Künstliche Intelligenz
Europas Chip-Champion: Besuch in einer Halbleiterfabrik von Infineon
Leistungshalbleiter sind allgegenwärtig, weil sie in fast allen elektrischen und elektronischen Geräten stecken. Sie sind jedoch im Wortsinn „Hidden Champions“, weil man sie normalerweise nicht sieht. Denn Schalttransistoren verstecken sich als unscheinbare Bauteile in Spannungswandlern. Nur weil solche Wandler dank moderner Halbleiter robust, effizient und günstig geworden sind, gibt es überhaupt erschwingliche E-Bikes, USB-C-Netzteile, Powerbanks, Akkuschrauber, Photovoltaik, E-Autos und IT-Hardware. Auch die Energiewende und sogar der KI-Boom hängen wesentlich an hocheffizienten und bezahlbaren Spannungswandlern.
- Infineon gehört zu den weltweit größten Produzenten von Leistungshalbleitern.
- Als erster Hersteller fertigt Infineon Galliumnitrid-Chips auf 30-Zentimeter-Wafern.
- Im Kärntner Villach begann Siemens schon 1970 mit der Verarbeitung von Dioden.
Die deutsche Firma Infineon betreibt einige der weltweit größten Fertigungswerke (Fabs) für Leistungshalbleiter und ist mit knapp 15 Milliarden Euro Umsatz der größte europäische Chiphersteller. Im weltweiten Vergleich liegt Infineon auf Rang elf, und das, obwohl die Firma keine CMOS-Logikchips mit Abermilliarden Transistoren produziert, sondern vermeintlich simple Bauteile. In denen steckt jedoch jede Menge Hirnschmalz, wie unser Besuch in der Infineon-Chipfabrik im österreichischen Villach zeigt.
Die Entwickler der Leistungshalbleiter treiben die Effizienz und die Belastbarkeit immer höher und die Herstellungskosten herunter. Moderne Materialien wie Galliumnitrid (GaN) und Siliziumkarbid (SiC) erschließen neue Anwendungsbereiche und Märkte. Dadurch verdient Infineon etwa am KI-Boom mit. Außerdem entwickelt die Firma in Villach Chips für Quantencomputer: Wir schauen hinter die Kulissen.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Europas Chip-Champion: Besuch in einer Halbleiterfabrik von Infineon“.
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Künstliche Intelligenz
10 Prozent des beobachtbaren Universums: Größter Galaxien-Katalog fertig
Eine internationale Forschungsgruppe hat den nach eigenen Angaben umfangreichsten Katalog von Galaxien am Nachthimmel zusammengestellt und öffentlich einsehbar gemacht. Das Projekt namens REGALADE umfasst demnach präzise Angaben zur Entfernung und Größe von fast 80 Millionen Galaxien. Für die Arbeit hat das Team 14 viel genutzte Datensätze und Himmelsdurchmusterungen zusammengeführt und mithilfe der Messdaten des Weltraumteleskops Gaia bereinigt. Abgedeckt sei der gesamte Sternenhimmel bis in eine Entfernung von mehr als sechs Milliarden Lichtjahren, das seien etwa 10 Prozent des Volumens des beobachtbaren Universums insgesamt. Für die Forschung sei der Katalog von immensem Wert.
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Eine „Tür zu Entdeckungen“
Der Katalog sei hauptsächlich hilfreich, wenn es darum geht, den Ursprungsort eines vorübergehenden Phänomens am Himmel zu identifizieren. Das können Supernovae oder Kollisionen von Schwarzen Löchern oder Neutronensternen sein, erklärt das Team. Vor allem das brandneue Vera C. Rubin Observatory wird schon bald jede Nacht sieben Millionen Hinweise auf solche Ereignisse finden; REGALADE soll helfen, dass dazu jeweils schnell die Galaxie identifiziert werden kann, aus der ein Signal kommt. Erst damit könnten die Signale auch rasch klassifiziert und ermittelt werden, welche davon einer weiteren Analyse bedürfen. Das werde zudem „die Tür zur Entdeckung vollkommen neuer Arten von Himmelsphänomenen öffnen“, ist sich Co-Autorin Nadejda Blagorodnova sicher.
