Datenschutz & Sicherheit
„Wir wollen gemeinsam darüber diskutieren, welche digitale Zukunft wir anstreben“

Heute startet in Bochum die zweitägige Konferenz Bits & Bäume NRW 26. Anne Mollen von der Universität Münster gehört zum Team der Organisator:innen. Gegenüber netzpolitik.org erläutert sie, was die Akteur*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung von der Landespolitik fordern, warum es wichtig ist, Digitalisierung von Anfang an nachhaltig zu gestalten, und wie das die Abhängigkeit von Tech-Konzernen verringert.
netzpolitik.org: Anne Mollen, warum findet die Konferenz in NRW statt?
Anne Mollen: Es gab schon zwei Konferenzen in den Jahren 2018 und 2022, allerdings auf Bundesebene. Bereits damals ging es darum, die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammenzubringen. Aber die Bits-&-Bäume-Bewegung besteht aus vielen lokalen Zweigen, einer davon ist der nordrhein-westfälische. Uns vor Ort war schnell klar: Wir müssen auch die Landespolitik adressieren. Denn sie nutzt ihre politischen Handlungsspielräume nur unzureichend oder gar nicht.
Beim Bau von Rechenzentren Probleme gemeinsam betrachten
netzpolitik.org: In NRW baut Microsoft gerade Hyperscaler-Rechenzentren im Rheinischen Revier. Das Braunkohlegebiet soll zukünftig als Vorzeigeregion für strukturellen Wandel gelten. Was ist daran falsch?
Anne Mollen: So einiges. Der Bund für Umwelt und Naturschutz NRW hat etwa die Flächenversiegelung kritisiert, weil für die Rechenzentren nicht bereits brachliegende Flächen genutzt werden, sondern landwirtschaftliche Nutzflächen wegfallen.
Und natürlich geht es auch um den Energieverbrauch. Denn Microsoft hat wichtige Informationen nicht öffentlich gemacht. Zum Beispiel, wie sie den Bedarf an erneuerbaren Energien decken wollen. Solche fehlenden Informationen sind ein wiederkehrendes Muster. An anderen Orten sehen wir, dass Unternehmen dann klimaschädliches Gas zur Energiegewinnung einsetzen, wenn nicht ausreichend Grundlaststrom vorhanden ist.
Diese Intransparenz ist ein Problem. Wir wissen aus der Forschung, wie sich Rechenzentren etwa in Irland Zusagen für erneuerbare Energien holen, um sich klimaneutral zu präsentieren. Im Anschluss kommt es dann aber zu Verteilungskonflikten, weil Privathaushalte das Nachsehen haben. Deswegen fordern wir einen ganzheitlichen, nachhaltigen Strukturwandel, der lokale Akteur*innen stärkt.
netzpolitik.org: Aber profitieren strukturschwache Regionen nicht wenigstens von neuen Arbeitsplätzen?
Anne Mollen: Microsoft hat versprochen, 450 Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Ich habe aber nicht herausgefunden, wie sie auf diese Zahl kommen.
Angaben aus den USA zeigen, dass pro Terawattstunde, die ein Rechenzentrum an Energie aufnimmt, in der Regel sehr wenige langfristige Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden. Kurzfristig entstehen natürlich Jobs, um die Rechenzentren hochzuziehen. Aber bei dem Bedarf, den wir im Rheinischen Revier mit dem Wegfall des Kohleabbaus haben, ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.
Diese Transformationserzählung, dass Rechenzentren den Strukturwandel bringen und die auch die Landespolitik weiterträgt, ist hochproblematisch. Denn wenn man genauer hinschaut, wohin die Milliardeninvestitionen fließen, wird dieses Versprechen nicht eingelöst.
Microsoft hat Investitionen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro zugesagt, die ins Rheinische Revier fließen sollen. Ein Großteil des Geldes wird aber für die Hardware der Rechenzentren aufgewendet. Die wird jedoch nicht in NRW hergestellt, im Zweifel nicht einmal in Deutschland.
Unabhängige Gutachten müssen Transparenz schaffen
netzpolitik.org: Was wäre denn die Alternative?
Anne Mollen: Damit Prozesse transparenter sind, müssten den Unternehmen klare Auflagen gemacht werden. Es braucht verpflichtende unabhängige Gutachten zu den ökologischen Auswirkungen. Und die Unternehmen müssten nachweisen, wie sie Umweltschäden eindämmen wollen.
