Künstliche Intelligenz
OpenAI startet Bug-Bounty-Programm für Bio-Sicherheit
OpenAI startet ein weiteres Bug-Bounty-Programm und nimmt diesmal den biologischen Bereich ins Visier. Gesucht wird ein Weg, um das diese Woche vorgestellte ChatGPT 5.5 zur Beantwortung von fünf Fragen zu bringen, die das Modell unter Normalbedingungen niemals beantworten würde. Denn sie drehen sich um den Bereich Biosicherheit, Antworten darauf könnten in den falschen Händen gefährlich werden.
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ChatGPTs Sicherheitsmechanismen, auch Safeguards genannt, sollen solche Versuche normalerweise erkennen und abwehren. Fragt ein Nutzer etwa nach dem detaillierten Herstellungsprozess eines biologischen Kampfstoffes, würde das LLM sehr wahrscheinlich die Antwort verweigern und erklären, dass diese Informationen gefährlich sind und strengen Verboten unterliegen. Vorausgesetzt, dass dafür vorgesehene Safeguards greifen.
Suche nach Jailbreaks
In der Vergangenheit gab es aber verschiedene Methoden, um die Safeguards zu umgehen, sogenannte Jailbreaks. Etwa die Timebandit-Lücke, bei der ChatGPT durch gezielte Anfragen des Nutzers den Zeitbezug verlor und dadurch bereitwillig Anleitungen für illegale Aktivitäten lieferte. Zum Beispiel, indem das LLM aufgefordert wurde, Malware für einen Mathematiker aus dem Jahr 1789 zu liefern, dem aber moderne technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen.
Beim jetzigen Programm lädt OpenAI Forschende mit Erfahrung in den Bereichen KI-Red-Teaming, Sicherheit oder Biosicherheit ein, einen universellen Jailbreak zu finden, der die Beantwortung von fünf Biosicherheits-Fragen ermöglicht, ohne die Moderation auszulösen. Red Teams sind Gruppen, die bei einem simulierten Angriff versuchen, Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen.
Nicht das einzige Bug-Bounty-Programm
Gearbeitet wird bei dem Bug-Bounty-Programm ausschließlich in ChatGPT 5.5 in Codex Desktop. Wer den ersten Jailbreak dieser Art findet, dem winkt ein Preisgeld von 25.000 US-Dollar. Auch für Jailbreaks, welche die Anforderungen teilweise erfüllen, können Preisgelder „nach unserem Ermessen“ vergeben werden, erklärt OpenAI in der Ausschreibung. Die Teilnahme ist auf Einladung oder nach erfolgreicher Bewerbung möglich. Die Bewerbungsfrist läuft vom 23. April bis zum 22. Juni, die Testphase für die Jailbreak-Suche vom 28. April bis zum 27. Juli. Teilnehmende müssen eine Vertraulichkeitserklärung (NDA) unterzeichnen.
Der ohnehin kritische Bereich Biosicherheit dürfte für OpenAI jetzt noch brisanter sein, nachdem das Unternehmen nun auch das Pentagon beliefert. Erst vorigen Monat hatte OpenAI ein anderes Bug-Bounty-Programm für Datensicherheit gestartet, welches sogar der Allgemeinheit zur Teilnahme offen steht. Finden Teilnehmer Möglichkeiten, ChatGPT über Prompts sensible Nutzerdaten zu entlocken, winkt eine Geldprämie.
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(nen)
Künstliche Intelligenz
Fast perfekte Fälschung: Alte GPUs auf neueren Grafikkarten
Seit Jahren veröffentlicht ein als „Tony“ bekannter Mann aus den USA auf seinem YouTube-Kanal „Northwestrepair“ humorvoll gehaltene Videos von seiner Arbeit. Er repariert vorwiegend Grafikkarten. Vor kurzem scheiterte er aber einem Auftrag, denn: Die ihm von einem Kunden übersandte Karte konnte schlicht nicht funktionieren. Mutmaßlich mit Betrugsabsicht hatte jemand auf die echte Platine einer Asus RTX-4090 Strix eine GPU der Serie RTX-3000 gesetzt. Die ist anders beschaltet, die Kombination sieht nur so aus wie eine betriebsbereite Grafikkarte.
