Digital Business & Startups
Die Marktmacht der Pharmaindustrie haben wir unterschätzt
#Interview
In den vergangenen Jahren flossen bereits rund 100 Millionen in das umtriebige MedTech Precisis, das eine Hirnstimulation für Menschen mit Epilepsie entwickelt. Nun drängt das Team aus Heidelberg, das seit 2015 an seiner Idee arbeitet in die USA.

Beim Heidelberger Startup Precisis, 2015 von Angela Liedler gegründet, dreht sich alles um Epilepsie. „Precisis hat ein medizinisches Gerät erfunden, mit dem sich Epilepsie-Patienten im Alltag geschützt fühlen können. In Deutschland, England, der Schweiz und Österreich tragen bereits Hunderte von Patienten das Implantat unter der Kopfhaut und wollen es nicht mehr missen, weil es ihr Leben mit Epilepsie so viel leichter macht“, sagt Gründerin Liedler.
In den vergangenen Jahren flossen bereits 100 Millionen Euro in das MedTech, das derzeit 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Zu den Investoren von Precisis gehört unter anderem der australische Medizintechnikhersteller Cochlear, der auf implantierbare Hörlösungen spezialisiert ist.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Precisis-Gründerin Angela Liedler einmal ausführlich über den Stand der Dinge in ihrem Unternehmen.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Precisis erklären?
Precisis hat ein medizinisches Gerät erfunden, mit dem sich Epilepsie-Patienten im Alltag geschützt fühlen können. Das hochmoderne Gerät kann epileptische Anfälle, also das „Gewitter im Kopf“, punktgenau an seinem Entstehungsort unterdrücken. Die technologische Erfindung dabei ist, dass winzig kleine Ströme über dünne Elektroden, die unter der Haut liegen, durch den Kopfknochen hindurch ins Gehirn geleitet werden, ohne dass die Patienten davon etwas spüren. In Deutschland, England, der Schweiz und Österreich tragen bereits Hunderte von Patienten das Implantat unter der Kopfhaut und wollen es nicht mehr missen, weil es ihr Leben mit Epilepsie so viel leichter macht. Der Name EASEE spielt darauf an, dass clevere Ideen scheinbar einfach daherkommen.
War dies von Anfang an Euer Konzept?
Die Idee, das kranke Gehirnareal bei jedem Patienten individuell mit elektrischen Pulsen zu behandeln, war von Anfang an unser Konzept. Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden wollten wir keinesfalls Gehirngewebe beschädigen oder Elektroden um Nerven herumwickeln. Wir wollten immer schon etwas Elegantes, Sicheres, und wieder rückgängig Machbares anbieten, damit die Patienten unsere moderne Alternative leicht akzeptieren können und attraktiv finden. Mit der Zeit haben sich natürlich Hard- und Software weiterentwickelt – hin zu einem intelligenten, digitalen Taktgeber fürs Gehirn.
Wie hat sich Precisis seit der Gründung entwickelt?
Seit Kick-off im Jahr 2015 ist das Team in Heidelberg von vier auf ein Team von 40 international Mitarbeitenden gewachsen.
Was war zuletzt das Highlight bei Euch?
Das aktuelle Highlight ist die Erhebung von Wirksamkeitsdaten bei Kindern mit Epilepsien. Die Genehmigung zur Durchführung einer Klinischen Studie an Kindern war möglich geworden, weil die Behandlung davor bei Erwachsenen so gut und sicher funktionierte. Wir rechnen damit, dass die EASEE-Therapie gegen Ende 2027 auch für Epilepsie-Patienten ab dem Alter von 12 Jahren im Markt zur Verfügung stehen wird.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Die Marktmacht der Pharmaindustrie haben wir unterschätzt. So mussten wir lernen, dass jeder dritte Epilepsie-Patient im Schnitt 22 Jahre lang mit unwirksamen Medikamenten behandelt wird, bevor ihm von seinem betreuenden Arzt eine andere – modernere, technische oder chirurgische – Methode angeboten wird. So ein starres System aus überkommenen Ritualen aufzubrechen, ist für ein kleines Startup eine echte Herausforderung.
Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Mit der konsequenten Fokussierung unserer Erfindung auf das Patientenwohl lagen wir von Anfang an richtig. Auch unser Team ist nahezu perfekt gewachsen. Bei uns arbeiten hochmotivierte Persönlichkeiten effektiv zusammen.
Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Ich persönlich finde es sehr hilfreich, wenn Gründer, die Experten auf ihrem Gebiet sind, möglichst viele unterschiedlich ausgebildete Leute von ihrem Geschäftsmodell begeistern können. Denn Startups werden nur mit Partnern und Mitmachern groß und erfolgreich.
Wo steht Precisis in einem Jahr?
Im amerikanischen Gesundheitswesen. Wir haben von der Zulassungsbehörde FDA eine Art wissenschaftliches Gütesiegel erhalten, das es uns ermöglicht, das EASEE-Gerät in hochrangigen amerikanischen Epilepsie-Zentren zu testen.
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Precisis
Digital Business & Startups
Ich habe mit KI in vier Stunden eine App für Postkarten gebaut
Priscilla Tina ist Produktmanagerin aus San Francisco – und hat mit KI in vier Stunden ein Postkarten-Business gebaut.
Dieser Text basiert auf einem Gespräch mit Priscilla Tina, 28, Produktmanagerin aus San Francisco. Er wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit leicht bearbeitet.
Tagsüber arbeite ich als Tech-Produktmanagerin in San Francisco. Abends bin ich Content Creatorin. Ich mache Videos, die Menschen dazu bringen sollen, ihre Kreativität wiederzuentdecken. Nebenbei habe ich schon immer an kleinen Projekten gearbeitet. Side Hustles, Experimente – das gehört für mich dazu. Und ich liebe alles, was analog ist. Im vergangenen November habe ich mich hingesetzt und mit Claude Code eine App gebaut: Sie verschickt Postkarten – ohne Briefmarken und ohne Gang zur Post.
Warum Analog plötzlich wieder spannend ist
Viele von uns sind mit Technologie aufgewachsen. Ich auch. Gleichzeitig hatte ich als Kind noch viele analoge Dinge um mich herum – und kein Smartphone. Heute sieht das anders aus. Ich lebe gefühlt auf meinem Handy. Wir verbringen viel Zeit mit sinnlosem Scrollen. Konsumieren KI-generierten Content in Massen. Und merken dabei: Wirklich erfüllend ist das nicht. Gleichzeitig wird klar: Echte Begegnungen funktionieren besser offline. Und viele entdecken den Wert von einfachen, analogen Momenten wieder.
Die Idee: Digital trifft physisch
Ich wollte genau diese Lücke schließen – zwischen digitaler und physischer Welt. Mit Freunden habe ich schon seit Jahren Postkarten verschickt, vor allem auf Reisen. Das macht Spaß und hält den Kontakt. Irgendwann fiel mir auf: Ich hatte einen riesigen Stapel Postkarten zu Hause. Aber sie zu schreiben war umständlich. Man muss Briefmarken kaufen. Zur Post gehen. Einen Briefkasten suchen. Also habe ich mich gefragt: Geht das nicht einfacher?
Eine App in nur vier Stunden
Ich hatte mich für die ProductCon in San Francisco angemeldet und wollte dort einen Prototyp zeigen. Also habe ich Postcard Press gebaut: eine App, mit der Nutzer Fotos hochladen, eine Nachricht schreiben – und der Rest läuft automatisch. Druck und Versand übernimmt ein Dienst namens Postgrid.
