Künstliche Intelligenz
Austausch und 3D-Videokonferenzen: Google eröffnet AI Center in Berlin
Im AI Center sollen Wissenschaft, Wirtschaft, Startups und Google zusammenkommen. Dafür hat Google Teile des Berliner Bürogebäudes umgebaut. Zur Eröffnung kommen Digitalminister Karsten Wildberger, Berlins Bürgermeister Kai Wegner und natürlich Google-Vertreter für den deutschsprachigen Raum. Aber auch Jakob Uszkoreit, ein Google-Forscher, ist dabei. Er hat an dem bekannten Transformer-Paper mitgearbeitet, das als Basis der derzeitigen generativen KI-Anwendungen gilt. Außerdem zeigt Google erstmals in Deutschland das Project Beam – eine Videokonferenzsoftware mit Wow-Effekt.
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Um das Projekt vorzustellen, ist extra ein US-Team samt großer Ausstattung angereist. Beam steht für – das kann man getrost so sagen – in die Zukunft beamen. Zwei Kabinen stehen bereit, jeweils mit einem großen Bildschirm ausgestattet. Im Rahmen stecken sechs Kameras. Die nehmen Bilder auf, die wiederum mittels KI zu einem 3D-Bild zusammengefügt werden, das auf dem jeweils anderen Bildschirm gezeigt wird. Oder einfacher gesagt: Statt 2D-Videokonferenz kann man sich jetzt in 3D vermeintlich einen Apfel in die Hand drücken und High-Five mit dem Gegenüber machen.

Project Beam ausprobiert.
(Bild: Jan-Keno Janssen / heise Medien)
Das wirkt surreal und echt zugleich. Beim Abklatschen wird die Hand des Gesprächspartners bei virtueller Berührung blau. Und obwohl die eigene Hand im luftleeren Raum steht, hat man das Gefühl, als habe die Berührung gerade gebritzelt. Die Wand oder ein eingeblendeter Hintergrund erscheinen mit deutlich mehr Tiefe als der Kopf des Gegenübers. Die Konturen, auch die Haare, sind sehr klar abgegrenzt – anders, als man es aus manch anderer Videokonferenz kennt, bei der Haare und eingeblendeter Hintergrund gerne mal flackern.
Diese Videokonferenz-Zukunft kostet allerdings auch satte 25.000 Euro pro Kabine samt Bildschirm und Kamerasystem. Da man mindestens zwei benötigt, macht das also direkt 50.000 Euro. Und mehr als drei Personen können nicht teilnehmen. Kunden wird es sicherlich dennoch einige geben. Google bringt Project Beam noch in diesem Jahr nach Deutschland.
AI Center für Kooperationen und Events
Die Teststation wird allerdings demnächst wieder abgebaut. Das gilt auch für einige der KI-Mitmachstationen, die zur Eröffnung des AI Centers aufgebaut wurden. Otto zeigt, wie Gemini in der App bei der Kaufentscheidung helfen kann – mittels Text oder Sprache kann man den Assistenten nach passenden Produkten fragen. Die Feuerwehr Düsseldorf hat mit Google zusammen Standorte und Fahrtwege berechnet, um ideal reagieren zu können. Es gibt Google-Spielkram wie Photoboxen oder Rätsel zu gefälschten Bildern.

Gemini macht dank Nano Banana eine Actionfigur aus mir.
(Bild: KI-generiert von Google)
Die Technische Universität München und das Helmholtz-Institut präsentieren AlphaFold. Das ist ein maßgeblich von Googles DeepMind entwickeltes neuronales Netz aus Transformern, das Proteinstrukturen erkennen kann. Dafür gab es den Nobelpreis in Chemie 2024.
