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Streit von Anthropic und DOD: Seinen Standpunkt muss man sich leisten können
Der Streit zwischen Anthropic und dem US-amerikanischen Department of Defense (DOD) ist von Doppelzüngigkeit und Intrigen geprägt.
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In der letzten Februarwoche forderte der US-Kriegsminister Pete Hegseth, dass Anthropic die Schutzmaßnahmen seiner großen Sprachmodelle (LLMs) für militärische Einsatzzwecke deaktiviere oder dem DOD uneingeschränkte Modelle ausliefere. Diese Guardrails sollen unter anderem den Einsatz in Systemen zum autonomen Töten und für die Massenüberwachung von US-Bürgern verhindern. Anthropic weigerte sich. Die US-Regierung begann reflexhaft zu schimpfen und drohte unter anderem mit dem Defense Production Act, einem Gesetz, mit dem die Regierung die Produktion von kriegswichtigen Gütern priorisieren kann.

Philipp Steevens ist seit 2022 bei iX. Er betreut vornehmlich Artikel aus den Bereichen Data Science und KI und kümmert sich um den LinkedIn-Auftritt des Magazins.
Seinen Standpunkt kann sich der LLM-Anbieter anscheinend leisten: Das Pilotprojekt mit dem DOD sollte einen finanziellen Deckel von 200 Millionen US-Dollar haben, während sich der hochgerechnete Jahresumsatz der Firma auf 14 Milliarden US-Dollar beläuft. Rückendeckung bekam Anthropic dabei auch von OpenAI-CEO Sam Altman, der die Standhaftigkeit in einer Fernsehsendung lobte.
In typischer Trump-Manier folgte eine wütende Regierungserklärung in Tweet-Form. Der US-Präsident forderte darin alle Regierungsbehörden auf, die Anthropic-Modelle rauszuwerfen. Frist: sechs Monate. Außerdem erklärte er den KI-Anbieter zum Lieferkettenrisiko. Dieses Prädikat blieb bisher ausländischen Firmen wie Huawei vorbehalten.
OpenAI und xAI sind zur Stelle
In diesem Drama untergegangen ist eine Studie des King’s College in London. Die Forscher zeigten, dass LLMs in Planspielen zu Konfliktsituationen in 95 Prozent der Fälle zu Atomwaffen als Eskalationsmittel griffen. Die Studie in Kombination mit Anthropics Herstellerangaben, dass die eigene Technik für autonome Waffensysteme nicht bereit ist, sollte dem gesunden Menschenverstand ausreichen. Den vermisst man aber spätestens seit Trump II schmerzlich in der US-Regierung.
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Aber zu Trumps Glück gibt es noch Anbieter, die sich für nichts zu schade sind. Während OpenAI-Boss Altman bei CNBC Anthropics Haltung lobte, schloss er im Hintergrund einen Deal mit dem DOD – im Grunde zu den gleichen Konditionen wie Anthropic. Denn auch hier sind Massenüberwachung von US-Staatsbürgern und autonomes Töten zumindest laut den öffentlich bekannten Informationen ausgeschlossen. Damit einher ging eine kleine Spende des OpenAI-Mitgründers Greg Brockman in Höhe von 25 Millionen US-Dollar an die Lobbygruppe von Trump. Auf die nachfolgende Kritik reagierte Altman mit den üblichen Krokodilstränen und einem Schlingerkurs bei den vermeintlichen Vertragsdetails.
Zusätzlich soll auch Grok, das LLM von Elon Musks Unternehmen xAI, für die wichtigen Aufgaben der Massenüberwachung und des autonomen Tötens zum Einsatz kommen. Das Tool ist so unreguliert, dass sich damit problemlos Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern erzeugen ließen. Wenn also die Modelle chronischer Lügner und solche für lockere Missbrauchsdarstellungen zukünftig Einfluss auf die Militärnetzwerke und Kriegssysteme der USA haben, kann nichts mehr schiefgehen.