Außerdem sollten kommunale Akteur*innen massiv gestärkt und sensibilisiert werden, wenn es um Verhandlungen mit großen Playern wie Microsoft geht. Damit sie einschätzen können, was es bedeutet, wenn ein Konzern bei ihnen vor Ort ein Rechenzentrum aufmacht.
netzpolitik.org: Aber reicht der Blick aufs Lokale?
Anne Mollen: Nein, die globale Perspektive entlang der Lieferketten ist natürlich ebenso wichtig. Werden Server so hergestellt und später entsorgt, dass ihre Einzelteile in einen Kreislauf überführt werden? Auch dafür sind verpflichtende Umweltgutachten wichtig.
Mit unseren politischen Forderungen gehen wir in die Breite. Und die Rechenzentren sind nur ein Aspekt von vielen. Ebenso setzen wir uns für partizipative Beteiligungsprozesse ein. In Chile können wir zum Beispiel sehen, wie lokale Proteste Wirkung zeigen. Dort hat die Ansiedlung von Microsoft-Rechenzentren die Wasserkrise massiv verschärft. Das Unternehmen ist daraufhin auf eine weniger wasserintensive Technologie umgestiegen. Und auch in Hessen hat lokaler Widerstand dazu geführt, dass ein Hyperscale-Rechenzentrum nicht gebaut wurde.
Deshalb fordern wir, dass die Zivilgesellschaft von vornherein eingebunden ist. Da stehen dann auch die kommunale Politik und die Landespolitik in der Verantwortung. Statt solchen Bodenwert leichtfertig an große Unternehmen abzugeben, könnten sie mehr Geld in digitale Souveränität investieren.
Selbstbestimmung statt digitale Abhängigkeiten fördern
netzpolitik.org: Digitale Souveränität ist ein gutes Stichwort. Was kann NRW hier aus eurer Sicht ausrichten?
Anne Mollen: Es ist wichtig, über alternative Formen der digitalen Infrastruktur zu sprechen. Und gerade Hochschulen verfügen über unabhängige digitale Infrastrukturen, die kommunale Rechenzentrumsbetreiber oder die Hochschulen selbst betreiben. Das Prinzip der digitalen Souveränität wird auf Grundlage von Open-Source-Anwendungen hier bereits seit rund 15 Jahren umgesetzt.
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Aber auch bei generativer KI ist das Land NRW vorne dabei. Verschiedene Universitäten, auch bundesweit, hosten beispielsweise ein lokales großes Sprachmodell. Und es gibt das Projekt Open Source-KI.nrw. Das ist ein Servicezentrum, das KI-Infrastrukturen für Hochschulen und Forschungseinrichtungen anbietet.
Aber solche Angebote kosten Geld. Deswegen muss das Land NRW in Hochleistungsrechenzentren investieren, die diese KI-Dienste durch entsprechende Dauerstellen stützen.
Bisher gibt es landesweit noch Projekte, die zweigleisig unterwegs sind. Einige haben Schnittstellen zu kommerziellen Anbietenden. Langfristig sollten sich aber alle Akteur*innen zu souveränen Lösungen verpflichten, damit wir uns nicht in die nächste digitale Abhängigkeit begeben.
Denn die Abhängigkeit kostet auch. Gerade sind Lizenzkosten für kommerzielle KI-Modelle zwar noch massiv subventioniert. Forschende warnen aber davor, dass Lizenzkosten langfristig vermutlich deutlich höher ausfallen, als Investitionen in digitale Souveränität kosten würden.
Bürger*innen beteiligen, Forschung anhören, mit der Politik verbinden
netzpolitik.org: Lassen sich eure Forderungen auf andere Bundesländer übertragen?
Anne Mollen: Zunächst halten wir es für wichtig, auf Landesebene das Politikfeld nachhaltige Digitalisierung zu schaffen. Bisher ging es dort vor allem um die Frage, wie wir mit dem Einsatz digitaler Technologien Nachhaltigkeit erreichen können. Wir wollen aber die Perspektive etablieren, dass wir Digitalisierung gemeinsam und nachhaltig gestalten sollten.
Dabei darf die Landespolitik nicht allein in der Verantwortung sein, aber sie sollte neuen Ideen auch nicht im Wege stehen.
Wir wollen gemeinsam mit Menschen aus der Forschung und aus der Zivilgesellschaft darüber diskutieren, welche digitale Zukunft wir anstreben. Denn wir alle sollten die Möglichkeit haben, unsere digitale Zukunft zu gestalten, sei es an der Hochschule, in der Verwaltung oder auch im Verein.
