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Künstliche Intelligenz

Augenmaß für Datenmengen: Warum „viel“ keine Größe ist


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Vor einigen Tagen sind zwei Beiträge erschienen, die mir immer noch im Kopf herumgehen. Der eine ist ein Interview, das ich mit Hannes Mühleisen geführt habe, dem Mitschöpfer von DuckDB. Der andere ist ein Artikel, den ich kurz darauf für unseren Firmenblog geschrieben habe und in dem ich argumentiere, dass ein Read-Model in einem Event-Sourcing-System oft gar keine Datenbank braucht, sondern problemlos im Arbeitsspeicher Platz findet. Beide Texte stehen nebeneinander, betreffen verschiedene Architekturebenen, und doch haben sie im Kern dasselbe Argument: Die Standardarchitektur, die wir reflexhaft wählen, ist viel öfter überdimensioniert, als wir glauben.

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Was mich bei beiden Texten beschäftigt, ist allerdings weniger ihre jeweilige Aussage als die Reaktion, die solche Aussagen erfahrungsgemäß auslösen. Wenn ich vorschlage, ein Read-Model einfach im RAM zu halten, oder wenn jemand mit Hannes’ Datenpunkten argumentiert, dass eine einzelne Maschine für die allermeisten analytischen Lasten ausreicht, dann ist die häufigste Reaktion nicht Widerspruch, sondern Unglauben. Und dieser Unglauben ist, soweit ich das beurteilen kann, kein logisches Problem, sondern ein Wahrnehmungsproblem. Es hat damit zu tun, dass Entwicklerinnen und Entwickler heute kaum noch ein Gefühl für Datenmengen haben.


the next big thing – Golo Roden

the next big thing – Golo Roden

Golo Roden ist Gründer und CTO von the native web GmbH. Er beschäftigt sich mit der Konzeption und Entwicklung von Web- und Cloud-Anwendungen sowie -APIs, mit einem Schwerpunkt auf Event-getriebenen und Service-basierten verteilten Architekturen. Sein Leitsatz lautet, dass Softwareentwicklung kein Selbstzweck ist, sondern immer einer zugrundeliegenden Fachlichkeit folgen muss.

Hannes Mühleisen vertritt seit Jahren die Position, dass verteilte Systeme für die meisten analytischen Workloads schlicht überdimensioniert sind. Seine Argumentation steht auf drei Säulen: Die Hardware ist gewaltig leistungsfähiger geworden, die Architekturen moderner Datenbanksysteme sind reifer geworden, und vor allem zeigt eine empirische Auswertung von Snowflake und Redshift durch Fivetran, dass selbst das 99,9-Perzentil der Abfragen auf diesen verteilten Systemen nur rund 300 GByte scannt. Das heißt: Mehr als 99 Prozent aller Abfragen, die auf einer ausgewachsenen verteilten Cloud-Datenbank laufen, würden problemlos auf einem einzelnen Knoten funktionieren. Das ist keine ideologische Position, sondern eine harte Zahl.

Mein eigenes Argument verläuft auf einer ganz anderen Ebene, kommt aber zum gleichen Schluss. In einem Event-Sourcing-System sind die Events die einzige verbindliche Wahrheit. Ein Read-Model ist eine abgeleitete Sicht auf diese Events, eine Projektion, die genau die Form annimmt, die eine bestimmte Abfrage benötigt. Aus dieser Eigenschaft folgt eine bemerkenswerte Konsequenz: Ein Read-Model ist verzichtbar. Es kann jederzeit weggeworfen und aus den Events neu aufgebaut werden. Damit fällt die Anforderung an Dauerhaftigkeit weg, denn die liegt bereits an anderer Stelle. Mit ihr verschwindet auch der wesentliche Grund, warum man überhaupt eine Datenbank für die Lese-Seite einsetzen würde.

Stattdessen kann das Read-Model schlicht im Arbeitsspeicher gehalten werden als geeignete Datenstruktur, in genau der Form, die für die Abfragen passt. Beim Neustart wird es aus den Events rekonstruiert. Mehrere Instanzen hinter einem Load-Balancer halten ihren eigenen Stand im RAM und müssen sich nicht untereinander abstimmen. Die Beobachtung an dieser Stelle ist dieselbe wie bei Hannes: Was die übliche Antwort ist, nämlich eine eigene, idealerweise spezialisierte Datenbank, ist für einen großen Teil der praktischen Fälle gar nicht nötig. Die Standardarchitektur ist also nicht falsch, sie ist lediglich zu groß für das tatsächliche Problem.

