Digital Business & Startups
Die Idee entstand kurz vor meinem Exit
#Interview
Die Jungfirma Vestio tritt an, um die Stilberatung zu digitalisieren. Hinter der „Fashion-Tech-App für Männer“ stecken Klarsolar-Gründer Bastian Arend, der sein Startup zuletzt an E.ON verkauft hat, und Menswear Influencer Justus Hansen.

Klarsolar-Gründer Bastian Arend startet nach dem Exit an den Engergieversorger E.ON mit Vestio wieder durch. Zur Seite steht ihm dabei Menswear Influencer Justus Hansen. Das Team des Mannheimer Startups beschreibt Vestio als „Fashion-Tech-App für Männer“.
Zielgruppe sind Männer, „die eine klare, stilsichere Garderobe aufbauen möchten“. Die App liefert seinen Nutzern „anhand weniger Fragen eine vollständig abgestimmte Garderobe“, zeigt fehlende Schlüsselteile und generiert sofort kombinierbare Outfits für alle Anlässe“.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Seriengründer Bastian Arend die Idee hinter Vestio einmal ganz ausführlich vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Vestio erklären?
Oma, der Opa mag doch überhaupt gar nicht Klamotten einkaufen, oder? Das gibt doch immer Streit. Mit der App kann Opa sich in drei Minuten eine Basisgarderobe aus nur neun Kleidungsstücken erstellen, die alle untereinander kombinierbar sind und seinem Geschmack entsprechen. Zu jedem Kleidungsstück findet er dann günstige, mittelpreisige und hochwertige Stücke. Und wenn er sich die Kleidungsstücke, die er hat, in der App in den digitalen Kleiderschrank legt, sieht er alle möglichen Kombinationen. Wenn er mal nicht weiß, was er tragen soll, muss er der App nur sagen, welcher Anlass und die App zeigt ihm alle passenden Outifts, die er machen kann und zu dem Anlass passen.
Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Zum Start mit Affliate Links. Wir bekommen eine Provision auf die verkauften Artikel. Später klassischer Marktplatz mit eigenen Produkten und Produkten von Partnern. Da wir immer wieder passende Kleidungstücke vorschlagen, die zu dem Stil und digitalen Kleiderschrank passen, planen wir so eine hohe Kundenbindung und damit einen hohen CLTV.
Wie ist die Idee zu Vestio entstanden?
Die Idee zu Vestio entstand kurz vor meinem Exit und den vielen bevorstehenden Terminen. Ich hatte keine Zeit und keine Lust, shoppen zu gehen und wollte aber trotzdem gut angezogen sein.
Über Linkedin habe ich Justus Hansen gefunden und fragte ihn, ob er für mich shoppen gehen kann. Seine Antwort war: Einfach irgendwas kaufen reicht nicht. Ich muss verstehen, wer du bist und was zu dir passt. Obwohl ich keine Stilberatung wollte, habe ich es gemacht, da wir uns sofort gut verstanden haben. Er zeigte mir seine Methode: Wenige Teile, mehr Outifits. Einfache, klare Regeln und alles sehr logisch aufgebaut. Wie ein Algorithmus. In dem Moment habe ich verstanden. Mode kann systematisch sein.
Und wenn das so ist, warum gibt es das nicht digital und nur teuer? Und was mir persönlich noch gut gefällt, es führt zu weniger Konsum und weniger Verschwendung, da man wirklich weniger braucht und alles trägt, was man kauft.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Stilberatung zu digitalisieren und einfach und nutzerfreundlich in eine App zu bekommen. So, dass es zu vielen guten Outfits kommt.
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf eurer Agenda?
Das der User die Outfits an einem Avatar sieht und der Ausbau zu einem echten Marktplatz, der Shopping in der App ermöglicht.
Wo steht Vestio in einem Jahr?
Aktuell ist das der Launch eines typischen MVP. Ziel in einem Jahr ist ein Produkt zu haben, dass die wichtigsten Features – KI-Beratung, Marktplatz, Avatare – umfasst und idealerweise haben wir schon genug Daten zu dem Kaufverhalten, dass wir viele eigene Produkte anbieten.
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Foto (oben): Vestio
Digital Business & Startups
„Alle sehr neidisch“: 14-jähriger Gründer berichtet von Spott auf dem Pausenhof
Vor dem Technikschrank in seinem Kinderzimmer blüht Conner auf. Stolz zeigt er seine Profi-Ausstattung für die Produktion von Videos, Podcasts und Werbefotos: den Controller samt Brille für die Drohne, den mobilen Teleprompter, den Koffer für die Stromversorgung.
