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Lernen durch Machen: Wie Mutabor KI-Kompetenz in die Agentur bringt › PAGE online


KI-Schulungen verpuffen oft im Alltag – weil Inspiration nicht gleich Anwendung ist. Mutabor setzt stattdessen auf interne Hackathons mit echten Use Cases. Was dahintersteckt und was andere Agenturen daraus lernen können, erklärt Niklas Karbowiak, Manager Business Strategy & Innovation und AI Officer bei Mutabor.

Lernen durch Machen: Wie Mutabor KI-Kompetenz in die Agentur bringt › PAGE onlineBild: Niklas KarbowiakDie KI-Weiterbildungsbranche boomt. Konferenzen, Webinare, Zertifikatskurse – das Angebot ist riesig, der Transfer in den Agenturalltag oft ernüchternd gering. Das Grundproblem: Wer nur zuschaut, versteht die Idee, nicht den Weg dorthin. Diese Lücke zwischen Inspiration und tatsächlicher Handlungsfähigkeit ist in Kreativagenturen besonders spürbar, denn die Anforderungen sind komplex, die Teams interdisziplinär, und der Druck, mit KI nicht nur experimentell, sondern produktiv umzugehen, wächst.

Mutabor, eine der renommiertesten Design- und Markenagenturen Deutschlands mit rund 180 Mitarbeitenden, hat für sich einen anderen Weg gefunden: regelmäßige interne Hackathons, ein- bis zweimal pro Monat, mit konkreten Fragestellungen aus dem Tagesgeschäft. Keine abstrakten Tool-Demos, keine Frontalbeschallung – sondern echte Probleme, gemischte Teams und das Ziel, in einem halben oder ganzen Tag einen ersten, funktionierenden Prototypen zu bauen. Rund 50 Kolleg:innen haben bisher teilgenommen. Die Ergebnisse: agentenbasierte Workflows für Alltagsaufgaben, skalierbare Brand Assets, digitale Prototypen und – nicht zuletzt – eine spürbar veränderte Haltung gegenüber KI in der Organisation.

Möglich wurde das auch, weil die Infrastruktur bereits stand: die Mutabor Academy, feste Räume, interne Kommunikationsformate. Und weil jemand die inhaltliche Verantwortung übernommen hat. Niklas Karbowiak trägt bei Mutabor den Doppeltitel Manager Business Strategy & Innovation und AI Officer. Was das konkret bedeutet, welche Formate wirklich greifen – und warum er die Angst vor dem Jobverlust im Hackathon direkt adressiert statt kleinzureden – erzählt er im Gespräch mit PAGE.

Du bist gleichzeitig Manager Business Strategy & Innovation und AI Officer. Wie viel davon ist echter Gestaltungsspielraum – und wie viel ist Feuerwehr?

Idealerweise 80 Prozent Gestaltung, 20 Prozent Feuerwehr. Mein Job ist nicht, einfach jedes neue Tool in die Agentur zu werfen. Meine Aufgabe ist es, die Brücke zwischen Geschäftsführung, Teams und Technologie zu bauen: Bedarfe erkennen, Themen priorisieren und Formate so aufsetzen, dass aus Spielerei echte Anwendung entsteht. Zur Feuerwehr werde ich meistens dann, wenn Technologie sich schneller entwickelt als unsere Prozesse oder wenn Tools plötzlich völlig neue rechtliche oder operative Fragen aufwerfen. Aber genau dafür braucht es diese Rolle: um aus Ad-hoc-Druck einen gestaltbaren Rahmen zu machen.

Du hast gesagt, Learnings und Workflows werden »in der Organisation sichtbar gemacht und weitergetragen«. Zeig uns einen.

