Künstliche Intelligenz
Kann jeder 3D-Druck? | c’t 3003
Beim Einstieg in den 3D-Druck kommen viele Fragen auf: Welche Drucker eignen sich für Einsteiger, welches Filament taugt und wie funktioniert Slicen? c’t 3003 hat es sich aus Anfängerperspektive angeschaut.
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Transkript des Videos
(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)
Guck mal hier, diese ultra nice Nachttischuhr habe ich mir selbst gedruckt, obwohl ich wirklich gar keine Ahnung habe, wie man einen 3D-Drucker bedient. Aber so schwer kann das ja nicht sein, einfach USB-Stick rein und drucken, oder? Hmm, aber hä, welche Datei muss da jetzt rein, und wo bekomme ich die überhaupt her? Was für Material brauche ich? Und was sind das hier eigentlich immer für komische Tentakel? Ja, also in diesem Video dokumentiere ich mal, wie schwer es ist, als kompletter Anfänger 3D zu drucken, was für Einstiegshürden es dabei gibt und was ich dabei alles so gelernt habe. Vielleicht hilft es euch da draußen ja auch, besser beurteilen zu können, ob das was für euch ist oder nicht. Das alles inklusive einem Special Guest und konkreten Empfehlungen für Einsteiger, Drucker und Material. Bleibt dran!
Liebe Hackerinnen, liebe Internet-Surfer, herzlich willkommen hier bei…
Ja, also 3D-Drucken war für mich immer etwas, was ich tendenziell interessant finde, aber was primär andere Leute gemacht haben. Und da das eine riesige und total nerdige Welt ist, hat es mich auch immer ein bisschen abgeschreckt, da selbst mal reinzudippen. Bis ich dieses Video von Scott Yu-Yan gesehen habe. Er hat diese schicke iPhone-Nachttischhalterung designt, wo man das Handy einfach zum Laden reinklemmen kann. Ja, und genau sowas wollte ich schon lange haben. Er verkauft das Ding auch, aber das wäre ja extrem langweilig. Ich will versuchen, mir das selbst zu drucken, auch wenn ich bisher noch nie einen 3D-Drucker angefasst habe. Für die 3D-Druck-Experten unter euch wird das vermutlich ein einziger Ragebait. Aber vielleicht ist das ja auch gerade ganz lustig anzusehen. Ah, und falls ihr klugscheißen wollt, gibt es hier die perfekte Gelegenheit, gerne einfach alles in die Kommentare schreiben, was euch so einfällt. Und für die, die noch nie 3D gedruckt haben, ist dieses Video ja vielleicht eine Stütze, um es mal auszuprobieren. Kapitelmarker sind unten.
Okay, also erstmal ganz wichtig: Was sind denn gute 3D-Drucker für Einsteiger, und was für Druckmaterial sollte man sich kaufen? Also das Filament. Und was kostet das überhaupt? Spoiler, das ist gar nicht mal so teuer, wie ich gedacht hatte. Also erstmal Disclaimer, ich habe das wundervolle Privileg, in einer Tech-Redaktion zu arbeiten, wo eigentlich alle drei Meter ein 3D-Drucker rumsteht. Auch Keno hatte hier einen auf dem Boden rumstehen, den ich mir einfach snacken konnte. Das ist ein Prusa MK4S, und der gehört mit grob 750 Euro auf jeden Fall nicht zu den Druckern für Einsteiger. Aber für alles, was ich hier so mache, ist der auf jeden Fall auch total overkill. Das geht auch alles mit viel günstigeren Modellen, die schon so bei 250 Euro losgehen.
Für konkrete Empfehlungen habe ich aber einen Special Guest am Start, den einige OG-3003-Fans wahrscheinlich noch kennen werden und der sich extrem gut mit 3D-Druck auskennt. Unser ehemaliger 3003-Kollege und Make-Redakteur Johannes Börnsen.
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Johannes Börnsen: Zwei ganz konkrete Empfehlungen, wenn du konkrete Produkte hören willst, wäre der Bambu Lab A1 Mini. Den gibt es so für ungefähr 200 Euro. Das ist auch so, würde ich sagen, im Moment, was FDM-Druck angeht, die untere Grenze. Das ist aber wirklich ein sehr, sehr guter Drucker. Dann gibt es, wenn man diese chinesische Cloud-Anbindung von Bambu nicht so gerne mag, dann gibt es den Prusa Mini Plus im Moment, die aktuelle Generation. Das ist dann eben einfach auch ein europäisches Gerät, und man ist nicht an irgendwelche chinesischen Clouds und sowas gebunden. Die drucken von der Druckqualität beide genauso wie der MK4S, mit dem du jetzt gedruckt hast. Allerdings haben sie nicht ganz so großen Bauraum. Der ist so ungefähr 20 x 20 x 20 Zentimeter. Das reicht aber, würde ich sagen, immer noch für 95 Prozent aller Projekte, die ich so mache, würde das ausreichen.
Ja, okay, nice. Jetzt braucht man also nur noch Filament. Also dieses Zeug, was auf diesen Spulen hängt, und ja, das Material zum Drucken halt. Davon gibt es viele verschiedene. Johannes?
Johannes Börnsen: Also das gängigste Material für FDM-3D-Druck ist PLA. Da gibt es am meisten Farben, es gibt am meisten Hersteller und jede Menge Auswahl. Und PLA ist wirklich sehr, sehr leicht und anfängerfreundlich zu drucken. Es ist auch nicht so wahnsinnig empfindlich, was Feuchtigkeit angeht. Also es gibt Filamente, Kunststoffe, die eben sehr viel Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen. Es gibt Filamente, die sehr hohe Temperaturen von der Düse erwarten oder vom Druckbett auch. Das Gute ist aber, PLA ist eben das Einsteigerfilament, und das können wirklich alle FDM-3D-Drucker können, mit PLA gut arbeiten. PLA hat natürlich Grenzen, es ist nicht besonders temperaturresistent, aber mit PLA einsteigen ist auf jeden Fall der richtige Weg. Und wenn ich mir einen FDM-3D-Drucker drucke, kann ich mir zu 100 Prozent sicher sein, der kann PLA drucken.
Okay, easy. Jetzt den Drucker ready machen. Wie gesagt, ich habe mir das Ding ja von Keno ausgeliehen. Dementsprechend musste ich nichts zusammenbauen, und theoretisch ist schon alles ready zum Drucken. Also fast. Diese Platte hier, das sogenannte Druckbett, muss man sauber halten. Das geht wohl mit Isopropanol am besten, ja, aber habe ich zufällig nicht hier. Warmes Wasser mit Spülmittel soll aber auch okay sein. Es müssen vor allem fette Materialreste und Staub entfernt werden, damit das Material gut am Bett haftet. Okay, also kurz abwaschen halt, easy.
Normalerweise, wenn man so einen Prusa-Drucker zum ersten Mal startet, testet der sich erst einmal selbst. Da der hier schon in Betrieb war, habe ich das hier manuell in den Einstellungen nochmal gestartet. Der lief dann auch eigentlich wie von selbst. Also der fährt hier die verschiedenen Achsen ab, heizt sich auf, sagt mir, wenn ich das Filament hier oben reinstecken soll, und so weiter. Also alles echt extrem einfach. Und die Bedienung hier mit diesem Rädchen ist auch super klar. Also alle Tests sind durch, und jetzt kann ich drucken. Aber was?
Eine der einzigen Sachen, die ich über 3D-Druck weiß, ist, dass es so ein komisches Schiff gibt, womit man wohl 3D-Drucker standardmäßig testet. Das Ding heißt Benchy, also wie Benchmark halt. Aber welche Datei brauche ich jetzt, und wie bekomme ich die am besten in den Drucker? Also auf dem USB-Stick, der im Drucker steckt, sind schon ein paar Sachen drauf. Das sind alles G-Code bzw. B-Code-Files. Also dann brauche ich ja bestimmt auch die G-Code-Datei von Benchy, oder nicht? Aber hier gibt es nur eine STL-Datei. Hmm, das ist ja aber das 3D-Modellformat, womit man dann Sachen bearbeiten kann und so. Aber mit denen kann man ja nicht direkt drucken.