Am Abend vor der Konferenz habe ich die Grundversion gebaut. In vier Stunden. Sie lief direkt auf meinem Handy. Auf der Konferenz habe ich die App anderen Produktmanagern gezeigt. Viele fragten sofort: „Wann ist sie fertig? Ich will zu Weihnachten Postkarten verschicken.“ Das war ein klares Signal: Es gibt Nachfrage.
Ich habe zusätzlich ein Video auf Social Media gepostet. Rund 20.000 Views. Also habe ich mir vorgenommen, die App bis Jahresende fertigzustellen. In den nächsten zwei Monaten habe ich Bezahlfunktionen integriert und das Produkt gelauncht. Seit dem Start im Dezember wurden mehr als 100 Postkarten verschickt. Preis pro Karte: etwa zwei Dollar. Die Kosten: 0,82 Dollar für Postgrid, 0,30 Dollar für Stripe. Viel Gewinn bleibt da nicht. Ich könnte auf ein Abo-Modell umstellen. Aber darum ging es mir nie.
Die größten Hürden
Ich habe einen technischen Hintergrund, aber ich bin keine klassische Entwicklerin. Deshalb habe ich mir Hilfe von Freunden geholt. Vor dem Launch haben sie versucht, meine Website zu „hacken“. Mit Erfolg: Einer konnte zehn Postkarten verschicken, ohne zu bezahlen. Sein Feedback: „Das musst du fixen, bevor du live gehst.“
Das hat mir geholfen, die Sicherheitslücken zu schließen. Auch das Thema Payments war schwierig. Ich wusste nicht, wie man Stripe integriert oder welche Kosten entstehen. Ein Freund meinte: „Das schaffst du in 30 Minuten.“ Ein anderer hat dagegen gewettet. Ich habe mich hingesetzt – und es tatsächlich in 30 Minuten gebaut. Normalerweise hätte ich dafür einen Entwickler gebraucht. Stattdessen habe ich Claude die gesamte Stripe-API-Dokumentation lesen lassen. Das Tool hat die Payment-Funktion direkt in den Checkout integriert.
Das ist erst der Anfang
Auch wenn das Projekt langfristig vielleicht kein großer Erfolg wird: Der wichtigste Gewinn ist das, was ich gelernt habe. Und ein bisschen Geld nebenbei bringt es auch. Inzwischen arbeite ich schon an neuen Ideen. Eine davon: Mini Print. Inspiriert von Polaroid-Wänden bei Freunden und in Cafés. Die App verwandelt Fotos in kleine digitale Polaroids. Nutzer können daraus ihre eigene Bilderwand erstellen – zum Beispiel als Handy-Hintergrund.
Auch diese App habe ich mit Claude gebaut. Rund 2000 Nutzer gibt es schon. Ich liebe es zu sehen, wie Freunde ihre Wände teilen. Viele meiner liebsten analogen Erlebnisse warten nur darauf, digital neu gedacht zu werden. Genau daran arbeite ich gerade weiter.
Als Nächstes auf meiner Liste: Natur und Pflanzen.
Digital Business & Startups
Sicheren Job für Instagram gekündigt – 26-Jährige ist jetzt „Fahrradmaus“
„Hi, ich bin Paula und ich laufe im April meinen ersten Halbmarathon und ab heute beginnt mein Training“: Mit diesen Worten lädt Paula Enzweiler im Januar 2024 ein Reel auf Instagram hoch. Darin bindet sie ihre blonden Haare zum Zopf, zieht dicke Handschuhe an und läuft los. Ihr erstes Ziel: fünf Kilometer. Mit dabei: ihr Smartphone. Enzweiler filmt sich während des Runs, kommentiert ihren Lauf, zählt die Kilometer.
Rückblickend ist dieses Video nicht nur der Startschuss für ihr Halbmarathon-Training, sondern auch für einen neuen Karrierepfad: als Creatorin. Heute ist Enzweiler 26 Jahre alt und hat mehr als 570.000 Follower auf Instagram. Auf Tiktok folgen ihr mehr als 118.000 Menschen (Stand: März 2026). „Hi, ich bin Paula“ ist zu ihrem Signature-Satz geworden. Darüber hinaus ist sie Gründerin der Marke Fahrradmaus – und sie arbeitet an einer Sport-App namens Enduco.