So um die 15.000 Euro dürfte das Ganze schon wert sein, schätzt der 14-Jährige. Er sagt das ganz nüchtern, ohne aufzutrumpfen. Für ihn ist es Arbeitsgerät.
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Vor knapp einem Jahr, da war er noch 13, hat Conner Pirck seine eigene Firma gegründet. Der Schüler aus einer Randgemeinde von Hamburg dürfte damit einer der jüngsten Gründer Deutschlands sein. Genau kann man das nicht wissen, weil das Alter nirgends zentral erfasst wird.
Conner filmt Events, er fotografiert Produkte und produziert am Computer Beiträge für Social Media. Ein bekannter Verkaufstrainer, ein Internat, ein Unternehmerverband und auch sein eigener Vater zählen zu seinen Kunden.
Auftrag vom Verkaufstrainer
Conner ist ein höflicher und freundlicher Junge. Er ist wortgewandt, berichtet freimütig auch über die Steine auf seinem Weg. Wer Conner zuhört, erfährt, was in Deutschland mit Motivation, Ausdauer und der richtigen Unterstützung von daheim möglich ist. Er ahnt aber auch, woran es hierzulande hakt mit dem Unternehmertum.
„Du bist dein einziges Limit“, dieser Spruch des Verkaufstrainers Dirk Kreuter hängt über Conners Bett. Darunter ein Foto von ihm mit den Worten: „Wenn du immer das Gleiche tust, wirst du auch immer die gleichen Ergebnisse bekommen.“
Kreuter, der mit seinen Motivationsreden Säle mit Tausenden Zuschauern füllt, ist für Conner ein Star. Und er war einer seiner ersten Kunden. Conner hatte seinen Vater auf eine Konferenz von Kreuter in Dubai begleitet und dort dessen Social-Media-Team kennengelernt.
Danach bekam er den Auftrag, einen Film von einem Vertriebs-Event in Bonn zu machen. „Ich habe nur gedacht: Oh mein Gott, wie cool ist das denn“, schwärmt Conner.
Gründer berichtet von dummen Sprüchen in Schule
Wenn er von seiner Arbeit berichtet, die Kniffe seiner Technik und Computerprogramme erklärt, lächelt er. Spricht er von der Schule, wird er ernst. Nicht, weil dem Achtklässler das Lernen nicht läge.
Er hat seinen Notendurchschnitt binnen eines Jahres um anderthalb Noten auf eine glatte 2 verbessert. Das war der „Deal“ mit den Eltern, damit sie ihn bei der Firmengründung unterstützten.
Doch gefragt nach seinen Mitschülern, entfährt Conner ein tiefer Seufzer. „Die kommen damit einfach nicht klar, dass ich Unternehmer bin“, sagt er. Er berichtet von dummen Sprüchen auf dem Pausenhof, über vermeintliche Millionen auf seinem Konto.
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Mit Photoshop hätten Klassenkameraden ein „blödes Meme“ von ihm gebastelt, auf dem er den Bundeskanzler herzt. Er sah ihn auf einem Unternehmertag. Nur zwei Mädchen hätten mal zu ihm „Respekt“ gesagt. „Die anderen sind alle sehr neidisch“, sagt Conner.
Er ist froh, dass er einen Freund in der Nachbarschaft hat. „Wir fahren gemeinsam mit den Fahrrädern rum oder sitzen im Garten am Feuer und sprechen. Das finde ich viel schöner als Computerspiele.“
Und Conner hat seine Familie: Mit der zwei Jahre älteren Schwester Kaitlyn verstehe er sich „richtig gut“, mit seinen Eltern auch.
„Ein echtes Unternehmer-Mindset-Training“
Conners Vater, Lars-Hendrik Pirck, hat die Reporterin in seinem weißen Porsche Taycan vom Bahnhof abgeholt und zunächst in seine eigenen Firmenräume in Ahrensburg bei Hamburg gebracht. Pirck konzipiert und verkauft Markenwerbeartikel – von Golfbags für BMW bis zu Sweatshirts und Kaffeebecher für Aida-Cruises.
Auf seinen Social-Media-Accounts postet der stolze Vater immer wieder auch Fotos und Videos mit seinem Sohn. „Was wäre aus dir geworden, wenn du mit 14 nicht zur Schule gegangen wärst – sondern zu den Familienunternehmer-Tagen?“, fragt er in einem Beitrag.
