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„Wir wollen gemeinsam darüber diskutieren, welche digitale Zukunft wir anstreben“



Heute startet in Bochum die zweitägige Konferenz Bits & Bäume NRW 26. Anne Mollen von der Universität Münster gehört zum Team der Organisator:innen. Gegenüber netzpolitik.org erläutert sie, was die Akteur*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung von der Landespolitik fordern, warum es wichtig ist, Digitalisierung von Anfang an nachhaltig zu gestalten, und wie das die Abhängigkeit von Tech-Konzernen verringert.

netzpolitik.org: Anne Mollen, warum findet die Konferenz in NRW statt?

Anne Mollen: Es gab schon zwei Konferenzen in den Jahren 2018 und 2022, allerdings auf Bundesebene. Bereits damals ging es darum, die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammenzubringen. Aber die Bits-&-Bäume-Bewegung besteht aus vielen lokalen Zweigen, einer davon ist der nordrhein-westfälische. Uns vor Ort war schnell klar: Wir müssen auch die Landespolitik adressieren. Denn sie nutzt ihre politischen Handlungsspielräume nur unzureichend oder gar nicht.

Beim Bau von Rechenzentren Probleme gemeinsam betrachten

netzpolitik.org: In NRW baut Microsoft gerade Hyperscaler-Rechenzentren im Rheinischen Revier. Das Braunkohlegebiet soll zukünftig als Vorzeigeregion für strukturellen Wandel gelten. Was ist daran falsch?

Anne Mollen: So einiges. Der Bund für Umwelt und Naturschutz NRW hat etwa die Flächenversiegelung kritisiert, weil für die Rechenzentren nicht bereits brachliegende Flächen genutzt werden, sondern landwirtschaftliche Nutzflächen wegfallen.

Und natürlich geht es auch um den Energieverbrauch. Denn Microsoft hat wichtige Informationen nicht öffentlich gemacht. Zum Beispiel, wie sie den Bedarf an erneuerbaren Energien decken wollen. Solche fehlenden Informationen sind ein wiederkehrendes Muster. An anderen Orten sehen wir, dass Unternehmen dann klimaschädliches Gas zur Energiegewinnung einsetzen, wenn nicht ausreichend Grundlaststrom vorhanden ist.

Diese Intransparenz ist ein Problem. Wir wissen aus der Forschung, wie sich Rechenzentren etwa in Irland Zusagen für erneuerbare Energien holen, um sich klimaneutral zu präsentieren. Im Anschluss kommt es dann aber zu Verteilungskonflikten, weil Privathaushalte das Nachsehen haben. Deswegen fordern wir einen ganzheitlichen, nachhaltigen Strukturwandel, der lokale Akteur*innen stärkt.

netzpolitik.org: Aber profitieren strukturschwache Regionen nicht wenigstens von neuen Arbeitsplätzen?

Anne Mollen:
Microsoft hat versprochen, 450 Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Ich habe aber nicht herausgefunden, wie sie auf diese Zahl kommen.

Angaben aus den USA zeigen, dass pro Terawattstunde, die ein Rechenzentrum an Energie aufnimmt, in der Regel sehr wenige langfristige Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden. Kurzfristig entstehen natürlich Jobs, um die Rechenzentren hochzuziehen. Aber bei dem Bedarf, den wir im Rheinischen Revier mit dem Wegfall des Kohleabbaus haben, ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Diese Transformationserzählung, dass Rechenzentren den Strukturwandel bringen und die auch die Landespolitik weiterträgt, ist hochproblematisch. Denn wenn man genauer hinschaut, wohin die Milliardeninvestitionen fließen, wird dieses Versprechen nicht eingelöst.

Microsoft hat Investitionen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro zugesagt, die ins Rheinische Revier fließen sollen. Ein Großteil des Geldes wird aber für die Hardware der Rechenzentren aufgewendet. Die wird jedoch nicht in NRW hergestellt, im Zweifel nicht einmal in Deutschland.

