Künstliche Intelligenz
Artemis 2: Kälteeinbruch verzögert Generalprobe
Angesichts eines „seltenen, arktischen“ Kälteeinbruchs, wie es die Nasa nennt, verschiebt die US-amerikanische Raumfahrtbehörde die Generalprobe der Artemis-2-Mission. Sie soll nun am 2. Februar stattfinden. Seit einer Woche sind große Teile der USA von Winterstürmen betroffen.
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Damit entfallen auch die Startmöglichkeiten am 6. und 7. Februar. Als frühesten neuen Starttermin gibt die Nasa jetzt den 8. Februar an. Die vierköpfige Astronauten-Crew der Mission befindet sich weiterhin in Quarantäne in Houston.
Um die Hardware vor der Kälte zu schützen, halten die Ingenieure die Orion-Raumkapsel unter Strom und haben deren Heizungen für die niedrigen Temperaturen konfiguriert. Der Live-Stream, der die Rakete auf der Startrampe zeigt, läuft weiter. Jede weitere Verzögerung des Tests würde auch den Starttermin um jeweils einen Tag nach hinten verschieben, so die Raumfahrtbehörde.
Während diese Herausforderungen logistischer Natur sind, gibt es auch technische Bedenken, die Experten vor dem Flug geäußert haben.
Kritik an Hitzeschild
Ein Kritikpunkt besteht etwa am Hitzeschild der Orion-Kapsel. Dieser wurde bei der unbemannten Artemis-1-Mission im Jahr 2022 während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre beschädigt.
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Die Nasa hat nach Untersuchungen des Vorfalls erklärt, dass sie die Sicherheit der Besatzung gewährleisten könne. Als Maßnahme soll die Flugbahn beim Wiedereintritt verändert werden, um die Belastung für den Hitzeschild zu senken. Bei Artemis I wurde eine neue Technik erprobt, bei der die Kapsel über die Atmosphäre „springt“. Dennoch räumt die Behörde ein verbleibendes Restrisiko ein.
Für den ehemaligen Nasa-Astronauten und Hitzeschild-Experten Charlie Camarda ist das noch immer zu hoch. Er hat laut CNN monatelang versucht, die Behörde von seinen Warnungen zu überzeugen. Zwar sieht auch er eine sichere Rückkehr als wahrscheinlich an. Er warnt aber, dass ein sicherer Flug die Nasa langfristig in falscher Sicherheit wiegen könnte.
Mondanzüge zu schwer
Weitere Kritik betrifft die Ausrüstung für zukünftige Missionen des Artemis-Programms. Die ehemalige Nasa-Astronautin Kate Rubins bemängelt insbesondere das Gewicht der neuen Raumanzüge, die von der Firma Axiom für künftige Mondlandungen wie bei Artemis 3 entwickelt werden. Das Gewicht der Anzüge liegt bei rund 140 Kilogramm.
Rubins, die selbst fast 300 Tage im All verbrachte, beschreibt das Training in den Anzügen als „extremes physisches Ereignis“, das zu völliger Erschöpfung und blauen Flecken führe. Dies sei besonders problematisch, da Astronauten auf dem Mond tägliche Außeneinsätze von acht bis neun Stunden absolvieren sollen, im Gegensatz zu den nur gelegentlichen Weltraumspaziergängen auf der Internationalen Raumstation.
Zwar bieten die neuen Anzüge durch mehr Gelenke eine bessere Beweglichkeit als die der Apollo-Ära, dieser Vorteil wird aber durch das hohe Gewicht erkauft. Einfache Bewegungen wie das Bücken, um etwas aufzuheben, erfordern laut Rubins enorme Kraft, um das steife Material des Anzugs zusammenzudrücken. Das jetzige Design sei eine gute Grundlage, müsse aber weiterentwickelt werden, so die erfahrene Astronautin.
Der Mond ist das Ziel
Artemis 2 ist der erste bemannte Testflug im Rahmen des Artemis-Programms der Nasa. Die Mission wird vier Astronauten an Bord der Orion-Raumkapsel auf eine Reise um den Mond und zurück schicken.

Die Grafik zeigt die Zeit, Geschwindigkeit und Höhe wichtiger Ereignisse vom Start der SLS-Rakete (Space Launch System) und der Orion-Raumkapsel.
Das Hauptziel der rund zehntägigen Mission ist es, die Systeme der Orion-Kapsel unter realen Bedingungen im Weltraum mit einer Besatzung an Bord zu testen. Dazu gehören insbesondere die Lebenserhaltungssysteme, die Kommunikations- und Navigationsfähigkeiten weit von der Erde entfernt sowie manuelle Flugmanöver. Artemis 2 ist somit eine entscheidende Generalprobe für die geplante Mondlandung mit Artemis 3.
