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RWTH-Studie: Tankrabatt erreicht Bedürftige kaum und treibt die Nachfrage
Die von der Bundesregierung angekündigte Senkung der Mineralölsteuer um 17 Cent pro Liter Benzin und Dieselkraftstoff aufgrund der Teuerungen beim Kraftstoff durch den Krieg im Iran dürfte dem Lehrstuhl für Energiesystemökonomik an der RWTH Aachen zufolge nicht zielgenau wirken. Besonders von den hohen Kraftstoffpreisen betroffene Haushalte werden durch den neuen Tankrabatt in geringerem Maße entlastet als überdurchschnittlich gut situierte Wirtschaftseinheiten.
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Die Wissenschaftler nutzen ökonomische Modelle und Simulationen auf Basis repräsentativer Mikrodaten, wie die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts, das Sozio-oekonomische Panel („SOEP“) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie das Deutsche Mobilitätspanel („MOP“) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) für eine „differenzierte Abbildung von Einkommenssituationen, Konsumstrukturen und Mobilitätsverhalten privater Haushalte in Deutschland“.
Nicht-Bedürftige profitieren überdurchschnittlich
Aufgrund dieser Datenbasis und ihrer Annahmen können die Wissenschaftler abschätzen, dass lediglich 8,6 Prozent des monatlichen Entlastungsvolumens von 330 Millionen Euro sogenannte „energiearme Haushalte“ erreichen, jedoch über 90 Prozent Haushalte „ohne entsprechende Belastung“. Demnach liege die durchschnittliche Entlastung bei 10,70 Euro pro Monat und Haushalt. Die obere Einkommenshälfte spart im Schnitt 12,9 Euro, das unterste Dezil jedoch profitiert von der Entlastung mit 9,50 Euro absolut gerechnet weniger. Genau jene Haushalte aber müssen einen höheren Anteil ihres Einkommens für Kraftstoff aufwenden.
Als „energiearme Haushalte“ definiert die Studie solche mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 1430 Euro und monatlichen Kraftstoffausgaben von 150 Euro. Das seien über 2,2 Millionen Haushalte. Nicht-energiearme Haushalte haben in dieser Studie ein mittleres monatliches Nettoeinkommen von rund 3000 Euro bei Kraftstoffausgaben von rund 90 Euro. Verzerrungen in den Ergebnissen durch unterschiedliche Haushaltszusammensetzungen sollen durch Äquivalenzskalen für Haushaltseinkommen und Energieausgaben vermieden werden.
Dazu kommt ein unerwünschter Nachfrageeffekt durch den Tankrabatt, den die Studie auf rund 2 Prozent beziffert. Das wären umgerechnet 1,2 Liter pro Haushalt und Monat. Er würde dazu führen, dass die Preise an den Zapfsäulen weiter erhöht werden.
Empfehlung: zielgerichteter Transfer
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Die Wissenschaftler der RWTH Aachen raten stattdessen zu gezielter Unterstützung bedürftiger Haushalte. Subventionen mit der Gießkanne wie der Tankrabatt seien ineffizient, da sie überwiegend nicht energiearme Haushalte entlasten. Zudem konterkariere der durch die direkte Subvention des Tankstellenkraftstoffs ausgelöste Nachfrageanstieg das eigentliche Ziel, die Belastung durch hohe Energiepreise zu reduzieren.
Die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hatte zusätzlich zum Tankrabatt eine Steuerbefreiung für Entlastungsprämien von bis zu 1000 Euro für abhängig Beschäftigte beschlossen, die von den Arbeitgebern ausgezahlt werden können. Die erste Lesung des Gesetzentwurfs fand am 15. April 2026 im Bundestag statt. Eine zwischenzeitlich vereinbarte Waffenruhe zwischen Iran und USA hat die Ölpreise um etwa 10 US-Dollar gesenkt, sie liegen aktuell noch rund 40 Prozent über Vorkriegsniveau.
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(fpi)
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NASA schaltet weiteres Instrument der ersten Voyager-Sonde zum Stromsparen ab
Die Stromversorgung der Raumsonde Voyager 1 wird fast 49 Jahre seit Beginn der Mission immer prekärer. Nach einem regulären Flugmanöver war der Leistungspegel der Sonde überraschend gefallen, sodass die Gefahr bestand, dass sich einige Komponenten aus Sicherheitsgründen selbst abschalten könnten. Deshalb hat die NASA kurzfristig das Messinstrument für geladene Teilchen mit niedriger Energie abgeschaltet, um Strom zu sparen. Es gibt jedoch Hoffnung, dass dieses in den nächsten Monaten wieder reaktiviert werden kann, wenn es nach den Stromsparplänen der NASA geht.
