Künstliche Intelligenz
Medizininformatik-Initiative: Vom Aufbau zur Nutzung realer Gesundheitsdaten
Zehn Jahre lang hat die Medizininformatik-Initiative (MII) primär Grundlagen geschaffen: Standards, Datenintegrationszentren, Portale und Prozesse. Auf dem Jubiläumssymposium in Berlin wurde nun deutlich, dass die Initiative in eine entscheidende Phase kommt. Die Infrastruktur steht – jetzt muss sie zeigen, dass daraus konkrete Anwendungen für Forschung und Versorgung entstehen. Genau das war das Thema der ersten Fachsession, in der Projekte aus Kardiologie, Onkologie, Arzneimitteltherapiesicherheit und KI ihre ersten Ergebnisse vorstellten.
Weiterlesen nach der Anzeige
Im Mittelpunkt stand dabei nicht mehr der Aufbau von Datenräumen, sondern deren praktische Nutzung. Wie weit die MII dabei gekommen ist, zeigte sich etwa bei ACRIBiS, einem Projekt zur „Verbesserung der kardiovaskulären Risikoidentifizierung durch Synthese strukturierter klinischer Dokumentation und aus Biosignalen abgeleiteten Phänotypen“. Das Vorhaben setzt direkt an der klinischen Dokumentation an, standardisiert Routinedaten an der Quelle und verbindet sie mit Biosignalen wie EKGs. Mehr als 3.800 Patientinnen und Patienten wurden bereits in die Kohorte aufgenommen, über 5.000 sollen es werden. Projektkoordinator Prof. Sven Zenker vom Universitätsklinikum Bonn sagte: „Wir haben noch einiges vor.“ Das Projekt nutzt unter anderem bereits eine standardisierte Biosignal-Infrastruktur und moderne KI-Modelle könnten ausgetauscht werden. Nach Zenkers Angaben gibt es bereits internationales Interesse an der Nachnutzung des Datensatzes.
Wie groß der Abstand zwischen theoretischer Interoperabilität und gelebter Versorgungspraxis noch sein kann, wurde im Projekt „Integrate ATMP“ (Advanced Therapy Medicinal Product, Arzneimittel für neuartige Therapien) sichtbar. Das Heidelberger Projekt befasst sich mit Arzneimitteln für neuartige Therapien wie Gen- und Zelltherapien. Laut Prof. Andreas Ziegler vom Universitätsklinikum Heidelberg müssten Sicherheitsereignisse mehrfach und teils noch auf Papier gemeldet werden. Das Projekt versucht deshalb, Routinedaten, Register und Patientenkommunikation in einer gemeinsamen Struktur zusammenzuführen – mit enger Anbindung an die MII-Infrastruktur und die Datenintegrationszentren. Auch Patientinnen und Patienten sollen stärker eingebunden werden, unter anderem über eine App-Struktur und einen TI-Messenger. Zugleich wurde deutlich, dass solche Modelle dauerhaft nur funktionieren, wenn auch Fragen der Finanzierung und Vergütung frühzeitig mitgedacht werden.
Dr. Christian Müller vom Pharmakonzern Bayer brachte die Perspektive eines industriellen Datennutzers ein. Er stellte sich als „Apotheker, Jäger und Sammler von Daten bei Bayer“ vor und erläuterte mit „Data-Insight“ eine Studie, die Daten aus dem Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) und dem Forschungsdatenportal Gesundheit (FDPG) praktisch gegenüberstellt. Müller sagte ausdrücklich, es gehe um „die Data Insight-Studie, die genau diesen Zweck hat, die beiden Register miteinander zu vergleichen“. Inhaltlich geht es um Prävalenzen, Inzidenzen, Medikationswechsel, Outcomes und regionale Versorgungsmuster in ophthalmologischen Indikationen – aber ebenso um die Frage, wie aufwendig und verlässlich die Nutzung der Daten heute tatsächlich ist.