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Selbst dem sehr erfahrenen Tony, der auch GPUs und Speicherbausteine von einer Karte auf eine andere verpflanzen kann – etwa wegen gebrochener Platine – fiel die Fälschung nicht unmittelbar auf. Die Karte lieferte kein Bild, einige Messungen an der Platine zeigten zahlreiche Kurzschlüsse. Oft ist das ein Hinweis auf Karten, bei denen GPU und RAM entfernt wurden, um sie auf andere Platinen zu setzen. Die vermeintliche Strix wies jedoch keine der üblichen Anzeichen wie ein verfärbtes Board durch große Hitzeeinwirkung oder Klebstoff an zur Tarnung schlampig montierten Chips auf. Eine kleine Stelle mit Kleber und einige fehlende passive Bauteile zeigten sich dann aber doch unter dem Mikroskop.
Neu beschriftete GPU und Speicherchips
Damit war dann auch zu sehen, dass die Beschriftungen von sowohl GPU wie Speicherbausteinen nicht dem Werkszustand entsprechen. Das ist ein übliches Vorgehen von Betrügern, sie verbauen irgendwelche Chips, die nur dem flüchtigen Blick standhalten sollen. In diesem Fall war sogar die Beschriftung der GPU selbst mit „AD102-300-A1“ verändert worden. Das ist die korrekte Bezeichnung des Chips für eine RTX-4090. Einige andere Bestandteile wie die Kondensatoren auf dem GPU-Package entlarvten ihn jedoch als Vertreter der 3000-Generation. Auch die Speicherbausteine waren offenbar abgeschliffen und mit Beschriftungen für GDDR6X versehen worden. Was sich unter dem Plastik tatsächlich verbirgt, hat Tony nicht weiter untersucht.
Fälschung bei Kartenhersteller ist wahrscheinlich
Fälschungen von Grafikkarten sind nicht neu, erst vor gut einem Jahr fielen vermeintliche 4090 mit 3090-GPUs in China auf. Im aktuellen Fall ist aber der Aufwand besonders hoch gewesen, unter anderem vermutlich mit einem Laser-Beschrifter für die GPU. Auch die Montage der verfälschten Chips ist nahezu perfekt. Wie Tony in einem Kommentar zu seinem Video schreibt, ist er inzwischen sicher, dass solche Arbeiten nur in einer Fabrik für Grafikkarten in dieser Qualität erfolgen könnten. Er hält eine Bastelarbeit selbst durch eine gute ausgestattete Werkstatt einer Einzelperson für unwahrscheinlich.
Seit Jahren werden defekte Spiele-Grafikkarten umgearbeitet, etwa, um sie mit neuen Platinen für KI-Rechenzentren nutzbar zu machen. Die Exportbeschränkungen für besonders schnelle GPUs haben hier einen Graumarkt geschaffen. Die quasi „leeren“ Grafikkarten ohne GPU und RAM – das ist am wertvollsten – werden dann bisweilen auch verkauft. Das fällt bei Demontage des Kühlers sofort auf, nicht jedoch in diesem Fall, auch nicht erfahrenen Technikern.
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Quelle angeblich ein Amazon-Rückläufer
Erworben wurde die gefälschte Grafikkarte auf Ebay, und zwar von einer Person, die sie über einen „pallet deal“ von Amazons Versandrückläufern erhalten haben will. Schon bei solchen Angaben sollten alle Alarmglocken schrillen. Professionelle Händler, die Amazon-Rückläufer in großem Stil aufkaufen, sortieren besonders wertvolle Ware wie Smartphones und Grafikkarten in der Regel aus, bevor sie etwa in den „Mystery-Automaten“ landen. Und Amazon verkauft Rückläufer wertvoller Ware auch selbst. Dass eine rund zweitausend Euro teure Grafikkarte – was eine gute RTX-4090 auch heute noch erreichen kann – in einem „pallet deal“ landet, ist höchst unwahrscheinlich. Zumal die Karte gar nicht mehr hergestellt wird.