Es wird das erste Mal seit über 50 Jahren sein, dass Menschen wieder zum Mond reisen. Dabei wird die Besatzung weiter von der Erde entfernt sein als je ein Mensch zuvor und damit den von Apollo 13 aufgestellten Rekord brechen.
(ssi)
Künstliche Intelligenz
Kindergeld per Mausklick: Wenn die Steuer-ID den Antrag überflüssig macht
Das Bundeskabinett will den „Papierkram“ nach der Geburt beenden und mit dem antragslosen Kindergeld das Once-only-Prinzip in den Amtsstuben verankern. Herzstück der Reform ist ein vollautomatisierter Datenaustausch: Sobald ein Standesamt die Geburt meldet, vergibt das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) eine Steuer-ID und leitet diese samt Stammdaten proaktiv an die Familienkasse weiter. Damit das Geld ab 2027 automatisch fließen kann, muss lediglich eine IBAN im System hinterlegt sein – etwa durch vorherige Zahlungen für Geschwister oder eine Meldung über das Elster-Portal.
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Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) feiert das als Befreiungsschlag für jährlich 300.000 Elternpaare, die künftig keinen Erstantrag mehr stellen brauchen. Technisch steht dahinter ein Ausbau der Schnittstellen zwischen Meldebehörden, Finanzverwaltung und Sozialkassen, die bis zum Starttermin 2027 noch mühsam synchronisiert werden müssen.
Hinter dem versprochenen Gewinn an Bequemlichkeit verbirgt sich eine tiefgreifende Verschiebung in der staatlichen Datenverarbeitung. Die Steuer-ID würde sich damit endgültig vom reinen Fiskalwerkzeug zum universellen Personenkennzeichen für Sozialleistungen wandeln.
Warnung vor dem gläsernen Bürger
Kritisch ist dabei vor allem die von der Regierung vorgesehene Vernetzung: Die Familienkassen sollen erweiterte Befugnisse erhalten, Daten automatisiert bei anderen Behörden abzurufen, um Anspruchsvoraussetzungen im Hintergrund zu prüfen. Dass die Regierung für den vollen Komfort die Hinterlegung der Kontoverbindung in der zentralen „IBAN+“-Datenbank oder bei Elster forciert, unterstreicht die geplante Zentralisierung von Bürgerdaten unter der Hoheit der Finanzverwaltung. Die Regierung spricht von Effizienz, doch Kritiker warnen vor der schleichenden Entstehung eines „gläsernen Bürgers“.
Die schrittweise Umsetzung bis 2027 offenbart zudem die Komplexität der digitalen Transformation: Zuerst profitieren nur Eltern, deren Daten bereits im System kursieren. Die Vollautomatisierung soll für Erstgeborene erst Monate später folgen. Wenn automatisierte Abgleiche etwa bei Selbstständigen oder Grenzgängern scheitern, soll das bisherige Verfahren mit QR-Code-gestützten, vorausgefüllten Anträgen als digitaler Notnagel bestehen bleiben.
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Der Vorstoß macht deutlich, dass der Staat zwar in die Digitalisierung investiert. Der Preis dafür ist aber eine immer engmaschigere digitale Überwachung über die Steuer-ID und eine zentralisierte Datenstruktur.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
Quantum Machine Learning: Woran der Quanten-Boost für KI scheitert
Klassische Computer stoßen bei Problemen mit vielen Variablen schnell an ihre Grenzen, sei es bei der Entwicklung neuer Medikamente, der Simulation komplexer Materialien oder der Optimierung großer Netzwerke. Künstliche Intelligenz (KI) liefert hier zwar bereits beeindruckende Ergebnisse, aber ein neues Forschungsfeld verspricht einen drastischen Leistungssprung: Quantum Machine Learning (QML), die Kombination aus Quantencomputing und maschinellem Lernen.
Das ist zumindest die Theorie. Denn zwischen dieser Vision und der Praxis klafft derzeit eine große Lücke. Quantencomputer sind noch experimentelle Systeme mit wenigen, fehleranfälligen Qubits und die Forschung zu QML stößt auf praktische Probleme, die den Geschwindigkeitsvorteil zunichtemachen könnten. Das beginnt schon beim grundlegenden, ersten Schritt, dem Einlesen der Daten, und endet beim problematischen Auslesen der Ergebnisse.
- Quantencomputer könnten maschinelles Lernen beschleunigen oder effizienter gestalten. Doch noch gibt es viele technische Hürden zu überwinden.
