Digital Business & Startups
DeepTech stirbt nicht am Forschungsgeist, sondern an der Finanzierungslücke
Wenn über das europäische Finanzierungsproblem bei Startups gesprochen wird, geht es meist um die späten Phasen: zu wenig Growth Capital, zu wenige große Runden, zu wenige Börsengänge. Die Diagnose ist nicht falsch, aber sie greift zu kurz. Das eigentliche Problem beginnt schon viel früher.
Das strukturelle Mismatch
Venture Capital funktioniert nach einer Logik, die für Software optimiert wurde: kurze Entwicklungszyklen, schnelle Iteration, messbare Metriken. Das bedeutet nicht, dass DeepTech keine attraktiven Returns oder Exits liefert. Im Gegenteil. Aber die Frühphase sieht anders aus. Das Risiko ist technologischer Natur, noch nicht marktbezogen. Die entscheidenden Fragen sind nicht „Wächst die Nutzerzahl?“, sondern „Funktioniert die Technologie unter industriellen Bedingungen?“ und „Wer kauft das in welchem Markt?“
Diese Fragen kann man nicht mit klassischen VC-Metriken beantworten. Man braucht tiefes Technologieverständnis, Marktkenntnisse in relevanten Industrien und ein Netzwerk, das beides verbindet. Das zeigt sich täglich im Dealflow: Startups mit funktionierender Technologie und echtem Marktpotenzial, die keine erste Runde schließen können. Nicht weil die Technologie oder das Team nicht überzeugen würden, sondern weil kaum jemand da ist, der sie wirklich einschätzen kann und bereit ist, die Leadinvestor-Rolle zu übernehmen.
Kapital allein löst das nicht. Was DeepTech-Gründer in der Frühphase brauchen, ist ein Investor, der die Technologie versteht, den Markt kennt und aktiv dabei hilft, die richtigen industriellen Partner zu finden.
Europa forscht auf Weltklasse-Niveau. Aber die Kommerzialisierung findet woanders statt. Nicht weil die USA oder Asien bessere Wissenschaftler hätten, sondern weil dort Finanzierungsstrukturen existieren, die zu DeepTech passen. Spezialisierte Fonds mit längeren Horizonten oder mehr Weitblick und mehr Technologieverständnis, strategische Investoren, die früh einsteigen sowie ein Ökosystem, das Hardware-Startups nicht als Anomalie behandelt.
Was sich ändern muss
Für Investoren bedeutet das vor allem eines: Es reicht nicht, Kapital bereitzustellen. DeepTech-Investments in der Frühphase erfordern tiefes Technologieverständnis, Marktkenntnisse in den relevanten Industrien und die Bereitschaft, die Lead-Rolle zu übernehmen, bevor klassische Signale wie Umsatz oder Nutzerwachstum existieren. Genau hier liegt die eigentliche Lücke in Europa. Nicht an grundsätzlich fehlendem Kapital, sondern an zu wenigen Fonds mit dem richtigen Profil, um diese Rolle auszufüllen.
Für die Politik gilt: Nicht jede Phase braucht neue Programme. Die Forschungsphase ist in Deutschland oft gut abgedeckt. Institutionen wie SPRIND leisten hier echte Pionierarbeit. Das Problem beginnt danach.
Der Tech-Transfer funktioniert nicht optimal, weil die Logik von Forschungseinrichtungen und Tech-Transfer-Offices selten mit der Realität der VC-Welt zusammenpasst. Bewertungsvorstellungen, Verwertungsstrategien, Zeitrahmen: Hier treffen zwei Welten aufeinander, die zu selten miteinander sprechen. Was es braucht, sind Blaupausen, die funktionieren, und mehr Industrieunternehmen, die bereit sind, gemeinsam mit Forschungseinrichtungen Ansätze auszuprobieren, bevor eine Ausgründung überhaupt entsteht.
Der entscheidende politische Hebel liegt aber tiefer: Solange Förderung fast ausschließlich auf Forschungsleistung ausgerichtet ist, fehlt der Anreiz zur Ausgründung. Was sich ändern muss, ist die Grundlogik. Förderung, die Gründungen belohnt, nicht nur Publikationen. Arbeitsplatzsicherheit für Wissenschaftler:innen, die den Schritt wagen, damit das Scheitern nach zwei Jahren nicht die Karriere kostet. Und eine systematische Ausbildung in unternehmerischem Denken, damit Forscher:innen verstehen, wie Startups funktionieren, wie Kapitalgeber denken und was es braucht, um eine Technologie in ein Unternehmen zu verwandeln.
Die Chance ist da, aber nicht ewig
Europa hat das Potenzial, DeepTech-Weltmarktführer hervorzubringen. Die Forschungsbasis ist stark, das Ingenieurwissen tief, die industrielle Tradition vorhanden. Was fehlt, ist eine Finanzierungsinfrastruktur, die zur technologischen Realität passt, sowie Investoren, die bereit sind, früh einzusteigen, das Risiko wirklich einzuschätzen und mehr mitzubringen als Kapital.