Und weiter: „Genau das hat unser Sohn Conner gemacht. Kein ‚Schwänzen‘. Kein Ausflug. Sondern: ein echtes Unternehmer-Mindset-Training.“ Er dankt der Schule noch für die Beurlaubung und die fördernde Haltung gegenüber dem Unternehmertum.
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Lars-Hendrik Pirck hat eine Amerikanerin geheiratet, verbringt privat und beruflich viel Zeit in den USA und sagt: „Ich weiß, wie hart wir hierzulande noch an unserer Einstellung arbeiten müssen.“
Conners Mutter, Kirsten Pirck, sieht das genauso. Die studierte Innenarchitektin, die in Los Angeles aufgewachsen ist, hat damit bei den Jüngsten angefangen. Am heimischen Esstisch berichtet sie in fließendem Deutsch von einem Nachmittagskurs, den sie an einer Grundschule anbietet.
Der Kurs sagt viel darüber aus, wie sie und ihr Mann die Kinder erziehen. Er dreht sich um das Thema „Growth Mindset“, zu Deutsch: Wachstumsdenken. Es soll gelingen, Herausforderungen als Chancen zu betrachten und Fehler als Lerngelegenheiten. „,Ich bin schlecht in Mathe‘ ist ein Satz aus dem fixed Mindset, der Kinder limitiert“, sagt Kirsten Pirck. „,Ich bin NOCH nicht so gut in Mathe‘ – so ein Satz öffnet ganz andere Türen.“
Unternehmerischen Rückenwind vom Elternhaus
Das Elternhaus gibt Conner unternehmerischen Rückenwind – so wie vielen Gründern. Die Bertelsmann Stiftung etwa hat die Herkunft von 1800 Start-up-Teams in Deutschland untersucht und herausgefunden: Familie zählt.
Bei 38 Prozent der Gründer war mindestens ein Elternteil selbstständig. Bei jedem Vierten führten sie sogar ein Unternehmen mit Angestellten. Mütter und Väter seien Mentoren und Vorbilder zugleich, folgern die Wissenschaftler.
Vorbilder sichtbar machen, schon an den Schulen – das haben daher Initiativen wie Start-up Teens oder der Deutsche Gründerpreis für Schüler und Schülerinnen zum Ziel. Sie fordern, Jugendliche schon früh für Unternehmertum zu begeistern, um die deutsche Wirtschaft zu beflügeln.
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Conner jedenfalls hat noch viel vor mit seiner jungen Firma. „Porsche wäre für mich ein Traumkunde“, schwärmt er und hat schon eine Idee: „Ich könnte ja mit Werbefilmen für die Händler anfangen.“ Erst mal wünscht er sich eine neue, noch bessere Kamera und „mehr Sichtbarkeit für weitere Kunden“.
Das mit dem Unternehmer-Sein, das möchte Conner selbst. Zu dem Schluss kam vergangenen Herbst eine Richterin am Familiengericht. Dort musste Conner, nachdem seine Eltern seinen Antrag auf die Firmengründung unterstützt hatten, noch mal allein vorsprechen.
„Sie wollte wissen, ob ich das wirklich will oder nur der Papa“, berichtet Conner. Er wollte. Und bekam einige Wochen später grünes Licht für sein Kleingewerbe. 10.000 Euro im Jahr darf er als Kind jetzt steuerfrei dazu verdienen.
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Nach dem Mittagessen tauscht Conner sein gelbes Poloshirt gegen ein weißes Anzughemd. Er hat gleich noch einen Termin bei Schleswig-Holsteins Digitalminister in Kiel. Ob er nervös sei vor solch einem Treffen? „Nein, da bin ich eigentlich entspannt“, sagt Conner.
Er habe schließlich schon Rhetorikkurse gemacht und auch mit Präsentationen auf Bühnen keine Probleme. Froh ist er, dass er heute nicht mehr in die Schule muss. Wegen seiner Termine als Unternehmer ist er freigestellt.
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Was macht ein starkes Gründerteam aus? VC-Investorin Eva de Mol erklärt, warum Teamdynamik wichtiger ist als Lebensläufe – und Scheitern zum Vorteil werden kann.
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Startups mit Misstrauensvotum gegenüber Standort Deutschland
#Gastbeitrag
Auf den ersten Blick wirkt 2025 wie ein starkes Venture-Capital-Jahr. Weltweit flossen rund 425 Milliarden US-Dollar in Startups – das drittstärkste Jahr aller Zeiten. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich eine strukturelle Verschiebung, die für Deutschland weitreichende Konsequenzen hat.

