Künstliche Intelligenz
Projekt Salsa: Wie schnell muss ein Fahrer im autonomen Auto aufwachen?
Wer heute in einem hochautomatisierten Fahrzeug der Stufe SAE 3 im Stau steht, darf theoretisch die Hände vom Lenkrad nehmen und den Blick vom Asphalt abwenden. Das Auto übernimmt das Bremsen, Beschleunigen und Lenken, während der Mensch auf dem Fahrersitz die neu gewonnene Freiheit für ein Buch oder den Blick aufs Smartphone nutzen kann. Doch eine Grenze bleibt bisher eisern: Sobald die Augen zufallen, schlägt das System Alarm.
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Das Problem ist dabei weniger die rechtliche Lage, sondern die technische Unfähigkeit der aktuellen Sensorgeneration. Heutige Autos können schlicht nicht verlässlich unterscheiden, ob ein Fahrer nur kurz die müden Augen schließt, um zu entspannen, oder ob er bereits in den Tiefschlaf gleitet.
Die Automobilbranche unterscheidet in diesem Umfeld verschiedene Stufen der Autonomie. Mit SAE-Level 3 (hochautomatisiert) übernimmt das System die Fahraufgabe unter bestimmten Bedingungen völlig, der Mensch muss aber innerhalb einer Vorwarnzeit bereit sein, das Steuer wieder zu übernehmen. Bei der SAE-Stufe 4 (vollautomatisiert) ist das Fahrzeug in spezifischen Szenarien wie etwa auf der Autobahn so weit eigenständig, dass der Mensch theoretisch komplett abschalten und eben auch schlafen könnte: Das Auto bringt das System hier bei Bedarf planmäßig selbstständig in einen sicheren Zustand.
KI-Analyse statt bloßer Videoüberwachung
Hier setzt das Forschungsprojekt Salsa an („Smarte, adaptive und lernbare Systeme für Alle“). Dahinter steht ein Verbund aus Automobilherstellern, Zulieferern und Wissenschaftlern, den unter anderem die Uni Stuttgart und das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) vorantreiben. Dessen Experten in Karlsruhe arbeiten daran, das technisch möglich zu machen, was der Gesetzgeber für Level-3-Systeme eigentlich schon erlaubt: das Relaxen mit geschlossenen Augen.
In umfangreichen Nutzerstudien haben die IOSB-Forscher daher Daten erhoben, um eine Künstliche Intelligenz (KI) zu trainieren. Diese soll dadurch weit mehr ausmachen können als nur geschlossene Lider. Es geht um Nuancen in der Körperhaltung und minimale Bewegungen, die von Innenraumkameras erfasst und in Echtzeit analysiert werden.
Der Clou bei den Versuchen im realitätsnahen Fahrsimulator des Instituts ist die Kombination verschiedener Messmethoden. Während Sensoren, wie sie bereits in Serienfahrzeugen verbaut sind, die Körperhaltung des Fahrers tracken, überwachen die Wissenschaftler parallel dazu die Hirnströme mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG). Dabei messen Elektroden auf der Kopfhaut die elektrische Aktivität des Zerebrums. Die damit gewonnenen Daten dienen als Referenz, um der KI beizubringen, den tatsächlichen Zustand eines Menschen möglichst präzise einzuschätzen. So soll das System lernen, ob eine Person lediglich regeneriert oder bereits in Morpheus‘ Arme gesunken ist. Das ist entscheidend, da sich die Anforderungen an die Rücknahme der Fahraufgabe je nach Zustand deutlich unterscheiden.
Zeitfenster der Benommenheit
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Ein zentraler Aspekt der Forschung ist die sogenannte „Sleep Inertia“, also die Phase der Benommenheit direkt nach dem Aufwachen. Die Studien des IOSB belegen laut ersten Veröffentlichungen, dass die physische und psychische Leistungsfähigkeit nach einem echten Schlaf deutlich herabgesetzt ist. Ein entspannter Fahrer mit geschlossenen Augen ist demnach bereits nach etwa zehn Sekunden wieder voll einsatzbereit. Ein schlafender Mensch benötigt im Fall einer notwendigen Übernahme der Fahrzeugsteuerung auf Level-4-Niveau dagegen mindestens zwei Minuten, bis er wieder sicher agieren kann. Diese zeitliche Diskrepanz muss die Fahrzeug-KI zwingend einplanen, um gefährliche Situationen beim Übergang von der Autonomie zur manuellen Fahrt zu vermeiden.