Ja, das war auf jeden Fall eine der Sachen, die ich vorher nicht wusste. Der allgemeine Workflow ist nicht der, dass man sich direkt eine Datei runterlädt, die sofort in den Drucker ballert und dann druckt, sondern man lädt sich eine STL-Datei oder eine druckerspezifische Datei, lädt die dann erstmal in eine Slicer-Software, passt die dann nochmal für den eigenen Drucker an beziehungsweise slicet das Bauteil und exportiert dann erst eine G-Code-Datei zum Drucken. Es gibt auch ab und zu speziell für den Drucker schon angepasste, fertige G-Code-Dateien, aber das ist nicht unbedingt die Regel. Ich hab mit Keno darüber geredet, und lustigerweise hatte er genau die gleiche Illusion wie ich. Ja, aber im Nachhinein ist das ja auch logisch, weil jeder Drucker und jedes Filament ist ja anders. Das war mir einfach nur nicht so klar.
Aber was ist Slicen überhaupt genau? Slicen ist das Bearbeiten von 3D-Modellen fürs Drucken. Also dabei kann man die einzelnen horizontalen Schichten beziehungsweise Slices anpassen. Aber in meinem Fall würde ich einfach selber gar nichts groß bearbeiten, sondern einfach was Fertiges drucken. Okay, ich hab jetzt mal den PrusaSlicer installiert, einfach nur, weil das ein Prusa-Drucker ist. Dann die Benchy.stl da reindroppen, und da ist das Schiff. Wird schon irgendwie passen. Hier über Export kann ich dann die G-Code-Datei auf den USB-Stick exportieren. Also das Format, was auch die anderen Dateien auf dem USB-Stick schon hatten. Dann den Stick in den Drucker und drucken. Ja, aber dann hat der Drucker erstmal gemeckert, weil in der G-Code anscheinend ein anderes Filament angegeben ist als das, was ich eingelegt hab. Also wieder in die Software, hier rechts auf PLA umstellen und wieder auf den USB-Stick. Noch mal rein und ah, jetzt druckt er. Toll. Also man checkt, man muss im Slicer auch das richtige Filament einstellen.
Und apropos Slicer-Software. Es gibt ja ganz viele verschiedene dieser Slicer, wie beispielsweise noch Cura, Simplify3D, Bambu Studio und IdeaMaker. Ich benutze hier halt diesen PrusaSlicer wegen des Druckers. Aber wie unterscheiden sich die Tools überhaupt, und welche Software sollte man nehmen? Johannes?
Johannes Börnsen: Unterm Strich kann man eigentlich sagen, wenn man einen Prusa-Drucker hat, dann ist eigentlich der PrusaSlicer auch der Slicer, der am besten auf diesen Drucker optimiert ist oder der hat die passendsten Profile, sag ich mal. Also die lassen sich irgendwie austauschen, und man findet dann Profile auch für die abwegigsten Drucker, eigentlich für jeden Slicer. Und dann gibt es noch den OrcaSlicer, das ist so ein bisschen der Underdog, der aber immer beliebter wird. Das ist auch wieder ein Fork aus dieser ganzen Slicer-Familie. Der ist ein bisschen unabhängig von einem konkreten 3D-Drucker-Hersteller und versucht eben, für alle Drucker Profile schon von vornherein an Bord zu haben. Und bei Bambu zum Beispiel gab es vor einem Jahr oder so was mal eine Riesendiskussion, dass die das an ihre eigene Cloud angebunden haben und man nicht mehr so wirklich ohne diese chinesische Cloud dahinter drucken kann. Manchem ist das eben wichtig, dann kann man den OrcaSlicer benutzen. Ja, im Grunde gucke ich als Erstes, wenn ich auch einen Test-Drucker hier habe, welches ist der Slicer, der zu dem Drucker dazugehört, und mache in 90 Prozent der Fälle, mache ich das mit dem jeweiligen Slicer.
Okay, Benchy druckt auf jeden Fall, und ich muss schon sagen, es macht echt Bock, den so bei der Arbeit zu beobachten. Also wie nach und nach dieses Schiff in die Welt spawnt, ist schon irgendwie, ja, satisfying. Halbe Stunde später ist das Ding fertig, und ja, sieht für mich erstmal gut aus. Aber gerade für dieses Benchmark-Schiff gibt es ganz bestimmte Kriterien, auf die man achten soll, um festzustellen, wie gut der Drucker, ja, druckt. Also beispielsweise, ob beim Druck Stringing entsteht, das sind so kleine Fäden, die dann am Teil hängen, Ghosting, das sind so wellenartige Schichten, die sich durchs Bauteil ziehen, ob das Teil so Überhänge, Verformungen und allgemeine kleine Fehler hat und so weiter. Also mein Benchy sieht für mein komplett ungeschultes Auge eigentlich echt okay aus, sag ich mal. Also ich kann kein Stringing oder Ghosting erkennen, nur hier und da so ganz kleine Punkte, die da eigentlich nicht sein sollten, denke ich mal. Passt schon, I guess.
Okay, cool, ich will mehr Zeug drucken. Aber wo bekommt man diese STL-Files überhaupt her? Die gibt es auf Plattformen wie MakerWorld, Thingiverse, Printables und so weiter. Davon gibt es einige, und da findet man wirklich alles Mögliche. Also Halterungen, Aufbewahrungsboxen, Deko-Kram, Rüstungsteile für Katzen und äh, komplett natürliche und originalgetreue Disney-Prinzessinnen. Naja, aber hier stehen echt viele Infos, die man als Anfänger jetzt erstmal nicht direkt checkt. Nach ein bisschen Research ist das aber eigentlich easy und logisch.
Also ich gehe mal diese Druckinfos einzeln durch, am Beispiel von diesem cuten Oktopus-Anhänger. Einmal gibt es mehrere Varianten, zum Beispiel mit 0,2 mm Layer. Das ist die Dicke der jeweiligen Schichten, die gedruckt werden. Das bestimmt quasi den Detailgrad. Je dünner die Schichten, desto schicker wird das Teil. Aber ja, dann dauert die Nummer auch länger. Dann steht hier „Two Walls“, das gibt an, wie viele Außenwände das Teil hat. Dabei gilt: Je mehr Wände, desto stabiler ist das, und ja, auch wieder, es druckt länger und verbraucht mehr Material. Und als Letztes steht da noch „15% Infill“. Das steht für die Innenfüllung, also ja, wie viel im Inneren gefüllt ist. Hier auch wieder logischerweise: mehr Innenfüllung, das Teil wird schwerer, druckt länger und braucht mehr Material.
Dann ist hier noch angegeben, wie viele Druckplatten man für das gesamte Projekt mit verschiedenen Druckern braucht. Also das heißt, wie viele Drucke es insgesamt fürs Projekt werden. Man kann auch mehrere Teile auf einmal drucken, wenn die zusammen aufs Druckbett passen. Hier im PrusaSlicer gibt es auch so einen Auto-Arrange-Button, der alles schön anordnet. Bei manchen Teilen steht noch „Print in Place“, das bedeutet, dass das ganze Ding quasi nur einen Druck benötigt und dann komplett fertig ist. Andere Dinge bestehen aus mehreren Teilen, die man dann noch zusammenstecken oder irgendwie anders montieren oder kleben muss.
Und ganz kurzer Einschub, es gibt ja auch mehrfarbige Teile, die man sich drucken kann. Also hier auf diesen Plattformen gibt es sowas wie einen Pokéball oder irgendwelche anderen Dekosachen, die mehrere Farben haben. Dafür benutzt man in der Regel direkt Multicolor-3D-Drucker oder man holt sich so Add-ons hier für mein Teil, was ich hier stehen habe. Die wechseln dann automatisch das Filament während des Drucks. Ohne Multicolor-Drucker beziehungsweise Add-on ginge das theoretisch auch, aber dann müsste man jedes Mal händisch das Filament wechseln, wenn sich die Farbe ändert. Aber machen Leute das wirklich?
