Künstliche Intelligenz
Wie kann dieser E-Scooter legal sein? Iscooter IX7 Pro mit 2 Motoren & 1600 Watt
Der E-Scooter Iscooter IX7 Pro mit zwei Motoren mit 1600 Watt Spitzenleistung glänzt mit brachialer Kraft und guter Federung – zeigt aber auch klare Schwächen.
Zwei Motoren in einem E-Scooter mit deutscher Straßenzulassung – das ist auf dem hiesigen Markt eine echte Rarität. Der Iscooter IX7 Pro bietet genau das: einen umschaltbaren Doppelantrieb, der wahlweise nur das Hinterrad oder beide Räder gleichzeitig antreibt. Das Ergebnis ist spürbar mehr Anfahrkraft und Steigfähigkeit als bei klassischen Einmotor-Modellen, besonders auf Schotter, Gras und losem Untergrund.
Legal bleibt der Spaß trotzdem. Die Software begrenzt die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit fest auf 20 km/h, die Gesamt-Nennleistung liegt bei 500 Watt und die Ausstattung ist StVZO-konform. Die quasi baugleiche internationale Version erreicht dagegen 60 km/h bei 2 × 1000 Watt Peak – hat aber keine ABE und ist in Deutschland im öffentlichen Verkehr nicht erlaubt.
Für 860 Euro beim Hersteller und 850 Euro bei Amazon bekommt man einen E-Scooter, der sich auf dem Feldweg pudelwohl fühlt. Ob der Dualmotor-Offroad-E-Scooter auch im Alltag überzeugt, zeigt dieser Test.
Aufbau, Optik & Verarbeitung
Der Aufbau des Iscooter IX7 Pro dauert rund zehn Minuten und gelingt ohne Vorkenntnisse. Lenkstange ausklappen, Lenker mit vier Schrauben fixieren, die Halterung für das Versicherungskennzeichen mit sechs Schrauben befestigen, Reifen aufpumpen – fertig. Die Bremsen waren bei unserem Testgerät ab Werk korrekt justiert. Im Lieferumfang stecken neben dem E-Scooter eine wasserdichte Transporttasche, ein 54,6-V/2-A-Ladegerät und eine deutschsprachige Bedienungsanleitung. Wir empfehlen dringend das Tragen eines Helms.
Optisch gibt sich der IX7 Pro als das, was er ist: ein Offroader ohne Schnörkel. Die breiten 10-Zoll-Tubeless-Offroad-Reifen, das großzügige Trittbrett mit 19 × 55 cm und leicht erhöhter Fußablage hinten sowie die fast 20 cm Bodenfreiheit lassen keinen Zweifel an seiner Bestimmung. Der robuste Rahmen aus Aluminiumlegierung mit Magnesium-Elementen trägt bis zu 150 kg Zuladung – ein Spitzenwert, den selbst der Isinwheel T4 (Testbericht) nur erreicht, aber nicht übertrifft. Farbelemente wie die rote Federung hinten sind selten, es dominieren Grau- und Schwarztöne.
Iscooter IX7 Pro Bilder
Die Schweißnähte sind sauber und gleichmäßig ausgeführt, die Dichtungen nach IP54 schützen vernünftig gegen Spritzwasser. Allerdings wirken einige Kunststoffteile wie die Schutzbleche etwas wackelig, und die Steuereinheit am Lenker macht keinen besonders hochwertigen Eindruck. Wer das makellose Finish eines Segway oder die edle Optik des Navee ST3 Pro (Testbericht) mit seinen matt-goldenen Akzenten erwartet, wird hier nicht fündig. Massiv – ja. Premium-Feeling – nein.
Der Klappmechanismus funktioniert gewohnt unkompliziert: Hebel lösen, Lenker einklappen, Haken am Trittbrett fixieren. In wenigen Sekunden ist der E-Scooter gefaltet und misst dann etwa 117 × 65 × 55 cm, tragen lässt er sich an der Lenkstange. Das klingt praktischer, als es sich anfühlt: Mit 30 kg Eigengewicht wird jede Treppe zum Workout. Zum Vergleich – der Segway Ninebot Max G3 D (Testbericht) wiegt 24,6 kg und fühlt sich beim Tragen schon schwer an. Für Pendler mit Aufzug ist der IX7 Pro machbar, für Treppenhaus-Bewohner eher ein Grund zum Umziehen.