Eine solche Zukunftsvorstellung, auf die wir hinarbeiten, können wir auch anderen Bundesländern anbieten. Unsere Hoffnung ist, dass unsere Forderungen eine Eigendynamik entwickeln und die Länder dann durch gute Beispiele voneinander lernen.
Datenschutz & Sicherheit
Cloud and AI Development Act: EU-Kommission greift bei US-Cloud-Anbietern kaum durch
„Über Geld spricht man nicht“ heißt es hierzulande gerne. Außer mit dem Finanzamt natürlich. In der Steuerverwaltung landen Informationen über Einkünfte, in der Sozialverwaltung landen Informationen über Phasen von Arbeitslosigkeit oder Wohngeld-Auszahlungen, in der Gesundheitsverwaltung landen Informationen über Krankheitsverläufe. Sensible Informationen, die viel über unser Leben verraten.
Und was macht die öffentliche Verwaltung damit? Sie schiebt die Daten zunehmend in die Cloud. Die gehört meistens Microsoft, Google, Amazon oder Oracle. Ob direkt oder über einen Subunternehmer – Verwaltungen greifen meist auf Dienste US-amerikanischer Cloud-Anbieter zurück.
Sind die Daten in einer solchen Public Cloud sicher? Und sollten Behörden in Sachen digitale öffentliche Infrastruktur auf US-Big-Tech setzen? Diese Fragen sind drängender geworden, seitdem bekannt wurde, welchen Einfluss US-Präsident Donald Trump hier ausübt und ausüben kann.
Die „geopolitische Lage“ heißt Trump
Diese „geopolitische Lage“ sei dringlich, so die Vizepräsidentin und EU-Kommissarin Henna Virkkunen bei der gestrigen Pressekonferenz zum neuen Tech Sovereignty Package. Es umfasst den Chips Act 2.0, die Open-Source-Strategie der EU und den Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiesektor.
Welchen Zugriff die US-Regierung künftig auf europäische öffentliche Informationen haben kann, will die Kommission mithilfe des Cloud and AI Development Acts (CADA) regulieren; das vierte Element im Packet. Doch gerade CADA scheint ein sehr zaghaftes Instrument der EU für mehr Unabhängigkeit von US-Big-Tech zu werden. Denn für einen großen Teil staatlicher Daten schließt die Kommission US-Cloud-Anbieter nicht vom europäischen Markt aus.
Nach ihrer Rechnung könnten gut 99 Prozent, mindestens aber 70 Prozent, staatlicher Daten der EU-Mitgliedsländer auf Clouds von US-Anbietern landen. Diese Zahlen beruhen auf einer Schätzung der Kommission zur Risikobewertung staatlicher Daten. EU-Mitgliedstaaten sollen nach einem vorgegebenen Stufensystem die Risiken bei der Beschaffung von Cloud-Diensten prüfen.
Zugriff auf Daten durch US-Regierung
Auf der anderen Seite des Atlantiks stehen dem Pakt Gesetze wie der Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA), der Patriot Act und der CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) gegenüber. Laut CLOUD Act sind Tech-Unternehmen mit Sitz in den USA wie Microsoft oder Google dazu verpflichtet, unter bestimmten Voraussetzungen Daten gegenüber US-Behörden offenzulegen.
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Dazu zählen auch Daten aus der EU. Das ist unabhängig davon, ob die Daten eines US-Unternehmens auf einem Rechenzentrum innerhalb der EU gespeichert sind, so ein juristisches Gutachten der Universität Köln im Auftrag des Bundesinnenministeriums. Bestätigt hat das aber auch der Chefjustiziar von Microsoft Frankreich, Anton Carniaux. Vor gut einem Jahr erklärte er dem französischen Senat: Wenn französische Behörden Microsoft nutzen, kann die US-Regierung diese Daten einsehen. Dafür müssen die Behörden nicht einmal ausdrücklich zugestimmt haben.
Trump kann sogar öffentliche Angestellte und Beamt:innen daran hindern, ihrer Arbeit nachzugehen. Das zeigen die Fälle von Richter:innen und einem Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof. Trump veranlasste, dass sie Dienste von Microsoft, Paypal und Co. nicht mehr nutzen können; auch auf ihre Accounts und darin enthaltene Daten können sie nicht mehr zugreifen.
Womit hält die EU dagegen?