Damit dieser Wechsel am Steuer nicht nur sicher, sondern auch komfortabel gelingt, hat das Projektteam auch untersucht, wie ein „sanftes Wecken“ durch das Fahrzeug aussehen könnte. Ein bloßes schrilles Warnsignal reicht oft nicht aus oder führt zu Schreckreaktionen. Die Forscher identifizierten stattdessen eine Kombination aus Vibrationen im Sitz und gezielten Sound-Elementen als optimalen Weg, um den Fahrer zurück in das Hier und Jetzt zu holen. Einen entsprechenden Prototyp testeten die Wissenschaftler nach eigenen Angaben bereits erfolgreich.
Praxis-Check in Schwabenlandhalle
Die Ergebnisse dieser Arbeit sind mehr als graue Theorie. Sie könnten die Basis bilden für eine neue Generation von Fahrerzustandsmodellen, die künftig in Serienfahrzeugen für mehr Sicherheit und Akzeptanz sorgen. Wer sich ein Bild vom aktuellen Stand der Technik machen will, kann dies am 12. Februar in der Schwabenlandhalle in Fellbach tun. Dort präsentiert das Projektkonsortium, das vom Bundeswirtschaftsministerium eine Finanzspritze von rund 10 Millionen Euro erhalten hat, seine Zwischenbilanz. Der Weg zum entspannten Nickerchen hinter dem Steuer scheint auch damit zwar noch weit, doch die technologischen Leitplanken werden gerade in Karlsruhe und Stuttgart eingeschlagen.
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(nie)
Künstliche Intelligenz
US Supreme Court: Provider haftet nicht für Filesharing
„Cox hat einfach nur Internetzugang bereitgestellt, was für viele andere Zwecke als Copyright-Verletzungen genutzt wird“, hält der US Supreme Court in einer lange erwarteten Erkenntnis fest. „Cox haftet nicht als Beitragstäter für die Verletzung von Sonys Copyright.“ Der Provider Cox Communications sollte aufgrund eines Urteils eines US-Bundesbezirksgericht eine Milliarde US-Dollar Schadenersatz zahlen, weil er nicht alle Kundenanschlüsse abgeschaltet hat, die wiederholt für illegales Filesharing genutzt wurden.
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Erforderlich für Haftung als Beitragstäter (contributory infringement) sei, dass der Belangte beabsichtigt (intended) habe, dass seine Dienstleistung für die Verletzung der Rechte genutzt werde. Der Kläger könne entweder zeigen, dass die Dienstleistung auf die Rechteverletzung zugeschnitten ist, oder dass der Anbieter begrüßend zur Rechteverletzung angestiftet habe. Weil die Kläger weder das eine noch das andere dargelegt haben, lehnen sieben der neun Höchstrichter die Haftung ab. Reines Wissen, dass manche Kunden auch Illegales tun, ist demnach keine Haftungsgrundlage (Cox Communications et al v Sony Music Entertainment et al, Az. 24–171).
Die zwei weiteren Richterinnen stimmen dem zwar zu, meinen aber, dass ihre Kollegen zusätzlich ältere Haftungsgrundlagen hätten prüfen müssen. Das auszuschließen, werde dazu führen, dass sich Unternehmen zu leicht aus der Verantwortung stehlen.
Der Prozess
Rechteinhaber weisen Cox laufend auf offenbar rechtswidrige Filesharing-Übertragungen von IP-Adressen im Cox-Netz hin. Cox leitet Warnungen an seine Kunden weiter und sperrt einigen auch den Zugang; aus Sicht der Rechteinhaber war das aber nicht genug. Eine Gruppe, angeführt von Sony Music Entertainment, verklagte Cox daher vor dem US-Bundesbezirksgericht für das östliche Virginia (Sony Music et al v Cox Communications et al, Az. 1:18-cv-00950).