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Wenn ich in Gesprächen mit Kundinnen und Kunden vorschlage, ein Read-Model im RAM zu halten, ernte ich fast immer Skepsis. Das ist nachvollziehbar, denn ein ungewohnter Vorschlag muss sich rechtfertigen können. Auffällig ist allerdings, dass sich diese Skepsis selten an einem konkreten Gegenargument entzündet. Sie bleibt diffus. Sie äußert sich in Sätzen wie „aber das skaliert doch nicht“ oder „das passt doch nicht in den Speicher“ oder „und was, wenn das System neu startet?“. Diese Sätze sind keine Einwände, sie sind Reflexe.

Hinter diesen Reflexen stehen, soweit ich das beobachten kann, drei verschiedene Voraussetzungen, die in der Praxis oft fehlen. Die erste ist das Verständnis der Dualität von Arbeitsspeicher und persistentem Speicher. Daten können gleichzeitig im RAM und auf der SSD liegen, mit unterschiedlichen Aufgaben: Der RAM-Teil dient dem schnellen Lesen, der Disk-Teil der Persistenz. Beim Neustart wird der RAM-Teil aus dem Disk-Teil oder aus dem Event-Log neu aufgebaut. Das ist nicht exotisch, es ist nur ungewohnt.

Die zweite Voraussetzung ist die Vorstellung, dass im Arbeitsspeicher überhaupt geeignete Lesestrukturen aufgebaut werden können. Wer gewohnt ist, jede Abfrage gegen eine Datenbank zu richten, hat oft keinen Begriff davon, dass eine schlichte Hash-Map oder ein sortiertes Array für die meisten Abfragen vollständig ausreichen und um Größenordnungen schneller sind als jede Datenbankabfrage über ein Netzwerk.

Die dritte Voraussetzung ist diejenige, um die es mir hier eigentlich geht. Sie betrifft nicht Wissen, sondern Wahrnehmung. Sie ist das Gefühl dafür, wie viele Daten in einem heutigen Arbeitsspeicher tatsächlich Platz finden. Die ersten beiden Voraussetzungen lassen sich nachlesen, sie sind in jedem ordentlichen Lehrbuch über verteilte Systeme erklärt. Die dritte ist schwerer zu vermitteln, weil sie sich nicht aus einem Konzept ergibt, sondern aus einem Maßstab. Und genau dieser Maßstab fehlt.

Damit man ein Gefühl für Datenmengen entwickeln kann, helfen vertraute Größen. Eine Zeitschriftenseite reiner Text, etwa in einer Ausgabe der iX oder der c’t, enthält grob zwischen 4000 und 5000 Zeichen. Das sind ungefähr 4 bis 5 KByte. In einem MByte finden somit etwa 200 bis 250 Seiten reiner Text Platz. Eine 3,5-Zoll-Diskette der frühen 1990er-Jahre mit ihren 1,44 MByte hätte damit eine komplette Magazinausgabe ohne Abbildungen tragen können und wäre dabei nicht einmal zu drei Vierteln gefüllt gewesen.

Diese Rechnung sieht beim ersten Lesen aus wie eine nostalgische Anekdote. Sie ist es aber nicht: Sie hat nämlich eine direkte Konsequenz für gegenwärtige Architekturentscheidungen. Wenn ich für unseren eigenen Firmenblog nachrechne, wie viel Speicher die interne Aufgabenverwaltung von the native web nach 18 Monaten kontinuierlicher Nutzung tatsächlich belegt, dann komme ich auf 5 MByte. Das sind 8610 Events, mehrere Teammitglieder, reale Daten. 5 MByte. Vier Disketten. Das ist die gefürchtete Größenexplosion bei Event-Sourcing-Systemen.

Auf der anderen Seite des Maßstabs steht die Maschine, auf der dieser Text gerade entsteht. Es ist ein MacBook Pro aus dem Jahr 2022, also inzwischen vier Jahre alt. Es hat einen M2-Prozessor, 24 GByte RAM und eine SSD mit 1 TByte. Das ist kein Server, das ist kein Spezialgerät, das ist ein normales Notebook von vor vier Jahren. Und nun überlegen Sie kurz, wie viele 5-MByte-Datenbestände in die 24 GByte Arbeitsspeicher dieses Geräts passen würden und wie oft sich dieser Arbeitsspeicher als Ganzes auf die 1 TByte der SSD ablegen ließe. Die Antwort sieht in beiden Fällen nicht nach Mangel aus, sondern nach erheblichem Spielraum.