Johannes Börnsen: Das geht, na klar. Ich kann in G-Code, also ich kann im Slicer quasi sagen, mache in Schicht 60 einen Stopp, mache eine Pause, dann nehme ich manuell das Filament raus, ich mache manuell das nächste Filament rein und drücke am Drucker dann die Taste „Weiterdrucken“ oder sowas. Das kann man machen, das will man aber eigentlich vermeiden, weil das macht mehr als drei Mal pro Druck überhaupt keinen Spaß. Und wenn ich jetzt eben einen Druck habe, wo ich mehrere hundert Filamentwechsel in einem Druck drin haben kann, dann will ich das auf gar keinen Fall manuell machen. Und wenn man jetzt eben einen Drucker hat, der das Filament automatisch wechseln kann, dann macht er im Grunde diesen ganzen Vorgang für mich automatisch, und es dauert natürlich auch ein paar Sekunden, bis das gewechselt ist, bis zu einer Minute oder sowas, je nachdem. Das heißt, das kann die Druckzeit vervielfachen, also ein Druck, der in einer Farbe vielleicht eine halbe Stunde dauert. Wenn da ein paar hundert Filamentwechsel drin sind, dann kann der auch acht Stunden dauern oder zehn. Ich druck dann lieber in einer Farbe aus und lackiere nachher oder male das an. Oder neulich habe ich ein Projekt mit einer Folie beklebt, das sah auch sehr geil aus. Ist ein bisschen Geschmackssache.
Naja, anyways, bei diesem Video bleiben wir mal bei einer Farbe, und ich habe jetzt auf jeden Fall Bock zu drucken. Aber was? Wenn man sich so umschaut, wird einem oft so ein Scraper, also ein Spachtel, vorgeschlagen, mit dem man Drucke gut abschaben kann. Ja, sowas brauche ich eh. Also let’s go. Zack, halbe Stunde später habe ich das Ding in der Hand. Super nice. Dann habe ich mir noch so einen kleinen Klicker gedruckt, mit dem man so rumspielen kann. So einen Ersatz-Türknauf hier und diesen kleinen süßen Oktopus von eben. Dafür habe ich auch mal das Filament gewechselt, ging super easy. Einfach den Anweisungen auf dem Drucker folgen. Muss schon sagen, ich finde es beeindruckend, dass man sich auch so filigrane, bewegliche Sachen drucken kann. Also das war direkt so nach dem Druck hier so alles so wabbelig und cool. War mir einfach nicht so klar.
Okay, genug Schnickschnack. Ich wollte mir ja eigentlich diese geile Halterung fürs Handy drucken. Das kommt sofort. Aber vorher noch ganz kurz. Beim Rumprobieren hat sich die ganze Zeit eine Frage angecreept, die ich mir nicht so richtig beantworten konnte. Braucht man als Privatperson wirklich einen 3D-Drucker? Und wenn ja, wofür eigentlich? Wenn ich auf den gängigen Plattformen nach STL-Files gucke, sieht das irgendwie aus wie die Frontseite von Temu oder das Grabbelregal von Nanu-Nana. Also hier irgendwelche weirden Deko-Sachen, Spielzeug, ultra spezielle Kleinstbauteile wie beispielsweise für so eine Bosch-Spülmaschine und Halterung. So viele Halterungen. Klopapierhalter, Bierhalter, Küchenrollhalter, Zahnpastahalter, Stifthalter, Batteriehalter, Mülltonnenhalter, Tassenhalter, Post-it-Halter, Steckerleistenhalter, Kabelhalter, Q-Tip-Halter, Controller-Halter, Kartenhalter, unendlich viele Handyhalter und Schalen für fast jedes Brettspiel, was je existiert hat. Okay, ja, das ist ja ganz nett, sag ich mal. Vor allem, wenn man Brettspiele mag. Aber mal ganz im Ernst. Braucht man als Privatperson wirklich einen 3D-Drucker? Und falls ja, wofür braucht man den dann? Johannes?
Johannes Börnsen: Braucht man als Privatperson einen 2D-Drucker? Also ich glaube, das ist ein bisschen ähnlich. Das ist praktisch. Und wenn ich nicht selber einen habe und ich möchte aber was drucken, dann muss ich halt irgendwo hingehen, wo es einen Drucker gibt. Was ich tatsächlich sinnvoll finde, ist, wenn sich einmal jeder irgendwie damit auseinandergesetzt hat, wie funktioniert eigentlich 3D-Druck, was kann ich damit machen und welche Probleme kann ich damit vielleicht lösen? Weil man damit eben einfach super irgendwelche Sachen reparieren kann, wenn keine Ahnung, die Taste vom Toaster kaputt ist, mit der man das runterdrückt oder sowas. Dann druck ich so ein Ding neu aus, da brauch ich nicht einen neuen Toaster für kaufen. Das heißt, ein 3D-Drucker hat aus meiner Sicht auch unheimlich viel mit Nachhaltigkeit zu tun. Aber dafür brauch ich sicherlich nicht einen Drucker zu Hause, sondern ich kann in einen Makerspace gehen, in einen Hackerspace gehen. Es gibt viele Bibliotheken inzwischen, die 3D-Drucker da stehen haben, die man nutzen kann. Oder es gibt eben einfach Leute, die so einen 3D-Drucker zu Hause haben, und Leute, die 3D drucken, drucken gerne 3D. Ich glaube, man braucht nicht zwingend einen 3D-Drucker, aber es ist schon, finde ich, ein sehr geiles Werkzeug, und es macht einfach unheimlich viel Spaß, dann irgendwie was am Computer sich zu überlegen, und dann druckt man es aus. Und am meisten Spaß macht es natürlich, wenn man die 3D-Modelle selber zeichnet. Ja, dann hat man halt ein unheimlich universelles und flexibles Werkzeug.
Okay, okay, alles klar. Naja, bevor ich jetzt meine Nachttischuhr drucke, kommt noch ein wichtiges Thema ins Spiel, was ich bisher auch noch nicht auf dem Schirm hatte. Supports. Die Uhr wird nämlich hochkant gedruckt, und im Gegensatz zu den kleinen flachen Sachen bisher ist das jetzt echt hoch und hat auch Überhänge, wo man Supports braucht. Das sind Stützen, die erzeugt werden und den Druck stabilisieren sollen. Die sind nur für die Stabilität beim Drucken da und werden danach dann abgemacht. Also ja, wie wenn man ein Haus baut oder so, glaube ich. Keine Ahnung, ich habe noch nie ein Haus gebaut. Also das wird besonders dann wichtig, wenn das Druckteil halt Überhänge hat, wie beispielsweise hier. Druckt man sowas ohne die Stützen, kann es passieren, dass das Material so komisch absackt. Ja, und falls das Druckteil eher dünn und lang ist, wie dieser average-sized Türknauf von vorhin, kann es sogar auch passieren, dass es beim Drucken umkippt und ja, dann gibt es Spaghetti, weil der Druckkopf druckt dann halt ins Leere.
Die Stützen können in der jeweiligen Slicer-Software eingestellt werden. Hier in dem PrusaSlicer kann man das rechts auswählen. Damit er die anwendet, muss man einmal auf „Slicen“ drücken. Dann erzeugt er erstmal so blockartige Dinger. Nach ein bisschen Research habe ich aber den Eindruck, dass man eher so organische Stützen statt diesen nahtlosen Blöcken nutzt. Das sind so, ja, tentakelartige Dinger. Der Vorteil von denen ist, dass die weniger Material verbrauchen, schneller drucken, sich leichter abtrennen und generell weniger Spuren hinterlassen als so ein fetter Block. Hier im PrusaSlicer lässt sich das in den Druckeinstellungen umstellen, wenn man im Experten-Modus von „nahtlos“ auf „organisch“ stellt. Dann nochmal auf „Slicen“ klicken, und die Software ballert da automatisch dann diese Tentakel dran.
Ich hab damit mal so ein Test-Ding gedruckt, also hier so einen rechten Winkel, und ja, das ließ sich erstaunlich leicht abtrennen. Teilweise zeigt mir die Software auch direkt an, wenn etwas eventuell zu instabil sein könnte, um es ohne Stützen zu drucken. Also man muss sich schon irgendwie auch echt Mühe geben, um grob etwas falsch zu machen. Hab ich den Eindruck. Famous last words, genug kleinen Schnickschnack gedruckt, jetzt geht’s ans Eingemachte. Ich druck jetzt diese iPhone-Nachttischhalterung.
Also wie gesagt, das Ding wurde vom YouTuber und 3D-Druck-Gott Scott Yu-Yan entworfen. Das Video lohnt sich auf jeden Fall auszuchecken. Da geht es unter anderem auch darum, wie der deutsche Designer Dieter Rams das Uhr-Design inspiriert und by the way auch Apples komplette Design-Philosophie geprägt hat. Ja, sehr interessant. Naja, also im Prinzip ist das Teil eine Nachttischhalterung, wo man ein Handy reinlegen kann. Und iPhones haben ja seit ner Weile diesen Standby-Modus, der sich automatisch einschaltet, sobald das Handy lädt und auf der Seite liegt. Dann wird auf dem Bildschirm so dunkel eine Uhr und bei Bedarf dann noch irgendwelche Widgets angezeigt. Die Idee ist jetzt, dass man das iPhone einfach da reinlegt, dann startet der Standby-Modus, und man hat so ne stylische Nachttischuhr.
