Datenschutz & Sicherheit
Strafanzeige: Journalist wehrt sich gegen Staatstrojaner-Angriff
Wenn ein deutscher Staatsbürger in Deutschland mit einem Staatstrojaner gehackt werden soll, ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Davon geht jedenfalls die Gesellschaft für Freiheitsrechte aus. Die GFF hat heute gemeinsam mit dem deutsch-vietnamesischen Journalisten Trung Khoa Lê Strafanzeige gestellt.
Der Journalist recherchiert und publiziert auf seiner Plattform Thời Báo („Die Zeit“) seit Jahren über die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Vietnams. Seine Artikel und Videos finden bei der vietnamesischen Regierung keinen Gefallen.
Vietnam ist beinahe Schlusslicht der Rangliste der Pressefreiheit. Das Land zensiert und überwacht Medien großflächig. Doch Trung Khoa Lê veröffentlicht von Deutschland aus investigative Recherchen und Regierungspapiere.
Polizeischutz und Staatstrojaner
Wegen seiner Arbeit bekommt er Morddrohungen und Polizeischutz. Und er wird angegriffen. Bisher unbekannte Täter haben versucht, ihm einen Staatstrojaner aufzuspielen.
Vor zwei Jahren berichtete Trung Khoa Lê über korrupte Generäle im vietnamesischen Verteidigungsministerium. Den Artikel postete Thoibao auch auf seinem Twitter-Account.
Auf diesen Tweet antwortete ein Account namens @Joseph_Gordon16 und postete einen Link, offenbar in der Hoffnung, dass Trung Khoa Lê draufklicken würde. Hätte er geklickt, hätte ein Exploit sein Gerät heimlich kompromittiert und die Schadsoftware Predator installiert.
Gegen diesen Hacking-Versuch wehrt sich der Journalist jetzt. Lê Trung Khoa sagt: „Seit zweieinhalb Jahren ist bekannt, dass ich mit Spyware attackiert wurde. Bisher hat niemand auch nur ermittelt – oder gar die Täter*innen zur Rechenschaft gezogen. Deswegen habe ich nun Strafanzeige erstattet.“
Auch Deutsche beteiligt
Neben dem Berliner Trung Khoa Lê wurden auch andere Journalisten, aber auch Menschen aus Wissenschaft und Forschung, US-Senatoren, Diplomaten, EU-Beamte oder UN-Mitarbeiter mit Predator angegriffen.
Der Staatstrojaner Predator wird vom undurchsichtigen Firmenverbund Intellexa angeboten und vertrieben. Laut Spiegel verdienen auch Deutsche an dieser Überwachung. Laut portugiesischen Medien ist auch ein ehemaliger FinFisher-Manager involviert.
Deswegen ist der Fall von Trung Khoa Lê ein hausgemachtes Problem Europas: Die Schadsoftware eines europäischen Anbieters sollte einen Deutschen gezielt ausspionieren, wohl über den Umweg Vietnam.
Staat soll Täter finden
Der Journalist und die GFF möchten nun mit der Strafanzeige erreichen, „dass die Staatsanwaltschaft und Polizei in Berlin den Angriff aufklären und die Täter*innen ermitteln“. In der Pressemitteilung schreibt die GFF:
Wäre der Angriff gelungen, hätten die Täter*innen auf die gesamte Kommunikation sowie alle dort gespeicherten Daten zugreifen können. Ein solcher Angriff stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen dar.
Außerdem sei das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Geräte (das sogenannte IT-Grundrecht) und auch das Fernmeldegeheimnis sowie im konkreten Fall zudem der Quellenschutz verletzt. Die GFF mahnt:
Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger*innen vor solchen Angriffen zu schützen.
Die Staatsanwälte können bei der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich nachfragen. Die Hacker-Behörde ZITiS ist laut Spiegel „bereits seit 2019 Intellexa-Kunde“. Die GFF empfiehlt daher ein Amtshilfeersuchen.
Datenschutz & Sicherheit
Notepad++: Lücken erlauben Einschleusen von Schadcode und Befehlen
Ein weiteres Update steht für Notepad++ bereit. Es schließt drei Sicherheitslücken, von denen zwei als hohes Risiko eingestuft sind und Angreifern ermöglichen, etwa Befehle oder gar Schadcode einzuschmuggeln und auszuführen.
Weiterlesen nach der Anzeige
In der Release-Ankündigung zu Notepad++ v8.9.6.1 schreibt Entwickler Don Ho, dass die neue Version die drei Schwachstellen ausbessert. In der Konfigurationsdatei „config.xml“ gibt es keine Einschränkung für den Parameter „commandLineInterpreter“, sodass etwa Angreifer mit Nutzerrechten den Eintrag anpassen oder mittels bösartigem .lnk eigene Dateien starten lassen können. Damit diese Datei gestartet wird, müssen Opfer „Datei“ – „Aktuellen Ordner öffnen“ und dort „Eingabeaufforderung (cmd)“ auswählen. Die Lösung sieht vor, die erlaubten Einträge etwa auf cmd.exe, powershell.exe oder bash.exe zu beschränken, eine Pfadprüfung sowie eine Rückfrage bei Nutzern zu stellen (CVE-2026-48778, CVSS 7.8, Risiko „hoch“).
Eine ähnliche Schwachstelle öffnet das „
Aktualisierte Software-Version
Auf der Download-Seite des Notepad++-Projekts steht die neue Version in verschiedenen Formaten zum Herunterladen bereit. Die aktualisierte Software müssen Nutzerinnen und Nutzer derzeit noch manuell herunterladen und überinstallieren. Der integrierte Update-Mechanismus von Notepad++ v8.9.5 meldet, die Software sei aktuell – Ho hat die neuen Releases (auch die Version v8.9.6) also noch nicht darüber freigegeben.