Lenker & Display
Der Lenker des Iscooter IX7 Pro ist funktional gestaltet, auch wenn er optisch nicht mit den aufgeräumten Lösungen von Segway oder Navee mithalten kann. Rechts sitzt der Daumengriff für die Beschleunigung, links befinden sich Kippschalter für die integrierten Blinker an beiden Lenkerenden. Die Blinker schalten sich nicht automatisch ab – hier muss der Fahrer selbst dran denken, was im Eifer des Abbiegens schon mal vergessen werden kann.
Das LED-Display hingegen gehört zu den Stärken des IX7 Pro. Es zeigt Geschwindigkeit in km/h, Akkustand in Balken, den aktiven Fahrmodus, die Trip-Distanz sowie den aktuellen Antriebsmodus (1-WD oder 2-WD) und Blinkersymbole übersichtlich an. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt es gut ablesbar.
Die Bedienung erfolgt über eine zentrale M-Taste, die zwischen den vier Geschwindigkeitsstufen (Gehmodus bei 6 km/h, dann 10, 15 und 20 km/h) umschaltet. Zwei kurze Drücke auf dieselbe Taste aktivieren den Dualmotor-Modus – simpel und auch während der Fahrt schnell erreichbar, ohne den Blick lange vom Weg zu nehmen.
Beim Licht gibt sich der IX7 Pro pragmatisch. Der Front-LED-Scheinwerfer reicht für Radwege und den Alltag aus, ist aber weder besonders hell noch im Abstrahlwinkel verstellbar. Das rote Rücklicht leuchtet dauerhaft, funktioniert jedoch nicht als Bremslicht. Einen Dämmerungssensor hat der E-Scooter nicht.
Einen USB-Anschluss zum Laden mobiler Endgeräte gibt es ebenfalls nicht, während der Vmax VX2 Hub (Testbericht) mit seinem USB-C-Port zeigt, wie praktisch das im Alltag sein kann.
App
Die Iscooter-App für iOS und Android verbindet sich per Bluetooth mit dem E-Scooter und bietet solide Grundfunktionen. Der Roller lässt sich per Passwort sperren und entsperren, die Beleuchtung steuern und der Fahrmodus wechseln. Die App zeigt den exakten Akkustand in Prozent und Spannung an – deutlich präziser als die Balkenanzeige auf dem Display. Dazu kommen Routen-Tracking, Fahrstatistiken und die Möglichkeit, Firmware-Updates einzuspielen.
Iscooter IX7 Pro Screenshot
Im Vergleich zur Segway Mobility App mit Navigation, Apple-Find-My-Integration und programmierbaren Tasten wirkt der Funktionsumfang überschaubar. Dafür gibt es beim IX7 Pro keine Registrierungspflicht vor der ersten Fahrt – ein willkommener Unterschied zu Segway und Navee, die ihre Nutzer zur Anmeldung zwingen, bevor der E-Scooter überhaupt einen Meter rollt.
Motor & Leistung
Wer zum ersten Mal auf dem Iscooter IX7 Pro steht, merkt sofort den Unterschied zu herkömmlichen E-Scootern. Die Standposition ist deutlich erhöht, die fast 20 cm Bodenfreiheit und das breite Trittbrett vermitteln ein Gefühl wie auf einem kleinen Geländefahrzeug. Die aufrechte Haltung ist für längere Touren von ein bis zwei Stunden komfortabel, und dank der 150 kg Zuladung finden hier auch kräftigere Fahrer einen sicheren Stand. Allerdings ist der Iscooter IX7 Pro nicht sehr wendig. Das liegt am hohen Eigengewicht und daran, dass der Lenker nicht sehr weit einschlägt.
Die beiden Motoren sind das Herzstück des IX7 Pro und sein klares Alleinstellungsmerkmal. Im Einzelmodus treibt nur das Hinterrad an – das reicht für ebene Strecken und den normalen Stadtverkehr vollkommen aus. Per doppeltem Druck auf die M-Taste schaltet man in den Dualmodus, und dann wird es ernst: Beide Motoren mit zusammen 1600 Watt Spitzenleistung greifen gleichzeitig zu, die Beschleunigung von 0 auf 20 km/h ist schlicht brachial.
