Künstliche Intelligenz
Wenn Netzrecherche die Existenz vernichtet: Fataler Klick beim Verfassungsschutz
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an Ihrem Schreibtisch in einer Berliner Hochschule, erledigen Ihre Arbeit und werden kurz vor Feierabend in einen Konferenzraum gerufen. Dort eröffnen Ihnen Ihre Vorgesetzten nicht etwa eine Gehaltserhöhung, sondern die fristlose Kündigung. Die Begründung klingt wie aus einem schlechten Spionagefilm: Sie seien die Betreiberin eines rassistischen und antisemitischen Dating-Portals für Rechtsextreme. Was wie ein absurdes Missverständnis wirkt, wurde für die Berlinerin Liv Heide zu einer existenzbedrohenden Realität. Auslöser: eklatantes Versagen deutscher Sicherheitsbehörden.
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Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) habe die heute 59-jährige Frau über zwei Jahre lang fälschlicherweise als radikale Rechtsextremistin im Visier gehabt, berichtet die Zeit. Die Ermittler des Referats für Internetbeschaffung stießen demnach 2022 auf ihren Namen auf der Website der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in der Hauptstadt und zogen einen fatalen Schluss: Sie müsse identisch sein mit jener „Liv Heide“, die im Netz das Portal „WhiteDate.net“ betrieb und von dort aus per E-Mail kommunizierte. Diese Plattform diente als „Parship für Nazis“, auf der sich Nationalsozialisten und Faschisten zur Zeugung „weißer Kinder“ vernetzten.
Hackerangriff und Rassenkrieg-Fantasien
Dabei war das fragwürdige Dating-Portal längst in das Visier ganz anderer Akteure geraten. Während des 39. Chaos Communication Congress (39C3) in Hamburg Ende Dezember hackte eine Aktivistin mit dem Pseudonym Martha Root die Plattform live. Mit einer Art digitalem Kahlschlag legte sie nicht nur die Funktionen der Seite lahm, sondern löschte auch die Daten von rund 8000 Mitgliedern. Unter den Nutzern, die nun anderswo nach Gleichgesinnten suchen müssen, befand sich laut den Leaks unter anderem ein Hamburger AfD-Bürgerschaftsabgeordneter.
Gegründet worden war das Portal bereits 2017 von Christiane H. Die in der Nähe von Kiel lebende Frau verfolgte damit das Ziel, die „exklusive weiße Gemeinschaft wieder aufleben“ zu lassen, wie die Zeit schreibt. In rechtsextremen Medienportalen habe sie sich keinen Illusionen über ihre Radikalität hingegeben und bereits offen von einem bevorstehenden „Rassenkrieg“ schwadroniert. Dass die Agenten ausgerechnet diese Person mit der unbescholtenen Berliner Hochschulmitarbeiterin verwechselten, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Online-Recherchequalität des Inlandsgeheimdiensts. Beide stammen laut dem Artikel aber aus derselben Gemeinde, sind fast gleich alt und nach Berlin gezogen.
Behördliche Sturheit trotz Entlarvung
Die echte Liv Heide, eine ehemalige Schauspielerin und angehende Romanautorin, hatte sogar präventiv in ihrer Vita auf die Wichtigkeit von Vielfalt und Respekt hingewiesen, um eben nicht mit der angeblichen Namensvetterin verwechselt zu werden. Doch die BfV-Schlapphüte ignorierten diesen Aspekt. In einem Sachstandsvermerk behauptete die Behörde stattdessen, die Frau sei „klar identifiziert“. Diese ungeprüfte Information reichte das darüber informierte Berliner Landesamt für Verfassungsschutz schließlich mit behördlichem Siegel an die Hochschule weiter.
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Die Konsequenz war die sofortige Entlassung im Juli 2024, ohne dass die Hochschulleitung die Betroffene zuvor anhörte. In der Welt der Geheimdienste wurde aus einem vagen Verdacht durch bloße Datenübermittlung eine scheinbare Gewissheit, die eine bürgerliche Existenz zertrümmerte. Liv Heide stand plötzlich als gebrandmarkte Neonazi da, verlor ihr Einkommen und ihren Glauben an den Rechtsstaat. Erst nach massivem juristischem Druck und einem Widerspruch lenkte das Berliner Landesamt im Oktober 2024 ein. Es räumte ein, dass sich mittlerweile der Verdacht zur „Gewissheit erhärtet“ habe, dass eine dritte Person unter diesem Namen aufgetreten sei.
