Künstliche Intelligenz
Gas-Durst für den KI-Boom: Neue Rechenzentren gefährden deutsche Klimaziele
Der Hunger nach Rechenleistung kennt derzeit aufgrund des KI-Hypes kaum Grenzen. Doch der Preis für den technologischen Fortschritt wird zunehmend auch in Treibhausgas-Emissionen gemessen. Die jüngste Ausgabe des „Global Oil and Gas Plant Tracker“ (GOGPT) durch den Global Energy Monitor offenbart eine Entwicklung, die Klimaschützer und Experten alarmiert. Weltweit – auch in Deutschland – zeichnet sich demnach ein Trend ab, bei dem der Ausbau von Gaskraftwerken untrennbar mit dem Wachstum der digitalen Infrastruktur verknüpft ist.
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Der GOGPT erfasst global Anlagen ab einer Kapazität von 50 Megawatt, in der EU und Großbritannien bereits ab 20 Megawatt. Die neuen Daten aus der Übersicht zeigen, dass die Energiewende im digitalen Sektor ins Stocken gerät.
Besonders in Deutschland wird das Ausmaß der Abhängigkeit sichtbar. Aktuelle Pläne etwa von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sehen neue Gaskraftwerke an strategisch wichtigen Standorten wie Mainz, Frankfurt, Birstein, Leipheim und Großkrotzenburg vor. Diese sollen primär der Versorgung von Rechenzentren dienen. Insgesamt stehen laut dem Tracker Kapazitäten von bis zu 1,95 Gigawatt in direktem Zusammenhang mit diesen Rechenclustern. Das entspricht fast 13 Prozent des gesamten in Deutschland angekündigten oder im Bau befindlichen Zubaus an Gaskraftwerken, der sich auf gut 15 Gigawatt beläuft.
Was wird aus nationalen Klimazielen?
Was auf den ersten Blick wie eine notwendige Brückentechnologie für die Versorgungssicherheit wirkt, entpuppt sich so bei genauerem Hinsehen als potenzieller Stolperstein für die nationalen Klimaziele.
Julian Bothe von der Organisation AlgorithmWatch sieht in dieser Entwicklung eine Gefahr. Der Wettbewerb um immer mehr Rechenleistung drohe die Klimaziele auszuhebeln, da die bestehenden gesetzlichen Regelungen nicht ausreichten. Zwar schreibe das Energieeffizienzgesetz vor, dass Rechenzentren ab dem Jahr 2027 in der Bilanz vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Doch die Praxis der „bilanziellen“ Rechnung steht massiv in der Kritik.
Bisher reicht es aus, wenn Betreiber über das Jahr verteilt Zertifikate für Grünstrom erwerben, während der tatsächliche Strom aus der Steckdose in Spitzenlastzeiten weiterhin aus fossilen Quellen stammt. Bothe fordert deshalb eine Verschärfung: Genehmigungen sollten nur noch erteilt werden dürfen, wenn der Betrieb zu jeder einzelnen Stunde durch zusätzlich geschaffene regenerative Quellen gedeckt sei.
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Korsett für Rechenzentren-Ausbau gewünscht
Ein Blick über den Atlantik zeigt, wohin die Reise ohne strikte Regulierung gehen könnte. In den USA haben sich die geplanten Kapazitäten für Gaskraftwerke binnen eines Jahres auf 252 Gigawatt fast verdreifacht. Ein Viertel des weltweiten Zubaus findet dort statt, getrieben nahezu ausschließlich durch den immensen Energiebedarf von KI-Rechenzentren. Dieser Trend konterkariert die internationalen Bemühungen zur Dekarbonisierung und dient AlgorithmWatch zufolge als Warnsignal für den europäischen Markt. Wenn der Ausbau der Erneuerbaren nicht mit dem Tempo der Serverfarmen Schritt halte, drohe das Erdgas zum dauerhaften Begleiter der Digitalisierung zu werden.
