Künstliche Intelligenz
Tiefsee-Kabelschneider: China feiert, Westen fürchtet
Ein chinesisches Forschungsschiff hat erfolgreich das Durchtrennen eines Kabels in 3500 Metern Tiefe mittels eines elektro-hydrostatischen Aktuators (EHA) getestet. Auf diese Weise ist es mit deutlich niedrigerem Aufwand möglich, zum Beispiel eine Reparatur vorzunehmen. Was chinesische Staatsmedien als großen Fortschritt beim Bau und der Unterhaltung von Kabeln und Pipelines feiern, löst in westlichen Ländern und Taiwan Besorgnis aus. Denn die Technologie könnte auch leicht für die Sabotage von Unterwasser-Datenkabeln genutzt werden, fürchten sie.
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Die „Haiyang Dizhi 2“ hat laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua in einer 30-tägigen Mission neben der Erprobung des Schneidwerkzeugs auch ein autonomes Tauchgerät namens „Hai Ma“, die Bergung von 16 selbst entwickelten Messsonden und die erste chinesische Tiefseewinde mit 11.000 Meter Koaxialkabel erprobt.
Neue Technik spart enorm Zeit
Was den Schneider besonders macht, ist der Verzicht auf eine externe Ölleitung, wie sie bei konventionellen Systemen nötig ist. Stattdessen integriert der EHA Hydrauliksystem, Elektromotor und Steuereinheit in einem kompakten, selbst versorgten Gerät, was ihn vor allem in größeren Tiefen besser einsetzbar macht. Das Gerät könne potenziell auch auf kleinen, unbemannten Unterwasserfahrzeugen montiert werden. Bis vor einigen Jahren benötigte das Durchschneiden einer Offshore-Pipeline in großer Tiefe noch mehrere Stunden. Die neue Technik reduziere die Zeitspanne auf einen Bruchteil, heißt es.
Experten befürchten ein Dual-Use-Potenzial der neuen technischen Errungenschaft. Während China betont, das Gerät nur für zivile Zwecke einsetzen zu wollen, versetzt es den Staat zugleich auch in die Lage, nahezu die gesamte Unterwasserinfrastruktur des Südchinesischen Meeres zu sabotieren. Taiwan hatte China in der Vergangenheit mehrfach verdächtigt, Seekabel-Ausfälle verursacht zu haben. So wurde erst kürzlich ein chinesischer Kapitän wegen der Beschädigung eines Unterseekabels vor Taiwan zu einer Haftstrafe verurteilt. Ohne die Kabel wäre die Inselrepublik, die von China beansprucht wird, weitgehend von internationalen Datennetzen abgehängt. China bestritt jede Beteiligung.
Experten befürchten Dual-Use-Potenzial
Das Durchtrennen von Seekabeln in großer Tiefe würde Reparaturen deutlich aufwendiger machen, sodass Ausfälle länger andauern. Zudem versetze ein schnelles Schneidewerkzeug einen Staat in die Lage, die begrenzte Zahl von Reparaturschiffen weltweit mit Aufträgen zu überfordern. Neben China sollen auch die USA und Russland über die Fähigkeit verfügen, Seekabel in großer Tiefe zu durchtrennen oder anderweitig zu sabotieren. Insgesamt gibt es 1,7 Millionen Kilometer Seekabel weltweit. Um diese Infrastruktur zu schützen, berieten Experten auf einem Gipfel über Maßnahmen für resilientere Seekabel-Verbindungen. Die meisten Störungen entstehen freilich durch Naturkatastrophen und Unfälle mit Ankern.
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Die Gefahr von Seekabelsabotage war in den letzten Jahren auch in Europa in den Fokus gerückt, als bei mehreren Gelegenheiten in der Ostsee Daten- und Stromkabel unterbrochen wurden. In diesen Fällen war vor allem Russland verdächtigt worden, mit seiner Schattenflotte an Schiffen beteiligt gewesen zu sein. So wurde etwa das russische Spionageschiff Yantar beim Kartieren europäischer Unterseekabel identifiziert. In einigen Fällen wurde aber auch eine Beteiligung Chinas vermutet. Ein EU-Bericht warnte in diesem Zusammenhang bereits vor der Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren bei der Seekabel-Infrastruktur. Rechtlich bewegen sich Staaten in Grauzonen, wenn sie Unterseekabel in internationalen Gewässern durchtrennen. Angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen von Internetausfällen gilt die Sabotage von Seekabeln als ein Mittel der hybriden Kriegsführung. Als Reaktion darauf investiert die EU 347 Millionen Euro in die Sicherheit von Seekabeln, um die Resilienz gegen Sabotage zu erhöhen.