Einer von den ersten 15.000 Followern
Mit dem Laufen angefangen hat Enzweiler, weil ihr Fitnessstudio 2024 wegen Umbauarbeiten geschlossen hatte, sagt sie. Außerdem habe sie mal Leichtathletik gemacht, 400-Meter-Hürden-Lauf, aber das sei schon lange her. Videos von ihrem Training hochgeladen habe sie, um Freunde und Familie über ihren Fortschritt auf dem Laufenden zu halten – wortwörtlich. Zu dem Zeitpunkt hatte Enzweiler aber auch schon knapp 4.000 Follower, wie sie sagt. Nicht wenig für einen privaten Account, auf dem sie eigentlich nur Urlaubsfotos und erste Sportvideos teilte.
Für ihren ersten Halbmarathon trainierte Enzweiler dann mit einem 12-Wochen-Programm aus dem Internet. Fast jeden Tag machte sie davon ein Reel. Aus den 4.000 Followern seien in nur wenigen Wochen 15.000 geworden. Unter diesen 15.000 Followern war auch Marcel Heinrich. Er ist Gründer der Creator- und Athlete-Agentur Fyndafit und heute der Manager von Enzweiler. „Ich hab Paula auf Instagram gesehen, fand die Videos catchy und hatte sofort das Gefühl, dass da viel Potenzial ist“, sagt er.
Was Heinrich damit meint: Enzweiler nimmt ihre Videos als One-Take auf. Sie spricht aus, was ihr in dem Moment durch den Kopf geht. Die Videos wirken nicht gestellt, sondern nahbar. Enzweiler beschönigt ihr Training nicht. Anstrengung? Zeigt sie. Spaß? Ebenso. Verschiedene Szenen verbindet Enzweiler mit schnellen Schnitten. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, ans Ziel zu kommen. Egal wie. Einfach anfangen. Einfach machen. Einfach loslaufen.
Von Vodafone zur Vollzeit-Creatorin
Diese Authentizität war es, die Heinrich damals dazu brachte, Enzweiler eine Nachricht zu schreiben. Da arbeitete sie noch Vollzeit als Projektmanagerin bei Vodafone. „Als ich die Nachricht von Marcel gelesen habe, wusste ich nicht, was ein Manager von mir will”, sagt Enzweiler. „Das fand ich irgendwie merkwürdig, aber die Nachricht war sehr motivierend und nett und dann habe ich mir angehört, was er zu sagen hat.“
Wie die Nachricht geschrieben war? „Persönlich“, sagt Heinrich. Von Ur-Berliner zur Ur-Berlinerin. Kein Standard-Text à la „Du passt so gut ins Team“, erzählt er.
Lest auch
Was Heinrich zu sagen hatte? „Marcel hat im ersten Call mehr an mich geglaubt als ich selbst“, sagt Enzweiler. „Er meinte, ich könne in ein paar Monaten kündigen und davon leben. Sollte das nicht der Fall sein, dann könnte ich bei Fyndafit arbeiten und erhalte exakt das gleiche Gehalt, um mich Vollzeit auf das Creator-Dasein zu konzentrieren und durchstarten zu können.“ Jobangebot statt Versprechungen zu Followerzahlen. Das sei für Enzweiler ausschlaggebend gewesen.
„Ich habe im ersten Call auch nicht direkt versucht, den Deal zu closen“, sagt Heinrich. „Das finde ich in dem Business auch unangebracht.“
Der Plan ging auf: Enzweiler arbeitete noch eine Woche in Teilzeit – und kündigte dann ihren Job bei Vodafone, um Vollzeit als Creatorin zu arbeiten. Und das, obwohl sie eigentlich immer dachte, sie würde mal in einem Unternehmen Karriere machen. „Ich wollte eigentlich immer eine Corporate-Maus sein”, sagt Enzweiler.