Dabei gilt eine eiserne Regel: Beim Beschleunigen im Dualmodus unbedingt das Gewicht nach vorne verlagern! Die Power ist so heftig, dass das Vorderrad gerne durchdreht. In Kurven sollte man keinesfalls Gas geben, vor allem nicht bei Nässe oder Schotter – sonst wird aus der kontrollierten Fahrt schnell eine unkontrollierte Rutschpartie. Wer das beherzigt, erlebt einen Antritt, der in dieser Preisklasse seinesgleichen sucht. Steigungen von 25 bis 35 Prozent meistert der IX7 Pro im Dualmodus ohne Ruckeln, was Einmotor-Modelle wie der Joyor Y8-S (Testbericht) in dieser Souveränität nicht schaffen.
Ein spürbarer Schwachpunkt ist der Daumengriff: Er erlaubt im Grunde nur geringe Beschleunigung oder Vollgas, eine feinfühlige Dosierung dazwischen fehlt. Die brachiale Power ist dadurch schwer zu bändigen, besonders für Anfänger. Hier hätte Iscooter deutlich mehr Wert auf gute Elektronik legen sollen – der Segway Ninebot Max G3 D zeigt mit seinem nahezu perfektem Gasgriff, wie präzise Beschleunigungskontrolle funktionieren kann.
Federung
Die hydraulische Doppelfederung an Vorder- und Hinterrad mit einstellbarer Dämpfung gehört zu den Stärken des IX7 Pro. Auf Schotter und unebenem Asphalt schluckt sie Schläge zuverlässig weg. Feldwege, Bordsteine und Kopfsteinpflaster verlieren ihren Schrecken. Im Zusammenspiel mit den grobstolligen 10-Zoll-Offroad-Reifen ergibt sich ein Fahrwerk, das für unebenes Terrain gemacht ist.
Für leichte Fahrer unter 70 kg ist die Federung ab Werk allerdings zu hart eingestellt – hier lohnt sich das Anpassen der Dämpfung über die vorhandenen Einstellmöglichkeiten. Schwere Fahrer um 80 bis 100 kg profitieren dagegen von der strafferen Abstimmung, die ein Durchschlagen bei gröberen Hindernissen verhindert. Im Vergleich zur butterweichen Federung des Navee ST3 Pro fühlt sich der IX7 Pro deutlich straffer an. Für reinen Stadtbetrieb wäre das zu hart, für echtes Offroad-Fahren passt die Abstimmung.
Bremsen & Reifen
Die mechanischen Doppelscheibenbremsen mit 140-mm-Rotoren an Vorder- und Hinterrad überzeugen. Sie greifen direkt und kräftig, erlauben aber auch ein kontrolliertes, dosiertes Abbremsen. Bei Vollbremsungen steht der 30 kg schwere E-Scooter schnell und sicher – ein wichtiger Punkt bei der brachialen Beschleunigung, die der Dualmotor entfesselt.
Die 10-Zoll-Tubeless-Offroad-Reifen bieten guten Grip auf nahezu jedem Untergrund. Ihr grobes Profil beißt sich in Schotter, Gras und losen Boden, auf Asphalt rollen sie etwas lauter als Straßenreifen. Bei Nässe in der Stadt sollte man dennoch vorsichtig fahren – die Reifen sind klar für Gelände optimiert, nicht für regennasse Radwege.
Akku
Der fest integrierte Lithium-Ionen-Akku liefert 48 V bei 15 Ah und damit 720 Wh Kapazität. Das ist ein ordentlicher Wert, der den des Navee ST3 Pro (596,7 Wh) und den des Segway Ninebot Max G3 D (597 Wh) übertrifft.
Iscooter gibt eine Reichweite von 70 bis 80 km an – eine Angabe, die man getrost als Marketing-Optimismus verbuchen kann. Im Praxistest mit einem 80 kg schweren Fahrer, einem Mix aus Asphalt und Schotter bei 15 bis 20 km/h im Dualmodus kommen wir auf 35 bis 50 km. Bei Temperaturen unter 10 °C oder starken Steigungen sinkt die Reichweite weiter auf 25 bis 35 km. Wer ausschließlich im Einzelmodus auf ebener Strecke fährt, kommt entsprechend weiter.
