Entwicklung & Code
Markdown auf Steroiden: Quarkdown 2.0 ist da
Der Markdown-Dialekt Quarkdown ist in Version 2.0.0 erschienen. Im Mittelpunkt des Updates stehen ein neues Berechtigungssystem, das den Zugriff eines Dokuments während der Kompilierung einschränkt, und eine HTML-Ausgabe, die vollständig offline funktioniert. Hinzu kommen paralleles Rendering, neue HTML-Optionen für Canonical Links und eine sitemap.xml sowie ein public/-Verzeichnis für statische Assets. Mehrere Breaking Changes betreffen außerdem das Standard-Ausgabeverzeichnis, den Namen des Ausgabeverzeichnisses bei --preview und ein umbenanntes Modul der Standardbibliothek.
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Quarkdown erweitert die Auszeichnungssprache um eine Turing-vollständige Funktionssprache. Anders als klassisches Markdown erlaubt das Open-Source-Projekt damit Variablen, Funktionen und Kontrollstrukturen direkt im Dokument. Es zielt auf HTML- und PDF-Ausgaben für Bücher, Fachtexte, Wissenssammlungen und Präsentationen. Wer Markdown kennt, kann sich Quarkdown am ehesten als Markdown mit eingebauter Skript- und Layoutschicht vorstellen.
Berechtigungssystem als Sandbox
Die wichtigste Neuerung ist das Berechtigungssystem. Es legt fest, worauf ein Dokument während der Kompilierung zugreifen darf. Versucht der Compiler eine Aktion ohne passende Berechtigung, bricht er mit einem Fehler ab. Freigaben und Verbote setzen Nutzer über --allow und --deny; vorgesehen sind unter anderem project-read, global-read, network, native-content und all. Das Feature wirkt vor allem als Sandbox: Weil Quarkdown-Dokumente dank ihrer Funktionssprache deutlich mehr können als reines Markdown, lässt sich die Ausführung fremder Dokumente damit besser absichern.
Ebenfalls zentral ist die überarbeitete HTML-Ausgabe. Quarkdown liefert Schriften, Code-Highlighting-Themes und optionale Bibliotheken jetzt mit der Installation aus und kopiert sie in die generierten Dokumente, statt sie von CDNs oder Google Fonts nachzuladen. Damit funktioniert die Ausgabe vollständig offline. Laut Release Notes sorgt das zugleich für vorhersagbareres Rendering und schnellere Seitenaufrufe. Lediglich chinesische Schriften bei .doclang {zh} sowie explizit gewählte Google Fonts bleiben remote. Der Preis sind größere Ausgabeverzeichnisse und ein etwas langsamerer Erstlauf; Folgekompilierungen bremsen Prüfsummen-Checks dem Projekt zufolge nicht aus.
Für HTML-Projekte führt Quarkdown außerdem die neue Funktion .htmloptions ein. Mit gesetztem baseurl erzeugt sie Canonical Links im jeder Seite und schreibt eine sitemap.xml mit absoluten URLs für Haupt- und Unterdokumente. Damit rückt Quarkdown näher an typische Static-Site-Generatoren heran, ohne dass Nutzer solche SEO-Metadaten nachträglich ergänzen müssen.
Statische Assets und neue Funktionen
Praktisch für Web-Ausgaben ist auch das neue Verzeichnis public/ im Projektwurzelverzeichnis. Dessen Inhalt – etwa robots.txt, CNAME oder andere statische Dateien – landet unverändert im Wurzelverzeichnis der Ausgabe. Ergänzend versteht Quarkdown beim HTML-Export jetzt das Wurzelpfadsymbol @: Ein Verweis wie @/assets/logo.png zeigt auf die Ausgabewurzel und eignet sich damit für Assets, die mehrere Unterdokumente gemeinsam nutzen. Das Konzept erinnert an die public/-Ordner gängiger Web-Frameworks.
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Neu ist zudem die Primitivfunktion .image, die Bilder feiner konfigurierbar macht, einschließlich eines Opt-outs aus dem Media Storage über mediastorage:{no}. Querverweise per .ref rendert Quarkdown jetzt für alle referenzierbaren Typen als Links – also nicht nur für Überschriften, sondern auch für Abbildungen, Tabellen, Code-Blöcke, Gleichungen und benutzerdefinierte nummerierte Blöcke. In längeren technischen Dokumenten wird die Navigation dadurch deutlich konsistenter.
