UX/UI & Webdesign
Brand-Update: Peach Aviation setzt bei Rebranding auf sanftere Töne – Design Tagebuch
Die japanische Fluggesellschaft Peach Aviation vollzieht anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens eine umfassende Neuausrichtung ihrer Markenidentität. Ziel des Redesigns ist der Übergang von einem rein preisorientierten Low-Cost-Carrier-Image hin zu einer Positionierung, die Vertrauen und Reife in den Vordergrund rückt.
Peach Aviation (flypeach.com) ist eine japanische Low-Cost-Fluggesellschaft mit Sitz am Flughafen Osaka-Kansai und Teil der ANA Holdings. Das Unternehmen wurde 2011 als Joint Venture gegründet und nahm den Flugbetrieb im März 2012 auf. Peach bedient überwiegend innerjapanische Strecken sowie ausgewählte Ziele in Ost- und Südostasien. Die Flotte besteht aktuell aus rund 36–38 Airbus-Flugzeugen der A320- und A321-Familie. Vor dem Hintergrund des 15-jährigen Bestehens wurde nun erstmals der Markenauftritt angepasst, und zwar umfassend.
Im Zentrum der Überarbeitung steht eine signifikante Anpassung der Formensprache und Farbwelt. Während das ursprüngliche Branding durch kräftige Magenta- und Fuchsia-Töne sowie eine eher statische Geometrie geprägt war, setzt das neue Konzept auf Nahbarkeit. Das Logo wurde durch abgerundete Kanten und großzügigere Laufweiten modernisiert, um das für Billigflieger oft typische Gefühl von Enge visuell aufzubrechen.
Auszug der Pressemeldung
„Diese Markenerneuerung ist mehr als nur ein einfaches Design-Update. Sie bleibt unserem Kernwert ‘Entspanntes Reisen’ treu und unterstreicht gleichzeitig Peachs Bestreben, durch die weitere Verbesserung unserer grundlegenden Qualitätsstandards die nächste Stufe zu erreichen.
Mit herzlichem und komfortablem Service werden wir uns auch zukünftig als zuverlässige Fluggesellschaft weiterentwickeln, die ihren Versprechen gegenüber ihren Kunden stets treu bleibt.“ Kazunari Ohash, CEO Peach Aviation

Die Farbpalette wurde um Nuancen ergänzt, die durch die Überlagerung von Beige und frischem Pink entstehen. Diese Kombination soll laut Unternehmen eine höhere Wertigkeit vermitteln, ohne die Wiedererkennbarkeit der „Peach-Farbe“ zu verlieren. Letztere bleibt vor allem im Interieur und auf dem Seitenleitwerk der Flugzeuge präsent.

Auf dem dem Seitenleitwerk von Peach-Maschinen ist künftig nicht mehr, wie generell üblich, das Logo der Airline abgebildet. Stattdessen verlaufen über den hinteren Teil des Rumpfs sich überschneidende in Creme und Rosaabstufungen gehaltene Kreisflächen, die auch das Seitenleitwerk miteinbeziehen.
Die durch eine vielschichtige Gestaltung hervorgerufenen Bewegungslinien sollen „Lebendigkeit und eine Vorfreude auf die Reise“ vermitteln, das Rosa-Beige-Farbschema eine „unaufdringliche Eleganz“, so das Unternehmen.

