Digital Business & Startups
Wer Kapital aufnehmen will, sollte früh beginnen
#Interview
„Wir gehen davon aus, dass Deutschland in den kommenden Jahren deutlich aktiver wird“, sagt Sara Sclarsic, Gründerin und General Partner beim Valley-Investor Voyager Ventures. „Insbesondere München entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Startup-Standort.“

Der 2021 gegründete amerikanische Frühphasen-Investor Voyager Ventures, hinter dem Sarah Sclarsic und Sierra Peterson stecken, verkündete zuletzt das Final Closing seines zweiten Fonds (275 Millionen US-Dollar).
In den vergangenen Jahren investierte der umtriebige Geldgeber aus San Francisco bereits in die deutschen Startups Annea (digitale Zwillinge von Windturbinen und Solaranlagen) und Enapi (Transaktionsbroker für die EV-Ladeindustrie). Nun sollen hierzulande zügig weitere Investments folgen.
Der Valley-Investor interessiert sich insbesondere für Themen wie „Energieerzeugung und -verteilung, fortschrittliche Fertigung in der Industrie, kritische Materialien, physische KI und Computing“. Voyager Ventures verwaltet derzeit in drei Fonds 475 Millionen US-Dollar.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Sara Sclarsic, Gründerin und General Partner bei Voyager Ventures, einmal ausführlich über ihre Sicht auf Deutschland.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Voyager Ventures erklären?
Voyager investiert in junge Unternehmen, die die grundlegenden Systeme der Weltwirtschaft neu denken und verbessern. Sie entwickeln Technologien, die Materialien, Energie und industrielle Prozesse effizienter, kostengünstiger und nachhaltiger machen. Wenn sich diese Grundlagen verbessern, werden Volkswirtschaften widerstandsfähiger, das Leben verlässlicher und Wachstum langfristig tragfähig. Voyager unterstützt genau die Unternehmen, die es der globalen Wirtschaft ermöglichen, sich weiterzuentwickeln und dauerhaft anzupassen.
Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?
Kapital bleibt selektiv, doch die Richtung ist klar und zunehmend positiv – insbesondere durch politische Impulse in strategischen Bereichen wie Energiewende und Deep Tech. Das zeigt sich unter anderem an neuen großvolumigen Fonds, mit denen privates Kapital gezielt in industrielle Modernisierung und Klimainfrastruktur gelenkt wird. Auch Zukunftstechnologien wie Fusion sind inzwischen fest in der nationalen Agenda verankert. Diese politischen Signale übersetzen sich zunehmend in konkrete Nachfrage- und Investitionsanreize. Instrumente wie Carbon Contracts for Difference reduzieren Risiken bei der industriellen Dekarbonisierung und schaffen Planungssicherheit. Das ermöglicht es Gründerinnen und Gründern wie auch Investoren, über den Prototyp hinauszudenken und früh auf Skalierung zu setzen. Auf europäischer Ebene tragen zusätzliche Initiativen dazu bei, grenzüberschreitendes Wachstum zu erleichtern – ein entscheidender Hebel insbesondere für deutsche Startups.
Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?
Wir gehen davon aus, dass Deutschland in den kommenden Jahren deutlich aktiver wird. Insbesondere München entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Startup-Standort, der innerhalb des Landes an Bedeutung und Geschwindigkeit gewinnt. Wir beobachten hier vor allem Dynamik in Bereichen wie Geothermie, Energiespeicherung und industrieller Technologie. Öffentliche Förderinstrumente wirken dabei als Katalysator: Sie mobilisieren privates Kapital und reduzieren Risiken bei realen, kapitalintensiven Projekten. Entscheidend ist, dass sich der Markt insgesamt öffnet. Rund drei Viertel der deutschen Startups planen, in den kommenden zwölf Monaten Kapital aufzunehmen. Wir erwarten, dass die Nachfrage nach Finanzierung bis 2026 weiter anzieht.
Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?