Wer jetzt handelt – Investoren wie Politik –, kann diesen Markt mitgestalten. Wer wartet, wird später zusehen, wie die Wertschöpfung woanders entsteht. Die Technologien sind da. Es ist Zeit, sie groß zu machen.
Über den Autor
Chris Heyer ist Mitgründer und General Partner von Marvelous, einer europäischen Investmentplattform zur Kommerzialisierung physischer DeepTech-Innovationen. Heyer verfügt über umfangreiche Corporate-Venture-Erfahrung. Er gründete und skalierte fünf Unternehmen mit zwei erfolgreichen Exits und war Chief Investment Officer des MDAX-Unternehmens Hypoport. Zudem baute er VCs für Unternehmen wie OBI und Vonovia auf.
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Foto (oben): KI
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10 Millionen Umsatz geknackt: Peec AI profitiert vom ChatGPT-Boom
Vor 16 Monaten gegründet, jetzt schon 10 Millionen Dollar Jahresumsatz: Das Berliner KI-Startup Peec AI profitiert vom Boom rund um ChatGPT & Co. — und expandiert jetzt aggressiv in die USA.
Das Berliner KI-Startup Peec AI wächst rasant: Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die Marke von 10 Millionen US-Dollar jährlich wiederkehrendem Umsatz (ARR) erreicht – nur 16 Monate nach dem Produktstart.
Noch vor fünf Monaten lag Peec AI bei 5 Millionen Dollar ARR. Inzwischen hat sich der Umsatz verdoppelt. Peec AI entwickelt eine Analyseplattform für Unternehmen und Marketingteams. Die Software hilft Marken dabei zu verstehen, wie sichtbar sie in KI-Suchmaschinen und Antwortsystemen wie ChatGPT, Perplexity oder Googles AI Mode sind.
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Mit Blick auf das schnelle Wachstum sagt Gründer Marius Meiners zu Gründerszene: „Eine Kategorie mit hoher Marktnachfrage gibt einem den Rückenwind, den man braucht, um schnell zu wachsen.“ Der Boom rund um KI-Suche und Sichtbarkeit in Tools wie ChatGPT sorge aktuell für enorme Nachfrage bei Unternehmen. Gleichzeitig sei der Markt aber auch extrem umkämpft. Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, brauche es deshalb „ein absolutes Top-Team“.
Und das Team bei Peec AI wächst: Innerhalb von sechs Monaten stieg die Zahl der Mitarbeiter von 25 auf mehr als 70.
Erst im Februar 2025 gegründet
Mehr als 2500 Kunden sollen die Plattform inzwischen nutzen. Zu den genannten Kunden gehören unter anderem Attio, Squarespace, TUI und Hugo Boss. Besonders stark wachse derzeit der US-Markt. Deshalb eröffnet Peec AI nun auch sein erstes Büro in New York.
Hier haben sie mittlerweile ein Office für 30 Mitarbeiter angemietet, in das Peec AI in drei Wochen einzieht. „Man merkt sofort, wie hilfreich es bei größeren Transaktionen ist, vor Ort zu sein und sich persönlich mit Kunden treffen zu können.“ Die ganze Energie der Stadt sei „super mitreißend und aufregend“. „Das Office kriegen wir bis zum Sommer sicherlich halb voll und bis Ende des Jahres ganz voll“, sagt Meiner.
Peec AI wurde erst im Februar 2025 von ihm, Daniel Drabo und Tobias Siwonia im Umfeld des VCs Antler gegründet. Aufmerksamkeit bekam das Unternehmen früh: Die Seed-Finanzierung über sieben Millionen Euro unter Führung von 20VC soll laut Unternehmen innerhalb von nur 24 Stunden zustande gekommen sein. Im November 2025 folgte dann eine Series-A-Finanzierung über 21 Millionen Dollar unter Führung von Singular.
Insgesamt sammelte Peec AI bislang rund 29 Millionen Dollar ein
Peec AI profitiert von einem neuen Trend im Marketing: Unternehmen versuchen zunehmend zu optimieren, wie ihre Marken in KI-generierten Antworten auftauchen. Während SEO lange vor allem auf Google-Suchergebnisse ausgerichtet war, entsteht gerade ein neuer Markt rund um Sichtbarkeit in generativen KI-Systemen.
Das Unternehmen will seine Plattform künftig deshalb nicht nur auf Sichtbarkeit beschränken. Geplant sind laut Peec AI auch Funktionen rund um Markenwahrnehmung, Commerce und Handlungsempfehlungen für Marketingteams.