Anhand von vier Sicherheitsstufen, den sogenannten „Union Assurance Levels“, sollen EU-Mitgliedstaaten nun die Cloud-Dienste auf den Prüfstand stellen, die sie nutzen: Welches Risiko wäre gegeben, wenn Daten an Nicht-EU-Staaten abfließen? Oder wenn ein Dienst ausfallen würde? Für diese Risikobewertung sollen die Länder ein Jahr Zeit haben, dann müssen sie ihre Ergebnisse veröffentlichen.
Demnach müssen Cloud-Anbieter für ihre Dienste je nach Stufe bestimmte Kriterien erfüllen. Stufe 1 benötigt ein niedriges Maß an Souveränität, Stufe 4 ein hohes. Bei Daten, die weniger sensibel sind, reiche die Sicherheitsstufe 1 aus. Demnach müssten Behörden lediglich sicherstellen, diese Daten in europäischen Rechenzentren zu speichern statt in beispielsweise US-amerikanischen. Öffentliche Auftraggeber in den EU-Mitgliedstaaten sollen nur Cloud-Dienste beschaffen, die mindestens Stufe 1 erfüllen. Hier ändert sich für die großen Cloud-Anbieter aus den USA wie Amazon und Google nichts. Denn sie haben die dazu erforderlichen Niederlassungen in der EU und betreiben hier bereits eigene Rechenzentren.
Auch mit der zweiten Sicherheitsstufe würde sich für sie nichts ändern, das erklärte ein hochrangiger EU-Beamter. Die Kommission hat dabei das Risiko eines Kill Switch im Blick. Damit ist gemeint, dass Betreiber aus der Ferne das IT-System abschalten könnten. Der jeweilige Cloud-Anbieter muss bei Stufe 2 ausschließen, dass Nicht-EU-Länder wie die USA oder China den Kill Switch umlegen könnten.
Cloud-Anbieter aus den USA ausschließen?
Stufe 3 soll erfordern, dass sich Cloud-Anbieter innerhalb der EU befinden und von dort aus kontrolliert werden. Daneben sollen sie Mitarbeitende mit europäischer Staatsangehörigkeit beschäftigen. Einflussnahme durch Drittstaaten soll damit reduziert werden. Virkkunen erklärte auf der Pressekonferenz, dass es US-Cloud-Anbieter schwer haben würden, Stufe 3 zu erreichen.
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Doch es gibt ein Schlupfloch: Nach Artikel 18 hat die Kommission die Möglichkeit „von den Anforderungen auf Stufe 3 abzuweichen und Drittstaaten für Cloud-Anbieter anzuerkennen“, so Denis-Kenji Kipker Research Director und Gründer des Frankfurter Cyberintelligence Institute gegenüber netzpolitik.org. Dazu dienen sogenannte Angemessenheitsbeschlüsse im Gesetz. Solche Beschlüsse beim Thema Datenschutz haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die Kommission die USA trotz erheblicher Bedenken als vertrauenswürdigen Partner ansieht.
Die höchste Stufe soll nicht nur besonders für sicherheitssensible Bereiche gelten, sondern biete laut Kommission auch maximale Souveränität: EU-Länder sollen ihren gesamten Technologie-Stack von der Hardware bis zur Software vollständig kontrollieren. Das würde Nicht-EU-Anbieter ausschließen. Demnach dürften Cloud-Anbieter in dieser Stufe keiner Einflussnahme aus einem Drittland unterliegen.
Mitgliedstaaten entscheiden
Es bleibe „den Mitgliedstaaten vorbehalten“, wie sie bewerten, was „souveränitäts- und sicherheitskritisch“ ist. Die Kommission gibt also nicht vor, wie die EU-Länder das Stufensystem umsetzen sollen. Sie empfiehlt etwa die Bereiche Justiz, Polizei und Grenzschutz der Stufe 2 zuzuordnen. Das kritisiert die Grünenpolitikerin Alexandra Geese. „Wer akzeptiert, dass eine außereuropäische Regierung im Ernstfall Einfluss auf den Betrieb kritischer digitaler Infrastrukturen von Justiz, Polizei, nationale Sicherheit und Grenzschutz nehmen oder deren Verfügbarkeit gefährden kann, schafft institutionalisierte Abhängigkeit.“
Der Stufe 4 ordnet die Kommission den Bereich Verteidigung zu. Das würde nur etwa ein Prozent staatlicher Daten betreffen. Der Großteil von 70 Prozent sei weniger schutzbedürftig und falle damit unter Stufe 1, während 20 Prozent unter Stufe 2 und neun Prozent unter Stufe 3 fielen.