Investoren wollen verstehen, wer ihr seid, wofür ihr steht und wie aus dieser Vision Schritt für Schritt ein belastbares Unternehmen entsteht. Entscheidend ist Klarheit: Wie viel Kapital wird benötigt, wofür genau und wie wird es nachvollziehbar in Wachstum übersetzt? Die Aufgabe von Investoren ist es, Chancen und Risiken zu bewerten. Deshalb lohnt sich Offenheit, insbesondere auch bei den größten Risiken. Transparenz schafft Vertrauen, und gute Investoren werden ohnehin eine gründliche Due Diligence durchführen. Zeigt klar, wo ihr dem Wettbewerb überlegen seid und wo es noch Lücken gibt. Genau dort sehen Investoren häufig Ansatzpunkte, um gemeinsam besser zu werden und langfristig partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Wer Kapital aufnehmen will, sollte früh beginnen. Viele Runden dauern sechs Monate oder länger, und knappe Liquidität schwächt die eigene Verhandlungsposition. Recherchiert gezielt Investoren, die zu eurem Sektor passen: Sie sind in der Regel besser informiert, besser vernetzt und können operativ wirklich unterstützen. Bereitet euch auf konkrete Fragen vor: Wie lange dauert euer Sales Cycle? Warum entscheiden sich Kunden für euch? Ihr kennt euer Geschäft am besten. Je präziser ihr es vermittelt, desto effizienter läuft der Prozess. Denkt zum Schluss bewusst über das Investorenkonsortium nach. Welchen Beitrag leistet jeder Investor über Kapital hinaus? Oft ist eine Kombination aus einem starken Lead-Investor und Co-Investoren sinnvoll, die Mehrwert bei Hiring, Business Development, Produkt oder zukünftigen Finanzierungsrunden liefern.
Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?
Ein Beispiel aus unserem Portfolio ist Enapi, ein Berliner Startup, in das wir im vergangenen Jahr investiert haben. Enapi entwickelt die Daten- und Zahlungsinfrastruktur für ein vernetztes E-Mobilitäts-Ökosystem und betreibt bereits einen Großteil der Ladeinfrastruktur in Europa. Neun der zehn größten E-Mobility-Service-Provider zählen heute zu den Kunden. Aktuell expandiert das Unternehmen in den US-Markt. Darüber hinaus sehen wir starke kommerzielle Fortschritte bei Unternehmen, die neue Verfahren zur Gewinnung kritischer Ressourcen entwickeln – von strategisch wichtigen Metallen bis hin zu grundlastfähiger Energie. Ein Beispiel ist Alta, das eine modulare Technologie entwickelt hat, mit der Seltene Erden zu niedrigeren Kosten als in China produziert werden können. Fortschritt beschränkt sich dabei nicht auf industrielle Systeme. Er zeigt sich auch im Alltag. Unser Portfoliounternehmen Copper hat Haushaltsgeräte rund um integrierte Batteriesysteme neu gedacht. Das verbessert Leistung und Energieeffizienz und bringt Energiespeicherung sowie Versorgungssicherheit direkt in private Haushalte.
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Foto (oben): Voyager Ventures
Digital Business & Startups
RE-SHIRT, Peak Protect, Jimmy, Heartbeat Revivel, purora, Butjer – Das Grillbrett treten vor die Löwen
#DHDL
Die Löwen brüllen wieder! An diesem Montag geht es bei Vox erneut in “Die Höhle der Löwen”. In der aktuellen Folge pitchen RE-SHIRT, Peak Protect, Jimmy, Heartbeat Revivel, purora und Butjer – Das Grillbrett.

In der erfolgreiche VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) dreht sich in der mittlerweile 19. Staffel wieder alles um spektakuläre Geschäftsideen, außergewöhnliche Pitches und umkämpfte Deals. Zur Löwen-Jury gehören in dieser Frühjahrs-Staffel der Regal-Löwe Ralf Dümmel, die Venture-Capital-Löwin Janna Ensthaler, der Sales-Löwe Carsten Maschmeyer, die Beauty-Löwin Judith Williams, die Familien-Löwin Dagmar Wöhrl und der Startup-Löwe Frank Thelen.