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2021 entschied dort eine Jury, dass Cox für unzulässige Kopien von 10.017 Musikstücke durch seine Kunden haftet und dafür eine Milliarde Dollar zu zahlen hat. Cox hafte sowohl stellvertretend (vicarious infringement), weil es für die illegal genutzten Internetzugänge Geld kassiere, als auch als Beitragstäter (contributory infringement). Dieses Urteil hatte in der Berufung nur teilweise bestand: Das Berufungsgericht für den vierten Bundesgerichtsbezirk fand keine stellvertretende Haftung; Cox nimmt zwar Geld für den Internetanschluss, aber nicht für das rechtswidrige Filesharing. Als Beitragstäter hafte der Internet Service Provider (ISP) trotzdem (Az. 21-1168).
Nun hat der Supreme Court auch dieser Haftungstheorie ein Ende bereitet. Die Rechteinhaber sollen die Copyright-Verletzer direkt belangen, nicht deren Zugangsprovider. Ganz einfach ist das in der Praxis nicht: Zugangsprovider müssen nach US-Copyright-Recht nicht einfach so verraten, wer ihre Kunden sind.
Mindermeinung
Die Richtermehrheit des Supreme Court lehnt es ab, Haftung wegen Beihilfe (aiding and abetting) nach Common Law in Betracht zu ziehen. Das auszuklammern, halten die beiden Richterinnen Sonia Sotomayor und Ketanji Brown Jackson für einen Fehler, zumal auch stellvertretende Haftung und Beitragshaftung erst durch Erkenntnisse des Supreme Court entstanden sind. Im Gesetz findet man dazu nichts.
Auch für Haftung nach aiding and abetting sei notwendig, dass der Beklagte auf die Rechteverletzung abgestellt habe, was bei Cox nicht der Fall sei. Selbst die Hinweise der Rechteinhaber auf bestimmte IP-Adressen änderten daran nichts, weil der ISP damit zwar den Anschlussinhaber eruieren können, aber immer noch nicht wisse, welche Nutzer konkret verantwortlich seien. Cox müsse also auch nach Common Law nicht haften.
Diese ältere Haftungsgrundlage bei Copyright-Fällen jedoch grundsätzlich zu verneinen, habe negative Auswirkungen. Bestimmte Haftungsfreistellungen nach dem jüngeren Digital Millennium Copyright Act (DMCA) für sich kooperativ verhaltende Internet-Provider liefen ins Leere. ISP wie Cox müssten sich fortan überhaupt nicht mehr darum scheren, ob ihre Kunden rechtswidriges Filesharing betreiben, und könnten einschlägige Hinweise der Rechteinhaber ignorieren.
(ds)
Künstliche Intelligenz
Huawei Watch GT Runner 2 im Test: Sportuhr für Läufer mit EKG überzeugt
Die Huawei Watch GT Runner 2 ist eine kompakte, leichte Sportuhr – ideal für Läufer. EKG und umfangreiche Herzgesundheits-Features gibt es obendrein.
Lange hat die Huawei Watch GT Runner auf einen Nachfolger gewartet. Mit der GT Runner 2 bringt Huawei die klar auf Läufer ausgerichtete Sportuhr zurück. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Lauftraining, auch wenn die Uhr inzwischen deutlich breiter aufgestellt ist.
Neben klassischen Sportfunktionen integriert Huawei zahlreiche Gesundheits-Features bis hin zum EKG. Das wertet die Uhr spürbar auf, schlägt sich aber auch im Preis nieder. Ob sich die Runner 2 dennoch als Geheimtipp empfiehlt, klärt dieser Test.
Design
Die Huawei Watch GT Runner 2 richtet sich klar an Läufer und setzt konsequent auf ein leichtes, kompaktes Gehäuse. Im Vergleich zur Watch GT 6 fällt sie spürbar kleiner aus. Das Titan-Gehäuse misst 43,5 × 43,5 × 10,7 mm, die Unterseite mit den PPG-Sensoren besteht aus Kunststoff. Das reduziert das Gewicht auf 34,5 g. Am Handgelenk ist die Uhr kaum zu spüren – genau das, was man beim Laufen will.