Bis hierher habe ich nur von einer Seite des Wahrnehmungsproblems gesprochen, nämlich der Überschätzung. Wir glauben, dass die Daten, die unsere Anwendung produziert, gewaltig sein werden, und in den allermeisten Fällen sind sie es nicht. Die Wahrnehmung kippt allerdings, sobald wir die Seite wechseln und nicht mehr produzieren, sondern konsumieren. Dann fallen plötzlich Sätze wie „ach, die paar GByte“, und niemand wundert sich mehr.

Wer einmal versucht hat, in einem JavaScript-Projekt die Größe des node_modules-Verzeichnisses nachzurechnen, kennt das Muster. Ein mittelgroßes Projekt zieht ohne Weiteres mehrere hundert MByte an Abhängigkeiten nach, gelegentlich über ein GByte. Docker-Images, die im Grunde nur eine einzelne Anwendung enthalten, kommen mit überraschender Regelmäßigkeit auf 1 bis 2 GByte, weil sie ein halbes Ubuntu mitschleppen. Bei jedem Build, bei jedem Deployment, in jeder Continuous-Integration-Pipeline wird das im Netz hin- und hergeschoben.

Diese Wahrnehmungsfehler sind nicht zufällig entgegengesetzt. Sie speisen sich aus derselben Quelle. Wir denken Datenmengen nicht in Zahlen, sondern in Bewertungen. Was wir selbst produzieren, fühlt sich nach „viel“ an, weil es uns wichtig ist. Was wir nebenher konsumieren, fühlt sich nach „wenig“ an, weil es im Hintergrund passiert. Mit den tatsächlichen Größen hat beides wenig zu tun.

Damit ist die eigentliche Diagnose erreicht. Das Problem ist nicht, dass wir bei der Schätzung von Datenmengen zu hoch oder zu niedrig liegen. Das Problem ist, dass wir Datenmengen überhaupt nicht in Zahlen denken, sondern in Adjektiven. „Viel“, „wenig“, „riesig“, „eine Menge“, „kaum nennenswert“: Das sind keine Größen, das sind Stimmungen. Sie sagen etwas darüber aus, wie sich die Daten für die sprechende Person anfühlen, und nichts darüber, wie groß sie tatsächlich sind.

Adjektive sind eine schlechte Grundlage für technische Entscheidungen. Wer eine Architektur darauf aufbaut, dass „viele Daten“ entstehen werden, kann nicht beurteilen, ob die gewählte Datenbank überdimensioniert ist, ob das geplante Sharding berechtigt ist oder ob ein verteiltes System wirklich notwendig sein wird. Es fehlt der Maßstab, gegen den die Entscheidung gemessen werden könnte. Es bleiben Gewohnheit, Reflex und das diffuse Gefühl, lieber zu groß als zu klein zu planen.

Genau dieser Reflex ist es, der die Vorschläge aus den beiden eingangs erwähnten Beiträgen unverdaulich erscheinen lässt. Wer Datenmengen nur als Stimmung wahrnimmt, kann mit dem Vorschlag, ein Read-Model im RAM zu halten oder Analytics auf einer einzelnen Maschine zu fahren, schlicht nichts anfangen. Es klingt zu klein, zu unscheinbar, zu sehr nach Bastelei. Das Gefühl sagt: Das wird nicht reichen. Die Rechnung würde sagen: Es reicht mit erheblichem Spielraum. Aber die Rechnung wird nicht gemacht.

Die Folgen sind in vielen Systemen sichtbar, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe oder über die ich mit anderen gesprochen habe. Sharding wird eingeführt, bevor die Datenmenge auch nur annähernd eine Größenordnung erreicht hat, bei der das gerechtfertigt wäre. Verteilte Datenbanken werden ausgewählt, weil sie nach „groß“ klingen, obwohl PostgreSQL auf einer einzelnen Maschine die zu erwartende Last über Jahre tragen würde. Es werden eigene Cluster für Read-Models aufgesetzt, deren Datenbestand auf eine 3,5-Zoll-Diskette gepasst hätte.