Die DHDL-Startups der Woche
RE-SHIRT aus München
Anna Hadzelek (36) und Emmy Schumacher (36) betreten die Bühne mit einer Idee, die sowohl die Textilwelt als auch die Umwelt aufhorchen lassen soll: Ein T-Shirt, das nur für einen einmaligen Anlass sichtbar ist und danach einfach verschwindet. „Ein T-Shirt-Aufdruck, der nach dem Waschen einfach wieder verschwindet“, erklären die beiden Gründerinnen von RE-SHIRT. Ihre Innovation: eine weltweit einzigartige Textildruckfarbe auf Basis natürlicher Rohstoffe, die sich rückstandslos auswaschen lässt – und so aus Einweg-T-Shirts echte Kreislaufprodukte macht. Die Idee ist simpel, aber revolutionär: Bedruckte Shirts für Messen, Events, Abschlussfeiern oder Junggesellenabschiede können nach einmaligem Tragen im Alltag weiter genutzt werden. Dadurch sparen die Gründerinnen nicht nur Ressourcen, sondern setzen auch auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell im B2B-Bereich. „Es ist schon ein sehr wichtiger Tag für uns, weil wir mit jemandem im Boot, der nicht nur investiert, sondern uns auch langfristig begleitet, ein Stück Planungssicherheit gewinnen würden“, betonen Anna und Emmy. Und die Löwen? Sie sind neugierig, stellen kritische Fragen zu Marktpotenzial, Umsatz und Vertrieb, doch werden sie auch 350.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile investieren?
Battle-Pitch
Auch in dieser Staffel gibt es wieder den Battle-Pitch: Zwei Gründer(-teams) treten dabei im jeweils einminütigen Kurzpitch gegeneinander an – doch nur eines von beiden bekommt die Chance, den Löwen sein Produkt in voller Länge zu präsentieren. Wer darf um einen Deal kämpfen und wer muss „Die Höhle der Löwen“ sofort wieder verlassen?
Peak Protect aus A-Leobendorf
Christopher Czellary (17)
Angebot: 75.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile
Jimmy aus Königsmoos
Philipp Hammerer (16)
Angebot: 80.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile
Regelverstoß in der Höhle der Löwen! Im Gründer-Battle treten die Teenager Philipp Hammerer (16) mit dem Ausbildungsportal Jimmy und Christopher Czellary (17) mit Peak Protect, einer ausziehbaren Handysicherung, gegeneinander an. Eigentlich sind die Regeln klar: 60 Sekunden Pitch, einer bleibt und einer geht – ohne Chance auf einen Deal. Doch diesmal läuft alles anders. Die Löwen sind sich uneins und es kommt zu einer Wendung, mit der niemand gerechnet hat.
Heartbeat Revivel aus Berlin
„Wer ist bereit, mit mir Leben zu retten?“ Diese Gründerin steht nicht für ein gewöhnliches Startup: „Das ist wirklich eine Mission. Ich möchte, dass jeder hilft!“ Rettungssanitäterin und Erste-Hilfe-Ausbilderin Nicole Oudes (38) stellt mit Heartbeat Revivel ein tragbares, schlüsselbundgroßes Soundgerät vor, das im Notfall klare, gesprochene Schritt-für-Schritt-Anweisungen zur Wiederbelebung gibt – jederzeit und überall einsetzbar. Der Hintergrund ist alarmierend: Jährlich erleiden rund 70.000 Menschen in Deutschland einen Herzstillstand. Doch nur in etwa 40 Prozent der Fälle beginnen Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen. „Das bedeutet, dass 42.000 Menschen sterben jedes Jahr ohne Chance auf eine Wiederbelebung“, erklärt Nicole. Jede Minute ohne Hilfe verringert die Überlebenschance um zehn Prozent. Das Gerät führt Ersthelfer strukturiert durch die lebensrettenden Maßnahmen – von der Überprüfung der Atmung über den Notruf bis hin zur Herzdruckmassage im richtigen Rhythmus. Ein integriertes Metronom gibt den Takt vor, zusätzlich gibt es einen Baby- und Kindermodus. Die Gründerin produziert bislang selbst – vom 3D-Druck des Gehäuses bis zur Programmierung der Platine. Um Produktion, Vertrieb und Reichweite professionell auszubauen, bietet sie den Löwen 20 Prozent ihres Unternehmens für 160.000 Euro an. Ihre Vision: flächendeckende Verfügbarkeit – „überall“, vom Einzelhandel bis in private Haushalte.