Neben dem Touchscreen erfolgt die Bedienung über eine drückbare Krone oben rechts sowie eine frei belegbare Taste darunter. Das funktioniert direkt und zuverlässig. Unser Testgerät kommt mit einem blauen Nylonarmband samt Klettverschluss. Es sitzt sicher und ist auch bei längerem Tragen bequem – selbst im Schlaf. Der Verschluss lässt sich schnell anpassen und bei Bedarf enger ziehen, etwa für eine präzisere Pulsmessung.
Ein Nachteil: Bei starkem Schwitzen saugt sich das Band mit Feuchtigkeit voll und benötigt nach dem Abspülen etwas Zeit zum Trocknen. Huawei legt daher ein Kautschukarmband bei. Beim blauen Modell ist es schwarz, weitere Varianten gibt es in Weiß mit orangenen Akzenten sowie in Schwarz. Der Wechsel gelingt dank des Klicksystems schnell und werkzeuglos.
Die Watch GT Runner 2 ist bis 5 ATM wasserdicht (entspricht rund 50 Metern) und nach IPX9 gegen starken Wasserdruck geschützt. Schwimmen ist damit problemlos möglich. Zudem erfüllt sie die Norm EN 13319, die Anforderungen an Tauchinstrumente wie Messgenauigkeit, Ablesbarkeit unter Wasser und Druckbeständigkeit definiert – laut Huawei ist sie sogar freigegeben für Einsätze bis 40 Meter. Für das Gerätetauchen ist sie jedoch unserer Ansicht nach wegen ATM 5 weniger zu empfehlen, zum Schnorcheln kann man sie problemlos nutzen.
Display
Das runde OLED-Display misst 1,32 Zoll und löst mit 466 × 466 Pixeln auf. Es liefert eine scharfe Darstellung mit kräftigen Farben und hohem Kontrast. Insgesamt überzeugt die Bildqualität: klar, leuchtstark und jederzeit gut im Blick.
Mit bis zu 3000 Nits erreicht es eine beeindruckende Helligkeit – Inhalte bleiben selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Die automatische Helligkeitsanpassung arbeitet zuverlässig und passt das Display unauffällig an die Umgebung an.
App & Bedienung
Als Companion-App dient Huaweis Health App. Aufgrund der US-Sanktionen ist sie nicht im Google Play Store verfügbar, der Download erfolgt alternativ per QR-Code und Sideloading. Im Samsung Galaxy Store sowie im Apple App Store steht sie hingegen regulär bereit. Die Uhr ist mit Android, iOS und Huaweis EMUI kompatibel.
Die App ist übersichtlich und zeigt die wichtigsten Gesundheitsdaten zentral an. Trainingspläne und ein Zifferblatt-Store sind integriert, viele Ziffernblätter kosten jedoch extra. Erweiterte Analysen, Trainingsprogramme und Ernährungstipps bleiben dem Abo „Health Plus“ vorbehalten.
Die Bedienung gelingt intuitiv. Neben dem Touchscreen stehen eine drückbare Krone sowie eine frei belegbare Taste zur Verfügung. Wischgesten führen durch Benachrichtigungen, Schnelleinstellungen, Infokarten und Wetterinfos. Die App-Übersicht wirkt im Rasterlayout aufgeräumt.
Als Betriebssystem kommt Harmony OS zum Einsatz. Es läuft flüssig und reagiert schnell. Über die Appgallery lassen sich zusätzliche Apps installieren, das Angebot bleibt jedoch überschaubar. Dazu zählen vor allem kleinere Tools wie eine Fernsteuerung für Spotify, Petal Maps zur Navigation oder der Bezahldienst Curve – eine zusätzliche Installation auf dem Smartphone ist dann erforderlich. Bluetooth lässt sich nicht manuell trennen, ein Flugmodus fehlt. Dafür stehen ein „Nicht-stören“-sowie ein Schlafmodus mit deaktiviertem Display zur Verfügung.