Damit das Handy lädt, ist hier Platz für so nen MagSafe-Puck, inklusive nem Kabeltunnel, wo man die dann durchfummeln kann. Also, man legt das Handy rein, es lädt direkt, und die Uhr wird angezeigt. Eigentlich simpel. Zusätzlich ist hier oben noch Platz für so nen kleinen Apple-Watch-Ladepuck. Dann kann man in der Theorie seine AirPods einfach auch hier oben drauflegen, und die laden dann auch parallel auf. Mega nice. Da ich sonst hier immer mit drei Kabeln rumhantieren muss und mich das mega doll nervt, finde ich die Idee wirklich ultra geil.
Scott Yu-Yan hat die STL-Datei coolerweise bei MakerWorld hochgeladen. Da gibt’s aber ein Problem. Die Originaldatei ist für das iPhone 15 ausgelegt, und ich hab aber noch ein echt angestaubtes iPhone 12. Peinlich, ich weiß. Das hat zwar fast die gleichen Maße, aber der Druck ist wirklich passgenau designt worden, und ich verwende eine Handy-Hülle, weil ich kein Psychopath bin. Also ja, in einen Druck mit der Originaldatei würde mein Handy plus Hülle nicht reinpassen. Theoretisch könnte man natürlich jetzt auch das Teil selbst so zurecht modellieren, dass mein Handy mit Hülle da genau reinpasst. Joa, aber das kann ich nicht. An das Thema Selbstmodellieren hab ich mich jetzt noch gar nicht drangetraut, und das würde auch den Rahmen dieses Videos sprengen. Also ich lass das hier jetzt erstmal, aber falls wir dafür auch mal so ein Modellieren-für-Anfänger-Video machen sollen, dann schreibt das gerne mal in die Kommentare.
Aber so oder so, das Tolle ist ja, dass die 3D-Druck-Community gigantisch groß ist und andere Leute das Teil schon für alle möglichen Smartphones zurecht modelliert und hochgeladen haben. Das sind hier auf MakerWorld Remixe vom Original, und da gibt es für fast jedes iPhone und auch für einige Android-Modelle eine Variante. Und aha, da gibt’s auch eine für iPhone 12 „Case-Friendly“. Also klingt perfekt. Hier ist sogar so ein kleiner Test-Druck dabei, mit dem man checken kann, ob das Handy wirklich passt. Das ist in 20 Minuten fertig, und ja, passt rein. Also jetzt natürlich nicht so perfekt passgenau wie im Original, aber das ist mir auch ganz recht, falls ich mal die Hülle wechseln will.
Okay, also ich lad jetzt die STL-Datei für die Variante mit Case runter und baller das hier in den PrusaSlicer. Da hab ich jetzt, wie ich vorhin schon meinte, organische Stützen ausgewählt, klicke einmal auf „Slice“, und dann knallt er mir die direkt dran. Dann auf dem USB-Stick damit in den Drucker, und ich hab ja eh schon für diesen Schlüsselanhänger eben ein passendes, knochenweißes Filament eingelegt, also kann ich den Druck direkt starten. Die Nummer dauert neun Stunden. Das find ich schon lang, aber ich hab bisher ja auch nur so 30-Minuten-Schnickschnack gedruckt. Ich denke, in der 3D-Druck-Welt ist das ganz normal. Ja, und da ist das Ding. Hier kurz diese Tentakel abbrechen, und sieht doch eigentlich super aus, oder? Das Einzige, was mir aufgefallen ist, ist dieser eine Streifen hier in einer der Schichten. Der sollte da eigentlich, glaub ich, nicht sein, denke ich mal. Stört mich jetzt nicht so, dass es irgendwie einen neuen Druck rechtfertigen würde.
Ich hab dann noch diesen, ich nenn ihn mal Knopf, ausgedruckt. Das dauert so 20 Minuten. Der passt perfekt hier rein, und damit kann man das Handy hier so rausploppen lassen. Der MagSafe-Puck passt hier auch perfekt rein, und Kabel lassen sich durch die Tunnel fummeln. Ja, und schaut mal, wie schick das Ding auf meinem Nachttisch aussieht. Also ich bin echt mega zufrieden. Und das alles war irgendwie auch einfacher, als ich dachte, muss ich sagen. Also kann ich mir als 3D-Druck-Idiot sowas ohne Vorerfahrung drucken? Ja, kann ich. Und zwar irgendwie mega easy. Vielleicht haben ja welche von euch da draußen auch mal Lust bekommen, das auszuprobieren. Falls ja, schreibt mal gerne in die Kommentare, was ihr so drucken wollt oder gedruckt habt oder ballert direkt Tipps für mich rein, was ich noch so alles Geiles drucken kann. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
c’t 3003 ist der YouTube-Channel von c’t. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.
(sahe)
Künstliche Intelligenz
Mähroboter Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro im Test: Mäht gut und trimmt sogar
Kabellos, Trimmer integriert, 400 m²/h – kann der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro in unserem Test halten, was er verspricht?
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro ist der aktuelle Flaggschiff-Mähroboter des Herstellers und setzt vollständig auf kabellose Navigation. Störende Begrenzungskabel oder eine RTK-Antenne entfallen – stattdessen kombiniert Ecovacs einen 360°-LiDAR mit einem 3D-ToF-Sensor und einer KI-Kamera. Das ist ein klarer Vorteil bei schwierigen Empfangsbedingungen, etwa unter hohen Bäumen oder in Hinterhöfen, wo Satellitensignale oft ausfallen.
Getestet wurde der 18,3 kg schwere Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro in einem anspruchsvollen Garten mit drei Rasenzonen und einer Gesamtfläche von knapp 500 m². Eine Zone weist eine Steigung von rund 30° auf, zwischen den Zonen liegen 4 bis 5 cm hohe Randsteine, und eine weitere Zone ist nur über eine 70 cm breite Engstelle erreichbar. Die Mähgeschwindigkeit wurde auf einer flachen, 240 m² großen Referenzfläche gemessen. Ziel war es herauszufinden, ob der integrierte Tru-Edge-Trimmer und die Dual-LiDAR-Navigation den Alltag wirklich erleichtern – oder ob die vielen Sensoren an komplexen Gegebenheiten scheitern.
Bilder: Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR bietet eine Schnittbreite von 33 cm und integriert einen Rasentrimmer. Letzterer muss nach dem Auspacken mit einem langen Kreuzschlitz-Schraubenzieher montiert werden.
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Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR bietet eine automatische Kartierung, die allerdings nur funktioniert, wenn die Rasenfläche klar abgegrenzt ist. In unserem Test-Garten mit offenen Übergängen kartieren wir manuell. Die Methode liefert in jedem Fall die präziseren Ergebnisse.
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Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR bietet eine automatische Kartierung, die allerdings nur funktioniert, wenn die Rasenfläche klar abgegrenzt ist. In unserem Test-Garten mit offenen Übergängen kartieren wir manuell. Die Methode liefert in jedem Fall die präziseren Ergebnisse.
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Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR bietet eine Schnittbreite von 33 cm und integriert einen Rasentrimmer. Letzterer muss nach dem Auspacken mit einem langen Kreuzschlitz-Schraubenzieher montiert werden.
Der Trimmer funktioniert noch nicht perfekt. Aber nach zwei Durchläufen kann sich das Ergebnis sehen lassen. So wenig Nacharbeit an den Kanten bietet bislang kein anderer von uns getester Mähroboter.
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Unsere nur 70 cm breite Engstelle zwischen zwei Rasenzonen passiert der Goat A3000 LiDAR Pro im Test nicht. Scheinbar ist der Mähroboter durch die Trimmeinheit dafür zu breit geworden, denn das Vorgängermodell hat diese Engstelle gemeistert. RTK-Mähroboter sind bislang alle daran gescheitert.
Ecovacs-App: Die Aufteilung in Zonen ist möglich und bei einem großen Garten mit unterschiedlichen Flächen auch sinnvoll, da man je Zone die optimale Mährichtung einstellen kann.