- Es gibt verschiedene Arten, Quantum Machine Learning zu realisieren. Häufig werden dabei klassische Daten von Quantenalgorithmen verarbeitet, die Algorithmen aus dem klassischen maschinellen Lernen in die Quantenwelt heben.
- Eine der größten Herausforderungen ist, dass klassische Daten aufwendig in den Quantencomputer eingelesen und später tausendfach gemessen werden müssen. Das könnte jeglichen Vorteil zunichtemachen.
Dieser Artikel analysiert, wie QML funktioniert, welche Ansätze heute erforscht werden und welche technischen Hürden sie bremsen. Dabei untersuchen wir die zentrale Frage, wie Quantenalgorithmen und klassisches maschinelles Maschinenlernen tatsächlich effizient zusammenwirken, um KI zu beschleunigen, und wo die Theorie an der Realität scheitert.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Quantum Machine Learning: Woran der Quanten-Boost für KI scheitert“.
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Niedersachsen: Großes Rechenzentrum neben ehemaligem Kohlekraftwerk
Das Unternehmen Telis Energie Deutschland der US-Investmentfirma Carlyle Group plant ein großes Rechenzentrum in Niedersachsen. Es soll auf rund 38 Hektar Fläche neben dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Mehrum entstehen. Die Stromversorgung ist dort besonders einfach: Das große Umspannwerk Mehrum/Nord hängt am 220-Kilovolt-Netz und soll zusätzlich einen 380-kV-Anschluss bekommen.
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Dort steht auch der weltweit erste Blindleistungskompensator mit Superkondensatoren zur Netzstabilisierung (Siemens Energy E-STATCOM). Das Kohlekraftwerk wird derzeit abgerissen. Der neue Besitzer des Geländes plant ein Gaskraftwerk, auch ein Batteriespeicher ist wohl angedacht.
Vorstellung im Ortsrat
Die Pläne von Telis Energie Deutschland wurden durch die Vorstellung im Ortsrat Mehrum und dem Rat der Gemeinde Hohenhameln öffentlich. Telis Energie beantragt eine Baugenehmigung. Demnach soll der Bau des ersten Blocks des Rechenzentrums 2028 beginnen.
Wie viele Blöcke geplant sind und für welche Leistung das gesamte Rechenzentrum im Endausbau ausgelegt ist, weiß man bisher nicht. Nach Informationen des NDR sind Investitionen von rund 1 Milliarde Euro geplant.
Carlyle hat Telis, zu der auch Telis Energie Deutschland gehört, erst 2022 gegründet. Ziel sind Investitionen in regenerative Energie wie Windkraft und Photovoltaik.
Carlyle plant groß
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Zu Carlyle gehört aber auch das 2021 gegründete US-Unternehmen Copia Power. Es entwickelt große Projekte für stromdurstige Firmen, also Industrieflächen mit starker Stromversorgung: „Powered Land“ vor allem für Rechenzentren. Als ein Beispiel nennt Copia Power den Harquahala Complex bei Maricopa, südlich von Phoenix, Arizona. Dort sind im Endausbau 1 Gigawatt (GW) Leistung geplant.
Zum Vergleich: Nach Schätzungen kommen alle bisherigen Rechenzentren im Raum Frankfurt/Main, dem größten deutschen Standort, zusammen auf wenig mehr als 1,1 GW.
Copia Power hingegen entwickelt in den USA derzeit mehrere Projekte mit zusammen bis zu 8 GW. Die tatsächlich verbrauchte Leistung hängt dabei von den jeweiligen Nutzern ab, an die Copia die Projekte vermietet oder übergibt.
Kohlekraftwerk Mehrum
Das 1965 in Betrieb genommene Kraftwerk Mehrum hatte zuletzt eine installierte Leistung von 750 MW. Es war ab 2021 eigentlich stillgelegt und wurde dann kurzzeitig wegen der Versorgungsengpässe durch den russischen Überfall auf die Ukraine wieder in Betrieb genommen. Mittlerweile wird es abgerissen.
Seit 2017 gehört die Anlage mehrheitlich zur tschechischen Energetický a Průmyslový Holding (EPH) beziehungsweise EP Energy. EPH gehört wiederum zur PPF Group des 2021 verstorbenen Petr Kellner, der einst der reichste Mann Tschechiens war.
Laut der Präsentation für die Gemeinderäte erwägt Telis Energie, das Rechenzentrum Hohenhameln übergangsweise mit Strom aus dem geplanten Gaskraftwerk Mehrum zu speisen. Grundsätzlich gibt es in Niedersachsen aber sehr viel Strom aus Wind und auch Sonne.
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(ciw)
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