Künstliche Intelligenz
Mehr als „Deep Fake“: Entwurf für „Digitale Gewalt“-Gesetz vorgelegt
Die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat den seit Wochen erwarteten Entwurf für ein Gesetz vorgelegt, mit dem Opfer gegen die Erstellung und Verbreitung von intimen Bildaufnahmen, täuschend echt wirkenden pornografischen Darstellungen aber auch Cyberstalking strafrechtlich besser vorgehen können sollen. Die Durchsetzung von Betroffenenrechten soll aber auch zivilrechtlich einfacher werden. „Nicht die Betroffenen sollen verstummen, sondern die Täter – und digitale Gewalt muss endlich konsequent geahndet werden“, so Hubig zur Vorstellung des Gesetzentwurfes, der nun von Ländern und Verbänden kommentiert werden kann.
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Drei neue Strafnormen
Die jetzt geplanten neuen oder überarbeiteten strafrechtlichen Normen sollen ganz unterschiedliche Sachverhalte regeln, die das Justizministerium unter dem Begriff „Digitale Gewalt“ subsumiert. Mit dem neuen Paragrafen 184k Strafgesetzbuch soll verboten werden, dass intimes Bildmaterial unbefugt hergestellt oder verbreitet wird.
Damit ist ein breiter Begriff gemeint: von heimlichen Bildaufnahmen realer Menschen über die Verbreitung ursprünglich nicht für einen erweiterten Kreis gedachter Aufnahmen bis zu „sexualisierten Deepfakes“. Taten unter dem neuen Paragrafen sollen dabei als Privatklage verfolgt werden können, weshalb Kritiker befürchten, dass dies dazu führen könnte, dass Staatsanwaltschaften so gut wie immer die Verfolgung einstellen würden – und den Betroffenen die Rechtsdurchsetzung obliegen würde.
Mit einem neuen Paragrafen 201b im Strafgesetzbuch soll zudem der neuen KI-Realität Einhalt geboten werden: Es geht um den „mittels Computerprogramms“ erzeugten Anschein „ein tatsächliches Geschehen in Bezug auf eine andere Person wiederzugeben“, mit dem das Ansehen eines Lebenden oder Verstorbenen erheblich beschädigt werden könnte. Der Entwurf des Justizministeriums sieht hier vor, dass bis zu zwei Jahre Haft die Folge sein können – in Fällen, in denen Abbildungen etwa von Kindern oder Jugendlichen betroffen sind, können jedoch bereits jetzt schon härtere Strafen greifen.
Stalker-Tracking-Schutz mit hohen Hürden
Mitgeregelt wird zudem das unbefugte Tracking: mit einem neuen §202e im Strafgesetzbuch sollen etwa heimliche Bluetooth- oder GPS-Tracker strafbar werden. Allerdings nur dann, wenn dies „wiederholt oder ständig“ geschieht. Außerdem muss es wahrscheinlich sein, dass der Person „schwerer Schaden“ zugefügt wird – was nur selten einfach zu beweisen sein dürfte und im Regelfall nur auf Antrag des Betroffenen verfolgt wird.
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Insbesondere im zivilrechtlichen Part gibt es weitere offene Fragen. Anders als im strafrechtlichen Teil müssen Betroffene ihre Rechte erst gegenüber einem Plattformbetreiber geltend machen, um die zugehörige IP-Adresse des mutmaßlichen Schädigers zu erhalten. Mit dieser IP-Adresse wiederum muss der Betroffene sodann eine Auskunft von dem Provider verlangen, dessen IP-Nummernblöcken der Täter zugeordnet ist, um sich anschließend schadlos zu halten. Dabei wird die Speicherung der Zuordnung von IP-Adressen zu einem Anschlussinhaber auf Vorrat also vorausgesetzt, bei mehrfach genutzten IP-Adressen – etwa im Mobilfunk üblich – soll der Auskunftsanspruch auch die zugehörige Portnummer herausgeben müssen – zusammen mit Name, Geburtsdatum, Anschrift und E-Mail-Adresse, soweit vorhanden. Beides unterliegt dabei dem sogenannten Richtervorbehalt: Der Geschädigte muss bei Gericht einen entsprechenden Antrag stellen – das Verfahren soll dann zu beiden Auskünften nacheinander führen, ohne dass ein zweites Verfahren angestrengt werden muss.