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Bereits vor rund einem Jahr hat die NASA weitere Instrumente der Voyager-Sonden abgeschaltet, damit diese noch bis in die 2030er-Jahre arbeiten können. Dafür muss aber Strom gespart werden. Die beiden Sonden werden von Radionuklidbatterien mit Energie versorgt, die elektrischen Strom aus der Wärme erzeugen, die beim Zerfall von Plutonium-238 entsteht. Allerdings verliert eine solche Batterie etwa 4 Watt Leistung im Jahr. Deshalb wurden im Laufe der Jahre nach und nach weitere Systeme deaktiviert.
Voyager als längste und fernste NASA-Mission
Voyager 1 war zusammen mit ihrer Schwestersonde Voyager 2 im Sommer 1977 im Abstand von etwa zwei Wochen gestartet. Die Primärmission war auf vier Jahre angelegt. Inzwischen sind die Sonden weiter von der Erde entfernt als jedes andere von Menschen hergestellte Objekt: Voyager 1 hat 25 Milliarden Kilometer zurückgelegt, 21 Milliarden Kilometer sind es bei Voyager 2. Sie haben das Sonnensystem verlassen und sind im interstellaren Raum unterwegs: Voyager 1 seit 2012, Voyager 2 seit 2018. Mit ihren verbliebenen Instrumenten liefern sie immer noch wertvolle Daten.
Allerdings gibt es aufgrund des Alters immer wieder Probleme mit den beiden Sonden. Die Kommunikation bricht ab, Systeme fallen aus. Reparaturen sind schon allein wegen der langen Signallaufzeiten schwierig: Bis ein Signal Voyager 1 erreicht, vergehen mehr als 23 Stunden, bei Voyager 2 sind es 19,5 Stunden. Die Voyager-Sonden hatten die gleiche Ausstattung von zehn Instrumenten an Bord, von denen aber einige schon relativ bald abgeschaltet wurden, nach dem Passieren der großen Gasplaneten Jupiter, Saturn und Neptun.
Abschaltung für längere Betriebsdauer
Am 27. Februar 2026 führte Voyager 1 laut NASA ein geplantes und reguläres Rollmanöver durch, aber der Leistungspegel der Raumsonde ist daraufhin unerwartet gefallen. Ein weiteres Absinken der Leistung würde das Unterspannungsschutzsystem aktivieren, das verschiedene Komponenten automatisch deaktiviert, um den Betrieb der Sonde zu erhalten. Eine manuelle Reaktivierung ist allerdings ein längerer Prozess mit eigenen Risiken. Deshalb mussten die NASA-Ingenieure schnell handeln und haben das Messinstrument für geladene Teilchen mit niedriger Energie (LECP, Low-energy Charged Particles) abgeschaltet. Bei Voyager 2 war dies bereits letztes Jahr deaktiviert worden.
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„Auch wenn die Abschaltung eines wissenschaftlichen Instruments niemandem gefällt, ist es die beste verfügbare Option“, erklärt Kareem Badaruddin, Missionsleiter der Voyager-Sonde. „Voyager 1 verfügt noch über zwei funktionierende wissenschaftliche Instrumente – eines zur Messung von Plasmawellen und eines zur Messung von Magnetfeldern. Sie funktionieren weiterhin einwandfrei und senden Daten aus einer Region des Weltraums, die noch nie ein anderes von Menschenhand geschaffenes Raumfahrzeug erforscht hat.“
Pläne zur Stromreduzierung und Hoffnung auf Reaktivierung
Allerdings ist das LECP-Instrument nicht komplett abgeschaltet. Ein kleiner Motor, der den Sensor im Kreis dreht, um alle Richtungen abzudecken, bleibt aktiv. Dieser benötigt mit 0,5 Watt nur wenig Leistung und erlaubt der NASA die beste Chance, das Instrument wieder in Betrieb nehmen zu können, falls zusätzliche Energie gefunden werden kann. Denn das ist das nächste Ziel des Voyager-Teams.
Derzeit arbeiten die NASA-Ingenieure an einem Plan, den sie „the Big Bang“ nennen, um den Betrieb der Voyager-Sonden noch weiter zu verlängern. Dabei sollen einige Teile mehrerer mit Strom versorgter Geräte auf einmal durch energiesparendere Alternativen ersetzt werden, wobei die Sonden warm genug gehalten werden, um weiterhin wissenschaftliche Daten zu sammeln. Das soll im Mai und Juni dieses Jahres zunächst bei Voyager 2 getestet werden, da sich diese Sonde näher an der Erde befindet. Falls dies erfolgreich ist, soll es frühstens im Juli auch bei Voyager 1 durchgeführt werden. Dann könnte auch das LECP-Instrument reaktiviert werden.
(fds)
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Energiekrise: IWF rät von Tankrabatt ab
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält nichts von temporären Maßnahmen wie Tankrabatten zur Abfederung hoher Energiepreise. Zwar sei die Versuchung für Regierungen groß, den Preisanstieg mittels Obergrenzen oder Senkungen der Kraftstoffsteuer einfach zu stoppen. „Dies sind jedoch unkluge Maßnahmen“, heißt es in einem Informationsgespräch der Organisation zu Europa. Eine nicht zielgerichtete Unterstützung komme überproportional einkommensstarken Haushalten zugute, die mehr Energie verbrauchten.