Müller sprach dabei Punkte an, die für die nächste Phase der MII zentral sein dürften. Er wolle „den Finger in die Wunde legen“ und schilderte den Zugang aus Nutzersicht als komplex. Zwar sei das Portal als „One Face to the Customer“ gedacht, in der Praxis wirke es aber so, „als ob jedes Zentrum versucht, die eigenen Interessen durchzubekommen“. Das sei „nicht wirklich nachvollziehbar“ und „auch nicht wirklich kundenfreundlich“. Aus dem Kreis der MII wurde die Kritik nicht zurückgewiesen, sondern als Hinweis auf eine laufende Anlaufphase verstanden. Mehrfach war von einer „Ramp-up-Phase“ die Rede, in der Verfahren erst unter realen Nutzungsbedingungen erprobt und weiterentwickelt würden.
Datenintegrationszentren
Verschiedene Universitäten stellten zudem Datenintegrationszentren vor, Dr. Jan Erik Gewehr vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein sogenanntes „Datenhotel“. Dabei handelt es sich um eine sichere Verarbeitungsumgebung, in der Forschende pseudonymisierte Daten direkt vor Ort analysieren können. Die Daten werden in dem Fall in einer Jupyter-Notebook-Umgebung bereitgestellt; zur Auswertung stehen unter anderem Python, R und Julia zur Verfügung. Jeder Datenraum sei projektbezogen angelegt und erhalte eine eigene Pseudonymisierung. Zugleich machte Gewehr deutlich, dass die Umgebung zunächst vor allem helfen soll, Hypothesen zu generieren. Die Daten können nicht einfach aus dem System heraus exportiert werden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Auch das Datenintegrationszentrum (DIZ) in Jena stellte sich als Bindeglied zwischen Versorgung, Forschung und Industrie dar. Dort werde versucht, Interoperabilität und Kerndatensatz nicht nur für Forschungszwecke, sondern möglichst nah an den Abläufen der Krankenversorgung umzusetzen. Danny Ammon erklärte, dass dafür inzwischen auch industrielle Komponenten wie FHIR- und Terminologieserver genutzt würden. ETL-Strecken (Extract, Transform, Load) würden dort, wo die Spezifikationen ausgereift seien, an Hersteller vergeben.
Heidelberg wiederum berichtete von den praktischen Aufbauproblemen eines DIZ. Es gebe mehr als 250 Quellsysteme, teils Daten auf Papier, viele direkte Zugriffe auf Primärsysteme und einen erheblichen Aufwand beim Aufbau von ETL-Strecken, Datenmanagement und Qualitätssicherung. Dr. Angela Merzweiler machte deutlich, dass mit jedem neuen Projekt auch neue Datenflüsse und neue Anforderungen hinzukämen.
Personalisierte Onkologie
Mit PM4Onco zeigte sich außerdem, wie stark die MII inzwischen in die personalisierte Onkologie hineinwirkt. Das Projekt verknüpft Daten aus Tumordokumentation, molekularen Tumorboards, Pathologie und Patientenfragebögen. Ziel ist es, Therapieentscheidungen besser auszuwerten und standortübergreifend nutzbar zu machen. Projektleiterin Melanie Börries betonte: „Für uns ist immer der Patient im Mittelpunkt.“ Der Anspruch reicht damit über reine Datenharmonisierung hinaus: Die Strukturen sollen so gebaut sein, dass sie klinische Entscheidungen tatsächlich unterstützen können. Dazu gehört auch die engere Verknüpfung mit Krebsregisterdaten.
Einen unmittelbaren Bezug zur Versorgungspraxis hat „Interpolar“, (Usual Care als Plattform für IT-gestützte Interventionen). Das Projekt soll helfen, arzneimittelbezogene Probleme in der stationären Versorgung und Kontraindikationen, Wechselwirkungen und Dosierungsfehler frühzeitig sichtbar zu machen. „Wir wollen also den blinden Fleck der Routineversorgung messbar machen,“ so Dr. Daniel Neumann von der Universität Leipzig.