Die Ladezeit beträgt 6 bis 7 Stunden mit dem mitgelieferten 54,6-V/2-A-Ladegerät. Das ist kein Schnellladen, aber deutlich erträglicher als die Marathonladezeit des Navee ST3 Pro mit seinen 10 Stunden. Ein Wechselakku ist nicht vorgesehen – der Akku bleibt fest im Rahmen.
Preis
Der Iscooter IX7 Pro kostet aktuell 860 Euro beim Hersteller und 850 Euro bei Amazon. Auf der Herstellerseite und bei Amazon gibt es regelmäßig Rabattcodes, die den Preis weiter drücken. Im Lieferumfang ist eine Lenkertasche enthalten.
Fazit
Der Iscooter IX7 Pro ist ein Spezialist mit klarem Profil. Sein Doppelantrieb liefert auf Feldwegen, Schotter und Steigungen eine Traktion, die kein Einmotor-E-Scooter in dieser Preisklasse bieten kann. Die einstellbare hydraulische Federung, die beeindruckende Zuladung von 150 kg und die grobstolligen 10-Zoll-Offroad-Reifen machen ihn zum echten Geländegänger – und das mit legaler Straßenzulassung.
Die Schwächen liegen im Detail: Der Daumengriff erlaubt kaum feinfühlige Dosierung der brachialen Motorleistung, einige Kunststoffteile wirken billig, das Rücklicht hat keine Bremslichtfunktion und 30 kg Eigengewicht machen jeden Transport zur sportlichen Herausforderung. Ddie Reichweitenangabe des Herstellers ist zu optimistisch – ein Klassiker in dieser Branche.
Wer regelmäßig abseits asphaltierter Wege unterwegs ist und einen robusten Offroad-E-Scooter mit ABE sucht, findet im IX7 Pro für 860 Euro einen starken Begleiter. Für reine Stadtfahrer gibt es komfortablere und leichtere Alternativen. Der Dualmotor ist sein Alleinstellungsmerkmal – und auf dem Feldweg ein echtes Erlebnis.
Künstliche Intelligenz
Zielwert 50 Hertz: Wie Europas Stromnetz stabil bleibt
Damit das europäische Stromnetz stabil läuft, muss die Netzregelung die Frequenz bei möglichst genau 50 Hertz halten. Das gelingt nur, wenn Verbraucher und Einspeiser jederzeit im Gleichgewicht sind. Speisen die Kraftwerke mehr Energie ein, als die Verbraucher entnehmen, steigt die Frequenz. Entnehmen die Verbraucher mehr, als eingespeist wird, fällt die Frequenz. Alle Teile des europäischen Verbundsystems – so die offizielle Bezeichnung – laufen synchron: Misst man 49,98 Hertz in Hamburg, misst man das auch in Barcelona oder Paris.
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Bereits Abweichungen von mehr als 0,2 Hertz deuten auf ein größeres Ungleichgewicht hin. Regelleistung soll das Gleichgewicht sicherstellen. Negative Regelleistung bedeutet, dass Kraftwerke abgeschaltet oder mit weniger Leistung betrieben werden. Positive Regelleistung heißt, dass weitere Kraftwerke oder zum Beispiel Batteriegroßspeicher zugeschaltet werden.

Das europäische Verbundsystem ist eines der vielen Stromverbundnetze.
(Bild: Alinor)
In einem Verbundnetz stabilisieren sich die Teilnetze gegenseitig: Fehlt es zum Beispiel in Frankreich an Energie, fließt sie aus anderen Mitgliedstaaten; hat Frankreich zu viel davon, fließt sie in andere Staaten. So werden Ungleichgewichte, die ein isoliertes nationales Netz überfordern würden, problemlos ausgeglichen. Wenn die Störung in einem Teilnetz nicht vom Verbundnetz behoben werden kann, wird das Teilnetz abgekoppelt, um das Verbundnetz zu schützen.