Huawei Watch GT Runner 2 – Health App
Training & Fitness
Die Pulsmessung arbeitet bei intensiven Workouts sehr genau. Im Vergleich mit einem Polar-Brustgurt weicht sie selbst bei Intervallen nur um ein bis zwei Schläge ab – auch über längere Distanzen.
Beim Warm-up auf dem Crosstrainer kam es allerdings zu ungewohnten Ausreißern: Kurzzeitig zeigte die Uhr über 190 BPM an, obwohl der tatsächliche Puls bei etwa 120 lag. Solche Fehlmessungen sind bei optischen PPG-Sensoren nicht ungewöhnlich – geringe Durchblutung und ruckartige Bewegungen können das Signal verfälschen. Im Test half es, die Uhr enger zu tragen, die Haut vorher anzuwärmen und den Trainingsmodus frühzeitig zu starten.
Auch bei der Ortung überzeugt die Runner 2. Huawei setzt auf eine entkoppelte 3D-Floating-Antenne und Dualband-GNSS mit allen gängigen Satellitensystemen. Strecken, Tempo und Routen werden zuverlässig erfasst – auch ohne Smartphone.
Die Uhr unterstützt zahlreiche Sportarten. Nutzer können Routen planen und inklusive Kartenmaterial offline auf die Uhr laden. Ein Barometer liefert Höhenprofile, ein virtueller Coach erstellt personalisierte Trainingspläne. Die Trainingsanalyse unterscheidet zwischen aeroben und anaeroben Belastungen und ordnet sie in Intensitätszonen ein. Eine Erholungsauswertung berechnet ferner auf Basis von Schlaf- und Stressdaten die Regenerationszeit. Neu ist ein Marathon-Modus, der mit strukturiertem Intervalltraining gezielt auf die große Distanz vorbereiten soll.
Neu ist ein Algorithmus zur Bestimmung der Laktatschwelle. Die Uhr führt dafür durch einen gestuften Outdoor-Lauf mit vorgegebenen Intensitäten. Im Test ließ sich die Messung allerdings nicht abschließen – sie brach mit einer Fehlermeldung ab. Wir werden das erneut prüfen und den Testbericht entsprechend aktualisieren.
Gesundheit & Schlaf
Die Watch GT Runner 2 eignet sich nicht nur für Ausdauersport, sondern bietet auch eine Vielzahl an Gesundheits-Features – ein deutliches Upgrade gegenüber dem Vorgänger.
Die Uhr ermöglicht jetzt eine 1-Kanal-EKG-Messung: Dazu berührt man das Gehäuse mit einer Hand und sitzt möglichst ruhig. Messungen erfolgen situativ und nicht im Hintergrund. Anhand des EKGs lassen sich Unregelmäßigkeiten in der Herzfrequenz erkennen – etwa Anzeichen für Vorhofflimmern. Einen Arztbesuch ersetzt die Uhr nicht, sie ist aber eine sinnvolle Kontrolle, um bei Auffälligkeiten ärztlichen Rat einzuholen.
Ergänzend analysieren die optischen PPG-Sensoren die Pulswellen und können ebenfalls Arrhythmien erkennen. Über die Huawei Health App lässt sich zudem ein Herzrhythmus-Check im Ruhezustand durchführen – die Erkennungsgenauigkeit wurde durch Updates weiter verbessert.
Ansonsten misst die Uhr die arterielle Steifigkeit – also wie stark die Arterienwände an Elastizität verloren haben. Steife Arterien erhöhen den Blutdruck und gelten als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zusätzlich erfasst sie die Herzfrequenzvariabilität (HRV) – die Abstände zwischen den Herzschlägen. Sie gilt als Indikator für Stress und Erholung: Hohe Werte deuten auf gute Fitness hin, niedrige auf Überlastung oder gesundheitliche Probleme.
