Digital Business & Startups
Zwischen Highspeed und Handarbeit: Warum Finance in Startups oft nicht mithält
In vielen Startups laufen Produkt, Sales und Marketing längst im Hochleistungsmodus. Doch ausgerechnet in der Finanzabteilung – dem Bereich, der Wachstum eigentlich absichern soll – geht es noch erstaunlich analog zu. Kopieren, Abgleichen, manuelle Buchungen: Während das Unternehmen skaliert, stehen zentrale Finance-Prozesse auf der Stelle.
Eine neue Befragung von Fachkräften aus Finance, Buchhaltung und Controlling zeigt das Ausmaß: Ein Viertel der Arbeitszeit fließt in manuelle Dateneingaben, weitere große Teile in Rechnungsbearbeitung und wiederkehrende Analysen. Gleichzeitig nutzen nur 3 % KI wirklich umfassend, während fast ein Drittel noch gar keine KI-Lösungen im Einsatz hat. Für schnell wachsende Startups ist das ein Warnsignal – denn ohne klare Strukturen steigt das Risiko, im Blindflug zu skalieren.
Wo Finance heute ausgebremst wird
Trotz klarer Ambitionen gelingt der Schritt in Richtung Automatisierung nur schleppend. 40 % der Befragten sehen Prozessautomatisierung als wichtigsten Treiber der Transformation, und 38 % priorisieren entsprechende Investitionen – doch im Alltag dominieren weiterhin manuelle Abläufe. Für 36 % zählt der Aufwand rund um papierbasierte Prozesse, Scans oder Dateneingaben zu den größten operativen Hürden. Das hält Finance-Teams im operativen Modus fest, obwohl die Erwartungen an eine strategischere Rolle steigen.
Gerade in Startups entsteht dadurch ein strukturelles Risiko: Fragmentierte Systeme, uneinheitliche Datenmodelle und fehlende Automatisierung bremsen Finance-Prozesse aus, sobald das Unternehmen skaliert. Wenn Daten verspätet vorliegen oder Analysen auf unsicherer Basis entstehen, fehlt die Grundlage für schnelle und belastbare Entscheidungen – und Wachstum kann ins Stocken geraten.
Warum KI im Finance eigentlich perfekt wäre
Die Ironie: Kaum ein Bereich eignet sich so gut für KI wie Finance. Strukturiert, regelbasiert, datengetrieben. Also eigentlich ideale Bedingungen. KI könnte Belege automatisch klassifizieren, Unregelmäßigkeiten erkennen, Forecasts laufend aktualisieren oder Cashflow-Entscheidungen stützen.
Doch der Engpass liegt selten in der Technologie selbst. Ohne konsistente Datenbasis, integrierte Systeme und klare Prozesse bleibt KI Stückwerk. Was fehlt, ist die Infrastruktur, die Automatisierung und KI erst möglich macht.
Finance als Nervenzentrum – nicht als Bremsklotz
Finance sieht heute mehr vom Unternehmen als fast jede andere Abteilung: Umsatz, Kosten, Liquidität, Investitionen – alles läuft hier zusammen. Wenn repetitive Aufgaben automatisiert werden, steigt sofort die strategische Schlagkraft:
- Entscheidungen werden schneller
- Risiken werden früher sichtbar
- Diskussionen basieren stärker auf Daten
Viele CFOs sehen sich deshalb längst nicht mehr als Verwalter, sondern als Gestalter. Doch dafür braucht es eine Organisation, die diesen Wandel zulässt.
Was Gründerinnen jetzt tun sollten
Gerade junge Unternehmen haben einen entscheidenden Vorteil: Sie können früh die Weichen stellen. Statt historisch gewachsener Systemlandschaften gibt es Flexibilität, und die sollte genutzt werden. Konkret bedeutet das:
- Rollen klar definieren: Wer verantwortet welche Prozesse?