Auskunftsanspruch soll breit wirken
Tatsächlich verbirgt sich in den Regelungen zum Auskunftsanspruch aber sehr viel mehr als der geplante juristische Schutz vor Deep-Fake-Pornografie, Stalking und anderen Handlungen, die unter dem Stichwort „Digitale Gewalt“ primär im Fokus stehen – hauptsächlich und zuletzt aufgrund der Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, oftmals mit sexueller Komponente. Der nun vorliegende Vorschlag des von Stefanie Hubig geleiteten Hauses umfasst hier viel mehr: Er soll etwa auch im Fall der kaum bekannten Strafnorm in §42 Bundesdatenschutzgesetz Anwendung finden, der unter anderem die absichtliche, massenhafte, unbefugte Veröffentlichung personenbezogener Daten unter Strafe stellt. Auch das Recht am eigenen Bild (§22 Kunsturhebergesetz) soll hierfür ausreichen.
Auch die geplante temporäre „Sperrung von Nutzerkonten in sozialen Netzwerken“ auf Verlangen eines Geschädigten dürfte noch für viel Diskussionsbedarf sorgen. Zum einen ist die Beschränkung auf „Soziale Netzwerke“ nur für bestimmte Angebote überhaupt angedacht. Zum anderen übersieht die Justizministerin damit, dass die Europarecht- und Rechtsprechung so wie auch die eigene Bundesregierung inzwischen von gemischten Angeboten ausgehen – so müsste einem Konto etwa das Posten in WhatsApp- oder Telegramchanneln verboten werden, die Gruppenfunktion zugleich jedoch unberührt bleiben.
Vertretung durch Organisationen soll möglich sein
Bei diesen Verfahren sollen sich Betroffene dem Referentenentwurf nach auch von dazu befugten Organisationen vertreten lassen können. Voraussetzung dafür soll sein, dass es sich um zivilgesellschaftliche Organisationen mit unentgeltlichem Aufklärungs- und Beratungsauftrag handeln müsse.
Eine der dafür wohl infrage kommenden übt heute jedoch Kritik: HateAid. Die Organisation fürchtet abschreckend hohe Kosten für die Betroffenen, da diese im Auskunftsverfahren Kosten für Anwälte der Beteiligten sowie Gerichtskosten erst einmal zahlen müssten, um anschließend zu versuchen, diese vom mutmaßlichen Schädiger wieder einzutreiben. Außerdem sei nicht nachvollziehbar, warum zwar der Auskunftsanspruch nun in einem zusammengefassten Verfahren bei Gericht durchsetzbar sei, für eine anschließende Entfernung aber ein neues Verfahren angestrengt werden müsse.
Ganz praktische Kritik an den Plänen kam derweil schon vorab vom Deutschen Richterbund. „Solange in vielen chronisch unterbesetzten Staatsanwaltschaften drei Ermittler die Arbeit für vier erledigen müssen und Strafverfahren gerade deshalb immer öfter vorzeitig eingestellt werden müssen, erfüllt die Politik ihr Schutzversprechen an die Betroffenen nicht“, hatte Richterbund-Geschäftsführer Sven Rehben schon vor der heutigen Präsentation des Referententwurfs gewarnt.
NetzDG soll endlich in Rente gehen
Ein anderes Gesetz soll die Richter nicht mehr beschäftigen: Die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen enthalten eine neue Vorschrift, wie soziale Netzwerke einen Zustellungsbevollmächtigten in Deutschland benennen müssen, sofern es keinen EU-Sitz des Unternehmens gibt. Dies war bislang der letzte Grund für das Vorhandensein eines ansonsten entkernten, weil vom Digital Services Act inhaltlich längst überformten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG). Mit der neuen und weitergehenden Regelung soll das einst von einer schwarz-roten Koalition eingeführte Gesetz daher endgültig abgeschafft werden – zum bereits dritten Mal. Real wird aber wohl auch die geplante neue Vorschrift wenig ändern – denn ohne formale Zustellungsmöglichkeit ist auch die Zustellung einer Feststellung durch die zuständigen Behörden nahezu unmöglich, wie die jahrelange Posse um Telegram gezeigt hat.