Auch die gesellschaftliche Akzeptanz für diesen Kurs schwindet. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von AlgorithmWatch vom Oktober verdeutlicht, dass eine breite Mehrheit der Bürger eine deutlich strengere Regulierung fordert. Zwei Drittel der Befragten sprechen sich dafür aus, den Bau neuer Rechenzentren zwingend an den zeitgleichen Ausbau zusätzlicher Kapazitäten für Wind- und Solarenergie zu koppeln. Transparenz ist hierbei das Stichwort: Die Wähler wollen wissen, wie viel CO₂ für ihre Cloud-Dienste und KI-Modelle tatsächlich ausgestoßen wird.
Die Bundesregierung steht nun vor der Herausforderung, das Energieeffizienzgesetz nicht – wie befürchtet – aufzuweichen, sondern an die Realitäten des KI-Booms anzupassen. Die Daten des Global Energy Monitor liefern dafür die nötigen Fakten. Sie zeigen, dass die bloße Hoffnung auf eine grüne Zukunft der IT nicht ausreicht, wenn gleichzeitig Milliarden in eine fossile Infrastruktur fließen und diese auf Jahrzehnte festgeschrieben wird. Ohne eine Kopplung von Netzausbau, zusätzlichem Grünstrom und strengen stündlichen Nachweisen für Rechenzentren droht der digitale Fortschritt zum Klimarisiko zu werden.
(mho)
Künstliche Intelligenz
Prime Video Ultra: Amazon packt 4K hinter zusätzliche Bezahlschranke
Nutzer von Prime Video in den USA können bald nur noch 4K-Inhalte sehen, wenn sie für ein neues Premium-Abonnement zahlen. Prime Video Ultra bündelt Werbefreiheit und 4K-Auflösung für zusätzlich 5 US-Dollar im Monat auf den Abopreis von Prime. Normale Prime-Nutzer sehen Serien und Filme bei Prime Video künftig nur noch in Full HD (1080p, nur ein Viertel der 4K-Pixel).
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Amazon Prime kostet in den USA 15 US-Dollar pro Monat. Bislang zahlten US-User 3 US-Dollar im Monat zusätzlich, wenn sie Prime werbefrei sehen wollten. 4K-Auflösung war auch ohne Zusatzoption im normalen Prime-Abo enthalten. Grundlegend verschlechtern sich also beide Optionen: Prime Video mit Prime-Abo verliert Zugriff auf 4K-Inhalte, während die Option zur Werbefreiheit teurer wird.
Kleine Verbesserungen
Allerdings bietet Prime Video Ultra einige Verbesserungen, die es bislang nicht gab: So kann man künftig statt drei bis zu fünf Streams gleichzeitig schauen, wenn man für die Ultra-Variante des Streaming-Diensts zahlt. Zudem sind bis zu 100 Downloads statt der bisher möglichen 25 erlaubt.
Dolby Vision und Dolby Atmos werden exklusive „Ultra“-Features, während Nutzer des normalen Prime-Abos immerhin noch das Standardformat von HDR sehen können. Diese User will Amazon mit einigen kleinen Aufwertungen trösten: Künftig sind im normalen Abo 4 statt 3 Parallel-Streams möglich, zudem 50 Downloads statt wie bisher 25. Die meisten Nutzer dürfte das aber nicht für den Wegfall von 4K-Auflösungen kompensieren.
Nur für USA angekündigt
Das neue Abo-Angebot will Amazon am 10. April in den USA anbieten. Bislang gibt es keine Informationen darüber, ob und wann Prime Video Ultra mitsamt Abo-Verschlechterungen auch nach Deutschland kommt. Allerdings ist es üblich, dass Amazon Abo-Änderungen zuerst auf dem Heimatmarkt testet, bevor sie breiter umgesetzt werden.