- Prozesse vereinheitlichen, weniger Sonderfälle, mehr Standard.
- Moderne Tool-Landschaften aufbauen: Systeme, die Daten nicht nur sammeln, sondern nutzbar machen. Früh auf Automatisierung setzen, bevor die Komplexität zu groß wird.
Der Weg aus der KI-Pilotphase ist kein reines Technikprojekt, sondern ein organisatorisches. Unternehmen, die das verstehen, verwandeln Finance vom operativen Pflichtprogramm in einen echten Hebel für Wachstum.
Der Weg nach vorn
Finance steht an einem Wendepunkt. Dort, wo heute noch Tabellen manuell gepflegt werden, könnten morgen Echtzeitdaten und automatisierte Workflows den Takt bestimmen. Die Technologie existiert längst. Die Frage ist, ob Unternehmen ihre Strukturen so ausrichten, dass sie davon profitieren.
Für Gründerinnen gilt: Je früher Finance professionell aufgestellt wird, desto schneller und resilienter lässt sich ein Startup skalieren. KI entfaltet ihre Wirkung genau dort, wo Daten sauber integriert, Prozesse klar definiert und Zuständigkeiten eindeutig geregelt sind.
Startups, die diese Grundlage jetzt schaffen, treffen bessere Entscheidungen, behalten die Kontrolle über ihr Wachstum und vermeiden, dass ihr Erfolg an Excel-Grenzen scheitert.
Methodik der Studie
Die Daten der Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 11. bis 23. September 2025 insgesamt 264 Personen befragt, die im Bereich Finance, Controlling und Finanzbuchhaltung arbeiten.
Hier gibt es weitere Infos zu den Studienergebnissen.
Über den Autor
Nikolai Skatchkov ist Mitgründer und CEO von Circula, einem SaaS-Fintech aus Berlin. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Digitalisierung von Finanzprozessen. Mit Circula hat er eine Plattform entwickelt, die Spesenabrechnung, digitale Benefits und Firmenkarten vereint. Über 2.800 Unternehmen, darunter DATEV, Deutsche Fußball Liga, Securitas und AboutYou, setzen bereits auf diese Lösungen.
WELCOME TO STARTUPLAND

SAVE THE DATE: Bereits am 18. März findet unsere dritte STARTUPLAND statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über Startupland
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Digital Business & Startups
Klemab, Wild&Water, pool.down, supernutural, BackDani treten vor die Löwen
#DHDL
Die Löwen brüllen wieder! An diesem Montag geht es bei Vox erneut in “Die Höhle der Löwen”. In der aktuellen Folge pitchen Klemab, Wild&Water, pool.down, supernutural und BackDani.

In der erfolgreiche VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) dreht sich in der mittlerweile 19. Staffel wieder alles um spektakuläre Geschäftsideen, außergewöhnliche Pitches und umkämpfte Deals. Zur Löwen-Jury gehören in dieser Frühjahrs-Staffel der Regal-Löwe Ralf Dümmel, die Venture-Capital-Löwin Janna Ensthaler, der Sales-Löwe Carsten Maschmeyer, die Beauty-Löwin Judith Williams, die Familien-Löwin Dagmar Wöhrl und der Startup-Löwe Frank Thelen.