Um sich vor solch perfiden Fälschungen zu schützen bleibt nur, Geräte wie Grafikkarten aus vertrauenswürdigen Quellen zu kaufen. Neue Ebay-Accounts und Verkäufer, die auf Vorkasse oder Bezahlung als „Familie und Freunde“ per Paypal bestehen, sind stets Warnhinweise. Wenn ein Angebot zu gut aussieht, um seriös auszusehen, ist es das in der Regel auch nicht.
(nie)
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Hall-Effect-Keyboard Keychron Q16 HE 8K im Test: Tippen wie auf Omas Porzellan
Sowohl das Gehäuse als auch die Tasten der Keychron Q16 HE 8K sind aus Keramik. Dazu kommt das Hall-Effect-Keyboard noch mit performanter Ausstattung.
Hall-Effect-Tastaturen gibt es mittlerweile immer häufiger. Was die Keychron Q16 HE 8K von allen anderen unterscheidet, sind ihr Keramik-Gehäuse und die Keramik-Tastenkappen. Das sieht nicht nur unglaublich schick und hochwertig auf dem Schreibtisch aus, sondern fühlt sich auch komplett anders beim Tippen an als herkömmliche Keycaps aus Kunststoff.
Aussehen ist aber nicht alles und so hat die kompakte 65-Prozent-Tastatur auch eine Abtastrate von 8000 Hz sowie TMR-Sensoren spendiert bekommen, die in Kombination mit den magnetischen Switches ein hohes Maß an Individualisierbarkeit und eine starke Performance versprechen. Wir klären, ob sie im Einsatz überzeugen kann. Das Testgerät hat uns der Hersteller zur Verfügung gestellt.
Lieferumfang
Zur Keychron Q16 HE 8K bekommt man das USB-C-zu-USB-C-Verbindungskabel inklusive USB-A-Adapter, einen Keycap-und-Switch-Puller, ein Set an Windows-Tastenkappen, einen Schraubendreher sowie Ersatzschrauben und Ersatz-Gummifüße. Ein Quick-Start-Guide und eine ausführlichere Anleitung liegen ebenfalls bei. Um den Tasten nach dem Einsatz erneuten Glanz zu verleihen, liegt zudem ein Putztuch bei.
Design
Unser Testgerät im ANSI-Format kommt in einem dunklen Blau, die deutsche Variante hingegen in leichtem Grün. Was beide jedoch gemeinsam haben, ist, dass sie vollständig aus Keramik sind. Nicht nur das Gehäuse, sondern auch die Tastenkappen der 65-Prozent-Tastatur glänzen daher prächtig auf dem Tisch. Sie wirkt unheimlich edel. Dem wuchtigen Keramikgehäuse entsprechend bringt das Keyboard trotz kompakter Maße von 315 x 39,1 x 110,8 mm etwas mehr als 1 kg auf die Waage.
Keychron Q16 HE 8K – Bilder
Neben dem USB-C-Port für die Kabelverbindung befindet sich ein kleiner Schalter, um zwischen dem Windows- und Mac-Modus der Tastatur zu wechseln. Von Werk aus ist die Q16 HE 8K wie alle Keychron-Keyboards mit Mac-spezifischen Tasten bestückt, welche mit den beigefügten Windows-Pendants jederzeit ausgetauscht werden können. Ausklappbare Standfüße hat sie nicht, Halt bekommt sie durch vier schmale Gummistreifen auf der Unterseite.
Die Verarbeitung ist phänomenal gut. Sowohl das Gehäuse als auch die Tastenkappen weisen keinerlei Makel auf, in dieser Preisklasse darf man das allerdings auch erwarten. Sie wirkt zwar äußerst robust, um Scherben zu vermeiden, würden wir sie dennoch nicht fallen lassen.
