleine Hauptplatine, auf der das A18-Pro-SoC samt integriertem RAM sowie der NAND-Flash-Speicher mit 256 oder 512 GByte sitzen, dürfte sich ohne Chip-Auslötkenntnisse wohl nicht weiter auseinanderbauen lassen. Apples Reparaturhandbuch zeigt hier nur, wie man die Hauptplatine (Logic Board) ausbaut und wieder einsetzt.
Insgesamt ist es erstaunlich, dass Apple sich bei der Reparierbarkeit des MacBook derart viel Mühe gegeben hat. Das Gerät ist damit nicht nur günstig, sondern dürfte auch lange halten, weil Nutzer alle wichtigen Komponenten – inklusive solchen, die gerne kaputt gehen wie etwa die USB-C-Ports oder das Trackpad – austauschen lassen können. Es handelt sich also keineswegs um ein Wegwerfprodukt. TECH RE-NU lobt Apple in dem Video denn auch. Man freue sich darauf, die Maschine für seine Kunden künftig reparieren zu dürfen.
Weiterlesen nach der Anzeige
(bsc)
Künstliche Intelligenz
Google Chrome kommt für ARM64-Linux
Google will Linux im zweiten Quartal 2026 eine native Version von Chrome für ARM64-Linux-Geräte veröffentlichen. Damit schließt der Konzern eine Lücke, die Nutzer der Plattform seit Jahren bemängeln: Zwar war der quelloffene Chromium-Browser längst für ARM64-Linux verfügbar, doch die proprietären Google-Funktionen fehlten bislang.
Weiterlesen nach der Anzeige
Laut dem Chromium-Blog markiert der Launch „einen wichtigen Meilenstein in unserem Engagement für die Linux-Community und das ARM-Ökosystem“. Chrome für ARM64-Linux soll sämtliche Google-spezifischen Funktionen mitbringen, die Chromium fehlen: Konto-Synchronisierung für Lesezeichen, Verlauf und Tabs, direkter Zugang zum Chrome Web Store ohne Umweg über Entwicklereinstellungen, integrierte Webseiten-Übersetzung sowie Google Pay mit Autofill. Hinzu kommen Sicherheitsfunktionen wie Enhanced Protection in Safe Browsing, die mithilfe von KI vor Phishing und Malware schützen sollen, sowie der Google Password Manager mit Breach-Monitoring.
Google hatte Chrome bereits 2020 nativ für ARM-basierte Macs und 2024 für ARM-Windows bereitgestellt. Linux war die letzte große Plattform ohne native ARM64-Unterstützung. Die Installation soll über chrome.com/download möglich sein.
Alternativen
Wer bereits jetzt einen vollwertigen Browser auf ARM64-Linux nutzen möchte, kann Firefox nutzen: Mozilla bietet seinen Open-Source-Browser seit 2025 mit nativen ARM64-Linux-Builds an. Microsoft Edge hingegen unterstützt ARM64-Linux nach wie vor nicht offiziell; für Linux gibt es lediglich x86_64-Builds.
(fo)
Künstliche Intelligenz
Tinder jetzt auch mit Events, live und mit KI
Offline neue Kontakte knüpfen – das ist der neue Plan von Tinder. Der Online-Dating-Dienst bietet eine ganze Reihe neuer Funktionen an. Das klassische Modell des Swipens auf dem Sofa scheint langsam abgelöst zu werden. Zuletzt hatten das auch die Nutzerzahlen bestätigt. Online-Dating ist zumindest bei jüngeren Leuten nicht mehr so beliebt wie früher.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Events sollen allerdings zunächst in Los Angeles getestet werden. Es geht dabei nicht um Events, die Tinder veranstaltet, sondern darum, Matches bei Events zu finden. Die App bekommt eine Discovery-Funktion, in der Veranstaltungen auftauchen. Man kann dann selbst angeben, vor Ort sein zu werden. Tinder schreibt in der Ankündigung, es könne sich sowohl um Quizabende als auch Töpferkurse handeln.
Offenbar auch außerhalb der USA soll es ein neues Video-Speed-Dating geben. Das sind Live-Video-Chat-Events, bei denen man also in Echtzeit Leute kennenlernen kann. Erste Veranstaltungen sind für das Frühjahr geplant. Drei Minuten haben Teilnehmer, sich kennenzulernen und zu entscheiden, ob es ein Match ist. Dann lässt sich die Gesprächszeit verlängern.
KI soll Menschen matchen
Und weil die Welt nicht ohne KI auskommt, setzt freilich auch Tinder auf diese Hilfe. KI soll passendere Matches vorschlagen. Chemistry nennt sich die Funktion, die zunächst in Neuseeland und Australien getestet wurde und nun in die USA und nach Kanada kommt. Warum die EU weiterhin außen vor bleibt, ist unklar.
Die Match Group, die hinter Tinder und auch der Dating-App Hinge steckt, hat eine Kooperation mit OpenAI. Entsprechend dürften GPT-Modelle für die KI-Funktionen genutzt werden. Um welche Version es sich genau handelt, ist allerdings ebenfalls nicht bekannt.
Lesen Sie auch
Um Chemistry zu nutzen, kann man Tinder – oder eben OpenAI – Zugriff auf die eigene Fotobibliothek geben. Daraus leitet die KI dann „Insights“ ab, die auf die Persönlichkeit schließen. Der Learning-Mode soll in Echtzeit lernen, bei welchen Typen man einen grünen Daumen gibt und entsprechend eher weitere Personen vorschlagen, die dazu passen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Zur Sicherheit und als Identitätsnachweis muss jeder Nutzer und jede Nutzerin künftig eine Selfie-Prüfung durchlaufen – die wird nun global eingeführt.
KI überprüft zudem bereits das Geschriebene. Bei potenziell verletzender Sprache fragt Tinder nach, ob man das wirklich abschicken möchte. Wer eine erhaltene Nachricht unangemessen findet, kann dies direkt melden. Möglicherweise respektlose Inhalte werden verpixelt.
Zu den bereits vorhandenen Modi, College-Mode und Double-Date-Mode, führt Tinder einen Music-Mode ein. Dahinter verbirgt sich, dass man sein Konto mit dem von Spotify verbinden kann und ein Gegenüber den eigenen Musikgeschmack entdecken kann. Außerdem gibt es künftig einen Astrology-Mode – dabei geht es, na klar, um passende Sternzeichen. Nicht, dass einem Krebs noch ein Widder vorgeschlagen wird.
(emw)
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenSchnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
-
Social Mediavor 2 WochenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Social Mediavor 1 MonatCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
Künstliche Intelligenzvor 4 Wochen
Top 10: Die beste kabellose Überwachungskamera im Test – Akku, WLAN, LTE & Solar
-
Social Mediavor 3 MonatenDie meistgehörten Gastfolgen 2025 im Feed & Fudder Podcast – Social Media, Recruiting und Karriere-Insights
-
UX/UI & Webdesignvor 1 MonatEindrucksvolle neue Identity für White Ribbon › PAGE online
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenAumovio: neue Displaykonzepte und Zentralrechner mit NXP‑Prozessor
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenÜber 220 m³ Fläche: Neuer Satellit von AST SpaceMobile ist noch größer