Das half Heide allerdings wenig, denn ihre ehemalige Arbeitsstelle war bereits neu besetzt. Das Opfer des Behördenirrtums arbeitet heute in einem Einrichtungsgeschäft und versucht, das eigene Leben wieder zusammenzusetzen. Die echte Rechtsextremistin lebt derweil weiter unbehelligt in Norddeutschland.
Update
05.03.2026,
18:07
Uhr
Weitere Gemeinsamkeiten der beiden Frauen ergänzt.
(cku)
Künstliche Intelligenz
Staatspräsident Milei will Argentinien zum Zentrum der KI-Branche machen
Argentiniens ultraliberaler Präsident Javier Milei will das südamerikanische Land zum Zentrum der KI-Industrie machen. Die Künstliche Intelligenz befreie den Menschen von den Einschränkungen des eigenen Gehirns und treibe die Produktivität in bislang unbekannte Sphären voran, schrieb der Wirtschaftswissenschaftler in einem Gastbeitrag in der britischen Zeitung Financial Times.
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KI soll weitgehend unreguliert bleiben
Eine Gesetzesinitiative der Regierung soll nun den rechtlichen Rahmen für eine KI-Bonanza in Argentinien schaffen. Demnach soll die Künstliche Intelligenz in dem südamerikanischen Land weitgehend unreguliert bleiben. Zudem wird den Plänen zufolge im argentinischen Unternehmensrecht eine neue Kategorie für im Wesentlichen von KI-Agenten gesteuerte Firmen eingeführt. Außerdem soll eine niedrige Unternehmenssteuer für diese nicht menschlichen Firmen Argentinien als Standort attraktiv machen.
„Wir haben geöffnet“, schrieb Milei in dem Meinungsartikel. „Lasst Buenos Aires für die KI werden, was Amsterdam für die Zeit der Seefahrt war.“ Zuletzt hatte der argentinische Präsident den deutschstämmigen US-Investor Peter Thiel im Regierungssitz Casa Rosada zu Gesprächen über Künstliche Intelligenz empfangen. Der Mitgründer von Paypal und Palantir verbringt Medienberichten zufolge derzeit viel Zeit in Buenos Aires, wo er ein Haus gekauft und seine Töchter an einer Schule angemeldet haben soll.
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(afl)
Künstliche Intelligenz
#TGIQF: Das Quiz rund um Tetris
Dieses Spiel hat zu Game-Boy-Zeiten bei ganzen Heerscharen von schulpflichtigen Kindern für müde Augen gesorgt. Die Rede ist von Tetris, dessen erste Version am 6. Juni 1984 fertig entwickelt sein sollte. Die Quellen sind sich über den Zeitpunkt nicht so ganz einig, aber einen 42. Geburtstag darf unser Nerdquiz natürlich auf keinen Fall verpassen.
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Dem Programmierer Alexei Paschitnow war das Potenzial des Spiels schnell klar, und eine weitere Umsetzung für IBM-PCs verbreitete sich im Raum Moskau unter der Hand wie warme Bulotschki.
Da es in der Sowjetunion entwickelt wurde, war es für westliche Publisher gar nicht so einfach, das Spiel zu lizenzieren. Nintendo erhielt die begehrte Konsolen-Lizenz, bei der ein anderer Spielekonzern schmerzlicherweise den Kürzeren zog. Auf dem NES wurde es ein riesiger Erfolg und Nintendo war von dem Spiel so überzeugt, dass es dem ersten Game Boy beigelegt wurde.
Rückblickend war es goldrichtig, denn das süchtig machende Spiel erlangte schnell Kultstatus. Pajitnov selbst zog in die USA und fing an, bei Microsoft zu arbeiten. Von dem Hype um Tetris bekam er finanziell bis 1996 wenig mit. Erst dann gingen die Tetris-Rechte an ihn zurück und er gründete mit Henk Rogers, der das Spiel für den Westen lizenzierte, die The Tetris Company, die die Lizenzen für Tetris verwaltet.