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Preissignal nicht unterdrücken
Der IWF beruft sich dabei auf Erkenntnisse aus der Energiekrise infolge des Beginns des Ukraine-Krieges 2022. Nun sollten die europäischen Regierungen die „kostspieligen Fehler nicht wiederholen“. „Umfassende und unbefristete Unterstützungsmaßnahmen lassen sich nur schwer wieder rückgängig machen und sollten vermieden werden.“ Der IWF bemängelte zudem, dass derartige breit angelegte Maßnahmen den Anreiz für Menschen und Unternehmen unterdrücke, ihren Verbrauch zu senken und in Alternativen und mehr Effizienz zu investieren.
Den IWF-Angaben zufolge hätten europäische Regierungen damals durchschnittlich 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Energiehilfepakete ausgegeben. Die Bilanz: „Mehr als zwei Drittel davon waren nicht zielgerichtet.“ Eine Analyse der Organisation habe gezeigt, dass lediglich 0,9 Prozent des BIP erforderlich gewesen seien, um für die unteren 40 Prozent der Haushalte die gesamte Energiekostensteigerung vollständig zu kompensieren. Zwischen Juni und Ende August 2022 hatte etwa die Bundesregierung infolge des Ukraine-Krieges ebenfalls die Steuer auf Kraftstoffe gesenkt.
Die Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD wollen angesichts des derzeitigen Engpasses die Steuern auf Dieselkraftstoff und Benzin zur Abfederung hoher Preise um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter begrenzt auf zwei Monate senken. Die reduzierten Steuersätze sollten vom 1. Mai bis 30. Juni gelten, heißt es in einem Entwurf. Derzeit befasst sich der Bundestag mit dem Entwurf, der Bundesrat könnte den Tankrabatt dann endgültig am 24. April beschließen.
(fpi)
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Google und Gucci arbeiten an Smart Glasses der Luxusklasse
Smart Glasses könnten schon bald das Luxussegment erreichen. Der CEO von Kering Luca de Meo sagte in einem Gespräch mit Reuters, dass das Unternehmen im nächsten Jahr mit Google zusammen Smart Glasses der Marke Gucci auf den Markt bringen möchte.
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Google hat für dieses Jahr erste Smartglasses angekündigt, mit den Brillenherstellern Warby Parker und Gentle Monster als Partner. Bereits bei der Vorstellung der Kooperationen vor einem Jahr fiel der Name Kering. Damals hieß es, dass Google auch mit Kering Eyewear, der Brillensparte des Luxuskonzerns zusammenarbeiten werde. Diese Partnerschaft scheint sich nun zu konkretisieren.
De Meo will mit dem Vorstoß in Smartglasses Kerings Brillen- und Schmucksparte ausbauen, die bislang nur einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes ausmachen, sagt der CEO zu Reuters. Zum Konzern gehören Marken wie Saint Laurent, Bottega Veneta und Balenciaga. Gucci ist weiterhin der wichtigste Umsatztreiber, schwächelt jedoch seit einigen Jahren.
Smart Glasses rücken ins Luxussegment vor
Der Erfolg von Smartglasses begann 2023 mit der Einführung der Ray-Ban Meta-Brillen. 2025 erweiterten die Marktführer Meta und EssilorLuxottica ihr Portfolio um sportliche Modelle wie Oakley Meta HSTN und Oakley Meta Vanguard. Das Luxussegment könnte nun zum nächsten Ziel werden, nachdem die Partner bislang etwa zehn Millionen smarte Brillen verkauft haben.
EssilorLuxottica ist der größte Brillenhersteller der Welt, der neben eigenen Marken auch für Luxusunternehmen wie Prada, Chanel und Versace im Rahmen von Lizenzvereinbarungen Brillen entwirft, produziert und vertreibt. EssilorLuxottica unterhält weltweit rund 13.500 Brillengeschäfte.
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Seit geraumer Zeit gibt es Gerüchte, dass Meta Smart Glasses der Marke Prada plant. Ein aktueller Bericht von Bloomberg behauptet, dass eine Einigung mit Prada noch in diesem Jahr erzielt werden könnte. Mit dem Vorstoß ins Luxussegment könnte EssilorLuxottica höhere Margen bei seinen Smartglasses erzielen. Ein Punkt, der offenbar für Spannungen zwischen den Partnern sorgt, da Meta angeblich auf möglichst niedrige Preise pocht, um möglichst schnell eine große Verbreitung zu erreichen.
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Damit deutet sich ein direkter Wettbewerb zwischen Metas Prada-Brille und Googles Gucci-Brille an. Neben Google und Meta arbeitet auch Apple an verschiedenen Designs eigener Smart Glasses, die schon dieses Jahr vorgestellt und 2027 in den Handel kommen könnten.
(tobe)
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