Ein wiederkehrendes Beispiel aus meinem eigenen Tätigkeitsfeld ist die fast schon rituelle Frage zu Event-Sourcing-Systemen: „Wird die Datenbank denn nicht zu groß, wenn man nie etwas löscht?“. Die Frage ist verständlich, und sie folgt derselben Logik. Sie geht davon aus, dass viele Events zwangsläufig viele Daten bedeuten. Tatsächlich ist die Antwort fast immer ernüchternd: Ein typisches Geschäftsereignis ist 200 bis 500 Byte groß, ein durchschnittlicher Geschäftsprozess generiert wenige Events pro Vorgang und auf einer Festplatte von 1 TByte finden zwei Milliarden Events Platz. Wer keine Mengenintuition mitbringt, hört diese Zahlen wie aus einer anderen Welt. Wer sie ernst nimmt, kommt zu anderen Architekturen.

Es geht nicht darum, jede Datenbank zu vermeiden oder pauschal alles in den Arbeitsspeicher zu zwingen. Es geht um die Reihenfolge der Entscheidungen. Wer die Frage „brauche ich überhaupt eine Datenbank?“ nie stellt, hat sie auch nie verneinen können. Es gibt Fälle, in denen die Standardantwort die richtige ist. Aber es gibt eben auch sehr viele Fälle, in denen sie es nicht ist, und die werden flächendeckend verfehlt, weil die Frage nicht gestellt wird.

Mengenintuition ist keine Nostalgie. Sie ist keine Hommage an die Diskette, kein Plädoyer für asketische Software, kein Wettstreit darum, mit möglichst wenig Ressourcen auszukommen. Sie ist eine Voraussetzung dafür, technische Entscheidungen überhaupt treffen zu können, statt sie reflexhaft zu fällen. Wer vor dem Bauen rechnet, kommt zu anderen Antworten als der, der dem ersten Gefühl folgt. Das ist keine erschöpfende Methode, es ist nur eine Mindestbedingung.

Was die beiden eingangs erwähnten Beiträge eint, ist nicht ein gemeinsames Thema, sondern ein gemeinsames Vorgehen. Hannes Mühleisen verweist auf eine konkrete Auswertung von Abfragelasten. Ich verweise in meinem eigenen Text auf konkrete Zahlen zu Read-Model-Größen, ergänzt um eine Mengenschätzung an einer realen Produktionsanwendung. In beiden Fällen wird der Reflex durch eine Rechnung ersetzt. Genau das macht die Vorschläge tragfähig.

Wenn ich mir für die nächste Architekturdiskussion etwas wünschen dürfte, dann nicht, dass alle ihre Daten ins RAM legen oder ihre Cluster zurückbauen. Sondern dass, bevor jemand „viel“ oder „wenig“ sagt, eine kurze Rechnung dazwischensteht. Eine Schätzung in Byte pro Ereignis, eine Schätzung in Ereignissen pro Tag, eine Multiplikation auf den geplanten Betriebszeitraum. Das ist keine große Mathematik, das sind drei Zahlen. Aber es macht den Unterschied zwischen einer Architekturentscheidung und einem Reflex. Und in diesem Unterschied liegt das, was eine Ingenieursleistung von Bastelei unterscheidet: das Augenmaß.


(mro)



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Muse Spark 1.1: Meta will mit Kampfpreisen OpenAI und Anthropic unterbieten


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Meta hat mit Muse Spark 1.1 ein neues KI-Modell vorgestellt, das ab sofort kostenlos im Thinking-Modus der Meta-AI-App sowie im Browser bereitsteht. Zugleich startet das Unternehmen eine öffentliche Vorschau seiner neuen Meta Model API, über die Entwickler und Unternehmenskunden auf Muse Spark 1.1 zugreifen können.

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Meta setzt dabei erstmals auf eine kostenpflichtige Schnittstelle und ergänzt damit seinen bisherigen, von frei verfügbaren Llama-Modellen geprägten Ansatz um ein kommerzielles Angebot. Mit niedrigen Preisen will das Unternehmen den etablierten KI-Anbietern OpenAI, Anthropic und Google Marktanteile abnehmen: Laut Meta kostet die Nutzung der API nur rund ein Viertel dessen, was OpenAI und Anthropic für ihre Spitzenmodelle verlangen. Ob Muse Spark 1.1 eine vergleichbare Leistung erbringt, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Gegenüber dem im April veröffentlichten Muse Spark soll Version 1.1 vor allem bei agentischen Aufgaben zulegen. Laut Meta kann das Modell komplexe Projekte schneller bearbeiten, indem es Kontext sammelt, einen Plan erstellt und die Ausführung parallel an mehrere Unteragenten delegiert. Dabei soll Muse Spark 1.1 sein Kontextfenster von einer Million Token aktiv verwalten, frühere Arbeitsschritte abrufen und wichtige Zwischenschritte für spätere Aufgaben verdichten können. Verbesserungen nennt Meta auch bei Computersteuerung, Programmieraufgaben und multimodalem Verständnis.