Zu den kleineren, aber nützlichen Komfortfunktionen zählen mehrzeilige Funktionsaufrufe per Backslash am Zeilenende und die neue Funktion .keybinding für Tastenkürzel. Letztere stellt Shortcuts als stilisierte Tastenbeschriftungen dar und berücksichtigt Plattformunterschiede, etwa mit ⌘ statt Ctrl auf macOS. Das ist praktisch für Bereiche wie Dokumentation, Wissenssammlungen und UI-nahe Inhalte.
Mehr Tempo und Bugfixes
Unter der Haube rendert Quarkdown 2.0 Geschwisterelemente jetzt parallel, was große Dokumente beschleunigen soll. Überarbeitet hat das Projekt auch die Ein- und Ausgabe des Media Storage: Dateien kopiert Quarkdown nun per Referenz statt per Inhalt, ergänzt um Prüfsummen, die unnötige Kopien vermeiden.
Bestehende Setups müssen sich auf einige Inkompatibilitäten einstellen. Das Standard-Ausgabeverzeichnis heißt jetzt ./quarkdown-output statt ./output. Bei --preview ohne --out-name vergibt Quarkdown künftig statische Namen nach dem Muster preview-, statt sich an .docname zu orientieren. Hinzu kommt eine Umbenennung in der Standardbibliothek: Das bisherige Modul Injection heißt nun Html; bestehende Verweise auf die Dokumentation des Moduls und seiner Funktionen müssen daher angepasst werden.
Lizenz und Installation
Alle Informationen zu Quarkdown 2.0.0 finden sich in den Release Notes auf GitHub. Das Projekt ist Open Source: Quarkdown und seine Module stehen standardmäßig unter GNU GPLv3; für die Module und Binärpakete von quarkdown-cli und quarkdown-lsp gilt die GNU AGPLv3. Installieren lässt sich die Software per Installationsskript unter Linux, macOS und Windows sowie über Homebrew oder Scoop; alternativ verweist das Projekt auf ein quarkdown.zip aus dem aktuellen Stable-Release oder einen Build via gradlew installDist.
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(fo)
Entwicklung & Code
Google: Neues KI-Modell läuft auch auf Laptops mit nur 16GB RAM
Google DeepMind hat mit Gemma 4 12B ein neues offenes KI-Modell vorgestellt, das multimodale Agenten direkt auf handelsüblichen Notebooks ermöglichen soll. Das Modell mit 12 Milliarden Parametern verarbeitet Text, Bilder und als erstes Modell dieser Größe auch Audio nativ – und benötigt dafür lediglich 16 GByte Arbeits- oder Grafikspeicher. Veröffentlicht unter der Apache-2.0-Lizenz steht es Entwicklern und Unternehmen frei zur Verfügung.
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Damit senkt Google die Einstiegshürde für seine lokale KI-Agenten. Während Googles eigene On-Device-KI Gemini Intelligence auf Android-Smartphones hohe Hardwareanforderungen stellt zielt Gemma 4 12B bewusst auf die breite Masse.
Architektur ohne separate Encoder
Eine zweite Stärke des Modells liegt in seiner vereinheitlichten Architektur. Wie Google in seinem Blog erläutert, verzichtet Gemma 4 12B vollständig auf separate Vision- und Audio-Encoder. Herkömmliche multimodale Modelle von Google nutzen typischerweise eigene Encoder-Module, die Bilder und Audiodaten erst übersetzen, bevor das Sprachmodell sie verarbeitet. Gemma 4 12B geht einen anderen Weg: Hier soll der Input direkt vom LLM-Backbone verarbeitet werden.
Leistung nahe am doppelt so großen Modell
Innerhalb der Gemma-4-Familie positioniert Google das 12B-Modell zwischen den Edge-Varianten E4B, die für Smartphones und IoT-Geräte wie Raspberry Pi konzipiert sind, und dem größeren 26B-Mixture-of-Experts-Modell (MoE). In Benchmarks soll es laut Google jedoch nur knapp hinter dem stärkeren Modell zurückliegen. Ohne dedizierte GPU verlängern sich die Inferenzzeiten aber wahrscheinlich.