Design, Verarbeitung und Ausstattung
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro präsentiert sich in einem modernen weiß-schwarzen Gehäuse, dessen Verarbeitung einen hochwertigen Eindruck hinterlässt. Auffällig sind die großen, stark profilierten Offroad-Räder, die gute Traktion versprechen.
Auf der Oberseite thront die charakteristische 360°-LiDAR-Kuppel, die sich mit einer Schutzkappe abdecken lässt. Frontseitig ergänzen eine KI-Fischaugenkamera mit 150° horizontalem und 80° vertikalem Blickfeld sowie ein 3D-ToF-LiDAR mit 90° horizontalem und 70° vertikalem Erfassungswinkel bei einer Reichweite von 3 bis 4 Metern das Sensorsystem. Ein integriertes Display mit drei Tasten und eine gut erreichbare rote Stopptaste erlauben die Bedienung auch ohne Smartphone. Auf der Unterseite arbeiten zwei Messerscheiben mit jeweils drei Klingen bei 3.000 Umdrehungen pro Minute. Der seitliche Fadentrimmer wird separat montiert.
Modellvarianten: Ecovacs bietet den Mähroboter in zwei Ausführungen an. Der Goat A1600 LiDAR Pro ist mit einem 3.000-mAh-Akku bei 32,4 V für Flächen bis 1.600 m² ausgelegt, wiegt 17,8 kg und kostet rund 1.500 Euro. Der hier getestete Goat A3000 LiDAR Pro verfügt über einen deutlich größeren 7.500-mAh-Akku für Flächen bis 3.000 m², wiegt 18,3 kg und liegt bei etwa 2.300 Euro. Beide Modelle sind ansonsten baugleich – Schnittbreite von 33 cm, Trimmer und Navigationssystem sind identisch. Der A3000 bringt lediglich den größeren Akku und ein schnelleres Ladegerät mit.
Inbetriebnahme und Kartierung
Die Einrichtung über die Ecovacs-App ist vorbildlich gelöst. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Bildern führt durch Bluetooth-Kopplung, QR-Code-Scan und WLAN-Verbindung über 2,4 GHz – auch in gemischten Netzen gab es keine Probleme. Nach einem obligatorischen Firmware-Update war der Roboter in etwa 30 Minuten startklar. Einzig die Montage des Trimmermoduls erfordert etwas Geduld und einen Kreuzschlitzschraubendreher mit langer Klinge von mindestens 10 cm, da eine Schraube tief im Gehäuse sitzt.
Kartierung: Die automatische Kartierung funktioniert grundsätzlich nur bei klaren Rasenkanten wie Randsteinen oder Mauern. Da der Testgarten offene Grenzen hat und nur teilweise mit Randsteinen umgeben ist, konnte die automatische Kartierung nicht sinnvoll überprüft werden. Für komplexe Gärten ist die manuelle Kartierung ohnehin die bessere Wahl: Man läuft in Bluetooth-Reichweite hinter dem Roboter her und steuert ihn per App entlang der Rasengrenzen. Das ist präziser, zuverlässiger und wird von der App gut unterstützt. Es lassen sich mehrere Zonen und Verbindungspfade anlegen.
Die Mindestdurchfahrtsbreite gibt Ecovacs mit 90 cm an. Die 70 cm breite Engstelle im Testgarten konnte der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro nicht passieren – anders als noch der Vorgänger Goat A3000 LiDAR ohne Pro-Zusatz. Für Gärten mit schmalen Durchgängen ist das eine relevante Einschränkung.
Mähleistung im Praxistest
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro mäht in geraden, parallelen Bahnen und liefert ein tadelloses Schnittbild. Die Schnitthöhe lässt sich elektrisch von 3 bis 9 cm in 1-cm-Schritten einstellen. Pro Zone kann man die Mährichtung gradgenau und die Mähgeschwindigkeit zwischen 0,4 und 0,9 m/s festlegen. Für ein besonders gepflegtes Erscheinungsbild lässt sich ein Schachbrettmuster mit 90°-Wechsel aktivieren. Die Mähgeschwindigkeit sollte man allerdings nur erhöhen, wenn die Rasenfläche kaum Hindernisse wie Bäume oder Büsche aufweist – bei höherem Tempo navigiert der Roboter etwas unpräziser, was grundsätzlich für alle Mähroboter gilt.
Flächenleistung: Auf dem 240 m² großen Teststück benötigte der Roboter 1,6 Stunden, was einer Stundenleistung von 155 m² entspricht. Das ist ein solider Wert, liegt aber deutlich unter der Herstellerangabe von bis zu 400 m²/h, die wohl nur auf völlig freier Fläche bei maximaler Geschwindigkeit erreichbar ist. Der Dreame A3 AWD Pro 3500 ist aufgrund seiner größeren Schnittbreite von 40 cm mit 186 m²/h auf derselben Testfläche schneller.
Kantenschnitt mit dem TruEdge-Trimmer: Die größte Neuerung des Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro ist der integrierte Fadentrimmer. Er wird separat über die App gestartet, nachdem man die zu bearbeitenden Kanten markiert hat. Der Roboter fährt diese dann ab, senkt den Trimmer auf eine feste Höhe von 6 cm und beginnt zu trimmen.
An den Außengrenzen des Gartens funktioniert das Trimmen zufriedenstellend – es bleibt deutlich weniger Nacharbeit als bei Mährobotern ohne Trimmer. Allerdings zeigten sich im Praxistest mehrere Schwächen: Der Roboter verlor gelegentlich ohne ersichtlichen Grund den Kontakt zum Rasenrand, navigierte ins Flächeninnere oder stoppte den Trimmer während der Fahrt. An Sperrflächen hielt er einen viel zu großen Abstand von 10 bis 20 cm, obwohl diese auf 1 bis 2 cm genau kartiert waren – der Trimmer wurde dort wirkungslos. Zudem kann die feste Bauhöhe von 6 cm dazu führen, dass der Trimmer an Randsteinen aufsetzt, wenn der Rasen tiefer als die angrenzende Fläche liegt.
Ecovacs weist in den FAQ darauf hin, dass dichtes Gras mehrere Trimmsitzungen erfordern kann und die Personenerkennung den Trimmvorgang unterbricht – beides bestätigte sich im Test. Nach zwei Durchläufen war das Ergebnis an den Außenkanten gut, die Sperrflächen-Problematik bleibt jedoch ein Ärgernis. Insgesamt ist der Trimmer eine vielversprechende Innovation, die in der aktuellen Softwareversion aber noch nicht ihr volles Potenzial entfaltet.
Navigation und Hinderniserkennung
Das Holo-Scope-360-System kombiniert den 360°-LiDAR mit dem frontalen 3D-ToF-LiDAR und der KI-Kamera zu einem leistungsfähigen Navigationsverbund, der im Regelbetrieb präzise und zuverlässig arbeitet. Die Hinderniserkennung ist vorbildlich: Schläuche, kleine Bälle, Spielzeug und Igel – Ecovacs wirbt mit über 200 erkennbaren Objekttypen – werden sicher umfahren. Dunkle Bereiche oder schlechter Satellitenempfang stellen dank LiDAR kein Problem dar, was einen echten Vorteil gegenüber RTK-basierten Systemen darstellt.
Ganz ohne Kritikpunkte bleibt die Navigation allerdings nicht. Die Hinderniserkennung reagiert gelegentlich übervorsichtig auf hohes Gras oder Löwenzahn, was die Mähzeit unnötig verlängert. Hier hilft die Anpassung des Vermeidungsmodus in der App, der sich auf 10, 15 oder 20 cm konfigurieren lässt. Auch die Überlappung der Mähbahnen schwankt stellenweise, was den insgesamt guten Gesamteindruck etwas trübt. Die Hindernisumfahrung funktioniert im Nahbereich bis auf etwa 5 cm Abstand, was für die meisten Alltagssituationen ausreicht.
Akkulaufzeit und Ladezeit
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro ist mit einem 7.500-mAh-Akku bei 32,4 V ausgestattet, was einer Kapazität von rund 243 Wh entspricht. Im Praxistest auf dem flachen 240-m²-Teststück verbrauchte er bei 1,6 Stunden Mähzeit etwa 45 bis 50 Prozent der Kapazität. Die Ladezeit von 15 auf 100 Prozent betrug mit dem 189-W-Netzteil 85 Minuten – die Herstellerangabe von 70 Minuten wurde damit nicht ganz erreicht, der Wert ist aber akzeptabel. Die Reichweite dürfte für die beworbenen 3.000 m² in der Praxis bei komplexen Gärten mit Hindernissen und Steigungen etwas geringer ausfallen, ist aber insgesamt sehr gut dimensioniert.