Das Logo der Fluggesellschaft wurde ebenfalls von Grund auf überarbeitet. Das neue Logo übernimmt die bislang charakteristische Kombination aus Kreisen und Linien, wirkt jedoch durch abgerundete Formen, größere Buchstabenabstände und eine ruhigere Farbpalette zugänglicher und wertiger, zudem nicht mehr so technisch, wie die bisherige Wortmarke. Ergänzt wird das Signet um ein Blatt-Symbol, das spielerische Leichtigkeit mit einem Anspruch auf Weiterentwicklung verbinden soll.
Die Implementierung des neuen Designs soll schrittweise erfolgen: Seit dem 1. April 2026 werden digitale Plattformen und die Signaletik an den Flughäfen angepasst. Die neue Livery der Flugzeugflotte soll voraussichtlich ab dem Frühjahr 2027 im regulären Flugbetrieb zu sehen sein.
Für die Gestaltung zeichnet das Designstudio Nendo unter der Leitung von Oki Sato verantwortlich.
Kommentar
Peach hat, was Lufthansa fehlt respektive früher einmal hatte: ein eigenständiges, wiedererkennbares Flugzeugdesign. Ganz gleich, ob einem das Rose-Creme-Farbschema von Peach zusagt oder nicht, doch anhand der farblichen Gestaltung der Flugzeuge ist die Marke zu erkennen. Ganz ohne Logo! Dunkelblau gefärbte Seitenleitwerke mit einem weißen Bildelement, so wie seit 2018 bei Lufthansa, gibt es hingegen viele (SAS, Aeroméxico, Icelandair und andere).
Das Rebranding hebt das Markendesign von Peach aufs nächste Level. Erst jetzt, fünfzehn Jahre nach der Gründung, ist eine durchgehende Story-Line erkennbar, erhält der Markenname eine hierzu passende visuelle Entsprechung. Das bisherige Typologo mit technisierten Lettern und bruchstückhaftem Aufbau passt eher zu einem Hersteller von Zubehör für Consumer Electronics, denn zu einer Fluggesellschaft.
Großzügig bemessene, luftige Zeichenzwischenräume, ein bei Premium- und Luxusmarken häufig verwendetes Stilmittel, verleihen der Wortmarke Eleganz und Souveränität. Auch die neu gezeichneten Kleinbuchstaben zeichnen sich durch ihren geometrischen Charakter aus, doch der Ausdruck ist nun ein völlig anderer. In der gewählten Form könnte das neue Logo auch der Absender eine Marke im Bereich Beauty / Skin Care sein. Eine Marke, die Schutz, Sensitivität und, im weit gefassten Sinne, Wohlbefinden kommuniziert. Und in einer Branche, in der das Produkt ein potenziell lebensbedrohliches Risiko beinhaltet, ist Schutz und Sicherheit natürlich von zentraler Bedeutung.
Ungewöhnlich: nicht etwa der zur Bildmarke mit Pfirsich-Anleihen ausgebaute Anfangsbuchstabe „p“ wird als (sekundärer) Markenabsender verwendet (Seitenleitwerk, Favicon, etc.), sondern rosa-cremefarbene Kreisflächen.
Mediengalerie
- Peach Aviation Brand Design – Aircraft, Quelle: Peach Aviation
- Peach Aviation Brand Design, Quelle: Peach Aviation
- Peach Aviation Brand Design, Quelle: Peach Aviation
- Peach Aviation Brand Design, Quelle: Peach Aviation
- Peach Aviation Brand Design, Quelle: Peach Aviation
- Peach Aviation Brand Design, Quelle: Peach Aviation
- Peach Aviation Livery – vorher und nachher, Bildquelle: Peach Aviation, Bildmontage: dt
- Peach Aviation Brand Design, Quelle: Peach Aviation, Facebook
- Peach Aviation Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Peach Aviation, Bildmontage: dt
- Peach Aviation Logo, Quelle: Peach Aviation
Weiterführende Links
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Signal des Aufbruchs? FDP kehrt zur bewährten visuellen Identität zurück – Design Tagebuch
Die FDP hat sich auf ihrem Bundesparteitag in Berlin personell und visuell neu aufgestellt. Vor dem Hintergrund des eingeleiteten Reformprozesses präsentiert sich die FDP mit veränderter visueller Identität. Bereits zu früheren Zeiten verwendete, nun wieder reaktivierte Gestaltungsmittel wie die Farbgebung Blau-Gelb sollen Aufbruchstimmung verbreiten.
Der 77. Ordentliche Bundesparteitag der FDP war geprägt von personellen Weichenstellungen und strukturellen Veränderungen. Mit 59,3 Prozent der Delegiertenstimmen ist der 74-jährige Wolfgang Kubicki zum neuen Vorsitzenden der FDP gewählt worden. Nachdem die Partei bei vergangenen Wahlen herbe Niederlagen verkraften musste, steht sie vor einem Neuanfang. Auch im Visuellen vollzieht die FDP einen Wandel. Die Parteiführung beschreibt den Prozess als Erneuerung „aus der Partei heraus“. FDP-Vize Svenja Hahn spricht von einer „Antwort auf den Wunsch der Basis nach einer modernen, schlagkräftigen und einladenden FDP“.
Das neue visuelle Erscheinungsbild knüpft stark an die Tradition des früheren Corporate Designs der Partei an und vermittelt damit, in einer Phase des politischen Neustarts, eine gewisse Kontinuität. „Neustart Deutschland“ lautet auch der Titel des Leitantrags, mit dem die Partei ihren Anspruch als „Reformmotor in Deutschland“ formuliert.
Neustart mit bewährten Mitteln
Bei ihrem visuellen Wandel setzt die Partei klar auf Rückbesinnung. Im Zentrum steht ein neues Parteilogo. Zuletzt hatte die FDP ihr Corporate Design 2015 umfassend überarbeitet und bei diesem Schritt auch ihr Parteilogo geändert (dt berichtete). Auf eine Slab-Serifenschrift (PMN Caecilia) folgt nun eine kräftige Groteskschrift.
Viele Unternehmen und Marken sind in den letzten Jahren zu ihren früheren Logos/Signets zurückgekehrt und versuchen auf diese Weise die Marke zu emotionalisieren. Volkswagen, Pepsi, Burger King, Bahlsen, Reebok, Pizza Hut und viele andere Marken dokumentieren eine regelrechte Rückbesinnungswelle, von der zuletzt auch der VfL Wolfsburg erfasst wurde. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen ihren Alltag als unübersichtlich, unwägbar und unsicher empfinden, sehnen sich viele nach Verlässlichkeit und Stabilität. Marken fungieren als eine Art Vertrauensanker. Auch die FDP folgt dem Prinzip „Back to the Roots“.