Unabhängige Gutachten müssen Transparenz schaffen

netzpolitik.org: Was wäre denn die Alternative?

Anne Mollen:
Damit Prozesse transparenter sind, müssten den Unternehmen klare Auflagen gemacht werden. Es braucht verpflichtende unabhängige Gutachten zu den ökologischen Auswirkungen. Und die Unternehmen müssten nachweisen, wie sie Umweltschäden eindämmen wollen.

Außerdem sollten kommunale Akteur*innen massiv gestärkt und sensibilisiert werden, wenn es um Verhandlungen mit großen Playern wie Microsoft geht. Damit sie einschätzen können, was es bedeutet, wenn ein Konzern bei ihnen vor Ort ein Rechenzentrum aufmacht.

netzpolitik.org:
Aber reicht der Blick aufs Lokale?

Anne Mollen: Nein, die globale Perspektive entlang der Lieferketten ist natürlich ebenso wichtig. Werden Server so hergestellt und später entsorgt, dass ihre Einzelteile in einen Kreislauf überführt werden? Auch dafür sind verpflichtende Umweltgutachten wichtig.

Mit unseren politischen Forderungen gehen wir in die Breite. Und die Rechenzentren sind nur ein Aspekt von vielen. Ebenso setzen wir uns für partizipative Beteiligungsprozesse ein. In Chile können wir zum Beispiel sehen, wie lokale Proteste Wirkung zeigen. Dort hat die Ansiedlung von Microsoft-Rechenzentren die Wasserkrise massiv verschärft. Das Unternehmen ist daraufhin auf eine weniger wasserintensive Technologie umgestiegen. Und auch in Hessen hat lokaler Widerstand dazu geführt, dass ein Hyperscale-Rechenzentrum nicht gebaut wurde.

Deshalb fordern wir, dass die Zivilgesellschaft von vornherein eingebunden ist. Da stehen dann auch die kommunale Politik und die Landespolitik in der Verantwortung. Statt solchen Bodenwert leichtfertig an große Unternehmen abzugeben, könnten sie mehr Geld in digitale Souveränität investieren.

Selbstbestimmung statt digitale Abhängigkeiten fördern

netzpolitik.org: Digitale Souveränität ist ein gutes Stichwort. Was kann NRW hier aus eurer Sicht ausrichten?

Anne Mollen: Es ist wichtig, über alternative Formen der digitalen Infrastruktur zu sprechen. Und gerade Hochschulen verfügen über unabhängige digitale Infrastrukturen, die kommunale Rechenzentrumsbetreiber oder die Hochschulen selbst betreiben. Das Prinzip der digitalen Souveränität wird auf Grundlage von Open-Source-Anwendungen hier bereits seit rund 15 Jahren umgesetzt.

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Aber auch bei generativer KI ist das Land NRW vorne dabei. Verschiedene Universitäten, auch bundesweit, hosten beispielsweise ein lokales großes Sprachmodell. Und es gibt das Projekt Open Source-KI.nrw. Das ist ein Servicezentrum, das KI-Infrastrukturen für Hochschulen und Forschungseinrichtungen anbietet.

Aber solche Angebote kosten Geld. Deswegen muss das Land NRW in Hochleistungsrechenzentren investieren, die diese KI-Dienste durch entsprechende Dauerstellen stützen.

Bisher gibt es landesweit noch Projekte, die zweigleisig unterwegs sind. Einige haben Schnittstellen zu kommerziellen Anbietenden. Langfristig sollten sich aber alle Akteur*innen zu souveränen Lösungen verpflichten, damit wir uns nicht in die nächste digitale Abhängigkeit begeben.

Denn die Abhängigkeit kostet auch. Gerade sind Lizenzkosten für kommerzielle KI-Modelle zwar noch massiv subventioniert. Forschende warnen aber davor, dass Lizenzkosten langfristig vermutlich deutlich höher ausfallen, als Investitionen in digitale Souveränität kosten würden.