Die Schlafanalyse unterscheidet zwischen Leicht-, Tief- und REM-Phasen und erkennt sporadisch nächtliche Wachzeiten. Die Ergebnisse waren weitgehend plausibel, aber weniger genau als bei einem hochwertigen Smart-Ring wie von Oura – die gemessene Schlafdauer fiel in der Regel etwas länger aus. Letztlich basieren alle Schätzungen auf Herzfrequenz-Algorithmen. Nur ein EEG könnte präzisere Angaben liefern. Als Orientierung taugt die Analyse aber gut – zumal die Uhr bequem genug ist, um nachts nicht zu stören.
Weitere Features
Die Huawei Watch GT Runner 2 verfügt weder über WLAN noch über Mobilfunk – die Verbindung zum Smartphone erfolgt ausschließlich per Bluetooth. Telefonieren ist dank Mikrofon und Lautsprecher dennoch direkt von der Uhr aus möglich und bietet eine ordentliche Sprachqualität. Das ist praktisch, wenn das Smartphone gerade nicht griffbereit, aber in der Nähe ist.
An Sensoren bringt die Uhr unter anderem einen Kompass, Beschleunigungssensor, Gyroskop und Lichtsensor mit. Ein Barometer schätzt anhand von Luftdruckmessungen die Höhe über dem Meeresspiegel, ein Thermometer erfasst die Hauttemperatur – letzteres ist als Indikator für Zyklus-Tracking nützlich.
Neues gibt es bei der Bezahlfunktion, die endlich zuverlässig funktioniert. Zum Einsatz kommt der Dienstleister Curve. Die zugehörige App muss sowohl auf der Uhr als auch auf dem Smartphone installiert und verifiziert werden. Nach Hinterlegung einer Kredit- oder Debitkarte sind Zahlungen per NFC direkt über die Uhr möglich – im Test funktionierte das hervorragend.
Akku
Das kompakte Gehäuse hat einen Nachteil: Der Akku fällt mit 540 mAh deutlich kleiner aus als etwa bei der Watch GT 6 Pro mit 46 mm. Im Test hielt die Uhr bei täglichem Tragen – inklusive Schlaftracking und einem Workout pro Tag – rund sechs bis sieben Tage durch. Laut Hersteller sollen mit aktiviertem Sparmodus sogar knapp zwei Wochen möglich sein. Mit aktiver GPS-Aufzeichnung sinkt die Laufzeit erwartungsgemäß deutlich.
Aufgeladen wird über ein induktives Ladepad mit USB-A-Anschluss. Nach knapp einer Stunde ist der Akku wieder voll.
Preis & Varianten
Die UVP liegt bei 399 Euro – ein spürbarer Anstieg gegenüber dem Vorgänger. Dafür bietet die Uhr aber auch deutlich mehr Features. Bei Huawei gibt es sie zum Marktstart bis zum 13. Mai mit 30 Euro Rabatt für 369 Euro. Erhältlich ist sie mit schwarzem, blauem oder weiß-orangem Armband.
Fazit
Die Huawei Watch GT Runner 2 ist ein ausgereiftes Upgrade des Vorgängers. Die kompakte, leichte Sportuhr bietet eine handliche Alternative zur wuchtigen GT-Reihe – ideal für alle, die beim Laufen nicht ständig an die Uhr am Handgelenk erinnert werden wollen. Der Tragekomfort ist hoch, die Ortung präzise, die Pulsmessung sehr genau. Dazu kommen EKG sowie weitere Features zur Überwachung der Herzgesundheit. Auch die neue Bezahlfunktion per Curve funktioniert jetzt endlich einwandfrei.
Kleine Schwächen gibt es dennoch: Beim Warm-up auf dem Crosstrainer kam es gelegentlich zu Ausreißern bei der Pulsmessung. Das lässt sich aber beheben, indem man die Haut vorher anwärmt und die Uhr eng trägt. Die Akkulaufzeit fällt knapper aus als bei Garmin oder den großen Huawei-Uhren der GT-Reihe – ein Tribut ans kompakte Gehäuse. Und ganz so günstig wie der Vorgänger ist die GT Runner 2 nicht mehr. Dennoch bleibt sie eine preiswerte und überzeugende Alternative zu Garmin und Polar.