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(mki)
Künstliche Intelligenz
Angreifer nehmen Oracle WebLogic-Server in die Mangel
Eine Schwachstelle in Oracles WebLogic-Server wird aktuell angegriffen. Die Sicherheitslücke ist seit Mitte 2024 bekannt, Updates stehen seit dem Critical Patch Update aus dem Juli 2024 bereit.
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Davor warnt die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA aktuell. Die Lücke ist damit in den „Known Exploited Vulnerabilities“-Katalog eingezogen, US-Behörden haben bis zum 4. Juni Zeit, die Schwachstelle einzuhegen.
Attackierte Sicherheitslücke in Oracle-Middleware
Die Schwachstelle befindet sich in der Oracle Fusion Middleware, konkret nennt die Schwachstellenmeldung die Komponente „Core“. Nicht authentifizierte Angreifer aus dem Netz können mittels der proprietären Protokolle T3 und IIOP zugreifen und verwundbare Oracle WebLogic-Server kompromittieren. Genauer wird der Hersteller nicht. Erfolgreiche Angriffe münden in unbefugten Zugriff auf kritische Daten oder vollständigen Zugriff auf alle verfügbaren Daten auf dem WebLogic-Server (CVE-2024-21182, CVSS 7.5, Risiko „hoch“).
Die Softwareversionen Oracle WebLogic-Server 12.2.1.4.0 und 14.1.1.0.0 sind verwundbar, möglicherweise auch andere, jedoch nicht mehr unterstützte Fassungen. IT-Verantwortliche sollten wegen der laufenden Angriffe sicherstellen, dass Oracle WebLogic-Server in ihrer Topologie auf einem aktuellen, geschützten Stand laufen.
Wie üblich erklärt die CISA nicht, wie die Angriffe aussehen oder in welchem Umfang sie stattfinden. Es gibt daher auch keine hilfreichen Hinweise auf (erfolgreiche) Angriffe, nach denen Admins suchen könnten (Indicators of Compromise, IOC).
Derzeit häufen sich die Meldungen von angegriffenen Sicherheitslücken. IT-Verantwortliche sollten daher darauf achten, die eingesetzte Software in ihren Netzen jederzeit aktuell zu halten. So wurde am Montag dieser Woche bekannt, dass eine Sicherheitslücke in Palo Alto Networks Netzwerkbetriebssystem PAN-OS bereits attackiert wird. Sie ermöglicht Angreifern die Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen – gerade mal rund zwei Wochen, nachdem der Hersteller das Sicherheitsleck gemeldet und einen Patch bereitgestellt hat.
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(dmk)
Künstliche Intelligenz
GoPro im Sinkflug: Speicherpreise setzen Kamerahersteller weiter zu
GoPro gerät immer stärker unter Druck. In einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hat der Kamerahersteller erhebliche Zweifel an seinem Fortbestand offengelegt. Zugleich warnt GoPro, dass Kreditgeber den Hinweis als Verstoß gegen bestehende Kreditvereinbarungen werten könnten. Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit den betroffenen Finanzierungsparteien.
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Für kommende Quartale rechnet GoPro selbst damit, bestimmte Kreditauflagen nicht einzuhalten. Im Fall eines Vertragsbruchs könnten ausstehende Beträge sofort fällig werden. GoPro kann nicht zusichern, dann genügend Vermögenswerte zur Rückzahlung zu haben, heißt es in der SEC-Mitteilung.
Die jüngsten Quartalszahlen machen deutlich, wie angespannt die Lage ist: Im ersten Quartal sank GoPros Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 99 Millionen US-Dollar, der Kameraabsatz ging um 29 Prozent zurück auf rund 313.000 Einheiten. Besonders drastisch war der Margeneinbruch von 32,1 auf 4,3 Prozent. Bei einem Quartalsumsatz von 99 Millionen Dollar verlor GoPro bereits im laufenden Geschäft 57 Millionen Dollar. Der Nettoverlust belief sich auf 81 Millionen Dollar.
