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Temu und Shein: Handelsverband HDE bringt Importstopp ins Spiel
In einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bringt der Handelsverband HDE einen Importstopp für Waren chinesischer Internethändler wie Temu oder Shein ins Spiel. Alexander von Preen und Geschäftsführer Stefan Genth beklagen in dem Schreiben ungleiche Wettbewerbsbedingungen.
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Chinesische Onlineanbieter wie Temu oder Shein würden sich systematisch über die nach EU-Recht geltenden Sicherheits- und Umweltstandards hinwegsetzen, kritisieren die Verbandschefs. In Deutschland ansässige Händler seien deshalb nicht mehr konkurrenzfähig.
Der HDE fordert von Bundeskanzler Merz, sich beim am 12. Februar stattfindenden Sondergipfel der EU für faire Wettbewerbsbedingungen und gegen Wachstumshemmnisse einzusetzen. Ultima Ratio müssten auch drastische Maßnahmen wie ein Importstopp von chinesischen Billigwaren in Erwägung gezogen werden. „Wer sich nicht an die Regeln hält, darf auf unserem Markt nicht mitspielen“, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus dem Schreiben.
Außerdem befürchtet der HDE, dass die Umsetzung von EU-Richtlinien die Bürokratielasten für den Einzelhandel im Laufe des Jahres erhöht. Mit der 2026 in Kraft tretenden Verschärfung des Entgelttransparenzgesetzes oder der ab Ende dieses Jahres gültigen EU-Entwaldungsverordnung würden zusätzliche bürokratische Hemmnisse entstehen. Wachstums- und Wettbewerbsfähigkeiten des Einzelhandels würden so lahmgelegt.
Temu und Shein wachsen in Deutschland
Laut einer Mitte vergangenen Jahres veröffentlichten Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2025“ des Handelsforschungsinstituts EHI und der Datenplattform ECDB stieg die Popularität chinesischer Onlineshopping-Portale in Deutschland im Jahr 2024 stark an.
Der Nettoumsatz des chinesischen Modekonzerns Shein wuchs 2024 um 18 Prozent 1,1 Milliarden Euro, womit Shein erstmals in die Top Ten der größten Onlineshops in Deutschland aufstieg. Stand September 2025 ist das Unternehmen der siebtgrößte Onlinehändler in Deutschland – 2023 lag das Unternehmen noch auf Platz 18.
Bei Online-Marktplätzen machte Temu 2024 den größten Sprung. Das chinesische Portal vervierfachte sein Bruttohandelsvolumen in Deutschland nahezu auf 3,4 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 285 Prozent entspricht. Dieser Wert entspricht dem Gesamtwert aller Bestellungen. Der Konzern stieg damit vom elften auf den fünften Platz der B2C-Marktplätze in Deutschland auf.
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Amazon größte Konkurrenz des deutschen Einzelhandels
Unterdessen bleibt Amazon laut der Studie nicht nur wichtigster Online-Shop Deutschlands, sondern auch der größte Online-Marktplatz. Mit einem Nettoumsatz von 15 Millionen Euro und einem Bruttohandelsvolumen von 52 Millionen Euro im Jahr 2024 schlägt das US-Unternehmen die Konkurrenz weit ab.
Shein kommt mit einem Jahresumsatz von rund einer Million Euro nicht einmal auf ein Zehntel des Jahresumsatzes von Amazon in Deutschland. Auch Temu, der mittlerweile fünftgrößte Online-Marktplatz, verzeichnet mit rund 3,4 Millionen Euro nur ein Fünfzehntel des jährlichen Handelsvolumens von Amazon.
Temu und Shein bereits im Fokus der EU-Kommission
Temu und Shein sind schon seit Längerem im Fokus der EU-Kommission. Gegen Temu läuft derzeit ein Untersuchungsverfahren, weil die Kommission dem Konzern vorwirft, den Verpflichtungen aus dem Digital Services Act (DSA) nicht ausreichend nachzukommen.
Mitte letzten Jahres veröffentlichte die EU-Kommission ein vorläufiges Untersuchungsergebnis, demzufolge der Anfangsverdacht bestätigt werden konnte. Für Verbraucher bestehe ein hohes Risiko, auf dem Online-Marktplatz an Produkte zu gelangen, die nicht den innerhalb der EU geltenden Regeln entsprechen. Andere wichtige Aspekte des Verfahrens, etwa ob Temu unzulässig Verbraucher mit sogenannten Dark Pattern beeinflusst, untersucht die Kommission unabhängig davon weiter.
Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission ebenfalls angekündigt, härter gegen den Online-Modehändler Shein vorgehen zu wollen. Einer Untersuchung der Kommission und des Netzwerks der Verbraucherbehörden der EU-Länder zufolge führt das chinesische Unternehmen Verbraucher systematisch mit sogenannten Dark Pattern in die Irre. Diese verkaufsfördernden, teils manipulativen Methoden können etwa Scheinrabatte, willkürliche Fristen oder irreführende Nachhaltigkeitsaussagen sein und verstoßen gegen das EU-Verbraucherrecht, erklärte die Kommission damals.