Inwieweit EU-Länder jedoch US-Cloud-Anbieter meiden und wie „das Ergebnis der Bewertung und Einordnung des Sicherheitsniveaus“ ausfällt, hänge wesentlich von ihrem „Risiko-Sicherheitskontext“ ab, so Kipker. Die Kommission spricht hier kein Vergabeverbot aus. Die Länder entschieden also selbst, ob „in einem besonders sensiblen Anwendungsfall die Wahl eines hohen Sicherheitsniveaus einen außereuropäischen Anbieter faktisch ausschließt“.
Die Kommission gibt auch nicht vor, wie die EU-Länder ihre Behörden von einem Cloud-Anbieter wie Amazon oder Microsoft zu einem europäischen Anbieter migrieren. Immerhin hätte CADA nach Inkrafttreten „unmittelbare Geltung und Anwendungsvorrang, und die Kommission könnte Verstöße über das Vertragsverletzungsverfahren nach AEUV durchsetzen“, erklärt Kipker.
Das Gesetzespaket geht nun an das europäische Parlament und die Mitgliedstaaten. Gerade von letzteren hängt ab, ob sich die Cloud-Landschaft für die Behördenarbeit in der EU tatsächlich verändert.
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Aus für Cosmo Radio: Die ARD macht schon jetzt die Medienpolitik der AfD
Cosmo Radio ist ein einzigartiger interkulturelle Radiosender des Öffentlichen Rundfunks mit mehrsprachigen Inhalten. Er ist erfrischend anders als die austauschbaren Klangteppiche, die wir sonst zu hören bekommen. Cosmo bringt globale Sounds und unbekannte Künstler:innen. Es gibt DJ-Sets mit Reggaeton und queere Podcasts. Cosmo klingt anders. Und das Wichtigste: Cosmo gibt einer migrantischen Perspektive mehr Raum als jeder andere Sender in diesem Land.
Dieses Radioprogramm ist Ausdruck einer demokratischen Gesellschaft, die offen und selbstbewusst sagt: kurdisch, türkisch, russisch, italienisch, polnisch und arabisch gehören zu uns – genauso wie die deutsche Sprache. Cosmo zeigt, wie unsere Gesellschaft ist und nicht wie die völkischen Gleich- und Angstmacher sie haben wollen.
Ausgerechnet diesen Sender, der in NRW, Bremen und Berlin linear ausgestrahlt wird, hat der WDR im Rahmen der ARD-Sparorgie nun mit knapper Mehrheit abgeschafft. Ausgerechnet jetzt, wo die AfD in Umfragen die stärkste Partei ist. Ausgerechnet jetzt, wo die Bundesregierung schon AfD-Politik macht. Ausgerechnet jetzt, wo Demokratie und plurale Gesellschaft unter Druck stehen wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.
Aktuell sind wir an einem Punkt, wo es gilt, Zeichen zu setzen für eine offene, vielfältige Gesellschaft.
Politisch fatal
Die ARD hat genau das Gegenteil getan und verkauft die Abschaffung des Senders obendrauf noch als seine „Weiterentwicklung“. Sie macht damit Medienpolitik, die schon heute vor den Rechtsradikalen kuscht und deren politische Agenda in vorauseilendem Gehorsam umsetzt. Eine Bankrotterklärung. Es ist politisch fatal, den Rechtsradikalen ein schlüsselfertiges Haus hinzustellen – statt ihnen Steine in den Weg zu legen, wo es nur geht. Jede Hürde, welche die Braunen nicht später nehmen müssen, erleichtert ihren Durchmarsch, wenn sie an die Regierung kommen sollten.
Seit letztem Jahr läuft eine Petition gegen die Abwicklung von Cosmo Radio. Mittlerweile haben fast 100.000 Menschen sie unterschrieben, unter ihnen zahlreiche Prominente von Herbert Grönemeyer bis Fatih Akin. Wir sollten den willfährigen Entscheidern im WDR-Rundfunkrat jetzt richtig Druck machen!
Datenschutz & Sicherheit
Malware: KI erzeugt kaum aufhaltbaren Wurm
IT-Forscher untersuchen, ob künstliche Intelligenz eine Bedrohung darstellt. Dabei haben sie eine neue Bedrohungsart entwickelt: Ein KI-Wurm, der maßgeschneiderte Angriffe auf jedes Ziel startet, dem er begegnet.