Blackout und Neustart
In Ausnahmefällen reicht die positive Regelleistung nicht aus und die Netzfrequenz fällt weiter. Unter 49 Hertz beginnt das Netz dann automatisch, Last abzuwerfen, also Verbraucher vom Netz zu trennen – was in der Regel zuerst große Industriebetriebe und danach auch Haushalte trifft. Sinkt die Frequenz weiter, schalten sich die Kraftwerke bei etwa 47,5 Hertz zum Selbstschutz ab. Teile des Netzes brechen zusammen, noch laufende Teile sind nicht mehr frequenzsynchron. Folgt darauf ein unkontrollierter, länger anhaltender Ausfall ganzer Regionen oder Länder, spricht man von einem Blackout. Zu Blackouts kommt es im Schnitt nur alle paar Jahre, wie im April 2025 in Spanien und Portugal.
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Nach einem Blackout kann sich das Netz nicht mehr von selbst stabilisieren. Es muss mit schwarzstartfähigen Kraftwerken, etwa Wasser- oder Gasturbinenanlagen, neu aufgebaut werden. Sie bilden einzelne Inselnetze, die wieder synchronisiert und anschließend schrittweise zusammengeschaltet werden, bevor die Verbraucher nach und nach ans Netz gehen. Der Neustart nach einem Blackout dauert Stunden oder gar Tage.
Stromverbund über Kontinente
Zum europäischen Verbundsystem gehören auch einige nordafrikanische Länder. Nach dem Blackout in Spanien und Portugal half unter anderem auch Marokko dabei, den Netzbetrieb wieder aufzubauen.
Weil das europäische Verbundsystem auch mit anderen Stromnetzen Energie austauscht – darunter dem britischen –, beeinflussen dortige Routinen die Stromflüsse in Kontinentaleuropa. In Großbritannien existiert ein Phänomen namens „TV pickup“: Wenn eine beliebte Fernsehsendung in die Werbepause geht oder endet, steigt die Netzlast sprungartig um mehrere Hundert Megawatt an – deutlich stärker als in anderen Ländern.
Zu den üblichen Effekten von Toilettengängen und dem Durst nach kalten Getränken – also zusätzlicher Beleuchtung, anspringenden Kühlschrankkompressoren und hochregelnden Pumpen der Wasserversorgung – kommt in Großbritannien der massenhafte Griff zum Wasserkocher für die traditionelle Tasse Tee hinzu. In der Halbzeitpause des EM-Finales England gegen Italien 2021 schoss die Netzlast gar um 1800 Megawatt nach oben – fast so viel, wie Berlin zu Spitzenzeiten benötigt.
(geb)
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Qualcomm & Mediatek: Smartphone-Herstellung bricht ein
Die weltweit größten Zulieferer von Mobilprozessoren für Android-Smartphones zeigen die Auswirkungen der Speicherkrise. Bei Mediatek brach der Umsatz mit Smartphone-Prozessoren schon im ersten Quartal 2026 sequenziell um 18 Prozent ein. Qualcomm erwartet dagegen im zweiten Kalenderquartal 2026 einen Umsatzrückgang von 18 Prozent mit Snapdragon-Prozessoren für Smartphones.
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Mediatek ist unter anderem früher betroffen, weil die Firma vor allem Billigprozessoren für die Einstiegs- und Mittelklasse verkauft. Hier wirken sich hohe Speicherpreise als Erstes negativ aus. Zuletzt setzte die Firma knapp 2,4 Milliarden US-Dollar mit Smartphone-Prozessoren um. Qualcomms Snapdragons stecken hingegen öfter in teureren Smartphones. Die Firma setzte im ersten Quartal noch gut sechs Milliarden US-Dollar mit Mobilchips um. Im zweiten Quartal sollen es rund 4,9 Milliarden US-Dollar werden. Der Jahresvergleich sieht mit einem erwarteten Rückgang von 22 Prozent noch schlechter aus.
Zu den Zahlen im ersten Quartal sagte Qualcomms Finanzchef Akash Palkhiwala in einer Analystenkonferenz: „Der Umsatz […] entsprach den Erwartungen, da die OEMs bei der Handyproduktion aufgrund der Auswirkungen der schwierigen Speicherlage weiterhin zurückhaltend sind.“
Tiefpunkt im zweiten Quartal denkbar
Zumindest in China erwartet Qualcomm in den nächsten Monaten den Tiefpunkt. Ab dem dritten Kalenderquartal soll es wieder graduell hochgehen. Zwischen den Zeilen wird klar: Bis der Markt wieder das Niveau von vor der Speicherkrise erreicht, kann einige Zeit vergehen.