Bei einem Strompreis von 35 Cent/kWh kostet eine Vollladung rund 8,5 Cent – die Betriebskosten sind damit vernachlässigbar.
Hanglagen und Geländetauglichkeit
Ecovacs gibt eine maximale Steigfähigkeit von 50 Prozent an, was etwa 27° entspricht. Im Testgarten wurde der Mähroboter auch auf einer 30°-Steigung eingesetzt – also oberhalb der Herstellerangabe. Auf weniger steilem Gelände arbeitete der Hinterradantrieb zuverlässig, solange längs zum Hang gemäht wurde. Quer zum Hang oder bei nassem, rutschigem Gras kam es jedoch zu Traktionsverlusten und Wendemanövern, die Rasenschäden verursachen können. Für Gärten mit extremen Steigungen ist ein Allradantrieb wie beim Dreame A3 AWD Pro 3500 die bessere Wahl – doch auch mit Allrad sollte man steile Flächen nur bei trockenem Untergrund mähen, um Rasenschäden zu vermeiden.
Die maximale Hindernishöhe liegt bei 4 cm, was für viele Gärten ausreichen dürfte. Die 4 bis 5 cm hohen Randsteine im Testgarten stellten jedoch eine unüberwindbare Hürde dar, sodass der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro eine der drei Rasenzonen nicht erreichen konnte. Für normale Hanglagen bis etwa 45 Prozent Neigung und Gärten ohne hohe Bordsteinkanten ist das Gerät gut geeignet, bei extremeren Anforderungen stößt es an seine Grenzen.
Lautstärke und Betriebszeiten
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro ist im normalen Mähbetrieb mit 62 dB(A) angenehm leise – das entspricht in etwa einer normalen Unterhaltung. Man kann sich problemlos im Garten aufhalten, während er arbeitet.
Deutlich anders verhält es sich mit dem integrierten Trimmer: Mit 82 dB(A) erreicht er die Lautstärke eines herkömmlichen Rasentrimmers. Der Geräuschpegel schwankt dabei je nach Situation – leiser bei der Navigation zwischen den Kanten, lauter im dichten Gras und kurzzeitig mit höherer Drehzahl beim Markieren der Schnittlinie. Nach herrschender Rechtsauffassung gelten für den regulären Mähbetrieb die Zeiten der 32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV): Montag bis Samstag von 7:00 bis 20:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ist der Betrieb grundsätzlich untersagt. Da § 7 der 32. BImSchV für Graskantenschneider verschärfte Einschränkungen vorsieht, sollte der Trimmer vorsichtshalber nur werktags zwischen 9:00 und 13:00 Uhr sowie zwischen 15:00 und 17:00 Uhr eingesetzt werden.
Sicherheit und Diebstahlschutz
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro verfügt über einen PIN-Code, der beim Einschalten oder Verlassen der Mähkarte abgefragt wird. Doch selbst mit Kenntnis der PIN können Diebe mit dem Gerät nichts anfangen: Solange der Roboter mit einem Nutzerkonto verknüpft ist, lässt er sich nicht mit der Ecovacs-App nicht verbinden. Wird das Gerät angehoben, löst es einen Alarm aus. Optional kann ein 4G-Modul mit GPS-Einheit für 150 Euro nachgerüstet werden, das im Lieferumfang nicht enthalten ist und eine Echtzeit-Ortung ermöglicht sowie eine Fernsteuerung außerhalb des heimischen WLAN-Netzes erlaubt.
Die Kombination aus LiDAR, Kamera und ToF-Sensor erkennt selbst kleine Gegenstände zuverlässig, eine hundertprozentige Garantie gibt es dennoch nicht. Zum Schutz nachtaktiver Tiere wie Igel sollte der Mähroboter ausschließlich tagsüber betrieben werden. In einigen Kommunen gibt es bereits Nachtfahrverbote mit empfindlichen Geldbußen – in Leipzig beispielsweise bis zu 50.000 Euro. Geht es nach dem Deutschen Städtetag, könnte ein solches Verbot bald bundesweit gelten. In der Ecovacs-App lassen sich entsprechende Tierschutz-Zeiten definieren, die standardmäßig auf 19:00 bis 7:00 Uhr eingestellt sind.
App und Smart-Home-Integration
Die Ecovacs-App ist funktional und übersichtlich gestaltet. Sie bietet zonenbasierte Einstellungen für Mährichtung, Geschwindigkeit, Schnitthöhe und Hindernisvermeidungshöhe. Zeitpläne lassen sich ebenso konfigurieren wie Tierschutz-Zeiten und eine Regenverzögerung von 3 bis 5 Stunden. Die Kartenbearbeitung erlaubt das Teilen und Zusammenführen von Zonen, das Anlegen von Sperrflächen und Verbindungspfaden sowie die gezielte Auswahl der Kanten für den Trimmereinsatz. Darüber hinaus stehen eine manuelle Steuerung und ein Livestream der integrierten Kamera zur Verfügung. Die App ist allerdings nicht für Tablets wie das iPad optimiert – die Darstellung lässt sich lediglich größer zoomen.
Smart-Home-Integration: Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro unterstützt Sprachsteuerung über Amazon Alexa und Google Assistant sowie Siri-Kurzbefehle für grundlegende Befehle wie Start, Stopp und Rückkehr zur Ladestation. Auch eine Einbindung in Smart Home by Hornbach ist möglich, bietet aber nur rudimentäre Funktionen wie Start und Stopp – selbst das Auslesen von Betriebsdaten wie dem Akkustatus fehlt. Die Community-basierte Home-Assistant-Integration unterstützt derzeit den Goat A3000 LiDAR aus dem Vorjahr, jedoch bislang nicht das aktuelle Pro-Modell. Zudem ist die Integration an die Hersteller-Cloud gekoppelt – ein rein lokaler Zugriff auf das Gerät ist nicht möglich. Eine native Anbindung an Apple Home besteht nicht.
Wartung und Pflege
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro ist nach IPX6 zertifiziert und kann mit einem sanften Wasserstrahl gereinigt werden – ein Hochdruckreiniger sollte jedoch nicht zum Einsatz kommen. Die Ladestation ist nach IPX4 geschützt. Vor dem Reinigen oder Umdrehen des Geräts muss die Gummikappe auf die LiDAR-Kuppel gesetzt werden, um den empfindlichen Sensor zu schützen.
Laut Handbuch sollte der LiDAR-Sensor wöchentlich abgewischt werden, Kamera und ToF-Sensor alle ein bis zwei Wochen. Die Messer sind alle vier bis sechs Wochen zu wechseln, Trimmerfaden und -bürste alle vier bis acht Wochen. Ein Ersatzmessersatz mit 18 Klingen kostet 15 Euro, von Drittanbietern gibt es 30 Stück bereits für aktuell rund 16 Euro. Ein Trimmer-Kit mit zwei Fäden und zwei Bürsten schlägt mit 35 Euro zu Buche.
Der Akku ist über eine verschraubte Abdeckung auf der Unterseite zugänglich und grundsätzlich wechselbar. Die Kosten für einen Austausch außerhalb der Garantie sind allerdings nicht verbindlich beziffert – der Support verweist auf autorisierte Servicepartner.
Preis
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro positioniert sich mit rund 2300 Euro im oberen Premiumsegment. Sein größtes Alleinstellungsmerkmal ist der integrierte Trimmer, der allerdings in der aktuellen Softwareversion noch nicht perfekt arbeitet. Gegenüber RTK-Systemen hat er den Vorteil, dass er auch ohne Satellitenempfang zuverlässig navigiert. Gegenüber dem Dreame A3 AWD Pro 3500 fehlt ihm der Allradantrieb für extreme Steigungen und hohe Randsteine, dafür bietet er mit dem Trimmer eine Funktion, die kein anderes Gerät im Testfeld hat. Ecovacs gewährt drei Jahre Garantie.
Für Gärten bis 1.600 m² ohne extreme Steigungen ist der Goat A1600 LiDAR Pro mit rund 1500 Euro die wirtschaftlichere Alternative: Baugleiche Technik, mit identischem Trimmer und Navigationssystem, lediglich der Akku ist kleiner. Wer keine 3.000 m² mähen muss, spart 800 Euro ohne funktionale Einbußen.