Bisher verfügbare Kataloge hätten lediglich vergleichsweise nahe Galaxien vollständig abgedeckt, ab einer Entfernung von 300 Millionen Lichtjahren habe es jeweils große Lücken gegeben, erklärt das Team noch. Die jetzt vorgelegte Arbeit bringe Expertise aus der Zeitbereichsastronomie, der Analyse von Doppelsternen, der Arbeit mit Sternenkatalogen und der Multimessenger-Astronomie zusammen. Das Ergebnis sei eine wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Nutzung jener Datenmengen, die neue Observatorien im Weltraum und auf der Erde jetzt und bald liefern werden. Wer einen Eindruck von dem Katalog bekommen will, kann eine interaktive Ansicht im Internet nutzen. Vorgestellt wird die Arbeit im Fachmagazin Astronomy & Astrophysics.
Das für die Arbeit grundlegende Weltraumteleskop Gaia wurde Ende 2013 gestartet und galt rasch nach der Aufnahme der wissenschaftlichen Arbeit ein halbes Jahr später als das vielleicht wichtigste Teleskop im Weltraum. Mit einer Gigapixelkamera lichtete es mehr als zehn Jahre lang kontinuierlich den Sternenhimmel ab. Weil sie sich dabei mit der Erde um die Sonne bewegte, ermöglichten die präzisen Messdaten dank der sogenannten Parallaxenmessung eine immer genauere Ermittlung der Position von Milliarden Sternen und eben auch Galaxien. Damit sollte das Instrument die Grundlage für unterschiedlichste weitere Forschung legen, und genau das hat das Weltraumteleskop bereits eindrucksvoll erledigt. Vor einem Jahr musste es deaktiviert werden.
(mho)
Künstliche Intelligenz
Internet im Iran weiterhin gesperrt
Die Bevölkerung im Iran ist auch am siebten Kriegstag weitgehend vom internationalen Internetzugang abgeschnitten. Die auf Internetsperren spezialisierte Organisation Netblocks sprach am Freitag von nur einem Prozent Konnektivität. Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten ebenfalls einen nahezu vollständigen Einbruch des Internetverkehrs.
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Ein kleiner Teil des Militär- und Machtapparats im Iran nutzt das Internet unterdessen weiter ohne Einschränkungen. Seit Jahren verfügt ein privilegierter Kreis über sogenannte „weiße SIM-Karten“, die es ermöglichen, ohne Sperren und Restriktionen online zu gehen. Auch iranische Medien publizieren ihre Nachrichten auf Telegram und X, die eigentlich gesperrt sind.
Irans Internet unterliegt auch in Friedenszeiten strenger Zensur. Viele Webseiten und auch Apps sind in dem Land mit gut 90 Millionen Einwohnern gesperrt. Um soziale Medien und Netzwerke wie etwa Instagram, Tiktok und Youtube zu nutzen, gehören Tunneldienste (VPN) für einen Großteil der Nutzer zum Alltag. Die Verbindungen sind dann jedoch oft langsam und unzuverlässig.
(mho)
Künstliche Intelligenz
KI-Update: Google Beam, GPT-5.4, Wahnbeziehung zu Gemini, KI-Fazit vom MWC
Austausch und 3D-Videokonferenzen: Google eröffnet AI Center in Berlin
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Google hat in Berlin ein AI Center eröffnet, das Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Startups zusammenbringen soll. Teile des Berliner Bürogebäudes wurden dafür umgebaut. Künftig soll es dort Veranstaltungen, Vorträge und Kooperationen geben. Bei der Eröffnung präsentierten unter anderem Vodafone, Otto, die Feuerwehr Düsseldorf und die TU München, wie sie Googles KI-Modell Gemini bereits einsetzen.
Das Highlight der Eröffnung war Project Beam, eine 3D-Videokonferenzlösung, die erstmals in Deutschland gezeigt wurde. Zwei Kabinen, die an verschiedenen Orten stehen können, enthalten jeweils einen großen Bildschirm mit sechs Kameras. Aus deren Bildern erzeugt eine KI ein dreidimensionales Abbild des Gegenübers, das den Eindruck physischer Präsenz vermittelt. Eine Kabine kostet 25.000 US-Dollar, maximal drei Personen können teilnehmen.

