Künstliche Intelligenz
Ikea-USB-Schnelllader bis 20 Watt für 4 Euro – Schnäppchen oder Schund?
Ikea bietet schon länger eine kleine Auswahl an USB-Ladegeräten für Smartphones an. Nun hat das schwedische Einrichtungshaus sein Portfolio um zwei „Sjöss“-Ladegeräte mit 20 und 65 Watt erweitert. Beide haben nur je einen Ausgang in Form einer USB-C-Buchse. Das 65-Watt-Sjöss soll mit dem Schnellladestandard Power Delivery (PD) mit bis zu 20 Volt auch Notebooks laden können und ist mit rund 13 Euro schon sehr günstig. Spannender fanden wir aber das 20-Watt-Modell für sagenhaft billige 4 Euro. Taugt das USB-Ladegerät für diesen Preis überhaupt oder ist es sogar brandgefährlich?
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Für vier Euro gibt es auch in Amazons virtueller Grabbelkiste kaum etwas vergleichbar Günstiges. Und ein Blick auf die oft widersinnigen technischen Daten führt meist zum Schluss, dass man solche Geräte besser nicht am Stromnetz betreiben sollte. Bei Ikea’s 20-Watt-Sjöss ist das anders: Dem kleinen Netzteil liegt nur ein mehrsprachiges Heftchen bei – ein USB-Kabel muss man zukaufen –, das aber korrekt über die Möglichkeiten des Billig-Laders aufklärt.
Wir haben die Angaben überprüft und das Sjöss über seine 20-Watt-Grenze hinaus belastet: Das USB-Netzteil lädt Smartphones flott via PD und liefert je nach Anforderung des zu ladenden Geräts bis zu 15 Volt, dann bei einem maximalen Strom von 1,3 bis 1,4 Ampere. Steigt der Strom über die Leistungsgrenze des Sjöss, bricht die Spannung ein oder das Ladegerät schaltet ab – so muss es sein. Bei älteren Smartphones, die PD-Schnellladen nicht kennen, lädt es mit Quickcharge oder anderen proprietären Ladeverfahren von Samsung (AFC bis 12 Volt) und Huawei (FCP bis 12 Volt, SCP). Interessanterweise liefert das Ikea-Ladegerät sogar 20 Volt am USB-Anschluss, allerdings nicht mit PD sondern mit Quickcharge 3. Trotzdem eignet es sich mit 20 Watt nicht zum Laden üblicher Notebooks, die 20 Volt benötigen, da diese PD erwarten und in den seltensten Fällen Quickcharge 2 oder 3 nutzen.
Das 20-Watt-Ladegerät Sjöss überstand den Burst-Surge-Test bei 1000 Volt problemlos (eine Voraussetzung für das in der EU nötige CE-Zeichen) und reagierte beim eigentlich nur für Industrie-Hardware nötigen 2-Kilovolt-Test lediglich mit kurzem Abschalten. Unbelastet verbrauchte es an der Steckdose weit weniger als 0,1 Watt und lag unter der Messgrenze unseres Präzisionsleistungsmessers.
Kabel fehlt
Wer sein Smartphone am 4-Euro-Lader auftanken will, braucht ein USB-C-Ladekabel. Entweder benutzt man das dem Mobilgerät beiliegende oder legt beim Ikea-Einkauf noch das 1-Meter-Kabel „Sittbrunn“ für 2,50 Euro mit in den Korb. Das Kabel macht mechanisch einen stabilen Eindruck – Ikea hat auf PVC verzichtet und verwendet stattdessen TPE-Kunststoff (Thermoplastisches Elastomer). Welches genau, verrät Ikea nicht.
Allerdings enthält das Sittbrunn-Kabel, wie für Ladekabel typisch, keine Leitungen für schnelle USB-3-Datenübertragung, mehr als 480 Mbit/s (USB 2.0 Hi-Speed) ist nicht drin. Das einfache Ladekabel eignet sich für Maximalströme bis 3 Ampere, das für Smartphones und Tablets völlig ausreicht. Wer mit 65- oder 100-Watt-Netzteilen auch Notebooks aufladen will, sollte zum 1,5 Meter langen „Rundhult“ für 10 Euro greifen. Das ist für 100 Watt ausgelegt und kann sich über einen E-Marker-Chip am Ladegerät ausweisen. Erst damit schaltet dieses bei Bedarf bis zu 5 Ampere auf die Leitung. Für schnelle Daten taugt aber auch das Rundhult nicht.
