Künstliche Intelligenz
Netflix: Lineare Kanäle gegen die Streaming-Müdigkeit
Netflix erwägt Live-Kanäle und den Verkauf von Abos konkurrierender Streamingdienste in der eigenen App, berichtet das Wall Street Journal. Hintergrund sind Nutzungszahlen, die in die falsche Richtung zeigen: Abonnenten verbringen weniger Zeit mit dem Dienst.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die diskutierten Live-Kanäle würden bestimmte Sendungen oder Inhalte eines Genres durchgehend abspielen, ähnlich wie lineare TV-Sender. Zudem hat Netflix erwogen, Abos anderer Streamingdienste wie Peacock von NBCUniversal direkt über die eigene App zu verkaufen. Amazon und Apple betreiben solche Abo-Marktplätze seit Jahren. Beide Optionen würden als Kacheln auf der Netflix-Startseite erscheinen. Bislang handelt es sich laut Wall Street Journal um interne Diskussionen, das Blatt beruft sich auf mit den Gesprächen vertraute Personen.
Marktanteil auf Tiefstand
Das sogenannte Engagement misst, wie viel Zeit Nutzer mit den Inhalten verbringen und wie oft sie Filme oder Serien zu Ende schauen. Bei der jährlichen Geschäftsbesprechung im Frühjahr fiel Führungskräften dem Bericht zufolge auf, dass diese Kennzahl sinkt. Seither sei das Thema regelmäßig Gegenstand interner Meetings. Im April lag der Netflix-Anteil an der TV-Nutzung in den USA laut Marktforscher Nielsen bei 7,8 Prozent, dem niedrigsten Wert seit Mai 2025. Die Netflix-Aktie hat innerhalb von zwölf Monaten mehr als 40 Prozent verloren, im April enttäuschte das Unternehmen mit seiner Prognose für das zweite Quartal.
Die Diskussionen zeigten, wie weit sich Netflix von seinen Wurzeln entfernt: Mitgründer Reed Hastings predigte laut dem Wall Street Journal jahrelang Fokus und Einfachheit. Inzwischen konkurriert der Streaming-Marktführer mit Disney, HBO Max und vor allem YouTube, auch werbefinanzierte Gratis-Dienste wie Tubi und der Roku Channel legen bei den Zuschauerzahlen zu. Zuletzt gab Netflix im Bieterstreit um Warner Bros. auf, den Zuschlag bekam stattdessen Paramount.
Podcasts, Kurzvideos und Sport
Um die Nutzung anzukurbeln, setzt Netflix bereits auf günstig produzierte Inhalte: Der Dienst holt im Kampf um TV-Marktanteile Video-Podcasts und Videos auf die Plattform, die zuvor auf YouTube liefen. Anfang Juli kündigte Netflix zudem Kurzvideos von Verlagen wie BuzzFeed und Condé Nast an. In Frankreich können Abonnenten bereits das lineare Programm des Senders TF1 in Netflix schauen. Ähnliche Deals plant das Unternehmen dem Bericht zufolge als nächsten Schritt in weiteren Ländern Europas und in Lateinamerika.
Weiterlesen nach der Anzeige
Vor allem fürs Werbegeschäft könnte Live-Programm nützlich sein, denn Werbung in Live-Übertragungen kann nicht übersprungen werden. Im vergangenen Jahr hat Netflix mit Werbung etwa 1,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt, 2026 soll sich der Werbeumsatz nach eigener Prognose verdoppeln. Bei Sportrechten will Netflix weiterhin keine kompletten Saisons ersteigern, sondern einzelne Events – intern werden dem Bericht zufolge Gebote für die Fußball-Weltmeisterschaften 2030 und 2034 diskutiert. Mitte Juli stehen Quartalszahlen und der nächste Engagement-Report an.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Cirqa Smart Ring: Garmin plant offenbar Einstieg in den Smartring-Markt
Garmin scheint sich im Bereich der bildschirmlosen Fitnesstracker breiter aufstellen zu wollen: Neben dem Fitnesstracker Cirqa bereitet das Unternehmen den Einstieg ins Segment der Smart-Ringe à la Oura vor.
Weiterlesen nach der Anzeige
2024 wollte Garmin keine Smart-Ringe
Darauf zumindest deuten Dokumente einer indonesischen Zertifizierungsdatenbank hin, die ein bislang unveröffentlichtes Garmin-Produkt mit der Bezeichnung „Cirqa Smart Ring“ aufführt. Konkrete Spezifikationen nennt der Eintrag nicht. Darüber berichtet Andre Larson von Garmin News, der die Dokumente entdeckt hat.