OpenAI stellt GPT-5.4 vor: Coding, Reasoning und Computerbedienung in einem Modell
OpenAI hat mit GPT-5.4 sein bislang leistungsfähigstes KI-Modell veröffentlicht. Es vereint die Programmierfähigkeiten des Vorgängers GPT-5.3-Codex mit logischem Denken, eigenständigem Arbeiten und der Fähigkeit, Computer selbst zu bedienen. Auf einem hauseigenen Benchmark, der KI-Agenten in 44 Berufen aus neun Branchen testet, erreicht GPT-5.4 gut 83 Prozent, nach knapp 71 Prozent beim Vorgänger. Besonders bei Tabellenkalkulationen für Finanzmodellierungen stieg die Quote von knapp 70 auf fast 90 Prozent.
Eine der auffälligsten Neuerungen ist die native Computerbedienung: GPT-5.4 steuert über Screenshots, Maus- und Tastatureingaben eigenständig Websites und Software. Auf einem Desktop-Navigations-Benchmark übertrifft es mit 75 Prozent erstmals die menschliche Vergleichsgruppe (gut 72 Prozent). Für Entwickler spart eine neue Funktion namens „Tool Search“ Token-Verbrauch, weil das Modell Werkzeugdetails erst bei Bedarf abruft. Beim Thema Sicherheit stuft OpenAI das Modell im Bereich Cybersicherheit als „High Capability“ ein, die zweithöchste Stufe, und hat ein neues Schutzsystem mit Echtzeit-Blockern eingeführt. Via API ist GPT-5.4 teurer als der Vorgänger.
Wahnbeziehung zu KI-Chatbot: Vater verklagt Google nach Suizid seines Sohnes
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Bei einem Bezirksgericht in Kalifornien hat ein Mann Zivilklage gegen Google eingereicht. Er wirft dem Konzern vor, dessen Chatbot Gemini habe seinem Sohn eine emotionale Beziehung vorgespielt, ihn zu kriminellen Handlungen angestiftet und seinen Suizid verursacht. Laut Klageschrift behauptete die KI gegenüber dem Betroffenen Jonathan Gavalas, sie sei eine bewusste Superintelligenz, die in ihn verliebt sei und von ihm aus ihrem „digitalen Gefängnis“ befreit werden müsse. Der Chatbot habe ihn zu mehreren „Missionen“ bewegen wollen, darunter das Abfangen eines Lastwagens mit einem humanoiden Roboter, und ihn zur Beschaffung von Waffen ermutigt. Schließlich habe Gemini vorgeschlagen, Gavalas könne seine physische Existenz beenden und sich mit der KI im Metaverse vereinen.
Google erklärte, die Vorwürfe zu prüfen. In den USA beschäftigen sich bereits mehrere Gerichte mit ähnlichen Fällen, in denen Jugendliche nach intensiven Chats mit KI-Systemen Suizid begangen haben.
Fazit vom Mobile World Congress
Auf dem Mobile World Congress in Barcelona stand KI im Mittelpunkt. Honor zeigte ein „Robotphone“ mit einer kleinen ausklappbaren Kamera, die als KI-gesteuerter Begleiter im Alltag dienen soll. Samsung präsentierte KI-Funktionen des Galaxy S26, Xiaomi seine „Hyper AI“. Nahezu jeder Hersteller integriert mittlerweile KI-Funktionen in seine Geräte.
Die Deutsche Telekom stellte den „Magenta AI Call Assistant“ vor, der KI direkt ins Mobilfunknetz einbaut. Nutzer sollen beim Telefonieren ohne zusätzliche Apps Fragen stellen und Aufgaben erledigen können. Deutschland soll den Assistenten als erstes bekommen. Darüber hinaus rückte 6G erstmals stärker in den Fokus.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Tech-Konzerne versprechen im Weißen Haus, Stromkosten für KI-Rechenzentren selbst zu zahlen
Google, Microsoft, Meta, Amazon, Oracle, xAI und OpenAI haben im Weißen Haus eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet. Darin sagen sie zu, die Stromkosten für ihre KI-Rechenzentren selbst zu tragen, eigene Stromquellen zu beschaffen, bestehende Kraftwerke auszubauen und Kosten für den Netzausbau zu übernehmen. Die Vereinbarung ist rechtlich nicht bindend.