Die DHDL-Startups der Woche
Klemab aus Leipzig
Chaos in der Höhle: Noch bevor die Löwen Platz genommen haben, klebt plötzlich alles. Wände, Boden und sogar die Löwensessel – nichts bleibt verschont. Verantwortlich für die ungewöhnliche Aktion ist Produktdesigner Vick Manuel (32), der mit seinem selbst entwickelten Klemab – dem Klebe-Maßband – nicht nur auffallen, sondern auch einen Rekord brechen will. Denn der Gründer kündigt selbstbewusst an, heute Geschichte zu schreiben: Er will den Rekord für den schnellsten Pitch knacken. Und tatsächlich: In gerade einmal 47 Sekunden erklärt er sein Produkt – klar, präzise, auf den Punkt. Die Löwen sind überrascht. Die Idee hinter Klemab ist ebenso simpel wie effektiv: aufkleben, Maß nehmen, markieren, zuschneiden – und rückstandslos entfernen. Kein umständliches Hantieren mit Zollstock oder klassischem Maßband. Gedacht für Handwerker, Heimwerker und den Alltag. Das Besondere: Die Skala ermöglicht ein theoretisch unbegrenztes Messen – bei einer Genauigkeit, die laut Gründer sogar über der eines Zollstocks liegt. „Ich wollte ein Tool entwickeln, das die Arbeit wirklich erleichtert. Schnell, präzise und ohne Umdenken“, erklärt der 32-Jährige. Um das Produkt in möglichst viele Haushalte zu bringen, fordert Manuel 50.000 Euro für 20 Prozent der Anteile.
Wild&Water aus Berlin
Madlen Baetzgen (46) und Christina Schwörbel (51) kennen sich seit über 20 Jahren und haben gemeinsam in der Marketingabteilung eines der weltweit größten Getränkekonzerne gearbeitet. Mit Wild&Water wollen die beiden Marketingexpertinnen die Getränkeindustrie verändern – und gleichzeitig die Umwelt entlasten. Die Idee ist einfach, aber genial: Naturreine Tee-Extrakte, die mit Wasser gemischt werden, verwandeln jedes Glas in erfrischende Drinks – zucker- und kalorienarm, ohne künstliche Zusätze oder Plastikflaschen. Vier Sorten sind bisher erhältlich: von erfrischendem Mate über ausgewogene Kräuterkombinationen bis hin zu fruchtigen Berry-Mischungen, die sich nach Belieben zu kräftigem Eistee oder einfach Wasser mit Geschmack mischen lassen. Eine Flasche Wild&Water ergibt bis zu zehn Liter fertiges Getränk und spart so bis zu 20 Plastikflaschen. „Wir haben die beste Quelle direkt zu Hause – Leitungswasser – und wollen, dass mehr Menschen sie nutzen, statt Unmengen an Plastikmüll zu produzieren“, erklären die Gründerinnen. Für den Ausbau ihres Geschäfts suchen sie 150.000 Euro für zehn Prozent ihrer Anteile – das Kapital soll helfen, das Produkt in den Büros und Betriebe zu bringen und die Reichweite zu erhöhen. Ob Madlen und Christina einen Löwen von ihrem umweltfreundlichen Ansatz überzeugen können?
pool.down aus Köln
Aurel Hampl (26) und Nicolai Trittmann (26)machen Eisbaden für alle zugänglich – und das direkt in der heimischen Badewanne. Mit pool.down, dem ersten smarten Kühlgerät für die Badewanne, lässt sich das Wasser auf echte Eisbad-Temperaturen von rund drei Grad bringen – gesteuert per App, mit Timer und Herzfrequenz-Überwachung. So wird Kältetherapie komfortabel, sicher und messbar, ohne sperrige Eistonnen oder teure Outdoor-Lösungen. Das Gründerteam erklärt: „Eisbaden kann Stress reduzieren, die Durchblutung fördern und das Immunsystem stärken. Mit pool.down kann jeder zu Hause davon profitieren – platzsparend, schnell und smart.“ Um sich selbst ein Bild von dem Produkt zu machen, springt Gastlöwin Anne Lemcke kurzerhand ins Eisbad und zeigt echten Mut. Nach mehreren Sekunden im Wasser strahlt sie: „Es ist gar nicht so kalt, ich kann hier noch ein bisschen drin sitzen bleiben.“ Doch wird auch der Deal von 200.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile überzeugen?