purora aus A-Raab
Mit purora betritt ein echtes Familienprojekt die Bühne: Gründer Heinz Pöttinger (38) treibt die Vision gemeinsam mit Beatrice Ilie (28) voran – unterstützt von seiner gesamten Familie. Vater Heinz senior, Mutter Eva sowie die Brüder Moritz, Nikolaus und Georg stehen nicht nur moralisch hinter dem Projekt, sondern sind auch aktiv daran beteiligt. Ein Familienunternehmen mit klarer Mission – und einem bemerkenswerten finanziellen Hintergrund: Bereits 7 Millionen Euro sind aus der Familienholding in die Entwicklung geflossen. „Fast good statt Fast Food“ – so lautet die Vision von Heinz. Aufgewachsen auf einem Biobauernhof, geprägt von frischen Lebensmitteln wie Löwenzahn, Brennnesseln und Beeren, möchte er gesunde Ernährung alltagstauglich machen. Sein Ansatz: ein durchdachtes Ernährungskonzept aus Technik und Bio-Mahlzeiten. Herzstück ist der eigens entwickelte „ThermoTwist“, ein Mixer, der kalt mixt oder Speisen schonend auf 42 bzw. 52 Grad erwärmt. Passend dazu bietet purora fertige Bio-Mahlzeiten im Glas: Smoothies, Porridges, Proteinshakes oder Suppen – frei von Zuckerzusätzen und künstlichen Inhaltsstoffen. Rund 30 verschiedene Mahlzeiten umfasst das Sortiment bereits. Neben dem Endkundengeschäft setzt das Startup auf B2B-Kunden wie Offices, Hotels oder Fitnessstudios sowie auf Kochbücher und Ernährungskuren. Neben einer Investition von 300.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile erhofft sich purora vor allem strategische Unterstützung: Die Vertriebsexpertise und das Netzwerk der Löwen sollen beim internationalen Markenaufbau und beim Ausbau des Vertriebs helfen.
Butjer – Das Grillbrett aus Schweiburg
Heute wird in der Höhle angegrillt – und das mit prominenter Unterstützung: Boxer-Legende Axel Schulz steht persönlich am Rost und bringt nicht nur Würstchen, sondern auch jede Menge Energie mit. Gemeinsam mit den Gründern Enrico Krüger (50), Udo Mammone (38) und Tim Gollenstede (40) präsentiert er BUTJER – DAS GRILLBRETT, ein multifunktionales 6-in-1-Tool, das das Wenden, Servieren und Reinigen am Grill deutlich einfacher machen soll. Die Idee entstand aus einer echten Pannensituation: Bei einem Grill-Event fehlte plötzlich das wichtigste Werkzeug – die Grillzange. Kurzerhand wurde improvisiert, mit einem Reibebrett von der benachbarten Baustelle. Aus einem Provisorium entwickelte sich schließlich ein durchdachtes Produkt aus Vollholz mit integrierter Edelstahlklinge. Das Grillbrett vereint Hitzeschutz, Wender, Wurstschaufel, Steak-Haken, Rostreiniger und Bieröffner in einem Tool – praktisch, robust und mit einem Augenzwinkern entwickelt. Axel Schulz lernte die drei Gründer bei einer Grillmeisterschaft kennen. Begeistert von Produkt und Teamgeist unterstützt er BUTJER heute als Werbegesicht. „Die Jungs sind sensationell – und das Brett hat mir am Grill echt den Hintern gerettet“, so der Ex-Boxprofi, der das Tool inzwischen selbst regelmäßig einsetzt. Für den nächsten Wachstumsschritt suchen die Gründer 100.000 Euro für 15 Prozent Anteile an ihrer noch zu gründenden GmbH. Ob die Löwen bei so viel Grillleidenschaft anbrennen oder ob am Ende doch jemand K.O. geht?
Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.
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Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer
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Super Streusel: Diese Schwestern haben gemeinsam gegründet
Das Bild des klassischen Familienbetriebs ist tief im deutschen Wirtschaftsverständnis verankert: der Vater als Gründer und Chef, die Mutter als Lenkerin im Hintergrund, die Kinder als Nachfolger in der zweiten und dritten Generation. Auch für Kati Decker und Dani Sichting wäre das eine Option gewesen. Der Familie gehörten früher mehrere Konditoreien im Rheinland.
Doch weder die Schwestern (noch ihr Bruder) wollten den elterlichen Betrieb übernehmen. Dass sie heute dennoch ein Familienunternehmen führen, empfinden die beiden als eine Art Fügung. Gemeinsame Kindheitserinnerungen, und ein geteilter Chefinnensessel – das passt für die beiden, wie bunte Streusel auf süßen Kuchen. Und die Schwestern sind mit ihrer Unternehmensform nicht allein. Aber Geschwister als Unternehmenslenker – kann das auf Dauer gut gehen?