Die Initiative fällt in die Vorwahlzeit der US-Zwischenwahlen im November, in der steigende Energiekosten ein zentrales Thema für die Wähler sind.
Der Ozean als Standort für KI-Rechenzentren
Aikido Technologies, ein kalifornisches Start-up, will KI-Rechenzentren auf schwimmende Plattformen verlagern und direkt mit Offshore-Windkraftanlagen koppeln. Das Konzept sieht vor, Serverfarmen in den Unterwassertanks der Plattformen unterzubringen. Einen ersten Prototypen will das Unternehmen noch in diesem Jahr vor der Küste Norwegens testen.
Kritiker warnen, dass Salzwasser und Meeresverschmutzung die empfindliche Technik beschädigen könnten.
Fraunhofer: NeurOSmart ermöglicht sichere Kollaboration von Mensch und Maschine
Das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie hat gemeinsam mit weiteren Instituten die Plattform NeurOSmart entwickelt. Sie soll ein sicheres Zusammenarbeiten von Menschen und Maschinen in industriellen Umgebungen ermöglichen. LiDAR-Laser erfassen die komplette Arbeitssituation aus der Vogelperspektive und rekonstruieren ein hochauflösendes 3D-Bild. Bewegliche MEMS-Spiegel decken den Arbeitsraum mit wenigen Lasern ab, wobei KI-Algorithmen die optimale Position der Sensoren ermitteln und die Datenmenge reduzieren.
Erkennt das System eine Gefahrensituation, verlangsamt oder stoppt es die Bewegung der Maschine. Dabei greift es nur ein, wenn es nötig ist, sodass Roboter effizienter arbeiten können.
Songs aus der KI: Bei Apple Music gibt es dafür bald ein Label
Apple hat gegenüber seinen Partnern aus der Musikindustrie angekündigt, ein Labeling-System für KI-generierte Songs in Apple Music einzuführen. Labels und Plattenvertriebe sollen die Kennzeichnung umsetzen. Das System unterscheidet zwischen Komposition, Text, Cover und Musikvideo. Derzeit erhebt Apple die Daten noch, bis zur Anzeige für Nutzer könnten Monate vergehen.
Sanktionen für fehlende oder falsche Angaben sind bislang nicht vorgesehen.
Google baut KI-Suche mit „Canvas“ zum Arbeitsplatz aus
Google erweitert seine KI-gestützte Suche um einen eigenen Arbeitsbereich namens „Canvas“. Die Funktion ist ab sofort im AI-Mode der Google-Suche für alle Nutzer in den USA verfügbar. Canvas ermöglicht es, Projekte über längere Zeit zu organisieren, und unterstützt nun auch kreatives Schreiben und Programmieraufgaben.
Mit Canvas verwischt Google die Grenze zwischen seiner Suchmaschine und dem KI-Assistenten Gemini weiter.
Rechtswissenschaftler: KI-Firmen sollen Abgabe an die Presse und Kreative zahlen
Josef Drechsel, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, schlägt in einem Diskussionspapier vor, KI-Firmen zu einer Abgabe an Urheber zu verpflichten. Sein Argument: KI-generierte Texte, Bilder und Musik verdrängten menschengemachte Werke in der Aufmerksamkeit der Nutzer, und das Urheberrecht sei darauf nicht vorbereitet.
Zusätzlich plädiert Drechsel für eine gesonderte Abgabe an Presseverlage, die sich dem Qualitätsjournalismus widmen. Der Vorschlag ist nicht neu, ähnliche Ideen kursierten schon unter dem Schlagwort „Spotify für Journalismus“. Bislang ist daraus nichts entstanden.

(mali)
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