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KI-Song für den Kanzler: Gründer setzt Merz musikalisch unter Druck
Die Startup-Szene ist etwas frustriert von Friedrich Merz. Jetzt ließ ein Drohnen-Gründer sogar einen KI-Song für den Kanzler produzieren.
Das Verhältnis der Startup-Szene zu Friedrich Merz ist eher disharmonisch. Der Kanzler sprach vergangene Woche bei den German Startup Awards in Berlin. Die Reaktionen in der Szene: höflich, aber ernüchtert. Viele Gründer hatten sich nach dem Regierungswechsel schnelle Reformen und mehr wirtschaftlichen Aufbruch erhofft. Stattdessen wächst die Ungeduld.
Florian Seibel, der Gründer des Drohnen-Startups Quantum Systems, greift jetzt zu ungewöhnlicheren Mitteln: zum Taktstock. Er hat sich von der Agentur Stern Stewart einen Song produzieren lassen. Titel: „Imagine a Moonshot“.
Der Stil ist an Soul angelehnt. Musiker standen dafür aber nicht im Studio, sondern es kam KI zum Einsatz. Natürlich.
Den Track hat Seibel extra auf eine Schallplatte pressen lassen und wollte sie dem Kanzler bei den Awards überreichen. Ob das geklappt hat, ist nicht überliefert.
Merz ist Fan von Jazz-Trompeten
Worum es Seibel geht? Was in den Lyrics noch ein bisschen indirekt daherkommt, hat der Gründer auf Linkedin ausbuchstabiert: Es brauche eine klare Vision und schnelle Umsetzung. „Untätigkeit führt in die Katastrophe.“
Es sei „an der Zeit, Herr Merz“, schreibt Seibel. „Wir, die deutsche Wirtschaft, stehen hinter Ihnen. Jetzt liegt es an Ihnen, zu handeln. Es wird nicht einfach sein. Es wird schwer werden. Aber es lohnt sich: Gemeinsam können wir dieses Land wieder auf Kurs bringen.“
Ob die Platte dabei hilft, beim Bundeskanzler Gehör zu finden? Vielleicht hätte man dafür den Jazz-Trompeter Till Brönner ins Boot holen müssen. Den nannte Merz mal seinen Lieblingsstar und persönlichen Freund. Außerdem sei er Fan von Klassik und gehe gerne aufs Wagner-Festival in Bayreuth.
Wenn man sich einen pathetischen Soundtrack für das Drama zwischen Merz und der Gründerszene aussuchen wollte, wäre Wagner vielleicht gar nicht so schlecht.
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240 Millionen für deutsches Fusions-Startup: Europas neuer Energie-Gigant?
Focused Energy will in Deutschland das weltweit erste Laserfusionskraftwerk bauen – und wird das wohl wertvollste Fusionsunternehmen Europas.
Deutschlands nächster Energie-Gigant? Das Darmstädter Fusions-Startup Focused Energy hat 240 Millionen US-Dollar eingesammelt – und damit nach eigenen Angaben die größte Series-A-Finanzierung der globalen Fusionsbranche abgeschlossen. Hinter dem Deal stehen unter anderem RWE, SPRIND und internationale Investoren aus Europa, Asien und der Golfregion. Das erst 2021 gegründete Unternehmen steigt damit zum wertvollsten Fusionsunternehmen Europas auf.
Focused Energy entwickelt Technologien für sogenannte Laserfusion. Das ist ein Ansatz der Kernfusion, bei dem mithilfe extrem starker Laser Energie erzeugt werden soll. Das Unternehmen wurde aus dem Umfeld der TU Darmstadt heraus gegründet und plant, bis Mitte der 2030er Jahre das weltweit erste Laserfusionskraftwerk im hessischen Biblis zu bauen.
An die globale Spitze
„Die Fusionsenergie tritt damit in Deutschland und Europa in eine neue Ära ein“, sagt CEO und Mitgründer Thomas Forner. „Die erfolgreiche Finanzierungsrunde bestätigt unseren wissenschaftlich fundierten Laserfusionsansatz, der Focused Energy in nur vier Jahren vom Startup zum weltweit führenden Laserfusionsunternehmen gemacht hat.“
Das frische Kapital soll fast vollständig in den Ausbau des Standorts Biblis fließen. Dort will Focused Energy auf dem ehemaligen Gelände des RWE-Kernkraftwerks seine Anlagen entwickeln. Der Energiekonzern steigt nicht nur als Investor ein, sondern bringt auch Infrastruktur und Genehmigungsexpertise mit. „Deutschland ist gut positioniert, global eine Spitzenrolle in der Kernfusion einzunehmen“, sagt RWE-Chef Markus Krebber.
Nach Angaben des Unternehmens beschäftigt Focused Energy inzwischen mehr als 160 Wissenschaftler und Ingenieure aus über 20 Nationen. Neben Darmstadt betreibt das Startup Standorte in Berlin, Austin und San Francisco.
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