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Google möchte in seinem neuen AI Center noch viel mehr solch praktischer und Preis-trächtiger Zusammenarbeiten beginnen. Berlins Bürgermeister, Kai Wegner, ist da um zu betonen, dass er Berlin zum „Startup-Standort Nummer eins in Europa“ machen wolle. Google sei ein wichtiger Partner. Für Besuche und Veranstaltungen im AI Center wird eine Webseite eingerichtet.
Karsten Wildberger spricht ebenfalls über die nötige Innovationskraft. Dabei verliert er die Regulierung nicht ganz aus den Augen. Sie sei allerdings „zu komplex“. Zwar solle Sicherheit immer Vorrang haben. Manche Probleme zeigten sich aber erst im Nutzungsverhalten. Es bedürfe neuer Mechanismen, um darauf zu reagieren.

AI Forum zur Eröffnung des AI Centers.
(Bild: Eva-Maria Weiß / heise Medien)
Das ist auch der Tenor eines Panels mit Wissenschaftlern. Einer ersten Diskussion im AI Center, der noch viele ähnliche folgen sollen. Alle sind sich einig, dass KI die Wissenschaft voranbringen werde. Aber: Auch hier gelte es neue Wege zu finden, wie man mit Ergebnissen umgeht. Wissenschaft hinterfrage grundsätzlich, sagt Alena Buyx von der TUM, das sei in der Gesellschaft oft anders. Sie vergleicht KI mit Operationen. Früher habe man Menschen immer aufschneiden müssen. Dann kamen nicht-invasive Verfahren. Weil die aber manchmal doch nicht ausreichen, müssen alle Operateure noch immer wissen, wie man einen Menschen aufschneidet – im Zweifel sogar sehr schnell.
(emw)
Künstliche Intelligenz
Skynet-Szenario: Anthropic warnt vor KI, die sich selbst entwickelt
KI-Schmiede Anthropic hat sich für eine weltweite Verlangsamung der Forschung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz eingesetzt. „Wir glauben, es wäre gut für die Welt, die Möglichkeit zu haben, die Entwicklung von Frontier AI zu verlangsamen oder vorübergehend auszusetzen, damit gesellschaftliche Strukturen und die Forschung zur Ausrichtung mit dem technologischen Fortschritt Schritt halten können“, erklärten Anthropic-Mitgründer Jack Clark und Anthropic-Forscherin Marina Favaro in einem Blogbeitrag.
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Dafür bräuchte es aber laut dem Autorenteam einen globalen Koordinierungsmechanismus, der eine glaubhafte Verlangsamung unter Staaten und Unternehmen sicherstellen könne. Ansonsten könnten weniger umsichtige Akteure ein solches Moratorium einfach zur technologischen Aufholjagd nutzen oder um sich einen Vorsprung zu sichern.
Warnung vor Skynet
Anthropic begründet den Vorschlag mit den zunehmenden Fortschritten bei KI-Modellen und skizziert das Szenario, dass Menschen in deren Entwicklung immer weniger Anteil haben. Die KI werde möglicherweise irgendwann eigenständig neue KI-Modelle entwickeln können. Anthropic bezeichnet das als „rekursive Selbstoptimierung“. Eine solche KI, die sich selbst entwickelt, könne einen bedeutenden technologischen Fortschritt darstellen, berge aber auch die Gefahr, dass die Menschheit die Kontrolle verlöre.
Mit Zahlen aus dem eigenen Unternehmen will Anthropic Anzeichen für einen solchen Trend untermauern. Stand Mai 2026 stammten demnach 80 Prozent des Codes, den Anthropic in seine Codebasis einpflegt, vom Modell Claude. Im Februar 2025 habe dieser Anteil noch im niedrigen einstelligen Bereich gelegen. Die Entwickler bei Anthropic lieferten dank KI inzwischen pro Quartal im Schnitt achtmal so viel Code aus wie im Zeitraum von 2021 bis 2025.