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Dem 20-Watt-Ladegerät Sjöss für 4 Euro können wir unterm Strich den Schnäppchen-Status attestieren: Hier kann man beruhigt zugreifen.
(rop)
Künstliche Intelligenz
Kindergeld per Mausklick: Wenn die Steuer-ID den Antrag überflüssig macht
Das Bundeskabinett will den „Papierkram“ nach der Geburt beenden und mit dem antragslosen Kindergeld das Once-only-Prinzip in den Amtsstuben verankern. Herzstück der Reform ist ein vollautomatisierter Datenaustausch: Sobald ein Standesamt die Geburt meldet, vergibt das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) eine Steuer-ID und leitet diese samt Stammdaten proaktiv an die Familienkasse weiter. Damit das Geld ab 2027 automatisch fließen kann, muss lediglich eine IBAN im System hinterlegt sein – etwa durch vorherige Zahlungen für Geschwister oder eine Meldung über das Elster-Portal.
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Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) feiert das als Befreiungsschlag für jährlich 300.000 Elternpaare, die künftig keinen Erstantrag mehr stellen brauchen. Technisch steht dahinter ein Ausbau der Schnittstellen zwischen Meldebehörden, Finanzverwaltung und Sozialkassen, die bis zum Starttermin 2027 noch mühsam synchronisiert werden müssen.
Hinter dem versprochenen Gewinn an Bequemlichkeit verbirgt sich eine tiefgreifende Verschiebung in der staatlichen Datenverarbeitung. Die Steuer-ID würde sich damit endgültig vom reinen Fiskalwerkzeug zum universellen Personenkennzeichen für Sozialleistungen wandeln.
Warnung vor dem gläsernen Bürger
Kritisch ist dabei vor allem die von der Regierung vorgesehene Vernetzung: Die Familienkassen sollen erweiterte Befugnisse erhalten, Daten automatisiert bei anderen Behörden abzurufen, um Anspruchsvoraussetzungen im Hintergrund zu prüfen. Dass die Regierung für den vollen Komfort die Hinterlegung der Kontoverbindung in der zentralen „IBAN+“-Datenbank oder bei Elster forciert, unterstreicht die geplante Zentralisierung von Bürgerdaten unter der Hoheit der Finanzverwaltung. Die Regierung spricht von Effizienz, doch Kritiker warnen vor der schleichenden Entstehung eines „gläsernen Bürgers“.
Die schrittweise Umsetzung bis 2027 offenbart zudem die Komplexität der digitalen Transformation: Zuerst profitieren nur Eltern, deren Daten bereits im System kursieren. Die Vollautomatisierung soll für Erstgeborene erst Monate später folgen. Wenn automatisierte Abgleiche etwa bei Selbstständigen oder Grenzgängern scheitern, soll das bisherige Verfahren mit QR-Code-gestützten, vorausgefüllten Anträgen als digitaler Notnagel bestehen bleiben.
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Der Vorstoß macht deutlich, dass der Staat zwar in die Digitalisierung investiert. Der Preis dafür ist aber eine immer engmaschigere digitale Überwachung über die Steuer-ID und eine zentralisierte Datenstruktur.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
Quantum Machine Learning: Woran der Quanten-Boost für KI scheitert
Klassische Computer stoßen bei Problemen mit vielen Variablen schnell an ihre Grenzen, sei es bei der Entwicklung neuer Medikamente, der Simulation komplexer Materialien oder der Optimierung großer Netzwerke. Künstliche Intelligenz (KI) liefert hier zwar bereits beeindruckende Ergebnisse, aber ein neues Forschungsfeld verspricht einen drastischen Leistungssprung: Quantum Machine Learning (QML), die Kombination aus Quantencomputing und maschinellem Lernen.
Das ist zumindest die Theorie. Denn zwischen dieser Vision und der Praxis klafft derzeit eine große Lücke. Quantencomputer sind noch experimentelle Systeme mit wenigen, fehleranfälligen Qubits und die Forschung zu QML stößt auf praktische Probleme, die den Geschwindigkeitsvorteil zunichtemachen könnten. Das beginnt schon beim grundlegenden, ersten Schritt, dem Einlesen der Daten, und endet beim problematischen Auslesen der Ergebnisse.
- Quantencomputer könnten maschinelles Lernen beschleunigen oder effizienter gestalten. Doch noch gibt es viele technische Hürden zu überwinden.
- Es gibt verschiedene Arten, Quantum Machine Learning zu realisieren. Häufig werden dabei klassische Daten von Quantenalgorithmen verarbeitet, die Algorithmen aus dem klassischen maschinellen Lernen in die Quantenwelt heben.