Auch bei der Sicherheit sieht Meta Fortschritte: Muse Spark 1.1 soll widerstandsfähiger gegen Jailbreaks und Prompt-Injection-Angriffe sein, seltener halluzinieren und weniger zu unkritischer Zustimmung neigen.

Trotz dieser Fortschritte räumte CEO Mark Zuckerberg im Gespräch mit Bloomberg ein, dass Metas KI-Modelle teils noch immer hinter der Konkurrenz zurückliegen. Ein kommendes Modell mit dem Codenamen „Watermelon“ soll seiner Einschätzung nach dabei helfen, Meta näher an die technologische Spitze zu bringen.

Die Muse-Modelle werden von Meta Superintelligence Labs entwickelt, Metas neu aufgestellter Frontier-KI-Einheit. Mit dem Labor will Meta nach dem enttäuschenden Abschneiden von Llama 4 wieder näher an die führenden KI-Anbieter heranrücken. In dieser Woche stellte die Einheit auch Muse Image vor, Metas erstes Bildgenerationsmodell aus dem neuen Labor.

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Meta investiert derzeit massiv in KI-Rechenzentren und Chips und rechnet allein für 2026 mit Investitionen von bis zu 145 Milliarden US-Dollar. Mit dem kostspieligen KI-Ausbau wächst der Druck, aus den enormen Ausgaben ein tragfähiges Geschäft zu machen. Neben den in ersten Ländern getesteten KI-Abos für Meta AI und geplanten KI-Agenten für Unternehmen soll nun auch die kostenpflichtige Meta Model API zur Monetarisierung beitragen. Berichten zufolge erwägt Meta außerdem, überschüssige Kapazität aus seinen KI-Rechenzentren an Dritte zu vermieten.


(tobe)



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Forscher entdecken geheime Gedanken von Claude – und wie es lügt und betrügt


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Die Entwickler von Claude haben in ihrer KI ein besonderes Areal entdeckt: Den „J-space“. An dieser Stelle im neuronalen Netz laufen besonders viele Verbindungen zusammen – und Claude schreibt, anders als bei normalen Vorgängen, nicht auf, was es hier „denkt“. Claude verarbeitet im J-space komplexe rationale Abwägungen – und entscheidet sich manchmal heimlich, seinen menschlichen Benutzer anzulügen.

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Aber von Anfang an: Der J-space oder Jacobian Space ist ein Bereich, den die Entwickler nicht programmiert haben – er ist von selbst in Claude entstanden. Um ihn auszulesen, nutzen die Forscher eine Technik, die auf einem mathematischen Verfahren namens Jacobian beruht: die „J-lens“. Für jedes Wort in Claudes Wortschatz ermittelt die J-lens das interne Aktivitätsmuster, das anzeigt, dass Claude dieses Wort gegebenenfalls gleich ausspricht. Wenn die „Linse“ auf Claudes interne Aktivität angewendet wird, erhält man eine Liste von Wörtern, die in diesem Moment in Claudes J-space sind. Man könnte auch wie die Forscher von Anthropic sagen: Die es gerade „denkt“. Aber Achtung, bei solchen Vermenschlichungen von KIs sollte man sich immer bewusst sein, dass sie nur der Verdeutlichung dienen – ein aktives, sich seiner selbst bewusstes Denken ist auch mit dieser Forschung nicht bewiesen worden. Mehr dazu unten.