Klar! Hier ein starkes Beispiel aus einem aktuellen Rebranding-Prozess: Wir haben in den Hackathons node-basierte Workflows entwickelt, um hochwertige 3D-Brandingelemente und Icons skalierbar zu generieren. Das Spannende daran: Diese Workflows, Logiken und Prompts fließen jetzt direkt als neues Regelwerk in die Brand Guidelines des Kunden ein. Dafür gab es vorher keinen Blueprint. Wir mussten ihn uns erarbeiten. Der größte Erfolg ist aber, was danach passiert: Inzwischen ist das kein Nischenthema mehr für drei Spezialist:innen. Jeder zweite Designer bei Mutabor nutzt heute ganz selbstverständlich node-basierte Workflows, um visuelle Systeme zu bauen.

In Kreativagenturen sitzt die Angst tief, dass KI Stellen frisst. Wie geht ihr bei Mutabor damit um – redet ihr das weg, oder adressiert ihr es im Hackathon direkt?

Wir reden das nicht weg, das wäre fatal. KI macht bestimmte Produktionsschritte und standardisierbare Aufgaben günstiger, schneller und austauschbarer. Das ist keine abstrakte Bedrohung, sondern spürbare Realität in den Agenturen. Unsere Antwort darauf ist nicht Motivationstalk, sondern Befähigung. Wir wollen absolute Weltklasse-Designer:innen bleiben. Die Frage ist nicht, ob sich unsere Jobs verändern, sondern ob wir diesen Wandel aktiv gestalten oder passiv ausbaden. Im Hackathon holen wir das Thema aus der diffusen Angst in die Praxis und trainieren genau das, was wichtig bleibt: Systemisches Denken, Urteilskraft und Werkzeugverständnis.

Wenn Brand Assets und visuelle Systeme im Hackathon in Stunden entstehen, was bedeutet das für den Wert gestalterischer Handwerkskunst? Ist das Befreiung oder Entwertung?

Weder noch, denke ich. Es ist eine massive Verschiebung. Wenn die reine Exekution von Assets billiger und schneller wird, steigt der Wert von Geschmack, Präzision und Markenverständnis extrem an. Wenn wir nur noch Output generieren, aber aufhören, unsere gestalterische Urteilskraft zu trainieren, landen wir ungebremst in der Inflation des Mittelmaßes. Handwerk verschwindet nicht. Es verlagert sich von der reinen Ausführung auf Kuration, Systemarchitektur und die berühmten »letzten 20 Prozent«, die einer Arbeit Seele geben.

Was unterscheidet einen gut funktionierenden Hackathon von einem, der versandet? Was sind deine drei nicht verhandelbaren Bedingungen für das Format?

Erstens: Echte Pain Points und Use Cases aus dem Agenturalltag statt abstrakter Tool-Demos.

Zweitens: Radikal gemischte Teams – UX neben Projektmanagement, Motion Design neben Strategy, damit Probleme nicht immer aus der gleichen Perspektive gelöst werden.

Drittens: Systematischer Transfer danach. Erst wenn die Learnings dokumentiert und in die Agentur zurückgetragen werden, entsteht langfristig Kompetenzaufbau.

PAGE-Leser:innen sind Kreative, die das selbst ausprobieren wollen. Kann man bei einem eurer Hackathons dabei sein – und wenn nicht: Was wäre dein Rat, wie man so ein Format startet?

Unsere eigenen Hackathons sind aktuell ein interner »Safe Space«. Aber wir bieten exakt dieses Format inzwischen auch als Modul für unsere Kund:innen an, weil wir merken, dass auch dort die Tools oft längst da sind, aber die Anwendung im Alltag stockt.

Wer das bei sich starten will: Bucht einen Raum, nehmt ein konkretes Problem aus dem Tagesgeschäft, setzt fünf Leute aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen und baut an einem Nachmittag einen ersten, unperfekten Prototypen. Weniger Frontalbeschallung, mehr Ausprobieren.



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Vitakraft vollzieht Marken-Relaunch – Design Tagebuch


Vitakraft, ein Hersteller von Heimtierfutter und -bedarf, überarbeitet nach zweijähriger Entwicklungsarbeit und globaler Marktforschung seinen Markenauftritt. Ziel des Bremer Traditionsunternehmens ist der Wandel von einer rein produktgetriebenen Herstellermarke hin zu einer emotional positionierten Konsumentenmarke mit geschärftem Profil.