Anthropic ist das neue Huawei
Kurzfristig gewann das Marketing von Anthropic, das edelmütig die ethischen Werte des Unternehmens verteidigt hat. In den Folgetagen zog Claude in den App-Stores an den Konkurrenten ChatGPT und Gemini vorbei. Wie sich allerdings die Einstufung als Lieferkettenrisiko auswirkt, ist ungewiss. Müssen jetzt alle Firmen, die Verträge mit US-Verteidigungseinrichtungen haben, Anthropic komplett aus ihrer Lieferkette verbannen?
Microsoft sieht das offenbar nicht so. Ein Sprecher erklärte Business Insider, die Prüfung durch Juristen habe ergeben, dass man seinen Kunden weiterhin Anthropic-Produkte über die eigenen Plattformen anbieten könne. Ausnahme sei lediglich das Verteidigungsministerium. Bei Projekten außerhalb des Verteidigungssektors könne Microsoft hingegen mit Anthropic zusammenarbeiten. Wie Reuters schreibt, bezweifelten Juristen ohnehin, dass die Trump-Regierung die nötigen Befugnisse hat, die Nutzung von Anthropic etwa bei Rüstungsunternehmen zu untersagen.
Das heißt natürlich nicht, dass Firmen wie Lockheed Martin nicht trotzdem Trumps Social-Media-Erguss folgen und den Bannhammer gegen Anthropic schwingen. Aber die Modelle des Anbieters gelten derzeit als die absolute Marktspitze, auch wenn Claude Opus nach wie vor die höchsten Betriebskosten erzeugt. Und Anthropics LLMs scheinen für die US-Kriegsbemühungen im Iran zentral zu sein. Es bleibt also spannend, ob sich die Erklärung zum nationalen Risiko tatsächlich auf die Geschäfte von Anthropic auswirkt.
Dieser Kommentar ist das Editorial der iX 04/2026, die am 20. März 2026 erscheint.
(pst)
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Nuki und Tedee bauen Smart-Lock-Technik direkt in Elektro-Türen ein
Die Smart-Lock-Hersteller Nuki und Tedee haben unabhängig voneinander Komponenten vorgestellt, die sich unauffällig direkt in die Tür integrieren. Bei Nukis Smart Module handelt es sich um eine Funk- und Schalteinheit, die in der Zarge steckt und Steuerbefehle an einen motorisierten Schließzylinder schickt. Das Tedee Biometric Module ist eine Griffstange mit integriertem Fingerabdrucksensor fürs Türblatt. Er steuert einen innen nachgerüsteten Türschlossantrieb von Tedee.
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Ein außen an der Wand montiertes Lesefeld ist dank Tedees integriertem Scanner nicht nötig. Bei Nukis Lösung entfällt ein Motorgehäuse an der Türinnenseite. Beide Produkte sind interessant, wenn man sich im Neubau eine elektromechanische Tür ohne ästhetische Störfaktoren durch Smart-Lock-Technik wünscht.
Gleiche App-Funktionen wie bei „sichtbaren“ Nachrüstkits
Nuki hat das Smart Module im Zusammenspiel mit Rehau Window Solutions, einem Hersteller von Fenstern und Türen, entwickelt. Es soll ab Oktober dieses Jahres als Komplettpaket bei diversen Anbietern, nicht nur Rehau, erhältlich sein.
Weil das Smart Module an der Stromversorgung der Tür hängt, braucht es keine Akkus oder Batterien, anders als die nachrüstbaren Smart Locks von Nuki. Von ihnen übernimmt das Smart Module allerdings die gleichen Software-Funktionen. Per Nuki-App regelt man den Fernzugriff, managt digitale Schlüssel und automatische Türöffnungen oder koppelt Nuki-Zubehör wie Keypads mit und ohne Fingerabdrucksensor.

Das Tedee Biometric Module ist ein Fingerabdruckscanner, der unauffällig in eine Griffstange eingebaut ist und von dort aus ein Smart Lock auf der Innenseite aufschließt.