In dem von der FDP bis 2015 genutzten Parteilogo (Abb. ganz links) sind die Lettern in der von Kurt Weidemann gezeichneten Corporate S gesetzt. Das in den Jahren 2015 bis 2026 verwendete Logo mit ausgeschriebener Wortmarke „Freie Demokraten“ basiert auf der Slabserife PMN Caecilia. Jetzt wechselt die Partei wieder auf eine Groteskschrift.
Das FDP-Kürzel ist fortan in den fetten, serifenlosen Lettern eines Helvetica-Derivats gesetzt. Im Webauftritt unter fdp.de ist das Logo blau auf weißem Grund dargestellt, während als Profibild ein gelbes FDP-Kürzel auf blauem Grund verwendet wird. Enge Zeichenzwischenräume verstärken die Robustheit. Die Schlichtheit der Zeichen signalisiert einen funktionalen Pragmatismus.
Als ergänzende Hausschrift setzt die FDP künftig auf die Public Sans (entworfen von USWDS, Dan Williams, Pablo Impallari, Rodrigo Fuenzalida). In den von der Partei am Wochenende veröffentlichten Social Posts sind Texte und Überschriften in dieser modernen Groteskschrift gesetzt.
Auch beim Farbspektrum setzt die Partei bewusst auf frühere und vertraute Codes. Blau und Gelb fungieren wieder als Primärfarben, wie schon zur Ära von Guido Westerwelle (2001–2011) oder von Hans-Dietrich Genscher (1974–1985). Magenta und Cyan, unter dem Vorsitz von Christian Lindner eingeführt, haben ausgedient.
Im Zuge der Einführung des Erscheinungsbildes der Lindner-Ära im Jahr 2015 und der Umstellung auf Gelb, Magenta und Cyan als Parteifarben kommentierte Kubicki damals: „Gelegentlich muss man mal die Tapeten wieder neu streichen oder überkleben, um festzustellen, in was für einer tollen Wohnung man lebt“. Das aktuelle Redesign wurde weder im Rahmen des Bundesparteitages eingehend thematisiert, noch wurde dem veränderten Erscheinungsbild seitens der Partei eine Pressemeldung gewidmet. Eine Anfrage an die Pressestelle wurde bislang nicht beantwortet.

Der Weg des Neuanfangs beginnt für FDP mit der Rückkehr zum Bekannten. Neue Stilelemente gibt es auch, wie den Orange-Gelb-Blau-Farbverlauf, der Sonnenaufgangsstimmung verbreiten und so den personellen und inhaltlichen Neustart auf der visuellen Ebene unterstreichen soll (Abb. oben).
Als neuen Marken-Claim setzt die Partei künftig auf: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“.
Ob der personelle Wechsel verbunden mit dem visuellen Wandel politisch Wirkung entfalten kann und eine Rückkehr in die Parlamente gelingt, wird sich zeigen. In Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stehen im Herbst Landtagswahlen an. Bis dahin will die Partei ein neues Grundsatzprogramm beschließen.
Wie bewerten dt-Leser das Design? Kann vom neuen visuellen Erscheinungsbild der FDP ein Signal des Aufbruchs ausgehen oder ist die vollzogene Rückkehr zum Bewährten der falsche kommunikative Ansatz? #Diskussion
Mediengalerie
- FDP Bundesparteitag in Berlin – Event Design, Quelle: FDP
- FDP Corporate Design – Christian Dürr, Quelle: FDP, Facebook
- FDP Corporate Design – Wolfgang Kubicki, Quelle: FDP, Facebook
- FDP Corporate Design – Liste Bundesvorstand, Quelle: FDP, Facebook
- FDP Corporate Design – Bundesvorstand, Quelle: FDP, Facebook
- FDP Logo – vorher und nachher, Bildquelle: FDP, Bildmontage: dt
- FDP Logo, Quelle: FDP
- FDP.de Website (05/2026)
- FDP Claim: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich.“, Quelle: FDP
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