Einen Baustein für KI-Anwendungen liefert GeMTeX. Im Projekt wird ein großes klinisches Textkorpus für KI-basierte Sprachverarbeitung aufgebaut. Bislang fehlen in Deutschland reale, ausreichend aufbereitete klinische Textdaten weitgehend. Justin Hofenbitzer von der TUM bezeichnete das als „großes Loch in Deutschland.“ GeMTeX soll diese Lücke mit pseudonymisierten Dokumenten, die keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen zulassen sollen, Annotationen und einer späteren Bereitstellung über das FDPG schließen.
In mehreren Beiträgen und in der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Unternehmen die MII-Infrastruktur inzwischen als relevanten Zugang zu Daten wahrnehmen. Sie wünschen sich, früher und systematischer eingebunden zu werden. André Sander, Co-Geschäftsführer von ID Berlin wünschte sich, „dass man mehr auf die Lösungen, die bereits in der Industrie vorhanden sind, zurückgreift.“ Dabei nannte er das Projekt Interopolar als Beispiel. Für Sanders kam der Eindruck rüber, „als wenn die stationäre medikamentöse Versorgung so im Blindflug in Deutschland ist“. Dem widersprach er mit Verweis auf bereits vorhandene Systeme. Beispielsweise habe „das UKE […] ein Jahr vor der Medizininformatik-Initiative angefangen, eine Medikationslösung einzuführen“. Sander verwies auch auf frühere Erfahrungen mit der MII. Mehmet Akyüz von TriNetX Europe – einer Plattform, die Real‑World‑Data aus Kliniken und Gesundheitsorganisationen bündelt, um schnell Patientenkohorten für Studien zu identifizieren – ergänzte, die Kooperation zwischen Industrie und Gesundheitsstandorten könne aus seiner Sicht früher beginnen, idealerweise schon in der Projektinitiierung.
Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft
Auch der Geschäftsführer, der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung, Sebastian C. Semler bestätigte, dass engere Kooperationen mit der Industrie nicht nur inhaltlich gewollt seien, in der Förderung aber oft auf Hürden stießen. Es sei nach wie vor schwierig, Unternehmen, die nicht voll förderungsfähig seien, mittels Unterauftrag in Fördervorhaben einzubinden; hinzu kämen „die ganzen wettbewerbsrechtlichen Hürden“. Wenn man gesellschaftlich wirklich wolle, dass Wissenschaft und Wirtschaft enger zusammenarbeiten, müsse man „auch an diesen Verfahrensweisen nochmal feilen“.
Auf einem anderen Panel des Symposiums wurde zudem ein strukturelles Problem benannt, das über die einzelnen Anwendungsprojekte hinausweist: Nicht jede wissenschaftliche Idee wird bis in die Versorgung weiterentwickelt. Laut Dr. Susen Burock, von der Koordinierungsstelle für Klinische Studien (KKS-Netzwerke e.V.), kämen häufig junge, engagierte Forschende mit einer Idee, die sie ausprobieren und in einem Paper festhalten möchten. Wenn diese Personen die Universität wieder verließen, bleibe die Weiterentwicklung häufig liegen. Genau darin liegt eine der zentralen Herausforderungen für die nächste Phase der MII, aus einzelnen Projekten und Publikationen müssen belastbare, dauerhaft nutzbare Lösungen werden.
Lesen Sie auch
(mack)
Künstliche Intelligenz
Hepha Urban X: E-Bike lädt in 15 Minuten, rekuperiert und schaltet selbst
Es lädt den Akku in 15 Minuten, gewinnt Energie per Rekuperation und übernimmt den Gangwechsel selbst. Mit dem Urban X zeigt Hepha auf der Eurobike seine Vision des E-Bikes der Zukunft. Obwohl das Rad ein wenig wie aus einem Sci-Fi-Film entsprungen aussieht, sollen sich zumindest Teile davon schon bald in Serienfertigung befinden. Wir konnten das Rad bereits kurz probefahren.