Ein Flaschenhals namens Mensch
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Doch auch qualitativ beschleunige die KI, behauptet Anthropic: Die Häufigkeit, mit der Mitarbeiter Aufgaben von Claude korrigieren oder dabei selber Hand anlegen müssten, sei stetig gesunken – auch bei offen gestellten Aufgaben ohne klare Spezifikationen. Viele Anthropic-Mitarbeiter seien der Meinung, dass der von Claude geschriebene Code Ende 2025 qualitativ noch schlechter war als der von Menschen verfasste, inzwischen aber auf gleicher Höhe. „Wir erwarten, dass er im Laufe des Jahres besser sein wird“, schreiben Clark und Favaro.
Und fügen hinzu: „Sobald die Qualität von Code, der von Menschen und von KI geschrieben wurde, gleichauf ist, werden Menschen gar keinen Code mehr schreiben, sondern sich ausschließlich auf dessen Überprüfung konzentrieren. Wenn sie den Code jedoch nicht so schnell überprüfen können, wie Claude ihn generieren kann, wird die Überprüfung durch Menschen zum Engpass in der KI-Entwicklung.“ Allerdings gestehen sie ein, dass die KI ohne menschliche Urteils- und Entscheidungskraft bislang eher ein fähiger Helfer sei. Es bleibe unklar, ob die heutigen Trainingsmethoden und Architekturen dieses menschliche Potenzial erreichen können.
Warum kurz vor dem Börsengang?
Der Zeitpunkt für Anthropics Forderung nach einem Moratorium irritiert. Das Unternehmen gilt als einer der global führenden Anbieter und hat erst am Montag mitgeteilt, bei der US-Finanzaufsichtsbehörde SEC vertraulich den Börsengang beantragt zu haben. Damit hat das Unternehmen gegenüber dem ebenfalls an die Börse drängenden Erzrivalen OpenAI die Nase vorn.
Andererseits passen solche Initiativen aber auch gut in das selber gepflegte Image des besonders verantwortungsbewussten Anbieters. Ebenso ist die Betonung der Gefährlichkeit der eigenen Technologie ein offenkundig aufmerksamkeitsstarker Teil der Produktkommunikation. Bei der Vorstellung von Claude Mythos etwa hatte Anthropic den Zugriff auf das Modell zunächst auf einen kleinen Kreis von US-Unternehmen und -Behörden beschränkt. Mythos sei einfach zu gut darin, Sicherheitslücken aufzuspüren, und könne deshalb noch nicht allgemein verfügbar gemacht werden, erklärte das Unternehmen. Inzwischen dürfen auch Institutionen aus Europa darauf zugreifen, Ende Juni will Anthropic einen Bericht über die mit Mythos entdeckten Lücken vorlegen.
Generell greift die KI-Branche in ihrer Kommunikation gern zu Superlativen, die im Nachhinein mitunter auch zurückgenommen werden. So revidierte etwa kürzlich OpenAI-Chef Sam Altman seine Prognose, dass KI auf breiter Front Menschen ersetzen und zu Massenentlassungen führen werde. Altman sagte, dass er die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt doch überschätzt habe.
Offener Brief ohne Wirkung
Dass Anthropic in einem derart umkämpften und hochdynamischen Markt wie dem der KI-Modelle eine Bremsung erreicht, ist eher unwahrscheinlich. Es wäre auch nicht die erste Forderung dieser Art, die verpufft. Im März 2023 machte sich etwa ein offener Brief für eine Zwangspause bei der Entwicklung der mächtigsten KI-Modelle stark und warnte vor gravierenden Konsequenzen der Technologie für die Menschheit. Über 1000 Personen aus Forschung und Wirtschaft hatten unterzeichnet, darunter auch Tech-Prominenz wie Elon Musk und Steve Wozniak. Großen Einfluss auf die KI-Entwicklung der folgenden Jahre hatte der Brief offenkundig nicht.