Künstliche Intelligenz
OpenAI stellt Sora ein: Das Ende von immer weiter und größer
OpenAI setzt einen Haken unter seine generative Video-KI: Das Unternehmen stampft die eigenständige App Sora ein und schließt auch den Zugang via API. Unklar ist noch, ob ChatGPT künftig wieder ähnliche Funktionen haben wird. Der Bildgenerator Dall-E war aus dem Chatbot geflogen, weil das multimodale KI-Modell GPT-4o selbst Bilder erstellen konnte. Es wäre also möglich, dass ein kommendes Modell auch Videos erstellen kann.
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In diesem Moment sendet OpenAI mit der Einstellung der Anwendung ein klares Zeichen an Investoren und künftige Anleger. Unternehmen und Entwickler wollen nun richten, was bisher schief war: die finanzielle Lage und ein fehlender Fokus. Der Strategiewechsel lässt einzelne Nutzer zunächst auf der Strecke.

Eva-Maria Weiß ist Journalistin für Social Media, Browser, Messenger und allerlei Anwendungen im Internet. Seit ChatGPT ist KI in den Vordergrund gerückt.
OpenAI verbrennt Geld und verliert den Disney-Deal
Klar ist, bei OpenAI geht es offenbar nicht so weiter wie bisher. Dieses „bisher“ war vor allem geprägt von ständig neuen, immer ein Mü besseren KI-Modellen und neuen Diensten. All das kostet – sowohl die Entwicklung als auch der Betrieb. Dass bei dem KI-Unternehmen eine Schieflage zwischen Ausgaben und Einnahmen herrscht, ist schon lange bekannt. Jedes Video, das mit Sora erstellt wurde, hat OpenAI Geld gekostet. Geld, das bisher ein kleines bisschen mit Abonnements, vorwiegend aber von Investoren reingeholt wurde. Künftig soll Werbung in ChatGPT eine weitere tragende Rolle spielen.
Schon bei Soras Vorstellung musste man sich fragen, wie und wer das bezahlen soll. Eine weitere Antwort war bis jetzt: große Unternehmen, die den Dienst nutzen. OpenAI und Disney hatten einen Vertrag über eine Milliarde US-Dollar abgeschlossen. Das Abkommen beinhaltete neben der Investition in OpenAI die Lizenzierung der Disney-Figuren, zudem sollten Sora-Disney-Videos in den Disney-Freizeitparks gezeigt werden. Freilich ist der nicht öffentliche Betrieb von Sora durch Disney weiterhin möglich. Genauso gut kann es aber auch sein, dass Disney nicht zufrieden war mit der Leistung von Sora und der Deal deshalb schon einen Knacks hatte. Es heißt derzeit, die Zusammenarbeit sei gescheitert. Die Einnahmequelle – dahin.
Neue Zielgruppe „Entwickler und Unternehmen“ soll es richten
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Passenderweise hat am selben Tag, an dem das Aus von Sora verkündet wurde, OpenAIs CFO Sarah Fried dem Nachrichtenmagazin CNBC gesagt, es gebe neue Investitionen in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar. Woher? Unklar. Noch in diesem Jahr will OpenAI an die Börse gehen.
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Auch Investoren und Anleger beobachten OpenAI und die gesamte KI-Branche. Zeitweilig war überall vom möglichen Platzen der KI-Blase die Rede. Der große Knall ist bisher ausgeblieben. Die Einstellung von Sora könnte aber für ein kleines Löchlein in einem Luftballon stehen, dem ganz langsam und allmählich die Luft ausgeht.
Als Pflaster sollen nun Unternehmenskunden und Entwickler herhalten. Sie sind die neue Zielgruppe aller KI-Anbieter. Zuletzt veröffentlichten OpenAI, Anthropic und auch Google neue KI-Modelle und Funktionen, die sich explizit an Entwickler richten. In vielen Unternehmen zeigt sich zudem, dass KI zwar irgendwie angekommen ist, die Anbieter aber immer noch nach Use-Cases suchen, es an der Integration hapert und Mitarbeiter nicht so richtig wissen, was das alles soll. Eine gute Gelegenheit für OpenAI also.