Erst Kuchen, dann Streusel
Für Kati Decker und Dani Sichting bisher ja, sie sind die Macherinnen von Super Streusel, einem Versandhandel für ausgefallene Kuchendekoration. Angefangen haben die beiden allerdings mit einem anderen Start-up. Die Schwestern vertrieben über das Internet Cakepops, also kleine Kuchen am Stiel. Im Jahr 2013 gründete Dani Sichting den Shop. Wenig später stieg Schwester Kati Decker bei „Guter Kuchen“ ein. Dabei allerdings stellten sie fest, dass es auf dem deutschen Markt nur wenig Dekoration zu kaufen gab. Und so deckten sie sich für ihre Cakepops unter anderem in Australien und Nordamerika ein.
„Irgendwann haben wir uns gedacht: Wenn wir so dringend mehr Auswahl an Streuseln brauchen, dann geht es anderen sicher auch so“, erzählt Dani. Die Idee zum Kuchendeko-Vertrieb war geboren. „Bis zum Name Super Streusel war es dann nicht mehr weit“, sagt Kati. „Nach Guter Kuchen konnte nur Super Streusel kommen“, beendet Dani den Gedanken der Schwester.
Das war 2018. Anfangs war es allerdings alles andere als einfach. „Wir hatten Probleme, auf die Mindestbestellmengen zu kommen“, erinnert sich Kati. Heute ist das anders: Super Streusel lässt bei vielen Herstellern mit eigenen Stanzen produzieren – exklusiv für die Marke. Gerade läuft eine bundesweite Aktion mit einem großen Schokokuss-Hersteller. Zudem hat der Europapark in Rust (Baden-Württemberg) bei Super Streusel Deko entwickeln lassen, die nun den ganzen Sommer auf das Eis im Park rieseln. Dazu haben die Schwestern das Repertoire der handgemischten Streuselmixe um Kuchenglasur erweitert, vertreiben sogar zuckerfreie Streuselvarianten und bieten auf ihrer Plattform Silikonformen, Spritztüllen, Glitzerpuder und Backmischungen an. Musik-Act DIKKA hat ebenso seine eigene Kollektion wie Sänger Ross Antony.
Was als kleiner Betrieb mit nur drei weiteren Mitarbeitenden begann, ist heute ein Unternehmen mit 55 Angestellten. In wenigen Wochen steht ein Umzug in eine größere Betriebszentrale an. Der Komplex aus Büro und Lager an der Kieler Straße ist zu klein geworden. „Früher hatten wir hier einen schönen Eingangsbereich, jetzt stehen hier die Hochregallager. Wir brauchten mehr Platz“, sagt Dani.
Natürlich war nicht immer alles harmonisch. „Als Kinder haben wir uns hin und wieder gestritten, wie Geschwister eben sind“, erinnert sich Dani. Und auch in der Anfangszeit im Start-up „gab es schon mal Streit – aus Überforderung, weil wir alles selbst gemacht haben“, sagt Kati. Dani ergänzt: „Im ersten Jahr war das.“ Heute? „Gibt es eigentlich keinen Tag mehr, an dem wir streiten.“
Dass sie als Schwestern zusammenarbeiten, empfinden beide als großen Vorteil. „Wir sind glücklich, dass wir das Unternehmen gemeinsam führen“, sagt Dani. Und Kati ergänzt: „Weil man sich alles sagen kann.“ Diese Offenheit ist für sie ein zentraler Erfolgsfaktor. „Man versucht nicht alles selbst zu lösen, wie es vielleicht wäre, wenn man einen Mit-Geschäftsführer hätte, zu dem man keine engere Beziehung hat. Man fragt einfach schnell die andere, weil sie ja die Schwester ist“, erklärt Dani.
