Datenschutz & Sicherheit
Best Western Hotels warnt vor Phishing-Attacken
Die Best Western Hotels (BWH) versenden aktuell E-Mails an alle Kunden, in denen sie vor derzeit laufenden Phishing-Angriffen warnen. Betroffen seien jedoch nicht nur Best Western Hotels, sondern die gesamte Hotellerie weltweit.
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In der uns vorliegenden E-Mail schreibt BWH: „Derzeit erreichen uns zahlreiche Meldungen von Reisenden, die im Zusammenhang mit einer bevorstehenden Buchung betrügerische E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten von ausländischen Rufnummern und kryptischen E-Mailadressen erhalten haben.“ Im Nachrichtentext werden Empfänger aufgefordert, Buchungen zu bestätigen oder Zahlungsdaten zu verifizieren.
Echte Daten in Phishing-Nachrichten
Wir haben einen Leserhinweis erhalten, demzufolge eine derartige WhatsApp-Nachricht ihn am 17. Februar erreichte, mit der Bitte, eine am 15. Januar vorgenommene Buchung nach Klick auf einen Link zu ergänzen. Bei Nichtbefolgung würde die Buchung innerhalb von 24 Stunden verfallen. Sowohl Buchungsdatum als auch Name waren korrekt, die Telefonnummer stammt mutmaßlich ebenso aus der unbekannten Datenquelle.
BWH führt damit übereinstimmend aus: „Die Absender missbrauchen unsere Logos, um den Eindruck zu erwecken, die Nachrichten kämen von unseren Hotels. Dies ist nicht der Fall. Bitte klicken Sie auf keinen Fall auf enthaltene Links und geben Sie keine persönlichen Daten oder Zahlungsinformationen preis.“ Die Hotelkette ergänzt: „Wir beobachten derzeit eine flächendeckende Phishing-Attacke, die die gesamte Hotellerie weltweit betrifft und nicht auf unsere Hotels beschränkt ist. Diese betrügerischen Nachrichten können Buchungsinformationen enthalten, einschließlich Namen, Kontaktinformationen und Informationen zu einem zukünftigen Aufenthalt.“ Zusätzliche Informationen wie Sonderwünsche, Zahlungsinformationen oder andere sensible Daten seien jedoch nicht enthalten.
Die Quelle des Datenlecks ist derzeit noch unbekannt. Die Best Western Hotels arbeiten den eigenen Angaben zufolge jedoch „mit externen IT-Spezialisten und den zuständigen Behörden im In- und Ausland [..] mit Hochdruck an der Aufklärung“. Kunden, die eine solche betrügerische Nachricht erhalten haben, sollen einen Screenshot speichern, jedoch keinesfalls auf den enthaltenen Link klicken. Wer bereits Daten auf solch einer Phishing-Seite eingegeben hat, solle die eigene Bank kontaktieren und die Zahlungskarten präventiv sperren lassen. Zudem bitten die Best Western Hotels darum, in diesem Fall auch das Datenschutz-Team mit der E-Mail-Adresse datenschutzbeauftragter@bwhhotels.de zu benachrichtigen.
Die aktuellen Vorfälle erinnern an die ungeklärten Phishing-Vorfälle rund um Booking.com, die etwa Mitte vergangenen Jahres vermehrt Hotels in Südtirol betrafen. Dort kam es vermehrt zu kompromittierten Extranet-Zugängen bei Booking.com.
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(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
L3Harris-Manager: 87 Monate Gefängnis für Verkauf von Zero-Days an einen Russen
In den USA muss ein 39-jähriger Australier mehr als sieben Jahre ins Gefängnis, weil er als hochrangiger Manager des Rüstungskonzerns L3Harris Informationen zu Zero-Day-Lücken an einen Russen verkauft hat. Weiterhin muss der Verurteilte jetzt Kryptogeld, ein Haus sowie Luxusgüter im Millionenwert abgeben. Zur Verhandlung über eine Entschädigung wurde ein weiterer Gerichtstermin festgelegt. Das geht aus einer Mitteilung des US-Justizministeriums hervor. Der Mann hatte sich der Vorwürfe im Herbst 2025 für schuldig bekannt. Inzwischen ist auch klar, dass er die Exploits an einen Russen verkauft hat, dessen Firma „Matrix LLC“ oder „Operation Zero“ Informationen zu Sicherheitslücken weiterverkauft.