Rund 50 % des global investierten Kapitals entfielen auf KI-Unternehmen. Allein fünf US-amerikanische Player vereinten etwa 84 Milliarden US-Dollar auf sich. Besonders eindrücklich: Die jüngste Finanzierungsrunde von Anthropic über 30 Milliarden US-Dollar war für sich genommen rund viermal so groß wie das gesamte Venture-Capital-Volumen, das 2025 in Deutschland investiert wurde. Diese Relationen sind mehr als nur eine Randnotiz – sie markieren eine neue Qualität der Kapitalkonzentration.
Der öffentlich ausgetragene Konflikt zwischen Anthropic und dem US-Verteidigungsministerium über Einsatzgrenzen von KI-Modellen unterstreicht, wie eng Kapital, Technologie und Sicherheitspolitik inzwischen verbunden sind. Wer Frontier-Modelle entwickelt, agiert in einem sicherheitspolitisch relevanten Umfeld – und erhält entsprechend Zugang zu außergewöhnlich großen Finanzierungsvolumina.
Im Windschatten der Giganten von heute wird derweil bereits an der nächsten Generation von Frontier-Modellen gearbeitet – und dabei wollen auch europäische Startups eine Rolle spielen. Sequoia führte im Februar eine rund eine Milliarde US-Dollar schwere Seed-Runde für das neue, in London ansässige KI-Lab von Google-DeepMind-Alumni David Silver an – die bis dato größte Seed-Finanzierung Europas. Mit Ineffable Intelligence will Silver Grundlagenforschung zu neuen Modellarchitekturen betreiben und die nächste Generation leistungsfähiger KI-Systeme entwickeln.
Auch die Bundesagentur für Sprunginnovationen startete kürzlich eine Initiative für neue KI-Frontier-Modelle Made in Europe. Europa bringt nach wie vor viele junge Technologieunternehmen hervor. Der Kontinent stemmt rund 20 % des globalen Early-Stage-Volumens und verfügt über eine starke wissenschaftliche Basis – von Oxford über ETH bis UnternehmerTUM. Letztere führt laut Financial Times das Ranking der führenden europäischen Startup-Hubs an – gefolgt von zwei weiteren Ökosystemen in Bayern.
Im DefenseTech-Sektor haben deutsche Unternehmen wie Helsing, Quantum Systems oder Stark das technologische Potential zu neuen Global Playern zu werden. Doch genau hier zeigt sich die strukturelle Schieflage. Während Europa in der Frühphase solide aufgestellt ist, liegt der Kontinent bei Wachstumskapital deutlich zurück. Dass das Problem inzwischen erkannt ist, zeigt die neu aufflammende Diskussion über eine Kapitalmarktunion sowie die Auflage neuer europäischer Wachstumsvehikel. Mit dem Scaleup Europe Fund entsteht derzeit ein paneuropäischer Growth-Fonds, an dem sich unter anderem die Allianz und die Schwarz Gruppe beteiligen wollen. Ziel ist es, mehr institutionelles Kapital in späte Finanzierungsrunden europäischer Technologieunternehmen zu lenken und Abwanderung zu verhindern. Solche Initiativen sind ein wichtiger Schritt – sie verdeutlichen aber zugleich, wie groß die Lücke inzwischen geworden ist: Europa muss endlich eigene Strukturen für zweistellige oder gar dreistellige Millionenrunden aufbauen, statt sich in der Skalierungsphase dauerhaft auf US-Kapital zu verlassen.
Entsprechend wundert es nicht, dass laut KfW die Stimmung der Venture-Capital-Investoren in Deutschland auf einem Mehrjahrestief ist. Vor allem die Beurteilung des Exit-Umfelds bleibt schwach und das Fundraising auf Fondsseite gestaltet sich schwierig, was die Aussichten für künftige Finanzierungsrunden zusätzlich verdüstert. Ein Teufelskreis.
Auch auf Gründerseite ist die Verunsicherung spürbar. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt, dass jedes elfte Startup in Deutschland die Insolvenz fürchtet. Noch erschreckender: Nur noch rund die Hälfte der Gründer würde heute wieder am Standort Deutschland gründen. Viel deutlicher kann ein Misstrauensvotum nicht ausfallen.
Über den Autor
Nils Langhans ist Geschäftsführer der Strategieberatung KAUFMANN / LANGHANS. Er berät Startups beim Fundraising und bei der Entwicklung ihrer Equity Story – von der Pre-Seed- bis zur Later-Stage-Finanzierung.
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