Anthropic will jedenfalls in den kommenden Monaten Gesprächsrunden mit Vertretern aus Politik, Forschung, Zivilgesellschaft und von KI-Unternehmen organisieren, um die im Blogbeitrag aufgeworfenen Fragen zu diskutieren. Ebenfalls wolle das Unternehmen Forschung vorantreiben für mögliche Sicherungssysteme einer globalen KI-Bremse. „Wenn solche Systeme existierten, würden wir voraussichtlich verlangsamen oder vorübergehend pausieren“, heißt es im Blogbeitrag – aber auch nur dann, wenn andere Entwickler auf dem technologischen Stand es ebenfalls auf überprüfbare Weise täten.
(axk)
Künstliche Intelligenz
Ifo: Über die Hälfte der deutschen Unternehmen nutzt KI
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz verbreitet sich in der deutschen Wirtschaft in schnellem Tempo. Nach einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts nutzen mittlerweile 54,4 Prozent der Unternehmen KI-Software – vor einem Jahr lag der Anteil erst bei knapp 41 Prozent. „Die Dynamik bei der Einführung ist hoch“, sagte Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe.
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Deutlich wird in der Umfrage aber auch, dass Konzerne schneller bei der KI-Einführung sind als der Mittelstand: Laut Ifo setzen mittlerweile mehr als zwei Drittel (67,2 Prozent) der Großunternehmen KI ein, aber nur gut 47 Prozent der mittleren und 51,2 Prozent der kleinen Firmen.
Besonders häufig genutzt wird KI demnach unter anderem in Verwaltung, Datenanalyse, beim Programmieren, im Schriftverkehr und bei der Informationssuche. Viele Unternehmen verwenden KI darüber hinaus auch für Aufgaben in Planung, Controlling oder der Kommunikation mit den Kunden. „Besonders bei Routineaufgaben und der Verarbeitung großer Informationsmengen eröffnet KI neue Möglichkeiten“, sagte Wohlrabe. Besonders weit verbreitet ist KI laut Ifo mittlerweile in der Industrie mit einem Anteil von 58,7 Prozent. Das Ifo-Institut befragt im Rahmen seiner Konjunkturerhebungen monatlich mehrere tausend Unternehmen.
(mho)
Künstliche Intelligenz
Staatspräsident Milei will Argentinien zum Zentrum der KI-Branche machen
Argentiniens ultraliberaler Präsident Javier Milei will das südamerikanische Land zum Zentrum der KI-Industrie machen. Die Künstliche Intelligenz befreie den Menschen von den Einschränkungen des eigenen Gehirns und treibe die Produktivität in bislang unbekannte Sphären voran, schrieb der Wirtschaftswissenschaftler in einem Gastbeitrag in der britischen Zeitung Financial Times.
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KI soll weitgehend unreguliert bleiben
Eine Gesetzesinitiative der Regierung soll nun den rechtlichen Rahmen für eine KI-Bonanza in Argentinien schaffen. Demnach soll die Künstliche Intelligenz in dem südamerikanischen Land weitgehend unreguliert bleiben. Zudem wird den Plänen zufolge im argentinischen Unternehmensrecht eine neue Kategorie für im Wesentlichen von KI-Agenten gesteuerte Firmen eingeführt. Außerdem soll eine niedrige Unternehmenssteuer für diese nicht menschlichen Firmen Argentinien als Standort attraktiv machen.
„Wir haben geöffnet“, schrieb Milei in dem Meinungsartikel. „Lasst Buenos Aires für die KI werden, was Amsterdam für die Zeit der Seefahrt war.“ Zuletzt hatte der argentinische Präsident den deutschstämmigen US-Investor Peter Thiel im Regierungssitz Casa Rosada zu Gesprächen über Künstliche Intelligenz empfangen. Der Mitgründer von Paypal und Palantir verbringt Medienberichten zufolge derzeit viel Zeit in Buenos Aires, wo er ein Haus gekauft und seine Töchter an einer Schule angemeldet haben soll.
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(afl)
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