Wie das neue Modell im Vergleich zu 16GB-Varianten von anderen Anbietern abschneidet, ist noch nicht abzusehen.
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(rie)
Entwicklung & Code
Kommentar: Microsofts Open-Source-Liebe hat einen Preis
Wie sich die Zeiten doch ändern: Ausgerechnet Microsoft liefert heute Open Source frei Haus. Richtig praktische und wirklich offene Werkzeuge für Entwickler reihte der Konzern auf der Build 2026 auf – ein quelloffenes KI-Terminal, hilfreiche Dev Configs, dazu WSL-Container und mehr als 75 Unix-Werkzeuge der Coreutils. Doch wer darin nur Entwicklerfreundlichkeit sieht, verpasst den eigentlichen Coup. Open Source ist inzwischen das perfekte Business für den Konzern.
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Moritz Förster schreibt seit 2012 für die iX und heise online. Er betreut neben dem iX-Channel den Bereich Arbeitsplatz.
Microsoft ging gegen offene Standards lange strategisch vor – und die Strategie trug in den 90ern ein berüchtigtes Kürzel: „EEE – Embrace, Extend, and Extinguish“. Das US-Justizministerium dokumentierte, wie der Konzern dabei vorging. Erst drang Microsoft in Märkte mit offenen Standards ein, dann erweiterte es diese Standards um proprietäre Funktionen, und schließlich nutzte es die so entstandenen Unterschiede, um die Konkurrenz auszuschalten.
Sofort wurde das zu Microsofts Geschäftspraxis: Zum Beispiel setzt Microsoft im Browserkrieg den Internet Explorer nicht nur offensiv gegen Netscape ein; interne Memos zeigen darüber hinaus, dass der Konzern Office und HTML-Funktionen so verzahnen wollte, dass sie als Hebel ausschließlich das eigene Ökosystem stärken.
Diesmal fehlt das dritte E
Doch die Ankündigungen der Build 2026 sind nicht einfach nur EEE 2.0 mit besserem Marketing. Das Umarmen war immer nur Mittel zum Zweck, und der Zweck hieß ersticken. Heute fehlt diese dritte Stufe.
Microsoft gibt bei den Werkzeugen, die Entwickler täglich nutzen, keinen Zentimeter Boden auf. Niemand muss migrieren oder sich umgewöhnen. Und niemand lockt den offenen Standard in eine proprietäre Sackgasse. Was hier an Reibung verschwindet, kostet Microsoft nur Entwicklungsaufwand – aber keinesfalls Marktmacht.
Nehmen wir als Beispiel die Datenbanken: Statt einer hauseigenen, geschlossenen Datenbank setzt Microsoft mit Azure HorizonDB auf das offene PostgreSQL. Die Botschaft: Bleibt bei Postgres, wir bauen die KI-Bausteine drumherum. Ausgerechnet der Konzern, der mit proprietären Datenbanken groß wurde, setzt jetzt auf die Open-Source-Alternative.
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Die Motivation ist betriebswirtschaftlich, Satya Nadella hat das nie verheimlicht. Seit 2014 verschiebt Microsoft sein Kerngeschäft von der Lizenzsoftware zu den Plattformdiensten, und Nadella sagt offen, dass sich mit geschlossenen Lizenzen auf Dauer kein Staat mehr machen lässt. Warum eine Lizenz einmal verkaufen, wenn man dieselbe Leistung monatlich vermieten kann? Dass heute über die Hälfte der Azure-Workloads unter Linux laufen, gehört inzwischen zum Geschäftsmodell.
Microsoft kassiert trotzdem ab
Der Coup steckt im Business-Schlachtfeld selbst. Der Kampf heißt nicht mehr Windows gegen Open Source. Er heißt Cloud gegen Cloud. Die Maut kassiert Microsoft nicht mehr an der Systemgrenze, sondern beim Cloud-Dienst: bei Azure, bei GitHub, beim Copilot-Abo. Der Konzern stellt das Kassenhäuschen einfach woanders auf.