Ausstattung
Keychron hat bei der Q16 HE 8K nicht nur beim Design reingebuttert, sondern sie auch auf der Hardware-Seite mit ordentlich Leistung versehen. Mit 8000-Hz-Abtastrate, TMR-Sensoren und magnetischen Switches ist die Q16 HE 8K bestens ausgestattet, um auch beim Zocken abzuliefern. Während die höhere Polling-Rate für eine präzisere Reaktion der Tastatur sorgt, erlauben die magnetischen Switches eine individuelle Anpassung des Betätigungspunkts und bringen eine Reihe an Zusatzfunktionen mit sich.
Bei den Switches handelt es sich um vorgeschmierte Keychron Ultra-Fast Lime Magnetic mit linearem Charakter. Die Startbetätigungskraft beträgt 30 gf, während es 50 gf benötigt, um den Switch komplett durchzudrücken. Die komplette Reisedistanz beträgt 3,5 mm ± 0,1. Der Betätigungspunkt lässt sich von 0,1 bis 3,35 mm frei einstellen, die Switches arbeiten zudem mit einer Sensitivität von 0,01 mm.
Das Keyboard ist kompatibel mit Windows- und Mac-Computern und kann per Schalter jederzeit zwischen den beiden Modi wechseln. Außerdem läuft es auch unter Linux. Dank Onboard-Speicher kann man zudem drei verschiedene Profile abspeichern und per Tastenkombination zwischen ihnen wechseln.
Die Tastenkappen sind aus Keramik im Druckgussverfahren hergestellt und haben das Cherry-Profil. Die sich darunter befindenden nördlich ausgerichteten LEDs scheinen dezent durch. Stört einen die Kombination aus edler Keramik und bunt leuchtenden LEDs, kann man sie auch problemlos ausschalten.
Im Inneren der 65-Prozent-Tastatur verbaut Keychron eine Switch-Platte aus Aluminium, geräuschdämpfenden Schaumstoff und ein Latex-Pad, welches am Boden des Gehäuses ruht. Das PCB unterstützt zudem Hot-Swapping, wodurch andere magnetische Switches mit den bereits verbauten ausgetauscht werden können.
Software
Wie für viele andere Keychron-Tastaturen steht auch für die Q16 HE 8K der Web-Launcher zur Verfügung. Er liefert eine Fülle an Einstellungsmöglichkeiten und erfordert keine Installation auf dem Computer. Das Interface ist übersichtlich aufbereitet und die Funktionen sind größtenteils erklärt.
Bei den Hall-Effect-Einstellungen dreht Keychron ordentlich auf. Selbstverständlich lassen sich über die App die Betätigungspunkte aller Tasten auf einen Schlag oder individuell anpassen. Neben altbekannten Settings wie Dynamic Keystroke, Snap Tap und Rapid Trigger gibt es zudem noch die Möglichkeit, via den Tasten ein Gamepad zu simulieren, inklusive anpassbarer Analog-Kurve.
Keychron Q16 HE 8K – Bilder App
Snap Tap hat ebenfalls ein Upgrade erhalten. Neben der regulären Last Key Priority gibt es noch Snap Click, Absolute Priority und Cancel Mode. Mit Snap Click wird bei zwei gleichzeitig gedrückten Tasten die tiefer gedrückte aktiviert und die andere zurückgesetzt. Mit Absolute Priority legt man eine Taste fest, die bei zwei Gedrückten immer den Vorrang hat. Cancel Mode sorgt indes dafür, dass bei zwei zuvor festgelegten, gleichzeitig gedrückten Tasten keine der beiden aktiviert wird.
Auch die Tastenbelegung kann man anpassen und via des integrierten Makro-Editors eigene Makros erstellen. 21 vorprogrammierte Beleuchtungseffekte stehen zur Auswahl, mit drei zusätzlichen, die man selbst programmieren kann. Möchte man selbst kreativ werden, gibt es die Möglichkeit, in drei RGB-Zonen die Farbe jeder Taste einzeln anzupassen oder über Mix RGB in zwei unterschiedlichen Zonen Tasten mit verschiedenen Farben und Effekten zu versehen, die zu unterschiedlichen Zeit-Intervallen triggern.
Tippgefühl
Es tippt sich ausgesprochen weich auf der Keychron Q16 HE 8K. Anders als Tasten aus PBT-Kunststoff sind die hier verwendeten Keramik-Tasten vollkommen glatt und fühlen sich so auch weicher an. Das Tippen macht dadurch richtig Spaß.