Weiterlesen nach der Anzeige
Kern des Konzepts ist das, was Hepha „Pedal Only Ride“ nennt. Anfahren, Beschleunigen, Verzögern und die Übersetzung werden über das Tretverhalten gesteuert. Eine klassische Gangschaltung entfällt ebenso wie die üblichen Unterstützungsmodi vieler E-Bikes. Bremsen finden sich zwar noch am Lenker, sollen aber nur für Not- und Vollbremsungen nötig sein.
Der Mittelmotor mit eCVT-Getriebe (Electronically Controlled Continuously Variable Transmission) beherbergt ein elektronisch geregeltes, stufenloses Getriebe. Anders als herkömmliche Nabenschaltungen oder Kettenschaltungen arbeitet ein eCVT ohne feste Gänge. Stattdessen passt das System die Übersetzung und die Motorunterstützung kontinuierlich an, sodass man unabhängig von Geschwindigkeit oder Steigung mit einer konstanten Trittfrequenz fahren kann. Hepha integriert die Technik nach eigenen Angaben vollständig in den Mittelmotor des E-Bikes und kombiniert sie mit einer automatischen Steuerung. Die Idee, die Übersetzung an die gewünschte Trittfrequenz anzupassen, ist allerdings nicht neu. Enviolo-Schaltungen und Pinion-Getriebe passen ebenfalls die Übersetzung an, damit man weiter in der gewünschten Trittfrequenz strampeln kann, wenn sich Terrain oder Geschwindigkeit ändern.
Bei unserer kurzen Ausfahrt entfaltete der Mittelmotor seine Maximalleistung von 1000 Watt (bei 250 Watt Nenndauerleistung) sanft und änderte die Übersetzung harmonisch, sodass wir nichts davon bemerkten. Der Übersetzungsbereich beträgt 400 Prozent. Auf dem Prototyp war die Kadenz voreingestellt, in einem Serienbike soll sie sich von 40 bis 120 Umdrehungen pro Minute einstellen lassen. Dass es sich bei dem Motor noch um ein Vorserienmodell handelte, wusste er während der kurzen Testfahrt nicht zu kaschieren. Er machte sich akustisch deutlich vernehmbar. In einem Serienrad erwarten wir einen leiseren Antrieb.
Der Motor regelt nicht nur die Übersetzung, sondern verzögert auch, wenn man nicht mehr tritt. Dann bremst der Motor elektrisch und gewinnt dabei Energie zurück. Diese Rekuperation macht mechanisches Bremsen in manchen Situationen überflüssig, wenn man zum Beispiel auf eine rote Ampel zurollt. Gleichzeitig lädt die Rekuperation ein wenig Akku nach. In der Praxis hat sich dieses altbekannte Prinzip bei E-Bikes noch nicht durchgesetzt, da bisherige Modelle wie das Vello Bike+ wegen der geringen Kräfte über Rekuperation kaum Akku nachgeladen haben. Auf der Eurobike machte Hepha keine Angaben, wie viele Kilometer Reichweite das Urban X im Alltag per Rekuperation gewinnen kann.

Da der Motor eigenständig die Übersetzung und die Unterstützungsstufe wechselt, kann Hepha das Cockpit des Urban X sehr minimalistisch gestalten.
(Bild: Robin Brand / heise medien)
Der Bremseffekt des Motors war dagegen deutlich stärker ausgeprägt als beim Vello-Pendant. Sobald man aufhört zu pedalieren, wird das Rad merklich eingebremst. Tritt man zudem noch rückwärts, kann man das Rad auch im Gefälle zum Stillstand bringen. Es dürfte nicht lange dauern, bis man bei vorausschauendem Fahren im Alltag fast ganz auf den Griff zum Bremshebel verzichten kann. Indes muss Hepha noch daran tüfteln, in welchen Situationen der Motor bremst und in welchen nicht. Schließlich will man nicht immer abbremsen, wenn man kurz mit dem Treten aufhört.
