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Künstliche Intelligenz

Automatisierte Accessibility-Prüfung im Web: Möglichkeiten und Grenzen


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Mit dem European Accessibility Act (EAA) und seiner nationalen Umsetzung durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gelten seit Juni 2025 in Deutschland verbindliche Anforderungen für zahlreiche digitale Produkte und Dienstleistungen. Parallel dazu wurden die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen: Die zuständige Marktüberwachungsbehörde ist eingerichtet und nimmt schrittweise ihre Arbeit auf. Damit rückt Barrierefreiheit für viele Unternehmen erstmals in den konkreten Fokus von Compliance, Risikoabwägung und Produktverantwortung.

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Maria Korneeva

Maria Korneeva

Maria Korneeva ist Frontend Technology Lead und Google Developer Expert mit Fokus auf Angular und Barrierefreiheit. Sie arbeitet freiberuflich an Frontend-Anwendungen, leitet Workshops und teilt ihre Erfahrungen auf Konferenzen und Meetups sowie in ihrem Buch „Barrierefreie Webentwicklung: von den Grundlagen bis zur praktischen Umsetzung“.

Und es wächst der Wunsch nach effizienten, skalierbaren Lösungen. Viele Organisationen hoffen auf automatisierte Accessibility-Checks als schnellen und möglichst vollständigen Weg zur Konformität. Entsprechend populär sind Linter, Browser-Extensions, CI/CD-Integrationen und KI-gestützte Prüfwerkzeuge. Automatisierung ist dabei ein wichtiges und sinnvolles Werkzeug – doch sie hat klare technische Grenzen.

Denn zahlreiche Barrieren lassen sich nicht maschinell erkennen. Sie entstehen durch fehlenden Kontext, unklare Bedeutung, komplexe Interaktionen oder mangelnde Verständlichkeit – Aspekte, die menschliches Urteilsvermögen erfordern. Dieser Artikel zeigt, welche Arten von Accessibility-Tools es gibt, welche Aufgaben sie sinnvoll übernehmen können und warum ein erheblicher Teil der Barrieren auch mit modernster Automatisierung unsichtbar bleibt.

Um die Möglichkeiten und Grenzen automatisierter Barrierefreiheitsprüfungen zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die unterschiedlichen Werkzeugtypen und darauf, welche Aspekte von Accessibility sie jeweils erfassen können.

Linter sind statische Analysetools für Quellcode. Sie erkennen syntaktische oder strukturelle Fehler, etwa ob ein alt-Attribut fehlt oder ein Button kein Label besitzt. Allerdings haben sie keine Kenntnis darüber, wie sich Seiten im Browser verhalten, wie Fokusabläufe funktionieren oder ob interaktive Komponenten korrekt reagieren. Statische Tools sehen nur Code – nicht Nutzung.

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Browser-Extensions analysieren hingegen das Document Object Model (DOM) im gerenderten Zustand und können so mehr erkennen als statische Analyzer. Dennoch bleiben sie „Snapshot-Tools“: Sie bewerten einen Zustand, aber nicht die Interaktion über mehrere Schritte hinweg. Komplexe Fokusänderungen, Tastaturfallen oder dynamisch aktualisierte Inhalte bleiben typischerweise unsichtbar.

Unit-Test-Plug-ins sind nützlich, um bestimmte einzelne Komponenten auf Barrieren zu prüfen. Allerdings decken Unit-Tests die Funktionalität (zum Beispiel Tastaturbedienbarkeit) nur einer Komponente ab und bilden typischerweise keine vollständigen Nutzerflows ab.

End-to-End-Testtools bieten eine größere Abdeckung. Sie können komplexere Interaktionen simulieren, etwa die Fokussteuerung beim Öffnen und Schließen eines Modals, also eines Dialogs, der sich über die Inhalte der Seite legt und oft eine zusätzliche Aktion beinhaltet. An solche Testszenarien müssen Entwicklerinnen und Entwickler jedoch selbst denken. Werden Accessibility-Plug-ins integriert, lassen sich einige Aspekte automatisiert prüfen. Das umfangreichste Ergebnis erhält man, indem man Testfälle für wichtige Prozesse selbst schreibt und zusätzlich verschiedene Zustände seiner Website über automatisierte Plug-ins prüfen lässt. Doch auch dann bleibt ein grundsätzliches Problem: End-to-End-Tests wissen nicht, ob ein Bedienablauf „logisch“ oder „verständlich“ ist. Sie führen Befehle aus – aber sie „erleben“ die Nutzung nicht so, wie es ein Mensch tut.