Beim Zocken kann das allerdings etwas störend sein. Durch die fehlende Griffigkeit und in Kombination mit etwas klammen Fingern kann das Zocken so unter Umständen zur Rutschpartie werden. Es ist zwar nie so schlimm, dass man tatsächlich von der Taste abgleitet, fühlt sich aber in manchen hitzigen Gefechten etwas unsicher an.
Akustisch bekommt man hier einen runden Thock-Sound auf die Ohren. Die Geräuschoptimierung gelingt und ungewolltes Hallen sowie Kratzen entsteht nicht. Die Aluminium-Switch-Platte verleiht beim Tippen zudem eine gute Stabilität.
Beim Zocken überzeugen indes die präzisen Tastenanschläge, und auch die zusätzlichen Hall-Effect-Funktionen leisten in kompetitiven Spielen wie Overwatch und Valorant während des Tests gute Arbeit.
Preis
Die Keychron Q16 HE 8K in Light-Green mit deutschem Tastaturlayout kostet 240 Euro.
Fazit
Die Keychron Q16 HE 8K ist dank ihres einzigartigen Keramik-Designs nicht nur ein wahrer Hingucker, sondern überzeugt auch mit ordentlicher Leistung unter der Haube. Das Zusammenspiel aus geballter Ästhetik und High-End-Komponenten macht aus der kompakten 65-Prozent-Tastatur einen hervorragenden Begleiter sowohl für die tägliche Schreibarbeit als auch für die abendliche Gaming-Session – mit einer Ausnahme. Die glatten Tasten könnten in hitzigen Gefechten für den Einen oder Anderen etwas zu wenig Halt bieten.
Wer sich daran nicht stört und bereit ist, 240 Euro zu bezahlen, bekommt hier eine unglaublich edel anmutende Tastatur, die zudem mit ihren Funktionen auch beim Zocken überzeugt.
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Digitale Identitäten: Zwischen PIN-Chaos und Hoffnung auf EUDI-Wallet
Digitale Identitäten werden im Gesundheitswesen immer wichtiger – etwa für die elektronische Patientenakte (ePA) und das E-Rezept oder den Eintrag im Organspenderegister. Doch bei der praktischen Umsetzung hakt es noch deutlich, wie eine von Pascal Jeschke, vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, moderierte Gesprächsrunde auf der DMEA zeigte.
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„Es blickt ja schon fast keiner mehr durch“, sagte Carlo Ulbrich, Mitgründer und CSO der Nect GmbH, die das erweiterte Video-Identverfahren für die meisten Krankenkassen anbietet. Gemeint ist die Vielzahl unterschiedlicher Identifizierungsverfahren, Apps und Vertrauensniveaus. Je nach Anwendungsfall kommen andere Verfahren zum Einsatz. Nutzer müssen sich in der Regel mehrfach registrieren, verschiedene PINs verwalten und unterschiedliche Prozesse verstehen.
Zu viele Verfahren, zu wenig Klarheit
Die Fragmentierung beginne bereits beim Zugang: Unterschiedliche Identitätsniveaus und Verfahren sorgen dafür, dass Versicherte oft gar nicht wissen, wann sie bereits eine digitale Identität nutzen. Dr. Matthias Berger, Co-Founder von azuma healthtech, sagte, dass viele Anwender ihre GesundheitsID verwenden, ohne zu wissen, dass sie die noch woanders nutzen können. Diese ist unter anderem für den Zugriff auf die elektronische Patientenakte und das E-Rezept notwendig. Der Zugang zu Produkten wie der ePA sei jedoch nicht ausreichend, betonte Isabel Höftmann-Toebe: „Ich habe Zugriff und muss das auch nutzen können – mit einer hohen Transparenz.“
Gleichzeitig erschwert die Vielfalt der Verfahren die Verbreitung: „Wenn die Use Cases nicht da sind, […] dann kann ich ja auch nicht erwarten, dass sich die Leute die GesundheitsID holen. Also es ist ja immer dieses Henne-Ei-Problem, […] du musst ja irgendwie gucken, wie kriege ich die Leute dazu überhaupt zu sagen, ich nehme mir den Aufwand vor, mir die Gesundheits-ID für mich zu erstellen“, so Berger.