(nen)
Künstliche Intelligenz
Angreifer nehmen Oracle WebLogic-Server in die Mangel
Eine Schwachstelle in Oracles WebLogic-Server wird aktuell angegriffen. Die Sicherheitslücke ist seit Mitte 2024 bekannt, Updates stehen seit dem Critical Patch Update aus dem Juli 2024 bereit.
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Davor warnt die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA aktuell. Die Lücke ist damit in den „Known Exploited Vulnerabilities“-Katalog eingezogen, US-Behörden haben bis zum 4. Juni Zeit, die Schwachstelle einzuhegen.
Attackierte Sicherheitslücke in Oracle-Middleware
Die Schwachstelle befindet sich in der Oracle Fusion Middleware, konkret nennt die Schwachstellenmeldung die Komponente „Core“. Nicht authentifizierte Angreifer aus dem Netz können mittels der proprietären Protokolle T3 und IIOP zugreifen und verwundbare Oracle WebLogic-Server kompromittieren. Genauer wird der Hersteller nicht. Erfolgreiche Angriffe münden in unbefugten Zugriff auf kritische Daten oder vollständigen Zugriff auf alle verfügbaren Daten auf dem WebLogic-Server (CVE-2024-21182, CVSS 7.5, Risiko „hoch“).
Die Softwareversionen Oracle WebLogic-Server 12.2.1.4.0 und 14.1.1.0.0 sind verwundbar, möglicherweise auch andere, jedoch nicht mehr unterstützte Fassungen. IT-Verantwortliche sollten wegen der laufenden Angriffe sicherstellen, dass Oracle WebLogic-Server in ihrer Topologie auf einem aktuellen, geschützten Stand laufen.
Wie üblich erklärt die CISA nicht, wie die Angriffe aussehen oder in welchem Umfang sie stattfinden. Es gibt daher auch keine hilfreichen Hinweise auf (erfolgreiche) Angriffe, nach denen Admins suchen könnten (Indicators of Compromise, IOC).
Derzeit häufen sich die Meldungen von angegriffenen Sicherheitslücken. IT-Verantwortliche sollten daher darauf achten, die eingesetzte Software in ihren Netzen jederzeit aktuell zu halten. So wurde am Montag dieser Woche bekannt, dass eine Sicherheitslücke in Palo Alto Networks Netzwerkbetriebssystem PAN-OS bereits attackiert wird. Sie ermöglicht Angreifern die Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen – gerade mal rund zwei Wochen, nachdem der Hersteller das Sicherheitsleck gemeldet und einen Patch bereitgestellt hat.
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(dmk)
Künstliche Intelligenz
GoPro im Sinkflug: Speicherpreise setzen Kamerahersteller weiter zu
GoPro gerät immer stärker unter Druck. In einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hat der Kamerahersteller erhebliche Zweifel an seinem Fortbestand offengelegt. Zugleich warnt GoPro, dass Kreditgeber den Hinweis als Verstoß gegen bestehende Kreditvereinbarungen werten könnten. Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit den betroffenen Finanzierungsparteien.
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Für kommende Quartale rechnet GoPro selbst damit, bestimmte Kreditauflagen nicht einzuhalten. Im Fall eines Vertragsbruchs könnten ausstehende Beträge sofort fällig werden. GoPro kann nicht zusichern, dann genügend Vermögenswerte zur Rückzahlung zu haben, heißt es in der SEC-Mitteilung.
Die jüngsten Quartalszahlen machen deutlich, wie angespannt die Lage ist: Im ersten Quartal sank GoPros Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 99 Millionen US-Dollar, der Kameraabsatz ging um 29 Prozent zurück auf rund 313.000 Einheiten. Besonders drastisch war der Margeneinbruch von 32,1 auf 4,3 Prozent. Bei einem Quartalsumsatz von 99 Millionen Dollar verlor GoPro bereits im laufenden Geschäft 57 Millionen Dollar. Der Nettoverlust belief sich auf 81 Millionen Dollar.