CI/CD-Scanner automatisieren Prüfungen im Build- oder Deployment-Prozess. Sie eignen sich besonders gut dafür, typische fehlerhafte Muster frühzeitig aufzudecken und Regressionen zu vermeiden. Ihre Grenzen sind jedoch die gleichen wie die der zugrunde liegenden Tools. Ob man Linter, Browsererweiterungen, Unit-Tests oder End-to-End-Tests einbindet: Sie prüfen Code, Struktur und einfache Interaktionen – aber keine komplexen Navigationsabläufe oder inhaltlichen Bedeutungen.

Alle diese Werkzeuge leisten wertvolle Beiträge im Entwicklungsprozess. Doch wie viel Testaufwand lassen sie noch übrig?


enterJS 2026

enterJS 2026

(Bild: jaboy/123rf.com)

Mehr über Accessibility im Web erfährst du auf der enterJS 2026 am 16. und 17. Juni in Mannheim. Die Konferenz dreht sich rund um die JavaScript/TypeScript-Entwicklung im Enterprise-Bereich. Vergünstigte Frühbuchertickets sind im Online-Ticketshop erhältlich.

Mehrere Studien haben untersucht, wie hoch der Anteil der Barrieren ist, den automatisierte Tools tatsächlich erkennen können. Eine umfassende Analyse des Accessibility-Software-Anbieters Deque Systems ergab 2024, dass dessen automatisierte Tests etwa 57 Prozent aller Accessibility-Probleme in realen Audits identifizieren konnten. Mit KI-Unterstützung will das Unternehmen sogar gut 80 Prozent erreicht haben.

Accessibility-Praktikerinnen und -Praktiker sehen die Wirksamkeit der automatisierten Tools deutlich eingeschränkter und schätzen, dass sich nur 20 bis 40 Prozent der potenziellen Barrieren technisch erkennen lassen. Mehrere Expertinnen und Experten, darunter Adrian Roselli und Steven Faulkner, berichten aus umfangreichen Feldtests, dass automatisierte Checks sogar nur 4 bis 10 Prozent der wirklichen Probleme erkennen.

Womit lässt sich diese Diskrepanz in den Schätzungen erklären? Natürlich unterscheiden sich die Zahlen der Marketing-Abteilung und der unabhängigen Accessibility-Beratung, weil sie damit unterschiedliche Ziele verfolgen. Auch die absichtlich eingefügten Bugs, die die Testseiten enthalten, unterscheiden sich, und somit auch die Testergebnisse. WCAG-Versionen (Web Content Accessibility Guidelines), genutzte Tools – all das sorgt für eine hohe Varianz in Schätzungen.

Trotz der Unterschiede zeigen diese Zahlen eindeutig, dass die existierenden Tools noch nicht hundertprozentig beurteilen können, ob eine Website barrierefrei ist. Selbst die formelle Prüfung der WCAG-Kriterien ist noch nicht zu 100 Prozent automatisiert möglich.

Auch wenn Barrierefreiheit deutlich mehr als stupide Einhaltung der WCAG-Erfolgskriterien erfordert, stellen diese Richtlinien eine fundierte Checkliste zum Einstieg dar. Die darin enthaltenen Anforderungen betreffen sowohl die technische als auch die semantische Seite der Inhalte, das heißt, wie sie programmatisch zur Verfügung gestellt werden und wie verständlich sie formuliert sind.

Automatisierte Accessibility-Tools können in erster Linie Strukturen, Muster und technische Eigenschaften prüfen. Sie erkennen fehlende Attribute, inkorrekte Rollen oder syntaktische Fehler – aber sie verstehen nicht, was Inhalte bedeuten, wie Nutzerinnen und Nutzer mit einer Anwendung interagieren oder wie logisch ein Interface aufgebaut ist.

Deswegen lohnt sich der Blick auf die WCAG-Kriterien aus folgender Perspektive: Welche Anforderungen betreffen nicht nur Strukturen und formelles Vorhandensein von bestimmten Elementen, sondern auch Aspekte wie intuitive Nutzung, Interpretation, Kontext und Relevanz? Dabei stehen die Kriterien der Konformitätsstufen A und AA (siehe Infokasten) im Fokus, da sie von sämtlichen Barrierefreiheitsgesetzen als rechtliche Anforderung genannt werden. Die WCAG-Richtlinien basieren auf den Grundprinzipien der Barrierefreiheit für Webinhalte – Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Rund um diese Prinzipien sind auch die Beispiele in diesem Artikel gruppiert.