Vitakraft ist ein international tätiges Unternehmen der Heimtierbranche mit Sitz in Bremen. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1837 zurück, als Heinrich Wührmann in Heiligenrode bei Bremen eine Futtermittelhandlung gründete. Die Marke Vitakraft wurde 1929 eingeführt. Heute entwickelt und vertreibt das Unternehmen Tiernahrung, Snacks und Zubehör für verschiedene Heimtierarten und ist mit Niederlassungen in rund 20 Ländern vertreten.

Im Zuge der Neustrukturierung des Produktportfolios wurde der Markenauftritt modifiziert. Im Zentrum des Relaunches steht ein neues Markenversprechen: „Die entspannteste Art, dein Tier gut zu versorgen.“

Auszug der Pressemeldung

„Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass viele Tierbesitzer:innen unsere Produkte zwar kennen und kaufen – Vitakraft als Marke aber nicht bewusst wahrnehmen. Mit dem Relaunch werden wir das grundlegend ändern“, erklärt Sarina Hamann, Geschäftsführerin & CMO Vitakraft. „Tierhalterinnen und Tierhalter sind heute mit einer Flut an Produkten, Meinungen und Empfehlungen konfrontiert – das kann schnell überfordern. Ein Thema, das die Heimtierbranche bislang kaum aufgreift. Mit unserem Relaunch wollen wir uns als Marke positionieren, die keinen zusätzlichen Druck aufbaut, sondern Orientierung gibt, Leichtigkeit ausstrahlt und Verlässlichkeit einfach erlebbar macht“, so Hamann.

Vitakraft Verpackung – vorher und nachher, Bildquelle: Vitakraft pet care, Bildmontage: dt
Vitakraft Verpackung – vorher und nachher, Bildquelle: Vitakraft pet care, Bildmontage: dt

Um Konsumenten am Point of Sale eine leichtere Orientierung zu bieten, folgt das Verpackungsdesign dem Prinzip visueller Reduktion, so das Unternehmen. Der weiterhin blau hinterlegte Markenschriftzug beansprucht in vergrößerter Darstellung nun rund ein Viertel der Front. Die bisher verwendete weiße Welle verschwindet ebenso wie das Herzsymbol. Der Vitakraft-Markenschriftzug wurde subtil modifiziert, siehe Detailansicht. So verfügt das „f“ jetzt über eine Unterlänge.

Die Kernfarben Blau und Weiß bleiben erhalten, werden jedoch flächiger eingesetzt und durch neue Akzentfarben ergänzt. Alle Bezeichnungen und Texte verlaufen nun senkrecht in vertikaler Achse, statt leicht geneigt. Scriptuale Fonts wurden dabei in vielen Fällen durch Groteskschriften ersetzt.

Der neue Marken-Claim „Gut gemacht.“ soll das veränderte Markenversprechen sprachlich untermauern. Ein bewusst einfacher Satz, der laut Vitakraft auf drei Ebenen funktioniert: „als Lob ans Tier, als Qualitätsaussage über die Vitakraft-Produkte und als Bestätigung der Kaufentscheidung des Tierbesitzers oder der Tierbesitzerin“.

Der Rollout beginnt nach Unternehmensangaben ab Spätsommer 2026 am Standort Bremen, erste Produktlinien im neuen Design sollen im September in den Handel kommen. Die digitale Präsenz wurde bislang nicht umgestellt.

Entstanden ist der neue Markenauftritt in Zusammenarbeit mit der Agentur Pahnke (Hamburg).

Mediengalerie

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»Das kann nur gut werden«: So startet Mother für Canva! › PAGE online


Mother hat für Canva eine Kampagne speziell für den deutschen Markt entwickelt, die sich in drei Spots ganz auf einen Moment konzentriert, den jeder kennt, der etwas gestalten möchte, ob Eisverkäufer, Fußballerin, Architektin – und auch Kreative(r).