Stattdessen: Videos, in denen sich Enzweiler immer wieder neuen Herausforderungen stellt – 400 Meter eine Skischanze hoch, 24 Kilometer durchs Wattenmeer, Training mit Olympioniken und dazwischen Radrennen, Marathon-Läufe, Teilnahmen am Triathlon und ein bisschen Privates, etwa Videos über ihre Verlobung oder wie sie die Wohnung von einem ihrer Brüder einrichtete. Auf neue Ideen zu kommen, sei für Enzweiler kein Problem. „Mir wird schnell langweilig“, sagt sie. „Deswegen fällt es mir superleicht, immer neue Challenges zu finden und es einfach zu machen.“
Von einer Strategie hinter Enzweilers Social-Erfolg will Heinrich nicht sprechen. Aber natürlich setzt er auf eine bestimmte Herangehensweise. Zum Beispiel auf Live-Events in Form von Community-Runs. Beim ersten Run seien 50 Leute gekommen, mittlerweile seien es 500 bis 1000 Menschen, die kommen. Straßen müssten dafür gesperrt, die Organisation müsse gemeinsam mit dem Ordnungsamt durchgeführt werden, sagt Heinrich.
Ein weiteres Prinzip, das Heinrich und Enzweiler in ihrem Creator-Business verfolgen: wenige, ausgewählte Werbepartner – die aber langfristig. Und auch hier gelte: Enzweiler macht ihr Ding. Sie liest keine Werbeskripte vor und die Videos sind ein One-Take, sagt Heinrich. „Wer jeden Monat 20 verschiedene Rabatt-Codes hat, ist nach anderthalb Jahren in der Branche verbrannt.“ Die Langfristigkeit habe neben dem Faktor Image, noch einen weiteren Vorteil: finanzielle Planungssicherheit für Enzweiler.
Doch nicht nur ihr Content ist abwechslungsreich, sondern auch die anderen Standbeine, die sich Enzweiler mit aufbaut. „Mein Business ist, Leute zum Sport zu motivieren“, sagt sie. Dafür hat sie sich neben dem Dasein als Creatorin zwei weitere Säulen aufgebaut:
„Fahrradmaus“ statt „Corporate-Maus“
Die erste ist die Modemarke „Fahrradmaus“. Während des Trainings für den Halbmarathon hat Enzweiler angefangen, durch Radsport ihre Ausdauer zu trainieren und dabei die Gelenke zu schonen, wie sie sagt. „Deswegen habe ich in einem Video mal gesagt: ‚Hi, ich bin Paula und möchte eine Fahrradmaus werden‘. Ich habe über das Wort gar nicht nachgedacht.“
Lest auch
Das Wort wurde aber zum Trend, sagt Enzweiler. „Es gab Menschen, die damit Merch rausgebracht haben.“ Enzweiler und Heinrich ließen deswegen das Wort „Fahrradmaus“ als Marke schützen, um daraus selbst eine Modemarke zu machen. Im Onlineshop findet man Fahrradsocken, T-Shirts und Trinkflaschen. Hierfür arbeitet sie mit einem Supplier zusammen. Mit der Marke will Enzweiler vor allem auch zeigen, dass der Radrennsport für alle ist, sagt sie. Die Rennrad-Bubble sei sehr judgy – vor allem Anfängern gegenüber.