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind ein internationaler Standard des World Wide Web Consortium (W3C) zur barrierefreien Gestaltung von Webinhalten. Sie definieren prüfbare Erfolgskriterien, die sich an vier Grundprinzipien orientieren: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust.

Die WCAG unterscheiden drei Konformitätsstufen, die unterschiedliche Ebenen von Wirkung, Aufwand und fachlicher Komplexität der Anforderungen beschreiben:

  • Stufe A
    Anforderungen mit grundlegender Wirkung auf die Barrierefreiheit und vergleichsweise geringem Umsetzungsaufwand. Ohne ihre Erfüllung ist eine Nutzung für viele Menschen mit Behinderungen kaum oder gar nicht möglich (z. B. Alternativtexte für Bilder, Tastaturbedienbarkeit).
  • Stufe AA
    Anforderungen mit hoher Wirkung für eine breite Nutzer:innengruppe, die zentrale Barrieren im Nutzungskontext abbauen, aber bereits ein höheres Maß an gestalterischem, redaktionellem und technischem Barrierefreiheits-Know-how erfordern (z. B. ausreichende Farbkontraste, verständliche Beschriftungen, konsistente Navigation).
    Diese Stufe gilt in der Praxis als maßgeblicher rechtlicher Standard und wird von nahezu allen Barrierefreiheitsgesetzen gefordert.
  • Stufe AAA
    Anforderungen mit sehr spezifischer Wirkung für einzelne Nutzergruppen, die mit hohem konzeptionellem, technischem oder organisatorischem Aufwand verbunden sind und daher nicht für alle Inhalte realistisch umsetzbar sind (z. B. Gebärdensprachversionen).



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l+f: WhisperPair – Bluetooth-Attacke auf Fast-Pairing



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IT-Sicherheitsforscher haben sich Bluetooth-Geräte mit Unterstützung von Googles Fast-Pair-Protokoll für die einfache und schnelle Kopplung angesehen. Dabei sind sie auf fehlerhafte Umsetzungen gestoßen. Das ermöglicht unter Umständen, Geräte als Wanzen zu missbrauchen oder in einigen Fällen auch deren Tracking mittels Googles „Mein Gerät Finden“-Netzwerk.

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Heutzutage brauchen Sicherheitslücken für die bessere Wiedererkennbarkeit einen Codenamen, daher haben die IT-Forscher ihr den Spitznamen „WhisperPair“ verpasst und dazu eine eigene Webseite online gebracht. Dort fassen sie ihre Funde auch übersichtlich zusammen.

Um einen Fast-Pair-Vorgang zu starten, sendet ein Seeker (etwa Smartphone) eine Nachricht an den Provider (BT-Zubehör), um anzuzeigen, dass er das Pairing wünscht. Sofern der Provider nicht im Pairing-Modus ist, soll er laut Spezifikation solche Nachrichten nicht beachten. „Viele Geräte scheitern jedoch, diese Prüfung in der Praxis vorzunehmen und erlauben so nicht autorisierten Geräten, den Pairing-Prozess zu starten“, erklären die IT-Analysten. Nach dem Empfang einer Antwort von einem verwundbaren Gerät können Angreifer den Fast-Pair-Prozess durch Einrichtung eines herkömmlichen Bluetooth-Pairings abschließen (CVE-2025-36911, CVSS 7.1, Risiko „hoch“).

Das ermöglicht Angreifern, das Verbinden von anfälligem Fast-Pair-Zubehör wie drahtlosen Kopfhörern oder Earbuds etwa mit einem Laptop zu erzwingen. Angreifer erhalten dadurch volle Kontrolle über das Zubehör, wodurch sie etwa Musik abspielen oder Gespräche über das integrierte Mikrofon mitschneiden können. Angriffsversuche gelangen den IT-Sicherheitsforschern innerhalb von zehn Sekunden aus Entfernungen bis zu 14 Metern. Physischer Zugriff auf verwundbare Geräte ist dazu nicht nötig.

Ein weiterer Angriff gelang den IT-Forschern auf solche Bluetooth-Geräte, die noch nicht zuvor einen Pairing-Vorgang mit anderen Geräten abgeschlossen haben. Sofern sie das Google „Mein Gerät finden“-Netzwerk unterstützen, können Angreifer das Zubehör auf ihrem eigenen Konto zuordnen und damit dessen Standort tracken. Opfer erhalten jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit in solch einem Fall eine Warnung, dass sie getrackt werden, was die Standardeinstellung von Android ist.