Bürger*innen beteiligen, Forschung anhören, mit der Politik verbinden

netzpolitik.org: Lassen sich eure Forderungen auf andere Bundesländer übertragen?

Anne Mollen: Zunächst halten wir es für wichtig, auf Landesebene das Politikfeld nachhaltige Digitalisierung zu schaffen. Bisher ging es dort vor allem um die Frage, wie wir mit dem Einsatz digitaler Technologien Nachhaltigkeit erreichen können. Wir wollen aber die Perspektive etablieren, dass wir Digitalisierung gemeinsam und nachhaltig gestalten sollten.

Dabei darf die Landespolitik nicht allein in der Verantwortung sein, aber sie sollte neuen Ideen auch nicht im Wege stehen.

Wir wollen gemeinsam mit Menschen aus der Forschung und aus der Zivilgesellschaft darüber diskutieren, welche digitale Zukunft wir anstreben. Denn wir alle sollten die Möglichkeit haben, unsere digitale Zukunft zu gestalten, sei es an der Hochschule, in der Verwaltung oder auch im Verein.

Eine solche Zukunftsvorstellung, auf die wir hinarbeiten, können wir auch anderen Bundesländern anbieten. Unsere Hoffnung ist, dass unsere Forderungen eine Eigendynamik entwickeln und die Länder dann durch gute Beispiele voneinander lernen.



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Transparenzbericht 1. Quartal 2026: Unsere Einnahmen und Ausgaben – und viele kleine Lagerfeuer



Das Fernsehen galt lange Zeit als das emotionale Lagerfeuer der Nation. Aus Sicht vieler glimmt es heute aber nur noch. Nicht so bei uns: Fast das ganze Team von netzpolitik.org saß an einem Nachmittag im Februar dicht an dicht im abgedunkelten Konferenzraum – und starrte gebannt auf den Fernseher.

Es war eine Sneak-Preview der besonderen Art. Sechs Wochen vor der offiziellen Ausstrahlung hatten wir vom Bayerischen Rundfunk die finale Schnittfassung der Dokumentation „Gefährliche Apps – Im Netz der Datenhändler“ erhalten. Die Doku ist so etwas wie der Film zu unseren Recherchen.

Seit mehr als zwei Jahren arbeiten Sebastian und Ingo zusammen mit einem Team des Bayerischen Rundfunks an den „Databroker Files“. Die Doku erzählt davon und den konkreten Gefahren, die von Tracking-Daten ausgehen.

Der Film macht das, was Filme nun einmal so gut können: den flächendeckenden Angriff auf die Privatsphäre von Handy-Nutzer:innen noch anschaulicher. Die Punkte auf der animierten Karten werden zu einzelnen Menschen, die in die Kamera blicken und zu uns sprechen. Eine ägyptische Journalistin, ein ukrainischer Soldat, eine bayerische Schülerin. Für Menschen wie sie ist der Datenhandel eine existenzielle Gefahr. Das versteht man nicht nur, das spürt man auch.

Als Ingo und Sebastian im Februar 2024 mit ihren Recherchen begannen, hatten sie wohl nicht geahnt, dass auch sie eines Tages zu Protagonisten einer Fernseh-Doku werden. Regelmäßig geben wir Interviews oder stehen auf Bühnen. So erreichen wir auch Menschen, die netzpolitik.org vielleicht noch nicht kennen. Wenn aber die eigene Recherchearbeit in ein neues Medium übersetzt wird, dann schafft dies was Neues, was verbindet: Redaktionen, die miteinander kooperieren. Medien, die ein Thema unterschiedlich erzählen. Ein Team, das jeden Tag für die Grund- und Freiheitsrechte aller kämpft.

Die Doku erreichte am 7. April eine Einschaltquote von rund elf Prozent. Laut den Kolleg:innen beim Bayerischen Rundfunk kann sich das sehen lassen. Und bei YouTube hat das Video bereits mehr als 280.000 Aufrufe. Das sind sehr viele kleine Lagerfeuer im ganzen Land. Und das macht uns schon ein wenig stolz.