Speicherpreise drücken auf die Marge
Verschärft wird die Lage durch die angespannte Situation am Speichermarkt. GoPro verweist in seiner Erläuterung zu den Quartalszahlen auf steigende Speicherkosten und ein schwieriges Lieferumfeld für Speicherkomponenten. Beides habe die Wirtschaftlichkeit der zuvor erwarteten Stückzahlen belastet und zu einer Sonderbelastung von 24,5 Millionen Dollar beigetragen. In der letzten Quartalswoche seien die Preise für Speicherkomponenten laut GoPro um 80 bis 115 Prozent gestiegen. Nach Unternehmensangaben hätte die Bruttomarge ohne diese Sonderbelastung und den Verkauf schwer verkäuflicher Lagerbestände bei rund 31 Prozent gelegen, statt bei den ausgewiesenen 4,3 Prozent.
Neben den höheren Kosten belastet GoPro auch die geringere Verfügbarkeit: Speicherlieferanten kündigten im April Produktionskürzungen für den in GoPro-Produkten verwendeten Speicher an, weshalb der Kamerahersteller die Absatzprognosen für bestimmte Produkte senkte.
GoPros Probleme begannen lange vor der aktuellen Speicherkrise, denn der Kamerahersteller kämpft seit Jahren mit sinkender Nachfrage. Bereits 2024 hatte GoPro seine Belegschaft um rund ein Viertel reduziert, im April folgte ein weiterer Restrukturierungsplan, durch den 23 Prozent der Stellen wegfallen sollen. Ob der jüngste Vorstoß in neue Produktkategorien ausreicht, um GoPro wieder auf Kurs zu bringen, ist noch offen.
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Angesichts der zugespitzten Lage prüft GoPro laut SEC-Quartalsbericht strategische Alternativen, darunter auch einen möglichen Verkauf oder eine Fusion des Unternehmens.
(tobe)
Künstliche Intelligenz
Von 1 bis 4 TByte: 18 SSDs mit PCIe 4.0 und 5.0 im Test
Weil Flash-Speicherchips zurzeit sehr teuer sind, halten sich SSD-Hersteller mit Neuvorstellungen zurück. In den vergangenen Jahren konnten wir alle drei Monate einen Test neuer PCIe-SSDs veröffentlichen, in diesem Jahr nicht mehr: Zum Redaktionsschluss der ursprünglich für diesen Test geplanten Ausgabe (Ende Mai 2026) hatten wir gerade einmal drei neue Modelle im Haus. Doch das Warten hat sich gelohnt. Neun neue SSDs haben wir nun versammelt: Acer FA300 und Predator GM9000, Adata XPG Mars 970 Plus, Corsair MP700 Micro, Kingspec XG7000, Kioxia Exceria G3 SSD, Lexar Ares Pro, Sandisk Optimus GX Pro 8100 und Seagate FireCuda X1070.
Die Kingspec-SSD haben wir als Vertreter günstiger China-SSDs ausgewählt – die aktuell hohen Preise verleiten so manchen Endkunden, billigere Alternativen zu suchen. Die Sandisk-SSD hingegen haben wir aus einem anderen Grund aufgenommen: Sandisk hat nach der Trennung von Western Digital die bisherigen WD-SSDs unter anderem Namen neu auf den Markt gebracht. Wir wollten schauen, ob sich die Namensänderung auf die Benchmark-Ergebnisse auswirkt.

Die Predator-SSD hat uns auf den ersten Blick überrascht. Eine SSD mit dickem Kühlkörper und einem integrierten Lüfter haben wir länger nicht mehr gesehen; wegen der energieeffizienten neuen Controller von Phison und Silicon Motion sollten diese eigentlich nicht mehr notwendig sein. Der Lüfter lässt sich über das Mainboard steuern und im normalen Betrieb dürfte er kaum stören. Bei maximaler Drehzahl aber brachte er es im Labor auf 5,5 sone – das ist laut.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Von 1 bis 4 TByte: 18 SSDs mit PCIe 4.0 und 5.0 im Test“.
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