Langfristig würde Paula aus der Marke „Fahrradmaus“ gerne ein Familienunternehmen machen, das von ihrem Verlobten Dorian geleitet wird. Ihren Vater könne sich Enzweiler im Backoffice vorstellen, sagt sie. Dafür brauche die Marke aber auch mehr Produkte. „Wenn wir produzieren, sind wir sofort out of stock“, sagt Enzweiler. „Wir können noch nicht einschätzen, wie viele Leute die Produkte wirklich wollen. Ich will, dass wir in Zukunft mindestens acht Produkte im Shop haben, die immer verfügbar sind.” Lager und Logistik sollen mal so aufgestellt sein, dass die Ware in drei bis vier Tagen bei den Kunden ankommt. Laut Enzweiler sei „Fahrradmaus“ aber schon jetzt profitabel.
Trainingspläne mit Enduco
Mit dem Merch von „Fahrradmaus“ will Enzweiler, dass die Community sich untereinander erkennt. Denn die steht im Fokus. So hat sich auch die andere Säule von Enzweiler ergeben: die Sport-App Enduco. „Ich wurde immer wieder nach Trainingsplänen gefragt“, sagt Enzweiler. „Aber eine App von Null an zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, würde zu lange dauern.“
Also suchte Heinrich nach Sport-Apps, die technologisch gut sind, aber noch nicht ihren Product-Market-Fit hatten, sagt er. So ist er auf das Startup Enduco gestoßen, mit dem sie jetzt zusammenarbeiten. „Die Basis stand. Wir haben die App dann nach unseren Vorstellungen weiterentwickelt“, sagt Enzweiler. Im Juli 2025 gab es einen Relaunch der App mit Enzweiler als Kooperationspartnerin und einer weiteren Sport-Creatorin, Maren Schiller, die ebenfalls bei Fyndafit unter Vertrag ist. Mittels KI werden die Trainingspläne in der App von Enduco individuell angepasst.
Und auch für Enduco hat Enzweiler Ziele: „Wenn ich es schaffe, dass bis Juni insgesamt 10.000 Leute sich dazu entschieden haben, einen Halbmarathon zu laufen und dafür mit Enduco zu trainieren, das wäre geil.“
Zwei Awards in einem Jahr
Auch wenn das Motto von Enzweiler „einfach machen“ ist, sei ein entscheidender Faktor für Erfolg „dranbleiben“, sagt sie – und sich eine Nische suchen. 2025 bekam Enzweiler gleich zwei Awards für ihre Arbeit als Content-Creatorin. Im September setzte sie Forbes auf die Liste der Top-Creator als„Rising Star“ und im November 2025 gewann sie den Tiktok-Award in der Kategorie „Sports Creator of the Year“.
Das alles durch ein Lauf-Video, das anfing mit den Worten „Hi, ich bin Paula“. Mittlerweile steht in der Bio von Enzweiler auf Instagram übrigens: „Ich bin Paula und ich BIN eine Triathletin, CEO of Fahrradmaus.“
Lest auch
Digital Business & Startups
Deutschlands Unicorns suchen weniger Mitarbeiter – außer in diesem Bereich
Die deutschen Unicorns wachsen – und suchen Personal. Wer stellt ein, welche Spezialisierungen sind besonders gefragt? Gemeinsam mit den Arbeitsmarktexperten von Indeed zeigt Gründerszene euch einmal im Monat, wo eure Chancen auf einen Job bei den Einhörnern besonders gut stehen und wo nicht. Im Mai unter der Lupe: Unsicherheiten im Arbeitsmarkt, Effizienzmaßnahmen und kurzfristigen Anpassungen – und wo es trotzdem Lichtblicke gibt.
-
Social Mediavor 3 MonatenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenBlade‑Battery 2.0 und Flash-Charger: BYD beschleunigt Laden weiter
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
Top 10: Der beste Luftgütesensor im Test – CO₂, Schadstoffe & Schimmel im Blick
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMähroboter ohne Begrenzungsdraht für Gärten mit bis zu 300 m²
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonateniPhone Fold Leak: Apple spart sich wohl iPad‑Multitasking
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
JBL Bar 1300MK2 im Test: Soundbar mit Dolby Atmos, starkem Bass und Akku‑Rears
-
Social Mediavor 2 MonatenVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