Möglich ist das aber nur mit eurer Unterstützung. Der Öffentlich-Rechtliche hat seine Beitragszahler:innen, wir haben unsere Spender:innen. Dank euch konnten wir das Thema Datenhandel überhaupt erst groß machen, konnten wir über viele Monate in europaweit recherchieren und am Ende so viele Menschen erreichen.

Ihr seid der Anfang von alledem – der Funke, der das Feuer entzündet. Und das verbindet uns, liebe Spender:innen und Leser:innen. Vielen Dank dafür.

Die harten Zahlen

Und bevor wir emotional völlig dahinschmelzen, kommen wir zu den harten Zahlen des ersten Quartals 2026. Beim Jahresausklang 2025 habt ihr für uns Funken gesprüht. Das war toll. Das Erreichen des Spendenziels bei der Jahresendkampagne bedeutet für uns gute Aussichten für die Finanzierung von netzpolitik.org im Folgejahr. Denn die Einnahmen aus einer gut verlaufenden Jahresendkampagne kompensieren unsere deutlich geringeren, unterjährigen Spendeneinnahmen.

Zumal uns der Schwung vom Jahresende im ersten Quartal des neuen Jahres noch höhere Spendeneinnahmen als in den Folgemonaten beschert. So auch in diesem.

Unsere Spendeneinnahmen

Im ersten Quartal haben wir 229.136 Euro an Spenden von euch erhalten. Das ist ein gutes Ergebnis, liegt aber etwa 34.400 Euro (13 Prozent) unter unseren Erwartungen, die wir vor allem aus den Erfahrungen der Vorjahre ableiten. Der Schwung zu Anfang dieses Jahr ist also schwächer ausgefallen.

Unsere Einnahmen

Insgesamt belaufen sich unsere Einnahmen im ersten Quartal auf 235.620 Euro. Im Verhältnis zu unseren Gesamteinnahmen beträgt der Anteil der Einnahmen aus Spenden über 97 Prozent. Aus dem Verkauf im Webshop erhielten wir etwas unter 1.200 Euro und aus der Verwertung im digitalen Pressespiegel etwas über 900 Euro. Der Zuschuss des Bundes für den Platz im Rahmen des Freiwilligendienstes liegt unverändert bei 300 Euro monatlich und somit bei 900 Euro im Quartal. Die sonstigen Erlöse setzen sich vor allem aus den Posten Erstattungen für Ausfallzeiten aufgrund von Krankheit (AAG) und Zinserträgen zusammen.

Unsere Ausgaben

Bei den Ausgaben liegen die Personalkosten bei 227.273 Euro und damit rund 5.000 Euro unter den veranschlagten Kosten laut unserem Stellenplan. In den Sachkosten haben wir für das erste Quartal 58.350 Euro und damit rund 20.900 Euro weniger ausgegeben als kalkuliert. Das ist vor allem der monatlichen Kalkulation von Ausgaben wie Beratung und Fortbildung geschuldet, die nicht monatlich, sondern punktuell im Jahr auftreten.

Insgesamt haben wir im ersten Quartal 2026 an Personal- und Sachkosten 285.624 Euro verausgabt.

Unser Projekt Reichweite hatten wir in den letzten beiden Quartalsberichten 2025 vorgestellt. Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre bis Herbst 2027 und wird über den gesamten Zeitrahmen mit 200.000 Euro aus unseren Rücklagen finanziert. In 2025 haben wir davon 64.800 Euro für den Relaunch unserer Website und eine neue Stelle für die Verbreitung unserer Inhalte in den sozialen Medien ausgegeben. Im ersten Quartal 2026 haben wir für lediglich Personalkosten in Höhe von etwas unter 7.600 Euro verausgabt.

