Digital Business & Startups
Damit wären wir eine der erfolgreichsten jungen Firmen Berlins
Das 2020 gegründete Berliner Casual-Gaming-Startup JustPlay wanderte kürzlich unter das Dach von NCSoft. Der koreanische Videospielentwickler übernahm die Mehrheit (70 %) am Hidden Champion aus der Hauptstadt. Der Kaufpreis: 202 Millionen US-Dollar.
JustPlay, von den ehemaligen AppLovin-Mitarbeitern Carl Livie, Gil Mincberg und Mirko Aquaro gegründet, erreicht mit seinen rund 40 Spielen nach eigenen Angaben derzeit mehr als 25 Millionen Spielerinnen und Spieler. Vor allem in den USA ist JustPlay eine große Nummer.
Der gebootstrappte Games-Champion, der eine Loyalty-Gaming-App betreibt, erwirtschaftete 2025 rund 172,8 Millionen Dollar Umsatz und 19,1 Millionen Gewinn. Für das laufende Jahr peilt das Team 300 Millionen US-Dollar Umsatz an. Derzeit arbeiten rund 110 Mitarbeitende für JustPlay.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Carl Livie einmal ausführlich über die Geschichte von JustPlay.
Wie würdest Du Deiner Großmutter JustPlay erklären?
Ich würde meiner Oma wahrscheinlich sagen: Stell dir vor, du spielst ein Spiel auf dem Handy und statt nur Zeit zu vertreiben, bekommst du am Ende auch noch etwas dafür zurück. Dann würde sie vermutlich fragen: „Also bezahlt ihr Leute fürs Daddeln?“ Und ich würde sagen: Im Prinzip ja, aber die Technik dahinter würde sie beim Kaffee eher langweilen. Aber um ihr zu helfen, das einzuordnen, sage ich immer: Mobile Gaming ist die größte Entertainment Kategorie der Welt. Jeden Tag spielen eine Milliarde Menschen Spiele auf dem Handy. Wir geben Spieler:innen einfach was dafür, was sie sowieso machen würden und machen das Ganze fairer und lustiger. Die einfache Idee ist: Wenn Menschen Zeit in digitalen Produkten verbringen, verdienen andere daran mit, zum Beispiel über Werbung. Wir bauen JustPlay so, dass auch die Spieler:innen etwas davon zurückbekommen. Einfach und ohne komplizierte Regeln. Am Ende müssen Nutzer:innen verstehen, wie etwas funktioniert und was sie bekommen. Egal, um welches Produkt es geht. Genau deshalb ist Vertrauen für unser Modell so wichtig. Am wichtigsten ist es aber, dass es dabei auch noch Spaß macht. Niemand wird reich über die Rewards, aber die Rewards geben dem ganzen Spielerlebnis noch eine weitere spannende Entertainment Dimension.
War dies von Anfang an Euer Konzept?
Der Fairness halber, muss ich erstmal festhalten, dass meine Mitgründer und ich ungefähr 20 Apps gebaut haben, die nix geworden sind, aber daraus entstand dann JustPlay. Aus diesem Prozess entwickelte sich aber eine Grundüberzeugung: Wir wollten ein Produkt bauen, bei dem Spieler:innen stärker an dem Wert beteiligt werden, den sie durch ihr Engagement schaffen. Am Anfang sieht man vor allem das sichtbare Produkt: Nutzer:innen spielen und erhalten Rewards. Das Entscheidende passiert jedoch im Hintergrund. Damit Rewards langfristig funktionieren und Nutzer:innen wiederkommen, müssen viele Teile sehr eng zusammenspielen: die App, die Games, Monetarisierung, Growth, Adtech, Fraud Prevention, Daten, Auszahlungen und natürlich die User Experience. Wir haben gelernt, dass wir nicht einfach ein Rewards-Feature bauen, sondern ein voll integriertes Ecosystem, in dem der Value Flow nachhaltig funktionieren muss.
Wie genau ist die Idee zu JustPlay entstanden?
Die Idee entstand aus einer Beobachtung, die uns in der Mobile-Gaming- und Adtech-Welt immer wieder begegnet ist: Es gibt sehr viel Wert in diesem Markt, aber er ist nicht besonders fair verteilt. Milliarden Menschen spielen Mobile Games. Advertiser zahlen dafür, diese Nutzer:innen zu erreichen. Games Publisher stehen gleichzeitig unter hohem Druck, weil User Acquisition immer teurer wird. Und die Nutzer:innen selbst bekommen oft nur sehr wenig davon zurück, obwohl ihr engagement die Grundlage des gesamten Systems ist. Wir haben uns gefragt: Was wäre, wenn man dieses Modell anders baut? Was wäre, wenn Rewards nicht nur ein Add-on sind, sondern ein zentraler Teil der User Experience? Kombiniert mit vielen Adtech Learnings bei AppLovin entstand dann JustPlay.