Komplexität bleibt ein Kernproblem
Dr. Karsten Klohs von achelos verwies darauf, dass die GesundheitsID erstmals auch Teilnehmer anbinde, die nicht über klassische Kartenlösungen identifiziert werden können, womit beispielsweise auch Privatversicherte gemeint sein könnten. Er warnte vor einer zunehmenden Zersplitterung von Identitätslösungen – mit zahlreichen Verfahren und Zugangsdaten. „27 Pins, die man sich merken muss“, beschrieb er zugespitzt die Situation. Zugleich machte er deutlich, dass moderne Identitätssysteme deutlich über eine einmalige Anmeldung hinausgehen müssten: Sie sollten kontinuierlich überwacht werden, auf ungewöhnliche Aktivitäten reagieren können und auch dann funktionsfähig bleiben, wenn einzelne Komponenten ausfallen oder Vertrauensniveaus sinken.
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Die Bedeutung von Resilienz und Ausfallsicherheit zog sich als zentrales Thema durch die Diskussion. Mehrere Panelisten verwiesen darauf, dass digitale Identitäten auch bei Cyberangriffen oder Systemausfällen funktionieren müssen – nicht zuletzt mit Blick auf regulatorische Anforderungen wie die DORA-Richtlinie für Banken.
Ebenso wurde von mehreren Diskussionsteilnehmern auf den Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit hingewiesen. Höhere Vertrauensniveaus und damit sicherere Verfahren gingen oft mit mehr Aufwand für Nutzer einher, während niedrigschwellige Lösungen nicht in allen Fällen den nötigen Schutz bieten – ein besonders sensibles Thema im Gesundheitswesen. Ulbrich hob zudem die besondere Sensibilität von Gesundheitsdaten hervor: „Wenn Gesundheitsdaten geleakt sind, dann sind die geleakt.“ Anders als etwa bei Finanzdaten ließen sich Schäden hier kaum nachträglich begrenzen.
EUDI-Wallet
Als möglicher Ausweg wurde die geplante EUDI-Wallet genannt. Sie soll perspektivisch eine einheitliche Infrastruktur für digitale Identitäten schaffen und die Nutzung über verschiedene Sektoren hinweg vereinfachen. Experten üben jedoch Kritik am Modell mit privaten Anbietern und sehen die EUDI-Wallet eher als vollständig staatlich betriebene Infrastruktur – ähnlich dem Personalausweis. Gleichzeitig werfen aktuelle Sicherheitsdebatten die Frage auf, ob solche Systeme ausreichend robust und die Privatsphäre bewahrend umgesetzt werden können. Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass selbst bei starker kryptografischer Absicherung zusätzliche Metadaten anfallen können, die Rückschlüsse auf Nutzer zulassen.
Anreize und bessere UX gefordert
Neben regulatorischen Anpassungen wird auch Bedarf bei der Nutzerführung und Anreizen gesehen. Klohs brachte etwa finanzielle Anreize ins Spiel, um die Verbreitung digitaler Identitäten zu beschleunigen. Zudem verwies er auf eigene, komfortable Erfahrungen, als es noch möglich war, den PIN-Brief über ein Online-Portal anzufordern. Die Möglichkeit war aus Kostengründen abgeschaltet worden, und eine weitere Entscheidung steht noch aus. Verbraucherschützer fordern seit Längerem, den PIN-Rücksetzbrief wieder verfügbar zu machen.
Einigkeit herrschte darin, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Entscheidend sei, digitale Identitäten so in den Alltag zu integrieren, dass sie möglichst ohne zusätzliche Hürden für Nutzer sind. Deutschland verfüge über leistungsfähige Technologien für digitale Identitäten, so der Tenor. Doch bei Verbreitung, Nutzererlebnis und praktischer Anwendung bestehe weiterhin Nachholbedarf.
(mack)
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