Speicherpreise drücken auf die Marge
Verschärft wird die Lage durch die angespannte Situation am Speichermarkt. GoPro verweist in seiner Erläuterung zu den Quartalszahlen auf steigende Speicherkosten und ein schwieriges Lieferumfeld für Speicherkomponenten. Beides habe die Wirtschaftlichkeit der zuvor erwarteten Stückzahlen belastet und zu einer Sonderbelastung von 24,5 Millionen Dollar beigetragen. In der letzten Quartalswoche seien die Preise für Speicherkomponenten laut GoPro um 80 bis 115 Prozent gestiegen. Nach Unternehmensangaben hätte die Bruttomarge ohne diese Sonderbelastung und den Verkauf schwer verkäuflicher Lagerbestände bei rund 31 Prozent gelegen, statt bei den ausgewiesenen 4,3 Prozent.
Neben den höheren Kosten belastet GoPro auch die geringere Verfügbarkeit: Speicherlieferanten kündigten im April Produktionskürzungen für den in GoPro-Produkten verwendeten Speicher an, weshalb der Kamerahersteller die Absatzprognosen für bestimmte Produkte senkte.
GoPros Probleme begannen lange vor der aktuellen Speicherkrise, denn der Kamerahersteller kämpft seit Jahren mit sinkender Nachfrage. Bereits 2024 hatte GoPro seine Belegschaft um rund ein Viertel reduziert, im April folgte ein weiterer Restrukturierungsplan, durch den 23 Prozent der Stellen wegfallen sollen. Ob der jüngste Vorstoß in neue Produktkategorien ausreicht, um GoPro wieder auf Kurs zu bringen, ist noch offen.
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Angesichts der zugespitzten Lage prüft GoPro laut SEC-Quartalsbericht strategische Alternativen, darunter auch einen möglichen Verkauf oder eine Fusion des Unternehmens.
(tobe)
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Von 1 bis 4 TByte: 18 SSDs mit PCIe 4.0 und 5.0 im Test
Weil Flash-Speicherchips zurzeit sehr teuer sind, halten sich SSD-Hersteller mit Neuvorstellungen zurück. In den vergangenen Jahren konnten wir alle drei Monate einen Test neuer PCIe-SSDs veröffentlichen, in diesem Jahr nicht mehr: Zum Redaktionsschluss der ursprünglich für diesen Test geplanten Ausgabe (Ende Mai 2026) hatten wir gerade einmal drei neue Modelle im Haus. Doch das Warten hat sich gelohnt. Neun neue SSDs haben wir nun versammelt: Acer FA300 und Predator GM9000, Adata XPG Mars 970 Plus, Corsair MP700 Micro, Kingspec XG7000, Kioxia Exceria G3 SSD, Lexar Ares Pro, Sandisk Optimus GX Pro 8100 und Seagate FireCuda X1070.
Die Kingspec-SSD haben wir als Vertreter günstiger China-SSDs ausgewählt – die aktuell hohen Preise verleiten so manchen Endkunden, billigere Alternativen zu suchen. Die Sandisk-SSD hingegen haben wir aus einem anderen Grund aufgenommen: Sandisk hat nach der Trennung von Western Digital die bisherigen WD-SSDs unter anderem Namen neu auf den Markt gebracht. Wir wollten schauen, ob sich die Namensänderung auf die Benchmark-Ergebnisse auswirkt.

Die Predator-SSD hat uns auf den ersten Blick überrascht. Eine SSD mit dickem Kühlkörper und einem integrierten Lüfter haben wir länger nicht mehr gesehen; wegen der energieeffizienten neuen Controller von Phison und Silicon Motion sollten diese eigentlich nicht mehr notwendig sein. Der Lüfter lässt sich über das Mainboard steuern und im normalen Betrieb dürfte er kaum stören. Bei maximaler Drehzahl aber brachte er es im Labor auf 5,5 sone – das ist laut.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Von 1 bis 4 TByte: 18 SSDs mit PCIe 4.0 und 5.0 im Test“.
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