Der herausnehmbare 560-Wh-Akku soll mit einem 1,5-kW-Ladegerät innerhalb von 15 Minuten auf 80 Prozent geladen werden können. Herkömmliche E-Bikes laden gut und gerne mal vier Stunden. Das Ladegerät wiegt laut Hersteller rund 950 Gramm und kann im Fahrrad mitgeführt werden. Zum Laden genüge eine gewöhnliche Steckdose. Eine einfache Ladesäule hat Hepha auch entwickelt, damit zum Beispiel Supermärkte sich eine solche auf den Parkplatz stellen können. Hepha machte keine Angaben, wie sich die Ladezeit im Alltag unter unterschiedlichen Temperaturbedingungen auf die Lebensdauer des Akkus auswirken wird.
Weiterlesen nach der Anzeige

Obwohl noch ein Konzept, ist das Hepha Urban X bereits fahrfertig.
(Bild: Robin Brand / heise medien)
Einen weiteren Schwerpunkt legt Hepha auf Diebstahlschutz. Das Urban X ist mit einer in die Nabe integrierten Wegfahrsperre bestückt. Außerdem sind GPS-Ortung und eine Alarmanlage an Bord, die statt eines Signaltons mit einer menschlichen Stimme auf sich aufmerksam machen soll. Im bereits erhältlichen Urban 8 Ultra des Herstellers sind diese Annehmlichkeiten ebenfalls implementiert. Obwohl das Urban X noch ein Konzept ist, sollen ab 2028 Teile davon in Serienfertigung gehen.
(rbr)
Künstliche Intelligenz
GitLab-Umfrage: KI-beschleunigtes Coding erzeugt Sicherheitsprobleme
Für die meisten Unternehmen zahlt sich der Einsatz von KI‑Coding‑Tools stärker aus als erwartet. Das hohe Tempo agentischer Softwareentwicklung wirft aber die Frage auf, inwieweit Teams noch kontrollieren können, was sie an Code ausliefern. Zu diesen Ergebnissen kommt der AI Accountability Report von GitLab.
Weiterlesen nach der Anzeige
Im Unternehmensumfeld ist KI-gestützte Softwareentwicklung längst Standard. Laut dem GitLab-Report haben 91 Prozent der DevSecOps‑Befragten mindestens zwei Coding-Tools im Einsatz, 54 Prozent drei oder mehr. Dabei berichten 60 Prozent von einer höheren Investmentrendite als ursprünglich erwartet, 78 Prozent von schnellerem Code-Output und 73 Prozent sagen, dass sich die Codequalität verbessert habe.

Die beiden Bereiche Compliance & Audits sowie Sicherheit profitieren laut Umfrage am wenigsten von KI.
(Bild: GitLab)
Die Umfrage-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer wenden lediglich 16 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür auf, neuen Code zu schreiben. Eine deutliche Mehrheit von 85 Prozent sagt, dass sich der Fokus stattdessen auf Review und Validierung von KI-Output verschoben hat. Dort trägt KI allerdings am wenigsten dazu bei, die Geschwindigkeit oder Effizienz zu steigern.
Das KI-Produktivitäts-Paradoxon spüren deshalb 79 Prozent der Befragten: Die individuelle Produktivität hat nach ihrem Empfinden zugenommen, die Geschwindigkeit des Software‑Lieferprozesses als Ganzes hingegen kaum.
Governance wichtiger als Geschwindigkeit
GitLab macht AI Accountability, sinngemäß die Verantwortung eines Unternehmens im Umgang mit KI, an der Fähigkeit fest, drei Fragen beantworten zu können: Woher kommt der KI-generierte Code, wofür war er gedacht und wer ist dafür verantwortlich, sobald er Produktionsstatus erreicht hat?