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Das vorläufige Ergebnis

Wir schließen das 1. Quartal mit einem Ergebnis in Höhe von etwas unter -50.200 Euro ab. Laut Plan haben wir mit einem Ergebnis von -40.300 Euro gerechnet. Ein Minus in den ersten drei Quartalen beunruhigt uns nicht besonders, solange es im Rahmen unserer Erwartungen bleibt. Das bereinigen wir nach unseren bisherigen Erfahrungen im vierten Quartal mit der Jahresendkampagne. Bei dem aktuellen Quartalsergebnis kommen wir jedoch gedanklich etwas mehr in Bewegung und werden darauf mit einer Spendenaktion reagieren, damit wir nicht nicht mit zu schwerer Bürde in die Jahresendkampagne gehen.

Um das Spendenfeuer anzufachen, wird uns hoffentlich auch die Aufmerksamkeit helfen, die die Fernseh-Doku zu den „Databroker Files“ von euch erfährt. Wir freuen uns auf weiteren Funkenschlag.

Danke für eure bisherige und zukünftige Unterstützung!

Wenn ihr uns unterstützen wollt, findet ihr hier alle Möglichkeiten. Am besten ist ein Dauerauftrag. Er ermöglicht uns, langfristig zu planen:

Inhaber: netzpolitik.org e.V.
IBAN: DE62430609671149278400
BIC: GENODEM1GLS
Zweck: Spende netzpolitik.org

Wir freuen uns auch über Spenden via Paypal.

Wir sind glücklich, die besten Unterstützer:innen zu haben.

Unseren Transparenzbericht mit den Zahlen für das 4. Quartal und das Gesamtjahr 2025 findet ihr hier.

Vielen Dank an euch alle!



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Ransomware-Angriffe fordern Ermittler heraus | heise online


Im Kampf gegen Computerkriminalität sind im vergangenen Jahr deutlich weniger Ermittlungsverfahren an der Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz bearbeitet worden. Während im Jahr 2023 noch 2439 Ermittlungsverfahren gegen bekannte Beschuldigte abgeschlossen wurden, waren es im Jahr 2024 rund 1650 und im Jahr 2025 dagegen nur 371, wie der Leiter der LZC, Oberstaatsanwalt Jörg Angerer, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

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Die Gesamtzahl der bearbeiteten Verfahren dürfte jedoch deutlich höher sein, da auch „häufig“ Verfahren gegen unbekannte Täter geführt werden, wie Angerer weiter sagte. „Die deutlichen Unterschiede in den Eingangszahlen resultieren daraus, dass nach Abschluss eines größeren Verfahrenskomplexes üblicherweise eine große Zahl von Folgeverfahren anfallen, die abgearbeitet werden müssen“, erklärte Angerer.

Gibt es in einem Jahr keinen größeren Komplex, ist die Zahl der Verfahren demnach insgesamt geringer. Zudem war die Stelle 2025 nicht voll besetzt und konnte daher weniger Verfahren bearbeiten, wie Angerer ausführte. In der LZC sei man bei Cyber-Attacken nur in Verfahren mit besonderer Bedeutung befasst: Das sei etwa dann der Fall, wenn Unternehmen oder Behörden betroffen seien, die zu den „kritischen Infrastrukturen“ (Kritis) gehörten und so als besonders schützenswert gelten würden. Zu Kritis zählen beispielsweise Krankenhäuser oder Energieunternehmen.

Bei den Verfahren handele es sich vor allem um Ransomware-Attacken. Bei einem Ransomware-Angriff verschlüsseln die Täter die Daten ihrer Opfer und versuchen, ein Lösegeld zu erpressen. Häufig drohen die Kriminellen auch mit der Veröffentlichung von vertraulichen Daten im Netz, die zuvor bei dem Angriff erbeutet wurden. Angerer zufolge veröffentlichen Ransomware-Gruppierungen erfolgreich durchgeführte Angriffe oft im Internet auf eigenen Leak-Portalen, also ihren Enthüllungsseiten. „Auf diesen Portalen bieten sie auch die erlangten Daten zum Verkauf an oder veröffentlichen diese“, sagte der Experte.