- Eine der größten Herausforderungen ist, dass klassische Daten aufwendig in den Quantencomputer eingelesen und später tausendfach gemessen werden müssen. Das könnte jeglichen Vorteil zunichtemachen.
Dieser Artikel analysiert, wie QML funktioniert, welche Ansätze heute erforscht werden und welche technischen Hürden sie bremsen. Dabei untersuchen wir die zentrale Frage, wie Quantenalgorithmen und klassisches maschinelles Maschinenlernen tatsächlich effizient zusammenwirken, um KI zu beschleunigen, und wo die Theorie an der Realität scheitert.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Quantum Machine Learning: Woran der Quanten-Boost für KI scheitert“.
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Künstliche Intelligenz
Niedersachsen: Großes Rechenzentrum neben ehemaligem Kohlekraftwerk
Das Unternehmen Telis Energie Deutschland der US-Investmentfirma Carlyle Group plant ein großes Rechenzentrum in Niedersachsen. Es soll auf rund 38 Hektar Fläche neben dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Mehrum entstehen. Die Stromversorgung ist dort besonders einfach: Das große Umspannwerk Mehrum/Nord hängt am 220-Kilovolt-Netz und soll zusätzlich einen 380-kV-Anschluss bekommen.
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Dort steht auch der weltweit erste Blindleistungskompensator mit Superkondensatoren zur Netzstabilisierung (Siemens Energy E-STATCOM). Das Kohlekraftwerk wird derzeit abgerissen. Der neue Besitzer des Geländes plant ein Gaskraftwerk, auch ein Batteriespeicher ist wohl angedacht.
Vorstellung im Ortsrat
Die Pläne von Telis Energie Deutschland wurden durch die Vorstellung im Ortsrat Mehrum und dem Rat der Gemeinde Hohenhameln öffentlich. Telis Energie beantragt eine Baugenehmigung. Demnach soll der Bau des ersten Blocks des Rechenzentrums 2028 beginnen.
Wie viele Blöcke geplant sind und für welche Leistung das gesamte Rechenzentrum im Endausbau ausgelegt ist, weiß man bisher nicht. Nach Informationen des NDR sind Investitionen von rund 1 Milliarde Euro geplant.
Carlyle hat Telis, zu der auch Telis Energie Deutschland gehört, erst 2022 gegründet. Ziel sind Investitionen in regenerative Energie wie Windkraft und Photovoltaik.
Carlyle plant groß
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Zu Carlyle gehört aber auch das 2021 gegründete US-Unternehmen Copia Power. Es entwickelt große Projekte für stromdurstige Firmen, also Industrieflächen mit starker Stromversorgung: „Powered Land“ vor allem für Rechenzentren. Als ein Beispiel nennt Copia Power den Harquahala Complex bei Maricopa, südlich von Phoenix, Arizona. Dort sind im Endausbau 1 Gigawatt (GW) Leistung geplant.
Zum Vergleich: Nach Schätzungen kommen alle bisherigen Rechenzentren im Raum Frankfurt/Main, dem größten deutschen Standort, zusammen auf wenig mehr als 1,1 GW.
Copia Power hingegen entwickelt in den USA derzeit mehrere Projekte mit zusammen bis zu 8 GW. Die tatsächlich verbrauchte Leistung hängt dabei von den jeweiligen Nutzern ab, an die Copia die Projekte vermietet oder übergibt.
Kohlekraftwerk Mehrum
Das 1965 in Betrieb genommene Kraftwerk Mehrum hatte zuletzt eine installierte Leistung von 750 MW. Es war ab 2021 eigentlich stillgelegt und wurde dann kurzzeitig wegen der Versorgungsengpässe durch den russischen Überfall auf die Ukraine wieder in Betrieb genommen. Mittlerweile wird es abgerissen.
Seit 2017 gehört die Anlage mehrheitlich zur tschechischen Energetický a Průmyslový Holding (EPH) beziehungsweise EP Energy. EPH gehört wiederum zur PPF Group des 2021 verstorbenen Petr Kellner, der einst der reichste Mann Tschechiens war.
Laut der Präsentation für die Gemeinderäte erwägt Telis Energie, das Rechenzentrum Hohenhameln übergangsweise mit Strom aus dem geplanten Gaskraftwerk Mehrum zu speisen. Grundsätzlich gibt es in Niedersachsen aber sehr viel Strom aus Wind und auch Sonne.
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(ciw)
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