Laut GitLab haben die meisten Unternehmen keine Antworten darauf. „Die Ereignisse der letzten Monate, die von Lieferketten-Angriffen über Zuverlässigkeitsprobleme bis hin zu strengeren behördlichen Auflagen hinsichtlich Nachverfolgbarkeit und Herkunft von KI reichen, zeigen, dass Geschwindigkeit ohne Kontrolle kein Vorteil, sondern ein Risiko ist“, so Manav Khurana, Chief Product and Marketing Officer von GitLab.
Weiterlesen nach der Anzeige
Im Report äußern 73 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Bedenken hinsichtlich der langfristigen Wartbarkeit von KI-generiertem Code; 80 Prozent meinen, dass ihr Unternehmen die KI-Werkzeuge schneller eingeführt hat, als Richtlinien zu deren Steuerung entwickelt wurden. Zudem birgt KI-generierter Code für 82 Prozent das Risiko, dass neue technische Schulden entstehen, auf die ihr Unternehmen noch nicht vorbereitet ist.
Besserung ist jedoch in Sicht: So wollen 91 Prozent der Teilnehmenden in den nächsten 12 Monaten Tools für KI-Code-Governance anschaffen. Ein Budget dafür haben 98 Prozent entweder bereits vorliegen oder zumindest eingeplant.

Wurde das Softwareproblem von KI-generiertem Code mitverursacht? 34 Prozent der Befragten konnten das im konkreten Fall nicht beantworten.
(Bild: GitLab)
Mensch oder Maschine: Wer hat’s geschrieben?
Bereits jetzt sind 87 Prozent der Befragten zuversichtlich, dass sie innerhalb von 24 Stunden feststellen könnten, ob KI-Code ein Produktionsproblem mitverschuldet hat. Allerdings waren 34 Prozent der Unternehmen genau dazu nicht in der Lage, als es zu einem solchen Vorfall kam. Als größte Hürden für Kontrolle und Nachverfolgbarkeit nennen 43 Prozent die Schwierigkeit, KI-generierten Code von manuell geschriebenem Code zu unterscheiden. Auf Platz zwei und drei folgen fragmentierte Toolchains (40 %) und Systeme, die die Code-Herkunft nicht erfassen (39 %).
Für den AI Accountability Report befragte GitLab im Februar 2026 insgesamt 1528 Personen, die sich zu etwa gleichen Anteilen aus sechs Ländern rekrutieren: USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und Australien. Davon ordnen sich 43 Prozent dem Bereich IT Operations zu, 37 Prozent zu IT-Security und 20 Prozent zum Bereich Softwareentwicklung. Die vollständige Umfrage steht auf der GitLab-Webseite gegen Registrierung kostenlos zum Download bereit.
(mro)
Künstliche Intelligenz
Zahlen, bitte! 3,7 Milliarden Menschen leben in 11.422 Großstädten
Weiterlesen nach der Anzeige
Neun der zehn größten Städte der Welt liegen in Asien und in den beiden größten leben zusammen mehr Menschen als in ganz Deutschland. Das sind nur zwei Ergebnisse der Neuauflage der „bis dato umfangreichsten Datenbank zu Städten in aller Welt“. Laut der leben im großstädtisch geprägten Gebiet von Guangzhou in China fast 43 Millionen Menschen und in Jakarta noch einmal rund 41 Millionen. Es folgen Dhaka (37 Millionen), Tokio (33 Millionen) und Neu-Delhi (31 Millionen). Lediglich Ägyptens Hauptstadt Kairo auf Platz 7 verhindert mit 25 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen eine rein asiatische Top 10. Als größtes „urbanes Zentrum“ in Deutschland kommt Berlin in der Tabelle auf 3,5 Millionen Menschen, was nicht einmal für die Top 100 reicht.

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.
Was ist eine „Stadt“?