Marktbeobachter erwarten über das gesamte Jahr betrachtet einen Verkaufsrückgang von mindestens acht Prozent. Das entspräche rund 1,15 bis 1,2 Milliarden Smartphones. Mediateks Ausblick ist noch schlechter: Ein Einbruch von 15 Prozent sei möglich.
Qualcomms Aktie schießt dank KI-Ausblick hoch
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Qualcomms Aktie ist nach Bekanntgabe des Geschäftsberichts nur wegen eines Ausblicks auf eigene KI-Chips hochgeschossen. CEO Cristiano Amon sagte, dass Qualcomm im Dezember erste Custom-Chips an einen Hyperscaler ausliefern will. Um was für einen Chip es sich handelt, verschwieg Amon. Die Liefermengen dürften zu Beginn allerdings gering sein.
„Darüber hinaus schreitet die Entwicklung unserer führenden Rechenzentrums-CPUs und hochleistungsfähigen KI-Inferenzbeschleuniger gut voran“, führte der Firmenchef aus.
Mediateks Aktie ist nach dem eigenen Geschäftsbericht leicht im Plus. Die Firma agiert bei KI-Chips vor allem im Hintergrund durch Designhilfe bei Beschleunigern, unter anderem bei Googles neuer TPU-Generation. Wachstum bei KI-Chips soll den schwächelnden Smartphone-Markt ausgleichen.
Quartalsgewinne
Spartenübergreifend setzte Qualcomm im vergangenen Quartal 10,6 Milliarden US-Dollar um. Der Nettogewinn von 7,4 Milliarden US-Dollar ist nur aufgrund einer milliardenschweren Steuerwertberichtigung so hoch. Der Gewinn vor Steuern lag mit 2,2 Milliarden US-Dollar etwas unter dem Vorjahresergebnis, ebenso der Umsatz.
Im jetzt laufenden Quartal erwartet Qualcomm insgesamt 9,2 Milliarden bis 10 Milliarden US-Dollar Umsatz. Wachstum in Sparten wie Auto-Prozessoren gleichen das schwächelnde Smartphone-Geschäft etwas aus.
Mediateks Gesamtumsatz lag bei gut 4,7 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn bei 771 Millionen US-Dollar. Einen Quartalsausblick veröffentlicht Mediatek wie andere asiatische Unternehmen nicht.
(mma)
Künstliche Intelligenz
Apples CEO-Wechsel und die wilden Gerüchte: Giftige Vorschusslorbeeren
Der Führungswechsel bei Apple ist noch nicht vollzogen, da überschlagen sich bereits die Gerüchte: Vision Pro (teil-)eingestellt, MagSafe könnte gestrichen werden, Smart Glasses mit Gestensteuerung. Was sonst eher in Maßen durch die einschlägigen Kanäle sickert, kommt gerade in Schüben – und das dürfte kein Zufall sein. Apple hat einen neuen Hoffnungsträger: Im September übernimmt John Ternus den CEO-Posten von Tim Cook, der wiederum als Executive Chairman im Verwaltungsrat aktiv bleibt. Mit dem Apple-Chef in spe John Ternus verbinden viele Beobachter, dass da einer kommt, der sich etwas traut. Einer, dem die Entscheidungsfreude zugetraut wird, die man Tim Cook zuletzt nicht mehr zugesprochen hat – vor allem im KI-Bereich, aber nicht nur dort. Und so projiziert die Gerüchtebranche auf den noch-nicht-amtierenden CEO alles, was sie sich unter einem mutigen Apple vorstellt: radikale Schnitte, frischer Anfang, Ende der Kompromisse.
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Malte Kirchner ist seit 2022 Redakteur bei heise online. Neben der Technik selbst beschäftigt ihn die Frage, wie diese die Gesellschaft verändert. Sein besonderes Augenmerk gilt Neuigkeiten aus dem Hause Apple. Daneben befasst er sich mit Entwicklung und Podcasten.