Diese Blogs seien meist im Darknet zu finden. Herausforderungen in der Strafverfolgung von Cybercrime-Delikten seien die Auswertung von Massendaten, die zunehmende Verschlüsselung von Kommunikation und die Verwendung von KI durch die Täter, so Angerer. Das erfordere mehr Zeit und mehr Personal. „Die Auswertung der sichergestellten Daten wird in naher Zukunft ohne KI-Unterstützung nicht mehr möglich sein“, sagte der LZC-Leiter.

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Staatliche und terroristische Angriffe fallen nicht in die Zuständigkeit der LZC. Doch die Trennung sei nicht immer leicht, sagte Angerer. „Da kriminelle, staatliche und terroristische Cyber-Angriffe jedoch im Wesentlichen identisch ablaufen, ist häufig nicht klar erkennbar, wer hinter dem jeweiligen Angriff steht“, sagte er. Noch schwieriger wird es demnach, da einige Akteure sowohl kriminell aktiv sind, als auch eine gewisse Nähe zu bestimmten Staaten aufweisen.

„Überschneidungen in der Motivation sind daher nicht unüblich“, sagte der Experte. Ein wesentlicher Unterschied zu lokalen Staatsanwaltschaften: Die LZC agiert in der Regel nicht reaktiv, sondern proaktiv. Was bedeutet, dass sie nicht nur auf Strafanzeigen reagiert, sondern aktiv geeignete Ziele wie etwa kriminelle Foren sucht und Verfahren gegen die Betreiber einleitet, wie Angerer ausführte. Grund sei, dass derartige Foren meist nicht angezeigt würden, weil es keine Geschädigten gebe.


(nie)



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Konferenz gegen Big Tech: Raus aus der Ohnmacht


Was tun gegen Big Tech? Am vergangenen Wochenende kamen in Berlin deutsche und internationale Aktivist:innen, Gewerkschafter:innen, Forscher:innen und Künstler:innen zur Konferenz „Cables of Resistance“ zusammen, um über die Frage zu beraten, die derzeit so viele beschäftigt. Ihre Antwort: radikale Verweigerung, Protest und Widerstand.

Ins Leben gerufen wurde die „erste Bewegungskonferenz gegen Big Tech“ von den Gruppen Berlin vs. Amazon, Tesla den Hahn abdrehen und die Berlin Tech Workers Coalition. Mit ihrem tech- und kapitalismuskritischen Ansatz haben sie offenbar einen Nerv getroffen: Die Tickets waren schnell ausverkauft, mehr als 750 Menschen kamen nach Angaben der Veranstalter:innen in das Tagungshaus am Franz-Mehring-Platz.

Das überwiegend durch Einreichungen aus der Community bestückte Programm war geprägt durch kritische Analyse des Status Quo, internationale Vernetzung und Austausch über politische Strategien. In insgesamt neun Themen-Tracks ging es um Fragen von Stadtpolitik, Nachhaltigkeit, Militarisierung oder Arbeitskämpfe.

„Die Speerspitze der kapitalistischen Akkumulation“

Die Ausgangslage beschreiben viele derzeit als düster. Angesichts der Übermacht der großen Tech-Konzerne kann man schon mal leicht verzweifeln. Ihre wirtschaftliche und politische Dominanz ist konkurrenzlos. Allein die fünf wertvollsten unter ihnen – Nvidia, Apple, Google, Microsoft und Amazon – strichen im letzten Jahr fast 500 Milliarden US-Dollar Gewinn ein. Ihr gemeinsamer Marktwert beträgt derzeit mehr als 18 Billionen US-Dollar – astronomische Zahlen.

Für die Veranstalter:innen steht fest: „Digitale Technologien sind die derzeitige Speerspitze der kapitalistischen Akkumulation und Zerstörung.“ Und: „Das digitale Kapital steht hinter dem Faschismus und ist sein bereitwilliger Handlanger.“ So heißt es im Entwurf für ein Manifest, das die Organisator:innen zu Beginn der Konferenz zur Debatte stellten und das sie im Nachgang weiterentwickeln wollen.