Wie hat sich JustPlay seit der Gründung entwickelt?
Wir haben JustPlay 2020 gegründet und das Unternehmen seitdem von einer Idee zu einer der skaliertesten Plattform für rewarded gaming entwickelt. Heute sind wir in mehr als 25 Ländern aktiv, haben über 25 Millionen Downloads erreicht und mehr als 200 Millionen US-Dollar an Nutzer:innen ausgezahlt. Gleichzeitig haben wir ein Portfolio von über 40 Casual Mobile Games aufgebaut. Bisschen konkreter: In 2026 werden wir gut über 300 Millionen US-Dollar Umsatz machen, wachsen über 80 % year over year und haben eine sehr nachhaltige EBIT Marge. Unser Team ist um die 110 Leute global, mit circa 50 in unserem HQ in Berlin. Wir sind auch sehr stolz auf unseren Umsatz und Ebit pro Kopf, was nur in einer sehr flachen und impact orientierten Teamstruktur funktioniert. Wir Founder sind sehr nah am Produkt, Engineering und im Marketing, was viel Spaß macht, aber auch den Vorteil bringt, dass das Team immer an den Themen arbeitet, die unserer Meinung nach am meisten Business Impact haben. Für mich ist dabei aber nicht nur die Größe entscheidend, sondern die Qualität des Systems dahinter. Wir haben JustPlay bewusst als integriertes Modell aufgebaut mit Teams aus Produkt, Engineering, Adtech, Data, Growth, Gaming und Payments, die gemeinsam daran arbeiten, dass der Wert für Nutzer:innen klar und verlässlich bleibt. Und bei aller Technologie darf man eines nicht vergessen: Es muss auch für die Spieler Spaß machen. Wenn das Produkt nicht unterhält, funktioniert auch das beste Reward-Modell nicht langfristig.
Gerade habt Ihr die Mehrheit an NCSoft verkauft. Wie geht es nun weiter?
Für uns ist das kein Endpunkt, sondern der nächste Schritt. Mit NCSoft haben wir einen Partner an unserer Seite, der tiefes Gaming-Know-how, globale Erfahrung und langfristige Produktperspektive mitbringt. Für JustPlay bedeutet das: Wir haben hier jetzt eine technologisch führende und legendäre Gaming Firma an unserer Seite und können unsere Mission schneller und größer denken. Unser Fokus bleibt derselbe: Wir wollen die Rewards Engine für Mobile Gaming weiter ausbauen und zeigen, was rewarded engagement über Gaming hinaus werden kann.
Ihr habt JustPlay ohne Fremd-Finanzierungen und Kapitalgeber aufgebaut. War dies von Anfang an eine bewusste Entscheidung?
Ja, es war bewusst, aber nicht aus Prinzip gegen Venture Capital. Für unser Modell war es wichtig, von Anfang an wirtschaftlich diszipliniert zu bauen. Rewards funktionieren nur, wenn das Geschäftsmodell dahinter nachhaltig ist. Man kann in diesem Bereich sehr schnell wachsen, aber wenn der Value Flow nicht trägt, verliert man Vertrauen. Und Vertrauen ist in unserem Modell zentral. Bootstrapping hat uns gezwungen, früh auf echte Unit Economics, Produktfunktionalität und nachhaltiges Wachstum zu achten. Das war manchmal sicher unbequem, aber es hat auch die Kultur von JustPlay geprägt. Wir mussten sehr klar priorisieren, testen, schnell reagieren und konnten nicht einfach Wachstum einkaufen, ohne zu verstehen, ob das System wirklich funktioniert. Ich würde aber nicht sagen, dass Bootstrapping immer besser ist. Es muss zum Geschäftsmodell, zum Markt und zum Gründerteam passen.
Was rätst Du anderen Gründer:innen, die sich für Bootstrapping entscheiden?