Bis heute ist das Spiel in unzähligen Versionen für verschiedene Systeme entschieden und es fesselt noch immer. Gefesselt waren auch heise online-Chef Dr. Volker Zota und Redakteur Malte Kirchner dreier Tetris-Knobel-Fragen in der heiseshow.
Die Fragen waren beim Quiz so, wie ein ausbleibender Viererbalken bei Tetris.
Sie können in Ruhe in 10 Fragen maximal 100 Punkte erreichen. Die Punktzahl kann gern im Forum mit anderen Mitspielern verglichen werden. Halten Sie sich dabei aber bitte mit Spoilern zurück, um anderen Teilnehmern nicht die Freude am Quiz zu verhageln. Lob und Kritik sind wie immer gern gelesen.
Bleiben Sie zudem auf dem Laufenden und erfahren Sie das Neueste aus der IT-Welt: Folgen Sie uns bei Mastodon, auf Facebook oder Instagram. Und schauen Sie auch gern beim Redaktionsbot Botti vorbei.
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Und falls Sie Ideen für eigene Quizze haben, schreiben Sie einfach eine Mail an den Quizmaster, aka Herr der fiesen Fragen.
(mawi)
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Major League Soccer: Wie Apple mit 15 iPhones ein US-Ligaspiel filmte
Apple hat erstmals ein vollständiges Fußballspiel live mithilfe von iPhones übertragen – zumindest teilweise. Die Sendung fand bereits Ende Mai statt und kann von Apple-TV-Abonnenten als Aufzeichnung betrachtet werden. Das Spiel war eine Partie zwischen dem Team LA Galaxy und dem Houston Dynamo FC im Rahmen der US-Liga Major League Soccer (MLS).
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Die Idee dabei: Die iPhones sollten dafür sorgen, die Zuschauer näher ans Feld zu bringen. Insgesamt kamen 15 iPhone 17 Pro zum Einsatz. Die Apple-Smartphones wurden unter anderem zur Aufzeichnung der Team-Warm-ups, die Einführung der Spieler vor der Partie und für Aufnahmen des Torbereichs sowie Atmo-Bilder aus dem Stadion verwendet. Die Hauptszenen wurden allerdings mit TV-Kameras mit über 200.000 Euro teuren Fujinon-Duvo-25-1000-Objekten gefilmt.
Passend für „Reaction Shots“
Gegenüber dem IT-Nachrichtendienst CNET sagte der Medienchef der MLS, Seth Bacon, viele der Bilder, die man jetzt gezeigt hat, könnten mit normalen Kameras nicht umgesetzt werden. „Diese Kameras von der Spielerbank – so nah kommen wir normalerweise nicht.“ Üblicherweise würden solche „Reaction Shots“ nur von der anderen Seite des Spielfeldes gefilmt. Das iPhone sei kompakt genug, um es dorthin zu bringen, wo man eine Kamera benötigt.
Wie üblich dient das iPhone dabei nur als reine Kamera, wird dann aber mit professioneller Technik ergänzt – vom „Rig“, in dem das Gerät steckt, bis hin zur verarbeitenden Software. Interessant an einer MLS-Partie ist vor allem der Live-Charakter: Die iPhones mussten also funktionieren, sonst hätte es Bildausfälle gegeben. Üblicherweise werden die Geräte beim Filmen von Werbespots oder ganzen TV- und Kino-Produktionen genutzt, bei denen notfalls Austauschgeräte verwendet werden können.
Baseball und Formel 1
Apple hatte im September letzten Jahres bei einem „Friday Night Baseball“-Spiel iPhone-17-Pro-Aufnahmen versendet – aber nur in einzelnen Momenten. Dennoch wurde der Vorgang von der National Baseball Hall of Fame ausgezeichnet. Apple plant nun, das iPhone auch bei weiteren Sportübertragungen zu nutzen.
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Der Konzern hat in den USA unter anderem die Formel-1-Rechte, überträgt neben der MLS ansonsten auch noch einzelne Partien der Baseballliga MLB.
(bsc)
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