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Der praktische Schweregrad der Lücken ist vielleicht nicht ganz so groß, wie zunächst anzunehmen ist. Aus bis zu 14 Metern Entfernung bei freier Sicht könnte man Gespräche sicherlich auch einfacher direkt oder mit kleinem Richtmikrofon belauschen. Vor ungewolltem Tracking warnt das Smartphone potenzielle Opfer zeitnah – solche Tracking-Warnungen vom Smartphone sollten Handybesitzer besser ernst nehmen. Die Gerätehersteller sollten verwundbare Implementierungen zügig mit Software-Aktualisierungen absichern.


(dmk)



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Die PubMed-Falle: Deutschlands gefährlicher Datenpoker in der Medizin


Der Schock im März 2025 saß tief: Als die weltgrößte medizinische Literaturdatenbank PubMed für einen Tag komplett offline ging, wurde der deutschen Wissenschaft schlagartig bewusst, auf welch dünnem Eis sie wandelt. Die Zeiten, in denen sie sich blind auf die Bereitstellung lebenswichtiger Forschungsdaten aus den USA verlassen konnte, sind unter der Trump-Regierung vorbei. Die Bundesregierung hat die Gefahr erkannt – zumindest offiziell. Mit einem Sofortbudget von rund 30 Millionen Euro will sie gefährdete Forschungsdatenbestände sichern und die europäische Datensouveränität stärken. Doch wer glaubt, dass dieses Geld direkt in den Aufbau unabhängiger Alternativen fließt, irrt.

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Die Exekutive gibt sich gegenüber dem Parlament betont gelassen. Sie verweist auf die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die die Mittel in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren vergebe. Das federführende Forschungsministerium betont, dass bisher keine dauerhaften signifikanten Einschränkungen vorlägen. Als Rettungsanker dienen der Regierung dabei Spiegel-Dienste der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED). Doch genau da beginnt der Riss zwischen politischer Rhetorik und wissenschaftlicher Realität.

Die ZB MED, die als zentrale Säule der deutschen Informationsinfrastruktur gedacht ist, zeichnet ein deutlich düstereres Bild der Lage. Die Warnsignale aus Übersee seien systemisch: Die US-Regierung plane, das Budget der National Institutes of Health (NIH) um massive 40 Prozent zu kürzen. Gleichzeitig würden wissenschaftliche Inhalte auf Behördenseiten im großen Stil gelöscht und der Zugang zu Datenbanken für Forscher aus bestimmten Ländern blockiert. Sogar die Qualitätssicherung bei PubMed wackele, nachdem ein wichtiges Expertengremium für die Zeitschriftenauswahl kurzerhand aufgelöst worden sei.

Besonders bitter stößt der ZB MED auf, dass ihre Bemühungen um eine echte europäische Unabhängigkeit bislang ins Leere laufen. Eine ZB-MED-Sprecherin bedauerte gegenüber heise online, dass die Zentralbibliothek nach derzeitigem Stand nicht an den Investitionen der Bundesregierung teilhaben würden. Die Institution will mit dem Projekt Open Life Science Publication Database (OLSPub) eine offene, zuverlässige und nachhaltige europäische Alternative zu PubMed schaffen. Doch zwei Projektanträge sind bereits abgelehnt worden.

„Wir suchen derzeit händeringend nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten und planen dazu unter anderem eine Fundraising-Kampagne“, erklärte die Sprecherin. Bei Ersatzoptionen zu PubMed gebe es zudem Missverständnisse. Die Bundesregierung verweise hier auf Europe PMC und das ZB-MED-Suchportal Livivo. Doch diese beiden Datenbanken nutzten nur die Daten, die PubMed derzeit noch liefere. Sollte diese Quelle ausfallen, könnten die Alternativen allenfalls auf den alten Datenbestand zurückgreifen. Es gebe also keine Datensicherheit. OLSPub solle dagegen selbst die Metadaten sammeln und so Redundanz schaffen.

Das bisherige Nein der DFG zu Projekten wie OLSPub wirkt in diesem Kontext fast schon paradox. Die Gutachter forderten eine engere Kooperation mit der US-amerikanischen National Library of Medicine (NLM) – also genau jener Institution, von deren politisch unberechenbarer Führung man sich eigentlich emanzipieren will. Es ist eine klassische Catch-22-Situation: Die deutsche Digitalpolitik will souverän sein, macht aber die Zusammenarbeit mit dem potenziellen Ausfallrisiko zur Bedingung für die Förderung.