(Bild: Tedee)
Das Tedee Biometric Module ist ein Fingerabdruckscanner, der unauffällig in eine Griffstange eingebaut ist und von dort aus ein Smart Lock auf der Innenseite aufschließt. Genau auf solche sichtbaren Scanner kann man bei Tedees Biometric Module verzichten. Der Hersteller hat es für Anbieter hochwertiger Türen konzipiert, nennt aber noch keine Partner oder einen Marktstart. Tedees Fingerabdruckgriffstange lässt sich optional mit Niederspannung versorgen, ist aber anders als Nukis Schließmodul nicht auf die Türelektrik angewiesen. Ein Batteriepack mit bis zu zehnjähriger Laufzeit ermöglicht eine kabellose Energieversorgung.
Über die Tedee-App lassen sich bis zu 100 Fingerabdrücke speichern und individuelle Zugangsrechte vergeben. Das Tedee Biometric Module ist mit den Nachrüst-Schlossantrieben Tedee Go und Go 2 kompatibel. Diese haben mit Nuki-Locks gleichgezogen und lassen sich via Thread-Funk mit Matter-Plattformen etwa von Amazon, Apple und Google verknüpfen.
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(afl)
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secIT 2026: Ein LKA-Cyberermittler plaudert aus dem Nähkästchen
Bereits kommende Woche öffnet die secIT 2026 ihre Türen. Das von c’t, heise security und iX ausgewählte redaktionelle Programm ist garantiert werbefrei. In diesen Vorträgen und Workshops steht verständlich vermitteltes Fachwissen im Fokus, das Teilnehmer direkt in ihren Unternehmen für mehr IT-Sicherheit umsetzen können. Mehrere Workshops sind bereits ausgebucht, sodass Interessierte jetzt Tickets für noch freie Slots buchen sollten.
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Die secIT 2026 findet vom 17. bis 19. März im Hannover Congress Centrum (HCC) statt. Tickets und Workshopplätze bucht man direkt im Onlineshop. Wer am secIT-Glücksrad dreht, kann sogar Frei-Tickets gewinnen.

Im zweitägigen „Crashkurs IT- und Informationssicherheit – Bedrohungen und Maßnahmen heute“-Workshop für IT-Security-Einsteiger holt Steffen Gundel zum Rundumschlag aus und vermittelt praktische Grundlagen anhand von praxisnahen Beispielen.
Programm-Highlights
Wie schätzt man die Bedrohung durch Sicherheitslücken für die eigene Firma am besten ein? Diese und weitere Fragen klärt der Halbtagsworkshop „1×1 des Schwachstellen- und Patchmanagements“. Im Ganztagsworkshop „API-Sicherheit nach OWASP API Security Top 10“ lernen Teilnehmer unter anderem, wie sie Web-Schnittstellen effektiv absichern. Dabei spielt auch die Angreiferperspektive eine Rolle, um sinnvolle Schutzkonzepte zu besprechen.
Beim Workshop „Einblick in den OSCP – Hacking lernen wie die Profis“ ist der Name Programm und er richtet sich nicht nur an Pentester. Heutzutage arbeitet man an vielen Stellen mit Webapplikationen. Umso wichtiger, dass diese wirksam vor Cyberattacken geschützt sind. Dabei hilft der Ganztagsworkshop „Einführung in das Hacking und Pentesting von Webapplikationen“.
In den Keynotes und Vorträgen erzählen unter anderem ein LKA-Cyberermittler und ein Pentester spannende Erlebnisse aus ihrem Berufsalltag. Natürlich gibt es auch bei diesen Programmpunkten hilfreiche Fakten, um etwa KI-Attacken einschätzen und abwehren zu können. Außerdem gibt es konkrete Tipps, wie man M365 absichert.
In der Podiumsdiskussion „Europas Cybersicherheit – ein Spielball geopolitischer Konflikte?“ diskutieren die Teilnehmer unter anderem darüber, wie Europa seine Demokratie und seine – nicht nur – digitale Zukunft schützen kann. Das komplette Programm der secIT 2026 ist auf der Website einsehbar.