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Nur für ausgewählte Staaten gedacht
Der Mann hat als Manager der L3Harris-Sparte Trenchant gearbeitet und im Rahmen seines Schuldeingeständnisses zugegeben, dass er dort über einen Zeitraum von drei Jahren acht „Komponenten von Cyber-Exploits“ entwendet hat. Die hätten exklusiv an die US-Regierung „und ausgewählte Alliierte“ verkauft werden sollen. Der Mann habe dafür Kryptogeld erhalten, mit dem er Luxusreisen, Schmuck, Uhren, Kleidung und Wohneigentum gekauft habe. Insgesamt hat er 1,3 Millionen US-Dollar bekommen, den Schaden für die US-Regierung beziffert die Anklage dagegen auf 35 Millionen US-Dollar. Seine Bestrafung sei eine „deutliche Warnung an alle, die überlegen, Gier über ihr Land zu stellen“, sagt Roman Rozhavsky vom FBI.
Der Vorfall macht einmal mehr deutlich, wie gefährlich der Umgang mit Exploits ist, die nicht an die Unternehmen gemeldet werden, deren Produkte sie betreffen. Als Zero-Day-Lücken werden solche bezeichnet, von denen diese nichts wissen, bei denen sie also null Tage Zeit hatten, um sie zu schließen. Trenchant bietet seine Dienste ausschließlich den Regierungen der sogenannten Five Eyes an. Das sind neben den USA noch Australien, Kanada, Neuseeland und Großbritannien, die in Geheimdienstfragen engsten Alliierten der Vereinigten Staaten. Zeitgleich zur Bekanntmachung des Urteils hat das US-Außenministerium Sanktionen gegen den Russen verhängt, der alleine für „Operation Zero“ verantwortlich sein soll.
(mho)
Datenschutz & Sicherheit
Trend Micro Apex One: Malware-Schutz mit kritischen Sicherheitslücken
In Trend Micros Apex One haben IT-Forscher mehrere teils kritische Sicherheitslücken entdeckt. IT-Verantwortliche mit On-Premises-Instanzen von Apex One sollten zügig die bereitstehenden Updates anwenden. Wer die Software-as-a-Service-Variante nutzt, ist bereits abgesichert.
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Das erklärt Trend Micro in einer Sicherheitsmitteilung. Die kritischen Sicherheitslücken betreffen die Trend Micro Apex One Management-Konsole unter Windows. Angreifer aus dem Netz können bösartigen Code hochladen und Befehle auf verwundbaren Installationen ausführen. Das gelingt aufgrund einer Directory-Traversal-Schwachstelle. Es sind zwei ausführbare Dateien betroffen, daher gibt es auch zwei CVE-Einträge (CVE-2025-71210, CVE-2025-71211; beide CVSS 9.8, Risiko „kritisch“). Die Entwickler weisen darauf hin, dass Angreifer dazu Zugriff auf die Konsole haben müssen, sie sollte daher nicht im Internet exponiert sein und auch der Zugriff im LAN auf die notwendigen Adressen beschränkt werden.
Weitere Sicherheitslecks in Apex One
Die Scan-Engine von Apex One ermöglicht bösartigen Akteuren die Ausweitung ihrer Rechte im System. Das geht auf eine Schwachstelle beim Folgen von Links zurück (CVE-2025-71212, CVSS 7.8, Risiko „hoch“). Angreifer können zudem aufgrund einer fehlerhaften Herkunftsprüfung („Origin Validation Error“) an höhere Rechte gelangen (CVE-2025-71213, CVSS 7.8, Risiko „hoch“). Die Updates erweitern zudem die Patches, mit denen Trend Micro im vergangenen August in freier Wildbahn angegriffene Sicherheitslücken in Apex One geschlossen hat (CVE-2025-54987, CVE-2025-54948; CVSS 9.8, Risiko „kritisch“).