supernutural aus München
Amelie (42) und Timo (44) Sperber haben vor zehn Jahren – inspiriert von einer Erdnussmaschine in Kalifornien – ihre Jobs gekündigt und mit supernutural eine Food-Tech-Innovation aufgebaut. Ihr Prinzip: Ganze Nüsse kommen oben hinein, unten entsteht 100 Prozent frische Nusscreme – ohne Zusatzstoffe, ohne Zuckerzusatz, ohne Konservierung. Der Clou: Frisch vermahlene Nüsse liefern wertvolle ungesättigte Fettsäuren, pflanzliche Proteine, Vitamine und Mineralstoffe in besonders gut verfügbarer Form. Durch die feine Vermahlung kann der Körper die Nährstoffe besser aufnehmen als bei ganzen Nüssen. Die gesunden Fette sorgen für langanhaltende Energie ohne starken Blutzuckeranstieg – ein Pluspunkt, der auch Profisportler überzeugt. Gestartet ist das Paar mit einer großen Profi-Maschine für Hotellerie, Unternehmen und Profisport. Heute steht supernutural in 40 Ländern, beliefert Hotels, Unternehmen und Spitzenathleten – darunter internationale Top-Clubs wie der FC Liverpool sowie mehrere Olympia-Teams. Insgesamt wurden bereits über fünf Millionen Euro Umsatz erzielt. Nun folgt der nächste Schritt: der „Nutbooster“ für zuhause. Das kompakte Gerät verwandelt Mandeln, Haselnüsse oder Erdnüsse innerhalb von Sekunden in streichzarte Creme. Ihr Ziel: aus der etablierten B2B-Erfolgsgeschichte eine starke Endverbrauchermarke machen. Die Food-Experten Anne und Stefan Lemcke sind hungrig auf einen Deal und erkennen schnell, was Investment-Potenzial hat und was nicht. Nach einem Happen ist klar, die Gastlöwen sind begeistert! Doch nicht nur sie bekommen Appetit auf mehr. Werden die Löwen auf das Angebot von 6,25 Prozent Firmenanteile für 500.000 Euro eingehen?
BackDani aus A-Völs
Daniel Kappacher (51, Physiotherapeut, Osteopath und Wirbelsäulenspezialist mit eigenem Therapiezentrum nahe Innsbruck) will ein Volksleiden bekämpfen: 80 Prozent der Deutschen leiden unter Rückenproblemen. Seine Lösung: BackDani, ein einfaches, aber gezielt entwickeltes Trainingsgerät zur Aktivierung der tiefen Rückenmuskulatur. Der Clou: Ein elastischer Stab mit speziellem Mittelteil sorgt durch kontrollierte Rotationsbewegungen für die gezielte Ansprache der Tiefenmuskulatur entlang der Wirbelsäule. „Die kleinen Muskeln stabilisieren Wirbel für Wirbel. Wenn sie nicht richtig arbeiten, schlägt die Wirbelsäule Alarm“, erklärt Daniel Kappacher. Bereits nach wenigen Tagen Training verspüre man mehr Beweglichkeit, Stabilität und Entspannung. Unterstützt wird er von seinen drei Töchtern Nina, Franca und Kira, die Logo, Social Media und sogar die Produktion mitgestalten. „Ihr seid ja der Wahnsinn“, staunen die Löwen. Bereits sechs Wochen nach Markteinführung hat sich der BackDani sehr erfolgreich entwickelt: Rund 400 Stück wurden verkauft – ausschließlich direkt an Patienten in der Praxis. „Das Produkt könnte wirklich was ganz Großes werden“, ist sich der Gründer sicher. Sehen die Löwen das auch so?
Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.