Ende vergangener Woche hatte Don Ho Version v8.9.6 von Notepad++ veröffentlicht. Sie schloss eine Sicherheitslücke im Installer.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Massiver Datendiebstahl in Litauen | heise online
In Litauen sorgt ein großangelegter Diebstahl von mehr als 600.000 Datensätzen aus einem staatlichen Register für Aufsehen und Sicherheitsbedenken. Staatspräsident Gitanas Nauseda bezeichnete den Vorfall nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates als eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit. „Es gibt Anzeichen dafür, dass es sich um einen von feindlichen Staaten organisierten Cyberangriff handelte“, sagte er einem Bericht des litauischen Rundfunks zufolge. Nähere Angaben dazu machte das Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes nicht.
Weiterlesen nach der Anzeige
Präsident spricht von Cyberangriff
Die Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius hatte zuvor Ende vergangener Woche über ein schweres Datenleck beim staatlichen Registerzentrum informiert, das für die amtlichen Register und Bürgerdatenbanken zuständig ist. Betroffen gewesen sei vor allem das Immobilienregister und das Register juristischer Personen. Unbekannte hatten demnach Zugangsdaten von einer Behörde genutzt, die eigentlich zum Abruf dieser Informationen berechtigt gewesen seien. Der Leiter des Zentrums ist deshalb von seinem Posten zurückgetreten, die Behörde reagierte mit zusätzlichen Cybersicherheitsmaßnahmen.
Was geschehen ist, sei unerträglich und dürfe sich nicht wiederholen, sagte Nauseda. Weiter kritisierte das Staatsoberhaupt des 2,8-Millionen-Einwohner-Landes die Regierung für die verzögerte Bekanntgabe des Vorfalls, der sich bereits Ende März zugetragen habe. Dass die Öffentlichkeit erst ein bis zwei Monate später darüber informiert wurde, sei nicht zu rechtfertigen, sagte der nach eigenen Angaben selbst vom Datenleck betroffene Präsident.
Sorge vor Betrug und Identitätsdiebstahl
Nach Angaben des Zentrums seien Daten aus Grundbuchauszügen – Namen, Nachnamen, Personenkennziffern, Geburtsdaten und Informationen zu Immobilien – entwendet worden. Bislang gebe es nach Angaben von Nauseda keine Hinweise darauf, dass die gestohlenen Daten dazu verwendet wurden, um Personen Schäden oder finanzielle Verluste zuzufügen. Weiterhin besteht aber das Risiko, dass sie von Betrügern missbraucht werden könnten.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
LiteSpeed cPanel-Plugin: Angriffe auf Schwachstelle beobachtet
Im LiteSpeed-Plugin für cPanel klafft eine Sicherheitslücke, die der Hersteller als kritisch einstuft. Die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA warnt, dass Angriffe darauf beobachtet wurden. Aktualisierte Software steht bereit.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die CISA nennt in ihrer Warnung lediglich die attackierte Schwachstelle. Details zu Art und Umfang der Angriffe verrät die Behörde jedoch nicht. Ein eigener Blogbeitrag von LiteSpeed liefert mehr Informationen. Darin stuft das Unternehmen das Update auf Version 2.4.7 oder neuer als dringend ein; seit Version 2.4.5 des Plugins ist das Leck gestopft. Es bessert eine Schwachstelle aus, die das End-User-Plugin für cPanel betrifft. Es handelt sich um ein Leck, das Angreifern das Ausweiten der Rechte ermöglicht. Jeder cPanel-User kann den Fehler in der Funktion lsws.redisAble missbrauchen, um beliebigen Code als root auszuführen (CVE-2026-48172, CVSS 9.8, Risiko „kritisch“). Die Lücke wird demnach in freier Wildbahn bereits angegriffen, verwundbar sind die Versionen 2.3 bis 2.4.4 des Plugins für cPanel.
Prüfung auf erfolgreiche Angriffe
LiteSpeed liefert auch einen Befehl mit, mit dem Admins prüfen können, ob der eigene Server betroffen ist:
grep -rE "cpanel_jsonapi_func=redisAble" /var/cpanel/logs /usr/local/cpanel/logs/ 2>/dev/null
Kommt kein Ergebnis zurück, wurde der Server nicht angegriffen. Sofern jedoch Ausgaben erscheinen, sollten IT-Verantwortliche prüfen, ob die IPs zulässig sind und sie gegebenenfalls blockieren. Außerdem sollten in dem Fall die Systemprotokolle untersucht werden, ob die Angreifer Veränderungen vorgenommen haben. Das hilft natürlich nur in den Fällen, in denen Angreifer ihre Spuren nicht verwischt und etwa die Logs bereinigt haben.
cPanel-Admins haben im Mai bereits mehrmals Software-Updates installieren müssen. Vor rund zwei Wochen haben Sicherheitspatches etwa Codeschmuggel-Lücken in der Webserver- und Verwaltungssoftware cPanel und WebHost Manager (WHM) geschlossen.
Weiterlesen nach der Anzeige
(dmk)
-
Social Mediavor 3 MonatenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenBlade‑Battery 2.0 und Flash-Charger: BYD beschleunigt Laden weiter
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
Top 10: Der beste Luftgütesensor im Test – CO₂, Schadstoffe & Schimmel im Blick
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMähroboter ohne Begrenzungsdraht für Gärten mit bis zu 300 m²
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniPhone Fold Leak: Apple spart sich wohl iPad‑Multitasking
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
JBL Bar 1300MK2 im Test: Soundbar mit Dolby Atmos, starkem Bass und Akku‑Rears
-
Social Mediavor 2 MonatenVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