Fazit
Der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro ist ein mutiger, aber noch nicht vollständig ausgereifter Meilenstein. Die kabellose Dual-LiDAR-Navigation arbeitet hervorragend – vor allem unter Bäumen oder in Hinterhöfen, wo RTK-Systeme regelmäßig scheitern. Die Mähleistung ist mit 155 m²/h gut, das Schnittbild tadellos gleichmäßig. Auch die App überzeugt mit übersichtlicher Bedienung und umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten, die sich pro Mähzone individuell festlegen lassen.
Der integrierte Tru-Edge-Trimmer ist die eigentliche Innovation dieses Modells. An den Außenkanten des Gartens spart er spürbar Nacharbeit – kein anderes Gerät im Testfeld kommt ohne manuellen Rasentrimmer an ein vergleichbares Ergebnis. Allerdings kämpft der Trimmer mit Abstandsproblemen an Sperrflächen, gelegentlichen Unterbrechungen und einer festen Bauhöhe von 6 cm, die an Randsteinen zum Problem werden kann. Die Technik ist vielversprechend, benötigt aber noch Software-Feinschliff.
Grenzen zeigt der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro bei der Geländetauglichkeit: Die Mindestdurchfahrtsbreite von 90 cm schließt enge Passagen aus, die maximale Hindernishöhe von 4 cm macht hohe Randsteine zur unüberwindbaren Hürde, und bei Steigungen jenseits von 27° gerät der Hinterradantrieb ins Rutschen. Wer einen Mähroboter für Gärten mit Engstellen, hohen Bordsteinkanten oder steilen Hängen sucht, ist mit einem Allrad-Modell wie dem Dreame A3 AWD Pro 3500 (Testbericht) besser bedient.
Für große, überwiegend offene Gärten mit moderaten Steigungen und dem Wunsch nach möglichst wenig Nacharbeit an den Kanten ist der Ecovacs Goat A3000 LiDAR Pro dennoch eine der interessantesten Optionen am Markt. Wenn Ecovacs die Software-Baustellen beim Trimmer und bei der Bahnüberlappung per Update behebt, könnte dieses Gerät sein volles Potenzial entfalten.
Künstliche Intelligenz
KI-Update kompakt: Grok, Claude Opus 4.7, Robo-Blindenhund, KI-Influencer
Grok stand kurz vor dem Rauswurf aus Apples App Store
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Apple hat laut NBC News die KI-App Grok beinahe aus dem App Store entfernt. Auslöser waren Berichte über nicht einvernehmliche Deepfake-Nacktbilder, die das KI-Modell von Elon Musks Firma xAI erzeugte, möglicherweise auch von Minderjährigen. In einem bislang unveröffentlichten Brief an US-Senatoren, den NBC News publik machte, erklärte Apple, man habe sowohl xAI als auch das soziale Netzwerk X kontaktiert, Verstöße gegen die App-Store-Richtlinien festgestellt und ein Ultimatum mit konkretem Maßnahmenpaket gestellt.
xAI versprach daraufhin eingeschränkte Bildbearbeitungsfunktionen und stärkere Zugriffsbeschränkungen. Laut NBC News lassen sich die Schutzmechanismen aber weiterhin umgehen. Kritiker werfen Apple vor, einen kleinen Entwickler für vergleichbare Verstöße längst gesperrt zu haben. In den USA wird derweil ein gesetzliches Verbot von KI-Systemen diskutiert, die solche Deepfakes ohne Zustimmung der Betroffenen ermöglichen.

OpenAI kündigt GPT-5.4-Cyber an
OpenAI bringt mit GPT-5.4-Cyber ein eigenes KI-Modell für Cybersicherheit auf den Markt. Der Zugang bleibt zunächst eingeschränkt und läuft über das im Februar gestartete Programm „Trusted Access for Cyber“. In den kommenden Wochen will OpenAI das Modell auf tausende verifizierte Sicherheitsforscher sowie hunderte Teams ausweiten, die kritische Software schützen.
OpenAI sieht GPT-5.4-Cyber als ersten Schritt zu weiteren spezialisierten Cybersicherheitsmodellen. Die bestehenden Schutzmechanismen hält das Unternehmen für stark genug, um aktuelle Modelle breiter zugänglich zu machen.
OpenAI bringt großes Update für Codex
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OpenAI hat sein Entwicklertool Codex umfassend erweitert. Das agentische KI-System kann nun den Computer bedienen, Bilder erzeugen und über Wochen eigenständig an Projekten arbeiten. Damit zielt OpenAI direkt auf Anthropics Programmierassistenten Claude Code. Die auffälligste Neuerung heißt „Background Computer Use“: Codex kann den Bildschirm sehen, klicken und mit einem eigenen Cursor tippen. Mehrere KI-Agenten sollen parallel arbeiten können, ohne die Nutzer zu stören. Die Funktion läuft zunächst nur auf macOS.
Dazu kommen Automatisierungsfunktionen. Codex kann sich laut OpenAI selbst künftige Aufgaben einplanen und automatisch an langfristigen Projekten weiterarbeiten.
Anthropic veröffentlicht Claude Opus 4.7
Anthropic hat sein Spitzenmodell Claude Opus aktualisiert. Auf dem Coding-Benchmark SWE-bench Pro erreicht Version 4.7 64,3 Prozent, der Vorgänger Opus 4.6 kam auf 53,4 Prozent. Auch OpenAIs GPT-5.4 liegt mit knapp 57,7 Prozent darunter. Anthropics eigenes Forschungsmodell Mythos Preview bleibt mit fast 78 Prozent allerdings klar vorn. Neben dem Programmieren verbessert Anthropic die Bildverarbeitung: Opus 4.7 verarbeitet Bilder mit bis zu 3,75 Megapixeln, mehr als dreimal so viel wie frühere Claude-Modelle. Bei der Analyse komplexer Dokumente steigt die Trefferquote laut Anthropic von 57,1 auf über 80,6 Prozent.
Besonders auffällig ist der Umgang mit Cybersicherheit. Anthropic hat beim Training experimentell versucht, riskante Cyber-Fähigkeiten gezielt zu drosseln. Neue Schutzmaßnahmen blockieren automatisch Anfragen, die auf verbotene oder hochriskante Nutzung hindeuten. Teurer könnte die Arbeit mit dem Modell dennoch werden: Die Stückpreise bleiben bei 5 Dollar pro Million Input-Tokens und 25 Dollar pro Million Output-Tokens, doch ein neuer Tokenizer bildet denselben Text auf bis zu 35 Prozent mehr Tokens ab. Die tatsächlichen Kosten pro Anfrage können dadurch spürbar steigen.
KI-Code wächst schneller als das Verständnis dafür
Thoughtworks, ein Technologieberatungsunternehmen, warnt in der 34. Ausgabe seines halbjährlichen Technology Radar vor „kognitiven Schulden“. Diese entstehen, wenn künstliche Intelligenz immer größere Codemengen erzeugt und das gemeinsame Verständnis von Softwaresystemen in Entwicklerteams schneller erodiert, als es sich erneuern lässt. Während frühere Ausgaben des Radars die wachsenden Fähigkeiten von KI im Software-Engineering beleuchteten, verschiebt sich der Fokus nun auf die Risiken beim Skalieren und im produktiven Einsatz.
Der Unterschied zu klassischen technischen Schulden ist wesentlich: Technische Schulden stecken im Code selbst, kognitive Schulden dagegen in den Köpfen der Entwickler. Die Kluft zwischen Mensch und System wird größer, wenn KI-generierter Code schneller entsteht, als Teams ihn durchdringen können. Der Technology Radar fordert daher eine Rückbesinnung auf Engineering-Grundlagen, um die wachsenden Fähigkeiten von KI nachhaltig nutzen zu können.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Prompt-Injection-Angriffe auf Apple Intelligence
Forschende haben auf der RSAC-Sicherheitskonferenz mehrere neue Angriffsmethoden auf Apple Intelligence demonstriert. Bei 100 zufälligen Prompts gelang es ihnen, die Schutzmechanismen in 76 Prozent der Fälle zu umgehen. Die Hauptprobleme liegen in den schwächeren lokalen Modellen, die Apple verwendet, bevor rechenintensivere Cloud-Modelle zum Einsatz kommen. Apple soll die Lücken inzwischen behoben haben.