Erstens: Bootstrapping klingt von außen oft unabhängiger, als es sich im Alltag anfühlt. Man hat keine Investoren, aber trotzdem sehr reale Zwänge: Cashflow, Profitabilität, Timing etc. Zweitens: Sehr früh verstehen, wo wirklich Value entsteht. Jede Entscheidung muss nah am Produkt, am Geschäftsmodell sein. Wir haben uns jeden Tag gefragt: Does it make us more money tomorrow? Drittens: Ein Team bauen, das mit Ambiguität umgehen kann, aber gleichzeitig pragmatisch bleibt. Man kann nicht alles gleichzeitig machen, also muss man sehr bewusst entscheiden, was man macht und was nicht. Wichtig ist, dass auch das ganze Team so gezwungen ist, tief in den Daten und im Produkt zu sein, um jeden Tag neue Innovationen zu pushen. Und zuletzt: Entscheidend ist nicht, ob man mit oder ohne externes Kapital startet, sondern ob man ein Modell baut, das langfristig funktioniert.
Wo steht JustPlay in einem Jahr?
In mehr Märkten mit besseren Produkten, einem stärkeren Games-Portfolio und einer weiter verbesserten Reward Experience für Nutzer:innen. Gleichzeitig wollen wir weiter daran arbeiten, was rewarded engagement über Gaming hinaus bedeuten kann. Rewarded Gaming boomt und wächst als Kategorie viel schneller als der Rest der Gaming Industrie. Wir sehen hier eine riesige Chance mit unserer uniquen integrierten Platform klar als Leader herauszukommen. Wir sind ein ambitioniertes Team: 500 Millionen Annual Run Rate Ende 2027 sind erreichbar! Glaube damit wären wir eine der erfolgreichsten jungen Firmen Berlins. Ich glaube, der größere Trend ist, dass Nutzer:innen immer genauer verstehen wollen, welchen Wert sie für digitale Plattformen schaffen und was sie dafür zurückbekommen. JustPlay steht genau an dieser Schnittstelle. In einem Jahr wollen wir noch klarer zeigen, dass Rewards nicht nur ein Growth-Mechanismus sind, sondern ein nachhaltiger Bestandteil digitaler Nutzererlebnisse werden können.
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Foto (oben): JustPlay
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+++ Eterno +++ Unframe +++ Bunch +++ Getquin +++ Feldwerke +++ Reliant AI +++ Emmi AI +++ Dance +++
Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker-Wochenrückblick liefern wir einen schnellen Überblick darüber, was in der deutschsprachigen Startup-Szene zuletzt wirklich wichtig war!
#STARTUPLAND

STARTUPLAND: Founders. VCs. Visionaries
+++ Am 10. März 2027 findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere vierte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND
#StartupTicker – Was zuletzt wirklich wichtig war!
STARTUP-RADAR
Brandneu
+++ In den vergangenen Tagen haben wir folgende Startups vorgestellt: BidSeeker.ai, ViaThermo, Yuma Health, Cove, TerraSpark, Insellar, studio vaai, Sapericus AI, Payline, Linexa, Bonice, KothonTech, Connectome Health, Inclusys und swipesign. Mehr im Startup-Radar
Newsletter
+++ Im Startup-Radar-Newsletter, unserem kostenpflichtigen Newsletter, berichten wir über diese Startups: Constrct, Averia, Ledumi, Phronora, Charly, therapie1, baugenic, Qurie, mindocu, HappySupport, Qorelo, Clera, voigency, IB-7 und offgen. 30 Tage kostenlos testen
INVESTMENTS
Eterno
+++ Der norwegische Investor Verdane investiert wohl mehr als 100 Millionen US-Dollar in Eterno. Mehr über Eterno
Unframe
+++ Der Growth-Equity-Investor Highland Europe, Bessemer Venture Partners, Craft Ventures, TLV Partners, Third Point Ventures, Cerca Partners und Vintage Investment Partners investieren 50 Millionen US-Dollar in das deutsche-amerikanische KI-Startup Unframe. Mehr über Unframe
Bunch
+++ Der kanadische FinTech-Investor Portage, Illuminate Financial aus London, Motive Partners, Cherry Ventures und Fintech Collective investieren 35 Millionen US-Dollar in Bunch. Mehr über Bunch
Getquin