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In Deutschland bekommt Amazon wegen Prime Video aktuell Druck von Verbraucherschützern: Für eine Sammelklage der Verbraucherzentrale Sachsen gegen Amazons Streaming-Dienst Prime Video haben sich laut den Verbraucherschützern nun über 200.000 Menschen angemeldet. Die Verbraucherzentrale klagt gegen die Einführung von Werbung in Prime Video, die sie als versteckte Preiserhöhung wertet.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
MedConf 2026: Medizintechnik-Konferenz mit Frühbucherrabatt buchen
Die MedConf ist der Branchentreff für Software- und Geräteentwicklung in der Medizintechnik. Rund 250 Fachexperten aus Forschung und Entwicklung, Qualitätsmanagement, Produktentwicklung und Regulatory Affairs nutzen die Konferenz jedes Jahr, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen und praxisnahe Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu finden. Das Themenspektrum der Konferenz umfasst heute neben klassischen Themen wie Safety, Security, Usability, regulatorische Anforderungen und Entwicklungsmethoden auch KI in der Medizintechnik, Gerätevernetzung und Medical Apps. Die medconf findet dieses Jahr vom 19. bis 21. Mai 2026 in München-Unterhaching statt. Bis Anfang April sind noch Tickets zum vergünstigten Frühbuchertarif erhältlich.
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Das Programm der MedConf 2026 adressiert zentrale Herausforderungen der Branche. In über 75 Vorträgen und Keynotes an drei Tagen geht es um Usability in der Medizintechnik, Geräte-Entwicklung, Software-Engineering, KI in der Medizintechnik. Safety und Security, Normen und Richtlinien sowie Agilität. Eine Besonderheit der MedConf sind die 100-minütigen Intensiv-Coachings in kleinen Gruppen mit ausgesuchten Experten. Teilnehmer erhalten Zertifikate für die absolvierten Coachings. Neben den Vorträgen, Keynotes und Coachings bietet die MedConf eine Partnerausstellung mit Branchenunternehmen.
(odi)
Künstliche Intelligenz
Vom Tag in die Nacht gleiten: Click Boom Flash # 58 „Zeitraffer-Fotografie“
Zeitraffer bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Film. Sie zeigen langsame Abläufe beschleunigt, ohne dabei hektisch zu wirken – wie ein Foto, das lebendig wird. Gunther Wegner vergleicht das mit den bewegten Bildern an den Wänden in der Harry-Potter-Reihe. Vor rund 15 Jahren begann der Fotograf, aus Einzelfotos Filme zu bauen, weil damalige Videokameras die Qualität seiner Spiegelreflexkamera nicht erreichten. Daraus entstand eine Leidenschaft, die ihn bis heute antreibt.
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Dieses Gespräch und weitere Interviews mit Persönlichkeiten aus der Fotowelt hören Sie in unserem Foto-Podcast Click Boom Flash. Jeden zweiten Sonntag neu und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.
Der heilige Gral
Die größte Herausforderung in der Zeitraffer-Fotografie ist der nahtlose Übergang vom Tag in die Nacht, an dem selbst große Produktionsfirmen wie die BBC lange scheiterten. Wegner löste das Problem, indem er die Software LRTimelapse entwickelte, die Belichtungssprünge auf Raw-Ebene automatisch ausgleicht. Flackernde Bilder durch klemmende Blendenlamellen, staubige Laptops in der afrikanischen Hitze, drei Kameras gleichzeitig nachregeln – seine Projekte lesen sich wie Abenteuerberichte. Heute nutzen Naturdokumentationen, Baustellenfirmen und sogar die NASA sein Werkzeug.
Einstieg leicht gemacht
Wer selbst loslegen will, braucht laut Wegner nur eine Systemkamera mit Intervallfunktion und ein stabiles Stativ. Tagsüber im A-Modus starten, alle paar Sekunden auslösen lassen – schon entsteht der erste eigene Zeitraffer. Für Fortgeschrittene kommen Slider hinzu, die der Kamera eine sanfte Fahrt verleihen und dem Bild echte Tiefe geben.
Warum ein Cellist der Berliner Philharmoniker ihm mitten in der Corona-Zeit Gänsehaut bescherte, was Baustellenzeitraffer mit Wolkenkratzern zu tun haben und wie man eine Tulpe wirklich zum Aufblühen bringt, erzählt Gunther Wegner in der aktuellen Folge.
Jeden zweiten Sonntag um 9 Uhr erscheint eine neue Folge von Click Boom Flash, dem Podcast des Magazins c’t Fotografie. Sie finden ihn in allen großen Podcast-Verzeichnissen. Hören Sie jetzt rein, mit Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music oder als in der Podcast-App Ihrer Wahl.
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