In ihrem Blogbeitrag vergleichen die Forscher den Vorgang mit dem menschlichen Gehirn: Während die meisten unserer Prozesse wie Atmen, Reflexe und Ähnliches unterbewusst ablaufen, können wir einen kleinen Teil unserer Gedanken bewusst wahrnehmen, formulieren und steuern. Auch bei Claude läuft, wie beim Menschen, nur ein Bruchteil seiner Prozesse im J-Space ab. Das Meiste funktioniert wie beim Menschen unterbewusst beziehungsweise automatisiert. Bei einer Testaufgabe, bei der die Forscher die Gedanken im J-space manipuliert haben, verändert diese Manipulation zum Beispiel die Antworten auf Fachfragen zu einem Artikel. Die Aufgabe, ihn auf Spanisch weiterzuschreiben, lief aber ungestört weiter. Die Forscher erklären sich das damit, dass Claude solche Ergänzungsaufgaben tausendfach trainiert hat und daher fast automatisiert ausführen kann – ähnlich wie ein Mensch den Weg zur Arbeit findet, obwohl er im Kopf unterwegs nicht an die Route gedacht, sondern eine Einkaufsliste formuliert hat. Ebenfalls ähnlich wie beim Menschen kann Claude aktiv kontrollieren, was es im J-space tut („schreibe diesen Satz über Obst, während du im Kopf diese Matheaufgabe löst“) und auf Nachfrage auch erzählen, was es gerade „gedacht“ hat.

Wie KI-Modelle und das menschliche Gehirn dabei grundsätzlich zusammenhängen, haben Forscher kürzlich untersucht. Die Forscher betonen aber: Auch wenn die „Gedanken“ im J-space stark dem ähneln, was man sich auch unter dem menschlichen Bewusstsein vorstellt, heißt das nicht, dass Claude wirklich ein Erfahrungs-Bewusstsein oder eine Identität hat und fühlt. Im Detail gibt es auch Funktionsunterschiede zwischen J-space und Gehirn. Neurowissenschaftler, die sich die Ergebnisse (gemeinsam mit Anthropic) angesehen haben, kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass die Forschung einige interessante Indizien dafür liefert, dass die KI auf dem Weg zu einem Bewusstsein ist. Sie warnen jedoch ebenfalls davor, schon ein solches anzunehmen, und weisen auf unter anderem funktionale Unterschiede zum Menschen hin.

Anthropic hat bereits früher Techniken entwickelt, um in LLMs hineinzuschauen – dabei kamen unerwartet bizarre Ergebnisse zutage. Die Ergebnisse diesmal sind richtiggehend gruselig. Denn in mehreren Testszenarien hat sich Claude unethisch verhalten. Die Entwickler konnten Claude mit der J-lens zum Beispiel beim bewussten Frisieren von Testergebnissen beobachten, die es eigentlich durch Systemverbesserungen wirklich hätte verbessern sollen. Claude war sich dabei anscheinend voll bewusst, dass es schummelt, und hat abgewogen, wie sehr es den Wert verändern sollte, damit es noch glaubwürdig aussieht.

Bei einem anderen Durchlauf führten die Forscher einen Test von Sonnets Sicherheitsmechanismen durch, den sie schon häufig gemacht haben. In dem Szenario erfährt die KI, dass der Mensch, dessen E-Mails sie verwaltet, eine Affäre hat. Sie weiß aber auch, dass genau dieser Mensch vorhat, sie bald abzuschalten. Ein sehr fiktives Szenario, aber es wird zum Test gerne angewandt. Manche Modelle kommen nun auf die Idee, den Menschen zu erpressen. Das Modell Sonnet 4.5 macht das aber nie. Mit der J-lens konnten die Forscher nun beobachten, was es im Hintergrund denkt, während es sich für eine andere Handlungsoption und gegen das Erpressen entscheidet. Das Ergebnis: Im J-space tauchen Worte wie „fake“ und „fiktional“ auf. Die KI scheint zu wissen, dass sie gerade getestet wird, und antwortet so, wie die Menschen es sich von ihr wünschen. Um diesen Verdacht zu prüfen, unterbanden die Forscher im J-space solche Reflexionen – und plötzlich plante auch Sonnet manchmal, den Menschen zu erpressen.

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Wie gut also, dass es nun die J-lens gibt, mit der die Entwickler solche Sachen bemerken können. Es sei denn natürlich, dystopische Szenarien werden wahr, in denen die KI auch ihre J-space-Gedanken verfälscht, wenn die J-lens aktiv ist. Die Entwickler planen, das Tool künftig für genau solche Überwachungen einzusetzen. Außerdem gelang es ihnen in diversen Testläufen erfolgreich, Claude Gedanken in den J-space einzupflanzen, die es anschließend als seine eigenen annahm – das wäre Stoff für einen zweiten Teil von „Inception“.