In den Diskussionsrunden war zwar hier und da Skepsis angesichts der vor Superlativen und historischen Referenzen strotzenden Wortwahl zu hören. Doch dass die Tech-Konzerne tief in die großen Krisen unserer Zeit verwickelt sind, das ist hier Konsens. Sie treiben den Klimawandel voran und lassen in kolonialer Manier Arbeitskräfte und Rohstoffe im Globalen Süden ausbeuten. Sie profitieren von Überwachung und Militarisierung. Mit ihren Lobby-Armeen nehmen sie Einfluss auf die Politik, mit ihren Milliarden gestalten sie unsere Städte um. Sie hofieren Donald Trump und normalisieren seine Politik.

Die vielleicht mächtigste Waffe der Tech-Konzerne: Sie bestimmen, wie die Zukunft aussehen soll – nicht nur technisch, sondern auch diskursiv. Dass mehr Innovation, mehr Technologie und allen voran mehr KI immer besser seien, sagen längst nicht mehr nur sie. Auch viele Politiker:innen wiederholen das Mantra vom vermeintlichen digitalen Fortschritt unhinterfragt. Big Tech hat nicht nur das Internet gekapert, sondern auch unsere Vorstellung davon, wie digitale Zukünfte überhaupt aussehen könnten.

Von Arbeitskämpfen bis Perma-Computing

„Big Tech wird unseren Planeten mittel- bis langfristig zerstören“, so fasst Mitorganisatorin Aline Blankertz in einem Pressegespräch die Lage zusammen. Die Konferenz wolle deshalb Menschen zusammenbringen, „die für eine solidarische, selbstbestimmte, klimagerechte Zukunft kämpfen.“

Konkret ging es zum Beispiel um Arbeitskämpfe und die Rolle, die Angestellte von Tech-Konzernen spielen können, um diese zu verändern. Wie kann man solidarisch mit outgesourceten Datenarbeiter:innen hinter KI und Sozialen Medien sein? Wie können Kurierfahrer:innen Betriebsräte und faire Arbeitsbedingungen erkämpfen? Wie können sich Angestellte gegen die Beteiligung ihrer Arbeitgeber an militärischen Produkten wie dem Projekt Nimbus organisieren, mit dem Amazon und Google das israelische Militär und damit auch den Völkermord in Gaza unterstützen?

An anderer Stelle ging es um die globale Ausbeutung durch Tech-Konzerne und die sozial-ökologischen Kosten des KI-Hypes, um autoritäre und antifeministische Netzwerke. Es ging darum, wie man Protest gegen Palantir und Tesla organisiert, aber auch um Alternativen wie Perma-Computing mit Biomasse oder um Plattform-Kollektive im Besitz lateinamerikanischer Tech-Arbeiter:innen.

Rechenzentren als Symbole des KI-Hypes

Ein zentrales, immer wiederkehrendes Thema waren Rechenzentren. Als physische Repräsentation der digitalen Welt und als Symbol für den KI-Hype sind sie in vielen Regionen der Welt bereits zum Kristallisationspunkt des Widerstands gegen Big Tech geworden. Der Protest gegen Rechenzentren dürfte bald auch in Deutschland stärker werden, denn sie nehmen viel Fläche ein, verbrauchen riesige Menge Strom und Wasser und werden gerne in ärmeren und marginalisierten Nachbarschaften gebaut, die dann unter der Lärm- und Umweltbelastung leiden.

In den vielen Vorträgen und Panel-Gesprächen zu dem Thema ging es um Aufklärung, Ansatzpunkte für Veränderungen an gesetzlichen Rahmenbedingungen wie dem Energieeffizienzgesetz, Aktionen des zivilen Ungehorsams und lokale Proteste, die die Ansiedlung von Rechenzentren verhindern.

Worum es nicht ging: Anschläge, Sabotage oder andere Formen eines vermeintlichen Ökoterrorismus.