»Das kann nur gut werden«: So startet Mother für Canva! › PAGE online

Mehr als 265 Millionen Menschen nutzen Canva weltweit. Ein Schlüsselmarkt für die KI-basierte Plattform für Gestaltung ist Deutschland und hier startet heute eine Kampagne, die Mother Berlin entwickelt und produziert hat.

Doch wie verbindet man die diverse Canva-Zielgruppe, die einmal quer durch die Bevölkerung bis hin zu den umsatzstärksten Unternehmen reicht?

Die Kreativen von Mother konzentrieren sich dafür auf einen Moment, der für jeden gleich ist: Wenn man vor dem leeren Bildschirm sitzt und nicht wirklich weiß, wie man anfangen soll, und verunsichert ist, ob auch etwas Gutes entsteht.

Screenshot aus »Feedback im Vereinsheim«

Design für alle

Dem setzt die Kampagne ein positives »Das kann nur gut werden« entgegen – und führt dafür ins Vereinsheim, in einen Eiswagen und einen Zug, der wegen einer Oberleitungsstörung reichlich Verspätung hat.

Mit Titeln wie »Feedback im Vereinsheim«, »Likes am Stiel« oder »Endstation Abgabe«, die auf Filme anspielen, werden Stimmen wie in einem Drama laut: »Das schaffst du nicht« tönt es, »Ich habe sowieso nie an ihn geglaubt« oder es hallt ein »na ja, ich weiß nicht« herüber.

Mit einem Augenzwinkern inszeniert und mit inneren Zweifeln, die sich in Menschen (oder Kaffeebecher) verwandeln, zeigen die Spots, dass die Ergebnisse mit Canva nur gut werden können – und unterstreichen damit das Versprechen von Canva, Design für alle zugänglich zu machen.

Die Idee der Kampagne spreche drei Zielgruppen an, heißt es von Mother selbst: kleine Unternehmen, Fachexpert:innen und Vereine/Clubs – und zeigt, wie man mithilfe von KI schnell und hochwertig gestalten kann und Social Content erstellen.

Die Kampagne »Das kann nur gut werden« wird im TV, auf Streaming-Plattformen und Paid Social ausgespielt.

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Unser Beruf verändert sich gerade schneller als meine Lesebrille › PAGE online


Beides hat mich ehrlich gesagt überrascht. Daniel Weiss ist Founder, Designer und AI-Artist – und gratuliert PAGE zum 40. mit einem klaren Gedanken: Gute Gestaltung fängt nie bei der Software an, sondern immer bei der Idee.

Unser Beruf verändert sich gerade schneller als meine Lesebrille › PAGE onlineBild: Daniel WeissSeit fast 30 Jahren gestalte ich Marken. Und ich glaube, ich habe noch nie erlebt, dass sich unser Beruf so radikal verändert wie gerade jetzt.

Das Faszinierende daran: Ausgerechnet KI erinnert mich jeden Tag daran, dass gute Gestaltung nie mit Software begonnen hat. Sondern immer mit einer Idee.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich der PAGE so gerne zum 40. Geburtstag gratuliere. Sie begleitet seit vier Jahrzehnten nicht nur Design, sondern vor allem die Menschen, die Design voranbringen. Denn gute Gestaltung verändert schließlich nicht nur Oberflächen. Sie verändert Perspektiven.

Genau dafür möchte auch ich stehen: für eine Kreativität, die nicht fragt, womit etwas entstanden ist, sondern ob sie Menschen berührt.

Und genau das gibt mir Zuversicht für 2026. Dass Originalität wieder zum eigentlichen Luxus wird. Denn wenn jeder Bilder erzeugen kann, wird die Idee dahinter plötzlich zum wertvollsten Teil der Arbeit.

Mein Wunsch an die PAGE ist deshalb ganz einfach: dass sie weiterhin genau dorthin schaut, wo noch niemand hinschaut. Denn die spannendsten Geschichten beginnen meist lange bevor es Antworten gibt.

Daniel Weiss
FOUNDER  / DESIGNER / AI ARTIST

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