Rein informativer Natur sind zudem Hinweise auf Schwachstellen von Apex One unter macOS. Die hat Trend Micro demnach bereits Mitte bis Ende 2025 mittels ActiveUpdate geschlossen. Dabei handelt es sich um potenzielle Rechteausweitungen (CVE-2025-71215, CVE-2025-71216, CVE-2025-71217, CVSS 7.8, Risiko „hoch“; CVE-2025-71214, CVSS 7.2, Risiko „hoch“).
Admins sollten ihre Apex One 2019 (On-prem) mindestens auf den fehlerbereinigten Stand CP Build 14136 bringen. Apex One as a Service und Trend Vision One Endpoint sind mit der Security Agent-Version 14.0.20315 vor den Sicherheitslücken gefeit.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Ex-Meta-Lobbyistin soll nicht EU-Digitalgesetze aufweichen
Die finnische EU-Abgeordnete Aura Salla ist in Brüssel bestens vernetzt. Vor ihrer Zeit im EU-Parlament war die konservative Politikerin dort Chef-Lobbyistin von Meta. Davor hatte Salla diverse Positionen in der EU-Kommission bekleidet, unter anderem war sie im Kabinett des damaligen Vize-Präsidenten Jyrki Katainen tätig.
Von der Politik in die Privatwirtschaft und wieder zurück: Das als „Revolving Door“ bekannte Phänomen sorgt immer wieder für Probleme, da es schnell zu Interessenskonflikten führt. Zumindest auf dem Papier ist die EU dagegen gewappnet: Ein detailliertes Regelwerk soll verhindern, dass Beamt:innen nahtlos von einer Rolle in die nächste schlüpfen und dabei etwa Kontakte und Wissen mitnehmen, das sie im neuen Job eigentlich nicht haben sollten.
Für Aura Salla könnte es deshalb nun eng werden. Eine Reihe zivilgesellschaftlicher Organisationen, darunter Corporate Europe Observatory (CEO), LobbyControl und Transparency International EU fordern in einem heute veröffentlichten offenen Brief an den Industrieausschuss (ITRE) im EU-Parlament, Salla von ihrer Rolle als Berichterstatterin für den sogenannten Digitalen Omnibus abzuberufen.
Unter diesem Begriff verhandelt die EU derzeit ein Gesetzespaket, mit dem die Digitalregulierung überarbeitet und entschlackt werden soll. Ziel sind vereinfachte Regeln, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu verbessern. Kritiker:innen weisen darauf hin, dass mit dem Regulierungsabbau unter anderem das Datenschutzniveau empfindlich abgesenkt würde. Als eine der Berichterstatterinnen – und damit Verhandlungsführerinnen – des EU-Parlaments hätte Aura Salla dabei viel Einfluss auf das fertige Gesetz.
Ehemalige Meta-Lobbyistin mischt kräftig mit
„Die Ernennung einer ehemaligen Big-Tech-Lobbyistin, um Digitalgesetze zu überarbeiten und zu schwächen, wirft schwerwiegende Fragen hinsichtlich unzulässiger Einflussnahme auf den Gesetzgebungsprozess auf“, so die NGOs in ihrem Schreiben. Gerade Meta, zu dem Facebook, Instagram und WhatsApp gehören, steht bekanntlich mit Vorgaben wie jenen zum Datenschutz auf Kriegsfuß. Rund 2,5 Milliarden Euro an Geldbußen wurden dem Datenkonzern wegen wiederholter Vergehen in der EU auferlegt.
„Das Unternehmen hat ein starkes Interesse daran, die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) durch den Digitalen Omnibus zu schwächen, und kann seine engen Verbindungen zu Frau Salla nutzen, um dies zu erreichen“, warnen die NGOs. Tatsächlich habe sich Salla als Abgeordnete bereits mehrfach mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber getroffen, unter anderem bei einem Lobbytreffen im September 2024 und einem weiteren im Januar 2025.
Bereits jetzt lässt sich am Omnibus-Entwurf der Kommission der Einfluss der Wirtschaft ablesen, wie eine gemeinsame Analyse von CEO und LobbyControl im Januar ergeben hatte. Mit Industrieforderungen praktisch deckungsgleiche Vorschläge durchziehen den gesamten Entwurf, der in der Leseart der NGOs einen „beispiellosen Angriff auf digitale Rechte“ darstellt. Zudem lese sich der Vorschlag wie eine Wunschliste ausgerechnet US-amerikanischer Tech-Konzerne, anstatt europäische Unternehmen zu stärken.