Im Unternehmensbereich ist sicherlich mehr Geld zu holen als durch Abos von Nutzern, die genauso gut Googles AI Mode oder Gemini nutzen können. Einmal jedoch tief in die Systeme der Unternehmen integriert und mit Daten von diesen gefüttert, lässt sich eine KI-Anwendung nur mühsam wieder entkoppeln oder ersetzen. Anwendungen wie das KI-Coding-Tool Codex kosten dabei im Betrieb nur einen Bruchteil von dem, was ein kurzes Sora-Video in der Erstellung an Ressourcen verbraucht.
Das Geld, das OpenAI mit Soras Einstellung spart, soll anderen Teams zugutekommen, schreibt die Firma. Zumindest ein ganz offensichtlicher Geldverbrenner ist damit Geschichte. Daher dürften Investoren schlussendlich sehr glücklich mit der Entscheidung und dem Strategiewechsel sein. Sam Altman hatte mal gesagt, ihm sei es völlig egal, wie viel Geld man verbrenne, um eine allgemeine Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Den Geldgebern ist das aber vielleicht doch nicht so egal.
Geschäftsmodelle brechen zusammen
Während Disney vermutlich gut ohne Sora auskommt, ist das für andere schon schwieriger. Wer sich gedacht hat, als Sora-Experte Karriere machen zu können, steht vor dem Aus. Es dürfte zahlreiche Menschen im Bereich Film geben, die versucht haben, sich Expertise und Erfahrung anzueignen und die dafür Zeit und womöglich auch Geld in die Hand genommen haben. Laut OpenAI können Nutzer der API ihre Projekte herunterladen und sichern. Details dazu sollen später folgen. „Danke fürs Generieren mit Sora, dafür, Teil der Community und der Reise gewesen zu sein.“ Tschüss. Auf OpenAI und KI zu setzen, ist riskant. Das zeigte sich beispielsweise auch schon, als alle Welt plötzlich GPTs und Apps für ChatGPT entwickeln sollte – viel Arbeit für nichts.
Immerhin: Betroffene können auf andere Videogeneratoren zurückgreifen. Bekanntlich kam Googles Veo zuletzt sogar eher besser bei den Nutzern an. Und Google hat den Vorteil, seine KI-Anwendungen durch die Werbeeinnahmen aus anderen Produkten zu finanzieren. Das gilt auch für Meta. OpenAI und Anthropic haben einen großen Nachteil, da sie beide abhängig von den KI-Anwendungen sind und keine weiteren Einkommensquellen haben, keine bereits funktionierenden Produkte, keine treuen Nutzer und keine Daten über diese.
Super-App, Super-Zukunft
Zuletzt hatte OpenAI eine „Super-App“ angekündigt. Der große Traum des Silicon Valleys, allen voran Elon Musks, der mit X eine solche Alles-App aufbauen wollte. Sie soll eine Art persönliches Zugangstor zum Internet darstellen. Diese Zukunft umfasst in OpenAIs Planung zunächst ChatGPT samt Browser, Agent und Coding-Plattform. Andere Dienste sollen dann über ChatGPT gesteuert und genutzt werden. Das immer wiederkehrende Beispiel: Wenn man einen Tisch im Restaurant reservieren will, kann man das via ChatGPT – ob jetzt mittels KI-Agent oder einstiger GPT-Anbindung an OpenTable. Die Hauptsache ist, niemand soll mehr die Webseite von OpenTable besuchen müssen. Was freilich für diesen Anbieter zum Problem würde.
Von den problematischen Sicherheitsstandards, die auch dieses Unterfangen zum Scheitern bringen könnten, will ich an dieser Stelle gar nicht erst zu sprechen beginnen. Dass OpenAI am Tag vor Bekanntgabe der Einstellung von Sora noch einen Blogbeitrag veröffentlicht hat, in dem es um die Sicherheitsfunktionen des Videogenerators geht – ein Treppenwitz.
(emw)
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