Selbst Steve Ballmer hat das inzwischen eingeräumt. Seine frühere Haltung sei für ihre Zeit richtig gewesen, doch die Linux-Bedrohung liege heute „im Rückspiegel“. Und die harte Linie habe dem Konzern damals mehr Umsatz gebracht, als ein frühes Umarmen es getan hätte. Erst kämpfen, dann kassieren, schließlich umarmen – aus Sicht der Bilanz hat sich jede Phase gelohnt.
Bleibt die Frage nach dem dritten E
Man sollte die Wende trotzdem nicht zu gutgläubig feiern. Viele Entwickler misstrauen dem freundlichen Microsoft bis heute aus gutem Grund. Als der Konzern 2021 eine Hot-Reload-Funktion aus dem quelloffenen .NET herauslösen wollte und sie erst nach lautem Protest zurückholte, blitzten die alten Reflexe wieder auf. Auch die heute „umarmten“ Werkzeuge wie GitHub, Copilot und Codespaces tragen proprietäre Schichten in sich. Jede Nutzung zentralisiert die Branche ein Stück weiter auf einen einzigen Anbieter.
Microsofts Open-Source-Zuneigung mag heute echt sein – aber sie entspringt eben nicht einem Altruismus, sondern dem nüchternen Kalkül, nicht wie einst IBM zu erstarren. Doch in fünf Jahren kann schon wieder eine andere Business-Logik gelten.
(fo)
Entwicklung & Code
Visual Studio Code 1.123 synchronisiert Agenten-Sessions über Geräte hinweg
Microsoft bringt in Version 1.123 von Visual Studio Code weitere neue Features für den Umgang mit großen Sprachmodellen. Dazu gehören synchronisierte Chat-Sessions über mehrere Geräte hinweg, ein vergrößertes Kontextfenster für spezielle Modelle und die Möglichkeit, multiple Agenten-Fenster parallel zu öffnen.
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Synchronisierte (Agenten-)Chats
Als neue Standardfunktion synchronisiert Visual Studio Code nun Chat-Sessions zum GitHub-Account seiner Nutzerinnen und Nutzer, inklusive aller lokalen Agenten-Sessions. Wie Microsoft betont, seien die synchronisierten Chats privat, außer wenn Nutzer sie explizit teilen. Auf github.com erscheinen die Chats im Agents-Tab eines Repositories und lassen sich durchsuchen.
Wer die Synchronisierung nicht nutzen will, setzt die auf Organisationsebene bestehende Einstellung chat.sessionSync.enabled auf false.
Agentenvergleich auf einen Blick
Das Preview-Feature Agents Window hat eine neue Funktion erhalten: Neben einer geöffneten Agenten-Session lässt sich nun eine zusätzliche in „Side by Side“-Ansicht öffnen. Um eine weitere Session zu öffnen, wählen Entwicklerinnen und Entwickler im Kontextmenü einer Session innerhalb der Session-Liste Open to the Side aus, ziehen die gewünschte Session per Drag & Drop in den Sessions-Ansichtsbereich oder wählen sie bei gedrückter Alt-Taste aus.
Dabei ist zu beachten, dass jeweils nur eine der sichtbaren Sessions aktiv ist. Eine neue ausgewählte Session wird automatisch zur aktiven Session View, außer wenn die vorherige Session angepinnt wurde. Das Anpinnen erfolgt über die Pin-Aktion in der oberen rechten Ecke der View.
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VS Code 1.123: Zwei Agenten-Sessions – hier eine Claude-Opus-4.8- und eine Claude-Sonnet-4.6-Session – lassen sich nebeneinander betrachten.
(Bild: Microsoft)
Ein weiteres Update betrifft das Kontextfenster unterstützter Anthropic- und OpenAI-Modelle: Es kann nun eine Million Token umfassen. Diese Erweiterung soll es Usern ermöglichen, mit deutlich größeren Codebasen zu arbeiten sowie längere Konversationen zu führen, ohne wichtigen Kontext einzubüßen.
Weitere Details zu den Neuerungen in Visual Studio Code 1.123 lassen sich der Ankündigung entnehmen.
Dabei handelt es sich nicht um die einzigen Updates im Bereich KI von Microsoft: Im Rahmen der in dieser Woche stattgefundenen Hauskonferenz Microsoft Build wurde unter anderem eine eigenständige Desktopanwendung für GitHub Copilot vorgestellt.
(mai)
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