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Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer
Digital Business & Startups
So geht der perfekte Burger: Ex-Sternekoch verrät sein Rezept
Vladislav Gachyn arbeitete einst in einer Sterneküche. Weiße Jacke, präzise Handgriffe, Teller wie Kunstwerke. Doch dann traf er mit seinem Kollegen Kajo Hiesl eine Entscheidung gegen die Haute Cuisine – und für Burger. Aus Fine Dining wurde Fast Food. Was mit einer Doku über Pommes begann, wurde zu einer der spannendsten Burgergeschichten Deutschlands. Heute zählt deren Unternehmen „Goldies“ 15 Filialen deutschlandweit, schaffte es ins KaDeWe – und träumt von noch Größerem: eines Tages in einem Atemzug mit McDonald’s und Burger King genannt zu werden. Wir haben ihn zum Interview getroffen.
Gründerszene: Vladislav, wie sieht für dich der perfekte Burger aus?
Vladislav Gachyn: Ein relativ dünnes, krosses, auf der Grillplatte gebratenes Patty mit einem weichen Bun, was schön zäh, fast schon glitschig ist und nicht auseinanderbröckelt. Mit Ketchup, Senf, Zwiebeln und selbst eingelegten Gürkchen.
Wie kamt ihr damals auf die Idee, in das Burger-Business einzusteigen?
Ich war 26, kam aus der Sterneküche und habe dort mit meinem jetzigen Business-Partner in einem Drei-Sterne-Restaurant gekocht. Er wollte einen Laden in Berlin aufmachen, ich wollte auch einen Laden in Berlin aufmachen. Dann kam der Gedanke: Warum tun wir uns nicht zusammen?
Und warum Fast Food? Ihr kamt ja aus der Sterneküche.
Erst wollten wir ein schickes Restaurant eröffnen, weil wir das können. Aber dann dachten wir: In Berlin musst du dich immer neu erfinden, du musst immer den neuesten heißen Shit machen, immer am Zahn der Zeit bleiben. Das ist schwierig. Darum haben wir uns entschieden, Fast Food zu machen. Denn kaum jemand aus der Sterneküche macht Fast Food.
Die Ursprungsidee war gar kein Burger, sondern Pommes.
Genau. Wir haben zufällig eine Doku im Fernsehen über Pommes gesehen und dachten: Krass, Pommes sind überall nur die Beilage – zu jedem Fast-Food-Essen, zu jeder Currywurst, zu jedem Schnitzel. Wir wollten diese Pommes auf ein Podest stellen, auf dem sie noch nie waren. Wir wollten niemals Burger machen.
Der erste Laden machte sie fast pleite
Wie habt ihr die Gründung finanziert?
Wir haben uns damals noch mit jemandem zusammengetan, der ein Masterstudium in BWL hatte, weil wir beide Köche waren und keine Ahnung von Gründungen hatten. Wir haben ein Jahr lang an einem Businessplan geschrieben. Dann haben wir unsere Jobs gekündigt, den Gründerzuschuss beantragt. Wir haben versucht, einen Kredit zu bekommen – aber natürlich keinen erhalten. Also bin ich auf Akquise gegangen und habe im Bekanntenkreis jemanden gesucht, der genug Geld hatte und für uns gebürgt hat. Erst dann haben wir den Kredit bekommen.
Wie viel braucht man am Anfang?
Wir sind damals mit 120.000 Euro gestartet. Und ich würde heute sagen: Wenn du schon das Risiko eingehst, dann nimm dir das Doppelte, denn es war sehr eng kalkuliert.
Was habt ihr von dem Geld zuerst ausgegeben?
Wir haben den Umbau selber gemacht. Wir haben in den ganzen Ladenbau insgesamt 17.000 Euro gesteckt. Ohne Küche. Wir haben die Fliesen selber gefliest. Das hat eineinhalb Monate gedauert. Vollzeit, weil es gab auch nicht so lange mietfrei.
Und dann kam der erste Schlag.