Pläne für ein solches Produkt hatte Garmi noch im Jahr 2024 dementiert. Fitnessarmbänder lieferten mehr Leistung, sie böten mehr Platz für zusätzliche LEDs, mehr Sensoren und eine längere Akkulaufzeit, so das Unternehmen damals. Zwar böten Ringe mehr Komfort, jedoch seien sie mit Einschränkungen verbunden, etwa bei der ganztägigen Datenerfassung.
Zudem deutet der Datenbankeintrag an, dass Garmin den Namen Cirqa für weitere bildschirmlose Tracker hin zu einer Produktfamilie erweitern könnte. Mit einem eigenen Ring würde Garmin überdies in den Wettbewerb mit Herstellern wie Oura, Samsung oder Ultrahuman gehen. Oura zeigte zuletzt mit seiner fünften Ring-Generation, wie weit die Miniaturisierung vorangeschritten ist. Der neue Ring ist um 40 Prozent kleiner als der Oura Ring 4, aber auch teurer.
Kein Datum
Weiterlesen nach der Anzeige
Zwar gibt es weder eine Bestätigung seitens Garmin zum Ring noch Hinweise darauf, wann mit der Vorstellung zu rechnen ist. Der Eintrag in der Datenbank ist immerhin ein Indiz dafür, dass eine Markteinführung nicht mehr sonderlich weit entfernt sein dürfte.
Hinsichtlich der Funktionen könnte Garmins Smart-Ring sich am Cirqa-Armband orientieren und damit Gesundheitsdaten mit Garmin Connect synchronisieren. Nutzerinnen und Nutzer könnten ihren Schlaf, ihre Herzfrequenzvariabilität (HRV) und ihre tägliche Belastung erfassen, ohne eine meist recht klobige Garmin-Sportuhr tragen und ohne das Ökosystem verlassen zu müssen.
Lesen Sie auch
(afl)
Künstliche Intelligenz
heise meets … „Beim Voice Cloning reicht eine 30-Sekunden-Nachricht“
Deepfakes, gefälschte Bewirtungsbelege und geklonte Stimmen verändern die Arbeit von Anwältinnen und Anwälten grundlegend. Darauf weist Franka Becker, Rechtsanwältin und Mitgründerin des Legal-Tech-Unternehmens PyleHound, im Podcast „heise meets …“ hin. Klassische Erkennungsmerkmale wie unnatürliche Zähne oder verschwommene Ränder taugen nicht mehr. „Es ist ein technischer Rüstungswettlauf“, sagt sie.
Weiterlesen nach der Anzeige

heise meets…. Der Entscheider-Talk – von Entscheidern für Entscheider – immer aktuell und nah am Geschehen.
Sie können uns auf allen Podcast Kanälen hören.
Wählen Sie Ihren Kanal aus.

Franka Becker
(Bild: privat)
Die Hemmschwelle sinkt dramatisch. Kostenlose Werkzeuge auf dem eigenen Laptop genügen. Becker demonstriert das mit einem Bewirtungsbeleg, den sie mithilfe von Google Gemini in Sekunden verändert. Noch bedrohlicher ist Voice Cloning. Eine 30-Sekunden-Aufnahme aus WhatsApp oder Social Media reicht aus, um Akzente, Stimmhöhe und Sprechpausen nachzubilden. Für Face Swapping in Echtzeit-Videocalls genügt ein leistungsstarker Laptop.
Werden digitale Beweise wie WhatsApp-Verläufe ausgedruckt, gehen Metadaten und visuelle Hinweise auf Manipulationen verloren. Becker rechnet damit, dass künftig deutlich mehr Sachverständige eingebunden werden müssen.
Mit ihrem Mitgründer Fabian Rittmeier hat sie PyleHound aufgebaut, um KI berufsrechtskonform in Kanzleien nutzbar zu machen. Die Daten bleiben auf dem Rechner der Anwender. Das Tool bearbeitet unleserliche Scans, Handschriften und Audiodateien. Finanziert ist PyleHound komplett aus eigener Kraft – mit schwarzen Zahlen von Beginn an.
Zum Thema Halluzinationen wird Becker deutlich: „Jeder Anbieter von KI, der sagt, wir bieten unsere Lösung halluzinationsfrei an, der lügt schlichtweg.“ PyleHound lasse die KI lieber sagen, dass sie eine Frage nicht sicher beantworten könne. Nutzer können jede Textzeile per Mouseover direkt bis zum Originaldokument zurückverfolgen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externer Podcast (Podigee GmbH) geladen.
Ein vollständiges Transkript der aktuellen Podcast-Episode von heise meets gibt es unter den Shownotes bei Podigee zu lesen.