Viele erfolgreiche Familienunternehmen
Was für die beiden Schwestern ein Erfolgsrezept ist, ist es auch für rund 420.000 andere Firmen in Deutschland. Zahlen des Verbands der Familienunternehmen zufolge sind rund 90 Prozent aller deutschen Unternehmen von Familien geführt. In Hamburg sind es zwar im Vergleich zu Ländern wie Bayern oder Baden-Württemberg, wo es viele Kleinbetriebe, Landwirtschaft und Handwerk gibt, pro Kopf wenige Familienunternehmen. Allerdings gilt Hamburg als Hauptstadt der erfolgreichen Familienbetriebe. 186 der 5000 umsatzstärksten Familienunternehmen finden sich laut Mittelstandsportal „Die Deutsche Wirtschaft“ in der Hansestadt. Darunter sind die bekannten großen Namen wie Otto, Beiersdorf oder Fielmann.
Aber die Hansestadt hat auch bei den kleineren Familienbetrieben starke Marken zu bieten. Eine dieser bekannten Labels ist das Schwesternbusiness „Hey Honey“. Den Grundstein für ihre Yogaklamottenmarke legten die Schwestern Imke von Johnston und Janka Oeljeschlager 2015, beide waren in der Textil- und Modebranche beheimatet und beide sind Yoga-Fans. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnten: Fünf Jahre später würde eine Pandemie die Welt aus den Angeln heben und die Menschheit ins Homeoffice verbannen.
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Erfolgreich mit bunten Leo-Prints
In der Zwangsisolation verschoben sich die Prioritäten, das veränderte auch die Mode. Warum sich in eine kneifende Jeans zwängen, wenn man genauso gut in lässiger Homewear an der Video-Konferenz teilnehmen kann?
Zu sagen, „Hey Honey“ verdanke seinen Erfolg der Pandemie, wäre zu einfach. Schließlich waren die Leggings, deren Markenzeichen früh Leoprint-Muster waren, getaucht in für Leoprint ungewöhnlichen Farben – Altrosé, Kobaltblau oder Smaragdgrün – bereits zwei Jahre nach Firmengründung und damit lange vor Corona der letzte Schrei. Und nicht nur unter Yogis.
Etwa zu diesem Zeitpunkt, 2017, stieß Tomma Oeljeschlager, die heute für alles rund ums Marketing zuständig ist, hinzu. Die Gründerinnen kamen an den Punkt, an dem klar war: Das wird größer, als zu zweit zu stemmen ist.
Tomma hatte zu dem Zeitpunkt gerade fertig studiert. „Meine Schwestern haben mich angesprochen und ich habe nicht lange gezögert. Die Entscheidung fiel aus dem Bauch heraus und war absolut richtig.“ Als die Menschen nach dem Ausnahmezustand schließlich wieder in die Büros zurückkehrten, wurde klar: Sportliche Kleidung generell war bürotauglich geworden. Das verpasste dem jungen Label noch einen zusätzlichen Schub.
Die drei Schwestern ziehen an einem Strang, was nicht heiße, bei ihnen laufe stets alles rund. „Klar knirscht es auch mal. Meistens dann, wenn wir unter Zeitdruck stehen oder viele Themen parallel jonglieren müssen. Wir sind drei unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken – das ist unsere große Stärke, kann aber im Alltag auch zu Spannungen führen“, sagt Tomma Oeljeschlager. Es helfe dann, die „Reibung“ als Teil des Prozesses zu sehen – „sie zeigt, dass alle mit Herzblut dabei sind.“ Meistens hake es, wenn es um Geschmacksfragen oder kreative Entscheidungen geht, bei denen wir nicht sofort auf einen Nenner kommen.