(rah)
Künstliche Intelligenz
Ältere DSL-Tarife der Telekom werden teurer
Manche DSL-Kunden der Deutschen Telekom sollen ab April 2026 zwei Euro im Monat mehr bezahlen. Betroffen sind DSL-Verträge, die vor April 2023 abgeschlossen worden sind. Sie tragen Marketing-Bezeichnungen wie Call & Surf oder Magenta Zuhause. Der Telecom-Konzern hat damit begonnen, die jeweiligen Kunden über die Preiserhöhung in Kenntnis zu setzen.
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Die Betroffenen können entweder den höheren Preis bezahlen oder ihren Vertrag binnen dreier Monate außerordentlich kündigen. Laut heise online Tarifrechner gibt es Konkurrenzangebote ab zirka 19 Euro monatlich.
Die Deutsche Telekom begründet die Preiserhöhung mit gestiegenen Kosten. Neukunden des Marktführers müssen demnach noch höhere Preise hinnehmen, als die betroffenen Altkunden.
Kündigungstermin mit Bedacht wählen
Wer seinen DSL-Vertrag mit der Telekom innerhalb der Drei-Monats-Frist außerordentlich kündigt, ist an keine Kündigungsfrist gebunden. Allerdings sollte der Termin dem neuen Anbieter überlassen werden, um nicht ohne Internetzugang dazustehen. Ist der Anschluss einmal deaktiviert, kann ein Neuanschluss zusätzliche Kosten nach sich ziehen.
Internetanschlusstarife variieren je nach gewünschten Bandbreiten. Nicht alle Anbieter sind bundesweit tätig, also spielt auch der jeweilige Standort eine Rolle. Nicht zuletzt hängt der Preis von der gewünschten Zugangstechnik ab, ob es wieder DSL oder aber Glasfaser, TV-Kabel oder ein kabelloses Verfahren mit Funkverbindung sein soll.
DT dominiert
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Die Zahl der DSL-Anschlüsse in Deutschland ist rückläufig. 2020 und 2021 gab es laut Erhebung der Bundesnetzagentur (BNetzA) den historischen Höchststand von 25,4 Millionen; Ende Juni 2025 waren es nur noch 23,2 Millionen.
Davon entfielen 13,5 Millionen auf die Deutsche Telekom sowie 8,2 Millionen auf Mitbewerber, die entweder die vollständige Leistung der Deutschen Telekom unter eigener Marke weiterverkaufen oder den von der Deutschen Telekom bereitgestellten Bitstream vermarkten. Die Tarife können sich dennoch wesentlich unterscheiden. Nur 1,5 Millionen DSL-Anschlüsse sind demnach von alternativen Anbietern realisiert, sei es vollständig oder unter Anmietung der Telekom-Anschlussleitung.
(ds)
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Kann KI neue Mathe-Erkenntnisse liefern? Spitzenforscher machen den Test
Ob bei komplexen Berechnungen oder logischen Beweisen: Sprachmodelle wie ChatGPT und Gemini gelten mittlerweile als äußerst versiert in Mathematik. Weit weniger gewiss ist bisher, wie sie sich abseits bekannter Pfade schlagen. Sind sie in der Lage, durch eigene Kreativität ungelöste wissenschaftliche Fragestellungen zu bewältigen, oder sind sie nur gut darin, bereits Gelerntes zu reproduzieren?
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Dieser Frage gehen zehn renommierte Mathematiker in einem Experiment nach. Dafür steuerten die Forscher jeweils eine Testfrage aus verschiedenen mathematischen Feldern bei, die ihrer eigenen, noch unveröffentlichten Forschung entspringt. Da es für diese Fragen noch keine Antworten im Netz oder aus anderen Quellen gibt, kann das Sprachmodell zur Lösung nicht auf bereits gelerntes Wissen zugreifen. Das Ziel ist es zu testen, wie weit eine KI über ihre Trainingsdaten hinausgehen und eigene Lösungsansätze entwickeln kann.
Dafür konfrontierte die Gruppe die Sprachmodelle ChatGPT 5.2 Pro von OpenAI sowie Gemini 3.0 Deep Think von Google mit den Forschungsfragen. Den KI-Systemen wurde dabei uneingeschränkter Zugriff auf die Internetsuche gewährt.