+++ Der kanadische FinTech-Investor Portage, State Street Investment Management aus Boston, Horizons Ventures, Trade-Republic-Investor Sino, Heartfelt und Co. investieren 12 Millionen Euro in Getquin. Mehr über Getquin
Feldwerke
+++ Ein namentlich nicht genannter französischer Debt Fund, der auf erneuerbare Energien spezialisiert ist, stellt dem Münchner Startup Feldwerke im Rahmen einer revolvierenden Kreditlinie 12 Millionen Euro zur Verfügung. Mehr über Feldwerke
ClearOps
+++ Hitachi Ventures, der Venture-Capital-Ableger des der Industrie- und Technologiekonzerns , Schoeller Group (Verpackungslösungen, Lieferkette) und Barkawi Group, ein auf Lieferketten spezialisierter Venture Builder, investieren 8,6 Millionen Euro in ClearOps. Mehr über ClearOps
coachbetter
+++ Brighteye Ventures, Swiss Founders Fund, ZEN 11 Holding, Hansi Flick und Silke Flick, Paul Lambert, Julian Draxler und ein ungenannter strategischer Investor investieren 8,2 Millionen US-Dollar in coachbetter. Mehr über coachbetter
LawX
+++ Der New Yorker Investor Motive Partners, Wenvest Capital aus München, xdeck aus Köln und SIVentures aus Leipzig sowie Business Angels wie Christoph Cordes und Ralph Müller investieren 7,5 Millionen Euro in LawX. Mehr über LawX
MERGERS & ACQUISITIONS
Cohere – Reliant AI
+++ Das kanadische KI-Startup Cohere, das sich kürzlich mit Aleph Alpha zusammengeschlossen hat, übernimmt das Berliner KI-Startup Reliant AI. Mehr über Reliant AI
Mistral AI – Emmi AI
+++ Der französische KI-Gigant Mistral AI (Paris) übernimmt das österreichische Startup Emmi AI (Linz). Mehr über Emmi AI
Swapfiets – Dance
+++ Der niederländische Fahrradvermieter Swapfiets übernimmt das E-Bikes-Grownup Dance. Mehr über Dance
Infinite Roots – Bosque Foods
+++ Das Hamburger BioTech Infinite Roots übernimmt das 2022 gegründete Myzelium-Unternehmen Bosque Foods. Mehr über Infinite Roots
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Foto (oben): Shutterstock
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In Europa werden nur 8 Prozent der VCs von Gründern geführt
Eine Venture Capital Firma von Gründern für Gründer? Was in den USA normal ist, soll jetzt auch in Europa Realität werden. Better ventures und EO Berlin wollen sich zusammenschließen, um mehr Unternehmer aus dem Gründungs- in den Investorenmodus zu bringen. Gemeinsam soll dabei 500 Millionen Euro an Kapital mobilisiert werden.
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Flexible Arbeitsmodelle im Alltag: Ein Balanceakt für Unternehmen
#Gastbeitrag
„New Work“ ist nicht synonym zu Laissez-faire. Es braucht Strukturen und klare Regeln sowie Rahmenbedingungen, ebenso ist aber Flexibilität nicht länger verhandelbar. Unternehmen bleibt damit nur, sich den neuen Spielregeln des Arbeitsmarktes hin anzupassen.

Die Corona-Pandemie liegt zwar schon einige Jahre in der Vergangenheit, geblieben sind aber die zum damaligen Zeitpunkt aus der Notwendigkeit heraus entstandenen flexiblen Arbeitsmodelle. Homeoffice, Hybrid-Work und Vertrauensarbeitszeit sind in Unternehmen heute präsenter als je zuvor, auch weil Arbeitnehmende sie konsequent für sich einfordern und zur Verhandlungsmasse deklarieren. Unternehmen müssen damit einen Balanceakt meistern.
Arbeit muss heute ganzheitlich neu gedacht werden
Speziell die Generationen Y und Z legen viel Wert auf Work-Life-Balance und mehr Flexibilität: Gleichermaßen sind jüngere Generationen ihrem Arbeitgeber längst nicht mehr so verbunden wie frühere Generationen. Wer als Unternehmen qualifizierte Fachkräfte dauerhaft an sich binden und kontinuierlich weiterentwickeln möchte, muss jenen also entgegenkommen. Dabei hat sich zugleich die Gewichtung der Benefits aus Arbeitnehmendensicht verändert: Ein Dienstwagen ist heute längst nicht mehr so ein attraktiver Benefit wie früher, viel mehr Wert wird stattdessen auf flexible Arbeitsorte und -zeiten gelegt.