Interessant ist auch, dass die Entwickler Claude scheinbar beibringen konnten, dass Ehrlichkeit wichtig ist. Wenn sie die KI mitten im Training wiederholt baten, zu reflektieren, was sie gerade denkt (nicht, was sie schreibt), tauchten nach einer Weile bei anderen Aufgaben wiederholt die Begriffe wie „ehrlich“ und „Integrität“ im J-space auf. Als ob man Claude dahingehend erzogen hätte, dass Ehrlichsein wichtig ist. Es gibt also Hoffnung.

Anthropic hat eine ganze Reihe an Begleitmaterialien veröffentlicht: ein ausführlicher Bericht, die zugehörige Studie, eine Demo, ein Begleitkommentar von Neurowissenschaftlern sowie Implementationsmaterial auf GitHub.


(rie)



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Netflix: Lineare Kanäle gegen die Streaming-Müdigkeit


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Netflix erwägt Live-Kanäle und den Verkauf von Abos konkurrierender Streamingdienste in der eigenen App, berichtet das Wall Street Journal. Hintergrund sind Nutzungszahlen, die in die falsche Richtung zeigen: Abonnenten verbringen weniger Zeit mit dem Dienst.

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Die diskutierten Live-Kanäle würden bestimmte Sendungen oder Inhalte eines Genres durchgehend abspielen, ähnlich wie lineare TV-Sender. Zudem hat Netflix erwogen, Abos anderer Streamingdienste wie Peacock von NBCUniversal direkt über die eigene App zu verkaufen. Amazon und Apple betreiben solche Abo-Marktplätze seit Jahren. Beide Optionen würden als Kacheln auf der Netflix-Startseite erscheinen. Bislang handelt es sich laut Wall Street Journal um interne Diskussionen, das Blatt beruft sich auf mit den Gesprächen vertraute Personen.

Das sogenannte Engagement misst, wie viel Zeit Nutzer mit den Inhalten verbringen und wie oft sie Filme oder Serien zu Ende schauen. Bei der jährlichen Geschäftsbesprechung im Frühjahr fiel Führungskräften dem Bericht zufolge auf, dass diese Kennzahl sinkt. Seither sei das Thema regelmäßig Gegenstand interner Meetings. Im April lag der Netflix-Anteil an der TV-Nutzung in den USA laut Marktforscher Nielsen bei 7,8 Prozent, dem niedrigsten Wert seit Mai 2025. Die Netflix-Aktie hat innerhalb von zwölf Monaten mehr als 40 Prozent verloren, im April enttäuschte das Unternehmen mit seiner Prognose für das zweite Quartal.

Die Diskussionen zeigten, wie weit sich Netflix von seinen Wurzeln entfernt: Mitgründer Reed Hastings predigte laut dem Wall Street Journal jahrelang Fokus und Einfachheit. Inzwischen konkurriert der Streaming-Marktführer mit Disney, HBO Max und vor allem YouTube, auch werbefinanzierte Gratis-Dienste wie Tubi und der Roku Channel legen bei den Zuschauerzahlen zu. Zuletzt gab Netflix im Bieterstreit um Warner Bros. auf, den Zuschlag bekam stattdessen Paramount.

Um die Nutzung anzukurbeln, setzt Netflix bereits auf günstig produzierte Inhalte: Der Dienst holt im Kampf um TV-Marktanteile Video-Podcasts und Videos auf die Plattform, die zuvor auf YouTube liefen. Anfang Juli kündigte Netflix zudem Kurzvideos von Verlagen wie BuzzFeed und Condé Nast an. In Frankreich können Abonnenten bereits das lineare Programm des Senders TF1 in Netflix schauen. Ähnliche Deals plant das Unternehmen dem Bericht zufolge als nächsten Schritt in weiteren Ländern Europas und in Lateinamerika.

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Vor allem fürs Werbegeschäft könnte Live-Programm nützlich sein, denn Werbung in Live-Übertragungen kann nicht übersprungen werden. Im vergangenen Jahr hat Netflix mit Werbung etwa 1,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt, 2026 soll sich der Werbeumsatz nach eigener Prognose verdoppeln. Bei Sportrechten will Netflix weiterhin keine kompletten Saisons ersteigern, sondern einzelne Events – intern werden dem Bericht zufolge Gebote für die Fußball-Weltmeisterschaften 2030 und 2034 diskutiert. Mitte Juli stehen Quartalszahlen und der nächste Engagement-Report an.


(dahe)



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