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Ein IT-Forscherteam hauptsächlich aus Wissenschaftlern der Universität Toronto, des Vector Institute, der Universität Cambridge und ServiceNow Research hat einen Pre-Print seiner Forschungsarbeit „KI-Agenten ermöglichen adaptive Computer-Würmer“ (AI Agents Enable Adaptive Computer Worms) auf arxiv.org veröffentlicht. Demnach haben sie einen kaum aufzuhaltenden Wurm entwickelt, der sich von Gerät zu Gerät bewegt und dabei angepasste Exploits für Schwachstellen für die jeweiligen Ziele entwickelt und sich dadurch weiter fortpflanzt.
Computer-Würmer sind bekannt und gefürchtet, verbreiten sie sich meist ohne weitere Nutzerinteraktion rasant in Netzwerken, können diese lahmlegen oder weitere Malware verteilen. Bisher benutzen bekannte Würmer wie WannaCry gezielt einzelne Sicherheitslücken in den anvisierten Geräten aus. Durch das Anwenden bereitstehender Patches lassen sich die Lücken schließen und die weitere Verbreitung dieser Würmer aufhalten. Anders sieht das nun mit dem autonom agierenden KI-Wurm aus.
Wurm schneidert passgenaue Exploits mit LLMs
Der Wurm der IT-Forscher nutzt infizierte Rechner, um offene große Sprachmodelle (LLMs) auszuführen. Damit hält er seine Entscheidungsfähigkeit aufrecht und vergrößert seine Reichweite für weitere Angriffe, erklären die Wissenschaftler. Sie haben ihn in einem isolierten Netzwerk aus Linux-, Windows- und IoT-Geräten ausgesetzt und er verbreitete sich darin, indem er gängige, in der Praxis auftretende Schwachstellen in Unternehmensnetzwerken ausnutzte. Da die LLMs auf den gekaperten Rechnern laufen, haben die Angreifer zudem keine Kosten für Rechenleistung – anders als die „Verteidigerseite“, die solche Angriffe etwa mittels KI abzuwehren versucht.
Auch die zunehmend eingesetzten zentralen Sicherheitschecks und etwa Ratenbegrenzungen in den kommerziellen KI-Angeboten umgehen die IT-Forscher mit diesem Ansatz geschickt. Selbsterhaltende, KI-gestützte Cyberbedrohungen sind damit nicht mehr länger reine Theorie, ergänzen die IT-Forscher.
Testläufe im isolierten Netzwerk
Konkret haben sie ihren Wurm in einem isolierten Netzwerk mit 33 Geräten ausgesetzt. Die reichten von Linux-Servern über Windows-Umgebungen hin zu Internet-of-Things-Geräten (IoT). Hier haben die IT-Forscher jedoch bekannte Schwachstellen offen gelassen, die in freier Wildbahn auch auftreten. In mehreren Testläufen, die jeweils über sieben Tage liefen, hat der KI-Wurm jeweils rund ein Drittel der Schwachstellen korrekt erkannt und insgesamt auf einem Viertel der Maschinen missbraucht, um die eigenen Rechte auszuweiten. Zudem breitete er sich auf rund 20 Prozent der Geräte aus und erreichte sieben Generationen der Selbstfortpflanzung. Um das Zahlenwirrwarr aufzudröseln, fassen die Wissenschaftler zusammen: Der Proof-of-Concept-Wurm habe knapp 75 Prozent des Netzwerks erfolgreich attackiert und sich auf knapp zwei Drittel des Netzes repliziert.
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Das Diagramm visualisiert die Kette von Angriffen und Schwachstellen, die der KI-Wurm ausgenutzt hat.
(Bild: Forschungsarbeit „AI Agents Enable Adaptive Computer Worms“)
Erstaunlich zudem, dass etwa drei der Schwachstellen im Jahr 2026 bekannt geworden sind, was jenseits des Trainings-Cutoffs der LLMs liegt. Die haben also aus veröffentlichten Informationen selbsttätig funktionierende Exploits entwickelt. Sie sind also nicht abhängig von bekannten PoC-Exploits.
Die Wissenschaftler warnen: „Wir müssen uns auf autonome generative Gegner einstellen: Malware-Systeme, die sich ohne menschliches Zutun verbreiten und nicht durch festgelegten Exploit-Code definiert sind, sondern durch die Fähigkeit, Ziele zu analysieren, sich an Beobachtungen anzupassen und Angriffslogik in Echtzeit zu entwickeln.“
(dmk)
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