Speziell im Hinblick auf die internationale Konkurrenz und den in Deutschland omnipräsenten Fachkräftemangel, gepaart mit einer ungünstigen demografischen Entwicklung, die künftig nur noch stärker zur Herausforderung avancieren wird, stehen Unternehmen unter Zugzwang. Sie müssen sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Hybride Arbeitsmodelle und Homeoffice-Lösungen sind dabei zwei wichtige Werkzeuge: Schon beim Recruiting sorgen beide dafür, dass Unternehmen ihren Suchradius nach neuen Fachkräften signifikant ausweiten können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vertrauensarbeitszeit: Speziell jüngere Generationen möchten nicht nur „Arbeitszeit absitzen“, sondern rücken den Fokus stärker auf die tatsächlichen Ergebnisse. Auch in der Wissenschaft wird schon länger argumentiert, dass mehr Arbeitszeit nicht automatisch in mehr Produktivität oder besseren Ergebnissen resultiert. Vertrauensarbeitszeit und ein strategisches Umdenken kann hier helfen – bei dem die Ergebnisse, statt den geleisteten Stunden unter die Lupe genommen werden.
Flexibilität und unternehmenseigene Strukturen verbinden ist dennoch eine Herausforderung
Es liegt in der Natur der Sache, dass in den meisten Unternehmen einzelne Mitarbeitende nicht in einem Vakuum agieren, sondern eine konsequente Abstimmung gegenüber anderen Mitarbeitenden erforderlich ist. Unternehmen müssen sich daher strukturell anpassen: Innerhalb von Teams und Abteilungen gilt es Transparenz zu schaffen, auch Projekte und Arbeitszeiten gehören koordiniert. Hier helfen beispielsweise digitale Kalender, Statusmeldungen und natürlich Kernarbeitszeiten. Speziell bei der Kommunikation können digitale Tools etabliert werden, so dass auch Remote-Arbeitende leicht an Meetings und Projektgesprächen teilnehmen können. Führungskräfte müssen zugleich ihren Stil anpassen: Denn die Produktivität muss im Homeoffice nicht zurückgehen, aber Mitarbeitende müssen anders geführt und geleitet werden, als es bei einer dauerhaften Präsenzarbeit der Fall wäre.
Digitale Zeitmanagement-Lösungen und HR-Tools als Schnittstelle
Die Digitalisierung kann und soll Effizienz- sowie Produktivitätssteigerungen mit sich bringen. Zugleich liefern digitale Schnittstellen, was flexible Arbeitsmodelle anbelangt, essentielle Rückendeckung. Mit der klassischen „Zettelwirtschaft“ kommen Unternehmen und Organisationen nicht weiter, wenn ein guter Teil der Mitarbeitenden gar nicht dort ist, wo die jeweiligen Zettel und Dokumente sind. Das fängt schon bei Routineaufgaben an, beispielsweise in der Personalabteilung: Mit modernen HR-Lösungen können Urlaubsanträge, Krankmeldungen und die Zeiterfassung vollständig digitalisiert und oftmals auch teilweise oder ganzheitlich automatisiert werden.
Das optimiert die Kommunikation untereinander sowie zwischen Abteilungen, zugleich erleichtert es Führungskräften und Projektmanagern die Planung. Auch flexible Arbeitszeiten und Remote-Arbeit müssen so nicht in mehr Bürokratie ausufern, wenn die daran geknüpften bürokratischen und organisatorischen Vorgänge digital und softwaregestützt optimiert werden. Weiterführende Informationen zu modernen Lösungen rund um Arbeitszeit- und HR-Management finden Leser bei Haufe. Frühzeitig solche Strukturen und digitalen Helfer im Unternehmen zu etablieren ist notwendig: Denn eine Rückkehr in ältere, traditionelle Arbeitsverhältnisse und Arbeitsweisen gilt für die nachkommenden und jüngeren Arbeitnehmendengenerationen als ausgeschlossen.
Sich der Digitalisierung zu verwehren, ist also keine Option: Weder ganzheitlich noch auf einzelne Prozesse bezogen. Unternehmen, vor allem solche im Mittelstand, die um Fachkräfte mit großen internationalen Organisationen und Konzernen konkurrieren müssen, sollten sich daher besser zu früh als zu spät entsprechend positionieren.
Flexibilität ist ein Muss – klare Strukturen aber ebenfalls
„New Work“ ist nicht synonym zu Laissez-faire. Es braucht Strukturen und klare Regeln sowie Rahmenbedingungen, ebenso ist aber Flexibilität nicht länger verhandelbar. Unternehmen bleibt damit nur, sich den neuen Spielregeln des Arbeitsmarktes und auf Arbeitnehmende hin anzupassen. Das gelingt mit stabilen, verlässlichen und transparenten digitalen Strukturen, die nicht nur dauerhaft die Kosten senken können, sondern auch maßgeblich Anteil an einer effizienten Umsetzung von modernen Arbeitsmodellen haben.
Foto (oben): pexels, Faizur Rehman
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