Zuletzt ging es um eine neue Print-Idee, da waren sich zwei in einer Sache einig, die Dritte hingegen nicht. Aber es sei nie ein Gegeneinander, sondern eher ein Ringen um die beste Idee, so Tomma Oeljeschlager. „Wir haben uns dann die Zeit genommen, noch einmal auf unsere Marken-DNA zu schauen und haben uns bei unserem Team Feedback eingeholt. Am Ende haben wir den Entwurf überarbeitet und einen gemeinsamen Weg gefunden – mit einem Ergebnis, das wir alle lieben.“
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Zusammen seit dem ersten Atemzug
Der Kit, der sie zusammenhält, ist, dass sie sich blind vertrauen. „Wir kennen uns seit dem ersten Atemzug, das schafft eine ganz besondere Form der Zusammenarbeit.“ Gleichzeitig sei genau diese Nähe manchmal auch herausfordernd, weil sich Berufliches und Privates schwer trennen lässt. „Da hilft es sich bewusst zu machen, dass man nicht immer alles gleich klären muss. Oft ist es gut, eine Nacht oder mehrere darüber zu schlafen.“
Es heißt ja, dass einen kaum jemand so verletzen könne wie Geschwister. Weil sie um die wunden Punkte wissen, die man von anderen gut zu verstecken weiß. Kommt das dem Schwestern-Trio bekannt vor? „Auf jeden Fall. Wir kennen uns in- und auswendig – mit allen Stärken und Schwächen. Aber genau deshalb sind wir auch besonders achtsam miteinander. Wir sprechen Konflikte direkt an und wissen, dass am Ende die Beziehung zueinander wichtiger ist als jeder Streit. Diese Offenheit und Tiefe machen unsere Zusammenarbeit so besonders – und stark.“
Was beide Gründerinnenkombos eint: Die Schwestern haben gelernt, ihre familiäre Nähe in unternehmerische Klarheit zu übersetzen – und dabei eine neue Form des Familienunternehmens geschaffen. Nicht geerbt, sondern gemeinsam gegründet. Und das bringt ihnen einen Vertrauensvorschuss, den kein Businessplan der Welt garantieren könnte.
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Digital Business & Startups
5 neue Startups: conmeet, Ionic Wind, STARQstrom, enermaind, Twentyfour Industries
#Brandneu
Es ist wieder soweit – neue Startups stehen in den Startlöchern! Hier sind einige spannende junge Unternehmen, die man kennen sollte. Heute werfen wir einen Blick auf diese Neugründungen: conmeet, Ionic Wind, STARQstrom, enermaind und Twentyfour Industries.

deutsche-startups.de stellt heute erneut eine Auswahl junger Startups vor, die in den vergangenen Wochen und Monaten gegründet wurden oder kürzlich aus dem Stealth-Mode hervorgetreten sind. Noch mehr spannende Neugründungen gibt es übrigens in unserem Newsletter Startup-Radar.
conmeet
conmeet aus Borken, von Leandro Ananias, Lennart Eckerlein und Seriengründer Benedikt Kisner (netgo group) ins Leben gerufen, bringt sich als „cloud-native All-in-One-Plattform für prozessorientierte Bau- und Handwerksunternehmen“ in Stellung.
Ionic Wind
Die frische Firma Ionic Wind aus St.Gallen entwickelt eine spezielle Luftstrom Technologie zur energieeffizienten Kühlung von Hochleistungselektronik und Computerchips. „We use electric fields to move air instead of conventional rotating machinery“, erklärt das von Donato Rubinetti, Frederik Bauer, Rico Chandra und Liubov Shishaeva gegründete Startup.
STARQstrom
Das Startup STARQstrom aus Hamburg, von Peter Vest und Fabio Griemens an den Start gebracht, setzt auf grünen Strom für Unternehmen und Haushalte ohne Umwege. Der Strom kommt direkt aus deutschen Wind- und Solarparks, ist deshalb „günstig im Preis und transparent im Ursprung“.
enermaind
Bei enermaind aus Aachen, von Hubertus Lemken, Benjamin Wirtz und Christian Kirsch auf die Beine gestellt, „trifft Energie auf Intelligenz“. Das Startup sieht sich als „Partner für intelligente Lösungen in der Energiewirtschaft“. „Wir verbinden tiefes Branchenwissen mit modernster Technologie und Künstlicher Intelligenz“, heißt es.
Twentyfour Industries
Twentyfour Industries aus München hat militärische Kleinstdrohnen im Angebot. „Twentyfour Industries designs, manufactures, and deploys drones for European and allied partners – cost-effectively, at scale, and with end-to-end operational support“, teilt das Team der Gründer Clemens Kürten, Erik Linden und Martin Eichenhofer mit.
Tipp: In unserem Newsletter Startup-Radar berichten wir einmal in der Woche über neue Startups. Alle Startups stellen wir in unserem kostenpflichtigen Newsletter kurz und knapp vor und bringen sie so auf den Radar der Startup-Szene. Jetzt unseren Newsletter Startup-Radar sofort abonnieren!
WELCOME TO STARTUPLAND

SAVE THE DATE: Bereits am 18. März findet unsere dritte STARTUPLAND statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über Startupland
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E
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