Sprachmodelle „wie ein schlechter Student“
In einem Interview mit der New York Times teilen die Forscher erste Eindrücke aus Vorabtests. Der Mathematiker Martin Hairer ist zwar beeindruckt davon, wie sicher und korrekt die KI eine Reihe bekannter Argumente samt dazwischenliegenden Berechnungen aneinanderreihen kann. Geht es jedoch darum, echte Forschungsarbeit zu leisten, bietet sich ein anderes Bild: Die Versuche der KI wirken laut Hairer wie die Arbeit eines schlechten Studenten, der zwar ungefähr wisse, wo er anfangen müsse und wo er hinwolle, aber keine wirkliche Ahnung habe, wie er dorthin gelangen solle.
„Ich habe bisher kein plausibles Beispiel dafür gesehen, dass ein Sprachmodell eine wirklich neue Idee oder ein grundlegend neues Konzept hervorgebracht hat“, sagt der Träger der Fields-Medaille, der prestigeträchtigsten Auszeichnung in der Mathematik. Hairer glaubt daher, dass die mathematische Forschung „ziemlich sicher“ vor einer Übernahme durch große Sprachmodelle sei.
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Einige von Hairers Kollegen haben in ihren Tests ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Mathematikerin Tamara Kolda, die ebenfalls eine Frage beigesteuert hat, kritisiert, dass die KI keine eigene Meinung besitze und deshalb kein guter Partner für eine echte Zusammenarbeit sei. Ganz im Gegensatz zu ihren menschlichen Kollegen.
Hairer wiederum bemängelt, dass die KI zu selbstsicher auftrete. Es erfordere viel Mühe, sich davon zu vergewissern, ob die Antworten korrekt seien oder nicht. Auch hier dränge sich laut Hairer wieder der Vergleich mit einem Studenten auf, bei dem man nicht genau wisse, ob er wirklich brillant oder nur gut darin sei, „Bullshit“ zu produzieren.
Gegen den Mythos der „gelösten“ Mathematik
Das Experiment versteht sich als Versuch eines unabhängigen und öffentlichen KI-Benchmarks abseits der gängigen Testverfahren großer LLM-Anbieter. Über die rein technische Überprüfung hinaus arbeiten die Wissenschaftler damit auch gegen den Mythos an, dass Mathematik durch KI bereits „gelöst“ sei. Damit wirken sie der Befürchtung entgegen, dass eine akademische Karriere in diesem Bereich für Studierende überflüssig geworden sei.
Die zehn Fragen sind seit letzter Woche im Netz einsehbar. Ziel ist es, dass die Forschungsgemeinschaft mit den Aufgaben experimentieren und sich eine eigene Meinung bilden kann, bevor die Lösungen am 13. Februar veröffentlicht werden.
Damit ist das Experiment allerdings nicht beendet: Nach einer gewissen Reifezeit möchte die Gruppe in ein paar Monaten eine zweite Runde an Aufgaben formulieren. Diese sollen unter Berücksichtigung des eingeholten Feedbacks einen noch objektiveren KI-Benchmark ermöglichen.
(tobe)
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Elektroautos: ACC will Batteriewerk in Kaiserslautern nicht mehr bauen
Das Gemeinschaftsunternehmen Automotive Cells Company (ACC) wird die geplante Großfabrik für Traktionsbatterien in Kaiserslautern nun doch nicht errichten. Die schon 2024 aufgeschobenen Planungen für die Standorte in Deutschland und Italien rechnen sich inzwischen nicht mehr, wie aus einer Stellungnahme des Gemeinschaftsunternehmens der Konzerne Stellantis, Mercedes-Benz und Total Energies hervorgeht. Der Standort Billy-Bercleau/Douvrin in Frankreich solle als „primärer Innovationshub“ bestehen bleiben.
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Hintergrund ist die anhaltend schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa sowie der massive Kurseinbruch bei Stellantis. Der Volkswagen-Konkurrent gab in der vergangenen Woche Abschreibungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro bekannt und erlitt an der Börse einen beispiellosen Kurssturz.
Subventionen waren bereits zugesagt
Am Standort der Stellantis-Tochter Opel in Kaiserslautern sollten rund 2000 Arbeitsplätze entstehen. Deutschland und Frankreich sagten der ACC Fördermittel in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zu. Allein das deutsche Werk sollte mit Steuergeld in Höhe von rund 437 Millionen Euro unterstützt werden. Einen entsprechenden Förderbescheid überreichten der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bereits.
Wie beim Partnerprojekt im italienischen Termoli will ACC nun mit den Gewerkschaften über die Einstellung der Projekte sprechen. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirkschef Jörg Köhlinger bezeichnete das Vorgehen als „irrational und verantwortungslos“. Widerstandsfähige Lieferketten entstünden so nicht. Jahrelang hätten sich Betriebsräte und IG Metall für die Ansiedlung eingesetzt, sagte der Gewerkschafter. „Wir haben innovative tarifliche Regelungen getroffen, mit denen wir dem Unternehmen weit entgegengekommen sind. Und jetzt will ACC den Abgesang einleiten.“
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(fpi)
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