Vor einem detaillierten Einblick in den immensen Datensatz ist es aber nötig, die Definition für „urbanes Zentrum“ der Verantwortlichen zu erklären, denn die stiftet gerne Verwirrung. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass es weltweit ganz unterschiedliche Voraussetzungen dafür gibt, damit eine Siedlung zur Stadt werden kann. Strikt auf Basis administrativer Grenzen lassen sich die Städte der Welt nicht gewinnbringend vergleichen. So ist die „Stadt“ Chongqing in China so groß wie Österreich, besteht aber aus Natur, Dörfern und Ballungszentren – eigentlich wie das Land Österreich. Die französische Hauptstadt Paris wiederum hat äußerst enge Grenzen, die nicht einmal das moderne Büroviertel La Défense einschließen. Beide vergleichbar zu machen, ist ein Ziel dieser Neuauflage einer älteren Datenbank.

Für eine vergleichbare Datenbasis muss man Kompromisse eingehen, einer sorgt hier dafür, dass „Wiesbaden“ über den Rhein reicht.
(Bild: UCDB R2024A)
Die Verantwortlichen der „Urban Centre database“ haben die Landfläche der Erde deshalb in gleich große Quadrate mit einer Kantenlänge von einem Kilometer unterteilt. Mithilfe von Satelliten- und Zensusdaten haben sie für jedes einzelne dieser Quadrate die Einwohnerzahl ermittelt. Kommen an den Kanten aneinandergrenzende Quadrate auf eine Einwohnerdichte von mindestens 1500 Menschen pro km² und in der Summe auf mindestens 50.000 Einwohner sowie Einwohnerinnen, sprechen sie von einem „urbanen Zentrum“ – im Folgenden einfachheitshalber eine „Stadt“. Die bekommt immer den Namen der größten administrativen – also „echten“ – Stadt in ihren Grenzen. „Wiesbaden“ umfasst in der Datenbank deshalb die hessische Hauptstadt – aber eben auch noch Mainz.
Weiterlesen nach der Anzeige
Insgesamt leben demnach weltweit genau 3.685.352.665 Menschen in 11.422 Großstädten. Fast 2000 liegen in China, über 1900 in Indien – die Zahl ist wegen einer präziseren Aussiebung kleinerer Siedlungen kleiner als im Vorgänger, genau wie in Äthiopien. Das heißt, mehr als jede dritte Großstadt auf der Welt liegt in diesen beiden Staaten. Deutlich abgehängt folgen Nigeria, Indonesien und Brasilien mit jeweils etwa 500. Deutschland landet mit genau 99 auf dem 22. Rang und damit hinter der Türkei (174) und Großbritannien (143), aber vor Italien (88) und Frankreich (73). Die Schweiz steht hier auf Rang 80 mit 17 Großstädten, Österreich (8) landet noch einmal deutlich weiter hinten auf Rang 110. Luxemburg folgt mit einer einzigen ganz am Ende, Liechtenstein schafft es überhaupt nicht in die Datenbank.
Europa vergleichsweise wenig großstädtisch
Aus den Daten lässt sich beispielsweise ermitteln, wie groß der Anteil der Bevölkerung in den Ländern der Welt ist, die jeweils in Städten leben, und das dürfte durchaus überraschend sein. So sind das in den meisten europäischen Staaten gerade einmal ein Drittel, Ausreißer nach oben sind Spanien und die Niederlande mit gut 50 Prozent, in Großbritannien sind es gar 60 Prozent. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es gut ein Drittel. Noch weniger sind es beispielsweise in Tschechien und der Slowakei mit 22 und 16 Prozent. Weltweit sieht das teilweise ganz anders aus, so sind es in fast allen Staaten Südamerikas mehr als die Hälfte und im Nahen Osten zumeist mehr als zwei Drittel. Spitzenreiter unter den großen Staaten ist Saudi-Arabien, wo 77 Prozent der Bevölkerung in solchen Großstädten leben.