Für unseren Business-Partner war das zu viel Stress. Kajo und ich sind das aus der Küche gewohnt. Wir wissen, wie es ist, 15 oder 16 Stunden ohne Pause zu arbeiten. Für ihn war das eine enorme Belastung, er hatte schnell ein Burnout. Von heute auf morgen standen wir mit einem großen Minus da. Unser Partner war weggebrochen und Kajo und ich hatten keine Ahnung von Zahlen. Wir waren fast pleite, bevor wir überhaupt richtig gestartet sind. Wir hatten keine andere Wahl, als weiter Essen zu verkaufen. Und innerhalb der nächsten zwei Jahre haben wir uns Schritt für Schritt alles selbst beigebracht.
Wie viel habt ihr in dieser Zeit gearbeitet?
Anfangs habe ich 18 Stunden am Tag gearbeitet. Sonntags habe ich den ganzen Tag geschlafen.
Was habt ihr in dieser Zeit verdient?
Wir hatten beide keine Ersparnisse, gar nichts. Unser erstes Gehalt waren 2.000 Euro brutto. Man kann sich den ganzen Tag von Pommes und ungesundem Zeug ernähren, aber das geht auch nicht ewig. Die ersten Jahre konnten wir nicht reisen, gar nichts. Wir waren an diesen Laden gekettet.
Smashburger-Hype sorgte für meterlange Schlangen
Wann kam der Burger?
Ich hab so langsam mitbekommen, dass in Amerika so eine neue Welle kam, der Smashburger-Hype. Da kamen auch die ersten Videos von George Motz. Und auf einmal war ich in so einem Rabbit Hole. Ich war monatelang im Internet gefangen und bin dann auch selber hin gereist.
Und dann?
Wir haben als erster Laden in Deutschland Martin’s Buns bekommen – für mich die besten Burger-Buns der Welt. Zunächst haben wir einen „Smashburger Friday“ eingeführt und das nur freitags angeboten. Das kam sehr gut an. Dann sind wir an einem Laden vorbeigegangen, der früher ein richtig guter Burgerladen war, aber nicht mehr gut lief und abgegeben wurde. Wir haben ihn übernommen und dort Smashburger verkauft. Das war genau die Zeit, als Food-YouTube in Deutschland groß wurde. Ein paar Food-YouTuber kamen vorbei – und das war ein Katalysator. Im Sommer standen plötzlich Schlangen bis zur U-Bahn.
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Was habt ihr beim zweiten Laden finanziell gesehen?
Ich weiß es gar nicht mehr genau, aber für uns war das damals natürlich großartig. Die Leute standen Schlange, wir haben jeden Tag unglaublich hohe Umsätze gemacht. Beim zweiten Laden haben wir außerdem viele Learnings aus dem ersten umgesetzt. Statt 20 Soßen hatten wir nur noch vier. Das hat man in den Zahlen und in der Marge sofort gemerkt. Auf einmal hat es richtig Spaß gemacht.
15 Läden, KaDeWe und internationale Pläne
Wie seid ihr heute aufgestellt?
Wir sind jetzt zu dritt Eigentümer. Wir haben eine klare Aufteilung. Wir haben eine sehr gute, eine immer bessere Struktur. Wir machen alle Läden in Eigenregie. Wir machen vor allem auch Franchise. Aber nur mit ausgewählten Partnern, das ist ein langer Prozess bei uns. Wir wachsen komplett organisch gerade.
Wie viele Mitarbeiter hat Goldies heute?
Mehr als 300.
Und wie viele Läden gibt es aktuell?
Wir stehen bei 15 Läden. Wir wollen dieses Jahr 15 neue Läden eröffnen. Einige Mietverträge sind bereits unterschrieben.
Wachstum bringt immer die Frage nach der Qualitätssicherung. Wie schützt ihr euch vor den Fallstricken, die andere Franchiseketten erlebt haben?
System ist alles. McDonald’s macht es vor. Das ist eine andere Dimension, aber die Qualität ist dort immer gleich. Wir optimieren unsere Prozesse täglich. Schulungen sind unglaublich wichtig. Und die Auswahl der Menschen, die bei uns arbeiten, ist entscheidend.
Wie sieht euer Franchise-Auswahlprozess aus?