Fällt MagSafe weg?
Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Substanz der Gerüchte. Das Vision-Pro-Ende ist das stärkste von ihnen – MacRumors berichtet mit Verweis auf interne Quellen, dass das Hardware-Team sei aufgelöst und auf andere Projekte verteilt worden, darunter Siri. Interessant dabei: Ternus war der Überlieferung nach selbst skeptisch gegenüber der Vision Pro, zumindest in ihrer schweren 3500-US-Dollar-Form. Der CEO-Wechsel wäre tatsächlich ein guter Zeitpunkt, die Vision Pro aus dem Rennen zu nehmen. Tim Cook hat sie sich als Produkt zu eigen gemacht – er rückt ab September aus dem Fokus. Eine Abkehr muss dennoch nicht wie ein Eingeständnis aussehen, dass da etwas nicht funktioniert hat. Apple könnte es als allgemeine Neuordnung verkaufen und Ternus gleich so aussehen lassen, dass er anpackt: also keine Entscheidung gegen die Vision Pro, sondern für einen stärkeren Fokus.
Die Smart-Glasses-Gerüchte sind ebenfalls plausibel – Apple soll bereits an mindestens vier verschiedenen Brillen-Designs arbeiten. Das MagSafe-Gerücht hingegen ist das dünnste der drei: aufmerksamkeitsstark, aber kaum haltbar angesichts von Apples Zubehör-Strategie und dem Qi2-Standard, den Apple selbst mitgeprägt hat.
Zu hohe Erwartungen sind ein Korsett
Für Apple ist die Aufregung im Moment gar nicht schlecht. Die Diskussion belebt das Interesse. Wenn selbst das Streichen von MagSafe als realistisches Szenario durch die Tech-Medien geistert, traut man Apple immerhin Überraschungen zu. Der Konzern wirkt disruptiv. Bei allem Entsetzen über das Vorhaben werden Erinnerungen an beste Steve-Jobs-Zeiten wach: Ein CD-Laufwerk im Notebook weglassen? Das erschien damals auch wie ein Frevel, der sich als goldrichtige Entscheidung erwiesen hat.
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Aber genau hier beginnt das Problem. Wir haben es mit Cook selbst erlebt: Zu hohe Erwartungen werden für Apple zum Korsett. Wenn die Messlatte so liegt, dass nur der radikale Wandel als Erfolg gilt, kann jedes normale Produktjahr nur als Enttäuschung gelesen werden.
Alles über den Haufen zu werfen, wäre kein Mut
Die Realität wird nüchterner aussehen: Ternus übernimmt kein Apple in der Krise, sondern ein Apple in Kontinuität. Sein erstes Amtsjahr wird er damit verbringen, Cooks Entscheidungen überzeugend zu verkaufen, die gemessen an den Vorjahren schon aufregend genug sind – das iPhone Fold, das Jubiläums-iPhone 2027, womöglich ein MacBook Pro mit Touchscreen. Dinge, die seit Jahren in der Pipeline sind und deren Kurs längst gesetzt ist. Und an denen Ternus nebenbei maßgeblich als Hardware-Chef selbst beteiligt war.
Ein Apple, das über Nacht seine Strategie komplett umwirft, wäre kein mutiges Apple. Es wäre ein chaotisches. Folglich sind die gerade überbordenden Gerüchte zwar in gewisser Weise Vorschusslorbeeren, weil sie John Ternus etwas zutrauen, was man bei Tim Cook offenbar nicht mehr erwartet hat. Aber es sind giftige Beeren, weil sie die ohnehin hohe Messlatte für den neuen Apple-CEO unnötig noch höher anlegen. Und der dürfte neben seinen Alltagsaufgaben und den Hardware-Neuvorstellungen genug damit zu tun haben, zum Beispiel Apples KI-Kurs zu begradigen, die Drittentwickler bei Laune zu halten und Kritik an der Softwarequalität zu zerstreuen. Gesunde Skepsis gegenüber wilden Gerüchten, die in nächster Zeit sicher noch zunehmen werden, ist kein Pessimismus. Sie ist die Voraussetzung dafür, Apple fair zu bewerten.
(mki)
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