(Markus Schraudolph)
Künstliche Intelligenz
OpenAI plant neues Büro in Berlin – KI-Ausbau in Deutschland
Der US-amerikanische KI-Gigant OpenAI baut seine Präsenz in Deutschland aus. Wie Firmenchef Sam Altman in einem Interview mit dem Handelsblatt ankündigte, plant der Entwickler des Chatbots ChatGPT die Eröffnung eines zweiten deutschen Standorts in Berlin. Bislang ist OpenAI in Deutschland nur mit einem Büro in München vertreten. Zudem sprach sich Altman für den Bau eigener Rechenzentren in der Bundesrepublik aus, um die wachsende Nachfrage nach KI-Infrastruktur abzusichern.
Weiterlesen nach der Anzeige
Deutschland unter den weltweit wichtigsten Märkten
Für OpenAI gehört der deutsche Markt zu den dynamischsten weltweit. Gemessen an den zahlenden Abonnenten ist Deutschland nach Unternehmensangaben der größte ChatGPT-Markt in Europa und rangiert weltweit unter den Top 3.
„Deutschland ist seit jeher einer unserer größten und am schnellsten wachsenden Märkte“, sagte Altman. Die deutsche Wirtschaft setze stark auf Künstliche Intelligenz und sei ein zentraler Partner. Als Beispiel nannte Altman die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom. Der genaue Eröffnungstermin für das neue Berliner Büro stehe bislang nicht fest, solle aber „ziemlich bald“ erfolgen.
Diskussionen über Rechenzentren in Deutschland
Neben dem Ausbau der Bürostandorte prüft das Unternehmen Möglichkeiten für den Aufbau lokaler Infrastruktur. Hintergrund ist der rasant steigende Bedarf an Rechenleistung, der für das Ausführen und Trainieren moderner KI-Modelle nötig ist.
Altman hatte nach eigenen Angaben in Berlin bereits Gespräche mit Regierungsvertretern über ein potenzielles Rechenzentrum in Deutschland geführt, die jedoch zunächst ohne konkretes Ergebnis blieben. „Letztendlich muss jedes Land die Frage beantworten, ob es Rechenzentren innerhalb der eigenen Grenzen errichten oder Zugänge in anderen Ländern mieten will“, sagte Altman. Er persönlich hoffe weiterhin, dass Deutschland den Bau eigener Rechenzentren vorantreibe und die notwendigen Rahmenbedingungen und Ressourcen bereitstelle. Unabhängig davon profitiere der Wirtschaftsstandort bereits jetzt von der tiefen Integration moderner KI-Anwendungen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Lesen Sie auch
Datenschutz-Zusagen für Unternehmen
Mit Blick auf Bedenken aus der Wirtschaft vor dem Abfluss vertraulicher Betriebsdaten und Know-hows betonte Altman das Engagement seines Unternehmens für den Schutz von Geschäftsdaten. Er wies den Verdacht zurück, OpenAI nutze Unternehmenseingaben, um künftige KI-Modelle weiterzutrainieren.
Qualifizierten Geschäftskunden biete OpenAI auf Wunsch eine Null-Daten-Speicherung an, bei der übertragene Daten nicht für spätere Auswertungen gesichert werden. „Ich glaube fest an den Datenschutz für Unternehmenskunden“, unterstrich der OpenAI-Chef. Ziel sei es, als Plattformanbieter die gesamte Wirtschaft zu unterstützen, anstatt mit den eigenen Kunden in Wettbewerb zu treten.
(afl)
-
Entwicklung & Codevor 2 WochenKommentar: KI-Verbote in Open-Source-Projekten können KI nicht stoppen
-
UX/UI & Webdesignvor 1 MonatRegional & mit Gefühl: Identity für Klimafonds Baden-Württemberg › PAGE online
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenProxmox Datacenter Manager 1.1 wird Schweizer Taschenmesser für Proxmox-Cluster
-
UX/UI & Webdesignvor 3 WochenVom Scribble zur Sammelkarte: Kreativer KI-Workflow mit Adobe Photoshop, Illustrator und Firefly Boards › PAGE online
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenFrüher jubeln als der Nachbar: Vodafone beschleunigt ARD und ZDF zur Fußball-WM im Kabel‑TV
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenKommentar: Das Ende der SaaS-Gelddruckmaschine
-
UX/UI & Webdesignvor 3 MonatenWelches sind die zukünftig wichtigsten »Glückshebel« für Agenturen? › PAGE online
-
Datenschutz & Sicherheitvor 4 WochenKommentar: OpenAI – KI-Sicherheit nur ein Marketing-Gag?