Nicht unbedingt erwartet ist auch eine Übersicht über die Veränderung der Stadtbevölkerung zwischen den Jahren 2020 und 2025. Insgesamt ist die Stadtbevölkerung durch die Urbanisierung zumeist gewachsen – am stärksten in den Metropolen Afrikas und Südasiens. Interessant sind eher die Ausnahmen. Wenig überraschend dürfte beispielsweise sein, dass fast alle Städte in der Ukraine an Bevölkerung verloren haben; in geringerem Ausmaß ist das auch in Russland sichtbar. Auffallend ist aber auch, dass in China den vielen enorm gewachsenen Metropolen wie etwa Shanghai zahlreiche Städte gegenüberstehen, die teilweise enorm geschrumpft sein sollen. Weltweit hat demnach keine Stadt so viele Einwohner und Einwohnerinnen verloren wie Chengdu – über 600.000. In Indien sieht es ähnlich aus.
Aus den Daten geht außerdem hervor, wie viel bebaute Fläche in den Städten dieser Welt jeweils auf alle Einwohner und Einwohnerinnen kommt. In diesem Vergleich landen die USA und Japan deutlich vor dem Rest der Welt, es folgen Europa, Südamerika und China. Deutlich weniger bebaute Fläche steht den Menschen in Afrika und Südasien zur Verfügung. Geht es allein um die bebaute Fläche, sind übrigens Tokyo, Guangzhou und Los Angeles mit jeweils mehr als 1300 km² absolute Spitze. Bebaut ist dort also jeweils mehr als die anderthalbfache Gesamtfläche des Stadtstaats Berlin. Dort sind es demnach übrigens nur 149 km² – also etwa ein Zehntel der Spitzenreiter.
Folgen des Klimawandels
Angesichts des sich beschleunigenden Klimawandels liefern die Daten auch interessante Einblicke in die zu erwartenden klimatischen Veränderungen. Auf einer Weltkarte kann man sich leicht anzeigen lassen, wo die mittlere Jahrestemperatur im nächsten Jahrzehnt besonders stark steigen wird – und wo das Gegenteil der Fall ist. Interessanterweise liegen die Extreme dabei geografisch gar nicht so weit auseinander: Etwas kühler (-0,28 Grad Celsius) dürfte es demnach im Nahen Osten und dabei primär in einigen Städten des Iran werden, während die größten Temperaturanstiege (+ 2 Grad Celsius) in Städten Zentralasiens erwartet werden. Vergleichsweise stark trifft die Klimaerwärmung demnach noch die Ballungsgebiete in China und in Indien.
Angesichts der immensen Datenmenge ist das nur ein kleiner Einblick in eine besonders spannende Datenbank zum aktuellen Zustand der Welt. Während es bei staatlichen Zahlen enorme Unterschiede zur Genauigkeit, zum Alter und zum Umfang der Datensammlungen gibt, sorgt die „Urban Centre database“ für eine globale Vergleichbarkeit. Auch wenn man endlos über die Grenzen der jeweiligen „Städte“ streiten kann, verdienen vor allem die dahinter liegenden Daten ein Interesse. Immerhin geben sie Einblick in eine rasante Veränderung der Welt, von der wir in Mitteleuropa mit seiner weitgehend abgeschlossenen Bevölkerungsverschiebung vom Land in die Städte nicht mehr viel mitbekommen.
(mho)
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenEmpfehlungsalgorithmen bei TikTok erklärt: Die Maschine hinter dem Endlos‑Feed
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniX-Workshop Angriffsziel lokales AD − Schwachstellen finden und beheben
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten„Don’t Starve Elsewhere“: Survival‑Hit kehrt nach zehn Jahren zurück
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenWeitere Entlassungswelle bei Disney: Bis zu 1000 Mitarbeiter betroffen
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenKine‑Exakta: Die erste Spiegelreflexkamera fürs Kleinbild
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
xTool P3 im Test: CO₂-Laser mit 80 Watt schneidet und graviert auch Acryl
-
Social Mediavor 1 MonatMetas neuer Creative Setup Workflow: Was sich wirklich ändert – und warum das nicht nur eine UI-Frage ist!
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenMega-GPUs für Nvidia, AMD & Co: TSMC zeigt CoWoS-Package mit >11.600 mm² & 24 × HBM5E