Dass man das überhaupt klarstellen muss, liegt daran, dass das rechte Krawallmedium Nius die Konferenz offenbar zum Feind auserkoren hat, weil der Quantenphysiker Guido Arnold an einem Panel teilnahm. Im Januar hatten Nius und Spiegel Arnold und sein radikal Tech-kritisches Kollektiv „Capulcu“ mit dünner Begründung als Vordenker der „Vulkangruppe“ dargestellt. Der Vorwurf stützt sich vor allem darauf, dass die Vulkangruppe, die sich unter anderem zum Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang des Jahres bekannte, ähnliche Begriffe nutzt, etwa den von Arnold geprägten Ausdruck des „technologischen Angriffs“.

Auch im Manifest der Konferenz findet sich der Begriff. Nius schickte einen Reporter, der Teilnehmende vor dem Gebäude abpasste und fragte, warum sie an einer Konferenz teilnehmen würden, die mit durchtrennten Kabeln werbe. Die ausbleibenden Antworten der genervten Besucher:innen schnitt Nius zu einem fünfeinhalbminütigen Video zusammen.

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Nicht zum ersten Mal griff die Springer-Zeitung Welt die Vorlage von Rechtsaußen auf und titelte: „Wie linke Tech-Gegner in Berlin einen Angriff planen“. Eine Presseakkreditierung hatte Welt nach Angaben der Veranstalter:innen nicht beantragt.

Kann man Big Tech auf den eigenen Plattformen schlagen?

Dabei gibt es durchaus Dinge, die man an der Konferenz kritisieren kann, ohne sich komplett lächerlich zu machen.

Zum Beispiel, dass kein einziger der neun Themenstränge Probleme der demokratischen Öffentlichkeit und von Sozialen Medien zum Thema machte. Die Frage, wie eine tech-kritische Bewegung, die von der Konferenz ausgehen soll, die narrative Hegemonie von Big Tech auf den Plattformen eben dieser Konzerne brechen soll, hätte man hier gut diskutieren können. Auch konkrete Alternativen wie das Fediverse mit seinen Stärken und Schwächen hätten gut auf die Konferenz gepasst. Einige Teilnehmende nahmen die Sache dann einfach selbst in die Hand und hingen Zettel aus, auf denen sie zumindest Mastodon-Handles austauschten.

Zudem waren die einzelnen Sessions teilweise so kurz, dass die ausgegebene Losung „Das ist keine Infoveranstaltung, sondern eine Kampfansage“, sich auf unfreiwillige Art und Weise bestätigte. Ein bisschen mehr Information wäre manchmal schon gut gewesen. Ebenso ein bisschen mehr Raum für Diskussionen über Widersprüchlichkeiten, die es notwendigerweise gibt, wenn unterschiedliche Bewegungen zusammenkommen.

Keine Zeit für Zukunft

Doch wichtiger waren an diesem Wochenende Vernetzung, Inspiration und Motivation. „Wir werden Big Tech nicht weganalysieren“, gab Journalistin Nina Scholz bei ihrem Auftaktvortrag die Richtung vor. Es sollte ums Handeln gehen: Raus aus der Ohnmacht, rein in die Bewegung.

In diesem Sinne hätten es gerne auch noch mehr Programmpunkte zu konkreten Alternativen und positiven Zukunftsentwürfen sein dürfen. Lediglich eine Stunde stand für den Themenblock „Zukunft“ und Ideen wie die Vergesellschaftung von Plattformen, Digital Degrowth oder Hardwareproduktion außerhalb kapitalistischer Verwertungslogik zur Verfügung. Auch davon hätte es gerne noch mehr sein dürfen.

Aber womöglich ist das einfach der Moment, an dem wir gerade stehen: Für Zukunft ist hoffentlich später Zeit, jetzt geht es darum, das Schlimmste zu verhindern. Sich dem Hype zu verweigern, das Fortschrittsversprechen zu hinterfragen, bestimmte Entwicklungen auch ganz abzulehnen und Widerstand zu organisieren – das ist vielleicht nicht die visionärste Antwort auf Big Tech. Aber es könnte genau die Antwort sein, die es jetzt braucht.



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