Siri-Team muss vor großem Relaunch KI-Programmieren lernen
Rund 200 Programmierer aus Apples Siri-Team sollen in einem mehrwöchigen Bootcamp lernen, wie sie Werkzeuge wie Anthropics Claude Code oder OpenAIs Codex beim Programmieren einsetzen. Das berichtet das Branchenportal „The Information“. Das Siri-Team gilt bei Apple intern seit Jahren als träge und soll den Anschluss an moderne KI-Entwicklungen verpasst haben.
Der Zeitpunkt ist brisant: Schon im Juni will Apple auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC eine komplett überarbeitete Version von Siri vorstellen. Die neue Siri soll auf Googles Gemini-Modell basieren und deutlich gesprächsfähiger sein. Nach dem Bootcamp bleiben rund 60 Entwickler im Kernteam, weitere 60 sollen Siris Leistung und Sicherheit überwachen.
Roboter-Blindenhund lernt sprechen
Forscher der Binghamton University in New York haben einen Roboterhund entwickelt, der blinde Menschen nicht nur führt, sondern dank großer Sprachmodelle auch mit ihnen spricht. Als Roboter nutzten sie einen Unitree Go2 Pro, ein vergleichsweise simples Modell aus China, das für weniger als 4000 € erhältlich ist. Ein ausgebildeter Blindenhund kostet das Fünf- bis Zehnfache. Als KI-Modell dient GPT-4 von OpenAI, ergänzt um ein eigens entwickeltes Dialogsystem mit zwei Modulen: einer „Planverbalisierung“, bei der sich Mensch und Roboter über Ziel und Aufgabe abstimmen, und einer „Szenenverbalisierung“, bei der der Roboter unterwegs die Umgebung beschreibt.
Sieben blinde Menschen testeten den Roboterhund in einem großen Bürogebäude. Das Sprachmodell hatte vorab Informationen über die Räumlichkeiten erhalten. In komplexeren Umgebungen wie einer Großstadt ist die Leistung noch nicht erprobt, das soll eine Folgestudie klären. Das Feedback war laut den Forschern grundsätzlich positiv. Einen echten Blindenhund kann der Roboter vorerst dennoch nicht ersetzen: Lebende Hunde schätzen Gefahren ein, reagieren bei Stürzen und verweigern auch mal Befehle. Vor allem aber vermitteln sie Vertrauen und Verlässlichkeit.
Renommierte Chipentwickler gründen Nuvacore
Drei ehemalige Chipentwickler von Apple, Intel und Qualcomm haben das Start-up Nuvacore gegründet. Gerard Williams III, John Bruno und Ram Srinivasan wollen einen neuen Prozessorkern entwickeln, der als Allzweck-CPU alles berechnen kann, aber insbesondere KI-Berechnungen schnell und effizient ausführen soll. Sie versprechen, „die Regeln von Silizium komplett neu zu schreiben“.
Noch gibt es weder ein Produkt noch Spezifikationen. Nuvacore hat auch die Befehlssatzarchitektur des neuen CPU-Kerns nicht verraten. Immerhin haben die drei Gründer mit Sequoia Capital bereits einen prominenten Investor gewonnen.
KI-Influencer fluten das Coachella-Festival
Nicht alle Social-Media-Beiträge vom Coachella-Festival in der kalifornischen Wüste sind echt. Laut dem US-Nachrichtenportal „The Verge“ stammen immer mehr Posts von KI-Influencern, also nur virtuell existierenden Persönlichkeiten. Diese posten vermeintliche Fotos mit Prominenten wie Justin Bieber oder Kylie Jenner, die mit KI-Tools erstellt oder manipuliert wurden. Die Bilder wirken überzeugend, weil die Hintergründe teils reale Gebäude und Szenerien des Festivalgeländes abbilden. Dem Account „Granny Spills“ etwa folgen mehr als zwei Millionen Menschen, die Coachella-Beiträge der makellos gestylten KI-Oma sammelten hunderttausende Likes.
Problematisch ist, dass die meisten KI-Beiträge nicht als solche gekennzeichnet werden. In den Bildunterschriften finden sich keine Hinweise auf KI-Tools, erst in den Profilbeschreibungen der Accounts stehen manchmal Anhaltspunkte. Die meisten Nutzer sehen die Beiträge aber nur im eigenen Feed, ohne je das Profil zu besuchen.
Schuhhersteller Allbirds schwenkt auf KI-Geschäft um
Der neue Eigentümer der kriselnden Schuhfirma Allbirds aus San Francisco hat einen Weg gefunden, den Aktienkurs innerhalb von Stunden fast zu verzehnfachen. Er gab bekannt, künftig GPUs an die KI-Branche vermieten zu wollen. Ein institutioneller Investor soll dafür 50 Millionen Dollar bereitstellen. Die Firma soll in „NewBird AI“ umbenannt werden.
Vor der Ankündigung wurde eine Allbirds-Aktie für gerade mal 2,50 Dollar gehandelt. Kaum war die Meldung draußen, sprang der Preis vorübergehend auf fast 24 Dollar, bevor er sich bei rund 17 Dollar einpendelte. Ob dieser abrupte Strategiewechsel vom Schuhverkauf zum GPU-Verleih tatsächlich funktionieren kann, ist zumindest zweifelhaft.

(igr)
Künstliche Intelligenz
Sony World Photography Awards 2026: Mexikanerin gewinnt Hauptpreis
Die Sony World Photography Awards 2026 haben ihre Gewinner bekannt gegeben. Den Titel „Photographer of the Year 2026“ erhält die mexikanische Fotografin Citlali Fabián. Sie überzeugte die Jury mit ihrer Serie „Bilha, Stories of my Sisters“ und gewann damit in der Kategorie „Creative“.
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Fabián gehört einer indigenen Gemeinschaft aus dem Süden Mexikos an und lebt heute in Großbritannien. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit Fragen von Identität, Herkunft und Gemeinschaft auseinander. Ihre Bildserie zeigt Aktivistinnen und Künstlerinnen aus indigenen Regionen Mexikos.
Die Jury hebt hervor, dass die porträtierten Frauen aktiv an der Darstellung ihrer Geschichten mitwirken. Die Fotografin arbeitet eng mit ihnen zusammen. So entstehen Bilder, die nicht nur dokumentieren, sondern gemeinsam entwickelt werden. Das Ziel besteht darin, Frauen sichtbar zu machen, die oft wenig Beachtung finden.
Fabián erhält ein Preisgeld von 25.000 US-Dollar sowie eine Kameraausrüstung. Zudem wird ihre Arbeit im kommenden Jahr in einer Einzelausstellung präsentiert.

Citlali Fabián
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Wettbewerb mit globaler Beteiligung
Die Sony World Photography Awards zählen zu den weltweit wichtigsten Fotowettbewerben. In diesem Jahr reichten die Teilnehmer mehr als 430.000 Bilder ein. Die Beiträge kamen aus über 200 Ländern und Regionen.
Neben dem Hauptpreis vergab die Jury Auszeichnungen in mehreren Kategorien. Dazu zählen die Kategorien Architektur, Dokumentation, Umwelt, Sport und Porträt. Zu den Gewinnern gehören unter anderem Joy Saha im Bereich Architektur, Santiago Mesa für Dokumentarprojekte und Isadora Romero in der Kategorie Umwelt.
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Weitere Auszeichnungen für Nachwuchs und Einzelbilder
Auch Nachwuchsfotografen wurden ausgezeichnet. Den Titel „Jugendfotograf des Jahres“ sicherte sich der 16-jährige Philip Kangas aus Schweden. Auf seinem Bild sind Feuerwehrleute zu sehen, die Kunstwerke aus einem brennenden Gebäude retten.
Jubair Ahmed Arnob wurde als „Studentenfotograf des Jahres“ ausgezeichnet. In seiner Serie dokumentiert er den Wandel einer Wohngegend in Bangladesch.
In der offenen Kategorie für Einzelbilder gewann die Australierin Elle Leontiev. Ihr Foto zeigt einen Vulkanforscher vor einer aktiven Vulkanlandschaft.
Ausstellung in London gestartet
Die prämierten Arbeiten sind ab dem 17. April 2026 im Somerset House in London zu sehen. Die bis zum 4. Mai laufende Ausstellung zeigt mehrere Hundert Fotografien.
Zusätzlich würdigt der Wettbewerb den Fotografen Joel Meyerowitz für sein Lebenswerk. Auch seine Arbeiten sind Teil der Ausstellung.
(vat)
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