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(des)
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Spektakulärer Feuerball: Meteorit abgestürzt und in Koblenzer Haus gekracht
Über dem Westen Deutschlands und mehreren Nachbarstaaten war am Sonntagabend der hell leuchtende Absturz eines Meteoriten zu sehen. Ein Bruchstück hat das Dach eines Gebäudes im Koblenzer Stadtteil Güls beschädigt. Das geht aus zahlreichen Augenzeugenberichten und behördlichen Mitteilungen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa hervor. „Heute Abend kam es gegen 19.00 Uhr im Koblenzer Stadtteil Güls zum Einschlag eines verglühten Himmelskörpers in das Dach eines Wohnhauses. Es wurde niemand verletzt.“, zitiert die Nachrichtenagentur die Koblenzer Polizei. Das Lagezentrum Bevölkerungsschutz in Koblenz sprach von einem „erhöhten Notrufaufkommen“. Der Meteoritenabsturz war demnach nicht nur zu sehen, begleitet wurde er auch von einem lauten Knall.
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Der Meteoritenabsturz aus einem Auto gefilmt
In Koblenz hat ein Bruchstück des Meteoriten ein fußballgroßes Loch in das Dach eines Wohnhauses geschlagen, zitiert die dpa das Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz. Der Gesteinsbrocken hat demnach erst das Dach getroffen und ist dann ins Schlafzimmer eingeschlagen. Verletzt wurde dabei niemand. „Es waren auch Personen in dem Gebäude, aber nicht innerhalb dieses Raumes“, zitiert die Nachrichtenagentur den Einsatzleiter der Feuerwehr. Der Schaden soll demnach am heutigen Montag bei Tageslicht begutachtet werden. Unklar ist auch, was von dem Meteoriten noch übrig ist. Berichte über weitere Schäden aus der Region gibt es bislang nicht.
Tausende gemeldete Beobachtungen
Bei der American Meteor Society, die dafür ein eigenes Internetportal betreibt, sind bereits mehr als 2300 Berichte eingegangen, die stammen außer aus Südwest- und Westdeutschland auch aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Viele Menschen haben in den sozialen Medien über ihre Beobachtungen berichtet. Unklar ist noch, ob es einen Zusammenhang zu einem Großeinsatz der Feuerwehr in der niedersächsischen Stadt Stade bei Hamburg gibt. Aus der Bevölkerung wurde dort der Absturz „von möglichen Flugzeugteilen oder Teilen von sonstigen Himmelskörpern“ gemeldet. Bei einem Großeinsatz der Feuerwehren mit der Unterstützung durch einen Marinehubschrauber und die Drohne der DLRG Horneburg/Altes Land wurde aber nichts gefunden.
Meteoriten sind nicht irdische Gesteinsbrocken, die nach einem Absturz durch die Atmosphäre den Erdboden erreicht haben. Verglühen sie vorher, nennt man sie Meteore, Meteoroiden sind die Ursprungskörper vor ihrem Eintritt in die Atmosphäre. Oft brechen Asteroiden nach ihrem Eintritt in die Atmosphäre auseinander, die einzelnen Bruchstücke können dann verglühen oder den Erdboden erreichen. Meteoriten stammen zumeist aus dem Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter, sie können mehrere Milliarden Jahre alt sein. Die Steine sind Überreste der Entstehung unseres Sonnensystems und deshalb für die Forschung von großem Interesse. Vor allem, wenn sie möglichst früh gefunden werden.
In Deutschland eher selten
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Weltweit gibt es immer wieder Meteoriteneinschläge, teilweise auch besonders spektakuläre. In Deutschland sind solche Ereignisse dagegen eher selten. Am 25. April 2023 ist aber ein besonders großer Meteorit über Elmshorn in Schleswig-Holstein zu Boden gegangen, das größte Bruchstück hat mehr als 3,7 kg gewogen. Der Stein galt damals als der schwerste gefundene Meteorit seit rund 100 Jahren in Deutschland. Anfang 2024 ist dann ein Asteroid über Berlin abgestürzt und in mehrere Teile zerbrochen. Im Sommer 2024 ist dann im Osten Kanadas erstmals ein Meteoriteneinschlag in Ton und Bild festgehalten worden.
(mho)
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