Voll auf Deregulierungslinie
Ähnliche Positionen wie die Tech-Konzerne vertritt auch Aura Salla. Die zur konservativen EVP-Fraktion gehörende Politikerin warnte etwa vor einem „Regulierungs-Tsunami“, fürchtet Überregulierung durch Gesetze wie den Digital Services Act und möchte Tech-Konzernen erlauben, Verkehrs- und Metadaten ihrer Nutzer:innen möglichst ungehindert zum Trainieren ihrer KI-Systeme verwenden zu können.
Nach ihrer Bestellung zur Berichterstatterin zeigte Salla auf, in welche Richtung sie den Digitalen Omnibus lenken will: „Jahrelang konzentrierte sich die EU auf die Regulierung ihrer eigenen Unternehmen, während China und die USA in Wachstum und technologische Entwicklung investierten. Das endlose Klicken durch Cookie-Einstellungen und die sich überschneidenden und unklaren Regeln für Unternehmen haben das Internet nicht sicherer gemacht, sondern das Wachstum europäischer Unternehmen gebremst. Europäische Unternehmen müssen endlich Priorität haben“, schrieb sie in einer Pressemitteilung.
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Zugleich sieht Salla die EU nicht notwendigerweise in der Verantwortung: „Big Tech sollte in ihren Heimatkontinenten reguliert werden“, sagte sie Ende 2024 dem Magazin Wired. In vielen Fällen wären das die USA, so Salla – ein Land, das traditionell reichlich wenig von Regulierung hält, erst recht unter Präsident Donald Trump und seinen Tech-Oligarchen wie Mark Zuckerberg im Schlepptau. Indes schlägt Salla „Maßnahmen wie Zölle, Datenpreismechanismen oder eine Digitalsteuer für Unternehmen außerhalb der EU“ vor. Diese Ansätze dürften jedoch kaum im Digitalen Omnibus verhandelt werden.
Halb verdeckte Interessenkonflikte
Ein ungünstiges Licht auf Salla werfe zudem ihre Tendenz, „wiederholt potenzielle Interessenkonflikte zu verschleiern“, kritisieren die NGOs. So hatte sie etwa nicht offengelegt, Anteile an Rüstungsbetrieben zu halten, obwohl diese Transparenz EU-Abgeordneten ausdrücklich vorgeschrieben ist. Erst Berichterstattung des Online-Mediums Follow the Money hat sie letztlich gezwungen, ihre Aktien zu verkaufen.
Auch als Omnibus-Berichterstatterin sieht Salla keine Interessenskonflikte. In ihrer offiziellen Erklärung hierzu – eine Pflicht für Berichterstatter:innen – hat sie im Februar die einschlägige Frage verneint. Aus Sicht der NGOs verstößt sie damit gegen die Transparenzregeln, die für Abgeordnete gelten.
Auf Anfrage weist Salla die Vorwürfe zurück. Ab ihrem Eintritt in den Mutterschutz im Februar 2023 habe sie nicht mehr für Meta gearbeitet und seit ihrem endgültigen Abschied im Mai 2023 auch kein Geld bekommen, sagt Salla zu netzpolitik.org:„Selbstverständlich habe ich seit meinem Ausscheiden keine Zahlungen mehr von dem Unternehmen erhalten“. Im Zusammenhang mit der Berichterstatterrolle „habe ich keine laufende berufliche Tätigkeit, keine finanziellen Interessen und keine persönlichen Interessen, die einen Interessenkonflikt darstellen könnten“, sagt Salla.
Als Berichterstatterin wolle sie dem europäischen öffentlichen Interesse dienen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken, so die Abgeordnete. „Ich habe meine Ansichten zur Notwendigkeit der technologischen Souveränität der EU, zur Beseitigung der Abhängigkeit von amerikanischen Technologiekonzernen und zur Förderung europäischer Alternativen stets deutlich zum Ausdruck gebracht“, sagt die Finnin.
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