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Die ZB MED bedauert zudem, dass sie gleichzeitig mit Kürzungen in der institutionellen Förderung konfrontiert sei. Dabei handle es sich um einen Widerspruch, der die langfristige Strategie infrage stelle. Unterstützung erhält die Einrichtung vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv). Für dessen Vorsitzende Antje Theise führt die aktuelle politische Lage vor Augen, wie fragil der Zugang zu Daten geworden ist. Bibliotheken seien als gemeinwohlorientierte Institutionen ein tragendes Fundament der Forschungssicherheit und dürften nicht den Gesetzen des Marktes oder kurzfristigen Haushaltskürzungen geopfert werden.

Klar ist: Ohne ein funktionierendes, unabhängiges System zur Erfassung aktueller medizinischer Publikationen droht der deutschen Forschung und Industrie im Ernstfall ein Blindflug. Die 30 Millionen Euro des Bundes könnten so am Ende nur ein teures Pflaster auf einer Wunde sein, die eigentlich eine Operation am offenen Herzen der Infrastruktur benötigt hätte.


(mki)



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Saudi-Arabien kürzt Neom stark zusammen


Es sollte das große Prestige-Projekt Saudi-Arabiens schlechthin werden, initiiert von Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich: das Infrastrukturprojekt Neom im Nordwesten des Landes. Nach einer Reihe von Querelen über überschrittene Zeit- und Budgetpläne soll das Vorhaben deutlich verkleinert werden.

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Kurz vor dem Ende einer umfassenden Überprüfung sei Mohammed bin Salman zu dem Schluss gekommen, dass das Projekt sehr viel kleiner ausfallen solle, berichtet die britische Wirtschaftstageszeitung Financial Times (Paywall) unter Berufung auf Insider. Die Ergebnisse der Prüfung sollen in den kommenden Monaten vorliegen.

Ein wichtiger Grund für die Änderungen ist die finanzielle Lage des Landes: Jahrelang wurde viel Geld ausgegeben. Der Preis für Öl, die Haupteinnahmequelle des Landes, ist jedoch vergleichsweise niedrig. Hinzu kommt, dass Saudi-Arabien 2030 die Expo und 2034 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten wird, was weitere Investitionen bedeutet.

Neom ist Teil von Saudi Vision 2030, einem Konzept zum Umbau der Wirtschaft, um vom Öl unabhängig zu werden. Das Infrastrukturprojekt soll im Nordwesten des Landes entstehen, auf einem Gebiet etwa von der Größe Belgiens. Dazu gehören Einzelprojekte wie die 2024 eingeweihte Luxusferieninsel Sindalah, das Ski-Resort Trojena in den Bergen sowie die Stadt Oxagon, die zur Hälfte an Land, zur Hälfte auf Schwimmpontons entstehen soll.

Wichtigstes Teilprojekt von Neom ist The Line, eine über 170 Kilometer lange, 200 Meter breite und 500 Meter hohe Stadt, in die ein Tiefwasserhafen für Kreuzfahrtschiffe sowie ein Fußballstadion in großer Höhe integriert werden sollten.

Das schwer kritisierte Megaprojekt gilt in dieser Form als gescheitert und soll deutlich verkleinert werden. Nach den neuen Plänen bin Salmans sollen dort Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) entstehen. Nach Angaben von Neom will sich das Land „als globaler Knotenpunkt für Daten und KI etablieren“ und deshalb Investoren und Partner in diesem schnell wachsenden Bereich gewinnen.

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The Line eignet sich laut Neom gut als Standort für Rechenzentren: Diese brauchen Strom und Wasser zum Kühlen. Die Stadt sollte am Golf von Akaba entstehen. Wasser gebe es also in großer Menge. Zudem steht laut Neom günstige Energie aus erneuerbaren Quellen in großer Menge zur Verfügung – The Line sollte komplett mit sauberer Energie betrieben werden.

Aber nicht nur The Line wird verkleinert: Auch Trojena, das in den Bergen im Hinterland gebaut wird, soll kleiner ausfallen als ursprünglich vorgesehen. Zudem hat die Regierung angekündigt, dass die Asiatischen Winterspiele 2029 nicht wie geplant in Trojena stattfinden werden.

Nach offizieller Lesart ist das Projekt Neom damit nicht gescheitert: Die Änderungen zeigten, dass die Regierung und das System in der Lage seien, die Ziele anzupassen, sagte einer der Insider der Financial Times. Neom selbst teilt der Zeitung mit, es werde darauf geachtet, Initiativen abzustimmen und zu priorisieren, „dass sie mit nationalen Zielen übereinstimmen und langfristigen Wert schaffen“.


(wpl)



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