Wir bekommen sehr viele Bewerbungen, aber nur wenige schaffen es am Ende durch den Prozess. Uns ist operative Klasse wichtig – also fundierte Gastronomie-Erfahrung. Viele klopfen an, die viel Geld, aber keine Erfahrung haben. Die lehnen wir ab.
Was ist langfristig das Ziel – in drei, fünf Jahren?
Wir wollen in Deutschland einen festen Platz neben Burger King und McDonald’s einnehmen. Wir wollen ein Teil der gastronomischen Quick-Service-Landschaft in Deutschland sein.
Wie wollt ihr das erreichen? Braucht ihr externes Kapital?
Im Moment wachsen wir aus dem Cashflow heraus. Sehr gesund und stetig – und so können wir weitermachen.
Digital Business & Startups
Telura erhält 4 Millionen – Peeriot sammelt Millionensumme ein – Finanzspritze für Datapods
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Münchner DeepTech Telura erhält 4 Millionen +++ Leipziger IoT-Startup Peeriot sammelt siebenstellige Summe ein +++ Finanzspritze für Datapods aus Bonn +++ ShowHeroes übernimmt Traffective +++

Im #DealMonitor für den 9. März werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere zweite STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: STARTUPLAND 2026 findet bereits am 18. März statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Telura
+++ Der Berliner DeepTech-Investor Nucleus Capital, Possible Ventures aus München und First Momentum aus Karlsruhe investieren 4 Millionen Euro in Telura. – siehe Eu-Startups. Das DeepTech-Startup aus München, 2025 von Philipp Engelkamp und Andrew Welling gegründet, setzt auf Geothermie und ein neuartiges Bohrsystem der „nächsten Generation“. Das Team möchte so „den Zugang Geothermie zu bezahlbarer und sicherer“ gestalten. Mehr über Telura
Peeriot
+++ TGFS Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), beteiligungsmanagement thüringen gmbh (bm|t) und das Business-Angel-Netzwerk Companisto investieren eine siebenstellige Summe in Peeriot. Das Leipziger Startup, von Roy Kaiser gegründet, hat vor, die Vernetzung von IoT-Geräten zu vereinfachen. „Mit der neuen Finanzierungsrunde können wir die erste marktreife Version unseres OpenSource-Produkts Myrmic entwickeln und launchen, und damit den Community-Aufbau konsequent vorantreiben“, teilt das Unternehmen mit. Mehr über Peeriot
Datapods
+++ Business Angels wie Tim Koschella, Charles Songhurst, Jonas Rashedi und Matthias Scheidegger investieren 500.000 Euro in Datapods. Das Bonner Software-Startup, 2024 von Jakob Endler, Lukas Stein, Finn Rübo und David Goldschmidt gegründet, entwickelt „eine autonome KI-Lösung, mit der Unternehmen das echte Online-Verhalten ihrer Zielgruppen verstehen können“. Mehr über Datapods
MERGERS & ACQUISITIONS
ShowHeroes – Traffective
+++ Das Berliner Unternehmen ShowHeroes, ein Produzenten für Videos, die für mobile Einsätze und Social Media-Kanäle optimiert sind, übernimmt Das Münchner Unternehmen Traffective, eine programmatische Monetarisierungs-plattform. Traffective wird künftig unter der Marke Traffective by ShowHeroes fortgeführt. „Ziel ist es, Publishern und Werbetreibenden ein integriertes Angebot bereitzustellen, das CTV, Video und Display effizient verbindet – und über ShowHeroes‘ internationale Vertriebsorganisation skaliert“, teilt das Unternehmen mit. ShowHeroes, 2016 von Ilhan Zengin, Mario Tiedemann und Dennis Kirschner gegründet, übernahm zuletzt bereits iVS (Intelligent Video Solutions) mit Sitz in Singapur und die italienische Performance-Marketing-Agentur Agon Digital Mehr über ShowHeroes
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